Dr. Stefan Frank 2663 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2663 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Konstanze von Ulmenhain und Ella Winter sind seit über zehn Jahren befreundet. Die beiden so ungleichen Frauen haben sich in einem Eliteinternat kennengelernt. Konstanze ist von ihrer reichen Münchner Familie dorthin geschickt worden; die mittellose Ella hat dort nach dem Unfalltod ihrer Eltern eines der begehrten Stipendien bekommen. Die Freundschaft der beiden ist mit den Jahren jedoch in Schieflage geraten. Konstanze spielt gern die Überlegene und lässt Ella merken, dass sie eigentlich nicht zu den "feinen" Kreisen gehört. Obwohl Ella spürt, dass ihr die enge Freundschaft mit Konstanze nicht mehr guttut, hält sie tapfer durch. Sie hofft, dass Konstanze irgendwann mal wieder "die Alte" wird.
Wenn Ella mal nichts mit Konstanze unternimmt, dann findet man sie meist im Haus ihrer ehemaligen Lehrerin Katrin Jungblut, der sie so viel zu verdanken hat. Auf dem siebzigsten Geburtstag der Pensionärin trifft Ella den attraktiven Jakob Mansfeld wieder. Er ist ebenfalls einer von Katrins Schützlingen. Haben sie in der Vergangenheit eher ein wenig um die Gunst der älteren Dame konkurriert, stellen sie nun fest, dass es zwischen ihnen knistert. Als Konstanze kurze Zeit später Wind von der Sache bekommt, funkt sie ordentlich dazwischen - mit traurigen Konsequenzen für alle Beteiligten ...


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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Beste Freundin oder schlimmste Feindin?

Vorschau

Impressum

Beste Freundin oder schlimmste Feindin?

Dr. Frank und ein toxisches Mädelsduo

Konstanze von Ulmenhain und Ella Winter sind seit über zehn Jahren befreundet. Die beiden so ungleichen Frauen haben sich in einem Eliteinternat kennengelernt. Konstanze ist von ihrer reichen Münchner Familie dorthin geschickt worden; die mittellose Ella hat nach dem Unfalltod ihrer Eltern eines der begehrten Stipendien bekommen. Die Freundschaft der beiden ist mit den Jahren jedoch in Schieflage geraten. Konstanze spielt gern die Überlegene und lässt Ella merken, dass sie eigentlich nicht zu den »feinen« Kreisen gehört. Obwohl Ella spürt, dass ihr die enge Freundschaft mit Konstanze nicht mehr guttut, hält sie tapfer durch. Sie hofft, dass Konstanze irgendwann wieder »die Alte« wird.

Wenn Ella mal nichts mit Konstanze unternimmt, dann findet man sie meist im Haus ihrer ehemaligen Lehrerin Katrin Jungblut, der sie so viel zu verdanken hat. Auf dem siebzigsten Geburtstag der Pensionärin trifft Ella den attraktiven Jakob Mansfeld wieder. Er ist ebenfalls einer von Katrins Schützlingen. Haben sie in der Vergangenheit eher ein wenig um die Gunst der älteren Dame konkurriert, stellen sie nun fest, dass es zwischen ihnen knistert. Als Konstanze kurze Zeit später Wind von der Sache bekommt, funkt sie ordentlich dazwischen – mit traurigen Konsequenzen für alle Beteiligten ...

Als Ella Winter am Nachmittag von der Arbeit nach Hause kam, streifte sie mit einem erleichterten Stöhnen die High Heels von den Füßen. Sie schlüpfte in bequeme Hausschlappen und bewegte ihre Zehen, die die neu gewonnene Freiheit genossen. Warum taten sich Frauen das nur an?

Du bist doch selbst schuld, sagte sich Ella. Niemand verlangt doch von dir, jeden Tag auf hohen Hacken herumzulaufen. Du machst das alles freiwillig.

Ella musste lächeln, als ihr die Behauptung ihrer Freundin Konstanze einfiel, dass schon Konstanzes erste Laufschuhe High Heels gewesen seien. In der Tat kannte Ella ihre Freundin nur mit hohen Schuhen. Nur beim Sport und im Bett verzichtete sie auf die geliebten Hochhackigen.

»Flache Schuhe machen hässliche Beine«, war Konstanzes Standardkommentar.

