Der Tagelöhner - Fritz-Stefan Valtner - E-Book

Der Tagelöhner E-Book

Fritz-Stefan Valtner

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Beschreibung

Sind die alten Zeiten wieder zurück? Oder kommt alles mal wieder, wie uns die Geschichte es lehrt? Einst gab es den Tagewerker, den Tagelöhner und heute? Heute spricht man Freelancer, von Influencer oder auch vom Home-Worker! Sind sie heute die modernen Tagelöhner? Eine kleine Zeitreise

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Seitenzahl: 77

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wie sah früher die Arbeitswelt aus?

Was bleibt mir unter dem Strich noch übrig zum Leben?

Vorwort

Als ich mich mit dieser Zeit intensiv beschäftigt hatte und so auch einen Einblick in das Leben meines Urgroßvaters erhielt, der als Tagelöhner arbeitete, sah ich einen ähnlichen Wandel, der gerade jetzt nach der Zeit der Corona-Pandemie mit der Zeit, in der mein Urgroßvater lebte, sehr ähnlich war.

Je mehr ich mich mit dieser Zeit beschäftigte, umso mehr fand ich Parallelen zu unserer heutigen Zeit.

Gleichzeitig stellte sich auch bei mir die Frage ein:

Kann man diese beiden Zeiträume, über die wir hier reden, überhaupt miteinander vergleichen?

Eine sehr spannende Frage.

Immerhin liegen hier rund 140 Jahre dazwischen. Machen wir uns auf die Suche!

Wie sah früher die Arbeitswelt aus?

Wer damals als Geselle bei einem Meister arbeiten konnte, durfte sich glücklich schätzen. Hier war er meist in Lohn und Brot und hatte eine relativ sichere Stelle. Wie bei einem Müller zum Beispiel. Das Mehl war damals ein hohes Gut.

Oder der Schmied. Ihn brauchte man auch immer, sei es für die Reparatur von Deichseln, Rädern oder auch für das Beschlagen von Pferden. Aber auch Geräte für die Feldarbeiten musste der Schmied herstellen. Damals zwei sichere Berufsbereiche und heute?

Heute gehören sie zu einer eher aussterbenden Berufsgruppe.

Wer rechnen und schreiben konnte, für den stand der Zugang zu einer „Behörde“ oder zu einem der vielen Transportunternehmen offen.

Oder man arbeitete für die Hanse, den damals größten Handelsverband.

Für manchen war das Militär die Lösung. Hier konnte er sich durch besonderen Mut oder Geschick hocharbeiten und damit in die gehobenen Kreise gelangen!

In jenem Jahrhundert gab es noch reichliche und feindliche Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Volksgruppen. Das Reich war noch nicht gegründet, aber man sah ein, dass nur ein starkes Reich bestehen kann.

Aber für die Mehrheit gab es nur wenige Möglichkeiten, eine Arbeit zu finden. Daher nahmen viele sogenannte Jobs als Tagelöhner an. Das heißt, sie wurden nur für eine bestimmte Arbeit und einen bestimmten Zeitraum gebraucht. Vor allem in bäuerlichen Gebieten war dies gang und gäbe.

Neben den festangestellten Mägden und Knechten gab es die sogenannten „Helfer bei der Ernte“. Hier wurden für die Zeit der Ernte Leute eingestellt, um zum Beispiel das Heu einzufahren. Sie wurden meist schlecht bezahlt und untergebracht. Wenn man sie nicht mehr brauchte, konnten sie wieder gehen. Diese Form hat sich bis heute gehalten. Aber dazu komme ich noch!

Sonst war die Industrie noch in den Anfängen und in der Regel kein großer Arbeitgeber. Dies wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts besser.

Aber im frühen 18. Jahrhundert musste man schauen, wo man eine Arbeit fand. Viele Gesellen gingen zu dieser Zeit auf die Wanderschaft, auch „Walz“ genannt. Dabei reisten sie durch ganz Deutschland und deren Nachbarländer.

Je nach Gewerk blieben sie mal nur ein paar Tage an einem Ort oder, wenn sie Glück hatten, konnten sie an einem Objekt über eine längere Zeit mitarbeiten.

