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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Will noch jemand Kaffee? Oder Croissants? Butter? Marmelade? Ei?« Alex warf einen fragenden Blick in die sonntägliche Frühstücksrunde, zu der sich er und seine Mitbewohnerinnen Sina und Alissa versammelt hatten. »Danke, aber fürs Erste bin ich wunschlos glücklich«, erwiderte Sina und biss herzhaft in ihr üppig mit Butter und Honig bestrichenes Vollkornbrötchen. »Für mich gern noch eine Tasse Kaffee«, meinte Alissa, die soeben ihre Dose mit dem veganen Brotaufstrich wieder verschloss. »Aber keine Sahne. Du weißt ja, ich nehme nur Sojamilch.« Alex nickte. Nachdem er Alissas Kaffeebecher gefüllt hatte, ging er zum Kühlschrank und kam mit einem Stück Kalbsleberstreichwurst zum Tisch zurück. »Ich glaube nicht, dass Elvis allzu viel von Tomate-Basilikum-Paste hält«, grinste er und blinzelte Alissa zu. »Wo ist der Rotschopf heute eigentlich? Er lässt sich doch sonst kaum eine unserer Mahlzeiten entgehen.« »Ja, das stimmt«, pflichtete Sina Alex bei und sah sich suchend um.
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Will noch jemand Kaffee? Oder Croissants? Butter? Marmelade? Ei?« Alex warf einen fragenden Blick in die sonntägliche Frühstücksrunde, zu der sich er und seine Mitbewohnerinnen Sina und Alissa versammelt hatten.
»Danke, aber fürs Erste bin ich wunschlos glücklich«, erwiderte Sina und biss herzhaft in ihr üppig mit Butter und Honig bestrichenes Vollkornbrötchen.
»Für mich gern noch eine Tasse Kaffee«, meinte Alissa, die soeben ihre Dose mit dem veganen Brotaufstrich wieder verschloss. »Aber keine Sahne. Du weißt ja, ich nehme nur Sojamilch.«
Alex nickte.
Nachdem er Alissas Kaffeebecher gefüllt hatte, ging er zum Kühlschrank und kam mit einem Stück Kalbsleberstreichwurst zum Tisch zurück. »Ich glaube nicht, dass Elvis allzu viel von Tomate-Basilikum-Paste hält«, grinste er und blinzelte Alissa zu. »Wo ist der Rotschopf heute eigentlich? Er lässt sich doch sonst kaum eine unserer Mahlzeiten entgehen.«
»Ja, das stimmt«, pflichtete Sina Alex bei und sah sich suchend um. »Ich habe ihn noch gar nicht vermisst, aber jetzt, wo du es sagst …« Sie warf einen Blick auf ihren Teller und wandte sich dann an Alissa. »Meinst du, er mag Rührei?«
»Meistens schon«, gab Alissa zurück. »Vor allem, wenn es genügend Schinken oder Speck enthält. Fleischlose Kost ist nun einmal nicht sein Ding.« Auch sie ließ ihre Blicke nun leicht besorgt unter den Tisch, unter die Stühle und in alle Ecken und Winkel des Zimmers schweifen, konnte Elvis aber nirgends entdecken. »Elvis! Kleine Schlafmütze! Miez, miez, es gibt Frühstück«, lockte sie, doch der Kater tauchte nicht auf.
