Kaiserband - Tanja Rast - E-Book

Kaiserband E-Book

Tanja Rast

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Beschreibung

Ein Blick hinter düstere Fassaden, der die Wahrheit enthüllt. Eine Liebe, die alles verändert. Das Autorenkollektiv Die Uferlosen präsentiert: »Der Schöne und das Biest«. In jedem Buch wird das Thema neu interpretiert, aber eins haben alle Bände gemeinsam: Sie sind Balsam für das Herz. Wer dem absoluten Herrscher in die Quere kommt, muss mit tödlichen Konsequenzen rechnen. Doch was, wenn der Kaiser mit einem Mal Blumen und Konfekt schickt? Nach einer Befehlsverweigerung wurde er zum Tod in der Arena verurteilt, doch denkt der ehemalige Soldat Borean nicht an Aufgabe. Größe, Kraft und ein Dickschädel helfen ihm, die Kämpfe zu überleben. Er hofft auf Freiheit, wenn er nur lange genug durchhält und sein Dasein nicht vorzeitig im blutigen Sand aushaucht. Doch dann zieht er die falsche Aufmerksamkeit auf sich, denn ausgerechnet der grausame Tyrann Calino findet mit einem Mal Gefallen an Borean. Calino – jung und schon als Kleinkind gekrönt – ist noch nie ein Wunsch verweigert worden. Nur an Borean scheitert seine Werbung. Diesen faszinierenden Mann muss er einfach für eine Nacht in den Palast bekommen. Das Glück scheint Calino in die Hände zu spielen, als Borean verwundet wird und nicht länger eine Wahl hat …

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Für meine Uferlosen

 

 

Kaiserband

 

 

 

 

Tanja Rast

 

 

 

 

 

 

Roman

Inhaltswarnungen

 

Kann Spuren von Erdnüssen enthalten!

 

Es gibt Inhalte, die Betroffene triggern können, das heißt, dass womöglich alte Traumata wieder an die Oberfläche geholt werden. Deswegen habe ich für diese Personen eine Liste mit möglichen Inhaltswarnungen für alle meine Romane zusammengestellt:

 

www.tanja-rast.de/inhaltswarnungen

Inhaltsverzeichnis
1. Der Schlächter von Katal
2. Kaiserliche Aufmerksamkeit
3. Hindernislauf
4. Gegensätze
5. Kaiserband
6. Kaiser und Krieger
7. Die Gunst des Kaisers
8. In die Dunkelheit
9. Calinos Herz
10. Vergangene Schatten
11. Krieger und Kaiser
12. Die Verwandlung des Kaisers
13. Konsequenzen
14. Gerechtigkeit
15. Flucht im Morgengrauen
16. Entfesselt
17. Göttergericht2 Wald voller Gespinste
18. Dreigestirn

 

Leseprobe »Dämonenfürst« von Tina Alba
uferlos: Seelengefährten
Die Autorin
Eine kleine Bitte
Danksagung

1.

Der Schlächter von Katal

 

Die Männer der Schwarzen Garde flankierten die Sänfte auf beiden Seiten. Voraus und hinter ihr marschierten weitere Bewaffnete und bewachten Calino wie die Kostbarkeit, die er nun einmal war. Noch vor den Truppen liefen Knaben und Mädchen, die Blütenblätter auf das Straßenpflaster streuten, damit der unvermeidliche Geruch der ungewaschenen Stadtbewohner dem Kaiser nicht den Tag verderben konnte.

Calino selbst lag entspannt auf einem Berg seidener Kissen. Flatternde, hauchzarte Vorhänge erlaubten ihm freien Blick ringsum, während er selbst verborgen blieb. Er gähnte, reckte sich und setzte sich schließlich auf, um vor sich das gewaltige Rund der Arena aufragen zu sehen. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Vor vier Monaten war Tarak gefallen, und eigentlich hatte Calino die Arena nie wieder besuchen wollen.

Doch Feierlichkeiten als Danksagung an die Götter für einen leichten Sieg gegen irgendwelche Wilden hatten Calinos Anwesenheit erfordert. Das war vor zwei Wochen gewesen. Und obwohl er sich vier Monate lang gesagt hatte, dass er sein Herz zusammen mit Tarak begraben hatte – eine sehr schöne Bestattung, und es tat ihm um keine der vielen Goldmünzen leid, die er dafür ausgegeben hatte – hatte Calino entdeckt, dass es sehr wohl noch Grund für Herzklopfen auf dieser Welt gab.

Der Schatten der hoch aufragenden Mauern fiel auf die Sänfte, die auf den kaiserlichen Eingang zuhielt. Bittsteller drängten heran und scheiterten natürlich an der Schwarzen Garde. Calino hob ein mit Rosenöl getränktes Taschentuch vor die Nase, um sich von dem Gestank abzuschirmen. War es so viel verlangt, dass Menschen sich wuschen?

Ein Tor wurde vor den Blumenkindern geöffnet, Garde und Sänftenträger durchschritten es, und die gewaltigen Flügel schlossen sich, sperrten die Ungewaschenen aus und gestatteten es Calino, etwas freier zu atmen.

Er war spät dran, da sein Onkel ihm noch Befehle zur Unterschrift vorgelegt hatte. Nun, das brachte den Vorteil mit sich, dass die einfachen Kämpfe schon vorbei sein würden, sobald er seine Loge erreichte. Denn auf die kam es ihm ohnehin nicht an.

Die Sänfte wurde zu Boden gestellt, die Garde stand Spalier zu Calinos persönlichem Treppenaufgang, und zwei Diener zogen behutsam die Vorhänge beiseite. Sie fielen jeder auf ein Knie, als Calino sich aus den Kissen hochstemmte und auf den blutroten Teppich trat, der vom Ausstieg der Sänfte bis zu den Marmorstufen den Steinboden bedeckte.

Calino stieg die Treppe empor. Oben warteten Gardisten und hielten ihm die Tür zur Loge auf. Ein paar Würdenträger waren anwesend, dazu Diener, Fächerträger und zwei Priesterinnen.

Alle fielen vor Calino auf die Knie. Er lächelte freundlich, tätschelte hier ein graues Haupt, da eine Schulter und schritt über den blütenbesäten Boden zu seinem Sessel an der Balustrade. Hoch genug, dass kein Arenakrieger auf die Idee kommen konnte, Calino anzugreifen oder ihn mittels einer geworfenen Waffe auch nur anzukratzen. Ein Baldachin beschirmte die Loge gegen die stechende Sonne, tauchte sie in angenehmen Schatten, während das Rund der Arena im klaren Licht lag und vor allem zur Gänze einsehbar war.

Calino trat an die Balustrade und hob grüßend die Hand. Wie eine Wellenbewegung erfasste Wiedersehensfreude sein Volk. Jubel wurde laut, Aberhunderte Hände winkten ihm zu.

Er atmete tief durch. Wie er diese Huldigung genoss. Wie der Vater des ganzen Reichs fühlte er sich in solchen Augenblicken.

