Dr. Stefan Frank 2519 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book
Beschreibung

Am Ende siegt die Liebe Wie für Lenja nach langer Krankheit alles gut wurde Als die attraktive Maskenbildnerin Lenja von Dr. Stefan Frank eine zutiefst niederschmetternde Diagnose erhält, fühlt sie sich wie vor den Kopf geschlagen. Ausgerechnet in dieser Phase ihres Lebens hätte sie mit einer solchen Hiobsbotschaft nie gerechnet. Sie ist doch so glücklich mit ihrem Freund Holger! Vor ihnen liegt noch das ganze Leben, das sie sich so schön gestalten wollten. Trotz der unsicheren Prognose ist Lenja fest entschlossen, um ihre Gesundheit zu kämpfen. Für sich und für Holger, für ihre gemeinsame Zukunft. Doch in den folgenden Wochen beobachtet sie, wie Holger immer weiter von ihr abrückt. Er kommt nur noch für kurze Stippvisiten bei ihr im Krankenhaus vorbei, weigert sich, mit Lenja über ihre Ängste zu sprechen, und scheint sich fortwährend woandershin zu wünschen, wenn er bei ihr ist. Und dann kommt der Tag, den Lenja so gefürchtet hat: Als es ihr zunehmend schlechter geht, verlässt ihr Freund sie. Er habe einfach keine Kraft mehr, um ihr beizustehen, erklärt er. Er wolle fröhlich sein und sich nicht mit düsteren Gedanken abgeben. Ab sofort ist die junge Frau ganz auf sich allein gestellt. Aber lohnt es sich unter diesen Umständen überhaupt noch, den mühsamen - und womöglich ohnehin aussichtslosen - Kampf um ihr Leben fortzuführen?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:125


Inhalt

Cover

Impressum

Am Ende siegt die Liebe

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: 4 PM production / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-8669-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Am Ende siegt die Liebe

Wie für Lenja nach langer Krankheitalles gut wurde

Als die attraktive Maskenbildnerin Lenja von Dr. Stefan Frank eine zutiefst niederschmetternde Diagnose erhält, fühlt sie sich wie vor den Kopf geschlagen. Ausgerechnet in dieser Phase ihres Lebens hätte sie mit einer solchen Hiobsbotschaft nie gerechnet. Sie ist doch so glücklich mit ihrem Freund Holger! Vor ihnen liegt noch das ganze Leben, das sie sich so schön gestalten wollten.

Trotz der unsicheren Prognose ist Lenja fest entschlossen, um ihre Gesundheit zu kämpfen. Für sich und für Holger, für ihre gemeinsame Zukunft. Doch in den folgenden Wochen beobachtet sie, wie Holger immer weiter von ihr abrückt. Er kommt nur noch für kurze Stippvisiten bei ihr im Krankenhaus vorbei, weigert sich, mit Lenja über ihre Ängste zu sprechen, und scheint sich fortwährend woandershin zu wünschen, wenn er bei ihr ist. Und dann kommt der Tag, den Lenja so gefürchtet hat: Als es ihr zunehmend schlechter geht, verlässt ihr Freund sie. Er habe einfach keine Kraft mehr, um ihr beizustehen, erklärt er. Er wolle fröhlich sein und sich nicht mit düsteren Gedanken abgeben.

Ab sofort ist die junge Frau ganz auf sich allein gestellt. Aber lohnt es sich unter diesen Umständen überhaupt noch, den mühsamen – und womöglich ohnehin aussichtslosen – Kampf um ihr Leben fortzuführen?

„Bravo, Holger! Du hast sie wieder einmal alle von den Füßen gerissen!“

Begeistert spendete Lenja ihrem Liebsten Applaus, obwohl er sie hier hinter dem Vorhang nicht sehen konnte. Die Premiere von Shakespeares Romeo und Julia war ein voller Erfolg gewesen, und Holger Wagner, der die Rolle des Romeo gespielt hatte, war dabei, sich zu verbeugen und den frenetischen Beifall des Publikums entgegenzunehmen.

