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Aus den Aufzeichnungen der Notärztin:
Es ist ein Szenario wie aus einem Albtraum: Während des vorweihnachtlichen Krimi-Dinners im Schlossrestaurant, auf das meine Kollegen und ich uns so gefreut haben, ist der junge Dr. Lars Rütter zusammengebrochen! Sofort bin ich bei ihm, um eine Erstuntersuchung durchzuführen - mit fatalem Ergebnis: Bradykardie, Bewusstseinseintrübung, Hypotonie, Kaltschweißigkeit, akuter Kreislaufabfall, dazu wiederkehrende Krampfanfälle! Wenn es den angeforderten Rettungskräften nicht gelingt, bald mit lebensrettenden Medikamenten durch den Schneesturm zu uns durchzukommen, wird Lars vor unser aller Augen sterben! Als meine Kollegin Sophie mir ihren Verdacht zuraunt, wird mir einen Augenblick flau vor Entsetzen. Und dann ist unser Entschluss auch schon gefasst: Wir beide werden mit Lars im Privatfahrzeug dem Rettungswagen durch Eis und Schnee entgegenfahren - ungeachtet aller Warnungen und Gefahren. Denn jede Minute zählt. Sonst ist Lars verloren ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Stille Nacht, tödliche Nacht
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Es ist ein Szenario wie aus einem Albtraum: Während des vorweihnachtlichen Krimi-Dinners im Schlossrestaurant, auf das meine Kollegen und ich uns so gefreut haben, ist der junge Dr. Lars Rütter zusammengebrochen! Sofort bin ich bei ihm, um eine Erstuntersuchung durchzuführen – mit fatalem Ergebnis: Bradykardie, Bewusstseinseintrübung, Hypotonie, Kaltschweißigkeit, akuter Kreislaufabfall, dazu wiederkehrende Krampfanfälle! Wenn es den angeforderten Rettungskräften nicht gelingt, bald mit lebensrettenden Medikamenten durch den Schneesturm zu uns durchzukommen, wird Lars vor unser aller Augen sterben! Als meine Kollegin Sophie mir ihren Verdacht zuraunt, wird mir einen Augenblick flau vor Entsetzen. Und dann ist unser Entschluss auch schon gefasst: Wir beide werden mit Lars im Privatfahrzeug dem Rettungswagen durch Eis und Schnee entgegenfahren – ungeachtet aller Warnungen und Gefahren. Denn jede Minute zählt. Sonst ist Lars verloren ...
Die Türen des Notarztwagens schwangen auf, und Dr. Andrea Bergen atmete die kalte, feuchte Nachtluft tief ein. Gemeinsam mit ihrem Team – dem Rettungsassistenten Ewald Miehlke und dem Rettungssanitäter Jupp Diederichs – hatte sie soeben den verletzten Studenten im Schockraum den Kollegen übergeben.
Die Übergabe war routiniert verlaufen: eine Platzwunde am Kopf, ein verstauchter Arm, Prellungen am Oberkörper. Nichts Lebensbedrohliches, keine komplizierten Brüche. Der Patient hatte Glück im Unglück gehabt.
»Das war einer dieser Einsätze, die einem zeigen, wie schnell etwas passieren kann«, murmelte Ewald, während er den Defibrillator im Wagen verstaute. »Ein falscher Schritt, und schon liegst du da.«
»Und ein Einsatz, der gut ausgegangen ist«, ergänzte Andrea, während sie ihre Jacke enger um sich zog. Ihre graugrünen Augen blitzten zufrieden. »Ich wette, der junge Mann wird in ein paar Tagen mit einem Armverband herumlaufen und seinen Kommilitonen die Geschichte zum hundertsten Mal erzählen.«
Der Einsatz hatte sie zu einem Studenten geführt, der bei dem Versuch, aus einer Straßenbahn zu springen, gestürzt war. Ein unbedachter Schritt auf glattem Pflaster, ein falscher Winkel – und schon war er gestolpert und hart aufgeschlagen. Zum Glück recht leichte Sturzverletzungen waren die Folge. Andrea und ihr Team hatten ihn stabilisiert, die Wunde versorgt und ihn ins Krankenhaus gebracht.
