Bittere Vorwürfe - Carolin Grahl - E-Book

Bittere Vorwürfe E-Book

Carolin Grahl

0,0

Beschreibung

Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Alex! Aaalex!« Ungeduldig lief Sina zur Badezimmertür. »Bist du denn immer noch nicht fertig geduscht?« Statt einer Antwort hörte Sina erneut das Wasser rauschen. Sie stieß zischend die Luft aus. »Das darf doch nicht wahr sein! Seit einer halben Stunde warte ich nun auf dich. Ist dir eigentlich klar, dass wir heute Abend zu Bernds und Monas Housewarming-Party wollen? Sie beginnt in zwanzig Minuten. In dieser Zeit schaffen wir es nie und nimmer nach F. Ich hasse es, zu spät zu kommen, ich …« Das Geräusch des Wassers verstummte. Stattdessen war zu hören, wie ein schwerer Gegenstand zu Boden fiel. »Mierda! Joder! Me cago en todo! Maldito gato!«, folgten unmittelbar darauf Alex' Flüche. Erschrocken riss Sinxa die Tür zum Badezimmer auf.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2021

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der junge Norden – 7 –Bittere Vorwürfe

Der junge Alexander wird Zeuge einer familiären und medizinischen Zerreißprobe

Carolin Grahl

»Alex! Aaalex!« Ungeduldig lief Sina zur Badezimmertür. »Bist du denn immer noch nicht fertig geduscht?«

Statt einer Antwort hörte Sina erneut das Wasser rauschen.

Sie stieß zischend die Luft aus. »Das darf doch nicht wahr sein! Seit einer halben Stunde warte ich nun auf dich. Ist dir eigentlich klar, dass wir heute Abend zu Bernds und Monas Housewarming-Party wollen? Sie beginnt in zwanzig Minuten. In dieser Zeit schaffen wir es nie und nimmer nach F. Ich hasse es, zu spät zu kommen, ich …«

Das Geräusch des Wassers verstummte. Stattdessen war zu hören, wie ein schwerer Gegenstand zu Boden fiel. »Mierda! Joder! Me cago en todo! Maldito gato!«, folgten unmittelbar darauf Alex‘ Flüche.

Erschrocken riss Sinxa die Tür zum Badezimmer auf.

Ihr erster Blick fiel auf Alex, der, ein Handtuch um die Hüften geschlungen, auf dem überschwemmten Boden des Badezimmers kauerte und damit beschäftigt war, den Abfluss der Dusche zu reinigen.

Sina schüttelte entgeistert den Kopf. »Was zum Teufel machst du da?«, entfuhr es ihr.

»Wonach sieht es denn aus?«, kam prompt die nicht eben freundliche Gegenfrage. Mit einem Ruck drehte Alex sich um und präsentierte Sina ein verschmiertes und verklebtes Knäuel aus rötlichen Haaren.

»Igitt!« Unwillkürlich wich Sina einen Schritt zurück. »Was ist das?«

»Katzenhaare, Katzenhaare, Katzenhaare. Wegen dieser dämlichen Katzenhaare ist, während ich geduscht habe, das Wasser nicht abgelaufen. Ich habe es nicht gleich bemerkt und … Mierda! Dieser Kater muss kein einziges Haar mehr am Leib haben!« Wütend schleuderte Alex das unappetitliche Haarknäuel von sich.

»Und wieso bist du dir so sicher, dass die Haare von Elvis sind?«

Alex bedachte Sina mit einem vernichtenden Blick. »Kennst du außer Elvis noch ein weiteres Mitglied unserer Wohngemeinschaft, das dermaßen feuerrote Haare hat?«

Sina schüttelte den Kopf. »Nein, natürlich nicht. Aber ich … ich möchte trotzdem nicht, dass du wütend auf Elvis bist. Er ist so ein süßer Kerl. Gestern habe ich ihn im Arm gehalten wie ein Baby. Er hat mit der Pfote nach meinem Gesicht getastet, als wollte er mich streicheln. Und dabei hat er wohlig geschnurrt. Ich glaube, er wollte mir sagen, dass er glücklich ist, meine Nähe zu spüren.«

»Ach ja?« Alex trat einen Schritt näher, wischte sich die schmutzigen Hände an seinem um die Hüften gebundenen Handtuch ab und zog Sina an sich.

