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Mitten in der Nacht erwachen Dr. Stefan Frank und seine Freundin von unheimlichen Geräuschen und einem Lichtschein. Kurz darauf ertönen die Sirenen, Feuerwehren rücken aus. Schnell wird klar, dass eine denkmalgeschützte Villa in der Nachbarschaft in Flammen steht. Die Mieter sind eine sympathische Familie. Stefan und Alexandra machen sich sofort auf den Weg, um mögliche Verletzte zu versorgen.
Doch für die beiden Erwachsenen und einen dreijährigen Jungen kommt jede Hilfe zu spät. Einem Feuerwehrmann gelingt es nur, die siebenjährige Mona aus den Flammen zu retten. Dr. Frank kümmert sich sofort um das Mädchen, das wie durch ein Wunder mit einer Rauchvergiftung davongekommen ist. Doch um dem traumatisierten Kind das Lachen zurückzugeben, braucht es noch ein zweites Wunder ...
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Mona aus der Gartenstraße
Vorschau
Impressum
Mona aus der Gartenstraße
Ein verheerendes Feuer nahm ihr die Familie
Mitten in der Nacht erwachen Dr. Stefan Frank und seine Freundin von unheimlichen Geräuschen und einem Lichtschein. Kurz darauf ertönen die Sirenen, Feuerwehren rücken aus. Schnell wird klar, dass eine denkmalgeschützte Villa in der Nachbarschaft in Flammen steht. Die Mieter sind eine sympathische Familie. Stefan und Alexandra machen sich sofort auf den Weg, um mögliche Verletzte zu versorgen.
Doch für die beiden Erwachsenen und einen dreijährigen Jungen kommt jede Hilfe zu spät. Einem Feuerwehrmann gelingt es nur, die siebenjährige Mona aus den Flammen zu retten. Dr. Frank kümmert sich sofort um das Mädchen, das wie durch ein Wunder mit einer Rauchvergiftung davongekommen ist. Doch um dem traumatisierten Kind das Lachen zurückzugeben, braucht es noch ein zweites Wunder ...
Mitten in der Nacht öffnete Dr. Stefan Frank die Augen. Im ersten Moment wusste er nicht, was ihn geweckt hatte. Er sah hinüber auf die andere Bettseite. Durch einen Spalt im Vorhang fiel ein Streifen Mondlicht und erhellte das Gesicht seiner Freundin Alexandra. Sie lag auf der Seite, die Wange auf die Hände gebettet, die Züge entspannt. Eine hellbraune Locke fiel ihr in die Stirn. Wie schön sie war! Stefan hätte den Rest der Nacht damit verbringen können, Alexandra einfach nur zu betrachten und über dieses große Glück seines Lebens nachzudenken, mit dem er schon gar nicht mehr gerechnet hatte.
Viele einsame Jahre lagen hinter ihm und eigentlich hatte er es sich nach dem gewaltsamen Tod seiner langjährigen Freundin in seinem Leben eingerichtet. Neben seinem Beruf als Allgemeinmediziner hatte er seine ganze Leidenschaft in seinen Rosengarten gesteckt, der die altehrwürdige Villa umgab, in der er lebte und praktizierte. Doch dann hatte er vor vielen Monaten die Augenärztin Dr. Alexandra Schubert kennen und lieben gelernt. Seitdem war nichts mehr so, wie es gewesen war.
Stefan fühlte sich fast, als wäre er ein zweites Mal geboren worden. Mit Alexa fühlte sich alles neu und aufregend an. Die Sonne war strahlender, das Blau des Himmels und das Grün der Wiesen intensiver. In ihrer Gegenwart wurde ein einfacher Restaurantbesuch zu einem Fest. Jede gemeinsame Minute war kostbar, selbst wenn sie schlief.
Doch etwas lenkte Stefan Frank von seinen Gedanken ab. Er rollte sich auf den Rücken und lauschte in die Stille der Nacht. Erst jetzt bemerkte er, dass die Ruhe trog. Ein Knistern und Zischen lag in der Luft, ein beizender Geruch stieg ihm in die Nase.