Als Maskenbildnerin blieb Lenja im Hintergrund, doch selbst durch einen Spalt im Vorhang riss Holgers Spiel sie mit. Er war einfach ein Vollblutschauspieler, und das Publikum liebte ihn fast so sehr, wie sie ihn liebte.

Aber nur fast, sagte sich Lenja mit einem kleinen Lachen. Sie freute sich auf die Premierenfeier, und noch mehr freute sie sich darauf, hinterher mit Holger allein zu sein.

Gehen wir zu mir oder zu dir?, würde er sie fragen, wenn im Theater am Gärtnerplatz die Lichter ausgingen, und sie würde sich glücklich in seinen Arm schmiegen und murmeln: Ist mir egal. Solange du nur bei mir bist.

Sie klatschte noch immer.

Marianne, ihre Kollegin von der Kostümbildnerei, die neben ihr stand, grinste und stieß ihr den Ellbogen in die Seite.

„Wie lange seid ihr jetzt zusammen, du und Holger? Anderthalb Jahre?“

„Im Oktober zwei“, antwortete Lenja stolz.

„Aber sein größter Fan bist du immer noch, was?“, fragte Marianne.

„Ich werde immer sein größter Fan bleiben“, antwortete Lenja. „Noch wenn wir hundert Jahre zusammen sind.“

„Na, dann werden wir ja bald die Hochzeitsglocken läuten hören“, vermutete Marianne. „Und eine ganze Menge Mädchenherzen werden brechen.“

Lenja lachte. „Das sagt Dennis auch. Im Augenblick kann Holger es sich nicht erlauben, zu heiraten. Seine weiblichen Fans würden es ihm übel nehmen.“ Dennis Roll war Holgers Agent. Manchmal fand Lenja, dass er allzu despotisch über ihr Leben regierte, aber natürlich hatte er nur das Beste für Holgers Karriere im Sinn. Holger schwor auf ihn.

Dennis war locker mit Holgers Schauspielkollegin Arlene liiert, die in der heutigen Aufführung die Julia gespielt hatte und sich gerade erneut mit Holger verbeugte. Da weder sie noch Dennis Wert auf eine feste Bindung legten, konnte sich Dennis vermutlich auch nicht vorstellen, dass es Holger und Lenja anders erging.

Manchmal überkam Lenja deswegen ein Anflug von Traurigkeit. Im Frühling hatte sie ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert, und jäh war ihr bewusst geworden, dass sie im Kreis ihrer Schulfreundinnen die Letzte war, die kein Kind hatte. Dabei hatte für sie immer festgestanden, dass sie einmal eine Familie haben wollte. Lenja liebte Kinder. Ein Leben ohne sie konnte sie sich nicht vorstellen.

Dann aber hatte Holger sie zum Tanzen aufgefordert, und die kleine Missstimmung war verflogen. Sie und ihr Liebster waren jung und gesund und hatten noch Jahre Zeit.

Es war vernünftig, sich zuerst um die Karriere zu kümmern, und außerdem liebten sie ihre Berufe und das bunte Leben am Theater alle beide. Weshalb sollten sie es also nicht noch eine Weile lang in vollen Zügen genießen, ehe sie sich um eines Kindes willen ein wenig ins Privatleben zurückzogen?

Ein plötzliches Gefühl der Schwäche riss sie aus ihren Gedanken. Die Knie wurden ihr weich, wie bei einer schweren Erkältung, und sie glaubte, zu schwanken.

„Lenja? Ist alles in Ordnung?“, rief Marianne erschrocken.

Lenja wollte ihr antworten, doch selbst zum Sprechen schien sie zu schwach zu sein. Auf einmal wurde ihr schwindlig, und sie griff nach dem Vorhang, um Halt zu suchen.

Marianne packte sie kurzerhand unter der Achsel und stützte sie.