»Wann hast du ihn eigentlich das letzte Mal gesehen, Alissa?«, erkundigte sich Alex. »Glaubst du, dass er schon die ganze Nacht weg ist? Soll ich ihn suchen?«
Alissa schüttelte den Kopf. »Elvis war heute Nacht in der Tat ziemlich lange unterwegs. Wahrscheinlich auf Freiersfüßen«, antwortete sie. »Aber er ist am frühen Morgen heil und unversehrt zurückgekommen und zu mir ins Bett gekrochen. Du musst dir also keine Sorgen machen, Alex. Ich schätze, als du zum Bäcker gegangen bist, um für unser Frühstück einzukaufen, ist er entwischt und ins Nachbarhaus geschlichen. Er hat dort in dem älteren Herrn, der das Dachgeschoss uns gegenüber bewohnt, einen ziemlich guten Freund gefunden.«
Alex runzelte verblüfft die Stirn. »Ein älterer Herr? In der Dachwohnung gegenüber?«, hakte er nach. »Das … das ist mir völlig neu. Ich sehe zwar hin und wieder ein offenes Fenster, und abends brennt Licht, aber sonst … Lebt der Mann schon länger dort?«
»Das nehme ich zumindest an«, erwiderte Alissa. »Ich habe ihn allerdings bis jetzt nur einmal kurz gesehen, als ich auf der Suche nach Elvis war. Vor ein paar Wochen ist mein Rotschopf nämlich wieder einmal über Nacht weggeblieben und auch am Morgen nicht zurückgekommen. Ich habe daraufhin die Nachbarhäuser nach ihm abgeklappert und bin bei Herrn Wallner – so heißt der ältere Herr – fündig geworden. Elvis war wohl die ganze Nacht bei ihm und hat sich von ihm nach Strich und Faden verwöhnen und mit Leckerbissen vollstopfen lassen.« Alissa zuckte die Schultern. »Ich habe Elvis daraufhin in aller Deutlichkeit gesagt, dass ich es nicht mag, wenn er zum Schnorren unterwegs ist. Leider ist ihm meine Meinung herzlich egal, und er ist inzwischen bei Herrn Wallner Dauergast.«
Sina lachte, während Alex nachdenklich einen Schluck aus dem gelben Kaffeebecher mit der Aufschrift »Sina« nahm, aus dem ihm sein Frühstückskaffee besonders gut schmeckte.
»Lebt dieser Herr Wallner allein, oder gibt es da auch noch eine Frau Wallner?«, wollte er schließlich wissen.
»Eine Frau Wallner gab es«, beschied Alissa. »Auf dem Namensschild an der Tür steht auch immer noch Michael und Lore Wallner, aber, wie mir Herr Wallner erzählt hat, ist seine Frau seit drei Jahren tot.«
»Und Kinder?«, erkundigte sich Alex weiter.
Alissa verdrehte die Augen.
»Keine Ahnung, Alex. Aber falls du jetzt der Meinung bist, du müsstest dich um den alten Herrn kümmern, kann ich dich beruhigen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass er, obwohl er gehbehindert ist und zwei Krücken benutzt, prima alleine zurechtkommt.« Sie grinste. »Du brauchst die Welt nicht zu retten, Alex. Es gibt sie nämlich, wie du sicher weißt, schon sehr lange. Sie hat die Jahre vor dir ganz gut überstanden und wird auch nach dir nicht allzu schnell aus den Fugen geraten. Da bin ich mir ziemlich sicher.«
Alex bedachte Alissa mit einem vielsagenden Blick.
»Das erzählt mir genau die Richtige«, schoss er zurück. »Oder bis du als aktiver ›Animal Warrior‹ etwa nicht davon überzeugt, dass das Aussterben der Dinosaurier zu verhindern gewesen wäre, wenn es damals schon Tierschützer gegeben hätte, die sich volle Kraft voraus für den Fortbestand der bedauernswerten Echsen eingesetzt hätten?«
»So ein Unsinn«, hielt Alissa leidenschaftlich dagegen. »Du vergleichst wieder einmal Äpfel mit Birnen.« Sie hob belehrend den Zeigefinger. »Versuchstiere, Tiere in Schlachthöfen und Tiere, die misshandelt werden, sind ihren Peinigern schutzlos ausgeliefert. Sie können sich selber nicht helfen. Menschen hingegen können das sehr wohl. Es sei denn, sie sind krank. Und um für die Kranken da zu sein und ihnen deine hilfreiche Hand anzubieten, wirst du ohnehin Arzt. Das sollte ja wohl reichen.«
Alex fischte sich schweigend ein Croissant aus dem Frühstückskörbchen und biss hinein.
Er hätte Alissa gerne widersprochen.
Trauer um einen geliebten Partner und Einsamkeit waren zwar keine Krankheiten, konnten einem Menschen das Leben aber doch ziemlich schwer machen. Vor allem, wenn dieser Mensch – wie Herr Wallner – alt war und offenbar außer einem Feuerkater niemanden fand, der ihm hin und wieder etwas Gesellschaft leistete.
Allerdings würde es Herrn Wallner wohl kaum weiterhelfen, wenn Alex über diese Dinge jetzt am Frühstückstisch eine Diskussion mit Alissa vom Zaun brechen würde. Alex nahm sich deshalb vor, seine Zeit, anstatt sie sinnlos zu zerreden, lieber dazu zu verwenden, dem Nachbarn so bald wie möglich einen Besuch abzustatten.
