Glaube! - Clayton Husker - E-Book

Glaube! E-Book

Clayton Husker

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Beschreibung

T93 – die neue Zombie-Serie von Clayton Husker entführt dich in eine Welt, die von lebenden Toten dominiert wird. Doch die Menschheit ist noch nicht am Ende. Mitten in der Nordsee, auf der Insel Helgoland, formiert sich der Widerstand gegen die Zombie-Invasion. Mit allen greifbaren Ressourcen treten die Menschen zum letzten Gefecht an. Der Krieg gegen die Zombies beginnt. Aus der Mutation des Z1V31-Virus hat sich inzwischen eine furchterregende Zombie-Kreatur entwickelt, gegen die der T93-Effekt wirkungslos ist. Sowohl die Prepper als auch das Militär suchen fieberhaft nach einer Methode, die Nebenwirkung von T93 aufzuheben. Gelingt dies nicht, steht die Menschheit vor dem Aussterben. Die Diktatur im Einflussbereich der New World wird durch die Enthüllungen des Hackers Wissarion schwer erschüttert, der Unterstützung von unerwarteter Seite erhält.

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Seitenzahl: 288

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T93

 

 

Die deutsche Zombie-Serie

von

 

Clayton Husker

Inhalt

Titelseite

Band 5: Glaube!

Prolog

Jahr Zwei, 17. April. Nachmittag I

Jahr Zwei, 17. April. Nachmittag II

Jahr Zwei, 17. April. Nachmittag III

Jahr Zwei, 18. April. Abend I

Jahr Zwei, 18. April. Abend II

Jahr Zwei, 18. April. Abend III

Jahr Zwei, 19. April. Morgen

Jahr Zwei, 23. April. Morgen

Jahr Zwei, 02. Mai. Abend

Jahr Zwei, 09. Mai. Morgen I

Jahr Zwei, 09. Mai. Morgen II

Jahr Zwei, 09. Mai. Morgen III

Jahr Zwei, 09. Mai. Morgen IV

Jahr Zwei, 11. Mai. Nachmittag I

Jahr Zwei, 11. Mai. Nachmittag II

Jahr Zwei, 11. Mai. Nachmittag III

Jahr Zwei, 11. Mai. Abend

Jahr Zwei, 18. Mai. Morgen I

Jahr Zwei, 18. Mai. Morgen II

Jahr Zwei, 18. Mai. Morgen III

Jahr Zwei, 18. Mai. Mittag I

Jahr Zwei, 18. Mai. Mittag II

Jahr Zwei, 18. Mai. Abend I

Jahr Zwei, 18. Mai. Abend II

Jahr Zwei, 18. Mai. Nacht

Jahr Zwei, 19. Mai. Morgen I

Jahr Zwei, 19. Mai. Morgen II

Jahr Zwei, 19. Mai. Mittag

Jahr Zwei, 19. Mai. Abend I

Jahr Zwei, 19. Mai. Abend II

Jahr Zwei, 20. Mai. Morgen I

Jahr Zwei, 20. Mai. Morgen II

Jahr Zwei, 20. Mai. Mittag I

Jahr Zwei, 20. Mai. Mittag II

Jahr Zwei, 20. Mai. Nachmittag

Jahr Zwei, 12. Juni. Morgen

Jahr Zwei, 12. Juni. Mittag

Jahr Zwei, 12. Juni. Nachmittag I

Jahr Zwei, 12. Juni. Nachmittag II

Jahr Zwei, 14. Juni. Morgen

Jahr Zwei, 14. Juni. Mittag

Jahr Zwei, 04. Juli. Morgen

Jahr Zwei, 17. Juli. Morgen

Empfehlungen

Clayton Husker: T93

Eric Zonfeld: Nation-Z

Ren Dhark Classic-Zyklus

Impressum

Band 5:Glaube!