Ihr Lohn war meist eine Unterkunft und Verpflegung. Große Reichtümer konnte man nicht erwerben.

Was man aber lernen konnte, waren oft sehr unterschiedliche Arbeitsweisen und neue Techniken. Man lernte Land und Leute kennen. Gleichzeitig war diese Wanderschaft auch eine Voraussetzung, um die Zulassung zur Meisterprüfung zu erhalten.

Wer einen guten Lehrmeister auf seiner Wanderschaft fand, konnte hier sein Wissen und Können stark erweitern. Wenn diese Gesellen wieder zurück in ihre Heimat kamen, waren sie gesuchte Handwerker und konnten so ihr Auskommen sichern.

Manch einer machte seine Meisterprüfung, machte sich selbstständig und gründete einen kleinen Betrieb.

Mit der beginnenden Industrialisierung verlor die „Walz“ an Bedeutung.

Mit der weiteren Spezialisierung der Gewerke ging die Gründung von Gewerbe-, Ingenieur- und Hochschulen einher, die das Wandern als Qualifikation weitgehend abgelöst haben. Nur noch in einigen Nebengewerken blieb die Wanderschaft weiter erhalten.

In den Jahren nach 1990 machte die wachsende Arbeitslosigkeit, unter der besonders auch die Baubranche litt, einen neuen Boom in Sachen Wanderschaft aus.

Nicht wenige machten aus der Not eine Tugend und verließen auf Jahre ihre Heimat.

Wenn heute ein Rückblick in die Geschichte der Generationen vor uns geschieht, dann sehen wir meist nur die Lebensgeschichten der Erfolgreichen, der Stars von Kunst und Bühne, oder von Menschen, die sich im Krieg ihre Anerkennung erworben haben.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Gesellschaft aufgeteilt in eigentlich nur zwei Gruppen. Auf der einen Seite standen die Besitzenden und auf der anderen Seite die Besitzlosen. Wie zum Beispiel die der Dienstboten, Kleinhandwerker und eben des Tagelöhners.

Über deren Existenz gibt es leider nur wenige Hinterlassenschaften in schriftlicher Form.

Allein schon die mundartliche Bezeichnung „Tagwerker“ gibt uns einen Hinweis darauf, wie ein Tagelöhner seinen Lebensunterhalt bestritt.

Seine Bezahlung war das „Tagwerk“, also jene Arbeit, die er an einem Tag ausführte.

Dabei gab es zwei Arten von Tagelöhnern. Auf der einen Seite gab es den Tagelöhner, der über ein eigenes Dach über dem Kopf verfügte. Meist wohnte er in einem Kleinanwesen, einer Sölde oder einem Haus.

Viele waren kleine Handwerker, die sich als Tagelöhner verdingen mussten, da ihr eigenes Handwerk allein nicht die Familie ernähren konnte.

Vor allem Schuster, Schneider und Weber lebten oft am Existenzminimum und brauchten zusätzliche Einnahmen für ihren Lebensunterhalt.

Damit sie aber überhaupt ein Handwerk ausüben konnten, war es hier notwendig bzw. eine Voraussetzung, eine Erlaubnis zur Sesshaftigkeit sowie eine Konzession zu erhalten, die jedoch nur gewährt wurde, wenn man ein Mindestmaß an Besitz aufweisen konnte. Dazu gehörte damals auch eine eigene Unterkunft.

Aber ein Großteil der Tagelöhner war damit nicht gesegnet und musste irgendwo zur Miete wohnen.

Meist arbeiteten sie ihre Miete bei einem Bauern ab.

Damit blieben auch viele im Dunkeln der Geschichte, da sie in keiner der Steuerlisten oder in den Wählerverzeichnissen auftauchten.

Denn damals konnten nur Männer wählen, die auch über Grundbesitz verfügten.

Nur vereinzelt findet man in Kirchenbüchern einen Hinweis auf Anwohner, die als Tagelöhner arbeiteten.

So wohnte und arbeitete der Tagelöhner bei einem Bauern. Man vereinbarte einen Lohn, von dem noch die Miete und Kost abging.

