Dr. Stefan Frank 2652 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2652 E-Book

Stefan Frank

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Mareen und Victor leben mit ihrem vierjährigen Sohn Alexander in Grünwald. Die beiden wünschen sich sehnlichst ein weiteres Kind. Doch es soll einfach nicht sein. Hinter Mareen liegen mehrfache Fehlgeburten, zuletzt litt sie sogar unter einer Eileiterschwangerschaft, die sie fast das Leben gekostet hätte. Nur mit einer Notoperation konnte die junge Frau gerettet werden. Das Ehepaar ist mittlerweile am Ende seiner Kräfte. Vielleicht soll ihnen kein zweites Kind geschenkt werden?
Dr. Frank berät die beiden und informiert über die Möglichkeiten einer Adoption. Da Victor aus Russland stammt und als Kleinkind selbst adoptiert wurde, entscheiden sich die beiden schließlich für eine Adoption in seinem Heimatland. Das Ehepaar stürzt sich hoffnungsvoll in die Vorbereitungen. Es liegt ein langer Weg vor ihnen, den sie gemeinsam mit einer russischen Kanzlei bestreiten. Als der Adoptionsvorgang schon weit vorangeschritten ist und Mareen gar nicht mehr damit gerechnet hat, ist sie plötzlich wieder schwanger. Es ist wie ein Wunder! Doch ihre Euphorie erhält einen harten Dämpfer, als bei einem pränatalen Bluttest herausgefunden wird, dass ihr Baby mit Trisomie 21 zur Welt kommen wird ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Ich will dich doch nur lieben

Vorschau

Impressum

Ich will dich doch nur lieben

Zerbricht ihre junge Ehe am Gendefektdes Babys?

Mareen und Victor leben mit ihrem vierjährigen Sohn Alexander in Grünwald. Die beiden wünschen sich sehnlichst ein weiteres Kind. Doch es soll einfach nicht sein. Hinter Mareen liegen mehrfache Fehlgeburten, zuletzt litt sie sogar unter einer Eileiterschwangerschaft, die sie fast das Leben gekostet hätte. Nur mit einer Notoperation konnte die junge Frau gerettet werden. Das Ehepaar ist am Ende seiner Kräfte. Vielleicht soll ihnen kein zweites Kind geschenkt werden?

Dr. Frank berät die beiden und informiert über die Möglichkeiten einer Adoption. Da Victor aus Russland stammt und als Kleinkind selbst adoptiert wurde, entscheiden sich die beiden schließlich für eine Adoption in seinem Heimatland. Das Ehepaar stürzt sich hoffnungsvoll in die Vorbereitungen. Es liegt ein langer Weg vor ihnen, den sie gemeinsam mit einer russischen Kanzlei bestreiten. Als der Adoptionsvorgang schon weit vorangeschritten ist und Mareen gar nicht mehr damit gerechnet hat, ist sie plötzlich wieder schwanger. Es ist wie ein Wunder! Doch ihre Euphorie erhält einen harten Dämpfer, als bei einem pränatalen Bluttest herausgefunden wird, dass ihr Baby mit Trisomie 21 zur Welt kommen wird ...

Vorsichtig wischte sich Mareen Behrendt die Tränen aus dem Gesicht. Sie klemmte das rotkarierte Küchenhandtuch zurück in die Brusttasche ihrer Schürze und machte sich daran, die letzte Zwiebel zu schneiden. Als das Schneidebrett leer und die Metallschüssel voll von klein geschnittenen Zwiebeln war, machte sie in Gedanken drei Kreuze.

Ein paar Minuten später hörte sie den Hausschlüssel, der sich im Schloss drehte. Die junge Frau war fast fertig mit der Gulaschsuppe, von der sie wusste, dass sich ihr Mann besonders über sie freuen würde. Victor Behrendt hatte russische Wurzeln, und obwohl er in Deutschland aufgewachsen war, freute er sich immer, wenn Mareen ihm etwas aus seiner Heimat kochte.