 

»Der Glaube an Gott ist wie das Wagnis des Schwimmens: Man muss sich dem Element anvertrauen und sehen, ob es trägt.« – Hans Küng

»Auf dem Markt glaubt niemand an höhere Menschen.« – Friedrich Nietzsche

Prolog

Im Raum war es dunkel. Das änderte sich, als sie den mit Gummi überzogenen Feuchtraumschalter an der Wand betätigte. Mit einem seltsam metallischen Geräusch flammte an der Decke eine doppelte Neonröhre auf und bestrahlte die Regale aus Formblech, die sich an den Wänden gegenseitig stützten. Sie trugen Dosen mit Bohnen, Ravioli und anderen Konserven, ebenso Toilettenpapier, Putzmittel und Autopflegeartikel. Der Raum war absolut schmucklos, der Boden bestand aus grauem Estrichbeton, in der Mitte gab es einen Abfluss mit gusseisernem Siebeinsatz. Das entflammte Neongas brachte die Lichttemperatur auf unangenehme viertausend Kelvin.

Mitten im Raum stand eine große Tiefkühltruhe. Sie ging langsam auf die Truhe zu, begleitet vom Brummen des Trafos in der Lampe. Vorsichtig näherte sie sich der Truhe und berührte den breiten, querliegenden Griff. Er fühlte sich kalt an. Furcht kroch in ihr empor, abgrundtiefe Furcht, denn sie ahnte, was sie hier erwartete. Dennoch ließ es ihr keine Ruhe, sie musste einfach wissen, was sich in der Truhe verbarg. Neugier konnte ein so grausamer und schlechter Ratgeber sein, wenn es darum ging, in Situationen wie dieser klare Entscheidungen zu treffen. Tief in ihrem Inneren wusste sie auch, dass diese Sache nicht gut enden würde, das konnte sie gar nicht.

Ihre Finger schlossen sich fester um den verchromten Griff der Deckelplatte. Langsam spannte sie die Muskeln und mit einem leisen Zischen hob sich der Deckel, welcher gefühlt die Fläche eines Fußballfeldes bedeckte. Ein wabernder Nebel kroch über den Rand der Truhe, als sie den Deckel vollständig aufklappte. Als der Deckel offen stand, schlug sie die Hände vor den Mund, wie um einen stillen Schrei zu unterdrücken. Das Grauen, das ihr in die Knochen fuhr, war kälter als der Inhalt der Gefriertruhe.

In dem weißen Sarkophag lagen nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, Fertigprodukte, Gemüsepackungen und Milcheiscontainer, sondern eine Frauenleiche. Ein grässlich entstellter Körper, blutverschmiert, mit zahlreichen Wunden übersät, die Kleidung zerrissen, es fehlten ganze Hautpartien im Gesicht. Die Beine der Person waren angewinkelt und steckten in zerfetzten, verschlissenen Jeans; die ehemals zarten Hände lagen auf der Brust über Kreuz, und die schwarzen, langen Haare verteilten sich wirr um den Kopf. Sie waren teilweise an der Wand der Gefriertruhe festgefroren. Aus dem Inneren der Truhe stieg ein ekelerregender, süßlich-fauler Gestank auf, der einen extremen Würgereiz auslöste. Sie konnte spüren, wie die Drüsen unter ihrer Zunge Speichel in den Mundraum pressten.

Sie starrte gebannt und zu keiner Regung fähig auf die Leiche in der Truhe. Das alles hier überforderte ihren Verstand.

Sie kannte die Person, die da lag, beziehungsweise die Person, die das da einmal gewesen war. Vor ihr lag ihre eigene Mutter. Noch während sie darüber sinnierte, wie ihre Mutter wohl in die Truhe gekommen war, änderte sich die Situation. Die eisige Leiche schlug die Augen auf.

Sie wich zurück, schrie, Entsetzen und pure Angst zeichneten sich in ihrem Gesicht ab, als die schmalen, verwitterten Hände über den Rand der Isolierung griffen und den Körper in die Höhe zogen. Knirschend bewegte sich der Stoff der Kleidung, und mit einem widerlichen Geräusch rissen die angefrorenen Haare vom Kopf ab.

