Chefarzt Dr. Holl 1922 - Katrin Kastell - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1922 E-Book

Katrin Kastell

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Beschreibung

Niemand ist da, als es passiert. Ein Schlaganfall überrascht Marianne Herbst in ihren eigenen vier Wänden. Muss ich jetzt sterben?, fragt sie sich. Ihr letzter Gedanke gilt voller Mitgefühl der armen Seele, die sie leblos auf dem Boden findet. Aber wie lange wird es dauern, bis sie jemand entdeckt? Seit ihre drei Töchter ausgezogen sind, gibt es nur noch ihre Freundin Sibylle, die dann und wann nach ihr sieht. Als Marianne aufwacht, liegt sie bereits in der Berling-Klinik. Ihre gesamte linke Körperhälfte ist taub, bewegungsunfähig. Schockiert blickt sie sich um. Jennifer, Miriam und Katharina sitzen an ihrem Bett und reden aufgeregt auf sie ein: "Mami, du musst dir von Doktor Holl helfen lassen!" - "Ach", will sie sagen. "Könnt ihr Mädchen denn nicht verstehen, dass ich nicht in mein altes Leben zurückkehren will?" Doch kein Ton entringt sich ihren Lippen. Während ihre Töchter immer drängender bitten und flehen, ist ihr, als würde eine kilometerdicke Wand um sie emporwachsen und ihre Worte verschlucken ...

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Seitenzahl: 125

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Inhalt

Cover

Als mir die Worte fehlten

Vorschau

Impressum

Als mir die Worte fehlten

Wie Dr. Holl seiner Patientin nach einem Schlaganfall zurück ins Leben hilft

Von Katrin Kastell

Niemand ist da, als es passiert. Ein Schlaganfall überrascht Marianne Herbst in ihren eigenen vier Wänden. Muss ich jetzt sterben?, fragt sie sich. Ihr letzter Gedanke gilt voller Mitgefühl der armen Seele, die sie leblos auf dem Boden findet. Aber wie lange wird es dauern, bis sie jemand entdeckt? Seit ihre drei Töchter ausgezogen sind, gibt es nur noch ihre Freundin Sibylle, die dann und wann nach ihr sieht.

Als Marianne aufwacht, liegt sie bereits in der Berling-Klinik. Ihre gesamte linke Körperhälfte ist taub, ja sogar bewegungsunfähig. Schockiert blickt sie sich um. Jennifer, Miriam und Katharina sitzen an ihrem Bett und reden aufgeregt auf sie ein: »Mami, du musst dir von Doktor Holl helfen lassen!« – »Ach«, will sie sagen. »Könnt ihr Mädchen denn nicht verstehen, dass ich nicht in mein altes Leben zurückkehren will?« Doch kein Ton entringt sich ihren Lippen. Während ihre Töchter immer drängender bitten und flehen, ist ihr, als würde eine kilometerdicke Wand um sie emporwachsen und ihre Worte verschlucken ...

Und nun noch die harten Eier!

Mit ein paar geübten Griffen goss Marianne Herbst das kochende Wasser aus dem Topf ab und fing die frisch gekochten Eier im Durchschlag auf. Sie schreckte sie unter kaltem Wasser ab und begann dann damit, sie zu pellen.

Als Kinder hatten ihre drei Töchter staunend dabei zugesehen. Es hatte kein Gericht gegeben, das sie so gerne aßen wie Mamis Eiersalat, und es faszinierte sie, dass ihre Mutter die heißen Eier einfach so in die Hände nehmen und von der Schale befreien konnte.

Wie schön das war, dachte Marianne mit einem Anflug von Wehmut, während sie die gepellten Eier klein hackte und in die Schüssel mit dem Salat füllte.

Ihr Leben war damals keinen Tag lang einfach gewesen, und abends, wenn Jennifer, Miriam und Katharina endlich zufrieden in ihren Betten gelegen hatten, hatte sie selbst meist nur noch die Kraft dazu besessen, in ihr eigenes Bett zu taumeln.

