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Aus der Praxis für die Praxis - In der Erlebnispädagogik, aber auch im Rahmen von Coaching, Teambuilding-Maßnahmen oder gruppenpädagogischen Aktivitäten kann 'Reflexion' im weiteren Sinne einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass jede und jeder Einzelne Gewinn für sich ausmachen kann und das gemeinsame Tun von Mal zu Mal an Qualität gewinnt. Dafür ist jedoch nicht unerheblich, ob Phasen des gemeinsamen Nachdenkens, der Reflexion und Auswertung als gelungen, als abwechslungsreich und anregend empfunden werden, und so ein Höchstmaß an konstruktiver Beteiligung aller Personen erreicht wird. Dieses Booklet will kein Fachbuch über Reflexion, Nachbesprechungen oder Feedback-Runden in der (erlebnis-)pädagogischen Arbeit sein oder ein solches ersetzen. Es will anregen, für die eigene Praxis eine zielführende und flexibel einzusetzende REFLEXIONS-BOX zusammenzustellen oder eine solche zu erwerben und stellt 130+3 Methoden vor, mit dem darin enthaltenden Material situationsbezogen und motivierend aktiv zu werden. Eigene Spielideen oder neu kennengelernte Methoden sollten auf den letzten Seiten unbedingt notiert werden, um den Kanon kontinuierlich zu erweitern und nicht verloren zu gehen. Die Booklet-Reihe 'Erlebnispädagogik in der Praxis' entstand als Methodensammlung für Material-Boxen bzw. -Sets. Die einzelnen Booklets verstehen sich als kurze Auswahl- und Anleitungshilfe für erlebnispädagogisch versierte Personen. Auf lange Herleitungen und ausführliche Bezüge zur (wissenschaftlichen) Literatur wird weitestgehend verzichtet. Sowohl für die Planung zuhause als auch – in der Hosentasche – für die Anmoderation und Inszenierung kann dieses Booklet genutzt werden. Eine E-Book-Fassung (für Smartphone bzw. Tablet) ist erhältlich. So ist das praxisnahe Wissen überall verfügbar und die Beschreibungen sind schnell nachzulesen.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Fynn Leonhardt
REFLEXIONS-BOX
130+3 Gestaltungsideen fürNachbesprechungs- und Auswertungsphasen
Erlebnispädagogik in der Praxis | BOX-BOOKLET 15
Fynn Leonhardt
REFLEXIONS-BOX
130+3 Gestaltungsideenfür Nachbesprechungs- undAuswertungsphasen
Erlebnispädagogik in der Praxis | BOX-BOOKLET 15
INHALT
EINLEITUNG
WAS IST DRIN
REFLEXION IN DER ERLEBNISPÄDAGOGIK
REFLEXION MIT GEGENSTÄNDEN
Beutel voller Gegenstände
Das mache ich DIR zum Geschenk
Das mach ich MIR zum Geschenk
Ein Schatz für einen Tag
Mein Schatz aus der Kiste
Nutzen, was benutzt wurde
Ein Tag mit dem Ei
Drei Bälle für ein Halleluja
Drei-Wort-Assoziationen
Emoji-Feedback
Redeball
Retrospektive
Zeitmarker setzen
Jahresringe
Imaginäre Diashow
Verlauf rekapitulieren
Ich packe meinen Koffer
Blick durch die Lupe
Geködert – oder nicht!?
Mausefallen-Reflexion
Mit Speck fängt man Mäuse…
Spot auf: ‚Die Falle'!
Bitte um ein Interview
Mein Platz im großen Ganzen
Verbindungsstellen
"Und….: Action!"
Ein Drehbuch aus Filmtiteln
Samenkörner
Sanduhr
Schlüssel-Sätze
Funneling ('Trichtern')
Wünsche sammeln
Erinnerungen aus der (Hosen-)tasche
Heiße Phase
100% ?
Ankunft – Aktiv sein – Abschied
Auf und Ab
Mein Kompass
Mein Maßstab
Widerstreitende Anweisungen
Zwiebel – Apfel – harte Nuss
REFLEXION MIT BANDSCHLINGEN
…-forderung
4-Felder-Reflexion
9-Felder-Reflexion
Am laufenden Band
Aufgedröselt!
