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Nach dem tragischen Tod seiner großen Liebe bemüht sich Kai Werner nicht zuletzt wegen seines vierjährigen Sohnes Levi, mit seinem Alltag klarzukommen. Obwohl Majas Tod schon über vier Jahre zurückliegt, denkt er jeden Tag an sie. Die Versuche seiner Freunde und Familie, ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken und eine neue Liebe zu finden, scheitern immer wieder. Dabei ist sein Leben als alleinerziehender Vater wirklich anstrengend! Die Schwindelanfälle, die er seit einiger Zeit erleidet, machen sein Schicksal nicht leichter. Zunächst hält er die Anfälle für Nachwehen einer Sommergrippe. Doch an einem Spätnachmittag bricht Kai während des Joggens im Englischen Garten zusammen. Ein schnell herbeigerufener Rettungswagen bringt ihn in die Waldner-Klinik. Die Untersuchungen fördern ein erschütterndes Ergebnis zutage: In seinem Kopf ist ein Aneurysma gewachsen, das für die Schwindelanfälle verantwortlich und potenziell tödlich ist ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Potenziell tödlich
Vorschau
Impressum
Potenziell tödlich
Bei Kai wird ein Hirnaneurysma entdeckt
Nach dem tragischen Tod seiner großen Liebe bemüht sich Kai Werner nicht zuletzt wegen seines vierjährigen Sohnes Levi, mit seinem Alltag klarzukommen. Obwohl Majas Tod schon über vier Jahre zurückliegt, denkt er jeden Tag an sie. Die Versuche seiner Freunde und Familie, ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken und eine neue Liebe zu finden, scheitern immer wieder. Dabei ist sein Leben als alleinerziehender Vater wirklich anstrengend! Die Schwindelanfälle, die er seit einiger Zeit erleidet, machen sein Schicksal nicht leichter. Zunächst hält er die Anfälle für Nachwehen einer Sommergrippe. Doch an einem Spätnachmittag bricht Kai während des Joggens im Englischen Garten zusammen. Ein schnell herbeigerufener Rettungswagen bringt ihn in die Waldner-Klinik. Die Untersuchungen fördern ein erschütterndes Ergebnis zutage: In seinem Kopf ist ein Aneurysma gewachsen, das für die Schwindelanfälle verantwortlich und potenziell tödlich ist ...
»Papa!
»Ja, Bärchen?« Kai nahm die Frühstücksteller, die ihm sein Sohn Levi reichte, und stellte sie in die Spülmaschine.
»Können wir Schoko-Muffins für Anton backen?« Wohlwissend, dass sein Vater ihm kaum einen Wunsch abschlagen konnte, strahlte Levi schon jetzt von einem Ohr zum anderen. »Bestimmt bekommen wir heute Nachmittag beim Spielen Hunger. Und deine Schoko-Muffins mag er am allerliebsten.«
Ausgerechnet Schoko-Muffins, Majas Lieblingsgebäck! Kai legte das benutzte Besteck in die Ablage und klappte den Deckel des Geschirrspülers zu. Wie so oft war er hin und her gerissen zwischen der Freude, seinem Sohn jeden Wunsch zu erfüllen. Auf der anderen Seite wusste er natürlich, dass er es dabei nicht übertreiben durfte. Schon gar nicht, wenn Levi zu einem anständigen jungen Mann heranwachsen sollte, wie seine Mutter es vorgehabt hatte.
Dieser Drahtseilakt zwischen Verwöhnen und Erziehung kostete Kai viel Kraft. Aber wer konnte diesen riesigen, blauen Augen, diesem strahlenden Kinderlächeln schon widerstehen?
»Ich muss nachsehen, ob wir alles zu Hause haben.«
»Wenn nicht, gehen wir einfach einkaufen. Heute ist doch erst Samstag«, erwiderte Levi keck.
»Da hast du auch wieder recht.« Wohl oder übel gab sich Kai geschlagen.
