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Stefan Frank und seine Freundin Alexandra schlendern an einem Samstag im September über einen Töpfermarkt, als es passiert: Dr. Frank wird auf eine Schwangere aufmerksam, die starke Schmerzen hat und eilt ihr zu Hilfe. Bei einer kurzen Untersuchung stellt er fest, dass das Kind quer liegt. Liliana ist erschrocken. Davon hat ihre Hebamme kein Wort gesagt. Dr. Frank bittet die werdende Mutter, mit ihm in die Praxis zu kommen. Widerwillig folgt sie ihm.
Dr. Frank unterhält sich ein wenig mit der jungen Frau und erkundigt sich nach Ultraschallergebnissen und dem Kaiserschnitttermin. Liliana ist entsetzt. Sie beruft sich auf die Versicherung ihrer Hebamme Tara, dass sie sehr wohl in der Lage sei, das Kind ohne ärztliche Hilfe und mit dem Glauben an ihre innere Kraft auf die Welt zu bringen. Die lebensgefährliche Lage, in der sie und ihr Baby sich befinden, ist ihr nicht bewusst. Stefan Frank bemerkt den Widerstand und lenkt ein. Er weiß, dass er das Vertrauen der Patientin gewinnen muss, wenn er sie überzeugen will. Doch Liliana hat längst eine Entscheidung getroffen. Als Dr. Frank kurz den Raum verlässt, nutzt sie die Chance und haut ab ...
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Die sanfte Geburt
Vorschau
Impressum
Die sanfte Geburt
Die hochschwangere Liliana lehnt Dr. Franks Hilfe ab und bringt ihr Kind in Gefahr
Stefan Frank und seine Freundin Alexandra schlendern an einem Samstag im September über einen Töpfermarkt, als es passiert: Dr. Frank wird auf eine Schwangere aufmerksam, die starke Schmerzen hat und eilt ihr zu Hilfe. Bei einer kurzen Untersuchung stellt er fest, dass das Kind quer liegt. Liliana ist erschrocken. Davon hat ihre Hebamme kein Wort gesagt. Dr. Frank bittet die werdende Mutter, mit ihm in die Praxis zu kommen. Widerwillig folgt sie ihm.
Dr. Frank unterhält sich ein wenig mit der jungen Frau und erkundigt sich nach Ultraschallergebnissen und dem Kaiserschnitttermin. Liliana ist entsetzt. Sie beruft sich auf die Versicherung ihrer Hebamme Tara, dass sie sehr wohl in der Lage sei, das Kind ohne ärztliche Hilfe und mit dem Glauben an ihre innere Kraft auf die Welt zu bringen. Die lebensgefährliche Lage, in der sie und ihr Baby sich befinden, ist ihr nicht bewusst. Stefan Frank bemerkt den Widerstand und lenkt ein. Er weiß, dass er das Vertrauen der Patientin gewinnen muss, wenn er sie überzeugen will. Doch Liliana hat längst eine Entscheidung getroffen. Als Dr. Frank kurz den Raum verlässt, nutzt sie die Chance und haut ab ...
»Ich weiß nicht, wie das bei den Kolleginnen ist, die in einer Klinik arbeiten. Aber für mich ist dieser Beruf eine echte Berufung.« Taras Stimme vermischte sich mit den sphärischen Klängen, die aus unsichtbaren Lautsprechern durch das Zimmer schwebten.
»Das spürt man richtig«, bestätigte die werdende Mutter, die auf einer Massageliege lag, die als Behandlungstisch diente.
Der Raum verströmte eine friedliche Atmosphäre. Gedämpft fiel das Licht durch zartgrüne Vorhänge und verlieh ihm einen warmen Honigton. An den Wänden hingen Bilder mit fremden Schriftzeichen, zwischen zahllosen Topfpflanzen in allen Formen und Größen lächelte ein Buddha aus Stein. Ein Zimmerwasserfall plätscherte leise vor sich hin. In einer Ecke standen aufgerollte Yogamatten und warteten auf ihren Einsatz.