Noch bevor er in Worte fassen konnte, was gerade geschah, wurden seine Adern mit Adrenalin geflutet. Mit einem Schlag war er hellwach und schlug die Bettdecke zurück. Er trat an das gekippte Fenster, mit einem Ruck zog er die Vorhänge zurück. Hinter den schwarzen Ästen der Bäume leuchtete der Himmel unwirklich in Gelb und Orange.
»Liebling, was ist passiert?«, fragte eine verschlafene Stimme hinter ihm.
Alexandra war aufgewacht. Auf die Unterarme gestützt blinzelte sie verschlafen hinüber zu ihrem Freund.
»Ein paar Häuser weiter brennt es!« In Windeseile tauschte Stefan den Schlafanzug gegen Jeans und Pullover.
Ehe Alexa begriff, was um sie herum vor sich ging, verließ er das Schlafzimmer. In diesem Augenblick zerriss eine Sirene die Stille der Nacht. Die Haustür fiel hinter Stefan Frank ins Schloss. Minuten später bog die erste Feuerwehr in die Gartenstraße ein. Im Handumdrehen verwandelte sich das sonst so beschauliche Grünwalder Viertel in ein Chaos. Aus den Einsatzfahrzeugen sprangen Feuerwehrmänner und -frauen und drängten sich durch die Traube an schaulustigen Nachbarn, die sich inzwischen versammelt hatten.
»Platz da!«, rief einer der Feuerwehrleute. »Wie sollen wir helfen, wenn der Weg versperrt ist?«
Zum Glück war inzwischen auch ein Einsatzfahrzeug der Polizei vor Ort angekommen. Eine Polizistin scheuchte die Menge auseinander. Ein Kollege knöpfte einem Schaulustigen ein Handy ab, mit dem er die Katastrophe filmte, und nahm die Personalien auf.
Als Dr. Frank am Schauplatz ankam, brannte der Dachstuhl der alten Villa lichterloh. Aus den Fenstern im ersten Stock quoll Rauch. Aus Erfahrung wusste Stefan, dass die Zwischenböden des Hauses aus Holz bestanden. Eine willkommene Nahrung für die gierigen Flammen.
»Joshua, du gehst rein und suchst das Gebäude nach den Bewohnern ab! Laura geht mit dir!«, rief der Kommandant. »Simon, Tobi, Chrissi, ihr verlegt die Schläuche.«
Leitern wurden an die Hauswände gelehnt, Schläuche an die Hydranten angeschlossen.
Während der Einsatzleiter weitere Kommandos rief, spürte Stefan Frank eine Hand auf seiner Schulter. Auch ohne sich umzudrehen, wusste er, wem sie gehörte.
»Alexa! Warum bist du nicht im Haus geblieben?« Der Feuerschein spiegelte sich in ihren Augen. Stefans Herz zog sich zusammen vor Sorge. »Hier ist es viel zu gefährlich.«
»Ich kann nicht drüben sitzen und die Hände in den Schoß legen, wenn ich hier vielleicht helfen kann.«
Der Einwand war berechtigt.
»Du hast recht. Aber pass bitte auf dich auf«, bat Stefan mit sanfter Stimme. »Ich würde es nicht ertragen, wenn dir etwas passiert.«
»Keine Sorge. Ich passe auf mich auf«, versprach Alexandra, ehe sie gemeinsam mit Stefan auf die Polizeiabsperrung zuging.
***
Die Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Grünwald machten sich an die Arbeit. Joshua Pauling schnappte sich sein Atemgerät. In Windeseile zog er sich die Schutzhaube über den Kopf, schloss die Klettverschlüsse und Riemen seiner Jacke und nahm den Sauerstofftank auf den Rücken. Er schnallte sich eine kleine Axt, Funkgerät und Handscheinwerfer an den Gurt um seine Hüften und sah sich nach seiner Kollegin um.
»Bereit?«
»Alles klar!« Laura nickte ihm zu.