Ella musste zugeben, dass sie sich von Konstanze hatte anstecken lassen. Bis sie sich mit vierzehn im Internat kennenlernten, hatte Ella nur bequeme Kleidung und Schuhe getragen. Aber mit den Jahren hatte sie den Modegeschmack ihrer Freundin übernommen, zumindest wenn sie zur Arbeit ging oder eingeladen war.

Ella kochte sich einen Kaffee und setzte sich damit an ihren Schreibtisch, den sie unter das Fenster gerückt hatte. So konnte sie über den kleinen Vorgarten hinweg auf die belebte Gartenstraße in Grünwald blicken. Schräg gegenüber sah sie die erleuchteten Fenster der Praxis von Dr. Stefan Frank, ihrem Hausarzt.

Auf dem Schreibtisch lag ein Stapel Bücher, die sich alle mit dem Bauhaus beschäftigten. Ella liebte die schnörkellose, moderne und funktionale Architektur des Bauhauses, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Weimar und Dessau entwickelt worden war. Obwohl sie – oder vielleicht auch gerade weil sie – so viel über die Bauhausbewegung wusste, fiel es ihr schwer, für das Online-Seminar im Rahmen ihres Fernstudiums einen Vortrag vorzubereiten. Die Vorgabe war, dass sie nicht mehr als zehn Minuten sprechen durfte. Wie sollte sie nur in der kurzen Zeit alle wichtigen Informationen unterbringen?

Ella fuhr ihren Computer hoch und las, was sie bisher geschrieben hatte.

Das Klingeln ihres Handys riss sie aus den Gedanken.

»Hallo, Ella. Wir müssen uns treffen. Unbedingt! Und unbedingt sofort. Es ist ganz wichtig«, rief Konstanze aufgeregt ins Telefon.

»Was ist denn los?«, fragte Ella nicht besonders alarmiert. Sie kannte Konstanzes etwas überdrehte Art und war sicher, dass nichts Gravierendes passiert war.

»Ich muss dir unbedingt etwas zeigen. Ich bin in Grünwald. Wollen wir uns in der Wunderbar treffen?«

»Ist es wirklich so wichtig? Ich wollte heute an meinem Referat arbeiten. Es muss bis Dienstag fertig ...«

»Mensch Ella! Heute ist Donnerstag. Du hast noch genug Zeit. Komm schon. Du wirst staunen.«

»Okay. Ich kann in einer Viertelstunde da sein«, seufzte Ella.

»Super. Bis gleich.«

So war das immer. Wenn Konstanze etwas wollte, dann bekam sie es auch. Wenn Ella etwas anderes vorhatte, zählte das nicht. Konstanzes Bedürfnisse standen immer unangefochten an erster Stelle.

Na gut, dachte Ella, dann kann ich dort eine Kleinigkeit essen und mich später an meinen Vortrag setzen.

Als Ella in der Wunderbar ankam, saß Konstanze bereits an einem Tisch und winkte ihr zu. Sie stand auf, um Ella in den Arm zu nehmen und ihr rechts und links neben die Wangen Luftküsse zu hauchen, damit sie ihren Lippenstift nicht verschmierte.

»Na? Fällt dir was auf?«, fragte Konstanze erwartungsvoll und sah auf ihre Füße.

Ella folgte ihrem Blick.

»Neue Schuhe?«, fragte sie lächelnd.

»Schuhe? Du Banause. Das sind keine ›Schuhe‹. Das ist eine Offenbarung! Das ist Lebensart! Echte Donna-Rosas. Und weißt du, wo ich sie bekommen habe?«

Ella schüttelte den Kopf. »Keine Ahnung.«

»Hier bei dir im verschlafenen Grünwald! In ganz München gibt es keinen einzigen Laden, der Donna-Rosa führt. Ein Skandal. München ist doch echte Provinz«, sagte Konstanze empört.

»Na, so was«, lächelte Ella. »Aber mal ganz ehrlich, du hast doch etliche rote High Heels, mindestens fünf Paar. Was ist besonders an diesen?«

»Sag mal, Ella! Ich dachte, ich hätte dem Kellerkind von damals ein bisschen Kultur beigebracht! Donna-Rosa? Klingelt da nichts? Sag bloß, du kennst Donna-Rosa nicht? Das angesagte Modelable aus Italien. Das trägt man jetzt.«

»Ich habe wirklich noch nie von Donna-Rosa gehört«, gab Ella zu.