Jupp kam aus dem Fahrerhaus, strich sich die Mütze aus der Stirn und schmunzelte. »Wenn er klug ist, erzählt er es so, dass er dabei möglichst heldenhaft wirkt. Aber ich sage euch: Für mich war die Rückfahrt das Schlimmste. Diese spiegelglatten Straßen machen einen fertig. Kein Schnee, nicht mal richtig Eis, aber dieser schmierige Belag ... das ist, wie auf Schmierseife zu fahren.«
Andrea legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Sie haben uns sicher ins Krankenhaus gebracht, Jupp, darauf kommt es an. Und Sie wissen doch: Ohne Sie wären wir aufgeschmissen.«
Sie alle waren erleichtert, dass der Einsatz so glimpflich abgelaufen war. Zu Beginn eines Arbeitstages wussten sie schließlich nie, was auf sie wartete: schwerste Unfälle, schlimme Verletzungen, Zusammenbrüche ...
Oft genug hatte Andrea damit umgehen müssen, dass sie für den Patienten nichts mehr hatte tun können. Manchmal hatten sie beim Eintreffen sogar nur noch den Tod feststellen können. Da war es ihr hundertmal lieber, einen jungen Mann zu verarzten, der sich durch Unachtsamkeit ein paar kleinere Blessuren zugezogen hatte.
Jupp grinste und schloss die Wagentür mit einem satten Schlag. »Ich weiß, ich bin der Beste.«
Ewald schnaubte und versetzte ihm einen scherzhaften, leichten Fausthieb gegen die dicke Jacke. »Davon träumst du wohl.«
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zurück durch die Seitentür des Elisabeth-Krankenhauses, wo warme Luft sie umfing. Die hell erleuchteten Flure wirkten im Kontrast zur winterlichen Dunkelheit draußen beinahe freundlich und behaglich.
Andrea spürte, wie die Erschöpfung sich in ihren Gliedern breitmachte. Es war nicht die Art Müdigkeit, die nach Schlaf verlangte, sondern jene, die sich nach einem guten Essen und einem Moment der Ruhe sehnte.
»Also«, begann Ewald, als sie den Gang zum Dienstzimmer erreichten, »wie wär's mit einer Runde Skat im Aufenthaltsraum? Ein bisschen Ablenkung, bevor wir wieder losmüssen?«
»Ich wäre sofort dabei«, warf Jupp ein. »Ein heißer Tee dazu, und die Zeit vergeht wie im Flug.«
Andrea schüttelte schmunzelnd den Kopf. »Das ist lieb gemeint. Aber mein Magen knurrt schon seit einer Stunde. Ich glaube, ich gehe ins Casino.« Das Casino, das Personalrestaurant des Elisabeth-Krankenhauses, war ihr liebster Ort, um zwischen Einsätzen zu verschnaufen und sich zu stärken.
»Das sei Ihnen gegönnt.« Jupp hob die Hand zum Abschied. »Aber wenn Sie nachher Lust haben, die Spielkarten warten auf Sie.«
Die Notärztin verabschiedete sich von den beiden, die lachend in Richtung Aufenthaltsraum weitergingen. Sie blieb für einen Augenblick allein im Flur zurück. Durch ein großes Fenster konnte sie hinaus in die Nacht sehen: Der Asphalt glänzte nass, dicke Wolken hingen am Himmel. Es war eine ungemütliche, kalte Winterstimmung – keine Spur von der festlichen, idyllischen Vorweihnachtszeit, die man sich eigentlich erhoffte.
Ein kurzer Schauer lief ihr über den Rücken. Sie schob ihn beiseite, strich eine dunkelblonde Strähne zurück und atmete tief durch. Jetzt war nicht die Zeit, sich von der trüben Stimmung einfangen zu lassen.
Mit festen Schritten wandte sie sich dem Personalrestaurant zu. Ein Teller heißer Suppe, vielleicht ein kleiner Nachtisch – das war nun genau das Richtige, um Körper und Seele zu wärmen.
***
Das Personalrestaurant des Elisabeth-Krankenhauses war um diese Zeit gut besucht. Ein warmer Duft nach Kaffee, Suppe und frisch belegten Brötchen hing in der Luft. Stimmengewirr erfüllte den Raum, das Klingen von Geschirr und Besteck mischte sich darunter. Für Andrea Bergen war dieser Ort stets ein kleiner Rückzugsraum zwischen den oft hektischen und anstrengenden Einsätzen. Sie grüßte einige Kolleginnen und Kollegen, die an den Tischen zusammensaßen.