„Willst du dich hinsetzen? Soll ich einen Arzt holen?“

„Nein, nein, mir geht es gut!“, wehrte Lenja ab, die sich inzwischen gefasst hatte. „Ich bin höchstens ein bisschen müde – wie immer nach der Arbeit und Aufregung vor einer Premiere.“

Marianne schien nicht überzeugt.

„Du hast das in letzter Zeit ganz schön oft, ist dir das mal aufgefallen?“, fragte sie. „Ist da vielleicht doch ein kleiner Holger unterwegs?“

Lenja lachte, obwohl sie sich noch immer unwohl fühlte und auf einmal den Wunsch verspürte, auf die Premierenfeier zu verzichten und sich daheim in ihrem Bett zu verkriechen.

„Nein, ganz bestimmt nicht. Vielleicht habe ich mich mit der Grippe angesteckt, die neulich bei den Statisten herumging.“

„Neulich?“ Marianne runzelte die Stirn. „Lenja, das war vor vier Wochen! Ich finde, du solltest mal zum Arzt gehen. Du bist auch immer so blass, vielleicht hast du ja irgendeine Mangelerscheinung.“

Noch einmal übertönte der Applaus ihr Gespräch.

„Wenn ich an irgendetwas Mangel habe, dann an Schlaf“, erklärte Lenja und bemühte sich um einen leichten Ton.

„Also schön, dann schlaf dich in den drei vorstellungsfreien Tagen mal richtig aus“, empfahl Marianne ihr. „Aber wenn du dich dann nicht besser fühlst, gehst du zum Arzt. Versprichst du mir das?“

„Was soll ich denn beim Arzt, wenn ich gar nicht krank bin?“, begann Lenja. Weiter kam sie jedoch nicht, weil in diesem Augenblick der Applaus endlich verklang und die Schauspieler hinter die Bühne stürmten. Holger allen voran.

„Lenja, Liebling!“ Er strahlte sie an. Ein einziger Blick aus seinen blauen Augen bewirkte, dass ihre Übelkeit verflog. Schweiß rann ihm über das Gesicht und ließ die Schminke, die sie vorhin mit aller Sorgfalt und Liebe aufgetragen hatte, verlaufen. „Was meinst du? Warst du mit mir zufrieden?“

Sie lachte, ließ sich in seine Arme ziehen und küsste ihn auf die verschmierte Wange.

„Fischst du nach Komplimenten? Haben dir gut zehn Minuten donnernder Applaus nicht genügt?“

„Mir genügt auch keine Stunde Applaus, wenn meine liebste Zuschauerin nicht mit mir zufrieden ist“, erwiderte Holger zärtlich und küsste mit seinen weichen Lippen ihre Stirn. „In Wahrheit spiele ich jede Rolle nur für dich. Das weißt du, oder?“

Lenja lächelte. „Du übertreibst zwar mächtig, aber ich liebe dich trotzdem. Und ja, ich war mit dir zufrieden. Du hast dich selbst übertroffen, Holger.“

„Wenn ihr zwei Turteltauben dann genug geschnäbelt habt, solltest du vielleicht mal einen Blick auf die Gesichtsfarbe deiner Liebsten verschwenden“, unterbrach Marianne ruppig ihren süßen Augenblick. „Falls wir demnächst Hamlet aufs Programm setzen, könnten wir Lenja eine Rolle anbieten. Als Wasserleiche. Bleich genug ist sie schon.“

Lenja spürte, wie Holger zusammenzuckte. Er rückte ein Stück von ihr ab und betrachtete sie.

„Marianne hat recht“, sagte er schließlich. „Du siehst wirklich ziemlich blass aus. Ist dir nicht gut?“

„Ihr ist schon seit Wochen nicht gut, wenn du mich fragst“, gab Marianne statt Lenja Antwort. „Ich an deiner Stelle würde sie schnellstmöglich zum Arzt schleppen, und ich kann dir auch einen guten empfehlen: Dr. Frank, in Grünwald. Einer der wenigen, die sich noch Zeit für eine wirklich gründliche Untersuchung nehmen und denen man voll und ganz vertrauen kann.“

Lenja unterdrückte ein Stöhnen. Ihr Kopf schmerzte. Sie hatte in letzter Zeit wohl wirklich ein bisschen Raubbau mit ihrem Körper betrieben und brauchte eine Pause. Vielleicht konnte sie Holger bitten, in den Theaterferien mit ihr ein paar Tage Urlaub zu machen, irgendwo, wo es sonnig, still und schön war.