»Wo lebst du denn? Du musst dir unbedingt auch Donna-Rosas kaufen. Ohne die geht gar nichts mehr, wenn man nicht als Provinzmaus abgestempelt werden will. Die sind zwar sündhaft teuer, aber sind jeden Cent wert. Schau mal, wo das Logo versteckt ist.«

Konstanze legte ihr rechtes Bein über das linke, sodass Ella unter die Schuhsohle sehen konnte. Auf der hellen Sohle prangte mittig eine dunkelrote Rose.

»Das ist witzig, aber man sieht die Rose doch nur, wenn du ganz damenhaft deine Beine auf den Tisch legst«, grinste Ella.

»Es geht doch nicht darum, dass das Logo gesehen wird, Dummerchen. Wer sich auskennt, der weiß es einfach. Ich habe mir noch die passende Handtasche dazu bestellt. Die kommt leider erst in einer Woche. Kostet auch ein Vermögen, aber Gero hat gesagt, dass er mir die Tasche spendiert. Sozusagen als weiteres Verlobungsgeschenk.«

»Gero ist wirklich großzügig.«

»Ja, zum Glück. Meine Eltern nerven langsam. Ganz besonders mein Vater. Immer, wenn ich zusätzliches Geld von ihm haben will, sagt er, dass ich sehen soll, dass ich bald auf eigenen Beinen stehe. Bla bla bla. Und dauernd fragt er nach dem Studium«, beschwerte sich Konstanze.

Ella nickte nur verhalten. Sie wusste, dass es keinen Zweck hatte, mit ihrer Freundin über ihren luxuriösen Lebenswandel auf Kosten ihrer Familie zu diskutieren. Konstanze von Ulmenhain war mit goldenen Löffeln im Mund aufgewachsen. Ihre Eltern, die gemeinsam eine erfolgreiche Anwaltskanzlei in München betrieben, hatten ihrer Tochter jeden materiellen Wunsch erfüllt, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, denn Zeit hatten sie für ihr Kind kaum.

Ihren Eltern zuliebe hatte Konstanze ein Jurastudium begonnen, aber nur auf dem Papier. Einen Hörsaal hatte die junge Frau so gut wie nie von innen gesehen.

»Du studierst jetzt schon seit vier Jahren. Ich kann verstehen, dass deine Eltern fragen, wie weit du denn bist«, sagte Ella vorsichtig.

»Jura ist so langweilig und so kompliziert. Darauf habe ich keine Lust.«

»Dann rede endlich mit deinen Eltern und studiere etwas anderes, etwas wozu du Lust hast.«

»Muss ich gar nicht. Bald heirate ich Gero. Er hat versprochen, mich auf Händen zu tragen. Für Gero ist es nicht wichtig, ob ich studiere.«

»Gero ist nur wichtig, dass du gut aussiehst, damit er mit dir angeben kann«, murmelte Ella leise.

»Was hast du gesagt?«

»Ich habe nur gesagt, dass ihr ein schönes Paar seid.«

»Finde ich auch. Und bei dir wird es auch langsam Zeit unter die Haube zu kommen. Ich werde dir helfen, einen Mann zu finden, mit dem du ausgesorgt hast. Dann kannst du endlich aufhören zu arbeiten und dich mit wichtigen Dingen beschäftigen.«

»Ich will aber arbeiten«, beharrte Ella.

»Du bist echt unbelehrbar«, stöhnte Konstanze. »Arbeit macht Falten. Mensch, Ella, du bist eine hübsche Frau. Noch. Nutze die Zeit und such dir einen Mann. Warum hat das eigentlich mit meinem Freund Johannes nicht geklappt? Er ist gut aussehend, reich und war doch ganz vernarrt in dich.«

»Mag ja sein, aber ich bin nicht verliebt in ihn.«

»Liebe wird echt überbewertet«, lachte Konstanze. »Wenn das Bankkonto dick genug ist, dann kommt die Liebe schon.«

Ella schüttelte innerlich den Kopf. Auch wenn Konstanze ihre letzte Bemerkung vielleicht nicht ganz ernst gemeint hatte, war doch viel Wahres daran. Konstanze hätte niemals mit einem Mann, der über kein Vermögen verfügte, zusammen sein können.

