Chefarzt Dr. Holl 1920 - Katrin Kastell - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1920 E-Book

Katrin Kastell

0,0
1,49 €

Beschreibung

Was würden Sie tun, wenn Sie unverhofft Ihrem Seelenverwandten gegenüberständen? Ein einziger Blick genügt, und Sie wissen beide: Der ist es und kein anderer. Wie würden Sie sich fühlen? Dieses Wunder ist Maya Friedrichsen und Anton Bachmann auf ihrem Flug nach Italien passiert. Ihnen scheint, als habe das Schicksal ihrer beider Wege sich hier planvoll kreuzen lassen. Hand in Hand schweben die Verliebten seither durch die Straßen Roms, essen Gelato und schwelgen in ihrer Zweisamkeit. Am letzten Abend mit Blick über die erleuchtete Stadt stellt Anton seiner Maya dann die Frage aller Fragen: "Willst du mich heiraten?" Zurück in München ist Mayas Mutter Andrea alles andere als begeistert, als sie von der Verlobung ihrer Tochter erfährt. Einen Wildfremden zu heiraten, das kann nicht gut gehen! Als dann die Hochzeitsglocken läuten, sieht sie all ihre Zweifel bestätigt. Vor dem Altar wird Anton plötzlich von der Polizei verhaftet und wie ein Schwerverbrecher in Handschellen abgeführt ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 125

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhalt

Cover

Verliebt, verlobt ... verheiratet?

Vorschau

Impressum

Verliebt, verlobt ... verheiratet?

Am Tag ihrer Traumhochzeit bricht über Maya ein großes Unglück herein

Von Katrin Kastell

Liebe Leserinnen und Leser,

was würden Sie tun, wenn Sie unverhofft Ihrem Seelenverwandten gegenüberständen? Ein einziger, flüchtiger Blick genügt, und Sie wissen beide: Der ist es und kein anderer.

Wie würden Sie sich fühlen?

Dieses Wunder ist Maya Friedrichsen und Anton Bachmann auf ihrem Flug nach Italien passiert. Ihnen scheint, als habe sie das Schicksal zusammengeführt. Hand in Hand schweben die Verliebten seither durch die Straßen Roms, essen Gelato und schwelgen in ihrer Zweisamkeit. Am letzten Abend mit Blick über die erleuchtete Stadt stellt Anton seiner Maya dann die Frage aller Fragen: »Willst du mich heiraten?«

Zurück in München ist Mayas Mutter Andrea alles andere als begeistert, als sie von der Verlobung ihrer Tochter erfährt. Einen Wildfremden zu heiraten, das kann nicht gut gehen! Als dann die Hochzeitsglocken läuten, sieht sie all ihre Zweifel bestätigt. Vor dem Altar wird Anton plötzlich von der Polizei verhaftet und wie ein Schwerverbrecher in Handschellen abgeführt ...

»Liebe Fluggäste, hier spricht Ihr Kapitän. Da wir ein Gebiet mit leichten Turbulenzen durchfliegen, bitte ich Sie, sicherheitshalber auf Ihre Sitzplätze zurückzukehren. Bringen Sie Ihre Rückenlehnen in aufrechte Position, und schnallen Sie sich an. Ich versichere Ihnen, es gibt keinen Grund zur Besorgnis. So etwas kommt alle Tage vor, wir haben das Gebiet in wenigen Augenblicken bereits hinter uns gelassen.«

Die dunkle Stimme von Maya Friedrichsens Kollegen, Pilot Ronald Giese, drang durch die Kabine des Flugzeugs und wirkte angenehm beruhigend auf die Passagiere. Einige von ihnen hatten angstvoll um sich geblickt, sobald die Maschine ein wenig zu schwanken begonnen hatte. Nervöses Gemurmel hatte umgehend die Kabine erfüllt. Jetzt aber legte sich die Aufregung, und alle beeilten sich, die Anweisungen des Flugkapitäns zu befolgen.