»Andrea, hier drüben!«, rief eine kräftige Stimme. Dr. Dietmar Krug, ein Kollege aus dem Notarztdienst, winkte sie mit beiden Armen heran.
Andrea lächelte und machte einen Schlenker zum Tresen, wo Mariechen Brückmann wie immer geschäftig hinter der Theke hantierte. Die Wirtin des Casinos, eine Frau Anfang fünfzig, schob gerade einem jungen Pfleger ein belegtes Brötchen über den Tresen.
»Na, Frau Doktor Bergen, schwer im Einsatz heute?«, fragte sie und musterte Andrea mit lebhaften Augen.
»Nicht schlimmer als sonst, Mariechen. Und heute ist alles gut ausgegangen«, erwiderte Andrea, während sie ihr ein Sandwich zeigte. »Das hier nehme ich.«
»Sehr wohl, kommt sofort.« Flink griff Mariechen nach dem Teller, legte das Sandwich darauf und zwinkerte. »Sie müssen sich auch mal was gönnen. Mit leerem Magen rettet es sich schlecht. Hier, nehmen Sie noch ein Stück Kirschkuchen dazu.«
Andrea lachte, bezahlte und wandte sich dann mit Teller und Besteck in der Hand dem Tisch von Dietmar zu.
Wie üblich hatte der hochgewachsene Blondschopf einen regelrechten Berg Essen vor sich: Kartoffelsalat, zwei Würstchen, dazu ein belegtes Brot und noch ein Stück Streuselkuchen. Andrea fragte sich nicht zum ersten Mal, wo der über eins neunzig große Mann das alles unterbrachte. Trotz seines schmalen Körperbaus schien er einen unerschöpflichen Appetit zu haben – und das, ohne jemals ein Gramm zuzunehmen.
»Setz dich, Andrea«, rief er gut gelaunt. »Hier ist noch ein Platz frei!«
Sie gesellte sich zu ihm, stellte ihr deutlich bescheideneres Sandwich und das Kuchenstück vor sich hin und schüttelte amüsiert den Kopf. »Dietmar, du bist und bleibst ein Phänomen. Ich wüsste gern, wo du das alles hin isst.« Sie wies auf die Teller vor ihm.
»Ich verbrenne Kalorien, während andere sie nur anschauen«, erklärte er mit einem Grinsen und griff nach seinem Brötchen. »Und, freust du dich schon aufs Krimi-Dinner?«
Andrea nickte. »Und wie! Ein Abend voller Spaß und gutem Essen? Das klingt nach einer perfekten Abwechslung zum Klinikalltag. Vielleicht bringt uns das auch alle in Weihnachtsstimmung. Das Wetter trägt momentan ja nicht gerade dazu bei. Kalt und fies, aber keine einzige Schneeflocke.«
Während sie sprach, stellte sie sich das Wochenende schon vor: ein festlich geschmückter Saal in einem alten Schlossrestaurant, Kerzenlicht, feines Essen. Zwischen Gänseleberpastete und Bratapfel sollten sie alle ein fiktives Verbrechen aufklären, stilecht in Rollen. Danach gab es eine Übernachtung in den Gästezimmern des Hotels, sodass niemand mitten in der Nacht heimfahren musste. Andrea empfand allein beim Gedanken daran eine wohlige Vorfreude.
Dietmar lehnte sich zurück und strahlte. »Da sagst du was. Ich freue mich auch wie ein Schneekönig. Vor allem, weil ich eine der Hauptrollen erwischt habe.«
Andrea blinzelte überrascht. »Ich dachte, die Rollen werden zufällig verteilt?«
»Normalerweise schon«, gab er zu und senkte verschwörerisch die Stimme. »Aber ich bin ja an der Organisation beteiligt. Da konnte ich ein bisschen nachhelfen.« Mit einem Zwinkern biss er in sein Brötchen.
