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Paolo liebt seine Freundin über alles. Seit einem halben Jahr sind die beiden ein Paar. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass Lena ihm noch immer nicht ihre Familie vorgestellt hat. Offenbar befürchtet sie, dass ihr Freund die hohen Erwartungen ihrer Eltern nicht erfüllen kann.
Als die junge Frau einen schweren Unfall erleidet und anschließend im Koma liegt, setzt sich Dr. Frank dafür ein, dass Paolo entgegen der strengen Klinikregeln zu seiner Freundin vorgelassen wird. Der Grünwalder Arzt weiß, dass vielleicht nur die Liebe das Wunder bewirken kann, das Lena so dringend benötigt.
Auf der Intensivstation trifft Paolo zum ersten Mal auf Lenas Familie. Und plötzlich wird ihm klar, wieso seine Freundin bisher alles getan hat, um diese Begegnung zu verhindern ...
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Dein Platz ist kalt und leer
Vorschau
Impressum
Dein Platz ist kalt und leer
Nachts kommt der Schmerz mit voller Wucht
Paolo liebt seine Freundin über alles. Seit einem halben Jahr sind die beiden ein Paar. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass Lena ihm noch immer nicht ihre Familie vorgestellt hat. Offenbar befürchtet sie, dass ihr Freund die hohen Erwartungen ihrer Eltern nicht erfüllen kann.
Als die junge Frau einen schweren Unfall erleidet und anschließend im Koma liegt, setzt sich Dr. Frank dafür ein, dass Paolo entgegen der strengen Klinikregeln zu seiner Freundin vorgelassen wird. Der Grünwalder Arzt weiß, dass vielleicht nur die Liebe das Wunder bewirken kann, das Lena so dringend benötigt.
Auf der Intensivstation trifft Paolo zum ersten Mal auf Lenas Familie. Und plötzlich wird ihm klar, wieso seine Freundin bisher alles getan hat, um diese Begegnung zu verhindern ...
»Bei uns in Italien ist das Anzünden des Dreikönigsfeuers eine uralte Tradition.« Paolo Ottaviano musste die Stimme heben, um seine durcheinanderschnatternde Familie zu übertönen. Dazwischen brüllte der Fernseher, und Großmutter Elvira trällerte in der Küche ein Lied.
Auf dem Tisch standen die Überreste des selbst gebackenen Panettones, dem traditionellen Weihnachts- und Neujahrskuchen aus seiner italienischen Heimat.
»Das Fest Epifania kündigt in Italien nicht nur die Ankunft der Heiligen Drei Könige an, sondern beendet zugleich die Weihenächte«, erklärte er seiner Freundin.
»An diesem Tag schließen alle Weihnachtsmärkte in Italien, und die Weihnachtszeit ist ein für alle Mal vorbei!«, rief Großvater Mario über den Tisch. »Gott sei Dank, sonst würden wir alle irgendwann platzen.« Wie zum Beweis streckte er die Hand aus und schob ein weiteres Stück der süßen Köstlichkeit in seinen Mund.
Helena konnte sich das Lachen nicht länger verkneifen. Paolos Vater Vincenzo lachte mit ihr, während seine Frau Francesca mit der Hand Kuchenbrösel von den Geschäftsunterlagen fegte.
»Ihr seid einfach unbeschreiblich«, raunte Helena ihrem Freund zu. »So eine tolle Familie hätte ich auch gerne.«
Paolo breitete die Arme aus.
»Heirate mich, und schon geht dein Wunsch in Erfüllung.«
Ein Schrei erschütterte die Luft, aber er stammte nicht aus Helenas Kehle.
»Paolo und Lena heiraten!«, kreischte Paolos sechsjährige Nichte Emilia. »Ich will Blumen streuen. Und in der Kirche das Ringkissen tragen.«
»Ich will auch was machen«, beschwerte sich ihr jüngerer Bruder Giovanni und versetzte ihr einen so heftigen Stoß, dass Emilia stolperte.