Maya liebte ihren Job als Stewardess. Obwohl sie bereits seit fünf Jahren auf sämtlichen Routen über den Wolken unterwegs war, erschien es ihr noch immer wie ein Wunder, dass die fliegenden Riesen die Welt so klein machten und Menschen im Handumdrehen von einem Ende der Erde zum anderen brachten.

Als Kind hatte sie von Flugreisen lediglich träumen können. Ihr Vater war früh gestorben, und ihre Mutter, die Maya fortan allein hatte aufziehen müssen, war schwer erkrankt und hatte jahrelang um ihr Leben kämpfen müssen. Für einen Urlaub mit dem Flugzeug waren da weder Zeit, Kraft noch ausreichend Geld vorhanden gewesen.

Oft hatte Maya am Fenster gestanden und stundenlang verträumt in den Himmel geblickt. Die geflügelten Maschinen waren wie schwerelos über das Blau hinweggeglitten. Sie hatte ihnen voller Sehnsucht nachgesehen, bis nur noch ihr Kondensstreifen am Horizont sichtbar gewesen war, und sich mit aller Kraft gewünscht, einmal selbst in solch einem Wunderwerk der Technik sitzen zu können.

Und jetzt tat sie genau das beinahe täglich! Sie hatte es geschafft, ihren Traumberuf zu ergreifen, und hatte es noch keinen Moment lang bereut.

Noch immer genoss sie das Gefühl, hoch über der Welt dahin zu schweben, auch wenn ihre Arbeit natürlich häufig auch anstrengend war. Es gab unfreundliche Passagiere, die unerfüllbare Forderungen stellten; Zwischenfälle, die für Nervosität sorgten; und Schichtpläne, bei denen sie bis zur völligen Erschöpfung arbeiten musste. Alles in allem aber war und blieb das Fliegen ihre große Liebe. Die einzige, wie ihre beste Freundin Nora oft freundschaftlich spottete.

Mit dem anderen Geschlecht hatte Maya in ihren sechsundzwanzig Lebensjahren bisher nämlich nicht viel im Sinn gehabt. Nora nannte sie zum Spaß ihr »sprödes Spröttchen«, aber Maya hatte für die romantische Seite des Lebens einfach weder Interesse noch Zeit. Das Fliegen war ihr romantisch genug.

Und heute war es sogar ganz besonders romantisch, denn es ging in ihre Traumstadt Rom. Von all den aufregenden, exotischen Orten, die sie in den letzten fünf Jahren angeflogen hatte, war die ewige Stadt am Tiber ihr immer der liebste geblieben. Auf den ersten Blick hatte sie sich damals, direkt bei ihrem ersten Aufenthalt, in Rom verliebt. Seither versuchte sie, es immer so einzurichten, dass sie dort ein paar Tage Urlaub nehmen konnte, wenn sie auf der Strecke »München – Rom« eingesetzt wurde.

Auch diesmal war ihr das wieder gelungen. Nach der Landung würde sie eine ganze Woche lang freihaben, um durch ihr geliebtes Rom zu streifen und den Frühling in der italienischen Hauptstadt samt Vino, Pasta und Gelato in vollen Zügen zu genießen.

Noch aber hatte sie sich um ihre Passagiere zu kümmern und dafür zu sorgen, dass während der Turbulenzen niemand zu Schaden kam ...

***

Ehe Maya selbst auf ihrem Sitz Platz nahm, wie es ihre Kollegin Elena und ihr Kollege Patrick bereits getan hatten, ging sie pflichtbewusst noch einmal durch die Reihen und prüfte, ob auch jeder sich vorschriftsgemäß angeschnallt hatte und niemand Hilfe benötigte.

Alles schien in bester Ordnung. Pilot Ronald Gieses Worte hatten die Passagiere beruhigt, alle saßen angeschnallt auf ihren Plätzen und machten sogar Witze mit Maya.

Lediglich ein kleiner Junge jammerte, er habe solchen Durst. Seiner Mutter war sein Verhalten peinlich, aber Maya winkte lächelnd ab.

