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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Hi! Wollen wir tanzen, Alex? Du bist doch Alex? Alex Norden, oder?« Alex, der, ein Glas Bier in der Hand, am Tresen lehnte und das bunte Treiben des Semesterabschlussballs der medizinischen Fakultät auf sich wirken ließ, wandte sich überrascht zur Seite und schaute in ein hübsches, wenn auch für seinen Geschmack zu stark geschminktes Mädchengesicht. »In der Tat, ich bin Alex Norden«, erwiderte er lächelnd. »Und wer bist du?« »Ich bin Kit. Wollen wir jetzt tanzen oder nicht?« »Meinetwegen. Klar doch«, gab Alex zurück, stellte sein Bier ab, nahm Kits Hand und zog die junge Frau mit sich auf die Tanzfläche. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil seine Antwort nicht gerade begeistert geklungen hatte, aber Kit schien alles andere als gekränkt zu sein. Ganz im Gegenteil. Sie strahlte ihn mit leuchtenden Augen an, als hätte sie soeben das große Los gezogen, und schmiegte sich beim Tanzen eng an ihn. »Weißt du, dass ich nur deinetwegen auf den Abschlussball eurer Fakultät gegangen bin?«, sagte sie. »Normalerweise habe ich mit Medizinern nämlich nicht viel am Hut, aber was dich betrifft … du bist die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt«, schmeichelte sie.
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Hi! Wollen wir tanzen, Alex? Du bist doch Alex? Alex Norden, oder?«
Alex, der, ein Glas Bier in der Hand, am Tresen lehnte und das bunte Treiben des Semesterabschlussballs der medizinischen Fakultät auf sich wirken ließ, wandte sich überrascht zur Seite und schaute in ein hübsches, wenn auch für seinen Geschmack zu stark geschminktes Mädchengesicht.
»In der Tat, ich bin Alex Norden«, erwiderte er lächelnd. »Und wer bist du?«
»Ich bin Kit. Wollen wir jetzt tanzen oder nicht?«
»Meinetwegen. Klar doch«, gab Alex zurück, stellte sein Bier ab, nahm Kits Hand und zog die junge Frau mit sich auf die Tanzfläche.
Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil seine Antwort nicht gerade begeistert geklungen hatte, aber Kit schien alles andere als gekränkt zu sein. Ganz im Gegenteil.
Sie strahlte ihn mit leuchtenden Augen an, als hätte sie soeben das große Los gezogen, und schmiegte sich beim Tanzen eng an ihn. »Weißt du, dass ich nur deinetwegen auf den Abschlussball eurer Fakultät gegangen bin?«, sagte sie. »Normalerweise habe ich mit Medizinern nämlich nicht viel am Hut, aber was dich betrifft … du bist die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt«, schmeichelte sie.
»Ach ja?«, meinte Alex verblüfft.
Noch ehe er sich überlegen konnte, woher Kit ihn überhaupt kannte, nickte die junge Frau eifrig. »Meine Schwester ist Krankenpflegerin in der Behnisch-Klinik«, erklärte sie. »Sie hat mir schon eine ganze Menge über dich erzählt.«
»Nur Gutes, hoffe ich«, lachte Alex.
»Sowieso. Das versteht sich doch von selbst. Meine Schwester … sie schwärmt regelrecht von dir. Und genau deshalb wollte ich dich endlich einmal persönlich treffen.«
»Was du hiermit geschafft hast.« Alex fühlte sich in Kits Umklammerung zunehmend unbehaglich und war froh, als der Blues zu Ende war und die Band zu flotteren Rhythmen überging.
»Spendierst du mir einen Drink?«, fragte Kit, deren Lust, das Tanzbein zu schwingen, offenbar fürs Erste gestillt war.
Alex zögerte einen Moment. »Aber ja, natürlich. Was möchtest du denn?«, antwortete er schließlich.
Kit, der Alex’ Schrecksekunde nicht entgangen war, grinste. »Keine Angst. Ich stehe nicht auf Champagner. Eine Cola mit Schuss ist mir entschieden lieber als irgendein Moet Clicquot oder wie das Zeug heißt.«
»Na, dann.« Gemeinsam kehrten Alex und Kit zum Tresen zurück, wo es inzwischen hoch herging.