»Hallo, mein kleiner Schatz«, sagte Victor liebevoll, als er die Wohnungstür hinter sich geschlossen und seinen Mantel an der Garderobe aufgehängt hatte. »Was hast du denn da in der Hand? Ein neues Spielzeug?«, fragte er und kam, mit seinem Sohn auf dem Arm, in die Küche, um Mareen mit einem Kuss zu begrüßen. »Was gibt es denn?«, wollte er wissen und versuchte, einen Blick in den Kochtopf zu erhaschen.

Mareen lächelte. »Lass dich überraschen. – Könnt ihr zwei schon mal die tiefen Teller aus dem Schrank holen? Wir können jetzt essen!«, wies sie ihre beiden Männer an und drückte ihrem kleinen Sohn einen Löffel in die Hand.

Mit seinen vier Jahren war Alexander absolut verrückt nach Kochlöffeln. Wann immer er einen zu fassen bekam, ließ er ihn nicht mehr los und nahm ihn mit bei einem seiner vielen Streifzüge durch das Haus.

Mareen lebte mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Grünwald, einer beschaulichen Gemeinde im Landkreis München. Obwohl sie heimlich von einem Leben richtig weit draußen träumte, am liebsten in einem selbst renovierten Bauernhof, mochte sie das alte, kleine Haus, das sie zu dritt bewohnten. Zwar hatte es für ihren Geschmack zu tiefe Decken und zu wenige Fenster, dafür war es gemütlich und hatte es ihr leicht gemacht, eine heimelige Atmosphäre zu schaffen.

»Gulaschsuppe!«, freute sich Victor, als seine Frau ihm eine üppige Portion auf den Teller tat. »Klasse, mein Liebling, das ist genau das Richtige für heute Abend«, lobte er.

»Wulaschsukke«, wiederholte der kleine Alexander und schaute seine Eltern an. Er war genau in dem Alter, in dem seine Eltern nicht mehr einschätzen konnten, ob manche Ausdrücke noch zu kompliziert für ihn waren oder er sie falsch aussprach, weil es ihm Spaß machte.

»Nein, Wulaschsukke haben wir heute nicht im Programm«, schmunzelte Mareen und gab ihrem Sohn die kleine Portion, die sie vorher schon aus dem Topf genommen hatte, um sie abzukühlen.

Alexander war ein einfacher, unkomplizierter Junge, der zur Freude seiner Mutter alles aß, was sie ihm vorsetzte. Er war alles andere als ein anspruchsvoller Esser, und Mareen war froh darum.

»Sag mal, was wünschst du dir denn jetzt eigentlich zu deinem Geburtstag? Sollen wir ihn am Wochenende groß nachfeiern oder willst du mit deinen Kollegen nach der Arbeit was trinken gehen?«, erkundigte sich Mareen nach Victors Wünschen für seinen anstehenden einunddreißigsten Geburtstag.

»Puh ... gute Frage. Ich glaube, am Wochenende würde ich einfach mit Alex und dir zu meinen Eltern gehen, vielleicht Samstagmittag auf Kaffee und Kuchen. Und für Donnerstag ... also von mir aus können wir den Tag auch gerne einfach nur zu dritt verbringen«, überlegte er laut.

»Wie du magst. Es ist dein Geburtstag. Wenn du willst, kann ich auch etwas Schönes kochen, und wir laden Anna und Markus ein oder deinen neuen Kollegen, den du so magst«, schlug Mareen vor.

Victor überlegte. »Das wäre ganz wunderbar«, sagte er und gab seiner Frau über den Tisch hinweg einen Kuss. »Dass du dir immer so viel Mühe machst, dafür lieb ich dich ganz besonders. Und ja, lass uns das gerne so machen, ich glaube, ich frage tatsächlich mal Arthur. Er freut sich bestimmt. Seit er bei uns angefangen hat, hat er noch nicht viele Kontakte außerhalb der Arbeit geknüpft. Kannst du dann vielleicht wieder was Russisches kochen?«, bat er seine Frau.

