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Sie träumt vom strahlenden Ritter - und trifft stattdessen auf einen wilden Krieger!
Am englischen Königshof leidet die junge Lady Madelyne unter der Grausamkeit ihres Bruders, Baron Louddon. Doch mit dieser Rettung hätte selbst sie nicht gerechnet: Sie wird von Baron Duncan von Wexton entführt, genannt "Der Wolf". Für ihn ist es nur ein Vergeltungsschlag gegen ihren Bruder - bis er Madelyne zum ersten Mal sieht. Sofort ist es um ihn geschehen, und er schwört, die stolze Schönheit zu beschützen. Bald erliegt auch Madelyne seinem Werben und gibt sich ihm mit ganzer Leidenschaft hin. Doch ihr Bruder fasst einen hinterhältigen Plan, um sich für die angetane Schmach zu rächen ...
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
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Seitenzahl: 642
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Titel der Autorin bei beHEARTBEAT
Über dieses Buch
Über die Autorin
Titel
Impressum
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Schottische Hochzeit – Die Braut-Reihe
Die stolze Braut des Highlanders
Die Hochzeit des Highlanders
Die königlichen Spione – Regency Romance
Der Schwur des Marquis
Das Geheimnis des Gentleman
Das Versprechen des Duke
Romane (Einzeltitel)
Geliebter Barbar
Die Braut des Normannen
Melodie der Leidenschaft
Weitere Titel in Planung.
Sie träumt vom strahlenden Ritter – und trifft stattdessen auf einen wilden Krieger!
Am englischen Königshof leidet die junge Lady Madelyne unter der Grausamkeit ihres Bruders, Baron Louddon. Doch mit dieser Rettung hätte selbst sie nicht gerechnet: Sie wird von Baron Duncan von Wexton entführt, genannt »Der Wolf«. Für ihn ist es nur ein Vergeltungsschlag gegen ihren Bruder – bis er Madelyne zum ersten Mal sieht. Sofort ist es um ihn geschehen, und er schwört, die stolze Schönheit zu beschützen. Bald erliegt auch Madelyne seinem Werben und gibt sich ihm mit ganzer Leidenschaft hin. Doch ihr Bruder fasst einen hinterhältigen Plan, um sich für die angetane Schmach zu rächen ...
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Julie Garwood (*1946 in Kansas City, Missouri) gilt als Grande Damen der historischen Liebesromane. Mit einer Gesamtauflage von über 40 Millionen Exemplaren weltweit und mehr als 15 New-York-Times-Bestsellern zählt sie zu den beliebtesten und erfolgreichsten Vertreterinnen ihres Genres.
Dabei kam sie erst nach einer Ausbildung als Krankenschwester zum Schreiben, als ihr jüngstes Kind eingeschult wurde. Seit Erscheinen ihres ersten Romans Mitte der Achtzigerjahre hat sie mehr als 30 Bücher veröffentlicht.
Garwoods Liebesgeschichten zeichnen sich durch sinnliche Leidenschaft aus, gepaart mit einem Augenzwinkern und historischer Detailtreue. Dabei ist sie im mittelalterlichen Schottland ebenso heimisch wie im England der Regentschaftszeit. Ihr Anspruch lautet: »Ich möchte meine Leserinnen zum Lachen und zum Weinen bringen und hoffe, dass sie sich verlieben.«
Die Autorin lebt in Leawood, Kansas. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.
Für weitere Informationen besuchen Sie Julie Garwoods Homepage unter: https://juliegarwood.com/.
Julie Garwood
Melodie der Leidenschaft
Aus dem amerikanischen Englisch von Kerstin Winter
Digitale Erstausgabe
»be« – Das eBook-Imprint der Bastei Lübbe AG
Für die Originalausgabe:
Copyright © 1987 by Julie Garwood
Titel der amerikanischen Originalausgabe: »Honor’s Splendour«
Published by Arrangement with Julie Garwood.
Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover.
Für diese Ausgabe:
Copyright © 2001/2021 by Bastei Lübbe AG, Köln
Textredaktion: Katharina Geppert
Covergestaltung: Guter Punkt, München
unter Verwendung von Motiven © PeriodImages.com; sumroeng/Getty Images; Miguel Guasch Fuxa/Getty Images; lutavia/Getty Images
eBook-Erstellung: 3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)
ISBN 978-3-7517-0337-6
www.be-ebooks.de
www.lesejury.de
Für meinen Mann Gerry, meine Schwestern Sharon, Kathleen, Marilyn, Mary, Cookie, Joanne und Monika und für meinen Bruder Tom.
Allesamt Heldinnen und Helden.
»Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert und erfreulich ist, was als Tugend gilt oder Lob verdient – darauf seid bedacht.«
Neues Testament, Philipper, 4,8
England, 1099
Sie wollten ihn umbringen.
Der Krieger stand an einen Pfahl gebunden in der Mitte des öden Innenhofes. Seine Hände waren auf dem Rücken zusammengebunden und von den groben Stricken aufgescheuert. Seine Miene war eine emotionslose Maske, und er starrte, seine Feinde demonstrativ ignorierend, stur geradeaus.
Der Gefangene hatte keinerlei Widerstand geleistet. Er hatte sich die Kleider bis zur Taille vom Leib reißen lassen, ohne auch nur einmal die Faust drohend zu ballen oder ein Wort des Protestes zu äußern. Man hatte ihm seinen dicken, pelzverbrämten Winterumhang, sein schweres Kettenhemd, das Baumwollhemd, seine Strümpfe und die Lederstiefel ausgezogen und alle Kleidungsstücke auf den gefrorenen Boden vor ihm gelegt. Die Absicht des Feindes war klar. Der Krieger würde sterben, und dazu würde man seinem vernarbten, kampfgestählten Körper keine weitere Wunde hinzufügen müssen. Er würde erfrieren, ohne die wärmenden Kleider, die direkt vor seinen Augen lagen, erreichen zu können.
Zwölf Männer warteten auf seinen Tod. Die Messer gezückt, umkreisten sie den Gefangenen, verhöhnten ihn, brüllten ihm Obszönitäten und Beleidigungen zu, während sie mit ihren Stiefeln fest auf die Erde stampften, um die heraufkriechende Kälte zu vertreiben. Doch die Drohgebärden hatten nur eine geringe Wirkung, denn die Soldaten hielten einen sicheren Abstand zu dem Mann an dem Pfahl ein – keiner wagte sich nah heran. Man konnte nicht wissen, ob sich der gefügige Gefangene nicht doch plötzlich losreißen und seine Peiniger angreifen würde. Die Männer zweifelten nicht daran, dass er dazu fähig war. Schließlich hatte jeder schon von seiner sagenhaften Körperkraft gehört. Einige von ihnen hatten sogar bereits in der einen oder anderen Schlacht selbst miterleben müssen, was dieser Mann anrichten konnte. Und wenn er seine Stricke zerreißen sollte, dann würde er gewiss drei oder vier Männer in den Tod schicken, bevor es den Soldaten gelang, ihn zur Strecke zu bringen.
Der Anführer der zwölf konnte sein Glück noch immer nicht fassen. Sie hatten den Wolf gefangen! Er würde bald zusehen dürfen, wie der Wolf starb!
Was für einen lächerlichen Fehler ihr Gefangener gemacht hatte! Aye, Duncan, der mächtige Herr der Wexton-Ländereien, war doch tatsächlich ganz allein und ohne eine einzige Waffe in die Festung des Feindes geritten! Er hatte dummerweise geglaubt, dass Louddon, ein Baron gleichen Ranges, ihren vorläufigen Waffenstillstand einhalten würde.
War es möglich, dass er selbst glaubte, was man über ihn erzählte? Hielt er sich tatsächlich für unbesiegbar, für den Helden jener maßlos übertriebenen Legenden, die aus jeder Schlacht entstanden? Es musste so sein. Nur so war zu erklären, warum ihn seine momentane missliche Lage überhaupt nicht zu beunruhigen schien.
Je länger der Anführer seinen Gefangenen betrachtete, desto stärker wurde das unbehagliche Gefühl, das ihn schon vor einer Weile beschlichen hatte. Sie hatten diesem Mann alles genommen, was von Wert war, hatten sein blauweißes Banner zerrissen und zerfetzt, hatten alles vernichtet, was ihn als Adeligen und zivilisierten Menschen kennzeichnete. Baron Louddon wollte, dass sein Gefangener würde- und ehrlos starb. Aber der fast nackte Krieger, der dort in so stolzer Haltung an dem Pfahl stand, entsprach ganz und gar nicht dem, was Louddon sich vorgestellt hatte. Er benahm sich überhaupt nicht wie ein Mann, der bald sterben musste. Weder bettelte er um Gnade, noch flehte er um ein schnelles Ende. Er sah nicht einmal so aus, wie ein dem Erfrierungstod Geweihter auszusehen hatte. Seine Haut war nicht bleich oder mit Gänsehaut überzogen, sondern sonnengebräunt und wettergegerbt. Verdammt, er zitterte nicht einmal! Ja, sie hatten den Edelmann ausgezogen und seiner Würdenzeichen beraubt, doch statt ihn damit zu demütigen, stand ein stolzer Kriegsherr vor ihnen, der genauso barbarisch und furchtlos aussah, wie die Legenden ihn beschrieben. Vor ihren Augen war der Baron tatsächlich zu einem Wolf geworden.