Eine ganze Traube von Studenten scharte sich lachend und feixend um Peter Flohr, der gekonnt den Alleinunterhalter gab und zur allgemeinen Erheiterung sämtliche Professoren und Dozenten der medizinischen Fakultät parodierte. »Norden, ich habe Ihnen gerade eine Frage gestellt. Wo sind Sie wieder mit Ihren Gedanken?«, ahmte er soeben, täuschend ähnlich in Stimme und Sprachduktus, Professor Herrenbach nach. »Sie sollten mir auf den Knien danken, Norden, während meiner genialen Vorträge unentwegt an meinen Lippen hängen zu dürfen, aber stattdessen träumen Sie von heißen Liebesnächten und anderen völlig unwichtigen Dingen, die …« Peter Flohr brach abrupt ab, als er Alex sah.
Und stellte im nächsten Moment erleichtert fest, dass Alex genauso laut lachte wie seine anderen Zuhörer und ihm sogar applaudierte.
Sofort drehte Peter wieder voll auf und setzte seine Performance fort, während Alex für sich ein Wasser und für Kit eine Cola mit Schuss bestellte.
Neugierig musterte er dann die Studenten, die Peter umringten, als wäre er ein Popstar.
Sie waren – wie hätte es anders sein können – überwiegend weiblich, doch Claudine, Peter Flohrs Verlobte, konnte Alex nirgends entdecken. War Peter am Ende, genau wie er selbst, alleine gekommen? Hatte auch Claudine sich nicht überreden lassen …
»Was ist eigentlich mit deiner Freundin, Alex? Mag sie keine Partys?«, fragte in diesem Augenblick Kit, als hätte sie Alex’ geheimste Gedanken erraten.
»Doch, natürlich mag Sina Partys«, gab Alex leicht irritiert zurück.
»Und warum ist sie dann nicht hier?«, bohrte Kit weiter und trank einen großen Schluck von ihrer Cola.
»Weil … weil …« Alex suchte fieberhaft nach einer Erklärung für Sinas Abwesenheit. »Ihr … ihr Bruder feiert heute ebenfalls eine Party. Da hat sie sich entschieden, zuerst seine Fete unsicher zu machen«, log er. »Und … und wenn … wenn es ihr dort zu langweilig wird, schaut sie eben später noch hier vorbei.« Er fand Kits Vorgehen ziemlich indiskret.
Kit trank einen weiteren Schluck Cola mit Schuss und leckte sich dann betont langsam die Lippen, wobei sie Alex nicht aus den Augen ließ. »Hat dir eigentlich schon einmal jemand gesagt, dass du ein ziemlich schlechter Lügner bist, Alex?«
Alex verschluckte sich an seinem Wasser und musste husten.
»Habt ihr euch gestritten? Oder habt ihr euch getrennt?«, fragte Kit ungeniert weiter.
»Wir haben uns weder gestritten noch haben wir uns getrennt«, gab Alex zurück. Auf die Schnelle war ihm einfach keine flottere Antwort eingefallen.
Gleichzeitig ärgerte er sich über sich selbst. Wenn er schon nicht schlagfertig genug war, um Kit Paroli zu bieten, brauchte er sich deshalb noch lange nicht fühlen, als wäre er ihr Rechenschaft schuldig.
»Okay. Geht mich nichts an und ist im Grunde ja auch egal«, meinte Kit schließlich schulterzuckend. »Es ist nur … was mich betrifft, habe ich mich vor zwei Tagen von meinem Freund losgesagt. Diesmal endgültig. Deshalb dachte ich, du hättest vielleicht das Gleiche hinter dir. Und wärst sozusagen ein Schicksalsgefährte.«
Alex schüttelte den Kopf.
Irgendwie musste er dieser Kit entkommen, ohne allzu unhöflich zu sein, aber …
»Mir ist furchtbar heiß«, sagte Kit plötzlich in seine Gedanken hinein. Sie zog ihr Oberteil über den Kopf, unter dem sie nur ein tief ausgeschnittenes ärmelloses Top trug. »Ah, das tut gut«, seufzte sie, streckte ihre Arme aus und ließ sie dann auf Alex’ Schultern sinken. »Wir könnten ein bisschen nach draußen gehen, Alex. Die Luft hier ist so stickig, dass man sie in Würfel schneiden könnte.«
Alex warf einen Blick auf seine Armbanduhr.
Es war fast halb elf. Vielleicht sollte er sich einfach auf den Heimweg machen. Ohne Sina machte ihm die ganze Party ohnehin keinen besonderen Spaß.
Er beschloss, nur noch Peters Darbietung bis zum Ende zu verfolgen und dann aufzubrechen.
