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Man nennt es Chupacabra - Ziegensauger! Ein mystisches Wesen, von dem sich die abergläubische Bevölkerung in Mexiko erzählt! Nachts kommt es aus den Bergen und saugt die Ziegen aus - aber auch Menschen fallen der unheimlichen Bestie angeblich immer wieder zum Opfer! Als in San Bartolo die junge, heißblütige Ana Hernández mit aufgerissener Kehle und blutleerem Körper aufgefunden wird, sind viele der Einheimischen sofort davon überzeugt, dass der Chupacabra erneut sein Unwesen treibt. Die Polizei bittet Professor Alonso Marquez, forensischer Sachverständiger für Tierangriffe, den Fall zu untersuchen. Zusammen mit seinem Freund Padre Rafael und dem Kryptozoologen Dr. Moreno begibt er sich in die abgelegene Region, und dort treffen sie auf
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Das Grauen vom Berg
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
von Camilla Brandner
Als sie in der ersten Morgendämmerung aus der Hintertür der Hacienda Alvorada trat und sich auf den Heimweg ins Dorf machte, wusste die schöne Ana Hernandez nicht, dass der Tod sie aus kalten Augen beobachtete. Der Himmel über den Hügeln war noch bleigrau, die Vögel schliefen, und kein Licht brannte in den niedrigen, gelben Häusern von San Bartolo. Nur der Wind begleitete die schöne Ana Hernandez – heiß und trocken – und die Erinnerung an die Nacht in Don Sebastián Alvoradas Bett.
Kein verdächtiges Geräusch war zu hören, kein fremdartiger Geruch, und dennoch eilte der Tod ihr nach, entschlossen, sie in den nächsten Minuten zu seinem Opfer zu machen.
Etwas schoss aus dem Nichts heran. Von oben. Von hinten. Ein Schlag wie von einem fallenden Baum, ein dumpfes Krachen, und Ana stürzte zu Boden.
Sie war noch am Leben, als die Bestie zubiss. Kein Knurren, kein Fauchen. Nur ein kalter Ruck an ihrem Hals, ein feuchter Druck, ein Brennen, das sich binnen Sekunden in betäubenden Schmerz und dann in narkotische Dunkelheit verwandelte. In ihrer Kehle klafften die Löcher monströser Zähne.
Professor Alonso Marquez, Zoologe und forensischer Sachverständiger für Angriffe durch Tiere, lehnte schwer und bequem in seinem Korbstuhl auf der Terrasse hoch oben über der Ciudad de México und genoss eine Zigarre nach dem üppigen Abendessen. Ihm gegenüber saß sein Freund, der Priester Padre Rafael Altamirano.
Die Nacht war lau, von einer samtigen Wärme, in der Motten und Nachtschmetterlinge tanzten. Drei Stockwerke unterhalb der Dachterrasse breitete sich das Lichtmeer von Ciudad de México aus wie ein mit tausenden glühenden Spiegeln besticktes Tuch – Millionen von Fenstern, blinkenden Ampeln und Werbetafeln, die sich in der trockenen Luft zu einem flirrenden Schleier vermischten.
Ein Ventilator summte träge unter dem Vordach. Die Gläser auf dem niedrigen Tisch klirrten leise, als Alonso Marquez eine Karaffe hob.
»Noch ein Schluck Mezcal, Padre? Ich hab den guten aus Oaxaca aufgetrieben.«
Padre Rafael Altamirano wehrte mit erhobener Hand ab. Ein Jesuit, war er in jeder Hinsicht ein sehr nüchtern und kontrolliert wirkender Mann – groß, gut gebaut, Anfang dreißig, kantiges Gesicht, glatt rasiert, runde Stahlbrille.
Er war ein Mann, der schwieg, wenn andere redeten, und erst sprach, wenn es notwendig war. Seine Worte wogen schwer, sein Blick konnte trösten – oder durchbohren. In geistiger und körperlicher Hinsicht ein Mensch, der Nüchternheit schätzte, schüttelte er den Kopf und hob stattdessen seine kleine tönerne Kanne.
