1,99 €
Krankenschwester Mila steckt in ihrem ganz persönlichen Albtraum fest: Ihr Noch-Ehemann ist ihr neuer Chef! Seit Wochen wird auf der Kinderstation der Waldner-Klinik gerätselt, wer die Leitung für den scheidenden Stationsarzt übernimmt, nun steht fest: Es wird Markus Weidinger. Der engagierte Kinderarzt stößt erst auf Skepsis, will er doch einiges umkrempeln, aber mit seiner Wärme erobert er die Herzen von Mitarbeitern und kleinen Patienten im Sturm.
Zwischen Mila und ihm fliegen nicht nur die Fetzen, sondern auch die Funken, denn sie haben einander nie vergessen. Sie vereinbaren, sich während der Arbeit wie Profis zu verhalten. Niemand soll ahnen, wie viel sie einander einmal bedeutet haben. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn jede Begegnung entflammt ihre Herzen neu. Nur Kollegen? Wie lange kann das gutgehen?
Wie viel Markus Mila noch bedeutet, spürt sie, als er urplötzlich zusammenbricht. Ein Ultraschall enthüllt eine Diagnose, die sein Leben in Gefahr bringt: akutes Leberversagen. Markus benötigt dringend eine Transplantation, sonst wird er diesen Monat nicht überleben ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Verhängnisvoller Ultraschall
Vorschau
Impressum
Verhängnisvoller Ultraschall
Arztroman um eine lebensgefährliche Diagnose
Krankenschwester Mila steckt in ihrem ganz persönlichen Albtraum fest: Ihr Noch-Ehemann ist ihr neuer Chef! Seit Wochen wird auf der Kinderstation der Waldner-Klinik gerätselt, wer die Leitung für den scheidenden Stationsarzt übernimmt, nun steht fest: Es wird Markus Weidinger. Der engagierte Kinderarzt stößt erst auf Skepsis, will er doch einiges umkrempeln, aber mit seiner Wärme erobert er die Herzen von Mitarbeitern und kleinen Patienten im Sturm.
Zwischen Mila und ihm fliegen nicht nur die Fetzen, sondern auch die Funken, denn sie haben einander nie vergessen. Sie vereinbaren, sich während der Arbeit wie Profis zu verhalten. Niemand soll ahnen, wie viel sie einander einmal bedeutet haben. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn jede Begegnung entflammt ihre Herzen neu. Nur Kollegen? Wie lange kann das gutgehen?
Wie viel Markus Mila noch bedeutet, spürt sie, als er urplötzlich zusammenbricht. Ein Ultraschall enthüllt eine Diagnose, die sein Leben in Gefahr bringt: akutes Leberversagen. Markus benötigt dringend eine Transplantation, sonst wird er diesen Monat nicht überleben ...
»Mit einer Katze geht man nicht zum Tierarzt.« Rolf Fernau winkte ab. »Geldverschwendung!«
Mila blickte von ihrem Nachbarn auf den Kater in ihrem Arm. Er hatte unter ihrem Auto gesessen, als sie gerade zur Arbeit fahren wollte. Zusammengerollt, als wollte er dem bitterkalten Sturm so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten. Schneekristalle glitzerten in seinem schwarzen Fell. Mogli war ein Wirbelwind, wie er im Buche stand. Normalerweise. An diesem Morgen jedoch hob er nicht einmal den Kopf, als sie ihn streichelte, sondern wirkte so apathisch, als hätte er die ganze Nacht einen Mühlstein hinter sich hergeschleift.
Der Kleine wirkte nicht recht auf der Höhe. Er gehörte ihrem Nachbarn, aber der schien sich nicht zuständig zu fühlen.
»Müde wird er sein«, meinte er nur. »War ja auch drei Tage und drei Nächte weg.«
»Bei dieser Kälte?« Erschrocken sah Mila ihren Nachbarn an.