Aufgelöst
Blooms Taxonomie-Treppe
Comicstrip
Felder der Entscheidung
Dem roten Faden folgen
Der Weg ins Neuland
Die bunten Inseln von De Bono
Die Guten ins Töpfchen
Eine Frage aufgreifen
Entwicklungslinien / Die Speichen eines Rads
Erinnerungsknoten
Feedback am Knoten
Gesprächszirkel
Ich – Wir – Aufgabe – Globe
Knotenpunkte
Koordinatenkreuz
Meinungsinseln
Mittendrin!
Netz-Diagramm
Position beziehen
Redezeit
Reflexions-Inseln
Selbstbild – Fremdbild
Spotlight / Tritt in den Kreis
Stichwort
Tortendiagramm
Ups and Downs
Wäscheleine
Wer ist dran?
Zeitstrahl
REFLEXION MIT FOTOS & BILDKARTEN
…ist wie…, weil…!
Der Bilder-Kompass
Ein Bild für meine Situation
Grüße aus dem Seminar
Ich schenke Dir ein Bild
„In the Mood“
Kraftquellen nutzen
Post an mich
Rückschau – Storyboard in Bildern
TZI in Bildern
Was ich Dir noch sagen wollte
Wo stehe ich – wo will ich hin?
Feuer – Erde – Wasser – Luft
Ampel-Reflexion
Gebäude-Reflexion
Kneipe – Uni – Baumarkt – Kirche
Seminar-Setzling
Bilder-Menü
Gemeinsame Lösung
Motivation & eigener Beitrag
Dream-Team
Rollen im Prozess
Tastatur-Feedback
Die Leit-Kuh der Elefantenherde
Konflikt-Tiere
„Alle Wetter!“
REFLEXION MIT ANDEREN TOOLS & MATERIALIEN
Reflexions-Set für die Hosentasche
6 aus 40+
Das Reflexions-Set als Einstieg in ein Thema
Das Reflexions-Set in der Kennenlernphase
Give-Away
Ein Perlenband zur Selbstreflexion
Das Perlenband in der Gruppe einführen
Reflexion ‚perlenweise‘
Das Perlenband gemeinsam herstellen
Ein eigenes Reflexionsband entwickeln
Eine einzelne Perle als Ausgangspunkt
Eine Aktion in der Gruppe nachbesprechen
Momente des Übergangs
Eine große Verlaufsperle herstellen
Assoziationsrunde mit Würfel-Set
Verknüpfungsrunde mit Würfel-Set
Arbeit mit dem Prozesswürfel
Ein Würfel-Set entsteht
Szenische Aufstellung
Freeze
Gummibärchen-Roulette
99 Luftballons
Bierdeckel-Abstimmung
(Team-)Wappen
Mit dem Glas in der Hand
Erbsen und Hosentaschen
Flammende Rede
Auf hoher See
Elfchen, Haiku & Co.
Fiktive Reportage
Mit 7 Sinnen
KONTAKT
Das Wort ‚Reflexion‘ (vom französischen ‚réflexion‘ bzw. lateinisch ‚reflexio‘ = das Zurückbeugen) wird in zweifacher Weise gebraucht. Zum einen beschreibt es das Zurückgeworfen-Werden von Wellen oder Strahlen (wie z.B. bei einer Spiegelung). Zum anderen steht es für einen Prozess des Nachdenkens und Überlegens, für eine prüfende Betrachtung, bei der ein ‚Zurückbeugen‘ zu einer anderen Position und Haltung verhilft, die es ermöglicht, Dinge aus einem anderen Blickwinkel, einer veränderten Perspektive zu betrachten.
Beide Wortbedeutungen machen schnell deutlich, warum im Rahmen pädagogischer Prozesse und Aktionen Phasen der Reflexion einen wesentlichen Beitrag leisten können. Sie helfen, Erlebtes und Getanes noch einmal wiederzugeben, dem Geschehen ‚den Spiegel vorzuhalten‘ und es erneut, jedoch aus einer gewissen Distanz, in den Blick zu nehmen. Nun sind all jene, die sich an einer Nachbesprechung oder Reflexion beteiligen, in einer veränderten Position bzw. Rolle. Sie sind nicht mehr in die Aktion eingebunden als Akteurin oder Akteur, sondern können rekapitulieren, was war. Sie können sich bemühen, die Position anderer Personen einzunehmen und nachzuempfinden. Sie schauen – um den Gesamtprozess und seinen Ausgang wissend – auf die Etappen des Weges dahin, als noch nicht abzusehen war, wie der Prozess in Gänze verlaufen würde.