Der neue Kollege aus der Logistik-Abteilung, Arthur Wolkow, war wie Victor gebürtiger Russe und hatte ihn mit seiner strebsamen und fleißigen Arbeitsweise sofort beeindruckt. Dass er fast fünfzehn Jahre älter als Victor war, machte sich kaum bemerkbar, die beiden hatten sofort auf einer Wellenlänge gelegen. Victor hatte gespürt, dass ihn viel mit dem neuen Kollegen verband. Obwohl Victor schon als Baby nach Deutschland gekommen war und keinen Kontakt zu seinen Verwandten in Russland hatte, fühlte er sich tief verbunden mit dem fremden Land, im dem sein Kollege Arthur aufgewachsen war.

»So, kleiner Mann, ab ins Bett!«, kündigte Victor die Schlafenszeit an und ging mit seinem Sohn ins Bad, um sich gemeinsam mit ihm die Zähne zu putzen.

»Er sieht so friedlich aus«, schwärmte Mareen, als Victor ihren Sohn wenig später ins Bett gelegt hatte.

Dick eingewickelt schaute nur das dunkel gelockte Köpfchen von Alexander aus der Star-Wars-Bettwäsche hervor.

»Er ist ganz müde«, flüsterte Mareen, als sie ihrem Sohn zärtlich über die Wange streichelte.

Zurzeit verausgabte sich der Kleine tagsüber beim Spielen so sehr, dass er abends nicht mal mehr eine Gutenachtgeschichte hören wollte.

»Er hat sogar heute das Geschenk für deinen Geburtstag fertig gemacht. Er war ganz stolz«, erzählte Mareen ihrem Mann.

»Ich kann's kaum erwarten«, gestand Victor lächelnd und schloss die Tür hinter den beiden.

»Ich habe auch etwas für dich!«, verkündete Mareen.

»Was? Nein, seit wann machen wir denn so was?«, fragte Victor.

Die beiden hatten schon früh in ihrer Beziehung ausgemacht, sich gegenseitig keine Geschenke zu machen. Sie sparten lieber das Geld und kauften sich davon Dinge, die unter gemeinsame Anschaffungen zu verbuchen waren, wie einen neuen Kühlschrank oder ihr erstes Auto, das Victor in seinen Jahren als Student gute Dienste erwiesen hatte.

»Ich habe auch gar kein Geld dafür ausgegeben«, versprach sie und lächelte geheimnisvoll.

»Dann ist's gut. Ich will gar nicht, dass du für mich viel Geld ausgibst, das weißt du ja«, sagte Victor.

»Es ist eher so, dass es in Zukunft viel Geld kosten wird«, kicherte Mareen leise, um ihren Sohn nicht zu wecken.

»Na, klasse«, lachte nun auch Victor, »das klingt ja nach einem wahnsinnig tollen Geschenk!«

»Das Beste! Du wirst schon sehen«, freute sich Mareen, als sie Arm in Arm mit Victor einschlief.

***

»Wow, das wär' doch nicht nötig gewesen!«, staunte Mareen, als sie den Geschenkkorb sah, den Arthurs Frau ihr freudig überreichte. »Victor, Alexander, unsere Gäste sind da!«, rief sie aus dem Hausflur.

»Entschuldigt bitte, dass ich nicht selbst die Tür aufgemacht habe, aber der kleine Mann hier«, Victor zeigte auf seinen Sohn, »wollte einfach keine anständige Hose anziehen.«

Die Gruppe lachte.

»Du bist aber ein hübscher Junge«, sagte Arthurs Frau und streckte dem Kind ihre Hand entgegen. »Wie heißt du denn?«

»Alexander«, antwortete der Junge schüchtern.

»Oh, was für ein schöner Name! Mein Großvater hieß auch Alexander. Ich bin Irina«, stellte sich die Frau vor und schüttelte die kleine Kinderhand.

»Habt ihr auch welche?«, wollte Mareen wissen und deutete auf ihren kleinen Sohn.

Irina schüttelte den Kopf.