Die Verhöhnungen verstummten langsam. Schließlich war nur noch das Heulen des Windes, der über den Hof jagte, zu vernehmen. Der Anführer wandte seine Aufmerksamkeit seinen Männern zu, die in ein paar Metern Entfernung stehengeblieben waren und nun betreten zu Boden blickten. Er wusste, dass sie es vermeiden wollten, den Gefangenen anzusehen, und er konnte ihnen ihre Feigheit nicht einmal vorwerfen. Selbst er hatte Schwierigkeiten, dem Krieger direkt in die Augen zu blicken.
Baron Wexton war mindestens einen Kopf größer als die Soldaten, die ihn bewachten. Er war breitschultrig und hatte kräftig ausgebildete Muskeln. Seine Haltung – aufrecht, die Beine ein wenig gespreizt, den Kopf hoch erhoben – schien ihnen zu sagen, dass er sie alle umbringen konnte ... wenn er Lust dazu verspürte.
Langsam senkte sich die Dämmerung über den Hof und brachte leichten Schneefall mit. Die Klagen seiner Männer über die eisige Kälte wurden lauter. »Was hat es für einen Sinn, wenn wir auch hier draußen erfrieren?«, murmelte einer.
»Es wird noch Stunden dauern, bis er stirbt«, sagte ein anderer. »Und Baron Louddon ist auch schon eine ganze Weile fort. Er wird es doch gar nicht erfahren, wenn wir ins Warme gehen.«
Das heftige Nicken und das zustimmende Grunzen der anderen brachten den Anführer schließlich zur Einsicht. Auch er konnte sich Besseres vorstellen, als bei solchen Temperaturen stundenlang draußen zu verharren. Zudem wuchs sein Unbehagen stetig. Er war überzeugt gewesen, dass Baron Wexton nicht anders war als andere Männer. Er hatte erwartet, dass der Mann zusammenbrechen, dass er schreien und betteln würde. Doch nichts dergleichen war bisher geschehen. Die Arroganz seines Gefangenen machte ihn wütend. Bei Gott, er sah tatsächlich gelangweilt aus! Der Anführer musste sich zähneknirschend eingestehen, dass er seinen Feind unterschätzt hatte. Seine Füße steckten in dicken Stiefeln, und dennoch spürte er die beißende Kälte, die seine Zehen betäubte. Baron Wexton dagegen hatte sich, seit sie ihn an den Pfahl gefesselt hatten, noch kein einziges Mal gerührt oder auch nur das Gewicht verlagert. Möglicherweise steckte doch mehr Wahrheit in den Legenden über den Wolf, als der Kommandant der Soldaten geglaubt hatte.
Er fluchte leise und gab den Befehl, sich ins Gebäude zurückzuziehen. Als der letzte seiner Männer verschwunden war, vergewisserte Louddons Vasall sich noch einmal, dass die Stricke fest saßen, und stellte sich dann direkt vor den Gefangenen. »Es heißt, du seist so stark und klug wie ein Wolf, aber du bist doch ein Mann, und du wirst bald sterben wie jeder andere Mann. Louddon will nicht, dass man frische Messerstiche in deinem Körper findet. Morgen früh werden wir deine Leiche weit fortbringen. Niemand wird jemals herausfinden, dass Louddon hinter deinem Tod steckt.«
Während der Anführer sprach, war seine Stimme immer beißender geworden. Es machte ihn rasend, dass sein Gefangener sich nicht einmal die Mühe machte, ihn anzusehen. »Wenn es nach mir ginge, dann würde ich dir einfach das Herz herausschneiden«, zischte er. In einem letzten Versuch, eine Reaktion hervorzurufen, spuckte er dem Wolf mitten ins Gesicht.
Und da wandte der Gefangene ganz langsam den Blick. Seine Augen begegneten denen des Feindes. Und was der Anführer darin las, schnürte ihm die Kehle zu. Hastig wandte er sich ab, schlug das Zeichen des Kreuzes und murmelte vor sich hin, dass er nur die Befehle seines Herrn befolge. Dann stürzte er auf die Tür der Festung zu, die Sicherheit versprach.
Aus dem Schatten der hohen Mauern hatte Madelyne alles beobachtet. Sie wartete noch ein paar Augenblicke, um sicherzugehen, dass keiner der Soldaten ihres Bruders zurückkehren würde, und nutzte die Zeit, um die Kraft zu beten, die es ihr ermöglichen würde, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Sie wusste, dass sie alles riskierte. Aber sie hatte keine andere Wahl. Sie war der einzige Mensch, der ihn noch retten konnte. Madelyne hatte lange genug darüber nachgedacht, um sich der Folgen bewusst zu sein. Wenn entdeckt wurde, dass sie für die Tat verantwortlich war, dann bedeutete dies unweigerlich ihren eigenen Tod.
Ihre Hände bebten, aber ihre Schritte waren fest und sicher. Je schneller sie handelte, desto besser. Nachher würde sie immer noch genügend Zeit haben, sich um sich selbst Sorgen zu machen.
Der lange schwarze Umhang hüllte sie von Kopf bis Fuß ein und verschmolz so perfekt mit der aufkommenden Dunkelheit, dass der Baron sie erst bemerkte, als sie direkt vor ihm stand. Eine heftige Bö riss ihr die Kapuze vom Kopf, und eine wilde Mähne kastanienbraunen Haares ergoss sich über ihre Schultern. Sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und schaute zu dem Gefangenen auf.
Einen Augenblick lang glaubte er, seine Phantasie spiele ihm einen Streich. Unwillkürlich schüttelte Duncan den Kopf. Doch dann hörte er ihre Stimme und begriff, dass sie tatsächlich existierte. »Gleich seid Ihr frei. Gebt nur kein Geräusch von Euch, bis wir in Sicherheit sind!«
Duncan traute seinen Ohren nicht. Die Stimme seiner Retterin klang so rein wie der Ton einer Harfe und so verlockend wie ein warmer Sommertag. Duncan schloss die Augen und unterdrückte das aufkommende Gelächter. Diese unerwartete Schicksalswendung konnte nur eine gemeine List sein, um ihn endgültig mürbe zu machen. Er überlegte einen Augenblick, ob er seinen Schlachtruf ausstoßen sollte, um der Täuschung ein Ende zu bereiten, doch dann besann er sich anders. Seine Neugier war zu groß. Er wollte noch ein Weilchen warten. Früher oder später würde seine vermeintliche Retterin schon ihre wahren Absichten enthüllen.
Ihre Miene blieb undurchdringlich. Er sah zu, wie sie einen kleinen Dolch aus dem Umhang zog. Sie stand nah genug, dass er sie mit seinen Beinen erreichen konnte, und wenn sie ihm das Messer ins Herz stoßen wollte, dann würde er gezwungen sein, sie zu zerquetschen.
Lady Madelyne ahnte nicht einmal, in welcher Gefahr sie schwebte. Sie trat noch einen Schritt näher an ihn heran und begann, die dicken Stricke durchzuschneiden. Duncan bemerkte, dass ihre Hände bebten, aber er wusste nicht, ob die grimmige Kälte oder Furcht dafür verantwortlich war.
Der Duft von Rosen drang in seine Nase. Er atmete das Aroma fast sehnsüchtig ein und kam gleichzeitig zu dem Schluss, dass die eisige Kälte seinen Geist verwirrt haben musste. Eine Rose mitten im Winter und ein Engel in dieser Hölle, in die er sich begeben hatte ... Das alles konnte nicht wirklich sein! Und doch duftete sie nach Frühlingsblumen und sah aus wie eine Vision, die der Himmel ihm geschickt hatte.
Wieder schüttelte er den Kopf. Sein Verstand arbeitete durchaus verlässlich, denn er wusste genau, wer sie war. Die Beschreibung, die man ihm gegeben hatte, stimmte, wenn sie auch irreführend gewesen war. Er hatte gehört, dass Louddons Schwester mittelgroß wäre und rotbraunes Haar und blaue Augen hätte. Sie habe, so hatte man ihm mitgeteilt, ein überaus angenehmes Äußeres. Und das war schlichtweg falsch, wie er nun erkannte. Des Teufels Schwester war weder angenehm anzuschauen noch hübsch. Sie war ein Traum! Eine echte Schönheit!
Der Strick löste sich endlich, und seine Hände waren frei. Er blieb jedoch stehen, ohne sich eine Gefühlsregung anmerken zu lassen. Das Mädchen kam wieder herum und schenkte ihm ein kleines Lächeln, bevor sie sich bückte und seine Habe zusammensammelte.
Die Furcht machte die simple Aufgabe zu einer Tortur. Ihre Hände zitterten, die Sachen glitten ihr aus den Fingern, und sie taumelte, als sie sich wieder aufrichtete. Schließlich wandte sie sich wieder ihm zu. »Bitte folgt mir«, sagte sie.
Er bewegte sich nicht, sondern blieb abwartend stehen.
Madelyne runzelte die Stirn. Wahrscheinlich hatte die Kälte seine Denkfähigkeit eingefroren. Sie drückte seine Kleider mit einem Unterarm an ihre Brust, ließ die schweren Stiefel von zwei Fingern herabbaumeln und schlang ihm den anderen Arm um die Taille. »Stützt Euch auf mich«, flüsterte sie eindringlich. »Ich will Euch nur helfen, bitte glaubt mir doch. Aber wir müssen uns beeilen!« Ihr Blick wanderte ängstlich zu den Burgtoren.