Ein Diener reichte ihm ein Glas gekühlten Weins, ein anderer bot eine Platte mit Früchten, kleinen Kuchenstücken und anderem Konfekt. Calino winkte ihn fort und wandte sich halb zu einem graubärtigen Würdenträger um. Er kannte nicht einmal den Namen des Mannes. Unwichtig. Würde der nicht einen wichtigen Rang belegen, hätte man ihn hier nicht eingelassen. Das Gesicht mit der dicken Nase und den eindrucksvollen Tränensäcken kam ihm sogar gelinde bekannt vor.

Der Mann verneigte sich tief und voller Ehrerbietung. »Mein Kaiser.«

»Ich gehe doch recht in der Annahme, dass die Hauptkämpfe noch nicht begonnen haben?«

»Nein, mein Kaiser. Du hast lediglich die Gruppenkämpfe und die Reitervorführungen versäumt.«

»Gut.« Calino nahm Platz und hörte hinter und neben sich die Geräusche, wie alle anderen Anwesenden – außer den Dienern selbstverständlich – ebenfalls auf ihre Sitzgelegenheiten sanken. Er selbst blickte wie gebannt in das Sandrund, wartete auf die Ansage, welche Krieger den ersten der Hauptkämpfe bestreiten sollten.

Er wurde enttäuscht. Zwei Namen, die ihm nichts sagten und ihm auch gleichgültig waren. Andererseits erhöhte das die Vorfreude. Mit halbem Ohr lauschte Calino auf die Rufe aus dem Publikum, mal anfeuernd, mal entsetzt. Er selbst unterhielt sich mit den Anwesenden in seiner Loge, ließ sich Anekdoten von Schlachtzügen erzählen und folgte mit wachsender Langeweile einer verwinkelten Schilderung, wie ein dicker Mann eine bestimmte kostbare Vase erworben hatte.

Jubel schwoll an. Calino gähnte hinter vorgehaltener Hand und wandte seine Aufmerksamkeit den bunten Rängen des Publikums zu, während der Dicke berichtete, wie er einen Konkurrenten um die dämliche Vase ausgestochen hatte. Unten im Sandrund klaubten zwei Männer einen stillen Körper auf, betteten ihn auf eine Trage und schleppten ihn zu einem der Zugänge und außer Sicht.

So wie sie es damals mit Tarak getan hatten, während Calino noch wie gelähmt hinter der Balustrade gesessen hatte.

Ein weiteres Kämpferpaar wurde ausgerufen, als hinter Calino eine leichte Unruhe entstand. Er wandte sich halb um und erkannte mit wenig Begeisterung seinen Onkel Nabicav, der gerade die Loge betreten hatte.

Nabicav verneigte sich höflich und kam dann zu Calino, um neben diesem auf einem gepolsterten Schemel Platz zu nehmen. »Der Kampf fesselt dich nicht, mein Kaiser?«

»Oh, doch. Ganz reizend.«

Nabicav lächelte und nickte, spähte in die Arena und beobachtete einen geschickten Ausfall des einen Kriegers. »Das dürfte ein vormaliger Soldat sein. Nicht sehr einfallsreich, aber er versteht sein Handwerk. Fahnenflüchtige und anderes Geschmeiß kann für Überraschungen gut sein, sagt mir meine Erfahrung.«

Nabicav hatte doch keine Ahnung, welcher Art die Überraschungen sein konnten. Er hatte selbst als General Feldzüge geführt. Sein immer noch eindrucksvoller Körperbau bewies, dass er seine Ausbildung und Übungen bis zum heutigen Tag ernst nahm. Ermüdend, dass er mit seinen Kenntnissen so prahlen musste.

Gleich darauf ging ein enttäuschtes Raunen durch das Publikum.

»Sagte ich doch, kein Einfallsreichtum. Und schon hat es ihn erwischt. Sag, mein Kaiser, wie geht es deiner Gattin?«

»Zufriedenstellend«, antwortete Calino knapp. Über Atisa wollte er nun ganz und gar nicht sprechen. Unten wurde der glücklose vormalige Soldat aus dem Rund geschafft, und Calino wollte die nächste Ankündigung vernehmen.

Leicht verzerrt durch den gewaltigen Bronzetrichter, der die Worte so sehr verstärkte, dass sie in der ganzen Arena zu vernehmen waren, erklang die Stimme des Ansagers: »Den letzten Kampf des Tages bestreiten zwei besondere Krieger. Werdet Zeugen eines Zusammenpralls, der die Mauern wird erzittern lassen!«

Johlen und rhythmisches Stampfen und Klatschen antworteten auf diesen Teil der Ankündigung. Calinos Herzschlag beschleunigte sich, schien im Takt mit dem Applaus zu hämmern und pochte sogar in seinen Schläfen. Seine Handflächen fühlten sich klamm vor Aufregung an.

»Wir präsentieren: Runok der Würger!«, brüllte der Ansager.

Ein Tor schwang auf, und ein gedrungener Mann in schwerer Rüstung stapfte in die Arena.

»In zwanzig Kämpfen unbesiegt! Runok kennt keine Gnade, keine Müdigkeit. Zu Ehren der Götter, zu Ehren unseres Kaisers zeigt er sein Können!«

Runok blieb breitbeinig stehen, stützte den bösartig glitzernden Kopf der gewaltigen Kriegsaxt auf dem Boden auf und legte die Hände auf den stählernen Knauf am Ende des Waffenstiels. Rot leuchtete ein Seidentuch, das der Mann um einen Oberarm geknotet hatte. Stacheln bewehrten die Rüstung auf den Schulterstücken, Hörner ragten geschraubt über dem Helm auf, die Spitzen rot eingefärbt.

»Ah, der Mann ist gut. Unaufhaltsam wie ein Stier«, merkte Nabicav an. »Bin gespannt, wen sie gegen ihn setzen.«

Calino lächelte, fühlte Anspannung und Hitze durch seinen Körper rauschen. Oh, er musste es einfach sein!

»Und hier der Herausforderer!«, dröhnte die Stimme des Ansagers durch den tumultartigen Jubel des Publikums. Die Steine der Arena schienen mit jeder Silbe zu beben. »Borean, der Schlächter von Katal!«

Das Tor auf der anderen Seite der Arena schwang auf. Tief atmete Calino ein und beugte sich leicht vor, spähte wie alle anderen Menschen im großen Steinrund auf die Dunkelheit hinter dem Portal. Dies war das dritte Mal, dass er Borean sah. Jetzt wusste er, dass der Mann sich absichtlich Zeit ließ. Beim ersten Mal hatte Calino noch gedacht, dass die Wächter einen Unwilligen mit Gewalt in die Arena befördern mussten. Oh, er war so sehr eines Besseren belehrt worden!

Jetzt genoss er jeden Herzschlag, den er warten musste, weil er wusste, dass Borean genau den rechten Augenblick wählte, den Zeitpunkt, an dem die Spannung unerträglich wurde, kurz bevor sie in Ungeduld umkippte.