»Später vielleicht. Jetzt möchte ich lieber noch ein bisschen zuhören, wie Peter unsere Profs veräppelt, Kit. Und dann …«
Frenetischer Beifall machte den Rest von Alex’ Satz unhörbar.
Peter nahm den Applaus wie ein bühnenerfahrener Profi entgegen und verneigte sich vor seinem Publikum. »Ende der Vorstellung«, sagte er und fügte mit einer abwehrenden Handbewegung hinzu: »Keine Chance mehr auf eine Zugabe.«
Entschlossen bahnte er sich seinen Weg durch seine Zuschauer und näherte sich mit Riesenschritten Alex und Kit.
Mit einem übertrieben charmanten Lächeln trat er vor Kit hin, nahm ihre Hand und deutete einen Kuss an.
Kit war völlig verwirrt. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie nicht so recht wusste, was sie von dieser ungewöhnlichen Geste halten sollte. War sie die Nächste, über die dieser Typ sich lustig machen wollte? Oder war das Ganze etwa ernst gemeint?
Ein paar Studenten in der Nähe lachten.
Lachten sie nur zufällig oder lachten sie über sie?
Kit taxierte ihr Gegenüber mit einem scheuen Blick.
Der Typ sah gut aus, mindestens genauso gut wie Alex. Das musste man ihm lassen. Im Gegensatz zu Alex hatte er allerdings etwas Aalglattes und leicht Zynisches an sich.
Bei Alex verspürte Kit ein Gefühl weiblicher Überlegenheit, das ihr eine gewisse Sicherheit gab, hier dagegen …
»Ich bin untröstlich, dass ich dir Alex entführen und euer trautes Zusammensein stören muss, Süße«, sagte Peter, wobei er von einem Ohr zum anderen grinste. »Aber nachdem ich meinen besten Kumpel und Studienkollegen vorhin durch den Kakao gezogen habe, möchte ich ihn nun zu einem Wiedergutmachungs-Bierchen einladen. Unter Männern, versteht sich.«
Kits Unterkiefer sank unwillkürlich ein Stück nach unten.
Sie wollte etwas sagen, aber Peter wandte sich bereits von ihr ab.
»Du trinkst doch ein Bierchen mit mir, oder?«, richtete er stattdessen seine Aufmerksamkeit auf Alex, wobei er dessen Wasser mit einem verächtlichen Blick bedachte. »Ist heute der Tag des Antialkoholikers? Oder der Tag des Mineralwassers? Von solchen Dingen habe ich nämlich keine Ahnung.«Er bestellte, ohne eine Antwort abzuwarten, ein Bier für sich und eines für Alex. »Im Übrigen wollte ich vorhin natürlich keine Lacher auf deine Kosten, Alex«, entschuldigte er sich. »Aber Herrenbach ohne irgendeine dumme Bemerkung über Alex Norden ist einfach nicht wirklich Herrenbach. Da musst du mir doch zustimmen.«
»Natürlich stimme ich dir zu«, lachte Alex und klatschte in Peters hoch erhobene Hand. »Komm, vernichten wir unsere Bierchen!«
»Bingo. Und dabei tratschen wir ein bisschen über Frauen im Allgemeinen und über Studentinnen im Besonderen«, fügte Peter mit einem Augenzwinkern hinzu, während Kit sich ohne viel Aufhebens einem anderen Studenten anschloss und mit ihm zur Tanzfläche ging.
Alex, der froh war, sie los zu sein, machte es sich mit Peter im Freien an einem ruhigen Fleckchen ein wenig abseits des allgemeinen Trubels bequem.
»Auf Sina und Claudine, die uns schmählich im Stich gelassen haben«, sagte Peter und hob sein Bierglas.
Alex stieß mit Peter an. »Du sagst es. Ich habe auf Sina eingeredet wie auf ein krankes Pferd, aber sie war nicht dazu zu bewegen, mich zu begleiten. Und das nur, weil ihre Semesterabschlussklausuren nicht so gelaufen sind, wie sie sich das vorgestellt hat. Sie hat erklärt, dass sie keine Lust habe, Misserfolge zu feiern. Aus, fertig, Amen.«
»Ist es denn wirklich so schlecht gelaufen für Sina?«, erkundigte sich Peter.