Ihr Mann Friedrich, die große Liebe ihres Lebens, war bei einem grauenhaften Verkehrsunfall ums Leben gekommen, als Katharina, ihre jüngste Tochter, noch ein Baby gewesen war. Das wunderschöne, alte Haus mit dem großen Garten am Rand von Grünwald, das bis heute ihr Zuhause war, hatten sie damals gerade erst gekauft. Sie hatten damit ihrer großen, glücklichen Familie ein perfektes Zuhause schaffen wollen.

Es war noch nicht einmal zu einem Fünftel abbezahlt gewesen, als Friedrich ihr genommen worden war. Die zahllosen Reparaturen, die das Haus benötigte und die sie nach und nach gemeinsam in Angriff hatten nehmen wollen, waren liegen geblieben.

Seitdem hatte es nichts Gemeinsames mehr gegeben. Über Nacht war Mariannes harmonische Welt zerbrochen.

Sie hatte die drei Kinder, die verstört und verängstigt gewesen waren, allein aufziehen, ihnen Halt und Geborgenheit geben müssen. Darüber hinaus hatte sie dringend Geld heranschaffen müssen, um Jennifer, Miriam und Katharina ihr Zuhause zu erhalten und ihnen trotz der schrecklichen Tragödie eine schöne Kindheit zu ermöglichen.

Als Komponist für Unterhaltungsmusik hatte Friedrich gut verdient, doch daran, sich abzusichern und für eine Notsituation vorzusorgen, hatten sie beide nicht gedacht.

Warum denn auch? Sie waren jung, gesund und voller Hoffnung gewesen, sie hatten an den Tod nie auch nur gedacht.

Für die drei kleinen Kinder, denen sie sich mit all ihrer Liebe hatte widmen wollen, hatte Marianne ihre Arbeit als Versicherungskauffrau mit Freuden aufgegeben. So hatte es der Plan vorgesehen, den sie und Friedrich für ihr Leben geschmiedet hatten: Er hatte mit seinem Einkommen dafür sorgen wollen, dass es der Familie an nichts fehlte, und sie hatte die Kinder betreuen und sich um Haus und Garten kümmern wollen.

Es war ein so schöner Plan gewesen. Der Tod, der alledem ein Ende gesetzt hatte, war darin nicht vorgesehen gewesen.

Sooft Marianne sich an diese Zeit erinnerte, fragte sie sich, wie sie es geschafft hatte, nicht zusammenzubrechen. Am liebsten wäre sie in ihrem Bett, in dem sie mit Friedrich so viel Glück erlebt hatte, liegen geblieben und hätte sich die Decke über den Kopf gezogen, um endlos zu weinen und vom Geschehen um sie herum nichts mehr mitzubekommen.

Aber für ihre Kinder hatte sie stark sein, sich aufrappeln und das Leben irgendwie meistern müssen. Jennifer, Miriam und Katharina hatten ihren wundervollen Vater verloren. Sie sollten nicht auch noch ihre Mutter verlieren.

Sie hatte bei ihrem Lehrmeister angeklopft und war zu ihrem Glück vom Fleck weg eingestellt worden. Bei der Arminia Versicherungsgesellschaft arbeitete sie bis heute.

Anfangs hatte ihr Chef sich kulant gezeigt und sich auf halbwegs familienfreundliche Arbeitszeiten eingelassen. Später, als die Mädchen alle zur Schule gegangen waren und dort ganztags hatten betreut werden können, hatte auch Marianne angefangen, ganztags zu arbeiten. Nach Dienstschluss war sie zum Einkaufen gehetzt, hatte ihre drei Töchter abgeholt und war nach Hause gerast, um sich um das Abendessen zu kümmern. Es war unendlich hart gewesen.

Und dennoch hatte sie inmitten all der Traurigkeit und der Anstrengung Glück verspürt. Das Glück, drei gesunde Kinder zu haben und in einer Familie zu leben, in der alle einander innig liebten.