»Ja, und? Das ist eine Katze. Bei denen ist das normal.«
Mila hatte nicht genügend Erfahrungen mit Katzen, um etwas dazu zu sagen. Eines jedoch wusste sie: »Mogli hält es selten länger als ein paar Minuten auf dem Arm aus, dann treiben ihn seine Hummeln im Hintern um und er will runter. Jetzt rührt er sich jedoch nicht vom Fleck. Womöglich ist er krank?«
»Der ist nicht krank, nur faul. Ich werde bestimmt kein Geld zum Fenster rauswerfen und mit ihm zum Tierarzt gehen.« Ihr Nachbar warf einen schnellen Blick auf den Gehsteig. »Entschuldigen Sie mich. Ich muss mit der Hausverwaltung telefonieren. Der Schnee liegt knöchelhoch vor unserem Haus. So geht das auf keinen Fall. Der Hausmeister muss hier räumen – und das unverzüglich.«
»Das hat er schon.« Mila war halb vier in der Früh von dem Schaben der Schneeschaufel geweckt worden. »Aber solange es so heftig weiterschneit, kommt er mit dem Räumen kaum nach.«
»Sein Problem. Nicht unseres. Wir bezahlen genug, dass der Weg stets frei sein muss. Wie auch immer. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.« Ihr Nachbar strebte mit seiner Morgenzeitung in der Hand der Haustür zu.
»Warten Sie«, bat Mila. »Was machen wir mit Mogli?«
»Nichts«, kam es zurück. »Er ist ein Kater. Er ist zäh.«
Mila hoffte, dass Moglis Dosenöffner mit dieser Einschätzung richtiglag. Herr Fernau bewohnte die Erdgeschosswohnung neben ihrer. Sie hatten beide ein Stück Garten für sich, aber während ihres in der wärmeren Jahreszeit vor Grün wucherte und ihr manchmal schier über den Kopf wuchs, war sein Rasen auf exakt anderthalb Zentimeter Länge gestutzt und kein Halm Unkraut wagte sich an den mit Steinen eingefassten Weg. Jeden Morgen holte er um fünf nach fünf Uhr die Zeitung aus dem Postkasten. Nach ihm konnte man die Uhr stellen. Was er beruflich machte, wusste sie nicht genau. Nur, dass er einen Posten bei der Stadtverwaltung innehatte.
Mogli gab ein klägliches Maunzen von sich.
»Du wirkst wirklich nicht ganz fit, Kleiner«, meinte Mila.
»Ach was. Katzen haben sieben Leben.« Mit dieser Bemerkung schob ihr Nachbar die Tür auf und verschwand im Hausflur. Kurz bevor die Tür hinter ihm zufiel, sprang Mogli von Milas Arm und huschte hinter ihm ins Haus.
Eine leise Sorge nagte an ihr, aber dann sagte sie sich, dass ihr Nachbar Mogli schon länger kannte als sie. Vermutlich hatte er recht und alles, was der Kleine brauchte, war ein Körbchen voll Schlaf.
Mit diesem Gedanken drehte sie sich zu ihrem Auto um. Es stand am Straßenrand und war mit einer dicken Schneehaube bedeckt. Mila wischte die Beifahrertür mit einer Hand frei, zog sie auf und nahm Schneebesen und Eiskratzer aus dem Handschuhfach.
Die nächste Viertelstunde verbrachte sie damit, ihren Kleinwagen freizulegen, den ihre Kollegin der roten Farbe wegen liebevoll Rennpaprika genannt hatte.
Aufatmend schwang sie sich schließlich hinter das Steuer. Immerhin hatte sie Glück und die Lücke war vor ihr war frei, sodass sie behutsam über den Schnee und auf die Straße rollen konnte. Sie reihte sich in den morgendlichen Verkehr ein. Vor ihr lag der Frühdienst im Krankenhaus. Mila arbeitete als Kinderschwester in der Waldner-Klinik – einem modernen Krankenhaus am Englischen Garten. Die Kinderstation war der ganze Stolz des Klinikleiters. Aus ganz München und den umliegenden Gegenden kamen Patienten zu ihnen.
Es schneite unaufhörlich, deshalb kam Mila langsamer voran als sonst. Die Flocken wirbelten um ihr Auto herum, als würde sie im Inneren einer Schneekugel sitzen. In diesem Jahr machte der Winter seinem Namen wirklich alle Ehre. Sie konnte sich kaum entsinnen, wann es das letzte Mal so viele Tage – und Nächte! – hintereinander geschneit hatte.