Alex zuckte die Schultern. »Na ja, gut gelaufen sieht anders aus. Der Herrenbach hat sie mit Pauken und Trompeten durchrasseln lassen«, berichtete er. »Und in Chemie und in Medizingeschichte hat sie zwar bestanden, aber leider nur mit knapper Not.« Er trank sein Bierglas fast in einem Zug leer. »Sie nimmt sich das alles für meinen Geschmack viel zu sehr zu Herzen, aber so ist sie nun einmal. Dabei interessieren ihre Noten doch wirklich keinen einzigen Menschen hier auf dieser Fete.«
»Und die Nachholklausur in Anatomie? Hat Sina sie erst gar nicht versucht, oder …«
»Sie hat sie versäumt, weil sie krank war. Lebensmittelvergiftung. Es ging ihr wirklich ziemlich schlecht. Sie war sogar im Krankenhaus. Ich habe dir doch davon erzählt.«
»Ja, stimmt«, pflichtete Peter Alex bei. »Aber immerhin gibt es eine zweite Nachholklausur am Ende der Semesterferien. Du könntest bis dahin ein bisschen mit Sina lernen. Schließlich scheinst du in Anatomie ziemlich fit zu sein. Jedenfalls hast du, obwohl Professor Herrenbach bei dir bestimmt das berühmte Haar in der Suppe gesucht hat, mit Glanz und Gloria bestanden.«
»Und mit einer gehörigen Portion Glück, die unserem guten Prof garantiert einige schlaflose Nächte vor Ärger verursacht hat«, stellte Alex richtig. »Im Übrigen habe ich Sina bereits angeboten, mit ihr zu lernen. Sie war nicht abgeneigt, will aber zuvor erst einmal richtig Ferien machen. Dolcefarniente.«
»Kann ich verstehen. Geht mir, wenn ich Mist gebaut habe, immer genauso«, räumte Peter ein.
»Siehst du. Und dann ist da ja auch noch das Familientreffen auf dem Weingut ihres Onkels in der Toskana. Ich schätze, sie hat keine Lust, das Anatomiebuch in den Koffer zu packen.«
»Klar. So ein Buch braucht schließlich tierisch viel Platz«, schmunzelte Peter. »Fährt sie eigentlich allein nach Bella Italia, oder bist du dabei?«
»Ich bin dabei. Bei den Manolos sitze ich inzwischen sozusagen in der ersten Reihe. Sie zählen mich bereits zur Familie.«
»Holla, die Waldfee!« Peter grinste und gab Alex einen leichten Schubs mit dem Ellbogen.
Alex schubste zurück.
»Und wo ist Claudine abgeblieben? Auf Julias und Tonios Hochzeit wart ihr beide, vom Brautpaar einmal abgesehen, doch die unangefochtene Nummer eins unter den Turteltauben!«
Peter seufzte, und auf seine Miene legte sich ein ernster Zug.
»Turteltauben … sind wir immer noch«, erwiderte er. »Allerdings …«
»Allerdings?«
»Ich weiß nicht so recht, wie ich es sagen soll, aber … genauso wie Sina sich für ihre Misserfolge bei den Semesterabschlussklausuren schämt, schämt Claudine sich für ihr Aussehen.«
Alex runzelte die Stirn. »Aber sie … sie ist nach wie vor eine hübsche junge Frau. Will sie denn zurück in ihren alten Job als Model? Sie hat sich doch inzwischen als eine ziemlich talentierte Fotografin erwiesen. Und auf der Hochzeit hatte ich den Eindruck, dass sie total begeistert ist von ihrem neuen Platz hinter der Kamera.«
Peter drehte sein Bierglas zwischen seinen Händen hin und her.
»Das ist sie immer noch. Und sie ist wirklich auf dem besten Weg, eine ausgezeichnete Fotografin zu werden, nur … privat zieht sie sich mehr und mehr von allen Menschen zurück. Sie bildet sich ein, angestarrt zu werden. Sie glaubt, dass andere Menschen sich von ihrem Aussehen abgestoßen fühlen.«
»Aber warum in aller Welt denkt sie solchen Unsinn? «, hielt Alex dagegen. »Natürlich hat sie von dem Unfall Narben davongetragen, die man jedoch, zumindest meiner Ansicht nach, kaum sieht. Und außerdem hatte ich auf Tonios und Julias Hochzeit keineswegs den Eindruck, dass Claudine unter ihrem Aussehen leidet. Sie war vollkommen unbefangen, hat gelacht und geplaudert …«
Peter schwieg eine Weile und schaute gedankenverloren auf die Lampions, die über den mit johlenden, übermütigen Studenten besetzten Biergartentischen leuchteten.