»Sei vorsichtig«, mahnte er sie noch, ehe er sich abwandte und sich auf den Weg ins Innere des Gebäudes machte.
Hintereinander betraten sie die alte Villa. Hier unten herrschte noch keine Hitze. Laura übernahm das Erdgeschoss. Joshua dagegen machte sich auf den Weg in den ersten Stock. Jede Sekunde zählte. Oben angekommen drehte er sich um die eigene Achse, um sich zu orientieren. Wenn der Rauch dichter wurde, war Ortskenntnis überlebensnotwendig. Über ihm krachte es. Offenbar brach gerade das zusammen, was noch vom Dachstuhl übrig war. Im ersten Moment war Joshua wie erstarrt. Die Büchse der Pandora öffnete sich, Erinnerungsfetzten flogen heraus und umschwirrten ihn wie ein Schwarm Schmeißfliegen. Nein, das durfte er nicht zulassen! Nicht ausgerechnet jetzt! Er war hier, um zu retten, nicht um zu sterben, nicht um andere Menschen sterben zu lassen! Er konzentrierte sich auf das, was ihm sein Psychologe für solche Situationen als Werkzeug an die Hand gegeben hatte. Und tatsächlich: Die Strategie ging auf. Die Bilder lösten sich auf.
Joshua rannte los.
Er stürmte auf die erste Tür zu und riss sie auf. Das Badezimmer. Es war leer.
Weiter!
Hinter der zweiten Tür hatte er mehr Erfolg. Ein Mädchen, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, lag vor dem Bett auf dem Boden. Offenbar hatte es fliehen wollen, doch der Rauch war mächtiger gewesen und hatte ihr das Bewusstsein geraubt. Joshua zerrte eine Atemhaube aus dem Hüftgürtel und stülpte sie dem Mädchen über den Kopf. Er griff nach dem Funkgerät.
»Bewusstlose Person im ersten Stock. Ich brauche Verstärkung«, rief er in das Gerät.
»Nils und Lydia sind schon über ein Fenster rein.«
Joshua steckte das Funkgerät wieder weg. Höchste Zeit, das Mädchen in Sicherheit zu bringen. Bevor er das Zimmer verließ, sah er sich noch einmal um. Aus den Augenwinkeln sah er den Teddy im Bett. Er haderte kurz mit sich. Doch ein Blick in das Gesicht des Mädchens sagte ihm, dass er keine Zeit mehr verlieren durfte. Er trat durch die Tür. Wie eine undurchdringliche Wand schlug ihm der Rauch entgegen. Jetzt machte sich der erste Blick bezahlt. In schlafwandlerischer Sicherheit bahnte er sich einen Weg zur Treppe. Als er durch die Eingangstür trat, streckten sich ihm helfende Hände entgegen, um ihm seine Last abzunehmen. Joshua sah sich um. Er entdeckte den Kommandanten.
»Ich geh wieder rein!«
»Nicht nötig. Nils und Lydia sind drin.«
»Jede Sekunde zählt.«
»Geh rüber und hilf bei den Schläuchen!« Bei der Feuerwehr gab es eine Kommandostruktur wie beim Militär. Befehle mussten befolgt werden und das war auch gut so. Wie sonst sollte der Kommandant den Überblick behalten?
»Ich muss aber noch mal rein«, beharrte Joshua Pauling wider besseres Wissen. »Wer weiß, wie viele Leute noch drin sind.«
»Das Treppenhaus ist nicht mehr sicher.« Der Kommandant schickte Joshua einen strengen Blick. »Du tust, was ich dir sage! Sonst ist es für dich hier vorbei.«
Joshua atmete tief ein und aus. Er drehte sich um uns sah hinüber zur Villa. Über die Drehleiter wurde der leblose Körper eines Erwachsenen geborgen, dann noch einer und zuletzt der eines kleinen Kindes. Wie versteinert stand er da und betrachtete die unwirkliche Szene.