Marianne rührte den Eiersalat in der größten Schüssel um, die sie besaßen. Wieder blitzte die Erinnerung in ihr auf: Ihre drei Mädchen, die aufgeregt plappernd um sie herumgestanden hatten und es nicht hatten erwarten können, sich auf ihr Lieblingsessen zu stürzen.

Wie lebendig und fröhlich war es immer an ihrem Esstisch zugegangen!

In letzter Zeit hatte sie den allseits geliebten Eiersalat so gut wie gar nicht mehr zubereitet. Es gab ja kaum noch einen Abend, an dem die Kinder, die inzwischen drei junge Frauen waren, alle zum Essen nach Hause kamen. Kein Wunder, zumindest die beiden großen hatten jetzt jeweils ihr eigenes Leben.

Jennifer, die Älteste, war dreiundzwanzig. Sie erfüllte sich ihren Traum und studierte Innenarchitektur. Außerdem war sie bereits seit einem knappen Jahr bis über beide Ohren in ihren Studienkollegen Lukas verschossen und verbrachte mehr Zeit bei ihm in seiner Studentenbude als zu Hause.

Miriam, die Mittlere war einundzwanzig und machte an der renommierten Berling-Klinik eine Ausbildung zur Hebamme. Es war ein großes Glück, dass sie unter dem wunderbaren Klinikleiter Dr. Stefan Holl, der Mariannes Töchter von klein auf ärztlich betreut hatte, ihren Wunschberuf erlernen durfte.

Dr. Holl war es auch gewesen, der dafür gesorgt hatte, dass Miriam im Schwesternwohnheim der Klinik ein hübsches Zimmer bekam.

»Das ist doch besser für uns alle«, hatte Miri ihrer Mutter zu erklären versucht. »Ich habe ja dann Schichtdienst, komme manchmal mitten in der Nacht und an anderen Tagen in aller Herrgottsfrühe. Ich würde dich dauernd aus dem Schlaf schrecken und dein ganzes Leben durcheinanderbringen.«

Mein ganzes Leben? Um ein Haar hätte Marianne bitter aufgelacht. Mein Leben, das seid ihr Kinder, hätte sie Miriam erklären wollen.

Ob ihre Töchter sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf rissen oder sie morgens, lange bevor ihr Wecker klingelte, aufweckten, machte ihr nichts aus. So war es doch immer gewesen, und so hatte sie es geliebt: Leben, Lachen und Trubel in ihrem Haus, das viel zu groß und gähnend leer erschien, wenn die drei Mädchen und die lustige Schar ihrer Freunde nicht da waren.

Katharina, die Jüngste, die erst achtzehn war und gerade ihr Abitur bestanden hatte, war die Einzige, die ihr noch blieb.

Gott sei Dank, dachte Marianne.

Wie es erst sein würde, wenn auch ihre Kleinste, ihr Nesthäkchen ihre eigenen Wege ging, wollte sie sich überhaupt nicht vorstellen.

Glücklicherweise würde das noch eine ganze Weile dauern. Katharina wollte Französisch und Deutsch auf Lehramt studieren und würde zu Hause wohnen bleiben. Sie war als jüngstes ohnehin immer das anhänglichste ihrer Kinder gewesen, und Marianne hoffte, dass es noch lange so bleiben würde. Auch wenn sie schon am Tag der Abi-Feier aus allen Wolken gefallen war, als sie Katharina in ihrem blauen Seidenkleid gesehen hatte: Aus dem stillen, schüchternen Mama-Kind, das ihr nicht von der Seite gewichen war, war eine strahlende junge Frau geworden.

Katharina vermisste ihre Schwestern, wie Marianne sie vermisste. Die drei Mädchen waren immer ein Dreigestirn gewesen und gemeinsam mit ihrer Mutter ein vierblättriges Kleeblatt. Ihre Spieleabende, die gemeinsamen Reisen, die vielen Geburtstagsfeiern und die Abendessen, bei denen alle durcheinandergeredet hatten – all das hatte Marianne viele Jahre lang ausgefüllt und glücklich gemacht.