Der freie Tagelöhner konnte mehr verdienen, wenn er bereit war, entsprechende Arbeiten anzunehmen, auch wenn er dafür seinen Wohnort verlassen musste.

So arbeiteten zig Tausende von Tagelöhnern am Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals. Heute heißt er Nord-Ostsee-Kanal. Dieser Bau wurde innerhalb von sieben Jahren fertiggestellt!

Würden wir das heute auch noch schaffen?

Das kann man bezweifeln!

Wir brauchen ja schon allein sieben Jahre für die Planung einer kleinen Ersatzbrücke über den kleinen Fluss Ems! Das heißt ja noch nicht, dass man mit dem Bau beginnen kann!

Vielleicht muss ja noch ein Gutachten erstellt werden, ob man nicht den Brutplatz eines einzelnen Hamsters oder einer seltenen Vogelart stört!

Damals gab der Kaiser den Befehl aus, den Kanal zu bauen, bestimmte einen Baumeister und gab einen Zeitplan vor. Nach Wochen war die Planung erstellt und man legte los. Das Ergebnis ist bekannt! Vor allem: Man kam mit der vorgegebenen Bausumme aus!

Wenn wir heute so etwas planen und bauen wollen, dann müssen wir uns auf eine 100-jährige Bau- und Planungszeit einrichten.

Ob dann noch das Bauobjekt benötigt wird, steht dann auf einem anderen Blatt Papier!

Schon damals verstanden es die Bauern, ihren Tagelöhnern einen guten Lohn zu versprechen, der dann allerdings gewaltig reduziert wurde durch Kost und Logis.

So blieben nur noch wenige Pfennige oder Kreuzer übrig, um sich neue Kleidung zu besorgen.

Zu mehr reichte es nicht!

Aber selbst im 20. Jahrhundert verfährt die Bauernschaft noch heute so mit ihren Erntehelfern, die sie aus sozial schwachen Ländern kommen lassen, und hier ihnen einen Mindestlohn versprechen, der sich für die im ersten Moment sagenhaft anhört, aber nach Abzug der Kosten für die Unterbringung und das Essen sich auf eine winzige Summe reduziert.

Diese Summe stellt aber für die Helfer immer noch einen stattlichen Verdienst dar, mehr als sie in ihrem Heimatland verdienen können. Dies ist die moderne Form von Tagelöhnern!

Aber nun noch einmal zurück zu den Tagelöhnern von damals.

In einem Artikel las ich etwas über den Verdienst der Tagelöhner.

Hier hat Frau Angelika Baumann in einer von ihr durchgeführten Untersuchung Folgendes festgestellt:

In der vorindustriellen Zeit in Bayern verdiente ein freier Tagelöhner rund 30 Kreuzer pro Tag. In der Woche waren das bei sechs Arbeitstagen drei Gulden. Auf den ersten Blick sah dies nach einer gewaltigen Erhöhung aus, gegenüber einem Jahresverdienst von sechs Gulden hundert Jahre zuvor.

Rechnet man allerdings die Kosten für die Grundnahrungsmittel einer Familie mit sechs Kreuzern pro Tag, so verringert sich der Verdienst gewaltig.

Da wir in Bayern sind und hier das Bier als Lebensmittel gilt, wurde die Maß Bier 1849 mit vier Kreuzern berechnet. Jeden Tag eine Maß Bier drückte das Einkommen weiter gegen Null. Nur in Ausnahmefällen kam Fleisch oder Wurst auf den Tisch. Selbst bei einer so kleinen, dreiköpfigen Familie ging der gesamte Lohn drauf, dabei waren aber noch keine Miete, kein Brennholz, keine Kleidung oder kein Hausrat erworben bzw. bezahlt worden. Bei dieser Rechnung ist noch zu berücksichtigen, dass der maximale Wochenverdienst nur zu Spitzenzeiten in die Lohntüte kam.

So war man schon damals dem Gedeih und Verderb des Grundherrn ausgeliefert. Heute ist es der Staat, der uns die Taschen leert.