Zwei Stunden später herrschte in der Küche ein wahres Tohuwabohu. Der dunkle Teig klebte nicht nur an Quirlen und Schüssel, sondern hatte es bis an die Wände geschafft. Mit Maja wäre das nicht passiert. Sie hatte immer alles im Griff gehabt. Doch Maja war nicht mehr hier. Dafür waren die Muffins im Ofen, und Kai lächelte zufrieden, während er seinen fünfjährigen Sohn beobachtete, der das Backrohr nicht aus den Augen ließ.
Als Kai sich bückte, um das Spülmittel aus dem Küchenunterschrank zu holen, konnte er sich gerade noch an der Schranktür festhalten, so heftig war der Schwindel, der ihn wie aus dem Nichts überfiel. Er schloss die Augen und mahnte sich, ruhig zu atmen. Ein und aus, ein und aus. Aus leidvoller Erfahrung in den vergangenen Wochen wusste er, dass sich die Welt um ihn herum auf diese Weise schneller wieder beruhigte. Doch an diesem frühen Samstagnachmittag war es schlimmer als sonst. Der Anfall dauerte fast fünf Minuten.
Bislang hatte Kai diese Schwindelanfälle für Nachwehen der Sommergrippe gehalten, die ihn Anfang Juni fast zwei Wochen lang niedergestreckt hatte. Aber war das wirklich so oder sollte er lieber noch einmal bei Dr. Stefan Frank, seinem Hausarzt, vorbeischauen?
Früher, als Kai noch mit Frau und Kind im schönen Grünwald gewohnt hatte, hatte er zu Fuß zur Praxis Dr. Frank gehen können. Seit dem Umzug nach Schwabing war ein Besuch beim Arzt seines Vertrauens nicht mehr ganz so einfach. Doch dieser Umstand durfte ihn nicht davon abhalten. Er hatte eine große Verantwortung, Levi brauchte seinen Vater.
Allein beim Gedanken daran, was mit seinem Sohn geschah, wenn er schwer krank werden würde, wurde Kai übel. Doch sein Verstand sagte ihm auch, dass es unklug war, den Arztbesuch noch länger hinauszuschieben. Nicht umsonst gab es Früherkennungsprogramme für alle möglichen Erkrankungen. Je eher der Übeltäter entdeckt wurde, umso besser. Abgesehen davon konnte ja auch alles in Ordnung sein und er machte sich völlig umsonst Sorgen. Gleich am Montagmorgen würde er einen Termin bei Dr. Frank vereinbaren.
Die Klingel des Timers riss ihn aus seinen Gedanken. Ein köstlicher Duft lag in der Luft.
»Die Muffins sind fertig.« Wie ein Gummiball sprang Levi vor dem Ofen hin und her. »Hol sie schnell raus, Papa, bevor sie verbrennen!«
Mit vereinten Kräften brachten die beiden Männer die gebackene Köstlichkeit in Sicherheit. Im Anschluss deckten sie die Kaffeetafel.
»Den Kuchen müssen wir uns aber erst verdienen«, erklärte Kai und stellte Tassen zu den Tellern. Levi legte Löffel dazu. Kuchengabeln brauchten sie für die Muffins nicht. »Was hältst du davon, wenn wir Onkel Arne zu einer Runde Fußball im Englischen Garten überreden? Heute ist es nicht so heiß wie in den vergangenen Tagen.«
Was für eine Frage? Im nächsten Moment flitzte Levi zum Telefon und wählte die Nummer von Kais bestem Freund, der für jeden Spaß zu haben war.
***
Seite an Seite mit ihrer besten Freundin Kerstin schlenderte Helena Leupold die Münchner Ludwigstraße entlang Richtung Hofgarten. Nach einem längst fälligen Gewitter tags zuvor waren die Temperaturen auf ein erträgliches Maß gefallen. Die Sonne schien und nur hier und da schwamm eine Wattewolke am blitzblauen Himmel. Ein laues Lüftchen wehte.
»Ein Glück, dass es sich nicht eingeregnet hat«, bemerkte Kerstin mit einem Blick in den Himmel. »Ich hätte keine Lust, bei Regen auf dem Königsplatz zu sitzen und ein Konzert anzuhören.«
Helena dagegen schien ganz andere Sorgen zu haben.