Andrea schüttelte lachend den Kopf. »Typisch Dietmar.«
In diesem Moment kam Grit Mindermann, eine hübsche Krankenschwester, am Tisch vorbei. Dietmar ließ sofort sein Essen sinken und rief: »Grit, ich bin sicher, du wirst eine fantastische, glamouröse Rolle haben!«
Sie blieb stehen, lachte und warf ihm einen neckischen Blick zu. »Solange ich nicht deine Ehefrau spielen muss, bin ich zufrieden.«
»Haha«, brummte Dietmar gespielt beleidigt und wandte sich wieder seinem Teller zu.
Andrea musste sich ein Grinsen verkneifen. Jeder im Krankenhaus wusste, dass Dietmar Krug schon seit Langem ein Auge auf Grit geworfen hatte. Doch sie schien seine Gefühle nicht zu erwidern, und Dietmars charmante Versuche liefen ins Leere.
Kurz darauf betrat Dr. Anger das Casino. Der Oberarzt der Chirurgie war hochgewachsen, hatte schmale Lippen. Ihn umwehte die Aura eines Mannes, der wenig Geduld für Albernheiten besaß. Er stellte sich an die Theke und bestellte sich einen Kaffee.
»Na, Anger«, rief Dietmar quer durch den Raum, »haben Sie es sich doch anders überlegt? Noch ist Zeit, beim Krimi-Dinner einzusteigen. Morgen Abend gebe ich die Teilnehmerzahl durch. Bis dahin können Sie es sich noch überlegen.«
Helmut Anger hob die Augenbrauen und blickte irritiert zu ihm herüber. »Für so einen Kinderkram habe ich keine Zeit«, erwiderte er kühl, nahm seinen Kaffee entgegen und verschwand ohne ein weiteres Wort an einen Einzeltisch.
Dietmar zuckte die Schultern. »Wer nicht will, der hat schon.«
Andrea schmunzelte. Sie wusste, dass nicht alle Ärztinnen und Ärzte, Schwester und Pfleger gleichermaßen begeistert von der Idee waren. Manche hielten das Dinner für kindisch, doch viele hatten Lust darauf und hatten zugesagt. Und so versprach es ein geselliges Beisammensein zu werden.
»Hat eigentlich schon jemand Dr. Lars Rütter gefragt?«, fiel ihr ein. »Er ist erst seit Kurzem hier im Haus, und es wäre schade, wenn er sich ausgeschlossen fühlen würde.«
Grit, die sich inzwischen einen Kaffee geholt hatte, errötete leicht. »Ja ... ich habe mir die Freiheit genommen, ihn schon einzuladen. Er steht auf der Liste.«
»Sehr schön«, sagte Andrea. »Dann lernen wir den neuen Kollegen gleich besser kennen.«
Sie dachte an den Kardiologen, der seit einigen Wochen im Elisabeth-Krankenhaus arbeitete. Dunkelbraunes Haar, markante Gesichtszüge, diese klaren blauen Augen – kein Wunder, dass er schon für Aufsehen gesorgt hatte. Nicht nur beruflich galt er als äußerst kompetent und angesehen, auch rein äußerlich zog er die Blicke vieler Ärztinnen und Schwestern auf sich.
Andrea musste unwillkürlich schmunzeln: Lars Rütter war ohne Zweifel ein Mann, der Eindruck machte. Auch Grit schien ganz begeistert von ihm zu sein. Doch soweit Andrea wusste, war er verheiratet.
Sie nahm einen Bissen von ihrem Sandwich, während Dietmar neben ihr mit unerschütterlichem Appetit seinen Teller leerte. Für einen Moment vergaß Andrea die Hektik des Klinikalltags. Der Gedanke an das bevorstehende Wochenende ließ Wärme in ihr aufsteigen – eine Vorfreude, die den grauen Wintertag heller machte.
***
Dr. Lars Rütter zog die Ohrbügel des Stethoskops von den Ohren und legte sie sorgfältig um den Hals. Vor ihm lag die Patientin, eine ältere Dame, die schon seit Tagen auf seiner Station betreut wurde. Herzrhythmusstörungen hatten sie hergeführt, und die Diagnose war eine Herausforderung gewesen. Doch inzwischen war die Medikation gut eingestellt, und das Herz der Frau schlug wieder gleichmäßig.