»Oh ... Entschuldigung ...«, stammelte Mareen verlegen. »Ich wollte nicht ...«

»Ach, das ist gar nicht schlimm«, versicherte Irina ihrer Gastgeberin. »Das ist ja eine ganz normale Frage. Aber es ist nun mal so, für uns war es einfach nicht in den Karten. Aber das ist nicht so schlimm. Weißt du, dafür haben wir viele Nichten und Neffen und beide große Familien in Russland.«

»Meine Frau wollte auf keinen Fall eine unangenehme Frage stellen, nicht zu diesem Thema, das müsst ihr mir glauben. Es ist schön, dass ihr kommen konntet. Irina«, sagte Victor, als er sich zu der Frau seines Kollegen wandte, »wie schön, dich endlich kennenzulernen! Arthur erzählt immer viel von dir.«

Irina lächelte. »Das kann ich nur zurückgeben. Ich freue mich sehr über die Einladung. Wir haben ein paar Sachen zusammengestellt, über die du dich vielleicht freuen wirst«, erklärte Irina und zog sich die Schuhe aus.

Mareen hatte vor der Ankunft ihrer Gäste extra im Internet nachgeschaut, wie man russische Gäste am besten empfängt und hielt wie vorgeschlagen zwei Paar Hausschuhe bereit.

»Das ist ja wunderbar«, freute sich Irina und strahlte Mareen an.

Als die Gäste sich an den Tisch im Esszimmer gesetzt hatten, deutete Arthur auf den Geschenkkorb, der in ihrer Mitte stand.

»Wie ihr wisst, wird bei uns immer gerne getrunken. Wir sollten anstoßen auf dich, Victor«, schlug Arthur Wolkow vor.

Vorsichtig entfernte Victor die durchsichtige Folie vom Korb, holte die Flasche mit dem Wodka heraus und schenkte ihn in die kleinen Gläser, die Mareen aus dem Schrank geholt hatte.

»Trinkst du nichts?«, fragte Victor seine Frau.

»Später vielleicht, aber ich brauche noch ein bisschen Konzentration zum Kochen«, erklärte sie.

Mareen war den ganzen Tag in der Küche gestanden, um alles vorzubereiten, aber den letzten Schliff wollte sie den Speisen erst am Abend verpassen, damit alles schön frisch war.

»Auf Victor!«, begann Arthur den Toast auf das Geburtstagskind. »Mögest du mit deiner Frau und deinem Kind immer glücklich und gesund bleiben!«

»Darauf stoße ich gerne an«, stimmte Victor seinem Kollegen freudig zu und leerte das Glas mit einem Schluck.

»Ich helfe dir gerne«, bot Irina an und folgte Mareen in die Küche, als die Männer sich das zweite Glas einschenkten.

»Zum Glück habe ich die kleinsten Gläser hingestellt«, schmunzelte Mareen, als sie Irina ansah.

»Zum Glück habe ich nur eine Flasche in den Korb gepackt«, gab diese lachend zurück.

»Wie schön, dass ihr da seid. Ich glaube, es tut Victor richtig gut, neue Freunde aus seiner Heimat zu haben«, fing Mareen an, etwas von sich und Victor zu erzählen. »Er wurde adoptiert, als er noch ein Baby war und hat natürlich keine Erinnerungen mehr an Russland.«

Irina machte große Augen.

»Aber das heißt, er kennt seine richtigen Eltern gar nicht? Was ist mit seinen Verwandten in Russland?«, fragte sie mitfühlend.

»Victor sagt immer, dass seine Eltern hier leben, in Deutschland. Er liebt seine Adoptiveltern so sehr es nur geht und hatte eigentlich nie Schwierigkeiten, hier aufzuwachsen. Aber natürlich hat er ein großes Interesse an der russischen Kultur, und seit Alexander geboren ist, würde er sich schon wünschen, seine Verwandtschaft in Russland kennenzulernen. Aber«, seufzte sie, »das geht eben nicht.«

»Dann ist es umso besser, dass ihr uns heute eingeladen habt! Russische Freunde sind auch so was wie Familie«, sagte Irina aufheiternd und band sich wie selbstverständlich die zweite Schürze um. »Womit soll ich anfangen?«

***

»Was für ein schöner Abend«, sagte Victor, als er mit Mareen aus dem Badezimmer ins Schlafzimmer ging. »Es war richtig, richtig nett. Das müssen wir wiederholen, was meinst du?«, schlug er eine erneute Verabredung vor.