In der Erlebnispädagogik, aber auch im Rahmen von Coaching, Teambuilding-Maßnahmen oder gruppenpädagogischen Aktivitäten kann ‚Reflexion‘ im weiteren Sinne einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass jede und jeder Einzelne Gewinn für sich ausmachen kann und das gemeinsame Tun von Mal zu Mal an Qualität gewinnt.
Dafür ist jedoch nicht unerheblich, ob Phasen des gemeinsamen Nachdenkens, der Reflexion und Auswertung als gelungen, als abwechslungsreich und anregend empfunden werden, und so ein Höchstmaß an konstruktiver Beteiligung aller Personen erreicht wird.
Dieses Booklet will kein Fachbuch über Reflexion, Nachbesprechungen oder Feedback-Runden in der (erlebnis-)pädagogischen Arbeit sein oder ein solches ersetzen. Es will anregen, für die eigene Praxis eine zielführende und flexibel einzusetzende REFLEXIONS-BOX zusammenzustellen oder eine solche zu erwerben und stellt 130+3 Methoden vor, mit dem darin enthaltenen Material situationsbezogen und motivierend aktiv zu werden. Eigene Spielideen oder neu kennengelernte Methoden sollten auf den letzten Seiten unbedingt notiert werden, um den Kanon kontinuierlich zu erweitern und nicht verloren zu gehen.
Die Booklet-Reihe ‚Erlebnispädagogik in der Praxis‘ entstand als Methodensammlung für Material-Boxen bzw. -Sets. Die einzelnen Booklets verstehen sich als kurze Auswahl- und Anleitungshilfe für erlebnispädagogisch versierte Personen. Auf lange Herleitungen und ausführliche Bezüge zur (wissenschaftlichen) Literatur wird weitestgehend verzichtet.
Sowohl für die Planung zuhause als auch – in der Hosentasche – für die Anmoderation und Inszenierung kann dieses Booklet genutzt werden. Eine E-Book-Fassung (für Smartphone bzw. Tablet) ist erhältlich. So ist das praxisnahe Wissen überall verfügbar und die Beschreibungen sind schnell nachzulesen.
Die Methoden wurden so beschrieben, wie sie in der eigenen Praxis kennengelernt, angepasst und genutzt wurden. Andere Aktive werden sie unter anderem Titel oder in Varianten kennengelernt haben – das liegt in der Natur der Sache.
Die Methodenbeschreibungen nutzen die Abkürzung TN für Teilnehmende, sowie SL (‚Spielleitung‘) für die Person, die mit der Durchführung betraut ist.
Für die Methoden und Gestaltungsideen, die in diesem Booklet vorgestellt werden, sollte ein Reflexionskoffer/eine -Box u.g. Dinge enthalten. Zur schnellen Orientierung wird notwendiges Material in den Methodenbeschreibungen hervorgehoben. Der Inhalt orientiert sich an der Reflexions-Box, wie sie unter www.kompreno.org erworben, aber natürlich auch selbst zusammengestellt werden kann:
5 Bandschlingen
(ca. 4,5 m lang) in den Farben rot, gelb, grün, blau, schwarz
1 weiße Bandschlinge
(ca. 4,5 m lang) mit Buchstaben
15 Holzwäscheklammern
25-30 Gegenstände
, u.a. 1-2 Baumscheiben (ca. 20 cm Durchmesser), großer Metallring, 3 Mausefallen, Klicker (für Hundetraining), Regie-Klappe, Tennisball, 3-4 Bälle mit Emojis, großes Puzzleteil, Schlüssel o. Schloss, dicker Knoten, Wunderlampe, Glühbirne, Lupe, Kompass, Karabiner, Flummi-Ei, Schwamm, Pinsel, Blumensamen, Sanduhr, Mikrofon mit 2 Köpfen (rot/grün), Trichter, Zollstock, …
Gegenstands-Set
‚Heiße Phase‘
(
Karotte, Ei, Stein, Eiswürfel, Teebeutel, Rost-Stern)
Multithematisches Bildkarten-Set
(ca. 140-150 Fotos)
Figuren-Set
(12-20 unterschiedliche Holz-Spielfiguren)
Reflexions-Set/-Dose