»Dass man auf einer Reise Durst bekommt, ist ganz normal«, sagte sie zu dem Kleinen. »Und es ist auch wichtig, dass wir genug trinken, damit wir nicht austrocknen. Jetzt im Augenblick kann ich dir leider nichts bringen, denn du merkst ja, wie stark das Flugzeug schwankt. Ich würde alles verschütten, und das wäre doch schade. Aber du kannst mir ja schon einmal sagen, was du gern zu trinken hättest. Dann bringe ich es dir, sobald unser Pilot uns sicher durch die Turbulenzen gesteuert hat.«

»Apfelsaft!«, rief der kleine Junge strahlend.

Es war immer wieder schön zu erleben, wie die kleinsten Passagiere sich freuten, wenn sie sich ernst und wichtig genommen fühlten.

»Apfelsaft – ist notiert«, bestätigte Maya zwinkernd. »Sag mal, hättest du denn vielleicht Lust, dir nachher, wenn wir wieder ruhig fliegen, einmal im Cockpit anzuschauen, wie Kapitän Giese unsere Maschine fliegt?«

»Au ja!«, rief der kleine Junge und strahlte nun über das ganze Gesicht. »Geht das wirklich, darf ich ins Cockpit?«

»Eigentlich geht das nicht, aber bei ganz besonderen Passagieren machen wir eine Ausnahme«, antwortete Maya mit einem verschwörerischen Grinsen. »Ich hole dich dann nachher ab, einverstanden? Sagst du mir noch deinen Namen, damit ich Kapitän Giese schon einmal Bescheid sagen kann?«

»Anton«, erwiderte der Kleine stolz und selig zugleich.

»Anton«, wiederholte Maya und tat so, als mache sie sich eine Notiz. »Das ist aber ein schöner Name.«

»Finden Sie?« In der Reihe vor dem kleinen Anton und seiner Mutter drehte ein Mann sich um und blickte Maya über das Kopfteil der Lehne hinweg an. »Das freut mich. Ich heiße nämlich auch Anton.«

Mayas Herz vollführte einen so heftigen Satz, dass sie um ein Haar das Gleichgewicht verloren hätte, und das hatte ganz und gar nichts mit den Turbulenzen zu tun. Der Mann, der ihr da mit einem jungenhaften, ein wenig spitzbübischen Lächeln von unten herauf entgegenblickte, war ohne jeden Zweifel der schönste, den sie jemals gesehen hatte.

Er hatte ebenmäßige, markant geschnittene Züge, einen sinnlichen Mund und einen leicht gebräunten Teint. Sein dunkles, ein wenig gewelltes Haar trug er aus dem attraktiven Gesicht gekämmt. Das schönste aber waren seine Augen, die in einem hellen, beinahe goldenen Braunton unter langen Wimpern schimmerten. Es waren Augen, in denen Maya sich auf der Stelle verlor. Am liebsten hätte sie die Welt, das Flugzeug und die Turbulenzen um sich vergessen und den Blick dieser wunderbaren Augen nie wieder losgelassen.

Stattdessen musste sie sich auf der Stelle zusammenreißen und sich von ihm abwenden, ehe ihr Starren allzu auffällig wurde. Glücklicherweise kam ihr kleiner Freund ihr zu Hilfe, der über den Zufall mit der Namensgleichheit vollkommen aus dem Häuschen war.

»Wow, du heißt auch Anton!«, rief er. »Bist du dann vielleicht mein Papa? Den such ich nämlich schon lange.«

»Anton!«, rief die Mutter voller Entsetzen und lief puterrot an. »So etwas sagt man doch nicht – und außerdem duzt man fremde Leute nicht einfach.«

»Aber wenn man den gleichen Namen trägt, kann man sich doch nicht siezen«, verteidigte der Mann mit den Zauberaugen seinen Namensvetter. »Unter uns Antons ist das Du üblich, habe ich recht, mein Freund? Dein Papa bin ich leider nicht, aber ich bin sicher, jeder Papa könnte sehr stolz sein, einen Sohn wie dich zu haben.«

Er war nicht nur schön, er war auch noch reizend und ging liebevoll mit Kindern um. Viele Männer hielten es nicht für nötig, auch nur ein Wort an die kleinen Menschen zu richten. Sie taten geschäftig und wichtig und ignorierten es oder reagierten empört, wenn ein Kind sie ansprach.