Die Leiche saß nun aufrecht in der Truhe, bis zur Brust reichte ihr die Isolierung. Der Kopf drehte sich knarrend und knirschend in ihre Richtung und ein rasselndes Geräusch, das entfernt an Atem erinnerte, verbreitete sich von der Monstrosität her.

Weit aufgerissene Augen mit kleinen Eisblumen auf den gefrorenen Glaskörpern glotzten sie mit stechendem Blick an. Kein Blinzeln, kein Zucken der Gesichtsmuskulatur, die zum Teil völlig frei lag.

Dann öffnete die Kreatur ihren lippenlosen Mund, in dem gelblich-braune Zähne Spalier standen. Auf grotesk absurde Weise klappte der Unterkiefer herunter und entließ einen markerschütternden, schrillen Schrei aus dem faltigen, ledrigen Hals.

Als sie diesen furchtbaren Schrei hörte, übernahm die Angst in ihr binnen einer Sekunde vollständig das Kommando. Sie konnte fühlen, wie in ihr die Gedärme förmlich versteinerten. Der Magen zog sich zusammen, bitterer Geschmack füllte den Mund. Adrenalin wurde ausgeschüttet, das Gefühl, kein Wasser halten zu können, setzte ein. Panik kündigte sich an. In diesem Moment sprang die Kreatur wie ein Kastenteufel aus der Truhe und griff sie an.

Birte Radler erwachte von ihrem eigenen Schrei, als sie aus ihrem Albtraum hochschreckte. Sie brauchte volle drei Sekunden, um sich zu orientieren. Ebenso lange brauchte Alois Falkner, der neben ihr geschlafen hatte, um zu erwachen und zu begreifen, was gerade passierte.

Er hatte einige Mühe, Birte wieder zu beruhigen und sie davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung war.

Jahr Zwei, 17. April. Nachmittag I

Pitsch-patsch!

»Nicht so doll. Du sollst sie nicht verprügeln«, insistierte Alv Bulvey. Eckhardt Zinner touchierte weiterhin die Wangen von Frau Dr. Selk abwechselnd mit leichten Ohrfeigen. Sie lag ohnmächtig am Boden der Gruft, welche die Forscher entdeckt hatten.

Hier, unweit des Magdalenenturmes, tief unter der Südmauer des recht beschaulichen Örtchens Rennes-le-Château, hatten sie es tatsächlich gefunden: Das Grab Jesu. Und das seiner Lebensgefährtin Maria Magdalena.

Das Gerücht, der Heiland wäre vor fast zweitausend Jahren der Kreuzigung entkommen und hier gestrandet, hielt sich seit nunmehr über fünfzig Jahren. Generationen von Schatzsuchern aus aller Herren Länder hatte es hierher und anderswohin verschlagen, um diese heilige Stätte zu suchen.

Im späten neunzehnten Jahrhundert hatte der französische Priester Abbé Bérenger Sauniére in Rennes-le-Château die armselige Pfarrei übernommen und kurz darauf begonnen, die Kirche vor Ort massiv umzubauen und von Grund auf zu sanieren.

Auch hatte er eine Villa mit prächtigem Park bauen lassen, Tiergehege und weitläufige Gärten mit einer respektablen Orangerie wurden für ihn errichtet. All diese kostspieligen Extras hätte er wohl kaum von seinem jämmerlichen Priestersalär bezahlen können, und so bildeten sich schnell Gerüchte, das geschäftstüchtige Priesterlein habe durch einige unehrenhafte Geschäfte ein gewisses Vermögen erwirtschaftet.

Mal war die Rede von Börsenspekulationen, dann wieder von bezahlten Totenmessen, die er für finanzkräftige Interessenten abhielt, dann wieder von einer royalistischen Adligen, die ihn opulent unterstützt haben soll.