»Ich sehe lieber zu, dass ich ein eigenes Bankkonto habe«, sagte Ella. »Ich will unabhängig sein.«

»Ich will auch unabhängig sein. Und glaube mir, nichts macht unabhängiger als viel Geld. Wenn wir erst verheiratet sind, dann bekomme ich unbeschränkten Zugriff auf Geros Konto. Das ist abgemacht.«

»Man könnte fast meinen, du liebst Geros Geld mehr als ihn. Würdest du ihn heiraten, wenn er arm wäre?«

Konstanze runzelte die Stirn.

»Geld muss schon sein. Ich kann mir nicht vorstellen, in einer Zwei-Zimmer-Wohnung zu leben und jeden Tag Kohlsuppe zu kochen.«

»Du und kochen«, lachte Ella. »Du könntest ja noch nicht einmal Kohlsuppe kochen. Aber du hast meine Frage nicht beantwortet. Liebst du Gero?«

»Natürlich liebe ich ihn. Aber wenn er arm wäre, dann hätte ich mich gar nicht erst in ihn verliebt.«

Ella schüttelte den Kopf und beschloss, das Thema zu wechseln.

»Habt ihr euch schon entschieden, ob ihr heiratet, bevor Gero in die USA geht?«

»Gero kann den Aufenthalt in Boston ein halbes Jahr vorziehen. Er fliegt schon in zwei Wochen. Geheiratet wird in einem halben Jahr. Während er weg ist, beginne ich die Hochzeit zu organisieren. Ich habe bereits mit der besten Hochzeitsplanerin in München einen Termin gemacht. Ich rechne aber auch mit deiner Hilfe und Beratung.«

»Klar, das mache ich.«

»Meine Hochzeit soll die glamouröseste werden, die München je gesehen hat. Zweihundert Gäste in Ballkleidern und Smoking, vielleicht in einem Schloss, ein Buffet wie bei König Ludwig und ich bin die Prinzessin in einem Brautkleid, das alle Gäste mit offenem Mund dastehen lässt«, schwärmte Konstanze mit großen Gesten.

»Das hört sich nach viel Arbeit für die Hochzeitsplanerin an«, lachte Ella. »Darf ich denn überhaupt kommen, ich bin doch nicht aus reichem Hause.«

»Natürlich lade ich dich ein, aber ein Ballkleid wirst du dir anschaffen müssen. Und bitte nicht wieder eines von der Stange wie bei der Verlobungsfeier! Für die Hochzeit bitte ich doch sehr um ein Designerstück.«

Ella schluckte. Konstanze kam gar nicht auf die Idee, dass Ella vielleicht nicht die finanziellen Möglichkeiten hatte, sich ein teures Kleid zu kaufen, das sie vermutlich nur einmal tragen würde.

»Mal sehen«, murmelte sie. »Wie lange bleibt Gero eigentlich in Boston?«

»Zwei Monate. Natürlich werde ich ihn mal besuchen. Aber er hat schon gesagt, dass er kaum Zeit für mich haben wird. In der Investmentbank, in die ihn sein Vater schickt, wird wohl sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet.«

»Dann wird er bestimmt viel lernen. Wenn ich das richtig verstanden habe, soll Gero doch in die Privatbank seines Vaters als Junior einsteigen, oder?«

»Ja. Ich plane übrigens ein kleines Abschiedsessen mit guten Freunden einen Tag vor Geros Abreise nach Boston. Du bist natürlich auch eingeladen. Ich sage dir noch genau Bescheid, wann und wo.«

»Ich gehöre doch nicht zu Geros engsten Freunden. Ich kenne ihn kaum.«

»Du kennst doch mich. Und du solltest auf der Feier die Augen ganz weit offen halten. Es werden einige Männer da sein, bei denen es sich lohnt, einen zweiten Blick zu werfen«, sagte Konstanze und zwinkerte ihrer Freundin zu.

***

»Servus, Frau Jungblut«, begrüßte Marie-Luise Flanitzer, die jüngere Sprechstundenhilfe von Dr. Stefan Frank die ältere Dame, die am späten Nachmittag die Praxis betrat. »Haben Sie einen Termin?«

»Ja, ich habe gestern mit Frau Giesecke gesprochen. Sie wollte mich für heute eintragen.«

»Dann schaue ich mal. Ja, hier stehen Sie.«

Martha Giesecke kam aus dem Labor. Auch sie begrüßte Katrin Jungblut freundlich.