Bei einem netten Gespräch würde sich mit Sicherheit rasch herausstellen, wie er Herrn Wallner unterstützen konnte.
Dann würde man weitersehen und …
»Habt ihr beiden eigentlich schon Pläne für den restlichen Tag?«, meldete sich Alissa wieder zu Wort und riss Alex damit aus seinen Gedanken.
Er wandte sich Sina zu. »Ich schätze, wir lernen noch ein bisschen für die letzten beiden Klausuren des Semesters«, schlug er vor. »Ganz ungestört und in aller Ruhe.«
Die Enttäuschung über diese Antwort legte sich wie eine grauschwarze Regenwolke auf Sinas Miene.
»Also am Vormittag, wollte ich sagen«, verbesserte sich Alex sofort, als er Sinas Stimmungsumschwung bemerkte. »Nachmittags … keine Ahnung. Was meinst du, Sina?«
Sinas Miene hellte sich von einer Sekunde auf die andere wieder auf.
»Es ist so herrliches Wetter draußen«, sagte sie. »Und es ist richtig schön warm. Wir könnten am Isarufer picknicken. Und vielleicht sogar ein bisschen im Wasser herumplantschen, falls es mir nicht zu kalt ist. Ich weiß da eine kleine versteckte Bucht, in der wir früher, als Schüler, oft ein Lagerfeuer angezündet haben und eine Menge Spaß hatten.«
»Habt ihr … auf dem Lagerfeuer etwa … Fische gegrillt?«, fragte Alissa sichtlich angewidert. »Die ihr vorher eigenhändig … geangelt hattet?«
Obwohl das durchaus mal vorgekommen war, schüttelte Sina entschieden den Kopf.
»Wo denkst du hin, Alissa«, erwiderte sie. »Gegrillt haben wir höchstens Marshmallows aus dem Supermarkt. Wir haben sie aufgespießt und übers Feuer gehalten. Und uns dabei wie wilde, verwegene Cowboys und Cowgirls gefühlt.«
Alissa entspannte sich wieder.
»Wir haben zwar keine Marshmallows, aber der Vorschlag mit dem Isarufer gefällt mir trotzdem«, grinste Alex und brachte mit diesen Worten Sinas Augen zum Leuchten.
»Und du? Was hast du vor, Alissa? Wirst du auch einen kleinen Ausflug unternehmen?«
»Mich ruft die Pflicht«, erwiderte Alissa mit stolz erhobenem Kopf. »Ich treffe mich am Nachmittag mit meinem Bruder und den anderen ›Animal Warriors‹. In Seefeld-Hechendorf am Ammersee gibt es eine Hundezucht, in der angeblich katastrophale Zustände herrschen. Wir haben einen anonymen Hinweis auf verdreckte und viel zu kleine Zwinger bekommen und Berichte von vernachlässigten und zum Teil sogar kranken Hunden. Dem müssen wir natürlich gewissenhaft nachgehen.«
»Einen … anonymen … Anruf? Waren die Berichte etwa auch anonym?«, hakte Alex nach. »Wenn die Anschuldigungen stimmen, verstehe ich nicht, wieso der Anrufer anonym bleiben will.«
Alissa zuckte die Schultern.
»Vielleicht, weil ihm zwar die Tiere leidtun, er aber keinen Unfrieden in der Nachbarschaft säen will. Wir sind schon oft solchen Hinweisen nachgegangen, und in den meisten Fällen waren die Beschwerden nicht aus der Luft gegriffen.« Sie trank ihren Kaffeebecher leer und erhob sich. »Danke für das Sonntagsfrühstück. Leider steht auch bei mir nächste Woche noch eine letzte Klausur für dieses Semester an. Ich gehe also jetzt ebenfalls noch ein Stündchen lernen, ehe ich mit meinen Mitstreitern losziehe.«
»Na, dann viel Spaß und Erfolg.« Alex stand auf und machte sich daran, das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen, die Sina vor kurzem gebraucht von ihrer Mutter übernommen hatte.
Sina wischte währenddessen den Tisch ab.
»Nächste Woche naht die Stunde der Wahrheit«, seufzte sie. »Am Montag macht Professor Herrenbach den Anschlag, wer die Anatomieklausur bestanden hat. Wenn ich sie wirklich versiebt habe, weiß ich echt nicht, wie es weitergehen soll. Manchmal fürchte ich allen Ernstes, dass ich im Fach Medizin vollkommen fehl am Platz bin.«
Alex schaltete die Spülmaschine ein, trat dann hinter Sina und legte seine Arme um ihre schmalen Schultern.