Der schöne Mann namens Anton hingegen schien es zu genießen, mit seinem kleinen Namensvetter zu sprechen. Gerade ließ er sich erklären, dass Anton junior in diesem September in die Schule kommen würde und sich schon darauf freute, weil er eine riesengroße Schultüte geschenkt bekommen würde.

»So riesengroß wird die gar nicht«, berichtigte seine Mutter, der man noch immer ihre Verlegenheit anmerkte. »Ich weiß nicht, was der junge Herr sich da einbildet ... Dass seine Mutter im Lotto gewonnen hat?«

»Ich bin sicher, sie wird die größte von allen sein, richtig, Anton?«, fragte Anton senior. »Schließlich hat deine Mutter sie für dich gefüllt. Etwas Größeres und Besseres gibt es ja gar nicht. Egal, wie lang oder breit die Tüte von außen aussieht.«

Der kleine Anton wirkte kurz ein wenig verwirrt, dann aber nickte er begeistert. Anton senior hatte das Problem geschickt gelöst: Selbst, wenn die Tüte, die seine alleinerziehende Mutter ihm schenkte, mit denen der anderen nicht mithalten konnte, würde er jetzt überzeugt sein, in Wahrheit die größte und schönste erhalten zu haben.

Maya erinnerte sich noch gut an ähnliche Ereignisse ihrer Kindheit. Auch ihrer Mutter war es als Witwe oft schwergefallen, die unzähligen Herzenswünsche, die ein Kind hatte, zu erfüllen und Maya nie das Gefühl zu geben, benachteiligt zu sein. Nicht selten waren Mayas Taufpaten, Tante Julia und Onkel Stefan, eingesprungen und hatten das Fahrrad, den neuen Ranzen oder die Reitstunden gesponsert. Auch mit Liebe hatten die beiden – Mamas Cousine und ihr Mann, die beide Ärzte waren – nie gespart, sondern Maya und ihre Mutter stets an ihrem bunten, quirligen Familienleben teilhaben lassen.

Ein solches Familienleben wünsche ich mir eines Tages selbst, durchfuhr es Maya.

Tante Julia und Onkel Stefan waren ein Paar wie aus dem Bilderbuch und wirkten nach über zwanzig Jahren noch immer wie frisch verliebt. Für ihre vier Kinder waren sie trotz des anstrengenden Berufslebens, das Onkel Stefan als Chefarzt einer Klinik führte, immer da.

Gleich darauf wunderte sich Maya. Seit wann dachte sie denn ausgerechnet über ein Familienleben nach? Wenn Nora mit solchen Träumereien anfing, lachte sie sonst doch immer nur und erklärte, ihr Berufsleben sei ihr Traum genug.

»Und Sie, Maya?«, wandte sich Anton senior an die Flugbegleiterin. »Wie lautet Ihre Ansicht zu unserer Debatte? Finden Sie Gummibärchen oder eher Lakritzstangen als Füllung für eine Schultüte geeignet?«

Offenbar hatten die beiden Antons über diese bedeutsame Frage eifrig diskutiert, während sie sich in merkwürdigen Träumen verloren hatte. Wie alle Passagiere sprach Anton senior sie bei ihrem Vornamen an, mit dem Patrick, der Kabinenchef, sie vorhin vorgestellt hatte und der auf dem Namensschild an ihrer Uniformjacke stand. Wieder blickte er zu ihr auf, und wieder wollte sie sich in seinen goldbraunen Augen verlieren.

Maya musste hier weg! Irgendetwas ging mit ihr vor, und sie wusste nur, dass es etwas Gefährliches war.

»Am besten beides«, sagte sie so unverbindlich wie möglich.