Viel Gemunkel, Gerede und nicht wenige Häppchen aus der Gerüchteküche. Einige hartnäckige Versionen der Geschichten, die umgingen, besagten, der Priester habe einen sagenhaften Templerschatz gefunden, zumindest jedoch habe er uralte Dokumente entdeckt, deren Inhalt für die römisch-katholische Mutterkirche mehr als nur ein wenig kompromittierend gewesen sein soll. Er habe die Kirche erpresst, munkelte man hinter vorgehaltener Hand.

Fakt war, dass der Abbé kurz vor der Jahrhundertwende über beträchtliche Geldmittel verfügte, deren Herkunft nicht schlüssig belegt werden konnte. Er renovierte die Kirche, ließ eine Villa errichten und schuf im Garten die südwestliche Befestigung und den Tour Magdala. Hier waren Alv, Eckhardt, Maike und Katharina letztlich fündig geworden auf ihrer Suche nach dem Geheimnis des Priesters.

Sie hatten unter der Treppe des Turmaufgangs einen Geheimgang entdeckt, der sie zunächst in eine unterirdische Bibliothek und – versteckt hinter einer weiteren Geheimtür – in die Gruft geführt hatte. Dort hatten sie zwei Sarkophage und eine Art Stele entdeckt. Katharina und Alv hatten die aramäischen Beschriftungen der Sarkophage entziffert, woraufhin Katharina ohnmächtig zusammengebrochen war.

Langsam kam die Wissenschaftlerin wieder zu sich und Eckhardt hörte auf, sie zu ohrfeigen. Mit einem leisen Stöhnen gab die Frau ihrem Umfeld zu verstehen, dass sie daran dachte, wieder am allgemeinen Geschehen teilzunehmen.

Noch etwas benommen setzte sie sich auf. Mit dem Rücken lehnte sie an einem der Sarkophage, und zwar an dem, der auf dem Deckel die Beschriftung JHShVaH MShICh trug.

Sie schüttelte sich kräftig, schaute sich um, ganz so, als ob sie zunächst der Tatsache gewahr werden musste, dass sie hier mitten in den Vorpyrenäen saß, umringt von Leuten, die gegen Zombies kämpften und nun quasi mittendrin eine der wohl wichtigsten Ausgrabungen der Menschheitsgeschichte vornahmen.

Man konnte Doktor Selk ansehen, dass ihr Gehirn einen Moment lang geneigt schien, die Sinneseindrücke des Augenblicks als grotesken Inhalt der Traumzeit zu interpretieren, doch Alv Bulvey grinste sie an und machte ihr einen Strich durch diese Rechnung.

»Hallo, Katharina. Schön, dich wieder bei uns zu haben. Ich dachte schon, du wolltest das Beste verpassen.«

Noch einmal schüttelte sie den Kopf und ihre schwarze Mähne wehte zu allen Seiten. Sie schaute in die Runde und sagte:

»Verdammt. Ich hoffe, ihr habt nichts angefasst, während ich weg war.«

»Aber Frau Doktor«, konterte Alv amüsiert, »das würden wir Unwürdigen uns doch niemals erlauben. Oder?«

Alv schaute die beiden anderen demonstrativ streng an. Diese schüttelten eifrig und pflichtbewusst ihre Köpfe, wie Kinder, die vor Muttern in der Küche standen, um den Zugriff auf die familiäre Keksdose zu verneinen. Katharina rappelte sich nun auf und wischte Alvs unterstützenden Arm beiseite. Dann drehte sie sich herum und schaute auf die beiden steinernen Sarkophage, die offensichtlich seit fast zweitausend Jahren in dieser Höhle standen.

Man hatte die Behältnisse aus dem Gestein des Berges gehauen. Die Sarkophage waren relativ schmucklos, gute zwei Meter lang, jeder etwa einen Meter hoch und ebenso breit. Die Deckel lagen lose auf, jedoch waren die Ränder der Kästen und auch die Unterseite der Platte derart filigran bearbeitet, dass sie nahezu luftdicht abschlossen. Wer diese Ruhestätten hier erbaut hatte, der wollte etwas für die Ewigkeit schaffen. Katharina nahm die Höhle genauestens in Augenschein.