»Ich habe schon mit Irina Handynummern getauscht. Sie hat auch angeboten, mir ein paar neue Rezepte zu geben. Ich glaube, wir könnten gute Freundinnen werden«, antwortete Mareen. »Und jetzt, jetzt gibt es mein Geschenk!«

»Ach ja, richtig! Ich bekomme ja noch ein Geschenk! Wenn es im Schlafzimmer ist, also dann wehre ich mich natürlich nicht«, lachte er und schaute seine Frau verschmitzt an.

»Es liegt auf deinem Kopfkissen«, gab Mareen zurück und deutete auf die kleine Schachtel.

»Na, dann wollen wir doch mal sehen.« Victor hob den Deckel an.

Er fischte den matt-silbernen Schlüsselanhänger heraus und drehte ihn in der Luft, um zu sehen, was seine Frau auf der ovalen Palette eingravieren hatte lassen. Victor schaute seine Frau mit fragendem Blick an.

»Hier, das sind wir«, erklärte sie und zeichnete mit dem Finger die vier Herzen nach. »Du, ich und Alexander.«

Victor verstand immer noch nicht. »Und für wen steht das vierte Herz?«

Mit Tränen in den Augen schaute ihn Mareen an.

»Nein«, entfuhr es ihm. »Kann es ... ist es ... bist du schwanger?«

Mareen konnte ihre Tränen nicht länger zurückhalten und nickte.

»Ist es wirklich wahr? Mein Schatz, bist du sicher?«, fragte er mit erstickter Stimme.

»Ja. Ganz sicher«, versicherte Mareen ihrem ungläubigen Ehemann. »Ich gehe regelmäßig zum Arzt und es scheint diesmal alles gut zu gehen.«

Victor ließ sich aufs Bett fallen.

»Ich glaub das gar nicht. Das, das ist so wunderbar. Komm her, mein Schatz«, flüsterte er und schloss sie in die Arme.

Als Mareen spürte, dass auch er anfing zu weinen, streichelte sie ihm über sein gewelltes, dunkles Haar. Sie wusste, dass Victor sich seit Jahren ein zweites Kind wünschte, mindestens genauso sehr wie sie. Sie musste an die vielen Momente der Traurigkeit denken, wenn ihre Periode einsetzte oder die so heiß ersehnte Schwangerschaft sich innerhalb der ersten Wochen als Enttäuschung entpuppte, weil der Fötus abging. Doch das alles war nun endlich vorbei! Sie und Victor würden ein zweites Kind bekommen, und die werdende Mutter freute sich so sehr auf die nächsten Monate, dass ihr fast schwindelig wurde.

»Wir werden alles tun, damit du dich gut fühlst«, sagte Victor entschlossen, als er sich aus Mareens Armen löste und seine Tränen mit dem Ärmel seines Pullovers trocknete. »Du wirst sehen, das wird eine wunderschöne Zeit!«

Mareen lächelte ihn verliebt an. »Danke«, flüsterte sie.

»Für was?«, fragte Victor.

»Du warst immer für mich da in den letzten Jahren. Nie hast du mir einen Vorwurf gemacht oder mich unter Druck gesetzt«, bedankte sie sich.

»Natürlich nicht!«, empörte sich Victor. »Mein Liebling, du kannst doch nichts dafür! Niemand kann etwas dafür! Wir hatten einfach kein Glück. Vielleicht ... vielleicht sollte es so sein. Denn schau, nun wird unser Wunsch doch noch erfüllt. Alexander ist in einem Alter, in dem er alles mitbekommen kann, das ist bestimmt aufregend für ihn. Und ich habe die letzten Jahre genug Zeit gehabt, so viel zu arbeiten, dass es uns zu viert finanziell nun viel besser gehen wird. Vielleicht ist es Schicksal, dass es solange nicht geklappt hat. Und Liebling?«, schaute er seine Frau bewundernd an, »Du bist die beste Mutter, die ich mir vorstellen kann. Deswegen werden wir alles tun, damit die Monate der Schwangerschaft schön für dich werden.«

Mareen seufzte. »Ich habe wirklich den besten Mann der Welt. Und bald ist unsere Familie komplett«, freute sie sich und streichelte vorsichtig über ihren Bauch.

***