»Ach, das wäre das perfekte Wetter, um eine Runde joggen zu gehen«, dachte sie laut nach.
Kerstin schickte ihr einen Blick, der Bände sprach.
»Heute ist Samstag. Da hat Mister Perfect bestimmt etwas Besseres zu tun, als im Englischen Garten herumzulaufen«, bemerkte sie. »Genau wie wir.«
Helena schürzte die Lippen.
»Warum musst du immer so brutal sein?«
Das Café am Odeonsplatz war vollbesetzt, doch im Biergarten hinter den Mauern des Hofgartens ging es ruhiger zu. Die beiden Freundinnen suchten sich einen Platz unter altehrwürdigen Kastanienbäumen und bestellten einen Eiskaffee für Kerstin und eine Eisschokolade mit Extra-Sahne für Helena.
»Ich bin nicht brutal, sondern sorge nur dafür, dass du die Bodenhaftung nicht komplett verlierst«, korrigierte Kerstin ihre Freundin. »Was macht dich eigentlich so sicher, dass der unbekannte Jogger dein Traummann ist? Du weißt überhaupt nichts von ihm. Bestimmt ist er verheiratet und Vater von drei zauberhaften Kindern.«
»Er trägt keinen Ring am Finger«, hielt Helena dagegen. »Außerdem lächelt er immer so süß, wenn wir aneinander vorbeilaufen.« Versonnen rührte sie mit dem Strohhalm in der Sahne. Plötzlich spielte ein Lächeln um ihren Erdbeermund. »Wer weiß. Vielleicht geht es ihm wie mir und er hofft auch immer, mich beim Joggen zu treffen.«
Nur mit Mühe konnte sich Kerstin ein Seufzen verkneifen. Grundverschieden, wie sie waren, fragte sie sich manchmal, warum ausgerechnet Helena ihre beste Freundin geworden war. Während Kerstin als Ingenieurin mit beiden Beinen fest auf dem Boden stand, schwebte Helli immer mindestens zwei Zentimeter darüber. Wenn sie nicht gerade von Mister Perfect träumte, organisierte sie Hochzeiten und andere romantische Feiern und las in ihrer Freizeit Liebesromane. Oder ging joggen, seit sie davon überzeugt war, dass der unbekannte Läufer im Englischen Garten der Mann ihres Lebens war.
»Was ist mit den zwei Wochen, in denen er sich nicht hat blicken lassen?« Ohne Helena aus den Augen zu lassen, schob Kerstin einen Löffel Eis mit Sahne in den Mund.
»Vielleicht war er im Urlaub oder auf Geschäftsreise.« Die Trauer über sein plötzliches Verschwinden gehörte längst der Vergangenheit an. Seit der schöne Unbekannte wieder täglich seine Runden im Englischen Garten zog und ihr zulächelte, war Helenas kleine Welt wieder in Ordnung. »Und jetzt ist er ja wieder da.«
Eine Weile sagte Kerstin nichts, sondern gab vor, sich voll und ganz auf ihren Eiskaffee zu konzentrieren. Doch schließlich war der Becher leer. Die Stunde der Wahrheit war gekommen.
»Du hast ja schon öfter von fremden Männern geschwärmt ...«
»Diesmal ist es anders«, unterbrach Helena ihre Freundin.
Kerstin lächelte schief.
»Du hast recht. Diesmal mache ich mir wirklich Sorgen um dich«, gestand sie. »Manchmal fürchte ich, du könntest dich voll und ganz in deiner Traumwelt verlieren. Aber die ist leider nicht echt.«
Kerstins Tonfall alarmierte Helena.
»Was sollte ich deiner Ansicht nach tun?«
»Wenn du so sehr davon überzeugt bist, dass der Fremde dein Traummann ist, dann sprich ihn an! Finde heraus, wer er wirklich ist. Ob es sich lohnt, dass du deine Zeit, deine Gedanken und Träume an ihn verschwendest.«
»Du sagst das so ernst ...«
»Weil es ernst ist, Helli«, beharrte Kerstin. »Du bist kein Teenie mehr. Inzwischen denke ich, dass du viel zu viel Angst vor einer Beziehung mit einem echten Menschen mit all seinen Macken und Problemen hast und dich deshalb lieber in deine Träume stürzt.«
»So ein Unsinn.« Helenas Widerspruch klang wenig überzeugend. Das wusste sie selbst. »Wenn ich ihn am Montag treffe, spreche ich ihn an. Du hast mein Ehrenwort.« Sie hob die Hand zum Schwur.