In Gedanken plante sie bereits ihren Dienst vor und erinnerte sich daran, mit den Eltern der kleinen Linnea zu sprechen. Das Mädchen hatte ihr anvertraut, dass es vom Nachbarskind drangsaliert wurde. Darum sollten sie sich unbedingt kümmern.
Mila liebte ihre Arbeit als Kinderschwester. Schon als kleines Mädchen hatte sie ihre Puppen verbunden und gewusst, dass sie einmal in die Medizin gehen würde. Zu Kindern hatte sie einen guten Draht, und so war die Entscheidung leicht gefallen, welchen Beruf sie ergreifen sollte.
Auf dem Klinikparkplatz war Franz mit dem Schneeräummobil unterwegs. Blinkende orangefarbene Drehlichter flackerten im Flockenwirbel, während er die Parklücken für Personal und Besucher freischob.
Mila winkte ihm zu. Dann rollte sie in eine der Lücken und atmete auf. Sie fuhr nicht gern bei Schnee. Das Gefühl, über rutschige Butter zu rollen, behagte ihr nicht.
Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln, als sie zum Klinikeingang eilte. Die Glastüren schwangen vor ihr auseinander. Drinnen wurde sie von angenehmer Wärme begrüßt – und vom Klappern emsiger Schritte.
Sie eilte die Treppe nach oben zur Kinderstation und strebte dem Schwesternzimmer zu. Noch war es recht ruhig auf der Station. Die kleinen Patienten schliefen. Doch das würde sich in spätestens einer halben Stunde ändern.
Ihre Kollegin Nina stand schon an ihrem Spind, aber anstatt sich umzuziehen, lehnte sie mit dem Rücken dagegen und schlürfte Kaffee aus einem Pappbecher.
»Guten Morgen.« Mila warf ihr ein Lächeln zu.
Nina murmelte etwas, das nicht zu verstehen war.
»Alles in Ordnung, Nina?«
»Das muss sich erst noch rausstellen.« Nina seufzte und hielt ihr eine Papiertüte hin. »Magst du einen Donut?«
»Immer doch.« Mila griff zu und biss in das süße Teilchen. Zu spät entsann sie sich, dass sie ihren Zuckerkonsum eigentlich zurückschrauben wollte. »Danke. Magst du mir jetzt erzählen, was dich bedrückt?«
»Der neue Chef.«
»Sag bloß, es ist endlich heraus, wer den Posten übernimmt?« Mila sah ihre Kollegin überrascht an. Seit Wochen wurde auf der Kinderstation gerätselt, wer die Leitung für den scheidenden Stationsarzt übernehmen würde. Der Klinikchef hatte sich noch nicht dazu geäußert und so gab es bislang nichts als Mutmaßungen.
Bis jetzt, wie es schien.
»Anscheinend ja«, bestätigte Nina. »Allerdings ist der Neue noch nicht mal hier und krempelt schon alles um.«
»Was meinst du damit?«
»Wir bekommen neue Arbeitskleidung.« Nina griff in ihren Spind und holte ein grün-weiß geringeltes Shirt und eine grüne Hose heraus.
»Nicht dein Ernst. Ein Ringelshirt?«
»O ja.« Nina biss die Zähne zusammen. »Freiwillig ziehe ich das nicht an. Diese Querstreifen lassen einen viel dicker aussehen, als man ist.«
»Dicker?« Mila riss die Augen auf. Ihre Kollegin gehörte zu den Menschen, die selbst tropfnass nicht mehr als fünfzig Kilo wogen. Sie selbst dagegen haderte tatsächlich mit ihren Rundungen, die sich besonders gern da zeigten, wo sie ihrer Ansicht nach nichts zu suchen hatten.