Ihre Furcht und ihre Verzweiflung erweichten sein Herz. Er überlegte, ob er ihr sagen sollte, dass sie sich nicht zu verstecken brauchten, da seine Männer in diesem Augenblick bereits die Mauern hinaufkletterten, doch dann überlegte er es sich anders. Je weniger sie wusste, desto größer sein Vorteil, wenn der Kampf begann.
Sie reichte ihm kaum bis zur Schulter, doch sie gab sich tapfer Mühe, einen Teil seines Gewichts zu tragen. Sie nahm seinen Arm, legte ihn sich über die Schulter und übte leichten Druck auf seine Taille aus. »Kommt. Wir verstecken uns in der Unterkunft hinter der Kapelle, wo der Priester bei seinen Besuchen übernachtet«, flüsterte sie ihm zu. »Da werden sie ganz bestimmt nicht nachsehen.«
Der Krieger achtete kaum auf ihre Worte. Sein Blick war auf die Zinnen der Nordwand gerichtet. Das Licht des Halbmonds verlieh den Schneeflocken ein seltsames Leuchten und hob die Umrisse seiner Männer, die die Zinnen erklommen, deutlich hervor. Nicht das kleinste Geräusch war zu hören, als immer mehr Männer sich auf dem hölzernen Steg duckten, der die Innenseite der Festungsmauer säumte.
Der Krieger nickte zufrieden. Louddons Männer waren so dumm wie ihr Lehnsherr. Die bittere Kälte hatte die Wächter veranlasst, sich in ihre warmen Kammern zurückzuziehen, so dass die Mauer ungeschützt und angreifbar geworden war. Narren! Und weil sie es waren, würden sie alle sterben.
Er stützte sich schwerer auf die Frau, um ihr Tempo zu verlangsamen, während er seine Hände zu Fäusten ballte und wieder entspannte, um die Taubheit daraus zu vertreiben. Seine Füße spürte er fast gar nicht mehr, was ein schlechtes Zeichen war, doch er konnte im Augenblick ohnehin nichts dagegen tun.
Ein leiser Pfiff erklang, und Duncan hielt augenblicklich die Hand hoch, um seinen Männern zu signalisieren, dass sie noch abwarten sollten. Er blickte auf das Mädchen hinab, bereit, ihr mit der anderen Hand den Mund zuzuhalten, falls sie zu schreien beginnen wollte. Doch sie mühte sich so sehr mit seinem Gewicht ab, dass sie weder seine Geste bemerkt hatte noch sich bewusst war, dass es in der Burg ihres Bruders bereits von feindlichen Soldaten wimmelte.
Sie hatten nun die schmale Tür erreicht. Madelyne, die immer noch glaubte, dass sich der Gefangene in einem gefährlich geschwächten Zustand befand, versuchte, ihn mit einer Hand an die Wand zu drücken, damit er nicht umfiel, während sie mit der anderen am Riegel herumnestelte.
Der Baron beschloss, es ihr ein wenig zu erleichtern, und lehnte sich gegen die Wand, während er zusah, wie sie mit der eisigen Kette kämpfte, die die Tür verschloss. Seine Kleider hielt sie noch immer mit ihrem Unterarm an ihren Körper gepresst.
Endlich hatte sie es geschafft. Sie zog die Tür auf, nahm seine Hand und führte ihn in die Dunkelheit. Ein eisiger Lufthauch wehte ihnen entgegen, als sie sich vorsichtig durch den schmalen, modrig riechenden Gang zu der gegenüberliegenden Tür tasteten. Madelyne öffnete auch diese und forderte ihn mit einer Geste auf, einzutreten.
Die Kammer war fensterlos, doch einige Kerzen waren angezündet worden und warfen einen warmen Lichtschein gegen die Mauern. Die Luft roch abgestanden. Eine dicke Staubschicht bedeckte den Holzboden, und Spinnweben hingen von der niedrigen Decke herab. Verschiedene farbenprächtige Roben für die Wanderpriester hingen an den Haken, und in der Mitte der Kammer stand eine strohgedeckte Pritsche, neben die man zwei dicke Decken gelegt hatte.
Madelyne verriegelte die Tür und seufzte erleichtert. Für den Augenblick waren sie in Sicherheit. Sie bedeutete ihm, sich auf die Liege zu setzen. »Als ich sah, was sie Euch antaten, habe ich diese Kammer für Euch hergerichtet«, erklärte sie und reichte ihm seine Sachen. »Mein Name ist Madelyne, und ich bin ...« Sie hatte ihm erklären wollen, in welchem Verhältnis sie zu Louddon, ihrem Bruder, stand, besann sich dann aber anders. »Ich bleibe bis Tagesanbruch bei Euch. Dann zeige ich Euch einen Fluchtweg durch einen Geheimgang. Nicht einmal Louddon weiß davon.«
Der Baron setzte sich und kreuzte die Beine vor dem Körper. Während er ihr zuhörte, streifte er sein Hemd über. Ihre mutige Tat hatte die Durchführung seines Plans komplizierter gemacht. Wie würde sie wohl reagieren, wenn sie erführe, was er wirklich vorhatte? Nun, darum durfte er sich nicht kümmern. Nichts würde geändert werden – seine Männer würden tun, was ihnen aufgetragen worden war.
Sobald sein Kettenhemd seine massive Brust bedeckte, legte Madelyne ihm eine der Decken um die Schultern und kniete sich dann vor ihm nieder. Sie setzte sich auf ihre Fersen und bedeutete ihm, seine Beine auszustrecken. Als er gehorcht hatte, untersuchte sie seine Füße mit besorgt gerunzelter Stirn. Er griff nach seinen Stiefeln, aber Madelyne wehrte ab. »Wir müssen Eure Füße zuerst aufwärmen«, erklärte sie.
Sie holte tief Atem, während sie überlegte, wie sie den absterbenden Gliedern am schnellsten wieder Leben einhauchen konnte. Ihr Kopf war gesenkt, so dass der Krieger ihr Gesicht nicht sehen konnte.
Madelyne nahm die zweite Decke, begann damit die Füße einzuwickeln, schüttelte jedoch plötzlich den Kopf und zog sie wieder weg. Ohne ein Wort der Erklärung warf sie die Decke über seine Beine und streifte sich den Umhang von den Schultern. Stück für Stück zog sie ganz langsam ihr bodenlanges Kleid, die cremefarbene Chainse, über ihre Knie. Der geflochtene Lederriemen, den sie als Schmuckgürtel und für die Dolchscheide benutzte, verfing sich in ihrem dunkelgrünen Bliaut, dem kurzen Oberkleid, das die Chainse bedeckte. Sie hielt kurz inne, um den Gürtel abzunehmen und ihn zur Seite zu legen.
Duncan war zu verblüfft, um sie zu fragen, was sie da eigentlich tat. Neugierig wartete er ab, doch Madelyne sagte kein Wort, Sie holte erneut tief Atem und packte seine Knöchel. Und bevor sie es sich noch anders überlegen konnte, schob sie seine Füße unter ihr Kleid und drückte sie an ihren warmen Bauch.
Madelyne schnappte hörbar nach Luft, als die eiskalten Sohlen ihre warme Haut berührten. Dann zog sie energisch ihr Kleid darüber zurecht und schlang ihre Arme von außen darüber. Ihre Schultern begannen zu beben, während sie ihn an sich drückte. Duncan wusste, dass sie fror – ihm selbst kam es vor, als würde ihr Körper die ganze Kälte, die er empfand, in sich aufnehmen.
Er hatte noch nie eine derart selbstlose Tat miterleben dürfen.
Rasch kehrte das Leben in seine Füße zurück. Es fühlte sich an, als würde man ihm mit tausend feinen Nadeln in die Haut stechen, und es brannte und schmerzte so sehr, dass er Mühe hatte, es zu ignorieren. Er versuchte, seine Position zu verlagern, aber Madelyne ließ es nicht zu, sondern umklammerte seine Unterschenkel nur noch fester. Er hatte ihr gar nicht so viel Kraft zugetraut.
»Es ist ein gutes Zeichen, wenn es weh tut«, sagte sie, ihre Stimme war nicht mehr als ein heiseres Flüstern. »Das ist bald vorbei. Im Übrigen dürft Ihr Euch glücklich schätzen, dass Ihr überhaupt noch etwas spürt.«
Ihr tadelnder Tonfall überraschte ihn. Madelyne, die im gleichen Augenblick aufsah, entdeckte seine hochgezogenen Augenbrauen und beeilte sich, ihm eine Erklärung zu geben. »Ihr wäret nicht in diese Misere geraten, wenn Ihr nicht so leichtsinnig gehandelt hättet. Ich kann nur hoffen, dass Ihr heute Eure Lektion gelernt habt! Ich werde Euch wohl kaum ein zweites Mal retten können.«
Madelynes Stimme wurde weicher. Sie versuchte sogar, ihn anzulächeln, doch der Versuch scheiterte kläglich. »Ich weiß, dass Ihr glaubtet, Louddon würde sein Wort ehrenvoll halten. Aber das war wirklich Eure eigene Schuld. Louddon kennt die Bedeutung des Wortes Ehre nicht! Merkt Euch das fürs nächste Mal, vielleicht lebt Ihr dann noch eine ganze Weile.«
Sie senkte den Blick. Wieder dachte sie daran, welche Folgen ihre Tat haben würde. Louddon würde nicht lange brauchen, um sich auszurechnen, wer seinen Feind befreit hatte. Madelyne sprach ein stummes Dankesgebet, dass ihr Bruder die Festung verlassen hatte. Seine Abwesenheit verschaffte ihr genügend Zeit, ihren eigenen Fluchtplan in die Tat umzusetzen.