Kerstin blieb skeptisch, sagte aber nichts mehr. Wenn sie das Konzert auf dem Königsplatz nicht verpassen wollten, sollten sie langsam bezahlen und sich auf den Weg machen.
***
Wie immer, wenn etwas besonders schön war oder wenn man nervös auf etwas wartete, verging die Zeit wie im Flug. Viel schneller als erhofft war das Wochenende vorbei und der Alltag nahm seinen gewohnten Lauf.
Nicht nur Helena Leupold saß wieder an ihrem Schreibtisch, um die nächsten Hochzeitstermine, Taufen und Baby-Showers zu koordinieren. Auch Kai Werner kehrte an seinen Arbeitsplatz zurück, der sich hinter einer Tür in seiner Wohnung verbarg. Noch heute war er seinem Chef dankbar, der ihm kurz nach Majas Tod ermöglicht hatte, im Homeoffice zu arbeiten, sodass Kai sich die Arbeitszeit frei einteilen und für seinen kleinen Sohn da sein konnte, wann immer Levi ihn brauchte.
Bevor er an diesem Morgen den Computer hochfuhr, griff Kai nach dem Telefonhörer und vereinbarte einen Termin in der Praxis Dr. Frank. Die Sprechstundenhilfe Marie-Luise Flanitzer war am Apparat.
»Wenn Sie Zeit und Lust haben, können Sie gleich heute Vormittag vorbeikommen«, zwitscherte sie gut gelaunt in den Hörer. »So kurz vor den Ferien haben die Leute anderes zu tun, als im Wartezimmer zu sitzen.«
Kai überlegte nicht lange und sagte zu. Eine dreiviertel Stunde später saß er vor dem Schreibtisch seines Hausarztes.
»Herr Werner, wie schön!«, begrüßte Dr. Frank den Mann, dem seine ganze Bewunderung galt.
Auch dem Allgemeinarzt hatte das Schicksal übel mitgespielt, indem es ihm vor vielen Jahren die Jugendliebe genommen hatte. Anders als Kai Werner hatte Stefan Frank aber keine Kinder zu versorgen und war nur für sich selbst verantwortlich gewesen. Umso größer war sein Respekt für die Leistung seines Patienten.
»Was kann ich für Sie tun?« Sein prüfender Blick ruhte auf Kai. »Welche Beschwerden führen Sie in meine Praxis?«
»Seit meiner Sommergrippe leide ich unter unerklärlichen Schwindelattacken. Könnte es sich dabei um eine Spätfolge der Grippe handeln?«
Dr. Frank zog eine Augenbraue hoch. Ein Schwindelgefühl konnte Symptom für zahllose Erkrankungen sein. Harmlose Ursachen wie Stress kamen als Ursache ebenso in Frage wie ein Gehirntumor.
»Haben Sie noch weitere Beschwerden?«
»Manchmal leide ich unter Kopfschmerzen.« Kai lächelte schief. »Aber wer tut das nicht?«
»Wenn man Ihr Leben betrachtet, ist das in der Tat nicht weiter verwunderlich. Sie haben ein ordentliches Pensum zu bewältigen.«
Bescheiden, wie er war, winkte Kai ab.
»Seit Levi ganztags in den Kindergarten geht, hat sich meine Situation deutlich verbessert.«
»Wir sind unter uns«, erinnerte Dr. Frank seinen Patienten mit Verschwörermiene. »Hier dürfen Sie ruhig die Wahrheit sagen.«
Kai stimmte in sein Lachen ein, wenn auch nur kurz.