»...zu spät...konnten nichts mehr tun...zu starke Rauchentwicklung...Dachstuhl teilweise eingestürzt...« Diese Wortfetzen klangen an sein Ohr.
Er sah hinüber zu dem Mädchen, das auf dem Boden lag. Ein Mann beugte sich darüber, offenbar ein Arzt, wie die Tasche neben ihm verriet. Er lächelte erleichtert. Doch Joshua konnte sich nicht freuen. Er wusste: Die Kleine hatte alles verloren. Ihre Eltern, das Geschwisterchen. Noch nicht einmal ihr Teddy war noch da. Der Schmerz wühlte in seinem Inneren. Er legte den Kopf in den Nacken und wollte ihn in die Nacht hinausschreien. Doch kein Laut kam über Joshuas Lippen. Stattdessen drehte er sich um und stürmte davon. Wohin, das wusste nur er selbst.
***
»Wie geht es ihr?« Alexandra kniete neben Dr. Stefan Frank auf dem Boden und half ihm bei seinen Bemühungen, wenigstens das Leben des Mädchens zu retten.
Er hatte Herz und Kreislauf stabilisiert und drückte eine Sauerstoffmaske auf das Kindergesicht. Alexa dagegen hatte einen Zugang gelegt, über den das Mädchen mit Flüssigkeit und einem Gegengift gegen eine mögliche Cyanidvergiftung versorgt werden konnte. Bei Wohnungs- oder Hausbränden gingen meist Kunststoffe, Wohntextilien und Bau- und Dämmstoffe in Flammen auf. Was die wenigstens Menschen wussten: Neben dem gefürchteten Kohlenmonoxyd entstand dabei häufig das viel gefährlichere Giftgas Cyanid, das seine Opfer innerlich ersticken ließ.
»Ihr Zustand hat sich stabilisiert.« Strapazen und Trauer standen Dr. Stefan Frank ins Gesicht geschrieben.
Sein hoffnungsloser Blick wanderte hinüber zu den Kollegen, die sich um die sterblichen Überreste der Familie kümmerten.
Familie Kleinwegen war erst vor ein paar Monaten in die Villa in der Gartenstraße eingezogen. Auf ihren abendlichen Streifzügen durch das Viertel hatten Stefan und Alexandra die beiden Geschwister ab und zu beim Spielen und Streiten im Garten beobachtet. Kontakt zu den Eltern hatten sie kaum gehabt und waren über ein »Guten Abend« nicht hinausgekommen. Von den mahnenden Rufen der Mutter wussten sie nur, dass die Kinder Mona und Nico hießen. Und von einer Patientin hatte Dr. Frank erfahren, dass das Ehepaar Kleinwegen überglücklich gewesen war, nach langer Suche endlich die wunderschön renovierte Villa zu einem halbwegs erschwinglichen Preis mieten zu können. Wieder einmal lagen Glück und unermessliches Leid nah beieinander!
Alexandra las im Blick ihres Liebsten. Sie war froh, dass das Mädchen noch immer nicht bei Bewusstsein war.
»Die arme Kleine. Jetzt hat sie niemanden mehr.«
»Ich möchte auch nicht in ihrer Haut stecken«, gestand Stefan rau.
Die Erinnerung an den Tag, an dem auch er aus heiterem Himmel vor den Scherben seines Glücks gestanden hatte, wurde mit einem Schlag wieder lebendig.
Alexas Herz zog sich zusammen vor Schmerz und Mitgefühl. Sie wusste, welche Gedanken durch Stefans Kopf zogen. Sie suchte nach Worten des Trostes, fand aber kein einziges, das auch nur ansatzweise das auszudrücken vermochte, was sie sagen wollte. Wohl oder übel musste sie sich mit einem warmen Blick begnügen, als sie aus den Augenwinkeln einen Mann sah, der auf sie zukam.
»Doktor Frank!« Der Notarzt der Waldner-Klinik kam auf seinen Kollegen zu.
Stefan Frank drehte sich um.