»Ich bleibe bei meinem Café de olla. Mit Zimt und Anis. Der Herrgott will mich wach halten. In diesem Land darf man nicht zu viel schlafen. Behauptet von sich, es sei katholisch, ja, aber wenn man hier nur ein bisschen kratzt, kommt Tenochtitlán zum Vorschein.«
Sein schmales Lächeln erlosch, während sein Blick in die Ferne glitt. Über den Zinnen der Altstadt ragten die beiden festungsartigen Türme der Kathedrale empor, weiter im Süden schimmerte das schwarze Band der Berge – dort, wo einst die Azteken ihre Götter gesucht und Dämonen gefunden hatten. Götter, die das Opfer noch zuckender Herzen aus blutender Brust forderten.
Marquez, ganz in Weiß, im zerknitterten Leinenanzug, legte die Zigarre in einen Aschenbecher aus Onyx. Der Rauch hing süßlich in der Luft. Er streckte die Beine aus und blinzelte in den Nachthimmel, wo sich über der Stadt die Sterne kaum gegen das künstliche Licht durchsetzen konnten.
»Wissen Sie, Padre, was mir an dieser Stadt gefällt?«, brummte er. »Sie schläft nie. Und sie vergisst nie. Alles bleibt irgendwo gespeichert, in Ziegeln, Staub, Blut oder Gebeten.«
»Und was ist mit den Dingen, die besser vergessen wären?«, fragte Altamirano leise.
»Gerade die.«
Ein fernes Hundegebell mischte sich in das Rauschen der Stadt. Vielleicht streunte unten ein schwarzer Hund durch die Gassen, ein ›Perro del diablo‹, wie die Alten sagen.
Marquez schenkte sich nach.
»Und nun, lieber Freund«, fuhr er mit entschlossener Stimme fort, »zeigen Sie mir diesen Brief, den Ihr Krypto-Kumpel Ihnen geschrieben hat. Nachdem ich schon den Marschbefehl des Polizeihauptquartiers habe, mich dort in Zacatecas umzuschauen, kann ich mich gleich auch mit den lokalen Legenden vertraut machen. – Lesen Sie ihn vor.«Formularende
Der Padre gehorchte. Sein Interesse an der Kryptozoologie war ein ständiger Reibungspunkt zwischen den beiden Männern. Marquez lachte ihn aus und sprach von Altweibermärchen. Altamirano protestierte, es sei doch Hybris, anzunehmen, man hätte alle die unzähligen Tiere auf Erden schon katalogisiert und fein säuberlich in Schubladen gesperrt. Was war daran abergläubisch?
Wenn man den Yeti von Angesicht zu Angesicht sah, würde es kein Dämon sein, sondern ein riesiger, an kaltes Klima angepasster Affe. Warum sollte in den unerforschten Ecken der Welt nicht die eine oder andere Spezies existieren, die einfach noch niemand gesehen hatte – oder nur Einheimische, die ihrerseits weit abgeschieden vom Informationsfluss lebten?
»Nehmen wir nur den Tasmanischen Wolf«, sagte er und blies den Dampf von seinem heißen Kaffee von sich. »Der galt jahrzehntelang als Hirngespinst – ein Geistertier aus den Wäldern der Kolonialzeit. Und doch hat man ihn gefilmt, lebend, mit gestreiftem Rücken, hundeartigem Maul, das einzige bekannte räuberische Beuteltier.«
Marquez, der prinzipiell keine Einwände gelten ließ, zuckte mit den Schultern und betrachtete das glimmende Ende seiner Zigarre. »Na ja. Ein Einzelfall. Aber sonst? Sichtungen. Spuren. Schatten. Nichts beweisbar.«
»Aber zu viele, um sie alle zu verlachen.«
»Ja, so argumentieren die Spiritisten auch!«
»Unsinn, Don Alonso. Wir Kryptozoologen postulieren nicht, dass irgendetwas Übernatürliches an der Sache wäre. Wir sagen nur, dass viele Geschöpfe, die man nur aus Legenden und Gerüchten kennt, vielleicht tatsächlich existieren. Es werden ja auch immer neue Exemplare und sogar ganze Spezies entdeckt!«
Marquez winkte ab. Er kannte dieses Argument, und da es nicht leicht zu widerlegen war, brummte er nur: »Ach kommen Sie, jetzt lesen Sie schon!«
Das Schreiben stammte tatsächlich von einem ›Kumpel‹ des Priesters, einem gleichgesinnten Kryptozoologen, der in Buenos Aires an einem privaten Institut tätig war. Der Kreis dieser Forscher war nicht groß, Telefon, Telegramme, Zeitungen und Eilbriefe machten es ihnen leicht, in ständigem Kontakt miteinander zu bleiben.