Sofort war die schönste Rauferei im Gange. Paolos Schwester eilte herbei, um die beiden Streithähne zu trennen. Diese Gelegenheit nutzte Paolo, um seine Freundin in Sicherheit zu bringen.
»Ciao, Nonna!« In der Küche verabschiedete er sich von seiner Großmutter und drückte ihr einen Kuss auf die faltige Wange.
»Ciao, pulcino, mein Floh.«
»Nur zur Erinnerung«, sagte Paolo lachend, »ich werde demnächst neunundzwanzig.«
»Für mich bleibst du immer mein pulcino.« Elvira dachte nicht daran, sich aus dem Konzept bringen zu lassen. »Außer, ihr zwei bekommt selbst einen kleinen Floh.« Nonnas prüfender Blick wanderte hinüber zu Helena, deren Wangen augenblicklich zu glühen begannen.
»Wir kennen uns doch erst ein halbes Jahr«, widersprach sie hastig. »Außerdem stecken wir beide noch im Studium und halten uns mit Nebenjobs über Wasser. Das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für Kinder, findest du nicht, Nonna?«
»Ah, wenn man anfängt, nachzudenken, hat man schon verloren.« Lächelnd kniff die ältere Frau Helena in die Wange. »Genießt euer Leben, ihr zwei Hübschen, und freut euch auf das, was kommt.«
Rauch stieg aus einem der Töpfe auf. Höchste Zeit, sich um den Eintopf zu kümmern.
Paolo nahm Helena an der Hand und zog sie aus dem Haus. Die Winterluft kühlte die erhitzten Wangen und raubte ihnen kurz den Atem. Hand in Hand stapften sie los durch das Winterwunderland.
»Ich hatte dich gewarnt. Eine italienische Familie ist nichts für schwache Nerven. – Und nichts für Einzelkinder aus wohlhabenden Familien«, fügte Paolo hinzu.
»Ich finde es herrlich«, widersprach Helena. »Gut, deine Familie ist laut und chaotisch. Aber dabei so lustig, natürlich und liebenswert wie kaum jemand, den ich kenne.« Sie lauschte auf den Schnee, der unter ihren Füßen knirschte. »Meine Familie könnte sich ein großes Stück von deiner abschneiden.«
Paolos Lächeln wurde blass.
»Das kann ich leider nicht beurteilen.«
Helena wusste genau, worauf er anspielte, und ärgerte sich, das Thema überhaupt angeschnitten zu haben.
»Da hast du auch nichts verpasst. Ach, was mir gerade einfällt: Musst du morgen Nachmittag eigentlich in die Uni?«
Paolo war nicht dumm. Er bemerkte das Ablenkungsmanöver. Da er nach diesem harmonischen Feiertag aber keine Lust auf Streit hatte, ließ er Helena ihren Willen.
»Ja. Der Dozent holt die ausgefallene Vorlesung in Musikgeschichte nach. Und wenn wir schon mal da sind, üben wir im Anschluss auch gleich noch zusammen unsere Stücke.«
»Ich kann es kaum erwarten, euch spielen zu hören.«
»Ach was«, winkte Paolo ab. »Viel spannender finde ich, was bei deinem Vorspiel herausgekommen ist. Vielleicht bist du bald Mitglied des Rundfunkorchesters! Und das, obwohl du noch in der Ausbildung steckst.« Mitten auf der Straße blieb er stehen, fasste Helena um die Taille und wirbelte sie durch die Luft. »So eine Frau! Was bin ich doch für ein Glückspilz!«
Langsam setzte er sie wieder auf dem Boden ab, wobei er sie lange und leidenschaftlich küsste.
»Nein, nein«, widersprach Helena, als sie wieder Luft bekam. »Ohne dich wäre ich nur halb so gut – so unermüdlich, wie du mit mir übst.«
»Das beruht auf Gegenseitigkeit.«
Lachend gab sich Helena geschlagen.
