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Für die ehrgeizige Violinistin Lea Lenzen erfüllt sich hoffentlich bald ein Traum. In wenigen Monaten wird sich das Schwabinger Symphonie Orchester über ihre Festanstellung beraten.
Lea setzt alles daran, ihre Übernahme zu sichern. Sie übt Tag und Nacht Geige, ohne auf ihre Gesundheit zu achten. Obwohl sie immer öfter Schmerzen in ihrem linken Arm verspürt, hält Lea weiterhin an ihrem hohen Übungspensum fest.
Eines Tages bemerkt sie eine Verdickung an ihrem Ellbogen. Lea vermutet eine Schleimbeutelentzündung und wendet sich an Dr. Stefan Frank. Der erkennt sofort, dass es sich nicht um eine Schleimbeutelentzündung handelt. Er befürchtet, dass die Verdickung von einem gefährlichen Sarkom hervorgerufen wird ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Der Schmerz spielt immer mit
Vorschau
Impressum
Der Schmerz spielt immer mit
Violinistin Lea ist unter Druck und will sich keine Schwäche eingestehen
Für die ehrgeizige Violinistin Lea Lenzen erfüllt sich hoffentlich bald ein Traum. In wenigen Monaten wird sich das Schwabinger Symphonie Orchester über ihre Festanstellung beraten.
Lea setzt alles daran, ihre Übernahme zu sichern. Sie übt Tag und Nacht Geige, ohne auf ihre Gesundheit zu achten. Obwohl sie immer öfter Schmerzen in ihrem linken Arm verspürt, hält Lea weiterhin an ihrem hohen Übungspensum fest.
Eines Tages bemerkt sie eine Verdickung an ihrem Ellbogen. Lea vermutet eine Schleimbeutelentzündung und wendet sich an Dr. Stefan Frank. Der erkennt sofort, dass es sich nicht um eine Schleimbeutelentzündung handelt. Er befürchtet, dass die Verdickung von einem gefährlichen Sarkom hervorgerufen wird ...
»Wir unterbrechen die Probe für eine kurze Pause«, verkündete der Dirigent Siegbert Hollberg und verließ seinen Podest. Mit einem Tuch wischte er sich den Schweiß von der Stirn.
»Er wird nie zufrieden sein«, prophezeite Lea Lenzens Musikerkollegin Danuta Kovic und legte ihre Violine aus der Hand. »Der Chef hat heute ziemlich schlechte Laune.«
Lea Lenzen sah sich hastig um.
»So darfst du nicht über ihn reden«, ermahnte sie Danuta. »Wenn dich jemand hört.«
Doch Danuta lachte nur. Sie war sehr selbstbewusst und scherte sich nicht um die Meinung anderer.
»Du bist doch nur nervös wegen unserer Aufnahme in das Orchester.«
»Du etwa nicht?«, fragte Lea. »Nicht nur Siegbert Hollberg wird darüber entscheiden, sondern alle Mitglieder des Orchesters! Es steht viel auf dem Spiel, Danuta.«
»Du hast ja recht«, pflichtete ihr die Kollegin bei. »Aber man muss sich ja nicht in den Wahnsinn treiben lassen. Ich für meinen Teil, werde mich nicht verbiegen lassen.«
Doch Lea sah die Dinge ein wenig anders. Es war eine große Ehre in das Schwabinger Symphonie Orchester aufgenommen zu werden. Sie hatte in all den Jahren ihres Studiums darauf hin gearbeitet und wollte kurz vor dem Ziel nicht versagen. Außerdem erwarteten ihre Eltern, dass sie Erfolg hatte und nicht gleich aufgab.