Die Gemeinschaft hatte natürlich die Ohren gespitzt, als man erfuhr, dass Altamirano einen Zoologen und forensischen Fachmann für Tierbisse auf eine einsame Hacienda in der Provinz Zacatecas begleiten würde, wo man überzeugt war, einen ›Chupacabra‹ gesichtet zu haben – den unheimlichen ›Ziegensauger‹ der mexikanischen Folklore, der nachts Weidetieren das Blut aussaugte und von dem es nun hieß, er habe eine junge Frau auf seine übliche grausame Weise getötet.
Der Brief lautete:
Lieber Freund Rafael,
ich hoffe, dieser Brief erreicht Dich noch vor Eurer Abreise nach Zacatecas. Ein Kollege hat mir von dem seltsamen Fall berichtet – eine tote Frau, verängstigte Bauern, eine Sichtung eines bislang nicht identifizierten Tieres. Im Volksglauben ein mythisches Monstrum, vielleicht aber auch ein extravaganter Canide. Ich denke da an die »Mondhunde«, die praktisch kein Fell haben und nur im Dunkeln jagen. Sind Dir natürlich ein Begriff: Xoloitzcuintli oder Mexikanischer Nackthund, der Name leitet sich ab von Xolotl (aztekischer Gott des Todes und der Unterwelt) und itzcuintli (Nahuatl-Wort für »Hund«). Ich will mich nicht in Deine Arbeit einmischen, doch erlaube mir, einen Hinweis zu geben, der vielleicht nützlich ist.
In unserer kleinen Sammlung im Instituto Nacional de Criptozoología gibt es ein altes Dokument, das mir seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet. Es stammt aus dem Archiv der Pfarrei San Bartolo, ganz in der Nähe des »Kahlen Berges«, des El Cerro Pelado, wo sich dieser kürzlich berichtete Todesfall ereignet hat. Es ist auf 1869 datiert, also gut zwei Generationen zurück. Ich lege Dir eine Abschrift bei. Vielleicht wirst Du Ähnlichkeiten entdecken oder wenigstens ein Gefühl für die Art Angst, die solche Kreaturen hervorrufen.
In brüderlicher Verbundenheit,
Prof. Hernando Esquivel
Instituto Nacional de Criptozoología, Buenos Aires
Auszug aus dem Diario de Santa Rosalía, 1869 – Archiv der Pfarrei San Bartolo:
Am elften Tag des Monats Junius, zur Stunde der Dämmerung, kehrte der Hirte Felipe Padrón, ein gottloser und gewalttätiger Mensch, mit tränenden Augen und blutigem Hemd zurück ins Dorf. Sein Umhang war zerrissen, seine Lippen bleich, und seine Worte kamen nur stückweise, als sei ihm die Zunge im Mund verdorrt.
Er sagte, er habe auf der Nordweide beim El Cerro Pelado, dem »Kahlen Berg«, vierzehn seiner besten Ziegen gefunden, tot, jede einzelne. Nicht zerrissen wie von einem Puma, nicht zerfetzt wie von einem Rudel Hunde. Nein, jeder Kadaver lag still auf der Seite, mit leerem Blick und zwei kleinen Wunden am Hals, genau über der Schlagader.
Das Blut war verschwunden. Die Körper waren kalt und seltsam trocken. Und ihre Köpfe waren abgeschnitten und lagen ordentlich nebeneinandergelegt, wie von einer sorgsamen Hand.