Aber zunächst musste sie sich um den Baron kümmern. Wenn dieser erst einmal außerhalb der Mauern in Sicherheit war, konnte sie sich immer noch genug Sorgen um die Durchführbarkeit ihrer Flucht machen. Entschlossen verdrängte sie die aufkommende Furcht. »Was geschehen ist, ist geschehen«, flüsterte sie und konnte selbst die Verzweiflung, die in ihrer Stimme mitschwang, heraushören.
Der Baron sagte nichts zu ihrer Bemerkung, und Madelyne bot ihm keine Erklärung an. Schweigen dehnte sich zwischen ihnen aus wie eine klaffende Schlucht. Madelyne wünschte sich, er hätte etwas gesagt – irgendetwas, das ihr Unbehagen ein wenig gemildert hätte. Es war ihr peinlich, dass sie seine Füße wie in einer Geste der Zärtlichkeit an sich geschmiegt hielt, und sie erkannte plötzlich, dass er die Unterseiten ihrer Brüste berühren würde, wenn er die Zehen bewegte. Der Gedanke jagte ihr heiße Röte in die Wangen. Verstohlen warf sie ihm noch einen raschen Blick zu, um zu sehen, wie er auf ihr merkwürdiges Verhalten reagierte.
Er saß da und starrte sie an. Als sie aufsah, fing er ihren Blick mühelos ein. Ihre Augen, so fand er, waren so blau wie der Himmel an einem klaren Frühlingstag. Zum Glück hatte sie keinerlei Ähnlichkeit mit ihrem Bruder, doch natürlich sagte ihre äußere Erscheinung nichts über ihre Aufrichtigkeit aus. Und doch ... ihr Blick war so bezaubernd, so unschuldig ...
Verärgert bemerkte er, wie sehr er sich von ihren Augen fesseln ließ, und rief sich energisch in Erinnerung, dass sie die Schwester seines ärgsten Feindes war – nicht mehr, nicht weniger. Schön oder nicht – sie war seine Beute, seine Geisel, der Köder, der den teuflischen Louddon in die Falle locken sollte.
Madelyne sah in seine Augen. Sie waren so kalt und grau, dass sie unwillkürlich an die Klinge eines Dolches denken musste. Sein Gesicht schien aus Stein gemeißelt, denn es war absolut reglos, verriet keinerlei Emotionen.
Sein Haar war dunkelbraun, zu lang und leicht gewellt, doch auch das machte seine Züge nicht weicher. Sein Mund wirkte hart, sein Kinn war eckig und fest, und sie bemerkte, dass er in den Augenwinkeln kaum Fältchen hatte. Nein, dachte sie mit einem Schaudern, er sah gewiss nicht wie ein Mann aus, der gerne lachte. Wahrscheinlich verlangte seine Position von ihm, sich streng und grausam zu geben. Er war in erster Linie Krieger, danach erst Baron, und sie konnte sich vorstellen, dass es in seinem Leben wenig gab, über das man sich freuen oder lachen konnte.
Plötzlich stellte sie fest, dass sie nicht die geringste Ahnung hatte, was in seinem Kopf vorgehen mochte. Es machte sie nervös, nicht zu wissen, was er dachte. Sie hüstelte, um ihre Verlegenheit zu überspielen, und überlegte, was sie sagen sollte. Wenn sie ihn dazu bringen konnte, mit ihr zu reden, dann würde er vielleicht nicht mehr ganz so einschüchternd wirken.
»Hattet Ihr geglaubt, Ihr könntet Louddon allein gegenübertreten?«, fragte sie. Eine lange Weile wartete sie auf eine Antwort, doch als er weiterhin schwieg, stieß sie einen resignierten Seufzer aus. Dieser Krieger war nicht nur dumm und leichtsinnig, sondern auch noch stur! Sie hatte ihm sein Leben gerettet, und er hatte sich noch nicht einmal bedankt. Sein Verhalten passte wahrhaftig zu seinem Ruf!
Er machte ihr Angst. Und als sie sich diese Tatsache einmal eingestanden hatte, spürte sie den Zorn in sich aufkeimen. Was war denn los mit ihr? Der Mann hatte noch kein einziges Wort gesagt, aber sie zitterte wie ein verschüchtertes kleines Kind!
Es musste an seiner Größe liegen! Aye, dachte sie und nickte zur Bekräftigung. In dieser kleinen Kammer mit der niedrigen Decke schien er überlebensgroß. Es war schließlich kein Wunder, dass man von solch einem Eindruck eingeschüchtert wurde.
»Kommt nicht auf den Gedanken, noch einmal zurückzukehren. Ihr würdet nur denselben Fehler noch einmal begehen. Und diesmal wird er Euch umbringen lassen, glaubt mir!«
Der Krieger gab keine Antwort. Aber er rührte sich endlich. Er zog die Füße langsam unter ihrem Kleid hervor, wobei er sie absichtlich über ihren Bauch und ihre Schenkel gleiten ließ.
Madelyne blieb vor ihm knien und hielt den Blick gesenkt, während er seine Strümpfe und Stiefel wieder anzog. Als er damit fertig war, hob er ihren geflochtenen Gürtel auf und hielt ihn ihr hin.
Madelyne beschloss, seine Geste als eine Art Friedensangebot zu deuten. Sicher würde er sich jetzt gleich bei ihr bedanken.
Instinktiv griff sie mit beiden Händen nach ihrem Gürtel, doch plötzlich bewegte sich der Krieger mit blitzartiger Geschwindigkeit. Er packte ihre linke Hand und schlang den Gürtel fest um ihre Handgelenke.
Madelyne starrte verdattert auf ihre gefesselten Hände. Dann blickte sie verwirrt zu ihm auf.
Der Ausdruck in seinem Gesicht jagte ihr einen kalten Schauder über den Rücken. Sie schüttelte unwillkürlich den Kopf. Das konnte doch nicht wirklich geschehen! Sie hatte ihn doch gerettet ...
Und endlich sprach der Krieger zum ersten Mal.
»Ich bin nicht wegen Louddon gekommen, Madelyne. Ich bin gekommen, um dich zu holen!«
»Die Rache ist mein, ich will vergelten ...«
Neues Testament, Römer, 12,19
»Seid Ihr verrückt geworden?«, flüsterte Madelyne, als sie ihre Stimme wiedergefunden hatte.
Der Baron gab keine Antwort, doch seine gerunzelte Stirn legte die Vermutung nahe, dass ihre Frage ihm nicht gefiel. Er zog Madelyne auf die Füße, und als ihre Knie nachzugeben drohten, packte er sie rasch an den Schultern, um sie festzuhalten. Sein Griff war merkwürdig sanft für einen so großen, kraftstrotzenden Mann, und diese Erkenntnis verwirrte Madelyne nur noch mehr.
Sein Verrat ging über ihr Verständnis hinaus. Er war der Gefangene, sie hatte ihn befreit – diese Tatsache durfte ihm doch nicht entgangen sein, oder etwa doch? Sie hatte schließlich alles für ihn riskiert. Lieber Himmel, sie hatte ihn angefasst, seine Füße gewärmt, sie hatte ihm alles gegeben, was sie zu geben gewagt hatte!
Und nun ragte er drohend über ihr auf, dieser Adelige, der zu einem Barbaren geworden war. Seine Miene war finster, und die Aura von Macht, die ihn umgab, war wie glühendes Eisen, dessen Hitze man sich nicht entziehen konnte. Sie gab sich verzweifelt Mühe, sich nicht unter seinem stählernen, eiskalten Blick zu winden, aber ihr Beben würde ihm sicherlich verraten, wie sehr sie sich fürchtete.
Er missverstand ihr Zittern jedoch und bückte sich, um ihren Mantel aufzuheben. Als er ihn ihr um die Schultern legte, streifte seine Hand ihre Brüste, und obwohl sie annahm, dass dies unbeabsichtigt geschehen war, trat sie instinktiv einen Schritt zurück und zerrte den Umhang mit den gefesselten Händen vor ihrer Brust zusammen.
Seine Miene wurde, sofern das möglich war, noch finsterer. Er packte sie an den Handgelenken, wandte sich um und zog sie durch den dunklen Gang wieder auf den Hof zu.
Madelyne musste laufen, um mit ihm Schritt halten zu können. »Wieso wollt Ihr Louddons Männern gegenübertreten, wenn es doch gar nicht notwendig ist?«
Natürlich gab er auch jetzt wieder keine Antwort, aber Madelyne dachte nicht daran, den Mund zu halten. Der Krieger lief direkt in seinen Tod! Sie fühlte sich verpflichtet, ihn daran zu hindern. »Bitte, Baron, tut das nicht! Hört mir doch zu! Die Kälte hat Euren Geist verwirrt! Sie werden Euch töten!«
Madelyne zerrte an ihren Händen, versuchte, sich seinem Griff zu entwinden, aber er verlangsamte nicht einmal sein Tempo.
Wie, in Gottes Namen, sollte sie ihn bloß retten?
Sie hatten die schwere Tür erreicht, die zum Hof führte. Der Baron trat sie so heftig auf, dass sie aus den Angeln brach. Die Tür krachte gegen die steinerne Mauer und zersplitterte. Ein eisiger Wind schlug Madelyne entgegen, als sie hinausgezerrt wurde, und gleichzeitig traf sie die Erkenntnis wie eine Ohrfeige: Sie hatte sich vollkommen geirrt! Der Mann, den sie vor weniger als einer Stunde befreit hatte, war weder von der Kälte benebelt noch verrückt geworden. Nein, ganz und gar nicht.