»Alles fing mit dieser Chiara an. Claudine und Chiara, die beiden … Chiara ist eine Freundin aus Claudines Modelzeit«, sagte er schließlich. »Sie hat Claudine besucht. Und sie muss ihr dabei wohl diesen Floh, was ihr Aussehen betrifft, ins Ohr gesetzt haben. Jedenfalls hat es nach Chiaras Besuch angefangen. Ein falscher Blick oder ein unglücklich gewähltes Wort konnten plötzlich eine regelrechte Krise auslösen.«
Alex stellte sein leeres Bierglas ab und stütze nachdenklich seinen Kopf in seine Hände. »Und wie soll es jetzt weitergehen?«, wollte er wissen. »Glaubst du, dass Claudine sich von alleine wieder berappelt? Oder wollt ihr euch professionelle Hilfe holen?«
»Professionelle Hilfe klingt wirklich gut«, antwortete Peter. »Zumal Claudine da bereits eine ganz bestimmte Art von professioneller Hilfe im Visier hat: Sie will eine Schönheitsoperation. In der Klinik meines Vaters am Bodensee.«
Alex entfuhr unwillkürlich ein Pfiff.
»Dabei«, redete Peter weiter, »bin ich nach langen Kämpfen endlich auf einem guten Weg, mich aus den Tentakeln meines Vaters zu befreien. Ich habe deinen Rat befolgt, Alex, und jede weitere finanzielle Unterstützung strikte abgelehnt. Mein Vater wollte nicht glauben, dass ich meinen Verzicht auf seine Geldmittel durchhalte, aber bis jetzt habe ich es tatsächlich geschafft. Inzwischen jobbe ich, von meinen Aushilfstätigkeiten in diversen Altersheimen einmal abgesehen, sogar als Taxifahrer. Und, stell dir vor, das Ganze macht mir auch noch Spaß.«
»Chapeau! Aber natürlich kannst du mit diesen Studentenjobs nicht Claudines Operation finanzieren«, ergänzte Alex.
»So ist es. Und Claudine selbst hat aus ihrer Zeit als Model keine nennenswerten Ersparnisse. Sie war schließlich noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Außerdem braucht sie in absehbarer Zeit eine neue, professionellere Fotoausrüstung.«
»Verstehe. Und was willst du jetzt machen?«
»Wenn ich das wüsste! Ich … ich liebe Claudine. Und ich möchte alles tun, um sie glücklich zu sehen. Aber wieder bei meinem Vater zu Kreuze zu kriechen und ihn in seiner Meinung zu bestätigen, dass ich allein nichts auf die Reihe bekomme …«
»Ist eine ziemlich üble Sache«, vollendete Alex Peters Satz.
»Du sagst es. Und deshalb überlege ich hin und her und her und hin, aber wie man es auch dreht und wendet …« Peter schüttelte den Kopf. »Ich hol mir ein zweites Bier. Soll ich dir auch noch eines mitbringen, Alex?«
»Ja, doch. Ich glaube, ich könnte wirklich noch eines vertragen«, gab Alex zurück. »Aber diesmal bin ich an der Reihe mit Spendieren.« Er zückte seinen Geldbeutel und warf ihn Peter zu. »Nachdem du jetzt der gleiche arme Schlucker bist wie ich …«
Peter fing die Geldbörse mit einer raschen, geschickten Bewegung auf und eilte davon.
Kurz darauf kam er mit zwei Bierflaschen wieder. »Ganze Kerle brauchen keine Gläser«, grinste er. »Gläser erinnern mich an die stilvollen Partys meines Vaters. Einfach widerlich.« Er ließ sich neben Alex ins schon leicht feuchte Gras sinken und entfernte den Kronkorken mit den Zähnen.
Alex tat es ihm nach kurzem Zögern nach, dann stießen sie geräuschvoll die Flaschen aneinander und tranken.
Nach einem langen Schluck setzte Peter seine Flasche ab und wischte sich mit dem Handrücken über die Lippen. »Sag, was würdest du an meiner Stelle tun, Alex?«
Einen Moment lang umklammerte Alex den Flaschenhals, als müsste er sich daran festhalten. »Was du tust oder nicht tust, Peter, hat mit mir nicht das Geringste zu tun. Das kannst nur du entscheiden. Du ganz allein.«