»Dir fällt alles viel leichter, Danuta«, sagte Lea. »Du bist ein wahres Naturtalent. Ich dagegen, muss hart arbeiten für den Erfolg.«
»Das mag vielleicht stimmen«, erwiderte Danuta und lächelte versöhnlich. »Aber du weißt doch auch, dass Talent nicht immer reicht.«
»Dazu gehören auch viel Fleiß und ein eisernes Durchhaltevermögen. Davon besitzt du reichlich.«
Lea blickte ihre Kollegin dankbar an. Immer wenn sie der Mut verließ, baute Danuta sie auf. Die junge Violinistin dachte plötzlich an ihre Kindheit. Stets war es ihre Mutter gewesen, die sie dazu antrieb, jeden Tag sechs Stunden auf der Geige zu üben. Lea hatte daher wenig Zeit für Freunde gehabt. Ihr Vater hatte sich manchmal um sie gesorgt und die Mutter gebeten, nicht so streng zu sein. Er hatte gewollt, dass Lea sich mit Freunden traf und ins Kino ging. Doch die Mutter hatte immer nur Leas musikalisches Talent gesehen. Lea dachte oft darüber nach, wie ihr Leben wohl ohne die klassisch Musikausbildung verlaufen wäre.
Plötzlich stieß Danuta sie an.
»Träumst du? Herr Hollberg ist zurück.«
Lea richtete sich auf und nahm ihre Geige zur Hand.
»Bevor wir beginnen, möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen. Wie Sie wissen, planen wir in jedem Sommer ein Gala-Konzert.« Der Dirigent machte eine kurze Pause. »In diesem Jahr steht dieses Konzert im Zeichen der Kinderkrebshilfe. Das Stück, welches wir gerade Proben wird zur Eröffnung gespielt.« Ein leises Raunen ging durch die Orchestermitglieder. Einige klatschten Beifall. »Wir haben noch einige Stücke zu erarbeiten. Der Orchesterwart wird Ihnen nachher die notwendigen Partituren aushändigen. Ich habe Musikstücke ausgewählt, die dem Anlass hoffentlich gerecht werden.« Der Dirigent Siegbert Hollberg blickte die Musiker zufrieden an. Er wusste, dass sich alle freuten. »Ich möchte Sie auch noch darauf aufmerksam machen, dass wir im Anschluss der Gala zu einer längeren Konzertreise aufbrechen werden. Es geht von München nach Wien, dann nach Budapest und schließlich nach Prag. Bitte stellen Sie sich darauf ein, dass Sie in den Städten zwei bis drei Konzerte geben werden.«
Stürmischer Beifall und übermütige Pfiffe begleiteten Siegbert Hollberg letzte Worte. Die Mitglieder des Orchesters konnten ihr Glück kaum fassen. Die letzte Konzertreise lag aufgrund strenger Budgetkürzungen schon drei Jahre zurück. Dabei lebte ein Orchester auch von Konzertreisen ins Ausland.
»Wie ich sehe, sind Sie einverstanden«, stellte Siegbert Hollberg mit einem Lächeln fest. »Dann lassen Sie uns jetzt noch etwas arbeiten.«
Er wartete bis alle Musiker ihre Instrumente bereit hielten und hob den Dirigentenstab. Lea richtete sich auf ihrem Platz auf. Sie versank völlig in der Musik und erwachte wie aus einem Traum, als die Probe zwei Stunden später vorbei war.
***
Zufrieden blickte sich Alexandra Schubert in ihrem entrümpelten Keller um. Geschafft! Bald würde sie zu ihrem Freund Dr. Stefan Frank ziehen. Sie konnte es kaum erwarten, mit dem Arzt zusammenzuleben.
Alexandra stützte sich auf ihren Besen. Plötzlich hörte sie das Quietschen der Kellertür.
»Ich hoffe, du hast nicht noch einen zweiten Keller voller Kisten«, scherzte Stefan Frank. Sein Hemd war verschwitzt, und er hielt sich den Rücken. »Ich werde langsam zu alt für Umzüge.«
Alexandra strich ihm sanft über das Haar und küsste ihn.
»Du hast es hinter dir«, bemerkte sie mit einem amüsierten Lächeln. »Alles was mir wichtig war, habe ich in die Wohnung gestellt. Es sind zwei kleine Kisten, die ich noch durchsehen möchte.«
»Vermutest du das verschollene Bernsteinzimmer darin?«, fragte Stefan und lachte.