»Das ganze Team der Station wird neu eingekleidet«, fuhr Nina fort. »Manche bekommen gelbe Shirts, andere rosa getupfte oder blaue. Entweder hasst uns der neue Chef schon jetzt – oder er geht davon aus, dass sich die Kinder bei uns wohler fühlen, wenn wir nicht gerade aussehen, als würden wir jeden Moment mit einer armlangen Spritze anrücken.«
»Fröhliche Farben können tatsächlich Ängste abbauen.« Mila fing einen finsteren Blick ihrer Kollegin auf. Rasch hing sie ihren blauen Parka in den Spind. »Wo hast du die neue Kleidung eigentlich her?«
»Hab eine Nachricht auf mein Handy bekommen, dass ich sie abholen soll.«
»Ich habe nichts dergleichen bekommen. Das heißt dann wohl, dass ich weiter weiß und rosa tragen darf.« Mila vertauschte Jeans und Pulli mit weißen Hosen und einem rosa Kasack. Dann heftete sie ihr Namensschild an: Mila Ahrens. »Und der neue Chef? Hast du eine Ahnung, wer es wird?«
»Noch nicht. Er macht es spannend, wenn du mich fragst.«
»Wer macht was spannend?« Die Tür klappte, und Thorsten schaute herein. Der Pfleger mit den dunklen Haaren, dem Kinnbart und den braunen Augen war ein Frauenschwarm, wie er im Buche stand. Mila war sicher, er würde groß rauskommen, wenn er seine Schlager nicht nur beim Bettpfannen schrubben schmettern würde. »Fragt nicht«, brummte er und strich über sein nagelneues kürbisfarbenes Shirt. »Der neue Boss hat einen seltsamen Farbengeschmack, wenn ihr mich fragt.«
»Vielleicht ist er farbenblind.«
»Schon möglich. Das würde jedenfalls einiges erklären.«
»Wir haben gerade darüber gerätselt, wer er wohl ist.«
»Nun, dieses Rätsel lässt sich lösen. Er ist nämlich schon eingetroffen. Doktor Waldner führt ihn gerade herum. Ich habe die beiden eben an der Wäschekammer gesehen. Sie sollten jeden Moment hier vorbeikommen. Wartet kurz ...« Thorsten dehnte die Worte, deutete zu der offenen Tür und murmelte: »Da sind sie schon.«
Milas Blick huschte hinaus in den Flur. Tatsächlich näherte sich der Klinikleiter soeben mit einem weiß gekleideten Kollegen. Dessen Anblick veranlasste ihr Herz zu einem schmerzhaften Satz.
Nein! Das durfte doch nicht wahr sein! Nein! Nein! Nein!
»Was ist denn los?«, murmelte Nina. »Du bist ja plötzlich so käsig, als hättest du einen Geist gesehen.«
»Schlimmer«, murmelte Mila. »Viel schlimmer.«
»Was könnte schlimmer sein als ein Geist auf unserer Kinderstation?«
Mila knirschte mit den Zähnen, denn sie war soeben in ihren ganz persönlichen Albtraum geschlittert: Der neue Chef war niemand anderes als ihr Ex!
***
»Darf ich Ihnen allen Markus Weidinger vorstellen?« Dr. Ulrich Waldner hatte das gesamte Team zusammengerufen.
Nun deutete er auf den groß gewachsenen Mann, der neben ihm stand und ein wenig so wirkte, als würde er auf glühenden Kohlen stehen. Mila erinnerte sich, dass ihm öffentliche Aufmerksamkeit schon früher unangenehm gewesen war. Er hatte einmal gesagt, dass er sich lieber den Blinddarm ohne Narkose entfernen lassen würde, als vor einer Gruppe von Menschen zu reden. Daran schien sich nichts geändert zu haben.