Sie schmiegte einen Augenblick lang ihren Kopf an Alex‘ nackte Schulter, dann schob sie Alex sanft, aber bestimmt von sich. »Ich fühle mich nicht vernachlässigt«, sagte sie, während ihr Finger spielerisch die Linie von Alex‘ Schlüsselbein nachzeichnete. »Aber Elvis … das ist etwas ganz anderes, weißt du. Er … er ist so lieb und hilflos. Er ist …«

»Er ist weich und flauschig, weil er jede Menge Haare hat«, vollendete Alex Sinas Satz. »Das verstehe ich natürlich. Allerdings habe ich immer gedacht, Katzen wären wasserscheu. Ich kann mir deshalb keinen rechten Reim darauf machen, wie seine Haare im Abfluss der Dusche gelandet sind.«

»Alissa und ich … wir haben ihn gebadet«, räumte Sina kleinlaut ein. »Mit einem Ungeziefershampoo, das ihn vor Flöhen und Zecken schützen soll. Weil er die Tabletten, die er vom Tierarzt gegen die Plagegeister bekommen hat, partout nicht nehmen wollte. Er hat sie immer wieder ausgespuckt.«

Alex konnte sich das Lachen kaum mehr verkneifen. »Aber das Bad hat Elvis genossen?«

Sina seufzte und sah Alex mit einem fast kindlich schuldbewussten Augenaufschlag an. »Nicht wirklich. Es … es tut mir so leid. Ich meine, wegen der Dusche. Du musst das nicht machen. Wir lassen einen Klempner kommen, und ich bezahle ihn. Versprochen.«

»Schön. Und wo duschen wir in der Zwischenzeit?«

»Ich rufe den Klempner gleich morgen früh an. Ganz bestimmt. Aber jetzt … bitte mach dich endlich fertig, Alex. Ich habe mich so auf Bernds und Monas Party gefreut. Wenn es allerdings so weitergeht, kommen wir gerade noch rechtzeitig, um uns gleich wieder zu verabschieden.«

Alex nahm Sinas Hand, hauchte einen Kuss in ihre Handfläche und drehte ihre Hand dann so, dass er ihre Armbanduhr sehen konnte.

Unwillkürlich zog er die Augenbrauen hoch.

»Ich bin in fünf Minuten fertig«, versprach er. »Wir … wir könnten mein neues Motorrad nehmen und ordentlich Gas geben. Wenn ich richtig auf die Tube drücke, schaffen wir es mit ein bisschen Glück sogar ohne Verspätung.«

Sina presste die Lippen aufeinander und schüttelte kaum merklich, aber dennoch bestimmt den Kopf. »Wir nehmen mein Auto«, widersprach sie. »Nicht den noblen gelben Sportschlitten, den Papa mir geschenkt hat und für den du dich so gar nicht begeistern kannst, sondern den Mini. Mit ein bisschen Beeilung …«

»Meinetwegen«, stimmte Alex zu, obwohl sich seine Miene sichtlich verfinsterte. »Warum hast du eigentlich immer noch Angst, mit mir Motorrad zu fahren, Sina? Warum versuchst du es nicht wenigstens? Woher willst du wissen, dass du es nicht magst, wenn du es nicht einmal ausprobierst? Vertraust du mir und meinen Fahrkünsten so wenig?«

»Ja. Also natürlich nein, aber … Bitte lass uns darüber ein andermal sprechen, Alex. Wenn wir mehr Zeit und Ruhe haben, einverstanden?«

»Einverstanden. Ich zieh mich jetzt rasch an und dann …«

Alex‘ Blick glitt an Sina hinunter.

Erst in diesem Moment realisierte er, dass sie ein neues Kleid trug. Und dass sie wunderschön darin aussah.

Das Kleid war grün mit vielen bunten Farbtupfern. Und das unregelmäßige Muster wirkte, als stünde man, gegen die Sonne blinzelnd, vor einer Sommerwiese, deren Farben vor den halbgeschlossenen Augen verschwammen.

Sina, der Alex‘ Bewunderung nicht entging, drehte sich schwungvoll um die eigene Achse, sodass der weite Rock aus zartem Chiffon um ihre langen, schlanken Beine wippte.