Wärme prickelte durch seinen Körper, als Borean aus der Dunkelheit trat. Hochgewachsen, breitschultrig, lange Beine und eine geschmeidige Art, sich zu bewegen, die Calino an eine große Raubkatze erinnerte. Fast schien der Krieger zu schlendern, wirkte vollkommen entspannt und absolut zuversichtlich. Wie eine gut geölte Kriegsmaschine, ganz in schwarzes Leder mit bronzefarbenen Beschlägen, Schnallen und Ziernieten gekleidet. Ein in Streifen geschnittener und um die schmalen Hüften gegürteter Umhang wehte wie ein Kriegsbanner hinter ihm her, ließ die muskulösen Schenkel vorne frei, zeichnete die ruhigen, atemberaubenden Bewegungen nach.

Das Geschrei von den Rängen der Arena war ohrenbetäubend. Vögel flogen erschrocken auf, so viele an der Zahl, dass ihre Schatten wilde Muster in den Sand malten.

Kein Helm, keine schwere Panzerung oder gar ein Schild. Nur mit einem Schwert und einem Dolch bewaffnet kam Borean in die Arena, ging geradewegs in die Mitte, wo Runok ihn erwartete. Der Gegensatz zwischen den beiden Kriegern und ihrer Ausrüstung war so offensichtlich, dass Calino sich vorbeugte und mit beiden Händen auf der Balustrade abstützte, ehe er sich erhob und lächelnd auf seinen neuen Favoriten niederblickte.

Die Krieger standen sich einen Augenblick einfach nur gegenüber, musterten einander, mussten Schwachstellen suchen, den anderen abschätzen. Dann wandten sie sich um, standen Seite an Seite, um ihren Kaiser zu begrüßen.

Zeitgleich fielen sie beide auf ein Knie, beugten die Nacken.

Calino stand still, lächelte, genoss das Funkeln von Sonnenlicht auf Boreans Rüstungsteilen, auf allen wie Gold schimmernden Beschlägen. Er liebte den Anblick von starken Kriegern, die vor ihm auf die Knie fielen. Tarak hatte das gewusst. Wie oft hatte er gekniet und zu Calino mit einem aufreizenden Lächeln auf dem vernarbten Gesicht aufgesehen? Calino musste tief durchatmen, ehe er den Wink geben konnte.

Der Sprecher nahm das Zeichen sofort auf. Blechern und laut hallte seine Stimme durch das Rund der Arena: »Erhebt euch und feiert die Götter, den Kampf und das Leben!«

Blitzschnell wie eine zuschlagende Schlange sprang Borean auf die Füße und drei lange Schritte zur Seite und fort von seinem Gegner, dessen Axt die Luft durchschnitt, bevor Runok sich selbst eilig emporstemmte.

Nabicav lachte leise, biss in einen Pfirsich und ließ das Geschehen in der Arena nicht einen Herzschlag lang aus den Augen.

Die Männer dort unten umkreisten sich langsam. Beide mussten auf den richtigen Zeitpunkt für eine Attacke lauern. Der Würger besaß mehr Reichweite durch den langen Axtstiel, aber er bewegte sich deutlich langsamer, obwohl Borean fast einen Kopf größer war als er.

Calino starrte wie gebannt nur auf seinen Krieger, nahm jede Einzelheit der Ausrüstung in sich auf, sah die Kontur eines muskulösen Oberschenkels unter schwarzem Leinen und Leder, den wachen Blick, mit dem Borean seinen Gegner abschätzte. Calino beschloss, nach dem Kampf in die Kerkerebene zu gehen. Er musste diesen Krieger aus der Nähe sehen! Dass Borean siegte – daran bestand für ihn keinen Herzschlag lang ein Zweifel.

Da! Jetzt sprang Borean leichtfüßig vor, duckte sich tief unter der Axtklinge hinweg und hieb den Dolch in einen gegnerischen Fuß, während er auf einem Knie durch den Sand schlitterte und sofort wieder auf die Beine sprang.

»So ein Mistkerl. Aber er liefert eine gute Unterhaltung. Dem Pöbel gefällt es«, knurrte Nabicav und warf den Pfirsichkern in eine Feuerschale. Er lehnte sich vor und blickte grimmig in die Arena.

Calino gab sich nicht einmal Mühe, sein Lächeln zu verbergen. Hatte Onkelchen etwa gewettet? Das mochte er, und er hatte schon große Vermögen gewonnen und nur wenige Tage später wieder verloren. Nicht dass es Nabicav schmerzte, der Mann war reich genug dank gewaltiger Anteile an Kriegsbeute aus seinen Feldzügen. Aber Nabicav verlor nicht gerne.

Doch mit seiner Aussage über die Begeisterung der übrigen Zuschauer hatte er nicht übertrieben. Überall johlten und stampften sie, feuerten die Kämpfer an, von denen einer nun sichtlich humpelte.

Zischend schnitt die Axt wieder und wieder durch die Luft, wo sich nur einen Wimpernschlag vorher Borean befunden hatte. Doch der hielt sich immer knapp außer Reichweite.

Und dann sprang er unvermittelt vor, parierte die in seine Richtung sausende Axt mit gekreuzten Klingen, sodass Calino fast meinte, Funken sprühen zu sehen. Schwert und Dolch mochten kürzer sein als die gewaltige Axt an ihrem langen Stiel, doch Borean riss das rechte Bein hoch und rammte Runok die Stiefelsohle in den Magen. Der stämmige Krieger wurde von der Gewalt dieses Tritts rückwärts geschleudert und landete scheppernd auf dem Rücken. Er versuchte noch, die Axt emporzureißen, doch trat Borean auf den Holzstiel. Die Schwertspitze wies auf Runoks Kehle.

So scheinbar mühelos, nahezu lässig Boreans Bewegungen gewirkt hatten, jetzt stand er still wie ein Standbild, und nur seine raschen Atemzüge bewiesen, dass der Kampf ihn gefordert hatte.

Nabicav grollte etwas Unverständliches. Bestimmt hatte er gewettet. Calino erhob sich lächelnd und trat an die Balustrade. Sein Volk jubelte. Ein Gutteil dieses wilden Geschreis galt gewiss dem Krieger, der Runok am Boden hielt. Das Meiste aber war für Calino bestimmt, der jetzt entscheiden durfte, was mit dem Besiegten zu geschehen hatte. Aus Freundlichkeit und demonstrativem Respekt für sein Volk wollte er dessen Meinung vernehmen. Runok war bis hierher schon ein Glückspilz, weil Borean ihn nicht im Kampf erschlagen hatte.

»Lass ihn laufen, mein Kaiser«, sagte Nabicav, der neben Calino getreten war. »Er hat sich gut geschlagen und wird noch für einige Tage Unterhaltung gut sein.«

Unten im Sand wandte Borean leicht den Kopf, um zu seinem Kaiser aufblicken zu können.

Calino hob die Hand, und schlagartig – bis auf ein paar Nachzügler, die nicht achtgegeben hatten und nun von ihren Sitznachbarn zum Schweigen gebracht wurden – verstummte das Publikum.

»Mein Oheim wünscht, dass Runok lebt. So sei es!«

Tosender Applaus brandete auf. Das war Calino schon oft aufgefallen: So sehr der Pöbel sich für Blutvergießen begeisterte, so fand er doch Geschmack an Gnade.