»Nichts anfassen!«, bellte sie gewohnheitsmäßig. »Das ist eine Ausgrabungsstätte von hohem historischen Wert. Wir dürfen nichts verändern, bis ein Team vor Ort …« Sie stockte, als sie die Sinnlosigkeit ihrer Worte erkannte. Natürlich würde kein wie auch immer geartetes »Team« vor Ort erscheinen, immerhin befand sich die Welt, in der sie lebte, im Krieg mit Milliarden Zombies, die weltweit nach dem Fleisch der Menschen hungerten.

Dieses Virus, das als V1Z31 bekannt geworden war, hatte nicht nur die Menschen infiziert, sondern auch andere höher entwickelte Lebensformen wie Vögel, Nagetiere, aber auch sämtliche Huftiere. Auch Hunde und Katzen waren nicht verschont geblieben, doch erstaunlicherweise waren die Tiere sehr schnell verendet. Innerhalb weniger Monate hatte das Virus die befallenen Tiere nahezu ausgerottet.

Es hatte sich herausgestellt, dass die höher entwickelten Organismen der Umwandlung in Untote besser angepasst waren als die niederen Tiere. Während die Zombieratten, Vögel und untoten Katzen und Hunde relativ schnell von der Bildfläche verschwunden waren, brauchten die infizierten Rinder und die abartig schreienden Zombieschweine länger, um endgültig auszusterben. Letztere verendeten jämmerlich in den zahlreichen Großmastbetrieben; hier wurden die Tiere rasend, warfen sich gegen ihre Pferche, fraßen sich gegenseitig. Kein Entkommen, nur Fressen bis zum letzten Bissen. Ähnlich ging es in allen Betrieben der Massentierhaltung zu, hier gab es keine Walker, denn die Tiere, die hier als Produktionsmittel galten, konnten sich nicht in alle Winde verteilen wie die Vögel. Diese waren es letztendlich auch, die zu der unglaublich schnellen Ausbreitung des Virus auf den gesamten Erdball beitrugen, natürlich neben den Infrastrukturen der Menschen, die das vernichtende Virus als Fracht in alle Kontinente transportierten.

Diese grauenhafte Apokalypse hatte die Welt so schnell entvölkert. Nach dem großen Massensterben der Nager und Vögel hatte sich das biologische Gleichgewicht verschoben.

Im Osten und Süden hatte der Einsatz von Atombomben große Gebiete fast sterilisiert. Im Inneren des Siedlungsgebietes der New World taten dies die DOR-Bomben der Chinesen, die übrigen Areale veränderten sich nun zusehends.

Die Insekten übernahmen nach und nach das Regime und begannen sich enorm zu vermehren. Das wiederum setzte den Zeds zu, denn sie wurden zum Teil buchstäblich im Laufen von Asseln, Käfern und Kakerlaken aufgefressen. Das Fressen und Gefressenwerden mauserte sich zum einzig gängigen Prinzip des Überlebens.

Katharina holte sich selbst in die Realität zurück.

»Na ja, ihr wisst schon, was ich meine. Achtet halt drauf, dass nichts kaputtgeht, was wir noch brauchen könnten. Ich schlage vor, wir schaffen erst mal unser Equipment hier runter und leuchten die Höhle anständig aus. Hast du Kaltlichtscheinwerfer oben, Alv?«

Der Gefragte nickte.