»Mama und ich haben es letzte Woche, als wir die Geschenke für Bernd und Mona besorgt haben, in einem Schaufenster in der Fußgängerzone entdeckt«, plapperte Sina drauflos. »Das Kleid hat mir auf Anhieb gefallen. Mama hat gesagt, ich solle es anprobieren. Und dann … dann hat sie es mir gekauft. Einfach so. Kein Geburtstag, kein konkreter Grund. Mama ist derart großzügig. Wenn sie jemandem eine Freude machen kann …«

»Das Kleid steht dir ausgezeichnet«, versicherte Alex. »Und die gelben Sandalen mit dem kleinen Keilabsatz passen perfekt dazu. Sie sehen aus, als wären sie zum Tanzen geschaffen. Bernd hat gesagt, dass er jede Menge CDs mit Hits aus den Achtzigern und Neunzigern besorgt hat. Weil Mona doch total auf Oldies steht.«

»Die Party wird bestimmt wundervoll«, schwärmte Sina. »Ich bin schon wahnsinnig gespannt, wie Bernd und Mona sich im Haus von Bernds Oma eingerichtet haben. Aber jetzt dalli, dalli. Bis du soweit bist, Alex, räume ich schon einmal die Geschenke ins Auto.«

*

»Perfekt. Das ist genau die richtige Stelle für das Bild.« Bernd stieg vom Stuhl und betrachtete aus einigen Metern Entfernung den abstrakten Kunstdruck, den Alex und Sina ihm und Mona zum Einstand im neuen Domizil geschenkt hatten. »Der Druck ist eine Wucht. Einfach großartig. Jedes Mal, wenn wir es uns in Zukunft hier in unserem Wohnzimmer gemütlich machen und unsere Blicke von diesen wundervollen Rottönen angezogen werden, werden wir an euch denken.« Er klopfte Alex freundschaftlich auf die Schulter. »Aber jetzt gehen wir wieder in den Garten und machen dich und Sina mit den anderen Gästen bekannt. Die meisten von ihnen gehören übrigens zu Mona.« Bernd blinzelte Mona zu. »Sie hat beinahe das ganze Pädagogik-Abschlussseminar eingeladen.«

»Von wegen«, konterte Mona. »Bernd übertreibt wieder einmal maßlos. Wenn ihr die Wahrheit wissen wollt, schaut einfach vors Haus, wie viele Motorräder dort abgestellt sind. Die gehören ganz bestimmt nicht den Mädels von meinem Abschlussseminar, sondern samt und sonders den Biker-Kumpels meiner besseren Hälfte.«

Sie gab Bernd einen leichten Rippenstoß und lehnte sich dann verliebt an ihn.

Während die vier Freunde nach unten gingen, stellte Sina fest, dass sich Monas Babybauch zusehends wölbte. Man konnte ihn inzwischen unter dem knielangen roten Trägerkleid, das Mona trug, deutlich erkennen.

»Habt ihr eigentlich schon ein Ultraschall-Foto von dem Baby? Von ihm oder von ihr?«, erkundigte Sina sich, während sie und Alex sich wenig später gemeinsam mit den anderen Gästen über das von Mona, Monas Mutter und Bernds Oma eigenhändig zubereitete Büffet hermachten.

Mona schüttelte den Kopf. »Nein, haben wir nicht«, gab sie einsilbig zurück.

»Wirklich nicht? Normalerweise wird im Rahmen der Ultraschalluntersuchungen doch ein Foto gemacht«, beharrte Sina.

Mona zuckte die Schultern. »Wahrscheinlich wirst du mir jetzt, genau wie Bernd es schon die ganze Zeit tut, sträflichen Leichtsinn vorwerfen«, erwiderte sie. »Es hat bis jetzt nämlich noch gar keine Ultraschalluntersuchung stattgefunden, auch wenn ich längst gerne ein Foto von meinem Baby gehabt hätte.«

»Keine Ultraschalluntersuchung?«, mischte sich Alex, der Monas Worte mitgehört hatte, beinahe vorwurfsvoll ins Gespräch.