Und was machte Borean daraus? Er heimste noch mehr Jubel ein, indem er das Schwert in die linke Hand wechseln ließ und seinem am Boden liegenden Gegner aufhalf. Hätte Runok ihn nur zu Boden gerungen, wären die Rollen vertauscht gewesen? Oder hätte der Würger die Gelegenheit am Schopf ergriffen und Borean den Schädel gespalten?

Eine schöne Geste, die Borean die Liebe des Publikums sicherte – bis er selbst sein Dasein im Sand aushauchte. Die Zuneigung des Pöbels für seine Arenakrieger war wankelmütig.

»Danke, mein Kaiser«, meldete Nabicav sich erneut und verneigte sich leicht.

»Er hat gut gekämpft«, bestätigte Calino und wandte sich zum Gehen. »Es wird Zeit für einen Besuch in den unteren Ebenen. Garde, mit mir.«

Er spürte Nabicavs Blick in seinem Rücken. Gleichgültig. Nach drei Auftritten unter dem wohlwollenden kaiserlichen Blick hatte Borean sich ein Treffen mit seinem Herrscher verdient – und Calino musste ihn nun einfach aus der Nähe sehen.

 

Er kannte die Kellergeschosse der Arena. Immerhin hatte er hier Tarak das erste Mal von Nahem betrachtet und ihm persönlich sein Angebot unterbreitet. Der Krieger war natürlich sofort darauf eingegangen, und es hatten sich einige glückliche Wochen angeschlossen.

Das nach Rosenöl duftende Taschentuch kam erneut zum Einsatz, als Calino umringt von seiner Garde zwei Knechte passierte, zwischen denen der besiegte Runok humpelte. Calino hob die Hand, und der Zug kam zum Stillstand.

Runok starrte seinen Gebieter an und sank mitsamt den beiden Helfern zu Boden und auf die Knie.

»Du hast gut gekämpft. Mein Oheim war zufrieden mit dir.« Calino wandte sich an einen Mann im Hintergrund, der einen Gewitterstab trug und ebenfalls kniete. »Sorge dafür, dass ein guter Heiler ihn versorgt. Das hat er sich verdient.«

Runok schlug sich die rechte Faust auf die Brust als Referenz. Natürlich sprach er nicht. Das wäre Anmaßung im Angesicht von Calinos Gnade und Großzügigkeit gewesen.

Der Tross setzte sich wieder in Bewegung, und kaum gelangte er in eine größere Halle, in der die Krieger für ihren Einsatz in der Arena ausgerüstet und nach der Rückkehr entwaffnet wurden, trat die führende Spitze der Gardisten nach rechts und links beiseite.

Und gewährte Calino ungehinderten Blick auf einen wundervollen Körper. Borean zog sich gerade das schwarze Lederhemd über den Kopf, sah solcherart nicht, wer in die Rüsthalle getreten war, und präsentierte sich zeitgleich von seiner allerbesten und anziehendsten Seite.

Calino erhaschte einen Blick auf eine flache Bauchdecke und einen mächtigen Brustkasten, ehe der Arenakrieger sich mit einem Ruck vom Hemd befreite. Die Schritte der Garde hatte er natürlich nicht überhören können.

Ihre Blicke trafen sich, und Calino spürte wohlige Hitze über seinen Körper prickeln. Dann weiteten Boreans Augen sich, er wurde deutlich blass und stürzte regelrecht auf ein Knie nieder. Die Arenawächter folgten zum Teil seinem Beispiel, doch zwei mit Gewitterstäben verneigten sich nur leicht, während ihre Waffen auf Boreans breiten Rücken zielten. Die Fürsorge war ja ganz reizend, aber angesichts der Schwarzen Garde auch vollkommen überflüssig.

Langsam trat Calino vor, betrachtete den knienden Krieger und lächelte dabei. Hochgewachsen, was er schon von der Loge aus erfasst hatte, aber so nahe wirkte Borean selbst auf einem Knie, den Kopf gesenkt und leicht zwischen die Schultern gezogen, noch viel größer und eindrucksvoller. Ein Schweißfilm überzog die gebräunte Haut, glitzerte auf hellen Narben und betonte die eindrucksvollen Muskelstränge noch mehr. Nicht eine Unze Fett am Leib, die die Übergänge weicher gezeichnet hätte. Calino machte noch einen Schritt vorwärts, fühlte hinter sich die Gardisten näher rücken, und legte zwei Fingerspitzen unter Boreans Kinn. Sanft nur übte er Druck aus. Er fühlte den sachten Schauder, der den großen Krieger durchlief, dann hob Borean gehorsam den Kopf.

Calino blickte in geweitete Augen unter geraden, lackschwarzen Brauen. Das dunkle Braun der Iriden hob sich scharf vom Weiß des Augapfels ab. Augen, in denen er sich durchaus zu verlieren gewillt war. Hohe Wangenknochen, eine gerade Nase und ein kurzer Bart, der die markante Kieferlinie betonte, vervollständigten dieses Bild.

Huldvoll lächelte Calino, um dem knienden Krieger das erste Erschrecken zu nehmen. »Du darfst dich erheben.«

Er sah Boreans Blick zur Seite flackern. Den Kopf weiter zu wenden, um nach den Wächtern mit den Gewitterstäben zu sehen, wagte er offenkundig nicht, weil er sich damit Calinos Fingerspitzen entzogen hätte. Bei dieser winzigen Bewegung blitzten die bronzefarbenen Ohrringe auf. Das gefiel Calino, und im Geiste machte er sich eine Notiz, auch mit Schmuck um diesen Hünen zu werben. Wieder lächelte er – ermutigend dieses Mal, wie er fand.

Langsam und nahezu würdevoll stemmte Borean sich empor, wobei er jeden Augenblick einen Schock aus einem der Stäbe zu erwarten schien. Doch die Wächter – sie glotzten ausgesprochen dämlich – besaßen zumindest ausreichend Verstand, dem Wunsch ihres Kaisers nicht in die Quere zu kommen.

»Steh gerade. Du hast nichts zu befürchten«, teilte Calino seinem Favoriten freundlich mit. Dann begann er eine langsame, genussvolle Umrundung dieses eindrucksvollen Mannes, nahm bewusst jede Einzelheit des Körpers in sich auf.

Angefangen bei den langen Beinen und den wie gemeißelt wirkenden Muskeln der Oberarme. Ein Blick abwärts offenbarte zwei wohlgeformte Pobacken unter schwarzem Leinen, das schweißfeucht an der Haut zu kleben schien. Die Linie der Wirbelsäule wirkte wie ein kleiner Graben inmitten der Muskeln.

Eindrucksvoll, wirklich sehr ansprechend. Calino setzte seine Wanderung fort und ließ eine Fingerkuppe über den Rücken streichen, spürte die Wärme des Körpers, die leichte Feuchtigkeit auf der Haut, die stahlhart angespannten Muskeln und sah die Gänsehaut, die der Berührung folgte.

»Das war sehr beeindruckend heute«, sagte Calino, als er wieder in die dunklen Augen aufblicken konnte. »Wo hast du zu kämpfen gelernt?« Er wartete einen Augenblick und fügte geduldig hinzu: »Da ich eine direkte Frage an dich richtete, ist es dir gestattet zu sprechen.«

»Mein Vater bildete mich aus. Den Rest lernte ich im Heer.« Hastig setzte er hinzu: »Mein Kaiser.«

Eine tiefe, nahezu sanfte Stimme, leise gesprochen und nicht durch einen grauenhaften ländlichen Dialekt verdorben.