Alexandra schmunzelte. »Es sind nur ein paar Unterlagen und Briefe, die ich seit meinem letzten Umzug nicht mehr durchgesehen habe. Es sind vielleicht ein paar alte Versicherungen dabei. Was ich nicht brauche, werfe ich weg.«
Stefan nickte. »Oben in der Wohnung steht noch ein großer Karton mit Büchern. Willst du sie alle weggeben?«
»Ja«, antwortete Alexandra. »Es sind ein paar spannende Thriller dabei. Die Patientenbibliothek der Waldner-Klinik kann sie sicher gut gebrauchen.«
Stefan Frank zog seine Freundin fest an sich.
»Ich freue mich auf unser gemeinsames Leben«, hauchte er ihr ins Ohr. Der Arzt vergrub sein Gesicht in Alexandras dunklen Locken. »Du wirst es niemals bereuen, nach Grünwald gezogen zu sein.«
Das Paar küsste sich im Dämmerlicht des Kellers leidenschaftlich. Es vergaß für einen Moment die Zeit. Atemlos löste sich Alexandra von Stefan. Sie sah auf ihre Armbanduhr. »Es ist fast Abend«, stellte sie fest. »Wir sollten uns beeilen, aus der Wohnung noch ein paar Sachen für den Sperrmüll herunterzubringen.«
Dr. Frank zog Alexandra wieder an sich.
»Keine Sorge, wir haben alle Zeit der Welt.«
***
Lea Lenzen bereitete sich in ihrer Küche ein kleines Abendessen zu. Sie verspürte kaum Hunger. Der anstrengende Probentag steckte ihr noch in den Knochen und ließ sie nicht zur Ruhe kommen.
Nach dem Essen ließ sie sich übermüdet auf ihr helles Ecksofa im Wohnzimmer fallen. Ihr Blick fiel auf ihren Geigenkoffer, doch Lea verspürte keinen Drang, dass Instrument in die Hand zu nehmen. Für diesen Tag sollte Schluss sein. Um noch ein wenig wach zu bleiben, kochte sich die junge Musikerin einen Kaffee. Dann schaltete sie ihren Fernseher an und suchte nach einem spannenden Krimi. Der Film würde sie vielleicht ein wenig ablenken. Im nächsten Augenblick klingelte das Handy. Lea stellte ihren Kaffeebecher ab und durchwühlte ihre Lederhandtasche.
»Hallo?«, sprach sie in das Smartphone.
»Ich hoffe, ich störe dich nicht«, antwortete ihre Kollegin Danuta.
»Nein, überhaupt nicht«, erwiderte Lea und stellte den Fernseher leiser.
»Hast du dir schon die Musikstücke für die Gala durchgesehen?«, fragte Danuta.
»Ich habe nur einen kurzen Blick darauf geworfen«, gestand Lea. »Das Programm ist sicher nicht sehr anspruchsvoll.«
»Nein, Mozart und Beethoven. Dazu noch ein wenig Mahler. Alles Stücke, die vom Publikum immer gerne gehört werden. Doch diesmal hat Siegbert Hollberg das Konzert zweigeteilt.«
»Zweigeteilt? Was meinst du damit?«
»Er hat doch alles in seinem Begleitschreiben erläutert, Lea. Du solltest den Text besser bis morgen gelesen haben. Bei dieser Gala spielen wir im zweiten Teil auch Filmmusik. Ist das nicht fantastisch?«
Filmmusik? Lea glaubte nicht richtig gehört zu haben. Das Schwabinger Symphonie Orchester war bekannt für sein klassisches Repertoire. Musik aus berühmten Filmen zu spielen war eine absolute Neuheit.
»Wir haben nie moderne Stücke gespielt. Hoffentlich geht das gut«, erwiderte Lea. Ihr gefiel die Idee, etwas Neues auszuprobieren.
»Aber somit haben wir auch ein wenig Abwechslung«, bemerkte Danuta und lachte. »Hast du morgen früh Zeit? Wir können uns vor den Proben zusammensetzen und ein paar Stücke einstudieren.«
Lea überlegte kurz. Eigentlich hatte sie gehofft, etwas länger schlafen zu können.
»Um wie viel Uhr willst du mit der Probe beginnen?«
»Ich dachte so um neun Uhr. Oder ist dir das zu früh?«
»Nein, das geht in Ordnung«, wehrte Lea ab.