Mona verdrehte die Augen. »Himmel, nein, Herr Doktor in spe«, gab sie zurück. »Was ihr Männer nur immer habt.« Abwehrend hob sie beide Hände. »Ich bin schwanger und nicht krank. Eine Schwangerschaft ist die natürlichste Sache der Welt. Die ganzen Vorsorgeuntersuchungen und die damit verbundenen Wartezeiten in der Praxis des Gynäkologen hätten mich nur eine Menge Zeit gekostet. Ich hatte einfach keine Lust auf so viele sinnlos verplemperte Stunden. Dass wir uns hier bei Bernds Oma ein schönes Heim schaffen und alles für das Baby vorbereiten – vor allem das Kinderzimmer – war mir einfach wichtiger.«

»Da hört ihr es.« Bernd schob sich ein Radieschen in den Mund und spülte es mit einem Schluck Bier hinunter. »Aber jetzt sind wir mit dem ganzen Einrichtungskram endgültig fertig«, wandte er sich, nachdem er sich mit der weiß und blau karierten Serviette über die Lippen gewischt hatte, an Mona. »Von jetzt an steht deine Gesundheit an erster Stelle, mein Schatz. In den nächsten Wochen und Monaten wird jeder, aber auch wirklich jeder Vorsorgetermin gewissenhaft wahrgenommen. Und wenn ich dich eigenhändig fesseln und in Ketten in die Gynäkologenpraxis schleppen muss.«

»Ja, mein Herr und Gebieter.«

Mona drehte das Gesicht zur Seite und blinzelte Sina zu. »Schrecklich, dieser Mann. Mir wird regelrecht schwindelig bei dem Gedanken, dass ich den Rest meines Lebens an der Seite eines Despoten verbringen werde.« Sie seufzte theatralisch. »Ich muss nicht ganz bei Trost gewesen sein, als ich mich mit diesem Typen eingelassen habe. Echt jetzt. Und dann habe ich ihn auch noch geheiratet. Zwar vorerst nur standesamtlich und im engsten Familienkreis, doch ich bin an ihn gebunden.«

»Das bist du. Aber ich bin kein Despot, Mona. Ich liebe dich, und deshalb möchte ich sichergehen, dass mit dir alles in Ordnung ist. Mit dir und mit dem Baby. Schließlich ist das Baby, das in dir heranwächst, auch mein Kind«, rechtfertigte sich Bernd. »Und ich habe das Recht und die Pflicht, mich von Anfang an nach Kräften um mein Kind zu kümmern und für mein Kind zu sorgen. Wie es sich für einen guten Vater gehört.« Er griff nach einem Schinkenbrot, legte zusätzlich Käse, ein halbes Ei, eine Tomatenscheibe und ein Salatblatt darauf und platzierte das Ganze auf Monas Teller. »Du musst jetzt für zwei essen. Also nichts wie los und zier dich nicht.«

Halb belustigt und halb gerührt biss Mona in das Schinkenbrot.

Sina konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

»Wenn du es also in Zukunft mit den Schwangerschaftsuntersuchungen genauer nehmen musst oder willst, Mona, wirst du ja auch bald erfahren, ob euer Baby ein Junge oder ein Mädchen ist«, meinte sie. »Ich bin schon richtig gespannt.«

Mona zog die Augenbrauen hoch. »Wenn das so ist, darfst du dich noch lange über Hochspannung pur freuen, meine Liebe«, gab sie zurück. »Bernd und ich – in diesem Punkt sind wir uns ausnahmsweise vollkommen einig – wollen uns nämlich überraschen lassen. Eine Fruchtwasseruntersuchung kommt nicht in Frage. Das Geschlecht unseres Kindes wollen und werden wir erst bei der Geburt erfahren.«

»Und der Name? Wie macht ihr das mit dem Namen?«

»Wir haben ganz einfach zwei Namen ausgesucht. Emma für ein Mädchen und Felix für einen Jungen. Aber vielleicht werden es ja auch Zwillinge – ein Junge und ein Mädchen. Das … das wäre das Höchste. Das wäre absolut traumhaft«, versicherte Mona mit leuchtenden Augen.

Bernd wechselte einen vielsagenden Blick mit Alex und zuckte schicksalsergeben die Schultern.

»Ich glaube, sie will unbedingt ein Dutzend Kinder. Eine Schulklasse ganz für sich, sozusagen«, erklärte er. »Wenn wir also mit Zwillingen, Drillingen, Vierlingen anfangen …«

Mona kniff ihn scherzhaft in die Wange.

Immer noch übers ganze Gesicht strahlend, wandte sie sich dann der Terrasse zu, wo ihr Vater gerade die erste CD in den Player steckte.