Alles in allem wirkte der Raum mehr wie ein Meditationsraum denn wie der Behandlungsraum einer Hebamme. Aber genau diese Andersartigkeit war es gewesen, die Liliana auf Anhieb gefallen hatte. Hier fühlte sie sich geborgen und sicher, ein Gefühl, das sie noch nicht lange kannte und nach dem sie so schnell regelrecht süchtig geworden war.
Auf der Suche nach einer Hebamme war Liliana Pereira schon in der Frühschwangerschaft im Internet auf Taras Praxis gestoßen. Die Fotos auf der Website hatten eine unerwartete Sehnsucht in der werdenden Mutter geweckt. Alle Bilder hatten einen goldenen Schimmer und waren offenbar entweder bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang aufgenommen worden. Vielleicht sorgte auch ein Filter dafür, dass es so wirkte. Schöne Schwangere in wallenden Kleidern, die auf Yogamatten im Garten eines wildromantischen Hauses mit spitzem Giebel lagen. Auf einem anderen Foto genoss eine werdende Mutter eine offenbar wohltuende Massage. Ihr verzückter Gesichtsausdruck ließ darauf schließen.
Gierig hatte Lili jeden Buchstaben des Begleittextes aufgesaugt. Die Teilnehmerinnen an Taras Geburtsvorbereitungskursen würden meditieren, Yoga praktizieren und an kreativen Übungen zur inneren Öffnung teilnehmen.
Spontan hatte sich Liliana zu einem der Kurse angemeldet und diesen Schritt noch keine Sekunde bereut, auch wenn sie die nicht unerheblichen Gebühren aus eigener Tasche bezahlen musste. Doch das war es ihr wert. Schon die erste Begegnung war magisch gewesen. In den vergangenen Monaten war ihr Tara mit ihrer ruhigen, verständnisvollen Art zu einer echten Freundin, ja, fast zu der Mutter geworden, die Lili schon so lange nicht mehr hatte. Keine Sorgen, Nöte oder Ängste, mit denen sie nicht zu ihrer Hebamme kommen konnte. Obendrein war Tara eine treffliche Erzählerin. Liliana hätte ihr stundenlang zuhören können.
Als ob die Hebamme das wusste, fuhr sie fort.
»Habe ich dir schon erzählt, dass ich schon als Kind ganz oft bei der Nachbarin meiner Oma, einer alten Landhebamme, zu Besuch war? Während sie mir von ihren Geburten und Erlebnissen erzählte, durfte ich den Inhalt ihrer Tasche inspizieren«, erzählte sie, während sie mit geschlossenen Augen Lilianas Bauch abtasteten. »Seit dieser Zeit war mir klar, dass ich Hebamme werden wollte. Eine Geburtshelferin, die den neuen Erdenbürgern mit dem alten Wissen und intuitiv auf die Welt hilft.« Sie öffnete die Augen. »Was auch immer dir die moderne Medizin weismachen will: Eine Geburt ist das natürlichste Ereignis, das es gibt. Der Körper einer Frau ist...hoppla, da ist aber jemand aktiv heute.« Tara lachte und Lili mit ihr.
»Das ist unglaublich, wie das Küken immer auf dich reagiert.«
»Nicht nur auf mich. Dein Baby nimmt alles wahr, was um dich herum und vor allen Dingen auch in dir geschieht.« Tara griff nach dem Hörrohr und setzte es auf dem Bauch an. Mit konzentrierter Miene suchte und fand sie die Herztöne des Kindes. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. »Alles bestens! Ich bin sehr zufrieden mit deinem Küken.«
Liliana atmete auf.
»Gott sei Dank! Ich bin jedes Mal wieder aufgeregt, wenn eine Untersuchung ansteht.«
Tara zog die Stirn kraus.
»Du solltest mehr Vertrauen in dich und deinen Körper haben. Er ist bestens auf die Aufgabe vorbereitet, die vor ihm liegt.« Die skeptische Miene ihrer Besucherin sprach Bände. »Du hast Angst, nicht wahr?«
Lili zögerte und nickte schließlich.