»Du hast also gedient. Weswegen kämpfst du heute in der Arena?«

»Ich wurde wegen Befehlsverweigerung zum Tod in der Arena verurteilt, mein Kaiser.«

Allmählich schien Borean sich daran zu gewöhnen, mit seinem Herrscher zu sprechen. Doch wich er Calinos Blick aus und erschien unruhig und verunsichert. Calino konnte es ihm nicht verdenken, und der an den Tag gelegte Respekt erschien ihm angemessen und angenehm zugleich.

»Wie lange bist du schon hier?«

»Drei Monate, mein Kaiser.«

»Sehr widersetzlich.« Calino lächelte und setzte hinzu: »Das war ein Scherz. Du hast mich heute beeindruckt, Borean. Ich freue mich darauf, dich erneut kämpfen zu sehen. Ich lasse dir eine kleine Aufmerksamkeit zukommen, um dir meine Bewunderung zu beweisen.« Er wandte sich an den obersten Wächter, der hinter Boreans hoch aufragender Gestalt kniete und der Unterhaltung mit offensichtlichem Staunen zugehört hatte. »Du wirst dafür Sorge tragen, dass meine bescheidene Gabe wirklich Borean und niemandem sonst zugutekommen wird.«

Der Mann hieb sich die rechte Faust so hart auf die Brust, dass Calino einen Augenblick lang Sorge hatte, der Wächter würde sich besinnungslos schlagen oder sein Herz zum Stillstand zwingen. »Ja, mein Kaiser.«

Calino nickte, streckte die Hand aus und legte sie sanft auf Boreans massige Schulter. Wieder spürte er den leichten Schauder als Antwort auf die Berührung, genoss die Nähe und Wärme. Er tätschelte die Schulter sacht. »Sehr gut. Dann auf Wiedersehen, Borean. Beim nächsten Zusammentreffen kannst du mir dann erzählen, woher dein Beiname Der Schlächter von Katal stammt. Ich bin stets wissbegierig.«

Damit endete diese Audienz, das erste Kennenlernen, das Calinos Herzschlag beschleunigte. Borean sank wieder auf ein Knie nieder, und Calino wandte sich ab, kehrte zu seiner Garde zurück und verließ mit diesem Geleit die Kerkerebene.

Er fühlte sich beschwingt, als würde er auf Wolken wandeln. Diese ersten Anzeichen von Verliebtheit genoss er in vollen Zügen. Im Geiste stellte er eine Liste mit den Geschenken auf – am Anfang nicht zu großzügig natürlich –, mit denen er Borean für sich gewinnen konnte.

Natürlich könnte er dem Arenakrieger auch einfach befehlen, eine oder mehrere Nächte mit ihm zu verbringen, aber Calino wollte mehr. Er verdiente mehr.

2.

Kaiserliche Aufmerksamkeit

 

Die Zellentür fiel hinter Borean zu. Auf kalten Beinen hatte er den Weg hinter sich gebracht, immer in Sorge, seinen Wärtern nicht schnell genug zu sein und eine Kostprobe aus den Gewitterstäben zu erhalten. Alleine – schneller wäre es ihm nicht möglich gewesen.

Der schwere Riegel wurde von außen vorgeschoben, dann erklang das leise, knisternde Zischen, als der Mann draußen die magische Sperre betätigte.

Borean wünschte sich verzweifelt, die Tür hätte auch an der Innenseite einen Riegel. Den hatte er besonders in der Anfangszeit herbeigewünscht, doch niemals zuvor so heftig wie jetzt gerade.

Der Kaiser! Verdammte Scheiße, ausgerechnet der Kaiser, dem ein Ruf vorauseilte wie eine Rotte Aasfresser, an deren Schnauzen geronnenes Blut haftete.

Eine neuerliche Gänsehaut kroch über Borean, fühlte sich an den Stellen, wo der Kaiser ihn berührt hatte, noch kälter und harscher an.

Er atmete zwei Mal tief ein und ganz bewusst und langsam wieder aus. Half auch nicht gegen das Frieren und das Grauen. Ja, er hatte Geschichten über den Kaiser und einen Arenakrieger namens Tarak gehört. Er selbst hatte während der drei Monate, die er hier nun schon überlebte, Angebote von Adeligen erhalten. Geschenke, schließlich eine Verabredung in diesem Zellenloch, eine schnelle Runde, die dem erlauchten Fettsack Triumph und Borean eine kurzweilige Ablenkung ermöglichte. Doch das waren einfach nur Reiche ohne wirkliche Macht. Und ohne den Ruf, den der Kaiser sich erworben hatte.

Dabei sah er so verblüffend jung aus, trotz des überheblichen Lächelns nahezu unschuldig. Aber das war nur äußerlich. Borean wusste ja, wozu dieser Mann fähig war.

Er rieb sich über die Oberarme, um die prickelnde Gänsehaut dort endlich zu vertreiben, und trat einen Schritt weiter in die Zelle. Sein Heim, wenn er nicht auf dem Übungsplatz schwitzte oder in das gewaltige Rund der Arena geschickt wurde.

Von der Gemeinschaftsunterkunft, in der die zum Tode Verurteilten auf ihren ersten und einzigen Auftritt in der Arena warteten – hierher. Bett, Tisch, eine Truhe und eine schmale Tür, die zum Abort führte, der wie alle öffentlichen Gebäude an die Kanalisation angeschlossen war. Das dauernde leise Rauschen des Wassers hatte Borean die ersten Nächte in seiner Zelle wachgehalten, jetzt vernahm er das beständige Murmeln schon nicht mehr. Anfangs war er erstaunt gewesen, solchen Luxus vorzufinden – bis er sich klargemacht hatte, dass die ganze Arena zum Himmel stinken würde, wenn nur Eimer für die Notdurft zur Verfügung stünden.

Er konzentrierte sich jetzt auf das Geräusch des fließenden Wassers, atmete noch einige Male bewusst tief ein und aus. Der Kaiser. Damit musste er nun umgehen. Aufmerksamkeit erregt, wie ein Vieh auf dem Markt angestarrt und angefasst worden. Wenn es dabei blieb, war es in Ordnung. Mehr würde der Kerl nicht freiwillig von Borean bekommen. Außerdem konnte er es sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieser parfümierte Tyrann sich in diese Zelle begeben würde, um sich eine Viertelstunde lang zu vergnügen.

Alles halb so wild.

Wenn er es doch nur wirklich glauben könnte!