»Wer sagt denn, dass du sie versiebt hast«, tröstete er. »Das bildest du dir mit Sicherheit nur ein. Mach dich doch nicht schon im Vorfeld verrückt. Und außerdem – eine versiebte Klausur sagt noch rein gar nichts über die Eignung für ein Studium aus. Du bist viel zu streng mit dir, Sina.«
Er zog sie an sich und zärtelte mit seinen Lippen über ihr seidiges Haar.
»Das hat mit streng nichts zu tun. Dass ich in Medizingeschichte mehr als mies abgeschnitten habe, ist eine Tatsache. Genau wie mein Beinahe-Versagen in Biochemie«, widersprach sie.
»Medizingeschichte ist ein Spezialgebiet, das nichts mit den Fähigkeiten zu tun hat, auf die es später im Arztberuf ankommt«, erklärte Alex.
»Vielleicht. Im Gegensatz zu Biochemie und Anatomie. Die gehören nämlich sehr wohl …«
Weiter kam Sina nicht, denn Alex verschloss ihre Lippen mit einem liebevollen Kuss.
*
»Was für ein super-mega-toller Nachmittag! Und was für ein wunderschöner Abend!«, sagte Sina beinahe schwärmerisch. Sie legte den Kopf zurück und betrachtete die Sonne, die glutrot hinter den Häusern des Glockenbachviertels unterging, während am Himmel bereits der Abendstern funkelte und ein blasser Mond auf seinen nächtlichen Auftritt wartete. »Gehen wir, wenn die Schönwetterperiode nächsten Sonntag noch anhält, wieder ans Isarufer?«
»Vielleicht«, erwiderte Alex zerstreut.
Auch er hatte den Nachmittag in der freien Natur genossen, doch jetzt wanderten seine Blicke immer wieder hinauf zu der Dachwohnung, in der Michael Wallner lebte.
Was Alissa über den älteren Herrn erzählt hatte, beschäftigte ihn immer noch. Während des Lernens und während der Zeit, die er mit Sina beim Picknick an der Isar verbracht hatte, waren die Gedanken an den Nachbarn zwar vorübergehend in den Hintergrund getreten, doch nun waren sie mit einem Schlag wieder voll präsent.
Fast kam es Alex so vor, als würden seine Augen magisch von den dunklen, leeren Fenstern der benachbarten Dachwohnung angezogen.
»Was hältst du davon, Sina, wenn wir noch rasch einen Abstecher zu diesem älteren Herrn machen, bei dem sich Alissas Kater so gerne aufhält?«, schlug er vor.
Sina fiel aus allen Wolken. »Jetzt?«, fragte sie ungläubig. Auch sie schaute nun zu der Dachwohnung empor. »Schätze, der ältere Herr ist gerade nicht zuhause. Jedenfalls wird es langsam, aber sicher dämmrig, und bei ihm brennt kein Licht.«
Alex nahm den Picknickkorb mit den Essensresten, dem schmutzigen Geschirr und der leeren Weinflasche in die andere Hand.
»Vorbeischauen kostet nichts«, meinte er. »Wenn der alte Mann nicht daheim ist – okay. Dann können wir wenigstens beruhigt sein, weil er wahrscheinlich gar nicht so einsam ist, wie es den Anschein hat.«
Sina zog finster die Augenbrauen zusammen.
»Und wenn er doch in seiner Wohnung ist?«, wechselte sie abrupt ihre Meinung. »Wie erklärst du ihm deinen Besuch? Willst du ihn allen Ernstes fragen, ob er Wert darauf legt, dass du ihm hin und wieder die Zeit vertreibst? Willst du ihm vorschlagen, für ihn einkaufen zu gehen oder ihm die Zeitung vorzulesen?«
»Natürlich nicht«, erklärte Alex ungeduldig. »Zumindest nicht so direkt. Ich könnte mich aber nach Elvis erkundigen. Ich könnte fragen, ob er den Kater gesehen hat. Vielleicht ergibt sich daraus ein Gespräch, bei dem ich erfahre, ob Herr Wallner Unterstützung braucht. Und wenn ja, erfahre ich mit Sicherheit auch, was wir für ihn tun können.«
»Das … das ist jetzt aber nicht dein Ernst«, wehrte Sina ab. »Willst du in Zukunft an jede Tür in unserer Nachbarschaft klopfen, um herauszufinden …«
»Natürlich nicht an jede Tür«, fiel Alex ihr ins Wort. »Davon war nicht im Entferntesten die Rede. Aber da ich nun einmal von Alissa erfahren habe …«
Auch Alex brachte seinen Satz nicht zu Ende.