Wenn ihre Freundin Sybille sie gefragt hatte, warum sie sich nicht auf die Suche nach einem neuen Partner machte, hatte Marianne nur abgewinkt. Sie hatte den wunderbarsten Partner auf der Welt gehabt, und nun hatte sie die wunderbarsten Kinder als sein Erbe. Das war ihr in all den Jahren mehr als genug gewesen.

Seit Jennifer und Miriam aber immer seltener nach Hause gekommen waren, lag sie oft nachts wach und fragte sich, was aus ihrem Leben werden sollte, wenn auch Katharina gegangen war. Sie wollte nicht daran denken, es war ja noch viel Zeit bis dahin, aber die Gedanken ließen sich nicht immer wegschieben.

Es fühlte sich an, als würde bald niemand mehr sie brauchen – und das, wo sie in diesen zwanzig Jahren in jedem Augenblick, zu jeder Tag- und Nachtzeit unersetzlich gewesen war ...

***

Heute Abend aber würden Mariannes geliebte Töchter endlich wieder einmal hereinschneien und gemeinsam am Tisch sitzen. Alle drei hatten sich zum Abendessen angemeldet, und diesen schönen Anlass wollte sie sich nicht durch trübe Gedanken verderben. Im Gegenteil, zur Feier des Tages würde es das allgemeine Lieblingsessen geben: »Mamas berühmten Eiersalat«.

Noch einmal rührte sie alle Zutaten gründlich durch, dann dekorierte sie den fertigen Salat mit ein paar Zweigen Petersilie und trug ihn zum Tisch, den sie bereits mit sonnengelben Kerzen und Servietten hübsch gedeckt hatte.

Nun musste sie nur noch die bereits geformten Frikadellen anbraten, die es dazu geben sollte, dann war alles fertig. Das selbst gemachte Walnuss-Eis, von dem ihre Mädchen nicht genug bekommen konnten, hatte sie schon am Morgen vor der Arbeit zubereitet. Die kühle Süßspeise wartete bereits im Gefrierschrank darauf, mit Sahne und frisch gehackten Nüssen serviert zu werden.

Sie freute sich unbändig auf den Abend. Und das Schönste war: Wenn Jennifer nachher wieder zu Lukas und Miriam in ihr Schwesternwohnheim fuhr, brauchte sie nicht wie sonst traurig zu sein und sich leer zu fühlen. Die beiden würden ja bald wiederkommen! Bis zu Mariannes Geburtstag waren es nur noch zehn Tage, und natürlich würden sie wie jedes Jahr alle vier zusammen feiern.

***

Mariannes Handy klingelte. Sie eilte zurück in die Küche, wo sie es liegen gelassen hatte, und warf im Laufen einen Blick auf ihre Uhr. Viertel vor sieben.

Ihre hungrige Meute würde in einer Viertelstunde das Haus stürmen, und sie musste sich beeilen, die Frikadellen in die Pfanne zu bekommen. Der Anrufer war vermutlich ihre Freundin Sybille, die grundsätzlich zu Unzeiten auf einen Schwatz anrief. Nun, heute würde sie sich kurzfassen müssen.

»Hi, Mum«, vernahm sie, kaum, dass sie sich gemeldet hatte, statt der erwarteten Sybille die Stimme ihrer ältesten Tochter.

»Jenny, mein Liebling!«, rief Marianne. »Ist alles in Ordnung bei dir? Musst du dich verspäten? Das macht gar nichts – ich habe kaltes Essen vorbereitet, werde deinen Schwestern ein Gläschen Prosecco als Aperitif anbieten, und dann warten wir einfach auf dich.«

»Das ist echt lieb von dir, Mum«, erwiderte Jennifer, »und es tut mir auch leid, dass ich mich erst im letzten Augenblick melde, aber bei mir wird's heute nichts. Freunde von Lukas haben uns ins Kino eingeladen. Zu ›Fast & Furious 9‹. Das verstehst du, dass wir da nicht Nein sagen konnten, oder?«

Marianne brauchte mehrere Sekunden, um sich zu fassen.