Er ließ sich schwer auf die Bettstatt fallen, hörte das protestierende Knarren des Holzes und stützte den Kopf in die Hände. Drei Monate hatte er hier um sein Leben gekämpft, bald verstanden, was das grölende Volk auf den Tribünen wünschte. Großartigkeit, eine Vorstellung. Es musste gar nicht immer Blut fließen, solange die Zuschauer nur etwas geboten bekamen. Doch Absprachen zwischen Arenakriegern waren nicht möglich. Während Borean unterhalten und überleben wollte, mochte sein Gegner darauf aus sein, ihm den Bauch aufzuschlitzen und ihn sehr gründlich auszuweiden. Krieger hatten unterschiedliche Halter, es wurde auf sie und den Ausgang der Kämpfe gewettet. Mancher Halter mochte seinem Mann auch noch mit auf den Weg geben, den Gegner möglichst in hauchdünnen Scheibchen in der Arena zu verteilen. Auch solche Kämpfe hatte Borean ziemlich unbeschadet überstanden. Seine wachsende Beliebtheit hatte ihm diese Zelle eingebracht, in der er zumindest nachts nicht fürchten musste, erdrosselt zu werden. Oder Schlimmeres.

Er war sich ziemlich sicher, dass sein Halter sich an ihm eine goldene Nase verdiente. Vielleicht – ganz vielleicht – kam Borean am Ende frei, wenn er nur lange genug in einem Stück, siegreich und beliebt blieb. Es kursierten Geschichten über freigelassene Arenakrieger.

Ob das auch für einen Mann möglich war, der sich einem Befehl des Kaisers widersetzt hatte? Der als Einziger seiner Einheit in der Arena gelandet war – als abschreckendes Beispiel und zur Belustigung der jubelnden Massen –, während der Rest der Truppe an Ort und Stelle zu Straflager verurteilt und zu einem Zehntel abgeschlachtet worden war?

Er zuckte zusammen, als die magische Verriegelung der Tür mit einem neuerlichen Zischen anzeigte, dass sie soeben geöffnet worden war.

»An die Wand!«, bellte eine Stimme auf dem Gang.

Borean sprang auf und eilte die drei Schritte an die der Tür entgegengesetzte Wand. Dort wimmelten wie Hunderte Maden bereits grüne Magiefunken. Er konnte sich eben noch umdrehen, damit er sah, wer da warum seine Zelle betrat, als die uralte, im Stein verankerte Magie nach ihm griff. Wie fette Aale wanden sich Lichtfäden um ihn und zogen ihn mit einem Ruck gegen die Mauer. Eine Schilderung im Dunklen der Gemeinschaftsunterkunft, dass die Zauberei einen Mann aus sechs Schritt Entfernung gepackt und gegen Stein gehämmert hätte, sodass der Arme gestorben war, hatte Borean genügt, um hier auf unbedingten Gehorsam zu achten. Die geflüsterten Worte und sein bislang einziger Kontakt mit einem Gewitterstab. Die Arenawächter gingen niemals ein Risiko ein, wenn sie mit Verurteilten umgingen. Und Borean hatte seine Lektion gelernt.

Er biss die Zähne zusammen, als sich grünes Wimmeln um sein rechtes Handgelenk schraubte und dieses fest an den kalten Stein zog.

Die Tür wurde entriegelt, und einen widerwärtig langen Augenblick, als die Pforte aufschwang und somit den Eintretenden vor Borean verbarg, fürchtete er, der Kaiser wäre wieder da – und er selbst an die Wand gebunden und dem Mann vollkommen ausgeliefert. Der Gedanke genügte, um ihm kalten Schweiß aus den Poren zu treiben.

Aber es war nur der oberste Wärter, der in die Zelle trat, sich kurz umblickte und dann auf den Tisch wies, ehe er Borean ein Grinsen schenkte. »Heute scheint dein Glückstag zu sein. Weißt du, wie die Wetten gegen dich aussahen? Ich hab nicht erwartet, dass du gegen Runok bestehst. Und jetzt … Geschenke!« Er wackelte vielsagend mit den Brauen, als hinter ihm zwei Knaben einen Korb in die Zelle brachten und auf dem Tisch abstellten. Der Wärter wartete, bis die Diener wieder abgezogen waren, lupfte das Leinentuch, das über den Gaben lag, und spähte in den Korb. »Wirklich Glückstag«, murrte er und verließ die Zelle.

Die Magie hielt Borean an Ort und Stelle, während der Wärter die Tür wie gewohnt doppelt verschloss. Dann zogen die grünen Lichtwürmer sich zurück und gaben Borean frei. Er blieb, wo er war, rieb sich geistesabwesend die Handgelenke und sah den Korb einfach nur aus sicherer Entfernung an.

Das Interesse des Kaisers konnte ebenso plötzlich wieder abflauen, wie es erwacht war, sagte er sich. Wie ein Strohfeuer, das schlagartig auflodert und ebenso jäh in sich zusammenfällt und ein wenig Asche übrig lässt. Dafür sprach, machte Borean sich weiter Mut, die überaus rasche Überreichung dieses Geschenkkorbes.

Er stieß sich von der Wand ab und legte den kurzen Weg zum Tisch zügig zurück. Bevor er es sich anders überlegen konnte, zog Borean das Tuch beiseite, schluckte hart und konnte einen Augenblick lang nur starren. Strohfeuer oder nicht, der Kaiser wusste offensichtlich ganz genau, was er einem Arenakrieger schenken musste. Nun, falls die Gerüchte über ihn und jenen anderen Mann namens Tarak stimmten, hatte er ja Erfahrungen sammeln können.

Der Duft frischer Pfirsiche stieg aus dem Korb auf. Samtig, rotgolden und in saubere Tücher gebettet, damit sie keine Stoßstellen bekommen konnten, lagen sie da und lockten tatsächlich. Vorsichtig hob Borean eine der Früchte aus dem Korb, schnupperte an ihr und fühlte sich an Sommer in Freiheit – vor dem Tod des Vaters, vor dem Heer, vor der Befehlsverweigerung – erinnert. Zartrosa Blüten inmitten frischgrünen oder dunkelroten Laubs, der Duft von Sonnenschein auf dem Rasen, das leuchtende Gelb der rankenden Rosen an der Veranda. Das Plätschern des kleinen Springbrunnens. Sonnenwärme auf der Haut, die Stimme des Vaters, die ersten Unterrichtsstunden im Schwertkampf.

Ja, es gab einen guten Grund, warum Borean seit drei Monaten in der Arena überlebte. Jeden Abend, wenn er den Göttern dankte, bevor er schlafen ging, sandte er auch einen ganz besonderen Gruß an seinen Vater und an seine Mutter. Gut, dass die ihn hier und jetzt nicht sehen konnten, nicht wussten, wie tief der Sohn gesunken war.

Borean verdrängte die Schande, klammerte sich an den Bildern des kleinen Landhauses im Sommer fest. Nicht weiter denken. Er rieb den samtigen Flaum an seinem Hemd ab, spürte noch einen Rest Wärme auf der Fruchtschale, so frisch waren diese Pfirsiche. Den Rest des Korbinhalts würde Borean später erkunden – und sich die Früchte gut einteilen. Das Letzte, was er sich leisten konnte, war ein Magen, der nach so langer Entbehrung rebellieren würde.

Einen Augenblick lang atmete er nur den Duft, ehe er abbiss, Sommer, Süße, Wärme schmeckte. Saft tropfte ihm in den Bart, und Borean ertappte sich dabei, während er diesen ersten Biss genoss, ganz vorsichtig nur kaute, dass er lächelte.