Der Beweis dafür befand sich vor ihren Augen. Über hundert Soldaten standen auf der Mauerbrüstung, die den Hof umgab, und immer mehr kletterten lautlos über die Zinnen. Es wimmelte nur so von Männern, von denen ein jeder die blauweißen Farben des Baron Wexton trug.
Madelyne war so überwältigt von diesem Anblick, dass sie nicht bemerkte, wie ihr Entführer stehen blieb, um darauf zu warten, dass die Männer sich vor ihm sammelten. Sie prallte gegen ihn, griff instinktiv nach seinem Kettenhemd, um das Gleichgewicht zu halten, und stellte mit einem Mal fest, dass er ihre Hände losgelassen hatte.
Duncan zeigte keinerlei Reaktion. Er schien vollkommen zu ignorieren, dass sie hinter seinem Rücken stand und sich an seine Kleider klammerte, als wäre er zu ihrem einzigen Halt in einer Welt geworden, in der sich von einem Moment zum anderen alles verändert hatte. Madelyne schoss plötzlich durch den Sinn, dass es so aussehen könnte, als würde sie sich verstecken oder – schlimmer noch! – sich fürchten! Sie ließ ihn los, trat tapfer neben ihn, damit jeder sie sehen konnte, und straffte die Schultern. Ihr Scheitel reichte ihm gerade bis zur Schulter, aber sie versuchte, eine genauso kämpferische Haltung wie der Krieger einzunehmen, während sie inständig hoffte, niemand würde ihr Entsetzen bemerken.
Himmel, und wie entsetzt sie war! Vor dem Tod hatte sie eigentlich keine besondere Angst – es war das Sterben, das zuvor kam! Aye, das Sterben war das eigentliche Problem, denn sie wusste nicht, wie sie reagieren würde, bis der Tod sie erlösen würde. Wie lange würde sie durchhalten? Würde sie ihre sorgsam ausgebildete Selbstkontrolle schnell verlieren und am Ende wie ein Feigling um Gnade betteln?
Der Gedanke brachte sie derart auf, dass sie die Männer am liebsten angeschrien hätte, sie sollten sie zuerst töten. Aber das Flehen um einen schnellen Tod war schließlich auch kein Zeichen für Tapferkeit. Täte sie es, würde das nur bestätigen, dass ihr Bruder mit seinen Beschimpfungen recht gehabt hatte!
Baron Wexton hatte nicht die geringste Ahnung, welche Gedanken durch den Kopf seiner hübschen Gefangenen rasten. Er blickte auf sie hinunter und nahm ihre gelassene Miene mit leichtem Erstaunen zur Kenntnis. Sie wirkte sehr ruhig, fast heiter, doch er war sich sicher, dass es damit bald zu Ende sein würde. Madelyne würde seine Rache miterleben, würde zusehen müssen, wie ihr Heim vollkommen zerstört wurde. Ganz gewiss würde sie in Tränen ausbrechen und ihn anflehen, doch Erbarmen zu haben.
Einer der Soldaten kam herbeigeeilt und blieb direkt vor seinem Anführer stehen. Madelyne sah sofort, dass er mit dem Baron verwandt sein musste: Er hatte dasselbe schwarzbraune Haar und die gleiche muskulöse Statur, obwohl er nicht annähernd so groß war. Der Mann sah an Madelyne vorbei und wandte sich direkt an den Baron. »Duncan, gibst du jetzt das Zeichen, oder sollen wir die ganze Nacht hier stehen?«
Duncan hieß er also. Es war seltsam, aber die Tatsache, dass sie nun seinen Vornamen kannte, half Madelyne ein wenig, ihr Entsetzen zu unterdrücken. Duncan ... Ja, der Name machte ihn etwas menschlicher, weniger furchteinflößend.
»Was ist nun, Bruder?«, fragte der Soldat ungeduldig.
Bruder, aha. Nun verstand Madelyne auch, warum der Mann sich sein respektloses Verhalten leisten konnte. Er wirkte jünger als der Baron und hatte, gemessen an den wenigen Narben, die sein Gesicht zierten, wohl auch nicht so viel Kampferfahrung wie der Ältere.
Nun wandte der Mann den Blick von dem Baron ab und sah Madelyne an. In seinen braunen Augen war Verachtung zu lesen, und einen Augenblick befürchtete sie, dass er sie schlagen würde. Stattdessen trat er aber nur mit angewiderter Miene einen Schritt zurück, als hätte sie eine ansteckende Krankheit.
»Louddon ist nicht hier, Gilard«, sagte Duncan nun.
Die Stimme des Barons hatte so sanft geklungen, dass Madelyne augenblicklich von neuer Hoffnung erfüllt war. »Dann werdet Ihr abziehen, Mylord?«, fragte sie.
Duncan gab ihr keine Antwort. Sie hätte stur ihre Frage wiederholt, wenn sein Bruder nicht im gleichen Moment eine Schimpftirade losgelassen hätte. Sein Blick war auf Madelyne fixiert, als er seinen Zorn ausspie, und obwohl sie die meisten seiner Worte nicht verstand, ließ sein verzerrter Gesichtsausdruck darauf schließen, dass es gotteslästerliche Beleidigungen waren, die er ihr an den Kopf warf.
Duncan wollte seinem Bruder gerade barsch befehlen, dass er aufhören sollte, sich wie ein dummer Junge zu benehmen, als er spürte, dass Madelyne nach seiner Hand griff. Die Berührung überraschte ihn so sehr, dass es ihm einen Moment die Sprache vorschlug.
Er spürte, wie sie zitterte, doch als er auf sie hinabsah, wirkte sie noch immer so ruhig wie zuvor. Duncan schüttelte den Kopf. Es war kaum anzunehmen, dass Gilard merkte, wie viel Angst er ihr machte. Allerdings war auch kaum anzunehmen, dass es ihn besonders kümmern würde, wenn er es wüsste.
Plötzlich war auch Duncan verärgert. Madelyne war seine Gefangene, nicht seine Feindin, und je eher Gilard begriff, wie er sie zu behandeln hatte, desto besser. »Genug!«, fuhr er seinen Bruder an. »Louddon ist nicht hier. Deine Flüche bringen ihn auch nicht schneller zurück.«
Plötzlich entriss Duncan Madelyne die Hand, schlang einen Arm um ihre Schulter und drückte sie mit einer so heftigen Bewegung an seine Seite, dass sie fast das Gleichgewicht verloren hätte. Gilard war dermaßen überrascht von dieser Beschützergeste, dass er verstummte und seinen Bruder mit offenem Mund anstarrte.
»Louddon wird die südliche Straße genommen haben, Gilard, denn sonst hättest du ihn ja sehen müssen«, setzte Duncan hinzu.
Madelyne konnte sich einfach nicht zurückhalten. »Und jetzt zieht Ihr ab?«, fragte sie wieder, während sie sich bemühte, nicht ganz so eifrig zu klingen. »Ihr könntet Louddon doch ein anderes Mal herausfordern«, schlug sie vor. Die Männer waren offenbar enttäuscht, vielleicht konnte sie ihnen neue Hoffnung eingeben.
Die Brüder wandten sich beide zu ihr um. Keiner von beiden sagte etwas, aber ihre Mienen verrieten, dass sie an ihrem Verstand zweifelten.
Madelynes Furcht begann wieder zu wachsen. Der Blick des Barons war so furchterregend, dass ihre Knie beinahe nachgaben. Rasch senkte sie die Augen, bis sie auf seine Brust starrte und spürte, wie heiße Schamesröte in ihre Wangen strömte. Sie hatte dem Baron gerade den Beweis geliefert, dass sie einen furchtbar schwachen Charakter besaß. »Ich meinte ja nur«, murmelte sie, »dass Ihr immer noch entkommen könnt, ohne dass man Euch fasst!«
Duncan ignorierte ihren Kommentar. Er packte wieder ihre gefesselten Hände und zerrte sie zu dem Pfahl hinüber, von dem sie ihn losgebunden hatte. Madelyne stolperte immer wieder, da ihre Knie butterweich vor Angst waren. Als Duncan sie schließlich losließ, lehnte sich Madelyne Halt suchend gegen das raue Holz. Was würde nun geschehen?
Der Baron sah sie eine Weile stumm und noch immer finster an. Madelyne kam zu dem Schluss, dass sie es als Befehl zu deuten hatte, dort zu bleiben und sich ja nicht zu rühren. Dann wandte er sich um, so dass seine breiten Schultern ihr die Sicht auf das Geschehen nahmen. Seine kriegerische Haltung forderte die volle Aufmerksamkeit seiner Soldaten, an die er sich nun mit kräftiger, klarer Stimme wandte: »Niemand fasst sie an, habt ihr verstanden? Sie gehört mir!«
Madelyne drehte den Kopf und sah zum Eingang der Burg hinüber. Die schlafenden Soldaten mussten Duncan gehört haben. Doch als nach ein paar Sekunden noch immer keine Männer aus der Tür strömten, kam Madelyne zu dem Schluss, dass der Eiswind die Worte fortgetragen haben musste.