»Ihre Werte sehen heute ausgezeichnet aus, Frau Meister«, sagte Lars und schenkte ihr ein beruhigendes Lächeln. »Wir beobachten das noch weiter, aber wenn alles so bleibt, können Sie vielleicht schon am Wochenende nach Hause.«
Die Augen der Patientin leuchteten auf. »Wirklich? Das wäre wunderbar, Herr Doktor. Meine Enkeltochter kommt aus Hamburg, und ich wollte sie unbedingt vor Weihnachten noch sehen.«
»Genau das schaffen wir«, versprach Lars. »Aber Ruhe und Schonung – und verausgaben Sie sich bloß nicht beim Schmücken des Weihnachtsbaums.«
Sie lachte, und Lars nickte zufrieden. Nach einem kurzen Gespräch mit der Krankenschwester, die die Medikation dokumentierte, verabschiedete er sich und trat hinaus auf den Flur.
Es war ein ganz normaler Dezembernachmittag im Elisabeth-Krankenhaus: geschäftig, doch nicht übermäßig hektisch. Lars atmete tief durch und massierte mit den Fingerspitzen kurz seinen Nacken. Nach dem langen Vormittag fühlte er sich etwas verspannt und erschöpft. Vielleicht konnte er sich fünf Minuten Pause gönnen.
Lars ging den Gang entlang, blieb vor dem Getränkeautomaten stehen und warf einige Münzen ein. Mit einem mechanischen Rattern fiel ein Pappbecher heraus, kurz darauf sprudelte dampfender Tee hinein. Lars nahm ihn an sich und pustete vorsichtig über den Rand.
Ein paar Schritte weiter befand sich ein großes Fenster, von dem aus man über die Dächer der Stadt blicken konnte. Lars trat dorthin, lehnte sich gegen die Fensterbank und sah hinaus. Der Nachmittag war trüb, der Himmel hing bleigrau über den Häusern, und ein feiner Nieselregen legte einen grauen Schleier über alles. Die Bäume in der Allee vor dem Krankenhaus wirkten kahl,, wie dunkle Scherenschnitte.
Es war kein schöner Wintertag. Kein Schnee, keine Sonne, nur dieses Grau, das einem auf die Stimmung drückte. Lars nippte an seinem Tee und ließ für einen Moment die Gedanken schweifen. Er mochte seinen neuen Job hier im Elisabeth-Krankenhaus, den Arbeitsalltag und die Kollegen. Obwohl er noch nicht lange hier arbeitete, hatte er sich schon gut eingelebt.
Doch für eine lange Pause war keine Zeit, also versenkte er den leeren Becher im Mülleimer und wandte sich schwungvoll um, um in sein Büro zurückzukehren und die nächsten Akten durchzusehen.
In diesem Augenblick bog jemand mit großen Schritten um die Ecke – und ehe er reagieren konnte, prallte die Person direkt gegen ihn. Ein Stapel Unterlagen flog in die Luft, und instinktiv packte Lars zu. Seine Hand schloss sich um den Unterarm der jungen Ärztin, die ins Straucheln geraten war. Er hielt sie fest und bewahrte sie vor dem Sturz.
»Oh!«, rief sie erschrocken, dann lachte sie hell und verlegen auf. Dunkelblonde Haare fielen ihr ins Gesicht. Hastig strich sie sie mit der freien Hand zurück. »Tut mir leid! Entschuldigung.«
Lars schmunzelte und ließ sie los. »Dafür, dass du mich fast über den Haufen gerannt hast? Ich denke, ich werde es überleben.«
Sie errötete ein wenig, und die braunen, sanften Augen blitzten belustigt. »Das hoffe ich doch. Nicht, dass ich mir gleich am Anfang den Zorn der Kardiologie zuziehe.«
»Keine Sorge, Sophie«, erwiderte er schmunzelnd. »Noch hast du einen Stein im Brett.«
Beide lachten. Gemeinsam bückten sie sich, um die verstreuten Blätter vom Boden einzusammeln, die ihr beim Zusammenprall runtergefallen waren. Lars reichte ihr einige Bögen, auf denen komplizierte Tabellen und Medikamentennamen standen.
»Wichtige Unterlagen?«, fragte er und bückte sich erneut.