»Willst du tanzen, Schatz?«, fragte Bernd, als die Anfangstakte von ›I Believe in Angels‹ erklangen. »Es ist ein so schönes, langsames Lied, bei dem du dich nicht überanstrengen kannst.«

Mona überlegte einen Moment. »Eigentlich möchte ich lieber Sina das Kinderzimmer zeigen«, sagte sie. »Es sei denn, Sina zieht ein Tänzchen mit Alex vor.«

Sina schüttelte den Kopf. »Nein. Tanzen kann ich auch noch später. Zeig mir erst einmal das Kinderzimmer, Mona«, entschied sie. »Ich bin schon schrecklich neugierig.«

»Dann komm«, lachte Mona, stand auf und zog Sina mit sich fort.

Auf der Terrasse sammelten sich indessen bereits die ersten Paare zum Tanz, darunter auch Monas Eltern, die so strahlend glücklich aussahen, als wären sie frisch verliebt.

Sina im Schlepptau, huschte Mona winkend an ihnen vorbei.

In der Terrassentür stand Bernds Oma, die Mona voller Stolz und Liebe zulächelte.

Sina wurde ganz warm ums Herz.

Sie stammte aus einer großen, liebevollen Familie und freute sich darauf, mit Alex ebenfalls eine Familie zu gründen, die genau so viel Wärme und Geborgenheit spenden würde.

Allerdings war ihr durchaus klar, dass dieses Ziel noch in weiter Ferne lag. So wie es aussah, war an alles, was über eine Verlobung hinausging, vorerst nicht zu denken. Zu Sinas Leidwesen war Alex nämlich wild entschlossen, zuerst sein Medizinstudium und sein Abschlussexamen hinter sich zu bringen …

»Komm, Sina! Komm schon!« Monas Stimme riss Sina aus ihren Gedanken.

Sie folgte Mona in den kleinen Anbau, der Bernds und Monas künftiges Zuhause war und in dem sich auch das Kinderzimmer befand.

Da es draußen bereits dunkel wurde, knipste Mona beim Öffnen der Tür als Erstes das Licht an.

Zu Sinas Überraschung war es kein gewöhnliches Licht.

Es kam nicht, wie erwartet, von einer normalen Deckenleuchte, sondern quoll aus zahlreichen kleinen Lampen, die an der Zimmerdecke angebracht waren und das bestirnte nächtliche Firmament in den Raum zu holen schienen. Als Nachttischlampe sorgte ein rötlichgelber Halbmond für die passende Ergänzung.

Noch ehe Sina ihre Bewunderung zum Ausdruck bringen konnte, betätigte Mona einen weiteren Schalter, worauf Einhörner an den Zimmerwänden entlanghuschten.

Sina konnte sich kaum sattsehen und brauchte eine Weile, um sich wieder zu fassen.

Als sie es endlich geschafft hatte, fiel ihr Blick auf eine altertümliche Wiege aus weiß gestrichenem Holz.

»Die Wiege ist ein Geschenk von Bernds Oma«, erklärte Mona. »In dieser Wiege hat bereits Bernd gelegen. Und vor ihm seine Mama und sogar Bernds Oma selbst. Ist das nicht wunderbar? Die Wiege ist ein richtiges Familienerbstück.«

Vorsichtig und fast andächtig ließ Sina ihre Finger über das kleine, in zarten Pastelltönen gehaltene Kopfkissen und über die über und über mit Rüschen besetzte gleichfarbige Decke gleiten.

»Und das hier ist für die Zeit, wenn unser Baby der Wiege entwachsen ist«, setzte Mona ihre Führung durch das Kinderzimmer fort und zeigte auf ein entzückendes Kinderbettchen an der gegenüberliegenden Wand, das im Moment allerdings nur als Ablage für die zahlreichen Spielsachen diente, die bereits auf Emma oder Felix warteten.

Es waren bunte Tiere aller Art, sogar ein regenbogenfarbener Drache mit goldenen Flügeln war darunter.

Der lustige Teddybär, den Alex und Sina als Geschenk für den künftigen kleinen Erdenbürger mitgebracht hatten, hatte ebenfalls bereits seinen Platz in der Plüschmenagerie gefunden. Stolz und aufrecht saß er zwischen zwei Kollegen, von denen der eine einen knallroten Strampler und der andere ein kesses kurzes Röckchen trug, unter dem seine bestrumpften und beschuhten dicken Beine hervorlugten.

Weißt du, dass ich dich beneide?«, fragte Sina, während sie sich den Stofftieren näherte, als wollte sie am liebsten selbst mit ihnen spielen.