»Das klingt danach, als müssten wir einfach nur zusammenbleiben und unser Glück mit beiden Händen festhalten.«
»Ich habe nichts dagegen«, erwiderte Paolo, griff nach Helenas Hand und stapfte mit ihr durch den Schnee davon.
***
»Aaaachhhh!« Mit verschränkten Armen stand die Augenärztin Alexandra Schubert am Wohnzimmerfenster und blickte hinunter in den winterlichen Garten. Genau wie sie ächzten die Äste der Bäume und Sträucher unter dem Gewicht des Schnees und bogen sich gefährlich nach unten Richtung Erde.
Noch immer hatte der Winter kein Einsehen. Ebenso lautlos wie unentwegt fielen weiße Flocken aus den grauen Feiertagswolken.
Stefan Frank ließ die Zeitung sinken, mit der er es sich auf dem großen Sofa bequem gemacht hatte.
»Alles in Ordnung, Liebling?«, fragte er mit gerunzelter Stirn.
»Nein, überhaupt nicht.« Alexas Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. »Wie denn auch bei diesem Wetter?«
»Oh, es gibt durchaus Menschen, die dem Winter positive Seiten abgewinnen können.« Stefan klopfte mit der Hand einladend auf den Platz neben sich. »Sie gehen Schlittschuhlaufen und Skifahren, machen Schneeballschlachten und bauen Schneemänner. Oder denk doch nur an die Kinder, die mit ihren Schlitten die Berge hinuntersausen. Das hast du bestimmt auch geliebt, als du klein warst.«
Alexandra folgte seiner Einladung und ließ sich in die weichen Polster fallen.
»Ausgeschlossen!« Sie schüttelte den Kopf, wobei die braunen Locken hin und her flogen, und zog eine trotzige Schnute. »Daran kann ich mich nicht erinnern.«
»Oder du willst es nicht«, sagte Stefan ihr lächelnd auf den Kopf zu, legte den Arm um ihre Schulter und zog sie an sich. Ein Kuss glättete die Falten zwischen ihren Augen.
»Möglich«, räumte sie schon ein bisschen versöhnt ein. »Ich denke viel lieber an Hitzefrei und die Sommernachmittage am See. Aber die Besuche in der Eisdiele oder im Open-Air-Kino mit dir sind auch nicht zu verachten«, verriet sie mit einem Augenzwinkern. »Schwer vorstellbar, dass es einmal ein Leben ohne dich gab. Mit dir ist sogar ein Biergartenbesuch aufregend.«
Das Kompliment konnte Stefan nur zurückgeben. Nach einem Schicksalsschlag, bei dem seine damalige Freundin ums Leben gekommen war, hatte Dr. Stefan Frank die vergangenen Jahre ausschließlich seinem Beruf gewidmet.
Neben der Arztpraxis unterhielt er Belegbetten in der Klinik seines Freundes Ulrich Waldner. So waren arbeitsreiche Wochenenden, Zwölf-Stunden-Tage und nächtliche Hausbesuche keine Seltenheit. Bislang war er sehr zufrieden damit gewesen. Doch seit die Augenärztin Alexandra Schubert vor ein paar Monaten in sein Leben getreten war, hatte sich alles geändert.
Ihre Anwesenheit machte aus jeder noch so alltäglichen Kleinigkeit eine kleine Sensation. So musste es Dornröschen nach seinem hundertjährigen Schlaf ergangen sein. Alles fühlte sich neu und aufregend an.
Aber das Beste daran war, dass es Alexandra genauso erging. Beide erlebten diese Liebe als ganz großes Glück, und obwohl sie beschlossen hatten, es langsam angehen zu lassen, konnten sie nicht genug voneinander und diesem Gefühl bekommen.