»Gut, dann leuchten wir aus, hängen eine Plane vor den Eingang und ziehen Schutzanzüge an, wenn wir hier arbeiten. Wir sollten Atemschutzmasken tragen, um uns keine Aspergillus-Infektion zu holen.«

Birte fragte:

»Was genau ist eine Aspergillus-Infektion, Katharina?«

Nun«, führte diese aus, »der Aspergillus Flavus zum Beispiel ist ein Schimmelpilz, der sich oft in Mumien und Gräbern ausbreitet, er wird auch Fluch des Pharao genannt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Einbalsamierer der ägyptischen Könige die Pilzsporen mit voller Absicht in die verschiedenen Bandage-Schichten eingebracht haben, damit der Pharao sich im Toten-Schlaf an Grabräubern und Plünderern rächen konnte. Der Aspergillus Flavus produziert Dehydrofugane, die ab zweihundert Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich wirken. Die Wissenschaft wurde 1922 auf diesen Pilz aufmerksam, als die rätselhaften Todesfälle im Umfeld von Howard Carter näher untersucht wurden. Seit dieser Zeit untersuchen Archäologen zunächst, ob in Grabanlagen oder Mumien Mykotoxine vorhanden sind.«

»Das ist aber eine ziemlich abgefahrene Methode, um ein Grab zu sichern. Oder, Katharina?«

»Todsicher, ja.«

Birte blies ein wenig die Backen auf und ließ die Luft hörbar entweichen.

»Und das könnte hier auch so sein?«

»Mal schauen«, meinte die Wissenschaftlerin, »wir werden ein paar Vorsichtsmaßnahmen anwenden und zunächst die Raumluft und dann den Inhalt der Sarkophage untersuchen. Wenn beides sauber ist, besteht keinerlei Gefahr und wir können normal weiterarbeiten.«

»Aber … aber wenn nun schon was von dem Zeug in der Luft ist, haben wir ein Problem, oder?«

Katharina wiegte den Kopf leicht hin und her.

»Ich gehe einfach mal davon aus, dass niemand das Grab des Heilands mit tödlichen Fallen ausgestattet hat. Bis jetzt sind ja auch noch keine mörderischen Klingen oder Speerspitzen aus der Wand gefahren, und es rollen noch keine riesigen Steinkugeln auf uns zu.«

»Das beruhigt mich.«

»Na siehste.«

Alv und Eckhardt begaben sich zurück an die Oberfläche, um entsprechende Gerätschaften aus ihrem mitgebrachten Fundus in Betrieb zu nehmen. Wenige Minuten später tuckerte der Generator oben im Garten und ein armdickes Kabel, das aus mehreren Strängen bestand, führte durch die Bibliothek in die geheimen Gewölbe unterhalb von Turm und Mauer.

Eckhardt stellte einige Traversen mit Kaltlicht-LED-Schweinwerfern auf, und kurz darauf wurde es taghell in der Gruft. Katharina hatte sich entschieden, trotz der etwas absonderlichen Situation streng wissenschaftlich vorzugehen. Alle trugen jetzt Atemschutzmasken mit Mikrofiltersystemen, und Sigurd Möller hatte sich eingefunden, um Proben für die mikrobiologische Untersuchung zu ziehen. Möller hatte vor der Apokalypse an der Universität Göttingen im Institut für molekulare Biowissenschaften gearbeitet und war hier der beste Mann für die Tests.

Die Wissenschaftler hatten oben im Laborkomplex aus den requirierten Gerätschaften inzwischen einen gut funktionierenden Arbeitsbereich zusammengeschustert. In weniger als zwei Stunden würden sie erste Testergebnisse haben, die hinsichtlich etwaiger Kontamination der Atmosphäre hier unten Aufschluss geben konnten.

Vorsichtig bohrte Möller an jeweils einer Ecke der beiden Sarkophage ein kleines Loch unter dem Deckel, durch das er eine Sonde einführen konnte, die aus dem Inneren Luft absaugte. Diese wurde in sterilen gläsernen Behältern aufgefangen und dann im Labor auf bekannte toxische Marker untersucht. Er nahm auch Oberflächenproben von den Einrichtungsgegenständen und den Büchern in der vorgelagerten Geheimbibliothek. Als er mit seiner Beute in Richtung Labor unterwegs war, kam Sepp Falkner in die Höhle und brachte einen olivgrünen Metallkasten mit.