»Ehrlich gesagt schon ein bisschen.«
»Das ist inzwischen leider völlig normal.« Tara griff nach Lilianas Händen. Ihr Händedruck war warm und ein wenig zu fest. Sie suchte Lilianas Blick und hielt ihn fest. »Schon immer versuchen Männer, Frauen zu unterdrücken. Seit sie die Geburtsmedizin für sich erobert haben, nutzen sie ihre Macht auch auf diesem Feld schamlos aus. Sie reden den Frauen ein, eine Geburt wäre mit unerträglichen Qualen verbunden und dass wir Frauen männliche Hilfe bräuchten, um ein Kind auf die Welt zu bringen.« Unwillig schüttelte sie den Kopf, dass das krause Blondhaar auf ihren Schultern hin und her tanzte. »Dabei kann unser Körper das sehr gut alleine. Wir müssen ihm nur vertrauen. Verstehst du das? Mit der richtigen Einstellung und in einer harmonischen Umgebung wird jede Geburt zu einem unvergesslichen Wunder.«
Wieder einmal erreichten Taras Worte ihr Ziel. Die sanfte Stimme beruhigte Liliana und brachte die diffusen Ängste zum Schweigen, die sie so oft quälten.
»Ich wünschte, ich könnte immer in deiner Nähe sein. Dann müsste ich mir nie mehr wieder Sorgen machen.«
»Schön, dass du mir so sehr vertraust. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.« Tara lachte noch leise, als es an der Tür klingelte.
»Ach, das ist die Yoga-Gruppe.« Sie sah Lili an. »Hast du noch eine Frage auf dem Herzen?«
Liliana blickte hinab auf die Kugel, die sich deutlich unter dem weiten Hemd wölbte.
»Was denkst du? Wie lange dauert es ungefähr noch?«
»So lange, bis der kleine Mensch bereit ist.« Tara bemerkte das Flehen in den Augen ihrer Besucherin. »Drei bis vier Wochen wirst du dich schon noch gedulden müssen.«
»Danke!« Liliana konnte nicht anders. Sie fiel ihrer Hebamme um den Hals und drückte sie, so gut das mit dem Babybauch möglich war. »Ich bin so froh, dass ich überhaupt schwanger geworden bin. Ohne das Küken hätte ich dich nie kennengelernt. Und heute kann ich mir ein Leben ohne dich gar nicht mehr vorstellen.«
»Das musst du auch nicht, meine Liebe.« Taras Stimme veränderte sich, wurde hart und bedrohlich. Oder bildete sich Lili das nur ein? »Durch die gemeinsam durchgestandene Geburt werden wir für immer verbunden sein.«
***
Obwohl sich kein Wölkchen am Himmel blicken ließ, war die Luft des noch jungen Sonntagmorgens klar und kühl. Erst später würden die Temperaturen bis auf zwanzig Grad klettern, wie der Wetterbericht verkündet hatte. Die Blätter der Bäume kräuselten sich an den Rändern, von Tag zu Tag wurde ihr Grün dunkler – ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich der Sommer seinem Ende entgegenneigte. Auch das klare Licht, das es nur zu dieser Jahreszeit gab, zeigte Alexandra Schubert, dass bald der Herbst Einzug halten würde.
»Habe ich dir eigentlich schon einmal erzählt, dass ich den Spätsommer liebe?« Übermütig hüpfte sie an der Hand ihres Freundes Dr. Stefan Frank über den Gehweg.
An diesem Sonntagmorgen war das Paar auf dem Weg zu einem bunten Markt, der am Wochenende seine Pforten geöffnet hatte.
Stefan lachte. »Wenn ich mich recht erinnere, bist du süchtig nach Sonnenschein und den kühlen, schönen Herbsttagen, wenn die Blätter der Bäume so schön bunt sind und die Kinder Drachen steigen lassen. Der gemütliche Winter ist deine Lieblingsjahreszeit und um nichts auf der Welt würdest du die Aufbruchstimmung des Frühlings missen wollen«, zählte er belustigt auf.