»Bei aller Liebe, aber mit einem Biergartenbesuch würde ich dir im Augenblick wohl keine Freude machen«, scherzte Stefan nach einem weiteren innigen Kuss. »Deine Nase ist auch so schon ganz kalt. Aber was hältst du von einem Ausflug in unser Lieblingswirtshaus am Viktualienmarkt? Ich habe gerade gelesen, dass dort das Winterbier eingetroffen ist. Das könnten wir probieren. Wie wäre es mit nächstem Mittwoch?«
»Du Schlawiner willst mich wohl mit Alkohol gefügig machen, was?« In Alexas Augen blitzte der Schalk. »Das könnte dir so passen.« Sie sprang von der Couch auf und eilte zum Telefon. »Da rufe ich gleich Ruth und Ulrich an und frage, ob sie mitkommen wollen, um mich zu beschützen.«
Das Gespräch dauerte nicht lange.
»Sie sind dabei!«, verkündete sie anschließend freudestrahlend. »Nächsten Mittwoch steigt die große Sause.«
»Und bis dahin willst du mich schmachten lassen?« Stefan schützte Verzweiflung vor.
»Wer sagt denn so was?« Mit wiegenden Hüften kehrte Alexandra zu ihrem Freund zurück. »Gegen die betörende Wirkung, die du auf mich hast, ist jedes Bier die reinste Limonade«, raunte sie ihm zu und beugte sich über ihn, um postwendend den Beweis anzutreten.
***
Ein paar Tage später stand Helena Staudt am Herd und rührte in der Tomatensoße nach original italienischem Familienrezept – sugo di pomodoro, wie Paolos Vater immer zu sagen pflegte. Ein seliges Lächeln lag auf ihren Lippen.
Paolo! Auch nach sechs Monaten genügte der bloße Gedanke an ihren Freund, um ihr Blut in Wallung und ihr Herz zum Rasen zu bringen. Sie sah auf die Uhr. In ein paar Minuten würde er durch die Wohnungstür treten.
Er sah ausgesprochen gut aus, war einen Meter achtzig groß, schlank, mit warmen braunen Augen unter den ausgeprägten Brauen. Die gebogene Nase sorgte für den nötigen Schuss Unperfektheit. Und natürlich die verwuschelten Haare.
Helena hatte diesen Gedanken kaum zu Ende gedacht, als sich ein Schlüssel im Schloss drehte. Eine Tasche fiel plumpsend zu Boden. Der Haken an der Garderobe klapperte. Ein Hauch Winterluft mischte sich mit dem Duft der Tomatensoße.
»Du kannst Gedanken lesen«, raunte kurz darauf eine Stimme dicht an ihrem Ohr. »Ich bin kurz vorm Verhungern.« Paolo schmiegte sich von hinten an seine Freundin.
Helena gratulierte sich insgeheim für ihre Weitsicht, die Haare hochgesteckt zu haben. Ein Schauer rieselte über ihren Rücken, als er die weiche Haut und die feinen blonden Härchen küsste.
»Wie geht's dir, bellissima Helena?«
Sie schaltete die Herdplatten ab und drehte sich zu ihm um.
»Ich habe mir den tollsten Mann der Welt geschnappt. Wie sollte es mir da schon gehen?« Im nächsten Augenblick stöhnte sie auf. »Nicht so fest! Sonst erdrückst du mich und hast niemanden mehr, der dir Komplimente macht.«
Lachend stellte Paolo seine Freundin auf den Boden zurück.
»Du hat recht. Dieses Risiko darf ich nicht eingehen«, scherzte er und wich geschickt ihrem Knuff aus.
»Dachte ich es mir doch! Du liebst mich nur wegen meiner Bewunderung für dich.«
»Auch. Aber keine Sorge. Das ist noch lange nicht alles«, versicherte er und nahm ihr die Teller aus der Hand, um den Tisch zu decken.
Helena goss die Nudeln ab und stellte sie mit dem Soßentopf auf den Tisch.
»Was liebst du noch an mir?« Die Versuchung, ihrem Freund eine seiner romantischen Liebeserklärungen zu entlocken, war einfach zu groß.
Paolo ließ sich Zeit mit einer Antwort. Er rollte die Spaghetti wie Nester auf den Tellern, gab Soße und frisch geriebenen Parmesan darüber. Dann wickelte er eine Gabel voll Nudeln auf und steckte sie sich in den Mund.