Die vergangenen fünf Jahre hatten ihn ernster gemacht. Äußerlich hatte er sich kaum verändert. Noch immer war er von sportlicher Statur und verströmte die Energie eines Mannes, dem in früheren Zeiten römische Heerscharen an den Hadrianswall – und darüber hinaus – gefolgt wären. Blonde Haare, die stets zerzaust waren, weil er die Angewohnheit hatte, beim Nachdenken mit den Händen durchzufahren. Ein markant geschnittenes Gesicht, das von braunen Augen dominiert wurde, die so bezwingend schauen konnten, dass man darin versank wie in einem Ozean aus heißer Schokolade. Markus war groß, sogar größer als der Klinikleiter, der selbst nicht gerade klein war. Er trug hellblaue Hosen und ein Shirt in derselben Farbe. Seine Arbeitskleidung, obwohl er noch nicht einmal offiziell eingeführt war. Anscheinend konnte er es nicht erwarten, die Ärmel hochzukrempeln und zu beginnen. Eine schmale Narbe kerbte seine rechte Augenbraue. Eine Erinnerung an einen betrunkenen Patienten, der ihn unerwartet mit einer Flasche angegriffen hatte, als Markus seinen schmerzenden Bauch untersuchen wollte. Mila konnte nicht aufhören, ihn anzustarren. Sie hörte kaum, wie Dr. Waldner ihn als neuen Stationsarzt vorstellte. In ihrem Kopf stiegen Bilder längst vergangener Tage auf. Ihr erster Kuss im strömenden Regen ... ihr erster gemeinsamer Urlaub am Tegernsee ... ihr letztes Lebwohl auf dem Kirchhof ...
»He!« Ein unsanfter Knuff in die Seite riss Mila ins Hier und Jetzt zurück. Nina zog eine sorgfältig gezupfte Braue hoch und raunte: »Unser Neuer hat es dir wohl angetan?«
»W-wieso?«
»Du sabberst!«
»Das mache ich bestimmt nicht.«
»Viel fehlt aber nicht.«
Mila schüttelte kaum merklich den Kopf und widerstand dem Impuls, sich über die Lippen zu fahren. Markus stand vor der versammelten Mannschaft der Kinderstation. Er schaute freundlich, aber auch distanziert in die Runde. Bis sein Blick auf Mila fiel – und sich merklich verdunkelte.
Unwillkürlich wollte sie herumwirbeln und fliehen, aber sie hielt aus, stemmte die Hände in die Kitteltaschen und reckte das Kinn. Nichts anmerken lassen. Das war ihr Mantra geworden in den vergangenen fünf Jahren. Sie hatte gelernt, zu funktionieren, irgendwie. Das würde ihr jetzt auch gelingen. Das musste es einfach. Nur nicht anmerken lassen, wie wild ihr Herz unter seinem Blick schlug!
Er senkte kaum merklich das Kinn, grüßte, ließ seine Augen auf ihr ruhen. Gerade lange genug, um sie an das Band zu erinnern, das sie einmal verbunden hatte.
Mila knirschte mit den Zähnen.
Als ob sie es jemals vergessen könnte ...
Sie spürte den fragenden Blick ihrer Kollegin auf sich und atmete tief aus. Erst jetzt erkannte sie, dass sie die ganze Zeit die Luft angehalten hatte.
Himmel, dieser Mann hatte noch immer die Macht, sie aus der Fassung zu bringen. Und das nach allem, was zwischen ihnen gewesen war ...
»Diese Station zu leiten«, drang seine warme, ein wenig raue Stimme mit einem Mal an ihr Ohr und machte ihr bewusst, dass er zu einer Rede angesetzt hatte. Der Anfang war in dem Rauschen in ihrem Kopf untergegangen. Jetzt zwang sie sich, zuzuhören. »... es ist mir eine Ehre und eine Verantwortung. Ich kann das jedoch nicht allein tun. Ich brauche Sie, Sie alle. Wir sind ein Team. Nur gemeinsam können wir auf dieser Station das leisten, was unsere Aufgabe ist: unseren Patienten die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Also gehen wir an die Arbeit.«
Verdutzte Blicke, weil seine Rede so kurz ausfiel. Dann leises Lachen. Applaus.
»Kein Mann vieler Worte«, murmelte Nina. »Vielleicht mag ich ihn doch.«
»Du kennst ihn doch noch gar nicht.«
»Mein Verflossener hat jede Gelegenheit genutzt, um sich selbst reden zu hören. Er hätte die Gelegenheit genutzt und uns eine Stunde lang ein Ohr abgekaut. Mindestens. Hat sich furchtbar wichtig genommen. Leider nur sich und niemanden sonst.« Nina seufzte leise. »Das ist mir ein Mann, der sich selbst auch mal zurücknimmt, wesentlich lieber.«