Felipe schwor, dass er ein Wesen gesehen habe. Klein, gedrungen, mit haarlosem Leib, gelbgrüner Haut und Augen, die wie Pech in der Dämmerung glühten. Es stand über dem letzten Tier, als würde es aus dem Halsstumpf trinken. Dann – so Felipe – sei es aufgesprungen wie eine Heuschrecke, mit gelenkigen Beinen, und im Dornengestrüpp verschwunden, ohne ein Geräusch zu verursachen.
Padre Melchor ließ die Glocke läuten. Man schloss die Kinder in die Häuser, und Männer mit Gewehren durchkämmten die Weide bis zur alten Furt. Sie fanden keine Spur des Vampirs. Kein Abdruck, kein Haar, kein Tropfen Blut. Nur die toten Ziegen.
Padre Rafael faltete das Blatt langsam zusammen und legte es auf den kleinen gläsernen Tisch zwischen sich und Marquez.
»Was halten Sie davon?«, fragte er leise.
Professor Alonso Marquez lehnte sich zurück, zündete sich eine frische Zigarre an und blies den Rauch bedächtig gegen die Decke. »Dieser Professor Esquivel ist ein ... Faselhans, um kein gröberes Wort zu verwenden. Etwa ein Wort wie ›Spinner‹! Seine Briefe sind interessanter als seine Forschung. Und dieser Hirte – Felipe – hatte entweder eine überaktive Fantasie oder eine Vorliebe für halluzinogene Kakteen.«
Der Priester widersprach. »Aber vierzehn Ziegen, señor profesor. Ausgesaugt, enthauptet. Und die Köpfe aufgereiht. Das ist nicht gerade die Handschrift eines Landpumas.«
»Nein, es ist die Handschrift eines Dramatikers.« Marquez tippte mit dem Fingernagel gegen das Schriftstück. »Das hier ist kein Bericht. Es ist eine Legende mit Fußnoten. Aber ...«, er neigte mit anerkennender Geste den Kopf, »... eine verdammt gut erzählte.«
Padre Rafael schwieg einen Moment. Dann sagte er: »Wissen Sie, in vielen Teilen Südamerikas gibt es Geschichten von Tieren, die nicht nur reißen, sondern ihrer Beute das Blut und die Seele aussaugen. Vampire, Blutsauger, Schattenjäger. Der Chupacabra ist nur der bekannteste Name. Aber es gibt auch ältere Mythen. Schwarze Hunde, die nachts aus dem Wald hervorspringen. Mit glühenden Augen. Ihre Anwesenheit kündigt Tod an.«
»Ach, diese Geschichten von den Perros infernales, den Hunden der Unterwelt?« Professor Marquez' Stimme klang spöttisch. »Ja, solche Märchen hört man viele, aber glauben Sie einem erfahrenen Zoologen, es gibt jedenfalls hier auf Erden keinen einzigen blutsaugenden Caniden. Und keinen, der Ziegenköpfe wie mit einer Machete abhackt.«
»Gut, da haben Sie recht«, gab Padre Rafael nach. »Das könnte ein schauriger poetischer Schnörkel sein. Aber zurück zur Mythologie: Diese geisterhaften schwarzen Hunde gelten als Begleiter des Teufels. Andere halten sie für in Dämonen verwandelte Seelen. Es gibt Parallelen zu den britischen Black Shucks. Auch dort: Hunde als Todesboten.«
Marquez schnippte die Asche ab. »Oder als Prügelknaben für Mord. Es wäre nicht das erste Mal, dass einer seinen Hund zum Töten abrichtet und dann murmelt: Ts, ts! Das böse Tier! Ich lasse ihn sofort erschießen! Wo's Schlangen gibt, hört man auch immer Gerüchte über Leute, die ihren Feinden eine nachts ins Bett stecken, und die armen Kriechtiere haben dann den schlechten Ruf.«
»Vielleicht. Aber wenn sich jemand so viel Mühe macht, ein Tier zu imitieren, dann frage ich mich: Warum ein Chupacabra? Warum kein einfacher Jaguar?«
»Mörder lieben das Drama, mein Freund – aber lassen Sie uns keine Schlüsse ziehen, ehe wir nicht vor Ort sind. Wir können ... Wer ist das denn schon wieder an der Tür? Um zehn Uhr abends? Kann man keine Stunde in Ruhe genießen?«
Der adrett gekleidete Hausboy Emanuele steckte den Kopf zur Tür herein. »Dr. Ezequiel Moreno, Señores.«
»Gut, führ ihn herein.«
Begeistert war Marquez von dem Besuch nicht. Dr. Moreno war Arzt, Forscher, Abenteurer und Kryptozoologe, ein ruppiger, wettergegerbter Spezialist für dämonische Tierwesen in aller Welt, allgemein geachtet auf seinem Gebiet, aber ein unerträglicher Sonderling.