»Das sind aber keine guten Neuigkeiten, mit denen Sie zu uns kommen«, sagte Schwester Martha und legte der Patientin die Hand auf den Arm.

»Da haben Sie recht«, erwiderte die Patientin und wischte sich verschämt eine Träne aus dem Augenwinkel.

»Wird schon wieder, wa«, tröstete Martha Giesecke und tätschelte ihren Arm. »Sie haben doch gesagt, dass sie eine gute Perspektive haben. Nehmen Sie mal ganz kurz Platz im Wartezimmer, wa. Der Chef ist gleich für Sie da.«

Als Frau Jungblut nicht mehr am Tresen stand, sah Marie-Luise ihre ältere Kollegin fragend an. Sie kannte Martha Giesecke sehr gut, die auch nach vielen Jahren in Bayern ihren Berliner Zungenschlag nicht abgelegt hatte. Marie-Luise wusste, wenn Martha ganz besonders stark berlinerte, dann war sie entweder verärgert oder fühlte besonders mit einem Patienten mit.

»Was ist mit Frau Jungblut?«, fragte Marie-Luise leise.

»Sie hat mir gestern erzählt, dass der Krebs zurück ist. Wieder an der Niere. Das trifft auch immer die Nettesten, wa.«

»Das tut mir sehr leid für Frau Jungblut.«

»Dann drücken wir ihr mal die Daumen. Will sie eine zweite Meinung vom Chef?«

»Was sie genau will, hat sie nicht gesagt.«

Eine Viertelstunde später saß Katrin Jungblut vor dem Schreibtisch von Dr. Stefan Frank und wartete. Martha hatte ihr gesagt, dass der Arzt noch im Labor beschäftigt sei, aber bald käme.

Als sich die Tür öffnete, drehte sich Katrin um und sah in das freundlich lächelnde Gesicht von Dr. Stefan Frank. Die beiden kannten sich schon seit vielen Jahren. Über ihre gemeinsame Leidenschaft, das Rosenzüchten, hatte sie sich kennengelernt und inzwischen war aus der guten Bekanntschaft eine Freundschaft geworden.

»Servus, Katrin. Ich habe von Schwester Martha schon gehört, dass du keine guten Nachrichten hast.«

»Leider ist der Krebs zurück. Nach fünf Jahren. Ich dachte schon, ich wäre geheilt. Bei der letzten der engmaschigen Untersuchungen war dann wieder etwas ...«, Katrins Stimme versagte ihr den Dienst, sie konnte nicht weiter sprechen.

»Es tut mir sehr leid, Katrin«, versicherte Dr. Frank, stand auf und legte ihr seine Hand beruhigend auf die Schulter. »Was sagt denn dein Urologe?«

Katrin räusperte sich, ehe sie wieder sprechen konnte.

»Er sagt, dass ich Glück im Unglück habe, weil der Tumor so früh entdeckt wurde. Aber ich muss wieder operiert werden und werde auch um eine Chemo nicht herumkommen.«

»Du hast doch vor fünf Jahren die Operation und die Chemotherapie gut verkraftet. Ich bin sicher, dass du es auch dieses Mal schaffst.«

»Ach, Stefan, ich weiß nicht. Ich werde bald siebzig, da steckt man so was nicht so einfach weg. Ich habe große Angst«, gestand Katrin leise und sah ihren Arzt und Freund hilfesuchend an.

»Alexa und ich werden dich so gut es geht unterstützen. Du bist eine starke Frau. Nur Mut.«

»Danke. Ich weiß, dass ich mich auf euch verlassen kann.«

»Auf jeden Fall. Und deine beiden ›Ziehkinder‹ werden dich ganz sicher auch nicht im Stich lassen.«

Bei dem Gedanken an Ella und Jakob, die sie scherzhaft ihre Ziehkinder nannte, huschte Katrin ein kleines Lächeln über die Lippen. Katrin war bis zu ihrer Pensionierung Lehrerin an einem Grünwalder Gymnasium gewesen und hatte sich um Kinder und Jugendliche gekümmert, die ihre Hilfe brauchten.

Für die kluge Ella, die mit vierzehn bei einem Autounfall ihre Eltern verloren hatte, hatte Katrin sich um ein Stipendium an dem Eliteinternat Gut Schäferberg