»Gut, dann sehen wir uns morgen früh am Konzerthaus«, verabschiedete sich die Kollegin und legte auf.
Müde lehnte sich Lea auf ihrem Sofa zurück. Der Kaffee tat offensichtlich keine Wirkung. Lea nahm ihre Handtasche und holte die Mappe mit dem Begleitschreiben des Dirigenten hervor. Die einzelnen Musikstücke waren sauber abgeheftet und mit Randbemerkungen versehen. Typisch, Siegbert Hollberg, dachte Lea. Wie immer hatte sich der Dirigent akribisch mit den verschiedenen Werken auseinandergesetzt. Es war ihm wichtig, der Musik seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Siegbert Hollberg war bekannt für seine ungewöhnlichen Interpretationen der klassischen Werke bedeutender Komponisten. Das Publikum ließ ihn gewähren und liebte seine persönlichen Interpretationen und Sichtweisen. Vor jedem Konzert hatte sich der Dirigent angewöhnt, eine kleine Ansprache zu halten, um die Konzertbesucher auf den klassischen Abend einzustimmen. Der Intendant des Schwabinger Konzerthauses war zunächst irritiert von dieser Neuerung. Doch schon bald erkannte auch er, dass Siegbert Hollberg das Richtige tat. Die Konzerte waren stets für Monate im Voraus ausgebucht. Viele Prominente aus München und Umgebung besuchten Hollbergs Konzerte und erhöhten somit seine Bekanntheit.
Da fiel Lea wieder ein, dass sie am nächsten Tag noch einen Schüler hatte, dem sie Geigenunterricht erteilte. Gleich im Anschluss an die Orchesterprobe musste sie sich auf den Weg machen. Ihr Schüler Tim Meyer wohnte am anderen Ende der Stadt. Doch die Fahrt zu Tim lohnte sich, denn der Sechsjährige war sehr begabt und würde es vermutlich weit bringen. Lea freute sich über seine wöchentlichen Fortschritte. Das wird ein langer Tag, dachte Lea und rieb sich die Schulter. In letzter Zeit verspürte sie starke Schmerzen in den Schultern und Armen. Das Spielen der Violine gestaltete sich in solchen Momenten schwierig. Doch auf keinen Fall durfte sich Lea ihre Schmerzen anmerken lassen. Das konnte sie wohlmöglich ihre Aufnahme in das Schwabinger Symphonie Orchester kosten!
Lea kannte viele Musiker, die unter ähnlichen Schmerzen litten. Dies war nicht verwunderlich, denn die meisten spielten seit der frühen Kindheit ein Instrument. Lea blickte wieder zu ihrer Geige hinüber. Sollte sie nicht doch noch eine Stunde üben?
Sie nahm die Mappe mit den Musikstücken und legte sie auf einen Notenständer an einem Erkerfenster im Wohnzimmer. Dort übte sie die meiste Zeit auf ihrer Violine. Lea wohnte in einer alten Villa am Stadtrand. Das Haus gehörte einem netten Ehepaar, welches ebenfalls in früheren Jahren für das Schwabinger Symphonie Orchester gespielt hatte. Die Eheleute wohnten im Parterre der Villa, und Lea hatte die erste Etage bezogen. Ihr Spiel störte nicht. Leas Wohnzimmer zeigte auf einen schönen Garten hinaus, der hinter der Villa lag. Das Besondere an dem Raum war ein kleiner Erker, der Lea sofort aufgefallen war.
***
Als Lea am nächsten Morgen am Pförtner des städtischen Konzerthauses vorbeiging, fühlte sie sich noch sehr müde. Die junge Musikerin hatte noch bis weit nach Mitternacht an der Geige geübt. Wie immer hatte sie sich völlig in der Musik verloren und nicht an die Uhrzeit gedacht.
Aber die junge Frau riss sich zusammen. Das Treffen mit Danuta war notwendig, um mit dem Übungspensum des Orchesters Schritt zu halten. Lea wollte allen Anforderungen gerecht werden und durfte keine Schwäche zeigen.