»Du hast recht!«, gestand Alexa. »Was für ein Glück, dass es vier Jahreszeiten gibt.«
»Was für ein Glück, dass du so empfindest wie ich und dich nicht mit Auswanderungsplänen trägst wie so viele unserer Mitmenschen«, erwiderte Stefan und blieb an der Kreuzung stehen.
Die Fußgängerampel zeigte Rot, eine gute Gelegenheit, um Alexandra an sich zu ziehen. Seit die Augenärztin zu ihm in die Grünwalder Villa gezogen war, sahen sie sich zum Glück fast jeden Abend. Trotzdem hatte der Allgemeinarzt ständig das Gefühl, zu wenig Zeit mit seiner Freundin zu verbringen. Er schnupperte an ihren hellbraunen Locken und hauchte einen Kuss auf ihre Stirn. Die Ampel sprang auf Grün, und Hand in Hand gingen sie weiter. Seine Gedanken kehrten zu dem Gespräch zurück.
»Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem jeden Tag die Sonne scheint.«
»Ach, für manche Menschen hätte es mit Sicherheit Vorteile.« Der Platz kam in Sicht, auf dem die Händler ihre Waren ausgebreitet hatten. Neben Obst und Gemüse wurden Backwaren, Kräuter, Imkerei-Produkte, Töpferwaren und vieles andere angeboten. Trotz der frühen Stunde hatten sich schon einige Kunden eingefunden und inspizierten das reichhaltige Angebot. Alexandra ließ ihren Blick schweifen. »Zum Beispiel für die Verkäufer, die ihre Ware im Freien anbieten.«
»Das stimmt. Aber frag mal eine schwangere Frau.« Stefan nickte hinüber zu einer werdenden Mutter, auf deren Stirn schon Schweißperlen glänzten. Sie stand hinter einem der Stände und ordnete handgetöpferte Teller, Schalen und Tassen auf dem Tisch. Ihre dunklen Locken waren zu einem unordentlichen Knoten geschlungen. Über einem rosafarbenen Kleid trug sie ein weißes Männerhemd. Trotzdem war der Babybauch nicht zu übersehen. »Im Sommer kann es schon sehr beschwerlich sein, das zusätzliche Gewicht mit sich herumzuschleppen.«
Alexandra blieb an einem der Stände stehen und bewunderte die handgeklöppelte Spitze.
»Ich kenne aber auch Frauen, die es geliebt haben, ihren Babybauch in die Sonne zu strecken.« Sie legte die Handarbeit auf den Tisch zurück, nickte der Handwerkerin lächelnd zu und schlenderte weiter. »Wie dem auch sei, wir werden nie erfahren, wie es mir mit unserem Kind ergangen wäre.«
»Schade eigentlich.« Stefan unterdrückte ein Seufzen. In Alexandra hatte er die Frau gefunden, mit der er sich alles vorstellen konnte, was das Leben zu bieten hatte. Doch für manches war es zu spät. »Du wärst eine fabelhafte Mutter.«
Alexa wirbelte herum und drückte ihm einen Kuss auf den Mund.
»Dein Vertrauen ehrt mich. Und ja, die Vorstellung, einen kleinen Stefan oder eine kleine Alex mit dir großzuziehen, ist durchaus verlockend.«
»Aber?« Stefan runzelte die Stirn und Alexandra lachte.
»Ehrlich gesagt bin ich sehr froh, dass ich unsere knapp bemessene Freizeit nicht auch noch mit einem Zwerg teilen muss. Ganz abgesehen von deiner Liebe.«
»Das ist ein schlagendes Argument«, bestätigte Stefan und nach einem innigen Kuss zogen die beiden weiter, randvoll mit einer tiefen Dankbarkeit für das Glück dieser späten Liebe, die für beide alles andere als selbstverständlich war.
***
»Manchmal bedauere ich es, dass wir beruflich so eingespannt sind«, seufzte Ruth Waldner und blickte aus dem Fenster des Penthouses, das im siebten Stock über der Privatklinik lag, die ihrem Mann gehörte und in der sie als Anästhesistin arbeitete. »Ich wäre zu gerne mit Stefan und Alexa auf den Markt gegangen. Wir hätten frisches Gemüse eingekauft und später zusammen gekocht.«
Uli Waldner trat zu seiner Frau und umarmte sie von hinten.