»Eine ausgezeichnete Idee!«, lobte Anton senior zufrieden, während Anton junior eifrig nickte. Anton und Anton klatschten einander über die Sitzlehne hinweg ab, dann wandte Anton senior sich mit einem Lächeln wieder an Maya: »In Rom gibt es doch bestimmt auch ganz hervorragende Süßigkeiten zu kaufen«, mutmaßte er. »Kennen Sie sich in der Stadt aus? Können Sie uns vielleicht ein Geschäft empfehlen?«

»Ein bisschen kenne ich mich zwar aus, aber jetzt muss ich wirklich auf meinen Sitz«, beschied sie ihn so knapp wie möglich, ohne unhöflich zu wirken. »Sonst wird Kapitän Giese ärgerlich, und das völlig zu Recht! Italien ist aber auf alle Fälle das Land mit dem weltbesten Eis – und das bekommen Sie in Rom an jeder Straßenecke.«

Ohne auf eine Reaktion von ihm zu warten, floh sie regelrecht durch den Gang und ließ sich neben ihre Kollegin Elena auf den Sitz im vorderen Teil der Maschine fallen.

»Was hattest du denn so lange mit den Leuten in Reihe zehn und elf zu besprechen?«, fragte Elena prompt. »Gab's ein Problem, oder konntest du dich nur nicht von dem umwerfenden Herrn Bachmann losreißen?«

»Bachmann?«, stammelte Maya verwirrt.

Von irgendwoher kam ihr der Name bekannt vor.

»Ja, Anton Bachmann, der Kameramann«, bestätigte Elena. »Der diesen tollen Film, der in der Karibik spielt, gedreht hat. In Rom dreht er auch wieder. Eine brandneue Serie für ein großes Streamingportal. Soll der Wahnsinn sein, aber der größte Wahnsinn ist er selbst, oder? Ein absolut unwiderstehlicher Typ. Wenn ich nicht in festen Händen wäre, würde ich dem auch gern mal behilflich sein – besonders gerne beim Anschnallen!«

»Ich habe ihm nicht beim Anschnallen geholfen«, verteidigte sich Maya. »Der kleine Junge in der Reihe elf hatte Durst, und er hat geholfen, ihn ein bisschen abzulenken.«

Der schöne Anton mit den Zauberaugen war also beim Film. Und damit noch unerreichbarer für die kleine Stewardess Maya Friedrichsen, als er sowieso schon gewesen war. Und weshalb zerbrach sie sich darüber überhaupt den Kopf? Sie wollte ihn ja schließlich nicht erreichen, hatte in ihrem Leben für alles andere eher Platz als für einen Mann.

***

Die Turbulenzen legten sich, und weil Elena es ja praktisch angeboten hatte, überließ Maya es ihr, Anton junior seinen Apfelsaft zu bringen und ihn bei dem versprochenen Besuch im Cockpit zu begleiten. Sie selbst kümmerte sich besonders intensiv und zuvorkommend darum, den Passagieren im hinteren Teil der Maschine sämtliche Wünsche zu erfüllen. Auf diese Weise geriet sie gar nicht erst in Versuchung, noch einmal länger vor den Reihen zehn und elf stehen zu bleiben, ehe die Maschine schließlich auf dem italienischen Flughafen Fiumicino landete.

Nach der Landung hatte sie wie üblich alle Hände voll zu tun, und in der Kabine entstand der gewohnte Trubel, bis endlich die Treppe herangefahren worden war und der Ausstieg begann. Zusammen mit Patrick und Elena stellte sie sich an die Tür und verabschiedete wie immer die Passagiere.

»Auf Wiedersehen und einen angenehmen Aufenthalt«, wünschte sie jedem Reisenden.

Viele Leute bedankten sich für den angenehmen Flug, andere nickten nur und gingen weiter. Für gewöhnlich dauerte die ganze Prozedur nur wenige Minuten, denn allen war daran gelegen, möglichst schnell zur Passkontrolle zu kommen und weit vorne in der Schlange zu stehen.

Einer aber – ein schlanker hochgewachsener Mann, der sie um fast einen Kopf überragte – blieb direkt vor Maya stehen und sah ihr geradewegs in die Augen. Anton Bachmann.

»Ich wollte mich für das schöne Gespräch bedanken«, sagte er.

»Oh ... äh ... gern geschehen«, stammelte Maya, der es sonst leichtfiel, mit den Passagieren zu plaudern. »Wir haben ja auch gar nicht lange miteinander gesprochen.«