mit Miniatur-Gegenständen für die Hosentasche
Perlenband zur Selbstreflexion
mit Kurzanleitung und Booklet bzw. TN-Heft
I
n Bezug auf Kommunikation hat sich die Erkenntnis von Paul Watzlawik, dass man nicht nicht-kommunizieren kann, längst etabliert. Aber lässt sich ein solcher Satz auch bezogen auf das Thema ‚Reflexion‘ formulieren? Findet diese – wenn auch oftmals unbewusst – ständig statt? Können wir also als Menschen nicht nicht-reflektieren? Vieles spricht dafür. Erfahrungen wirken in uns nach. Wir verknüpfen diese mit bereits vorhandenen Wissensbeständen und ziehen Vergleiche zu unseren Erwartungen an die Situation. Und wir lernen anhand von Diskrepanz-erfahrungen – wenn also nicht funktionierte, was wir versucht haben oder ein Ereignis nicht so eintrat, wie erhofft. Auch gelingende oder erwartete Situationen verarbeitet unser Gehirn im Verlauf, ungleich intensiver scheint jedoch das Nachgrübeln über bzw. Erneut-bedenken von Schwierigkeiten oder Misserfolgserfahrungen zu sein.
In der (erlebnis-)pädagogischen Arbeit mit Gruppen und Teams spielt geleitete und bewusst inszenierte Reflexion seit vielen Jahren eine wesentliche Rolle, wobei sich ihr Stellenwert und ihre Ausgestaltung über die Zeit immer wieder entwickelt und verändert haben. Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass auf unterschiedlichen Ebenen persönlicher oder auch gruppenbezogener Gewinn entstehen kann, wenn Gruppen (oder auch Einzelnen) die Gelegenheit eröffnet wird, zurückliegende oder auch gerade aktuelle Situationen bewusst und aus einem anderen Blickwinkel, aus der Distanz heraus zu betrachten. Dazu zählen u.a.:
Gewinn persönlicher Einsichten und Auf-/Ausbau von hilfreichen Fertigkeiten,
Erkennen überpersönlicher Mechanismen und Strategien,
‚In-Worte-Fassen‘, ‚Auf-den-Punkt-Bringen‘ & ‚Verfügbar-Machen‘ von Erlebtem,
Wahrnehmbar und sichtbar machen, was und wie andere es erlebt haben,
Bilder zur Verfügung stellen (fürs eigene Innere & für später),
Ermöglichung und Anbahnung eines gelingenden Transfers in den Alltag –
…und damit die Chance, Erlebtes und Erfahrenes für die Weiterentwicklung der eigenen Person oder des Miteinanders in Team bzw. Gruppe zu nutzen.
Reflexion ist Teil der Prozessbegleitung und damit auch eine (zu dosierende) Einmischung durch eine leitende oder begleitende Fachkraft. Reflexion kann im Nachgang zur Aktivität, aber auch in einer Unterbrechung (‚Freeze‘) oder sogar im Vorfeld (‚Frontloading‘) platziert werden und unterschiedliche ‚Tiefen‘ ansteuern. Verschiedene Dimensionen lassen sich reflektieren und thematisieren (vgl. TZI-Dreieck nach R. Cohn): Das ‚Ich’, die Gruppe, die Aktion oder das Umfeld (‚Globe‘).
Wie generell in pädagogischen Kontexten können auch im Rahmen von Reflexions- und Auswertungsrunden wechselnde Methoden oder ansprechende Materialien mit einem gewissen ‚Aufforderungscharakter‘ den Prozess befördern und seine Relevanz erhöhen. Diese Hoffnung verbindet sich mit den Methoden und Anregungen, die in den folgenden Kapiteln zusammengestellt wurden.
R
eflexions- und Nachbesprechungsphasen lassen sich abwechslungsreich und anregend durch eine größere Auswahl unterschiedlichster Gegenstände gestalten. Dabei ist das Spielen und Arbeiten mit Assoziationen, mit symbolischen Gegenständen – mit Bedeutungen, die über den reinen Gebrauchswert eines Gegenstands hinausgehen, der Kern des Geschehens.