»Willst du damit sagen, dass es nicht ebenso verlockend ist, mit mir zusammen Bereitschaft zu haben?«, scherzte er und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
Er hatte kaum ausgesprochen, als das Telefon klingelte. Ein Blick auf das Display bestätigte seine Ahnung.
»Damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen, geht es auch schon los.« Das Telefonat dauerte nicht lange. »In der Notaufnahme wird mein Typ verlangt. Ich rufe an, wenn ich dich im OP brauche.« Er gab seiner Frau einen flüchtigen Kuss und machte sich auf den Weg in die Ambulanz, wo er schon sehnsüchtig erwartet wurde.
Die Leiterin der Notaufnahme, Dr. Eva Körner, schickte ihrem Chef einen vielsagenden Blick.
»Die Herrschaften wollten unbedingt den Klinikleiter ...«
»Na, endlich ein kompetenter Ansprechpartner!«, unterbrach Helga Fiebig die Ärztin. »Beim Sturz von der Leiter hat sich mein Mann eine Schaftfraktur, vermutlich Radius und Ulna, zugezogen, dazu eine Platzwunde an der Stirn. Außerdem hat er sich einen Zahn ausgeschlagen und ihn verschluckt.«
Ulrich Waldners Blick wanderte zum Ehemann und zurück zu Frau Fiebig.
»Sind Sie Ärztin?«
»Im Ruhestand. In den vergangenen fünfzehn Jahren war ich Notärztin.« Sie schüttelte Dr. Waldners Hand. »Wir brauchen eine Lokalanästhesie und natürlich ein Mittel gegen die Schmerzen. Tetanusschutz besteht.«
»Gut.« Beim Anblick der sauber genähten Wunden an Paul Fiebigs Stirn schmunzelte der Klinikleiter. »Ein Stück Arbeit haben Sie uns ja schon abgenommen. Um den Rest kümmern wir uns gerne. Behandlungsraum drei ist frei. Bitte folgen Sie mir.«
Das ließ sich Helga Fiebig nicht zwei Mal sagen. Sie nahm ihren Mann am Arm und folgte Dr. Waldner.
»Haben Sie schon einmal gesehen, wie sich ein Maler auf seiner Leiter fortbewegt?«, plauderte sie unterwegs munter weiter. »Paul dachte, er könnte das auch. Das hat er jetzt davon.«
Ulrich Waldner bat seinen Patienten auf die Behandlungsliege und nahm Blut ab, das er zur Untersuchung ins Labor schickte.
»Ihr Blutdruck ist zu niedrig«, stellte Schwester Carola fest, die dem Klinikchef zur Hand ging.
Paul Fiebig öffnete den Mund, um zu antworten. Doch wieder kam ihm seine Frau zuvor.
»Ich habe ihm natürlich ein Schmerzmittel verabreicht.«
»Gut.« Ulrich Waldner zog eine kleine Taschenlampe aus der Kitteltasche und leuchtete seinem Patienten zuerst in den Mund – die Zahnlücke war gut sichtbar – und dann in die Augen. »Pupillenreflexe unauffällig.« Er betastete Paul Fiebigs Schädel. »Haben Sie Kopfschmerzen?«
»Nein.«
»Er hat auch keine Atemprobleme«, fiel Helga dem Klinikchef ins Wort. »Nur zur Erinnerung: Es geht um den Arm meines Mannes.«
Uli Waldner lächelte liebenswürdig.
»Das habe ich zur Kenntnis genommen. Ich möchte trotzdem ausschließen, dass er sich bei dem Sturz noch weitere Verletzungen zugezogen hat. Deshalb möchte ich gerne Ihren Bauch abtasten, Herr Fiebig.«
»Natürlich.« Paul zog das Hemd hoch, der Klinikchef legte die Hände auf den Leib und begann mit der Untersuchung.
»Hier spüre ich eine alte Rippenfraktur. Fallen Sie öfter von der Leiter?«, scherzte er.