»Dass deine Spaghetti al pomodoro genauso gut sind wie die von Nonna«, erklärte er grinsend, beugte sich über den Tisch und küsste Helena einen Tomatenklecks aus dem Mundwinkel.
Bei jedem anderen Mann wäre Helena beleidigt gewesen. Nicht so bei Paolo. Sie wusste: Auf dieses Kompliment konnte sie stolz sein.
Während sie sich eine Gabel Spaghetti in den Mund schob, musste sie wieder an die deutsch-italienische Großfamilie denken, die sie so herzlich in ihrer Mitte aufgenommen hatte und die das genaue Gegenteil ihrer eigenen Familie war.
Sie dachte an Paolos Mutter Francesca, Geschäftsführerin eines italienischen Feinkostgeschäfts, die die Buchhaltung am liebsten am großen Familientisch erledigte. An Vater Vincenzo, der in seiner Freizeit mit seiner Schwiegermutter um den Platz am Herd kämpfte.
An Nonna Elvira, die jede Gelegenheit nutzte, um Familiengeschichten zum Besten zu geben, und die Helena wie eine Enkeltochter in ihr Herz geschlossen hatte. Und natürlich an Paolos Geschwister mit deren Kindern, Freundinnen und Freunden.
Helena dachte an den Trubel und Lärm, an die Lieder und Geschichten, von denen ihr immer noch die Ohren klingelten. Und doch fühlte sie sich bei den Ottavianos so wohl wie nirgendwo sonst auf dieser Welt. Abgesehen von Paolos Armen natürlich.
Er bemerkte ihren Blick und lächelte.
»Übrigens habe ich einen Anruf vom Bayerischen Hof bekommen. Der Manager hat angefragt, ob du nicht heute spontan dazukommen und mich mit deinem Gesang begleiten willst. Wir bekommen auch die doppelte Gage. Na, wie klingt das?«
Ausgerechnet heute Abend! Dabei hatte sie sich auf der sicheren Seite gewähnt. Helena erstarrte innerlich. Statt einer Antwort kaute sie verdächtig lange auf ihren Nudeln herum. Pablo, der mit spontaner Zustimmung gerechnet hatte, wunderte sich.
»Lena?«
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis sie endlich antwortete.
»Tut mir leid. Aber heute Abend habe ich keine Zeit.« Ihr Blick irrte über den Tisch, als suchte sie nach etwas.
Aber Paolo wusste es besser. Helena suchte nichts. Er kannte dieses Gesicht.
»Du hast eine Verabredung mit deiner Familie, stimmt's?«, sagte er ihr mit rauer Stimme auf den Kopf zu.
Mit einem Schlag war die ganze Leichtigkeit verflogen. Als Helena aufschaute, las Paolo in ihren Augen, dass er recht hatte.
»Meine Oma Katharina feiert doch demnächst Geburtstag. Um die Einzelheiten zu besprechen, hat sie meine Eltern für heute Abend eingeladen. Ich soll auch dabei sein.«
Klirrend fiel Paolos Gabel auf den Teller. Mit einem Ruck setzte er sich kerzengerade auf.
»Moment mal. Waren es nicht deine Eltern, die ihr Geld zurückverlangten, als du durch die letzte Prüfung in Brauereiwesen gerasselt bist?«
»Stimmt. Aber ...«
»Und wollte deine Großmutter dich nicht enterben, weil du dich zum Gesangsstudium an der Hochschule eingeschrieben hast?« Wie ein Peitschenhieb schnitt seine Stimme durch die Luft.
Mit jedem Wort wurde Helena ein Stückchen kleiner.
»Das hat sie doch nur aus der ersten Enttäuschung heraus gesagt«, verteidigte sie ihre Familie halbherzig und bereute es schon wieder, Paolo überhaupt in ihre komplizierte Geschichte eingeweiht zu haben.