»Du siehst aber verschlafen aus!«, grüßte sie Danuta, die auch zu dieser frühen Stunde völlig ausgeruht und frisch aussah.
»Ich habe gestern noch die neuen Stücke geprobt«, erklärte Lea und gähnte herzhaft. »Es sind wirklich gute Partituren. Vor allem die Ouvertüre zur West Side Story ist schön. Ich habe kürzlich einen Fernsehbericht über die Verfilmung gesehen. Es war sehr spannend zu hören, wie Komposition und Film entstanden.«
»Ich finde die Ouvertüre nicht einfach zu spielen«, sagte Danuta und setzte sich an ihr Notenpult. »Hoffentlich verspiele ich mich nicht. Es gibt eine bestimmte Stelle, da treffe ich den Ton nicht richtig.«
»Lass mal hören«, forderte Lea ihre Kollegin auf.
Zu dieser frühen Stunde war es noch sehr ruhig im Backstagebereich des Konzerthauses. Erst in ein bis zwei Stunden würden sich die Übungsräume mit weiteren Mitgliedern des Orchesters füllen. Alle probten unermüdlich die Stücke für die Konzertgala.
Lea rieb sich den linken Ellbogen. Er fühlte sich an diesem Morgen unnatürlich heiß an.
»Hast du Schmerzen?«, fragte Danuta und legte ihre Violine beiseite. »Ich habe ein Schmerzgel dabei. Vielleicht hilft es.«
Lea schüttelte den Kopf. »Das habe ich öfters. Wahrscheinlich beanspruche ich den Arm zu sehr. Ich werde heute Abend die Stelle kühlen, das muss reichen.«
»Vielleicht ist es aber auch besser, wenn du nach der Konzertprobe zum Arzt gehst, Lea.«
»Nach der Probe habe ich einen Schüler. Da kann ich nicht einfach absagen«, antwortete Lea. »Die Eltern zahlen viel Geld für die Unterrichtsstunden, und ich will sie nicht enttäuschen.«
»Von welchem deiner Schüler sprichst du?«, fragte Danuta interessiert. Sie bewunderte das Engagement ihrer Kollegin.»Ich spreche von Tim«, antwortete Lea stolz. »Es ist immer ein Vergnügen, mit ihm zu üben. Er macht große Fortschritte, und man sieht ihm an, dass er Spaß am Violinspiel hat.«
»Da hat er Glück. Es gibt genügend Eltern, die es mit der Musikerkarriere ihrer Kinder übertreiben«, bemerkte Danuta. »So wie meine Eltern zum Beispiel.«
»Du darfst nicht so streng urteilen«, erwiderte Lea.»Die meisten Eltern wollen nur das Beste für ihr begabtes Kind. Und du hättest es nicht so weit gebracht, wenn sie dich nicht Tag für Tag unterstützt hätten.«
Danuta legte den Kopf schief und blinzelte.
»Du hast wie immer recht«, gab sie schließlich zu. »Trotzdem sollten musikbegabte Kinder auch einmal etwas anderes machen, als nur ihr Instrument beherrschen lernen. Nicht jeder strebt schon als Grundschüler eine Profikarriere an.«
»Ich habe mit Tims Mutter schon darüber gesprochen. Sie will ihren Sohn auf keinen Fall zwingen, sollte er eines Tages die Lust am Violinspiel verlieren.«
»Dann hoffen wir, dass sie sich dann auch daran hält«, erklärte Danuta und holte ihre Handtasche. »Willst du nun mein Schmerzgel, oder nicht?«
Lea gab sich geschlagen. »Vielleicht hilft es ja.«
»Du musst den Arm schonen, Lea. Das klingt sicher unvernünftig, aber du solltest mal ein oder zwei Tage die Violine beiseitelegen. Wir holen das Pensum dann gemeinsam wieder auf. Dein Arm benötigt Ruhe.«
»Das ist leichter gesagt als getan.« Lea krempelte den Ärmel ihres Pullovers hoch und cremte den Ellbogen ein. »Aber ich darf keine Zeit verlieren. Ausruhen kann ich mich sicher auch nach der Konzertreise. Jetzt zählt nur die Aufnahme in das Orchester.«