Verdammter Kaiser, dessen Geschenk so ein Treffer war. Der viel zu genau wusste, was in den Korb gepackt werden musste. Gleichgültig, beschloss Borean. Diesen Genuss versaute ihm kein grüner Junge, der nach Rosenöl duftete und meinte, in der Kerkerebene auf Beutezug gehen zu dürfen.

Ein wenig kehrte Boreans Selbstbewusstsein zurück. Er war ein wahrer Riese, und kein junger Mann – so eingebildet und grausam er auch war – konnte sich sehenden Auges einen unwilligen Bettgefährten von Boreans Format wünschen. Die Welt wäre von einem Tyrannen befreit, ehe der Kaiser noch wusste, wie ihm geschah. Nein, so dumm konnte er nicht sein. Geschenke annehmen, während das Strohfeuer brannte. Und sobald ein Angebot kam, würde Borean einfach ablehnen. Der Kaiser sah nicht nach jemandem aus, der in diese Zelle kam und über Borean herfiel, während die magischen Fesseln ihn hielten. Wahrscheinlich hielt der Kaiser sich – oder besser: seine Geschenke – für unwiderstehlich. Nun, er war es ganz bestimmt nicht. Außerdem gab es ja auch noch Boreans Halter, der seinen kostbaren Kämpfer nicht verlieren wollen würde.

Erleichtert setzte Borean sich auf die Tischkante, die unter seinem Gewicht knarrte, und verspeiste seinen Pfirsich.

Er wischte sich die vom Saft klebrigen Hände am Hemd ab und hob die restlichen Früchte samt dem Tuch behutsam auf die Tischplatte. Darunter kamen eine kleine, mit Seide bespannte Kiste und ein beinahe faustgroßer Käselaib zutage. Borean musste innehalten. Er konnte gar nicht mehr sagen, wann er zuletzt Käse gegessen hatte. Er streichelte behutsam über den kugelförmigen Laib, ehe er die Schatulle aus dem Korb hob, den Verschluss entriegelte und den Deckel aufklappte.

Der Kaiser wusste viel zu gut Bescheid. Konfekt. Kleine, vollkommene Stücke aus Schokolade, mit getrockneten Früchten und Nüssen verziert.

Borean hörte selbst, dass er zittrig einatmete. Ein halbes Dutzend Köstlichkeiten. Ein Stück durfte er jetzt essen. Nicht mehr. Er wusste nicht, wie lange das Strohfeuer brannte, wie lange er mit Geschenken wie diesem rechnen durfte. Nicht lange. Götter! Der Duft stieg ihm in die Nase, machte ihn fast benommen.

Noch einmal wischte er sich eine Hand am Hemd halbwegs sauber, ehe er vorsichtig ein Stück Konfekt aus einem Bett von raschelndem, hauchdünnem Papier hob, das Kästchen auf den Tisch stellte und sorgfältig wieder verschloss.

Er schloss die Augen, als er sich den duftenden Happen in den Mund schob. Und dann saß er einfach nur still da, ließ die Schokolade auf der Zunge schmelzen, schmeckte diese besondere Mischung aus Würze, Süße und Cremigkeit, wagte kaum zu schlucken, wollte diesen Augenblick bis in die Ewigkeit ausdehnen und auskosten.

 

Die Kostbarkeiten lagerten in der Truhe. Borean war sich ziemlich sicher, dass niemand ihm etwas davon stehlen würde, während er auf dem Übungsplatz schuftete. Der Anweisung des Kaisers würde kein Wächter zuwiderhandeln.

Er hatte noch immer den Geschmack der Schokolade im Mund gehabt, als er sich unter zwei dünnen Wolldecken auf seinem Bett zusammenrollte und energisch die Augen schloss.

Nach dem Erwachen hatte er sich tatsächlich beherrscht, nur noch einmal nachgesehen, ob Obst, Käse und Schokoladenkistchen wirklich da und nicht nur einem sehnsüchtigen Traum entsprungen waren. Dann wartete er, dass die Wächter ihn abholten.

Er hörte, wie die magische Verriegelung aufgehoben wurde, dann das Schaben des Holzbalkens. Die Tür schwang auf, und Borean trat gehorsam auf den Gang. Unter dem Türsturz hindurch musste er sich wie immer leicht ducken. Er roch die kalte Metallausdünstung geladener Gewitterstäbe und war betont friedlich, um niemanden zu einer Attacke zu provozieren. Ein Schlag mit einem solchen Stab schmerzte noch einen bis zwei Tage später, und Borean hatte keine Ahnung, wann sein nächster Auftritt in der Arena sein würde. Keinesfalls wollte er womöglich hinkend oder mit einem geschwächten Arm gegen einen ausgeruhten Gegner antreten müssen.

Dass er kaum besser war als ein dressierter Hund, war ihm klar. Doch im Gegensatz zu einem Köter, der Stöckchen für den Herrn holte, ging es ums nackte Leben, und dafür war Borean zu einigem bereit.

Er erwartete, zu den Übungsplätzen hinter der Arena – hoch und sicher eingezäunt, und die Umfriedung war selbstverständlich magisch geladen – geführt zu werden. Doch die Wärter brachten ihn wortlos zu jenem großen Tor, durch das die Kämpfer die Arena selbst betraten. Jetzt stand nur eine kleine Pforte neben dem Portal offen, und erneut musste Borean den Kopf einziehen, um diese passieren zu können.

Die Arena sah fremd aus. Gleißender Sonnenschein brannte auf den Sand nieder, die Stille wirkte betäubend. Nie zuvor hatte Borean die Stätte von Blutvergießen, Sterben und dem Mut der Verzweiflung leer gesehen. Nicht ein Mensch auf den Rängen, und nun konnte er zum ersten Mal die steinernen Bänke sehen, die sich in Stufen Reihe um Reihe empor stapelten, um auch jedem selbst auf dem hintersten Rang die bestmögliche Sicht auf die Kämpfe zu ermöglichen. Sein Blick flog zur Kaiserloge, und fast erwartete er, den Tyrannen dort zu sehen, für den alleine es eine Vorstellung geben sollte. Doch auch dort war niemand.

Einerseits erleichternd, auf der anderen Seite machte das Ungewöhnliche der leeren Ränge und die Tatsache, dass er noch nie zu Übungszwecken hierher gebracht worden war, Borean nervös.

»Ah, da ist ja mein Goldjunge«, erklang eine Stimme seitlich und über Borean. Die seines Halters.

Er fuhr hastig herum, und da saß der Kerl auf einem kurzbeinigen Pferd, einen Gewitterstab wie eine Reitgerte in der Hand und grinste wie ein Aasfresser.

Borean behielt den Stab im Auge und sank auf ein Knie nieder. Nein, nicht noch einmal ein Kontakt mit diesem Folterwerkzeug.