Duncan setzte sich in Bewegung, um sich von ihr zu entfernen, doch Madelyne streckte rasch die Hand aus und hielt ihn am Kettenhemd fest. Die kreisförmigen Glieder schnitten in ihre Finger, und sie verzog das Gesicht, obwohl sie selbst nicht wusste, ob es an dem Schmerz lag oder aber an Duncans wütendem Blick, den er ihr nun zuwarf. Er stand so dicht vor ihr, dass seine mächtige Brust sie berührte. Madelyne musste den Kopf in den Nacken legen, um ihm ins Gesicht zu sehen.
»Ihr versteht einfach nicht, Baron!«, entfuhr es ihr. »Wenn Ihr doch Vernunft annehmen würdet, dann würdet Ihr auch erkennen, wie närrisch Euer Tun ist!«
»Wie närrisch mein Tun ist?«, wiederholte Duncan. Er war selbst erstaunt, dass er überhaupt auf sie einging. Sie war immerhin nur eine Frau, und dann auch noch die Schwester seines Feindes. Er hatte keine Ahnung, warum er wissen wollte, wovon sie redete, aber es interessierte ihn tatsächlich. Und dabei hatte sie ihn soeben beleidigt! Teufel, er hatte schon Männer aus geringerem Grund getötet. Doch ihr unschuldiger Blick und die Aufrichtigkeit ihrer Stimme verrieten ihm, dass sie sich ihres Vergehens nicht einmal bewusst war.
Madelyne hatte den Eindruck, dass Duncan sie am liebsten erwürgt hätte. Sie unterdrückte den Drang, ihre Augen vor seinem beängstigenden Blick zu schließen. »Wenn Ihr wegen mir gekommen seid, dann habt Ihr Eure Zeit verschwendet.«
»Du glaubst, dass du nicht genug wert bist, um meine Aufmerksamkeit zu verdienen?«, fragte er.
»Genau. In den Augen meines Bruders bin ich vollkommen wertlos. Das ist eine Tatsache, deren ich mir sehr wohl bewusst bin«, fügte sie nüchtern hinzu. Duncan begriff, dass sie jedes Wort davon glaubte. »Und Ihr werdet in dieser Nacht ganz sicher sterben. Ich weiß, dass Louddons Männer in der Überzahl sind. Es kommen bestimmt vier auf einen von Euch. Es gibt eine zweite Soldatenunterkunft in der unteren Einfriedung. Dort dürften über hundert weitere Soldaten schlafen. Wenn ein Kampf entbrennt, werden sie Euch hören und ihren Kameraden zur Hilfe eilen! Und ... was sagt Ihr nun?« Madelyne hielt den Atem an, während sie auf seine Reaktion wartete. Sie merkte, dass sie die Hände verzweifelt rang, aber sie konnte einfach nicht damit aufhören.
Duncan stand da und starrte sie einfach nur verdattert an. Madelyne betete innerlich, dass ihn diese Neuigkeit endlich dazu bewegen würde, seine Männer zusammenzurufen und ihnen den Abmarsch zu befehlen.
Ihre Gebete waren vergeblich. Als der Baron endlich reagierte, war es ganz und gar nicht so, wie Madelyne es erwartet – und erhofft – hatte: Er zuckte nur mit den Schultern.
Diese Geste weckte ihren Zorn. Na, fein. Wenn dieser Narr unbedingt sterben wollte ...
»Ich vermute, es ist unwichtig, was ich Euch erzähle ... Ihr seid entschlossen, Euren Plan durchzuführen, habe ich recht?«, fragte Madelyne resigniert.
»Ja«, erwiderte er. Ein warmes Leuchten erschien in seinen Augen, verschwand jedoch wieder, bevor Madelyne reagieren konnte. Lachte der Baron sie aus?
Sie hatte nicht den Mut, ihn zu fragen. Duncan starrte sie immer noch an. Dann schüttelte er plötzlich den Kopf, wandte sich ab und ging auf Louddons Burg zu. Offenbar war er zu dem Schluss gekommen, dass er genügend Zeit mit ihr verschwendet hatte.
Leider gab er ihr nicht den kleinsten Hinweis darauf, was er als Nächstes vorhatte. Lieber Himmel, wenn man nach seinem nun vollkommen gelösten Gang und der aufgeräumten Miene urteilte, hätte er durchaus jemandem einen Höflichkeitsbesuch abstatten können.
Madelyne wusste es natürlich besser. Sie war plötzlich so erfüllt mit Furcht, dass sie glaubte, sich übergeben zu müssen. Schon spürte sie, wie bittere Galle in ihrer Kehle brannte, und sie atmete tief ein und aus, um den Brechreiz niederzukämpfen. Währenddessen rang sie die Hände in dem verzweifelten Versuch, die Fesseln ein wenig zu lockern, doch es gelang ihr nicht. Als ihr einfiel, dass in den Gebäuden Diener schliefen, steigerte sich ihre Panik noch. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Duncans Männer eine Sekunde überlegen würden, ob sie bewaffnete oder unbewaffnete Männer töteten. Louddon zumindest hätte in dieser Hinsicht keinen Unterschied gemacht.
Madelyne wusste, dass sie bald sterben würde. Dies war eine Tatsache, denn sie war Louddons Schwester. Aber wenn es ihr gelang, vor ihrem Tod noch einige andere Leben zu retten, würde das nicht eine gute Tat sein, die ihrem Dasein letztendlich noch einen Sinn verlieh? Lieber Gott, wenn sie nur ein einziges Leben retten könnte, hätte ihre Existenz dann nicht wenigstens für diesen einzigen Menschen eine Bedeutung gehabt?
Madelyne kämpfte weiter gegen ihre Fesseln an, ohne jedoch den Baron aus den Augen zu lassen. Dann, als er die Treppe erreicht hatte und sich zu seinen Männern umdrehte, wusste sie, was er vorhatte. Aye, seine Miene war hass- und zornerfüllt.
Langsam reckte Duncan sein Schwert in die Luft. Und dann erklang seine Stimme so laut und so deutlich, dass sie die steinernen Mauern um sie herum durchdringen musste. Seine Worte waren eindeutig.
»Keine Gnade!«
Die Geräusche der Schlacht und die Schreie waren entsetzlich. Madelyne konnte nicht verhindern, dass ihr Geist sich genau ausmalte, was sie nicht sehen konnte. Sie hatte noch nie einen Kampf miterlebt, hatte nur die übertriebenen Geschichten siegreicher Krieger gehört, die mit ihren Heldentaten prahlten. Doch jene Geschichten handelten niemals von den Schrecken des Tötens, und als die Soldaten durch die Türen in den Hof hinausquollen, verwandelte sich Madelynes mentales Fegefeuer in eine reale Hölle aus gequälten Schreien, vergossenem Blut und verstümmelten Menschen.
Obwohl Louddons Männer tatsächlich in der Überzahl waren, erkannte Madelyne rasch, dass sie viel schlechter ausgebildet waren als Duncans Soldaten. Sie musste mit ansehen, wie einer der Krieger ihres Bruders sein Schwert gegen den Baron erhob und augenblicklich starb, während ein anderer seine Lanze vorwärts stieß und gleich darauf in betäubtem Staunen zusah, wie sein Arm, der die Lanze gehalten hatte, vor ihm zu Boden fiel. Es dauerte eine Weile, bis der Mann einen ohrenbetäubenden Schrei ausstieß und heulend vornüber auf die von seinem Blut getränkte Erde stürzte.
Madelynes Magen krampfte sich zusammen. Sie schloss die Augen, um die Scheußlichkeiten nicht mit ansehen zu müssen, doch die Bilder schienen sich in ihren Geist eingebrannt zu haben.
Ein Junge, der wahrscheinlich Duncans Knappe war, kam zu Madelyne gehastet. Er hatte helles, fast gelbes Haar, war mittelgroß und so muskelbepackt, dass er fast dick wirkte. Er zog einen Dolch und stellte sich vor sie.
Der Bursche würdigte sie keines Blickes, sondern sah unbeirrt zu Duncan hinüber, aber Madelyne nahm an, dass er sie beschützen sollte. Kurz zuvor hatte sie gesehen, wie Duncan dem Jungen mit einer Geste einen Befehl gegeben hatte.
Madelyne versuchte verzweifelt, sich auf das Gesicht des Knappen zu konzentrieren, um die entsetzlichen Bilder des Kampfes zu verdrängen. Der Junge kaute nervös auf seiner Unterlippe, aber sie hätte nicht sagen können, ob es aus Furcht oder Erregung geschah. Und dann stob er plötzlich los und ließ sie schutzlos zurück.
Madelyne blickte rasch zu Duncan und sah, dass er seinen Schild hatte fallen lassen. Der Knappe war bereits dort und hob ihn auf, doch in seiner Eile hatte er seinen Dolch verloren.
Madelyne stürzte ohne nachzudenken los, nahm den Dolch vom Boden auf und lief zurück zu ihrem Pfahl, für den Fall, dass Duncan nach ihr sehen sollte. Dann ging sie in die Knie, so dass ihr Umhang ihre Hände verbarg, und begann, die Stricke durchzuschneiden. Der beißende Geruch von Rauch wehte zu ihr herüber. Sie blickte gerade noch rechtzeitig auf, um zu sehen, wie ein Feuerschwall aus der offenen Tür herausquoll. Diener stürzten aus dem Gebäude und versuchten, die Burgtore zu erreichen. Das Feuer jagte donnernd hinter ihnen her und erfüllte die Luft mit Hitze und einem furchtbaren Gestank nach verbranntem Haar und angesengter Haut.