So kann eine Lupe eben mehr sein als eine Lupe – ein Symbol, eine Metapher nämlich, fürs genaue Hinschauen, für die Lust an Erkenntnis. Und ein Kompass erinnert an Orientierung und das Zurechtfinden in unbekanntem Gelände, ein Puzzleteil an die Notwendigkeit, Verbindungen einzugehen und den richtigen Platz zu finden, und eine Glühbirne an das Licht, an die Erkenntnis, die mir plötzlich aufgeht. Assoziatives Arbeiten mit Gegenständen kennt dabei grob zwei Perspektiven:
Die TN wählen einen oder mehrere Gegenstände, um von diesen ausgehend zu berichten – von sich, vom bisherigen Verlauf des Seminars, von der Bedeutung des Themas, …
Die SL wählt einen oder mehrere Gegenstände als Ausganspunkt einer Aktion oder eines Gesprächs.
Eine Auswahl an Gegenständen ist damit ein gutes Werkzeug, um Prozesse in die eine wie in die andere Richtung zu initiieren und visuell ‚sichtbar‘ bzw. haptisch ‚greifbar‘ zu machen. Für das, was es zu sagen gibt, gibt es eine Repräsentanz – ein Ding in der Wirklichkeit, das Gedachtem und Gesagtem Gestalt verleihen kann.
Assoziationen der TN sind dabei persönlich gefärbte Gedanken, die sich ad hoc nahelegen, Eingebungen ohne zwingenden Begründungszusammenhang. Was mir in den Sinn kommt, wenn ich einen Gegenstand sehe, muss noch lange nicht Dir durch den Kopf gehen.
Assoziationen haben ihre eigene Wahrheit und entziehen sich der Überprüfung durch andere. Damit wohnt ihnen etwas Spielerisches inne, das sich im Rahmen von Methoden und Spielen auch pädagogisch nutzen lässt. Für die TN kann die besondere Qualität von Assoziationen entlastend sein. Es geht nicht um ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ – vielleicht sogar nicht einmal um eine nachvollziehbare Begründung. Entscheidungen lassen sich so oftmals schneller und spontaner treffen.
Die Möglichkeit, auswählen zu können, ist ein wichtiger Faktor bei der Arbeit mit Gegenständen. Aber auch jeder einzelne Gegenstand kann Ausgangspunkt des inhaltlichen Arbeitens mit einer Gruppe oder mit Einzelnen sein. Weit verbreitet ist dabei der Einsatz eines einzelnen Gegenstands als Gesprächs- oder Moderationshilfe. Nicht die große Auswahl taucht auf, sondern die SL wendet sich mit einem symbolischen Gegenstand an die Gruppe und initiiert von diesem ausgehend den Gesprächsprozess bzw. inhaltlichen Austausch. Thema und Gegenstand werden durch die SL eingeführt und erläutert – dann darf sich äußern, wer den Gegenstand erhalten hat bzw. diesen erbittet.
Dabei sind unterschiedliche Varianten denkbar:
Der Gegenstand wird an jemanden gegebenen mit der Bitte, sich von diesem ausgehend zu äußern
Der Gegenstand geht reihum; wer sich nicht äußern möchte, gibt weiter
Der Gegenstand wird auf einen Stuhl oder Tisch in der Mitte gelegt; wer sich äußern möchte, holt ihn sich und legt ihn anschließend dort wieder ab
…
Die SL sollte zu Beginn überlegen, inwieweit sie den gewählten Gegenstand bereits ‚ausdeutet‘, also mit einer Bedeutung und ggf. einer Frage o.ä. verknüpft. Das Schöne am assoziativen Arbeiten ist es ja auch, dass die Assoziationen der einzelnen Beteiligten unverfügbar sind! Nicht alle kommen bei einem symbolischen Gegenstand auf die gleiche Metapher bzw. sehen diesen als Symbol für die gleiche Sache. Es könnte also spannend sein, den Gegenstand ins Spiel zu bringen und recht offen um Statements zu bitten. Also z.B. „Ich habe hier eine Wunderlampe (einen Knoten, eine Mausefalle, einen Schlüssel, …) mitgebracht. Wenn wir nun gemeinsam mit der Lampe auf die zurückliegende Zeit blicken, was ließe sich dann sagen?“
Auf den folgenden Seiten finden sich methodische Anregungen, wie sowohl mit einer Auswahl an Gegenständen als auch mit einzelnen von ihnen im Rahmen von Reflexion gearbeitet werden kann.