Jennifer würde nicht kommen. Sie ging lieber ins Kino. Dabei hatte sie neulich noch gesagt, sie freue sich darauf, endlich mal wieder einen Abend zu viert zu verbringen.

»Natürlich, mein Schatz«, presste sie heraus. »Das verstehe ich vollkommen. Ich wünsche dir und Lukas einen tollen Abend. Vielleicht sehen wir uns ja vor meinem Geburtstag noch mal? Kommst du zwischendurch nach Hause?«

»Ich versuch's«, antwortete Jennifer ausweichend. »Ist echt viel los im Moment, in der Uni und sonst auch.«

»Kein Problem«, sagte Marianne tapfer. »Umso schöner wird es dann, wenn du an meinem Geburtstag da bist.«

»Mum, es tut mir wirklich leid, aber das mit deinem Geburtstag wird auch schwierig«, erwiderte Jennifer. »Philipp, Lukas' bester Freund, gibt an dem Tag eine ganz große Party, und Lukas meint, er wäre echt sauer, wenn ausgerechnet wir nicht dabei wären. Können wir nicht einfach nachfeiern? Das genaue Datum ist doch nicht so wichtig, oder?«

»Nein, natürlich nicht«, murmelte Marianne tonlos.

Es war nur ein Datum. Was war daran schon wichtig? Zufällig war es das Datum, an dem sie geboren worden war, aber weshalb sollte Jennifer sich darüber den Kopf zerbrechen?

Marianne hasste sich, weil sich in ihrer Kehle ein Kloß bildete und ihr die Tränen in die Augen stiegen.

Warum nur machte sie ein solches Theater aus ihrer albernen Geburtstagsfeier? Eiersalat essen, und Kniffel spielen – es war doch klar, dass das für die jungen Leute kein bisschen reizvoll, sondern vielmehr unendlich öde und langweilig war.

»Mum?«, fragte Jennifer. »Bist du noch da? Es tut mir echt leid, dass die Termine sich so überschneiden, und wenn es dir so viel ausmacht, komme ich natürlich, aber ...«

»Nein, nein, du gehst auf deine Party«, fiel Marianne ihr hastig ins Wort. »Du hast ja völlig recht – auf das Datum kommt es wirklich nicht an.«

»Bist du sicher?«, vergewisserte sich Jennifer skeptisch.

»Aber ja doch, Liebling«, presste Marianne heraus.

»Du bist ein Schatz, Mum.« Jennifer schickte ihr einen Kuss durchs Telefon. »Ich muss dann jetzt auch Schluss machen – Max und Tamara holen uns in einer Viertelstunde ab, und ich will mich noch umziehen. Habt einen ganz tollen Abend, ihr drei. Und grüß Kathi und Miri von mir.«

Ehe Marianne noch etwas herausbringen konnte, war das Gespräch bereits beendet.

Wie benommen starrte sie auf das Display ihres Handys. Während ihres Gesprächs war eine Textnachricht eingegangen, die sie sich seitdem immer wieder durchlas, ohne den Inhalt zu erfassen:

Tut mir leid, Mami, kann heute Abend nicht kommen. Kollegin ist krank geworden, muss ihre Schicht übernehmen. Macht's euch schön, und grüß die anderen. Küsschen, Miri.

Miriam würde auch nicht kommen!

Tagelang hatte Marianne sich auf diesen Abend zu viert gefreut, hatte eingekauft und vorbereitet. Nun aber würde sie wie jeden Abend mit Katharina allein zu Abend essen. In Anbetracht der neuen Umstände wirkte der liebevoll dekorierte Tisch geradezu lächerlich.

Nein!, rief sie sich zur Ordnung. Katharina und sie würden sich den Abend schön machen und das Essen genießen, auch wenn es für zwei Personen natürlich viel zu viel war. Sie hatte noch eine Tochter bei sich, und dafür wollte sie dankbar sein.

Und wenn Jennifer und Miriam zum ersten Mal, seit sie auf der Welt waren, an ihrem Geburtstag fehlten, tat ihr das zwar weh, aber es war kein Grund, nicht trotzdem mit Katharina zu feiern, so gut es eben ging.