Der alte Simon, der schon ewig in Louddons Diensten stand, bahnte sich seinen Weg zu Madelyne. Tränen strömten über sein wettergegerbtes, faltiges Gesicht, seine massiven Schultern waren zusammengesackt. »Ich dachte schon, sie hätten Euch umgebracht, Mylady«, flüsterte er, als er ihr auf die Füße half.
Der Diener nahm ihr das Messer ab und schnitt rasch die Stricke durch. Madelyne legte ihm die Hände auf die Schultern. »Rette dich, Simon. Lauf davon. Mit dieser Schlacht hast du nichts zu tun! Beeil dich und flieh! Du musst an deine Familie denken.«
»Aber Ihr ...«
»Lauf, bevor es zu spät ist«, flehte Madelyne ihn an. Ihre Stimme war heiser vor Angst. Simon war ein braver, gottesfürchtiger Mann, der immer freundlich zu ihr gewesen war. Stellung und Erbe verlangten von ihm, dass er für Louddon kämpfte; genau wie all die anderen Dienstboten war er per Gesetz an die Ländereien gefesselt. Dies war schon schlimm genug – Gott konnte nicht so grausam sein und auch noch sein Leben einfordern.
»Kommt mit mir, Lady Madelyne«, bettelte Simon. »Ich werde Euch verstecken.«
Madelyne schüttelte den Kopf. »Ohne mich ist deine Chance, heil davonzukommen, weit größer, Simon. Der Baron würde mich verfolgen lassen.« Sie sah, dass er zum Protest ansetzte, und fügte hastig hinzu: »Nein, keine Widerworte mehr.« Immer noch zögerte der alte Mann, so dass Madelyne nur noch einen Ausweg sah. Sie stieß ihn gegen die Schultern und schrie: »Geh jetzt!«
»Möge der Herr Euch beschützen«, murmelte Simon. Er gab ihr den Dolch zurück, machte kehrt und stürmte auf die Tore zu. Er war erst ein paar Schritte weit gekommen, als er von Duncans Bruder umgestoßen wurde. Gilard war so begierig darauf gewesen, einen Soldaten Louddons anzugreifen, dass er versehentlich in den Diener hineingerannt war. Simon rappelte sich gerade wieder auf, als Gilard sich plötzlich wieder zu ihm umwandte, als hätte er erst jetzt erkannt, dass hier ebenfalls ein Feind war.
Gilards Absicht war klar erkennbar. Madelyne schrie Simon eine Warnung zu, rannte jedoch gleichzeitig los. Atemlos stellte sie sich vor Simon, um ihn mit ihrem Körper zu schützen.
»Zur Seite«, brüllte Gilard und riss sein Schwert hoch.
»Nein!«, schrie Madelyne ihn an. »Dann müsst Ihr erst mich töten!«
Mit wutverzerrtem Gesicht hob Gilard sein Schwert augenblicklich noch etwas höher. Madelyne zuckte unwillkürlich zusammen. Der Mann würde sie beide töten, ohne auch nur einen Anflug von Reue zu empfinden.
Duncan drehte sich gerade noch rechtzeitig um, um zu sehen, was sich zwischen seinem Bruder und Madelyne abspielte. Sofort setzte er sich in Bewegung. Gilards Jähzorn war allgemein bekannt, aber Duncan wusste, dass er Madelyne nichts antun würde. Bruder oder nicht, Duncan war der Baron Wexton und Gilard sein Vasall, Gilard würde eher sterben, als einen Befehl seines Herrn zu missachten. Und Duncan hatte sich sehr klar ausgedrückt: Niemand durfte sie anrühren. Sie gehörte ihm!
Die anderen Dienstboten – fast dreißig an der Zahl – hatten die Szene ebenfalls verfolgt. Diejenigen, die keine Chance mehr sahen, durch die Tore in die Freiheit zu entkommen, eilten herbei, um sich hinter Simon zu stellen.
Madelyne begegnete Gilards hasserfülltem Blick mit einer Gelassenheit, die weit von dem entfernt war, was sie wirklich empfand. Sie hatte Angst ... furchtbare Angst.
Duncan hatte seinen Bruder erreicht und blieb neben ihm stehen. In diesem Augenblick hob seine Gefangene langsam die Hand zu ihrem Haar und schob die dichte Mähne rotbrauner Locken zur Seite, bis ihr Hals frei lag. Dann schlug sie Gilard mit ruhiger Stimme vor, er möge dort zustoßen, und dies, wenn möglich, rasch.
Gilard starrte ungläubig auf die Frau vor ihm. Langsam senkte er sein Schwert, bis die blutgetränkte Spitze zu Boden zeigte.
Madelynes Miene hatte sich nicht geändert. Langsam wandte sie sich Duncan zu.
»Erstreckt sich Euer Hass auch auf Louddons Dienstboten? Tötet Ihr auch unschuldige Männer und Frauen, nur weil sie durch das Gesetz dazu verpflichtet sind, meinem Bruder zu dienen?«
Bevor Duncan sich eine Antwort überlegen konnte, drehte Madelyne ihm den Rücken zu. Sie ergriff Simons Hand und half ihm auf die Füße. »Ich habe gehört, dass Baron Wexton ein Mann der Ehre ist, Simon. Bleib an meiner Seite. Ich lasse nicht zu, dass er dir etwas antut.«
Sie drehte sich wieder zu Duncan um und fügte hinzu: »Nun wird sich herausstellen, ob das Wort Ehre wirklich eine Bedeutung für ihn hat oder ob er genauso schlimm wie Louddon ist!«
Plötzlich wurde Madelyne sich gewahr, dass sie den Dolch noch immer in ihrer Hand hielt. Rasch verbarg sie ihn hinter ihrem Rücken, bis sie einen Riss in dem Stoff ertastete. In der Hoffnung, dass der Saum fest genug genäht war, ließ sie den Dolch darin verschwinden. Um von ihren Händen abzulenken, rief sie: »Jeder einzelne dieser braven Leute hier hat versucht, mich vor meinem Bruder zu beschützen, und ich will eher sterben, als dass ich zulasse, dass Ihr einem von ihnen ein Haar krümmt. Ihr habt die Wahl!«
Duncans Stimme troff vor Verachtung, als er auf ihre Herausforderung reagierte. »Ich bin nicht wie Louddon. Ich kämpfe nicht gegen Schwächere. Geh, alter Mann. Und nimm die anderen mit!«
Die Dienstboten zögerten keine Sekunde. Madelyne sah, wie sie augenblicklich auf die Tore zurannten. Als alle in Sicherheit waren, wandte Madelyne sich wieder zu dem Baron um. Das Mitgefühl, das er bewiesen hatte, überraschte sie. »Ich habe noch eine Bitte, Baron«, begann sie. »Bitte tötet mich jetzt. Ich weiß, dass es feige ist, Euch darum zu bitten, aber das Warten ist unerträglich. Tut, was Ihr müsst!«
Duncan war derart erstaunt, dass ihm im ersten Augenblick die Worte fehlten. Sie glaubte, dass er sie umbringen wollte! Lady Madelyne war in der Tat die verwirrendste Frau, der er je begegnet war. Er schüttelte ungläubig den Kopf. »Ich will dich nicht töten, Madelyne«, sagte er, bevor er sich von ihr abwandte.
Eine Woge der Erleichterung überspülte Madelyne. Sie glaubte ihm! Er hatte so verdattert ausgesehen, als sie ihn um einen raschen Tod gebeten hatte, dass er nur die Wahrheit gesagt haben konnte. Aye, sie durfte am Leben bleiben.
Gleichzeitig hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, einen Sieg errungen zu haben. Sie hatte nicht nur Duncan vor dem sicheren Tod durch Erfrieren gerettet, sie würde ihre Tat auch noch überleben!
Der Kampf war beendet. Die Pferde waren aus den Ställen befreit worden und wurden nun durch die Tore hinausgetrieben. Kurz darauf ging das trockene Holz der Stallungen ebenfalls in Flammen auf.
Madelyne konnte nicht einmal einen Ansatz der Empörung über die Vernichtung von Louddons Burg verspüren. Dies war nie ihr Zuhause gewesen. Sie hatte keine schönen Erinnerungen daran.
Nein, es tat ihr nicht leid. Duncans Rache war die gerechte Vergeltung für Louddons Sünden. In dieser finsteren Nacht bekam Louddon, was er verdiente, obwohl es in Madelynes Augen ein Barbar im Rittergewand war, der diese Gerechtigkeit übte. Ein Barbar, der es wagte, die starken Bande zwischen Louddon und dem König von England zu ignorieren ...
Aber was mochte Louddon getan haben, dass Baron Wexton sich so furchtbar rächte? Und welchen Preis würde Duncan für seine Tat bezahlen müssen? Würde William II. den Baron töten lassen, wenn er von dem Kampf erführe? Der König würde sicher Louddons Bitte entsprechen, sollte er Duncans Kopf fordern. Es hieß, dass Louddons Einfluss auf den König höchst ungewöhnlich war; Madelyne hatte mehrmals gehört, dass sie beide eine besondere Freundschaft verband. Und erst letzte Woche hatte sie verstanden, was es mit den geflüsterten Anzüglichkeiten wirklich auf sich hatte. Marta, die Frau des Stallmeisters, die selten ein Blatt vor den Mund nahm, hatte sich nach ein paar Ale-Krügen zu viel genüsslich darüber ausgelassen, wie verdorben die Beziehung zwischen Louddon und dem König tatsächlich war.