Auswahl an Gegenständen .
Die eigene ‚reiche Beute‘ den anderen präsentieren
Oftmals gibt es nicht den einen, großen (inhaltlichen und persönlichen) Gewinn, den man mit nach Hause nimmt, sondern ein Mix an Erkenntnissen und guten Erfahrungen. Die Gruppe sitzt dafür rund um eine ausgebreitete Auswahl an Gegenständen aus der Reflexion-Box. Ein Einkaufsbeutel o.ä. liegt bereit. Eine Person, die mag, beginnt nun, in den Beutel eine frei gewählte Anzahl an symbolischen Dingen zu sammeln. Ist dies geschehen, geht sie zurück an ihren Platz (= nach Hause).
In einem zweiten Schritt packt sie dort ihre ‚Beute‘ aus und berichtet der Gruppe dabei, für was jeder einzelne der Gegenstände steht und warum dies als Gewinn, als ‚Beute‘ mit nach Hause getragen wurde.
Die Gegenstände kommen wieder in die Mitte und eine weitere Person greift zum Beutel, um einzusammeln.
Auswahl an Gegenständen.
Einander positives Feedback anhand eines ausgewählten Gegenstandes geben
Die Gruppe einigt sich auf ein Verfahren, bei dem am Ende jede Person von einer anderen beschenkt wird. Das Verfahren sorgt für die Zuordnung. Niemand wird doppelt beschenkt oder beschenkt zwei Personen. Nun geht es darum, sich zu der Person Gedanken zu machen, die man beschenken darf. Es geht dabei um positives Feedback, gekoppelt an einen symbolischen Gegenstand.
„Was möchtest Du dieser Person als positive Rückmeldung zum Geschenk machen? Welcher Gegenstand könnte das, was Du sagen möchtest, gut symbolisieren?“ Reihum wird ‚öffentlich‘ beschenkt. Es beginnt, wer mag, und greift zum erwählten Gegenstand aus der ausliegenden Sammlung von Gegenständen, geht zur beschenkten Person und überreicht den symbolischen Gegenstand mit den entsprechenden Worten. Andere schließen sich an. Ist der benötigte Gegenstand gerade schon bei einer Person, wird er dort ausgeborgt und kommt zu einem weiteren Einsatz.
Auswahl an Gegenständen.
Sich selbst bewusst einen Aspekt, eine Erkenntnis, eine Erinnerung … ans Herz legen
Auch sich selbst kann man beschenken – oder sich zumindest in Erinnerung rufen, was an den zurückliegenden Ereignissen und Erkenntnissen besonders wertvoll war. Was betrachtest Du als Geschenk der zurückliegenden Tage oder Stunden? In ein paar stillen Augenblicken, beim Führen eines Lerntagebuchs oder Aufzeichnen letzter Notizen gegen Ende des Seminars o.ä. versucht jede Person für sich, ein solches Geschenk auszumachen und zu formulieren.
In einem zweiten Schritt wird dann ein Gegenstand aus der ausliegenden Sammlung gewählt, der dieses Geschenk gut symbolisiert oder als Einstieg funktioniert, wenn man der Gruppe von seinem persönlichen Geschenk berichtet. Hilfreich ist manchmal auch der Gedanke, dass Geschenke ja nicht nur ‚von Herzen kommen‘, sondern uns auch auf besondere Weise ‚ans Herz gelegt sind‘, also gelebt und weiterverfolgt werden sollen.
Auswahl an Gegenständen.
Einen Tag lang bewusst in der Tasche und in Gedanken etwas Wertvolles bewegen
Dinge erhalten (auch) durch unser eigenes Handeln einen Wert für uns. Das gilt für Gegenstände, die wir schätzen oder die uns an etwas erinnern, aber auch für die Dinge, die wir im Alltag, im Miteinander tun – oder eben manchmal auch lassen.
Die SL lädt die TN ein, für einen Tag im Seminar oder unterwegs