Seit er – wie er behauptete – in den schottischen Highlands von einem Black Shuck gebissen worden war, ein Angriff, den er nur knapp überlebte, galt sein besonderes Interesse den perros infernales, jenen schrecklichen Gestalten der Mythologie.
Raubtier? Werwolf? Dämon in Hundegestalt?
Natürlich hatte er von den Ereignissen auf der Hacienda des Don Sebastián Alvorada erfahren und war augenblicklich vor Ort geeilt, um als Erster die besten Informationen zu erhalten.
Er trat ein, ohne zu klopfen. Sein zerbeulter Hut war staubbedeckt, und an seinem Gürtel baumelten ein furchterregendes Messer, ein ledernes Notizbuch, das schon bessere Tage gesehen hatte, sowie ein winziger, weiß gebleichter Hundeschädel, der eines Chihuahuas, den er als seinen persönlichen Talisman betrachtete.
»Habe ich richtig gehört?«, brummte er. »Man redet über Seelenhunde? Etwa jene, die die Gegend um den Kahlen Berg unsicher machen?«
»Wir haben einen Brief von einem Kryptozoologen erhalten, der über eine Sichtung eines solchen Wesens berichtet. Da, schauen Sie es sich an, es ist kein Geheimnis.«
Moreno setzte sich an den Tisch und beugte sich über das Schriftstück. Als er sich bewegte, stieg aus seinem Hemdkragen ein Geruch nach Rauch und Kräutern – schwarzer Salbei, wie Rafael sofort erkannte. Eine altbekannte Heilsalbe, der man auch Wirkung gegen dämonische Angriffe nachsagte. Moreno hatte seine eigene Art, sich gegen alle möglichen Feinde zu schützen.
Er griff nach dem Schriftstück, überflog die Chronik. »Hmpf. Das ist keine Einbildung, das ist ein Muster.«
»Ein Muster?«, fragte Marquez.
Moreno zuckte mit den Schultern. »Solche Bestien gibt's überall. Das können Sie doch bestätigen, Padre, nicht wahr? Die Briten haben den Black Shuck, einen riesigen schwarzen Hund, Vorboten des Todes. In Wales nennen sie ihn Cŵn Annwn, Jagdhund der Unterwelt. In Deutschland heißen diese Erscheinungen Klushund oder Grimm. In Norwegen kennt man den Garmr. Bei den Azteken gab es den Xolotl, einen hundeköpfigen Gott, der die Toten begleitet. Und bei den Indianern Nordamerikas das Shunka warakin, ein hundeähnliches Monstrum mit feurigen Augen.«
Padre Rafael ergänzte. »Der Cadejo in Zentralamerika – ein Doppelgeschöpf, einer weiß, einer schwarz. Der schwarze bringt den Tod, der weiße schützt.«
»Ja, oder der Moddey Dhoo auf der Isle of Man – ein Geisterhund, der durch Schloss Peel streift und jedem, der ihn sieht, das Herz abdrückt.« Moreno beugte sich vor und dämpfte die Stimme, als könnten ihn spitze, schwarze Hundeohren belauschen. »All diese Hunde – sie gehören zur Schwelle. Zwischen Leben und Tod. Zwischen Welt und Unterwelt.«