»Mit besten Grüßen von der New World Army!«, meinte er grinsend und öffnete die Kiste. Alv pfiff leise durch die Zähne. In einem passgenauen Schaumstoffbett lag eine Endoskopie-Microcam mit pistolenartigem Griff, aufgesetztem Screen und einem etwa zwei Meter langen Rüssel, der nicht einmal einen Zentimeter Durchmesser aufwies.

»Eine Stryker 1488HD mit SDC3 Schnittstelle. Das Beste, was vor dem Crash am Markt zu haben war. Damit haben die Amerikaner Osama Bin Laden durch die Wand in den Pisspott geschaut, bevor sie ihn zu den zweiundsiebzig Jungfrauen geschickt haben. Kommt eigentlich aus der Medizin, ist aber vielseitig einsetzbar.«

Eckhardt sah Sepp mit gespielt vorwurfsvollem Blick an. »Ja. Sicher. Und du hast sowas zufällig auf Tasche.«

»Na, ganz so zufällig ist das eher nicht«, entgegnete Sepp lapidar, »Gärtner ließ den Hulk-Truck für alle Eventualitäten ausrüsten, als er gebaut wurde. Und ich finde das gar nicht mal so übel. Ich hab noch ’ne Menge anderer Spielereien an Bord.«

»Darauf komme ich dann zu gegebener Zeit zurück«, meinte Eckhardt und ließ es damit auf sich beruhen. Er nahm das Gerät aus der Polsterung und aktivierte es. Der Bildschirm leuchtete in einem neonartigen Grün auf, und es piepste.

Vorn am Ende des aufgerollten Schlauches flammte ein LED-Licht auf, und Eckhardt steckte sich das Ende des Schlauches in eines seiner Nasenlöcher, das auf dem Bildschirm wirkte wie die Hang Son Doong-Höhle in Zentralvietnam, in die man mit einem Sportflugzeug bequem einfliegen konnte. Katharina stupste ihn an. Sie sagte: »Eckhardt! Das ist eklig. Nimm das Ding da raus.«

Alv meinte leise, aber durchaus hörbar:

»Wir können uns wohl glücklich schätzen, dass der Herr Hauptmann sich nicht für eine Rektoskopie entschieden hat.«

Eckhardt brach in prustendes Gelächter aus.

Alv nahm nun den Schlauch in die Hand und führte das allsehende Auge in die kleine Bohrung ein, die Möller am Sarkophag Nummer eins vorgenommen hatte – es war der des Nazareners. In wenigen Minuten würden sie wissen, ob sie hier einem Hoax aufgesessen waren oder ob es tatsächlich das Grab des Jesus von Nazareth war, vor dem sie standen.

Sollte das wirklich der Fall sein, dann hatte die Geschichte der christlichen Religion seit nunmehr fast zweitausend Jahren einen entscheidenden Makel: Sie war nämlich gelogen. Wenn wirklich Jesus, DER Jesus, hier in diesem Grab lag, dann waren die Märchen der Tempelritter, die diese über Generationen in mündlicher Form weitergegeben hatten, schlicht und ergreifend Tatsachenberichte.

Diese seltsamen Geschichten berichteten davon, dass Jesus bei der Abnahme vom Kreuz zwar schwer verwundet, aber nicht tot war. Der Speer des Longinus hatte demnach zwar seine Seite durchbohrt, aber dies diente allein dem Zweck, den Druck im Innern des Gekröses zu senken, damit die Organe beim Hängen am Kreuz nicht zu sehr beschädigt wurden. Auch die Geschichte, dass man Jesus am Kreuze aus einem Essigschwamm zu trinken gab, bekam unter diesen Umständen eine neue Note, denn stark verdünnter Essig konnte in der Gluthitze den Körper vor dem Dehydrieren bewahren.

Man hatte Jesus auch nicht die Kniescheiben bzw. Schienbeine gebrochen, was bei Kreuzigungen durchaus üblich war, um einen früheren Tod herbeizuführen.