»Natürlich ist mein Leben zwischen Kundenproblemen, angebrannten Töpfen, Kinderkrankheiten und Elternabenden immer noch anstrengend«, gestand er dann. »Ohne die vielen Listen und Pläne am Kühlschrank und die tatkräftige Unterstützung meiner Freunde hätte ich Levi bestimmt schon zur Wertstoffinsel und sein Stofftier in den Kindergarten gebracht«, scherzte er und machte den Arm frei, damit Dr. Frank mit der Untersuchung beginnen konnte.
»Ihr Blutdruck ist höher als beim letzten Besuch«, stellte er fest. »Schlafen Sie nachts gut?«
»Es dauert immer ein bisschen, bis es mir gelingt, zur Ruhe zu kommen«, gestand Kai. »Oft liege ich noch lange wach und denke an Maja.« Er hielt inne und seufzte. »Wissen Sie, auch nach vier Jahren vermisse ich sie manchmal wie am ersten Tag. Mir fehlt ihre Liebe, ihr Rat, ihre Unterstützung.« Er blickte hinab auf seine ineinander verschlungenen Finger. »Natürlich haben wir auch gestritten, dass die Fetzen flogen. Sie warf mir immer vor, viel zu romantisch zu sein. Ich fand sie zu rational und nüchtern. Aber vielleicht war es genau das, was unsere Beziehung so aufregend machte. Wir haben uns leidenschaftlich geliebt und wollten für den Rest unseres Lebens zusammenbleiben.« All die zerplatzen Träume standen dem Witwer ins Gesicht geschrieben.
Dr. Franks Herz wurde schwer.
»Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie Sie sich fühlen«, gestand er. »Deshalb kann ich Ihnen auch versprechen, dass es langsam besser wird. Und eines Tages können Sie vielleicht auch wieder lieben.«
Ein Lächeln spielte auf Kais Lippen.
»Sie haben sich nicht zufällig mit meinem Freund Arne abgesprochen? Erst am Samstag beim Fußball wollte er mich wieder zu einem Date überreden. Aber so einfach ist das nicht.«
»Ihr Freund und ich sollten uns vielleicht kennenlernen«, scherzte Dr. Frank, ehe er wieder ernst wurde. »Wissen Sie, es gab eine Zeit, da dachte ich wie Sie. Viele Jahre lebte ich nur für meinen Beruf und dachte nicht im Traum daran, dass die Liebe noch einmal an meine Tür klopfen könnte.« Beim Gedanken an seine Freundin Alexandra, die einfach so in sein Leben gestolpert war, wurde ihm warm ums Herz. Genau wie die Augenärztin empfand er diese zweite Liebe als besonderes Geschenk und umso mehr, als sie beide erfahren hatten, wie zerbrechlich dieses Glück war. »Und dann ist es doch passiert. Und was soll ich sagen? Es ist anders, aber nicht minder großartig. Inzwischen ist ein Leben ohne Alexandra unvorstellbar.«
Kai Werner hatte andächtig gelauscht.
»Ich freue mich für Sie«, erwiderte er aus tiefstem Herzen. »Aber falls mir das überhaupt noch einmal passieren sollte, ist dieses Schicksal noch sehr weit entfernt. Bis auf die täglichen Joggingrunden finde ich ja kaum Zeit, mich um mich selbst zu kümmern. Und dann noch eine Frau? Nein.« Entschieden schüttelte er den Kopf. »Das kann ich mir im Moment überhaupt nicht vorstellen. Mal abgesehen davon, dass ich mich Maja gegenüber wie ein Verräter fühlen würde.«
An dieser Stelle beschloss Dr. Frank, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Manche Dinge ließen sich nicht erklären und wollten selbst erlebt werden, wenn die Zeit reif war.
»Ich nehme Ihnen noch einmal Blut ab«, klärte er seinen auf, nachdem die körperliche Untersuchung keine weiteren Anhaltspunkte ergeben hatte. »Wenn das Ergebnis aus dem Labor vorliegt – vermutlich morgen im Laufe des Tages – melde ich mich bei Ihnen.« Er erhob sich vom Stuhl und brachte Kai zur Tür. »In der Zwischenzeit sollten Sie vorsichtig sein. In manchen Situationen kann Schwindel gefährlich werden.«