Madelyne hatte ihr nicht geglaubt. Sie war rot geworden und hatte die Gerüchte widerlegt, indem sie Marta erzählte, dass Louddon nur deswegen nie geheiratet hatte, weil die Frau seines Herzens gestorben war, bevor er ihr den Hof machen konnte. Marta hatte nur über Madelynes Naivität gelacht. Schließlich war es ihr sogar gelungen, ihrer Herrin das Zugeständnis abzuringen, dass es immerhin im Bereich des Möglichen liege.
Bis zu jenem Abend hatte Madelyne niemals gedacht, dass ein Mann mit einem anderen Mann ... Nun ja. Und der Gedanke, dass einer von solchen Männern ihr Bruder und der andere der König sein sollte, machte in ihren Augen ein solches Verhältnis nur noch abstoßender. Ihr Abscheu hatte, wie immer, eine körperliche Reaktion hervorgerufen. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie Marta gelacht hatte, als Madelyne sich übergeben musste.
»Zündet die Kapelle an«, erklang Duncans Befehl über den Hof. Die Worte holten Madelyne in die Wirklichkeit zurück. Sofort raffte sie ihre Röcke und lief auf die Kirche zu. Sie musste ihre magere Habe herausholen, bevor es zu spät war und die Kapelle brannte. Niemand schien auf sie zu achten.
Duncan holte sie ein, als sie gerade den Seiteneingang erreicht hatte. Er stemmte seine Hände links und rechts von ihr gegen die Mauer, so dass sie gefangen war. Madelyne keuchte erschreckt auf und versuchte, sich aus seinen Armen zu winden.
»Es gibt keinen Ort, an dem du dich vor mir verstecken kannst, Madelyne.« Seine Stimme war sanft, klang fast ein bisschen gelangweilt.
»Ich will mich vor niemandem verstecken«, antwortete sie, wobei sie versuchte, ihre Verärgerung nicht durchklingen zu lassen.
»Dann möchtest du vielleicht in der Kapelle verbrennen?«, fragte Duncan. »Oder wolltest du durch den Geheimgang, von dem du mir erzählt hast?«
»Weder noch«, gab Madelyne zurück. »Alles, was ich besitze, ist in der Kirche versteckt. Ich wollte es nur holen. Ihr habt gesagt, dass Ihr mich nicht töten werdet, und da ich von hier fortmuss, brauche ich meine Sachen.«
Als Duncan nicht reagierte, versuchte es Madelyne noch einmal. Es war allerdings schwierig, einen klaren Gedanken zu fassen, denn seine Nähe und sein intensiver Blick störten ihre Konzentration enorm. »Ich bitte Euch auch gar nicht um ein Reittier. Ich möchte wirklich nur meine Kleider holen, die hinter dem Altar liegen.«
»Du bittest mich also nur darum?«, flüsterte er mit einem kleinen Lächeln, das Madelyne beunruhigte. Sie hatte keine Ahnung, wie sie darauf reagieren sollte. »Erwartest du ernsthaft, dass ich glaube, du lebtest in der Kirche?«
Madelyne hätte ihm am liebsten gesagt, dass es sie nicht interessierte, was er glaubte oder nicht, doch sie hatte nicht den Mut dazu. Herrgott, ja, sie war entsetzlich feige, aber die vielen schmerzlichen Lektionen, durch die sie gelernt hatte, ihre wahren Gefühle zu maskieren, kamen ihr nun zugute. Sie zwang den aufkommenden Ärger nieder und sah ihn mit gelöster Miene an. Ja, sie schaffte es sogar, gelangweilt mit den Schultern zu zucken.
Duncan sah das kurze Aufblitzen von Zorn in ihren Augen, das ihre Gelassenheit Lügen strafte, doch es war so schnell wieder verschwunden, dass er einen Moment überlegte, ob er sich getäuscht hatte. Wenn man in Betracht zog, dass sie nur eine Frau war, besaß sie ein erstaunliches Ausmaß an Selbstbeherrschung.
»Antworte mir, Madelyne. Soll ich dir wirklich glauben, dass du in der Kirche wohnst?«
»Das habe ich nicht gesagt«, antwortete Madelyne. »Ich habe nur meine Sachen dort versteckt, um in aller Frühe zu fliehen.«
Duncan runzelte die Stirn. Hielt sie ihn für dumm genug, ihr diese Geschichte abzunehmen? Keine Frau würde die Bequemlichkeit eines Hauses aufgeben, um während der kalten Monate eine längere Reise zu unternehmen. Und wo, bitte, hätte sie hingehen wollen? Was würde sie ihm noch alles auftischen?
Nur um sie auf die Probe zu stellen und ihre Lügen zu entlarven, sagte er: »Dann geh und hol deine Sachen.«
Madelyne konnte ihr Glück kaum fassen. Wieder ein kleiner Sieg. Wenn er ihr die Erlaubnis gab, ihre Kleider zu holen, dann war das doch ebenfalls eine Erlaubnis, aus der Festung zu fliehen, oder etwa nicht? Bevor sie sich selbst daran hindern konnte, entfuhr es ihr: »Dann darf ich die Burg verlassen?« Oh Herr, wie sehr ihre Stimme bebte!
»Aye, Madelyne, du wirst diese Burg verlassen«, sagte Duncan.
Er schenkte ihr sogar ein Lächeln. Wieder war Madelyne beunruhigt über diesen Stimmungswechsel. Sie starrte ihn eine Weile an, weil sie hoffte, wenigstens einen Hinweis darauf zu erhalten, was er wirklich dachte. Schnell musste sie einsehen, dass dies eine vergebliche Hoffnung war. Duncan maskierte seine Gefühle viel zu gut. Sie konnte einfach nicht feststellen, ob er die Wahrheit sagte oder nicht.
Madelyne duckte sich unter seinem Arm durch und lief durch den Gang in den hinteren Teil der Kirche. Duncan folgte ihr.
Der Rupfenbeutel lag genau dort, wo sie ihn am Tag zuvor versteckt hatte. Madelyne nahm das Bündel auf und wandte sich zu Duncan um. Sie wollte ihm gerade danken, als sie seinen überraschten Blick entdeckte.
»Ihr habt mir nicht geglaubt?«, fragte Madelyne. Ihre Stimme klang so ungläubig, wie er wirkte.
Duncan runzelte die Stirn, machte schweigend kehrt und verließ die Kirche. Madelyne folgte ihm. Himmel, die Angewohnheit dieses Mannes, sich ohne ein Wort umzudrehen und zu gehen, wenn es ihm gefiel, war wirklich irritierend. Ihre Hände zitterten nun so heftig, dass sie Mühe hatte, ihren Beutel festzuhalten. Es müssen die Nachwirkungen der scheußlichen Kampfszenen sein, sagte sie sich. Sie hatte so viel Blut, so viele Tote gesehen! Ihr Magen rebellierte, und sie konnte nur hoffen, dass es ihr gelang, ihre Fassung zu bewahren, bis Duncan und seine Männer von der Festung abzogen.
In dem Moment, als sie aus dem Gebäude heraustraten, wurden brennende Fackeln hineingeworfen. Die Flammen verschlangen die Kirche wie hungrige Raubtiere, und Madelyne starrte halb entsetzt, halb fasziniert, auf die Vernichtung, bis sie bemerkte, dass sie sich an Duncans Hand klammerte. Abrupt zog sie ihre Hand zurück.
Sie sah, dass die Soldaten ihre Pferde in den Hof geführt hatten. Die meisten saßen schon im Sattel und schienen nur noch auf einen Befehl zu warten. In der Mitte des Hofes stand ein herrliches Tier, ein riesiger weißer Hengst, der die anderen um ein gutes Stück überragte. Der blonde Knappe stand vor dem Pferd und versuchte ohne Erfolg, das nervöse Tier ruhig zu halten. Madelyne hatte keinen Zweifel, dass es das Pferd Duncans war. Es passte bestens zu seinem Rang und seiner massigen Gestalt.
Duncan machte eine Geste zu dem Pferd hin. Madelyne bedachte ihn mit einem finsteren Blick, begann aber instinktiv, auf das Pferd zuzugehen. Je näher sie kam, desto furchtsamer wurde sie, und in ihrem Hinterkopf begann sich ein schwarzer Gedanke zu formen.
Lieber Gott, sie würden sie nicht zurücklassen!
Madelyne holte tief Atem und versuchte, sich selbst zu beruhigen. Sie konnte einfach im Augenblick nicht klar denken! Es war doch lächerlich, dass der Baron sie mitnehmen wollte. Schließlich war sie für ihn absolut wertlos!
»Ihr habt doch nicht etwa vor, mich mitzunehmen?«, entfuhr es ihr, bevor sie sich daran hindern konnte. Ihre Stimme klang angespannt; sie wusste, dass es ihr nicht gelungen war, ihre Furcht zu verbergen.
Duncan nahm ihr den Beutel ab und warf ihn seinem Knappen zu. Das war Antwort genug. Madelyne beobachtete wie betäubt, wie er aufsaß und ihr die Hand entgegenstreckte.
Sie begann zurückzuweichen. Oh, nein, sie würde nicht aufsteigen! Sie wusste ganz genau, dass sie ohnmächtig oder – schlimmer noch – hysterisch werden würde, wenn sie auch nur versuchte, auf dieses teuflische Tier zu steigen. Sie wollte lieber tot sein, als sich vor all den Soldaten zu demütigen.