Wenn die alten Sagen richtig waren, dann hatte sich Jesus, nachdem seine Mutter und seine Frau ihn gesund gepflegt hatten, seinen Jüngern gezeigt und ihnen Instruktionen hinterlassen, danach war er an Bord eines Schiffes, das seinem Freund Joseph von Arimathäa gehörte, mit unbekanntem Ziel aufgebrochen.

Jahr Zwei, 17. April. Nachmittag II

Er nahm eigenartige Dinge wahr. Auf einem verschneiten Stein sitzend bemerkte er, dass die Muskeln und Sehnen, sonst geschmeidig und aktiv, zu knirschen begannen. Die Beweglichkeit wurde eingeschränkt. Das Fleisch brauchte Energie. Das war ihm klar.

Fleisch ist Energie. Geh und nähre dich!, rief die Stimme des Blutes. Und er gehorchte. Die Rage erhob sich in ihm und trieb seinen toten Körper vorwärts, hin zum lieblichen Fleisch, zum Warmen, zum Nassen, zu dem, was ihm so gut tat.

Seine Motorik agierte nun wieder hochtourig. Aus einem leichten Trott wurde ein Lauf, ein Rennen und schlussendlich eine wilde Hatz! Dort, da hinten an dem Zaun, wo die Warmen umherliefen, dort wollte er seine Atzung finden.

In langgestreckten Sprüngen näherte er sich einem der Warmen, der ziemlich weit von dem Ding entfernt war, das so furchtbare Schmerzen bereitete, wenn man es berührte.

Er riss das Warme um, schlug seine Fänge in dessen Kehle, damit es seinesgleichen nicht warnen konnte, schmeckte den heißen, roten Saft. Schmatzend und saugend nahm er den Saft auf, gierig schlang er ihn hinunter, während seine Zähne sich in das weiche Fleisch gruben. Die Stimme des Blutes frohlockte. Nahrung! Energie! Fortbestand!

Nach einer Weile hatte er sich gut genährt an dem fetten Brocken, den er erlegt hatte. Es hatten sich bereits andere eingefunden, die auch nach dem Fleisch gierten, sie rauften und balgten sich, um an das Protein zu kommen.

Er saß auf einem abgeknickten Baumstamm und schaute auf die Szenerie, die sich ihm da bot. Einige der Lahmen hatten sich auf die Reste des Kadavers gestürzt und nagten an den noch warmen Knochen herum. Er wusste, dass sie nicht alle gleich waren.

Die Lahmen waren Vieh, sie verständigten sich nicht, standen nur herum oder wankten ziellos durch die Gegend. Manchmal labte er sich auch an ihnen, wenn sich nichts Warmes in greifbarer Nähe fand. Und dann waren da die Hetzer, schnelle, mit guten Instinkten. Sie machten oft gut Beute, konnten ihren Opfern sogar auflauern. Auch sie fraßen nicht selten an den Lahmen.

Aber die Art, zu der er selbst zählte, war noch einmal völlig anders. Die von seiner Art verfügten über ein Denken, sie kommunizierten, tauschten sich untereinander aus. Ihre Kraft übertraf die der anderen um ein Vielfaches, und vor allem: Sie erzeugten Muskelfleisch und Sehnen, sie konnten wachsen, und Zerstörungen an ihrem Fleisch heilten wie von selbst.

Ihre Sprache bestand aus kehligen, wiederkehrenden Lauten, die alle von dieser Art verstanden. Er hatte sich selbst sogar eine Bezeichnung gegeben, genauso wie es die Warmen offensichtlich taten. Der Klang der Laute Kzu’ul weckte in ihm ein Gefühl, das Verbundenheit und Identifikation bedeuten mochte.

Er saß da auf dem verschneiten Felsbrocken und ließ diesen Laut immer wieder über seine Lippen kriechen. Kzu’ul … Ja. Er war Kzu’ul. Kzu’ul wollte er sich nennen, das gefiel ihm. Ein gurgelndes, kehliges Keckern entfuhr seinem Maul als Zeichen höchst erfreuter Erregung.

Er war Kzu’ul – der Eine.

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