»Du hast mir gestern eine gute Stange Gold eingebracht, weil die Wetten sämtlich gegen dich standen. Du bist wie alle großen Kerle einfach zu behäbig, und offenkundig hat niemand erwartet, dass du gegen den Würger Siegesaussichten hättest.« Er streichelte den schimmernden Pferdehals, ehe er fortfuhr. »Du bist für einen besonderen Kampf gemeldet, bei dem es vor allem auf Geschwindigkeit ankommt. Wir werden daran jetzt also arbeiten müssen, damit meine Börse sich auch weiterhin gut füllt.«

Drei weitere Reiter kamen durch ein Tor in die Arena. Auch sie mit Gewitterstäben ausgerüstet. Borean spürte, wie sein Mund trocken wurde.

»Lauf, Goldjunge«, sagte sein Halter nahezu sanft. Sein Pferd warf wie ungeduldig den Kopf hoch, zerrte an den Zügeln.

Borean sprang auf, drehte sich in der Bewegung und rannte los. Ein großes Rund ohne jegliche Deckung, ohne Aussicht auf Entkommen. Hinter ihm lachte jemand, dann erbebte der Boden unter den Pferdehufen.

Er warf einen kurzen Blick über die Schulter, rang nach Atem, warf sich vorwärts und versuchte, noch schneller zu werden, ehe er einen Haken zur Seite schlug. Dadurch kam er vor dem Pferd auf die Seite ohne Gewitterstab und hetzte in die entgegengesetzte Richtung weiter.

Wie lange wollten die Reiter dieses Spielchen mit ihm treiben? Er war schnell, aber er war zu schwer und stand das hier nicht lange durch, wie er genau wusste. Richtungswechsel, die vollbrachte er rascher als die Pferde, aber das war auch alles. Und rettete ihn auf Dauer auch nicht.

Ein Reiter, er sah es aus den Augenwinkeln, lenkte sein Pferd in großem Bogen die Außenmauer entlang, wo das Tier an Geschwindigkeit zulegen und Schwung gewinnen konnte.

Staub lag in der Luft, von sechzehn Hufen aufgewirbelt, knirschte zwischen den Zähnen. Wie Trommelwirbel erschütterten die Tiere den Boden.

Borean wirbelte herum, sah Pferd und vor allem Gewitterstab auf sich zukommen und duckte sich tief, während er dem Tier entgegenrannte. Er spürte die Blitze in der Luft schwirren, ahnte die Nähe des Stabes zu seinem Rücken und rempelte das Pferd an, um es zu verwirren. Eine Hand am Tierkörper hetzte er um die Hinterhand des Pferdes, während der Reiter an den Zügeln zerrte, um das Tier in eine Wendung zu zwingen.

Die Drehung vollzog Borean mit ihm, blieb dicht am Pferdekörper und außer Reichweite des Gewitterstabs. Er roch Pferdeschweiß, Sand, Hitze und dann die Kälte der Magie, als der Reiter den Stab über den Pferdehals schwang, um Borean doch noch zu erwischen.

Zu nah am Tier, das das nahende Gewitter ebenfalls spürte und durch einen Satz zur Seite der bevorstehenden Qual zu entkommen versuchte. Der Sprung führte es von Borean fort, der nun wieder losrannte. Vorsprung, Abstand – auch wenn beides in der ausweglosen Arena sinnlos war.

Der Reiter, der Schwung geholt hatte, donnerte nun auf ihn zu. Funken sprühten vom Gewitterstab.

Mittlerweile außer Atem schwenkte Borean mit einem langen Satz zur Seite, wurde von der Pferdeschulter gerammt, dass ihm die Luft vollkommen wegblieb, und zu Boden gestoßen. Keuchend rappelte er sich auf, denn zwei andere kamen auf ihn zu. Der Boden erzitterte unter dem hämmernden Hufschlag. Seitenstechen meldete sich an und nistete dann bösartig unter dem linken Rippenbogen, als Borean sich zwang, zur Seite zu fliehen.

Sie kamen näher. Er roch den Schweiß der Tiere, hörte ihre Atemzüge, das Knarren des Leders und das leise Knistern der Magie. Sie nahmen ihn in die Zange, und es blieb ihm nur, sich zu Boden und die Arme schützend über den Kopf zu werfen und dann ganz still zu liegen. Ein Pferd sprang über ihn hinweg. Sand aus den Hufen prasselte auf ihn.

Er stemmte sich wieder hoch, keuchte und rannte weiter. Hinter ihm Johlen und Gelächter. Sie sahen, dass er nicht mehr konnte.

Jeder Atemzug rieb wie mit einer Raspel durch seine Kehle. Das Seitenstechen wurde mit jedem Schritt schmerzhafter. Hufdonner von links. Borean sprang nach rechts, fühlte den Gewitterstab knapp an seiner Schulter vorbeifliegen. Funken sprangen trotzdem über, und der Schmerz ließ ihn nach Luft schnappen und allerletzte Reserven zusammenraffen. Ein anderes Pferd von rechts, und er hechtete zur Seite, stolperte über die eigenen Füße und ging zu Boden. Er atmete Sand und Staub ein, hustete, würgte und fand mühsam wieder auf die Beine.

Die Reiter kreisten ihn ein. Pferde schnaubten, trabten im Kreis um ihn herum. Die Luft schmeckte kalt und metallisch von vier Stäben, die immer näher kamen.

Keuchend atmete Borean ein und aus, versuchte, das Schmerzen unter seinen Rippenbögen aus seinem Bewusstsein zu verdrängen, das Zittern in den Muskeln, den Schweiß, der an ihm hinabströmte und Sand von seiner Haut wusch. Er zwang sich, nur noch einen Augenblick zu warten. Wie ein besiegtes Beutetier still stehen, Kopf hängen lassen, atmen.

Ein Stab kam ihm von der Seite zu nahe, und er hechtete dem Folterwerkzeug entgegen, seitlich daran vorbei, warf sich vorwärts, duckte sich unter einem Pferdehals hindurch. Mit einer Hand musste er sich abstützen, den Schwung ausnutzen. Ein Pferdebein prallte gegen seinen Unterschenkel, aber Borean entkam dem Kreis!

Er strauchelte, stemmte sich vorwärts und wieder in die Höhe, rannte erneut los, während ein – durchaus dummes – Gefühl von Triumph ihn beflügelte. Er wusste, wie das hier ausgehen würde. Hatte es von Anfang an erfasst, aber er war immer noch ein Soldat, verdammt!

Der Schwung hatte ihn zu nahe an die Außenmauer getragen, erkannte er erschrocken, als die Reiter wieder mühelos zu ihm aufschlossen. Kein Gelächter mehr, das war wenigstens etwas. Er hatte ihnen mehr Kampf geliefert, als sie erwartet hatten.

Ein Pferd versperrte ihm den Weg, aber da war eine Lücke! Er raffte alles zusammen, was ihm noch verblieben war, und versuchte einen neuerlichen Ausfall, doch ehe er auch nur einen Satz gemacht hatte, rempelte ihn von hinten ein Pferd an, und die Spitze eines Gewitterstabs berührte ihn zielsicher zwischen den Schulterblättern, jagte eine Ladung eisiger, tobender Blitze in seine Muskeln und seine Wirbelsäule, gefror ihn, ließ ihn krampfen. Er schrie halb erstickt. Seine Beine gaben unter ihm nach, die Gelenke mit Frost und Schmerz gefüllt.

---ENDE DER LESEPROBE---