»Kollege Freudensprung, das ist ja eine Überraschung! Ist die Walder-Klinik nicht ein bisschen weit weg?«
»In München ist heute Nacht die Hölle los. Deshalb wurden wir von der Rettungsleitstelle hierher beordert.«
Was für ein glücklicher Zufall! In all dem Leid gab es wenigstens einen winzig kleinen Lichtblick.
Chef der Waldner-Klinik war Dr. Ulrich Waldner, Stefans Freund seit Uni-Tagen. Obwohl sich die beruflichen Wege der beiden Männer nach dem Studium vorübergehend getrennt hatten, arbeiteten sie seit einigen Jahren enger denn je zusammen. Verantwortlich dafür war Uli Waldners Entschluss, eine Privatklinik zu eröffnen, in der sein Freund Belegbetten unterhielt. Seither musste Dr. Frank das Schicksal seiner Patienten nicht mehr in fremde Hände legen, sondern konnte sie auch bei schwereren Erkrankungen weiter behandeln und betreuen. Im Fall der kleinen Mona Kleinwegen war er dafür besonders dankbar.
»Die Kleine hat eine Rauchgasvergiftung?«, erkundigte sich Dr. Freudensprung auf dem Weg zum Rettungswagen.
»Ich habe ihr ein Antidot gegen eine Cyanidvergiftung verabreicht, da die Feuerwehr erhöhte Werte gemessen hat. Außerdem bekommt sie Sauerstoff.«
Die Behandlungsliege quietschte, als die Erstretter sie in den Wagen schoben.
»Was ist mit den Verwandten der Kleinen?«
Dr. Frank schüttelte den Kopf und senkte die Augen.
»Ich habe vorhin kurz mit der Polizei gesprochen. Timo Kleinwegen hat eine Schwester, Sibylle. Ich werde einen der Beamten begleiten und sie über das Unglück informieren.«
»Sie sind nicht zu beneiden.«
»Das stimmt. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig gerade in so einer Situation die richtigen Worte sind«, gestand Stefan Frank.
Adrian Freudensprung klopfte ihm zum Abschied auf die Schulter.
»Dann bleibt mit nichts anderes übrig, als Ihnen viel Kraft zu wünschen.«
***
Das erste Licht des Morgens fiel in grauen Streifen durch die Lamellen der Jalousien auf den makellosen Parkettboden. Sibylle Kleinwegen saß im Wohnzimmer ihrer Luxuswohnung auf der ausladenden Couch. Nach dem Besuch von Dr. Stefan Frank war sie einfach dort sitzen geblieben. Sie war – im wahrsten Sinne des Wortes – gelähmt vor Entsetzen.
Timo war tot. Ihr einziger Bruder, ihr letzter lebender Verwandter.
Außer Mona natürlich, ihre siebenjährige Nichte. Mona! Die arme Kleine! Was sollte nun aus ihr werden? Und warum war Timo überhaupt gestorben? Bestimmt war dieser verdammte Gasherd daran schuld, den die Vermieter in der Küche eingebaut hatten. Mit Engelszungen hatte Sibylle auf ihren Bruder und ihre Schwägerin eingeredet, sich ein anderes Haus ohne Gas zu suchen. Vergeblich. Chrissi war begeistert gewesen. »Camping-Feeling«, hatte sie diesen Albtraum genannt.
»Das hat sie jetzt von ihren romantischen Anwandlungen.« Eine einzelne Träne rann über Sibylles Wange. Mit dem Ärmel des Morgenmantels wischte sie sie weg und stand auf, um in die Küche zu gehen. Sie durchquerte das Wohnzimmer mit der cremefarbenen Sofalandschaft, hinter der in einem Holzregal weiße Vasen in allen Formen und Größen standen. Rechter Hand, neben der Tür zum Balkon, stand in einer Nische ein Designersessel mit Blick ins Grüne, auf der Lehne lag eine grau-weiß-karierte Wolldecke, auf einem Beistelltisch ein paar Exemplare eines Hochglanz-Wohnmagazins.