Er hielt verblüfft inne, als Sina ihm mit zornig blitzenden Augen den Picknickkorb aus der Hand nahm und vorauseilte, als hätte sie Siebenmeilenstiefel an den Füßen.
»Tu, was du nicht lassen kannst«, zischte sie. »Ich habe mich so darauf gefreut, diesen ganz besonderen Tag zusammen mit dir bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen. Und anschließend …«
Alex schloss zu Sina auf, griff nach ihrem Arm und nahm den Picknickkorb wieder an sich.
»Wein haben wir heute Nachmittag ohnehin schon zu viel getrunken«, sagte er. »Und was das ›anschließend‹ betrifft, habe ich darauf mit hundertprozentiger Sicherheit auch in einer Stunde noch Lust.«
»Aber ich nicht«, gab Sina wütend zurück, riss den Picknickkorb wieder an sich und entfernte sich mit laut auf dem Trottoir klackernden Absätzen.
Alex sah ihr kopfschüttelnd nach.
Einen Moment lang war er geneigt, ihr ein zweites Mal hinterherzulaufen und klein beizugeben, doch der Drang, nach Michael Wallner zu sehen, erwies sich als stärker.
»Zickiger geht wohl nicht«, knurrte er und schlug zielstrebig die Richtung zum Nachbarhaus ein.
Die schwere hölzerne Haustür war nicht abgesperrt, sodass Alex sie problemlos öffnen und den düsteren, nach Bohnerwachs riechenden Flur betreten konnte. Die Holztreppe war uralt und ausgetreten. Gewohnheitsmäßig zwei Stufen auf einmal nehmend, eilte Alex ins Dachgeschoss und stand schließlich vor Michael Wallners Tür.
Er sah das Namensschild, von dem Alissa berichtet hatte.
Und er entdeckte Elvis.
Der Kater lag auf der Fußmatte vor der Tür und döste vor sich hin.
Durch Alex’ Auftauchen geweckt, hob er seinen dicken Kopf und begann kläglich zu miauen. Dabei richtete er seine schrägstehenden grünen Augen beinahe flehentlich auf Alex.
Alex bückte sich zu ihm hinunter und kraulte ihn zwischen den Ohren.
»Niemand da, der dich einlässt?«, erkundigte er sich teilnahmsvoll.
Ein weiteres Miauen folgte, nur dass es diesmal eher fordernd klang. Als Alex nicht darauf reagierte, erhob sich Elvis und sprang an der Tür hoch, als wollte er sie mit seinen Vorderpfoten öffnen.
»Keine Chance, Rotschopf. Da ist keine Klinke, sondern ein Drehknauf. Das schaffst du nicht. Wir versuchen es besser mit Klingeln.«
Alex drückte auf den Messingknopf der Türglocke, worauf ein zartes Bimbam ertönte.
Eine lange Stille folgte.
»Ich glaube, wir haben Pech«, meinte Alex. »Sina hat die Lage wohl richtiger gepeilt als ich. Auch Herr Wallner hat den schönen Tag heute für einen kleinen Ausflug genutzt und ist noch nicht zurück. Tja, dann … Fehlanzeige. Schätze, wir beide gehen jetzt besser nach Hause.«
Elvis rührte sich nicht vom Fleck.
Als Alex nach ihm greifen und ihn auf den Arm nehmen wollte, fuhr er seine Krallen aus und ließ ein erneutes Miauen hören. Alex fand, dass es sich beinahe wie ein energisches Nein anhörte.
Unwillkürlich runzelte er die Stirn. »Mach mal halblang, Rotschopf«, meinte er. »Es ist nicht meine Schuld, dass du heute um deine Leckerchen gekommen bist. Versuch es einfach morgen wieder.«
Er wandte sich zum Gehen, doch Elvis kratzte mit einem Mal so heftig an Herrn Wallners Wohnungstür, dass Alex Angst bekam, der Kater könnte sie mit seinen Krallen beschädigen.