Zwar hatte Dennis geplant, sich in diesem Sommer verstärkt um den Start von Holgers Filmkarriere zu bemühen, aber das musste dann eben noch ein bisschen warten. In Lenjas Augen war Holger sowieso ein Theaterschauspieler mit Leib und Seele. Gewiss, beim Film verdiente man erheblich mehr Geld, aber das war schließlich nicht alles.

„Arlene hatte letzte Woche so eine blöde Magensache“, überlegte Holger. „Vielleicht hast du dich damit angesteckt.“

„Bist du neuerdings Arzt?“, fauchte Marianne ihn ungewohnt heftig an. „Sei mir nicht böse, aber als Romeo machst du dich besser. Arlenes blöde Magensache von letzter Woche war ein ausgewachsener Kater. Damit steckt man sich nicht an. Schon gar nicht eine Woche später. Wenn ich du wäre, würde ich dieses Mädel nehmen und zu Dr. Frank schleppen, egal, wie heftig sie protestiert.“

Holger löste sich sanft aus Lenjas Umarmung und drückte ihre Hand.

„Wenn es Lenja Anfang nächster Woche nicht besser geht, werde ich das auch tun“, sagte er versöhnlich. „Sei so lieb und gib uns schon einmal die Adresse. Und jetzt erlaubt ihr bitte dem Romeo, sich rasch wieder in Holger zu verwandeln und seine Schöne auf die Premierenfeier zu führen. Ein Gläschen Champagner wirkt manchmal Wunder für den Kreislauf.“

Er drückte Lenja noch einen Kuss aufs Haar und entschwand in Richtung der Garderoben.

„Blöder Kerl“, brummte Marianne. „Jetzt glaubt er nicht nur, Arzt zu sein, sondern verschreibt auch noch Alkohol als Medizin.“

Lenjas Lächeln geriet ein wenig verkrampft. Sie hatte Holger bitten wollen, die Premierenfeier ausfallen zu lassen, weil sie zu erschöpft war, aber nun war es zu spät.

„Er ist kein blöder Kerl“, belehrte sie Marianne. „Er ist der tollste Kerl auf der Welt, und ich wette, seine Champagner-Kur macht meiner mysteriösen Krankheit im Nu den Garaus.“

„Dein Wort in Gottes Ohr“, erwiderte Marianne ohne Überzeugung. Dann hakte sie sich bei Lenja ein, und vereint machten sich die beiden auf den Weg.

***

„Ich liebe dich“, sagte Martin und nahm die schmale, knochige Hand der Patientin in seine. „Ich werde dich immer lieben, Mira. Nichts kann daran jemals etwas ändern.“

Seine Stimme klang erstickt, das hörte er selbst. Bei aller Mühe, die er sich gab, würden Mira die Tränen, gegen die er kämpfte, nicht entgehen.

„Ich weiß das, Martin.“

Der Druck ihrer Hand war kaum spürbar, und auch ihr Lächeln war eher zu ahnen als zu sehen.

„Und ich werde dich auch immer lieben. Ich will, dass du für mich weiterlebst. Dass du die Zaubergeige baust, von der wir zusammen geträumt haben, und deine kleine Sina darauf unterrichtest. Dass du Reisen machst, die wir uns ausgemalt haben, die Konzerte besuchst, die wir beide geliebt haben, die Bäume wieder blühen siehst, unter denen wir als Kinder gespielt haben. Ich will, dass du glücklich bist, Martin. Das ist mein Wunsch an dich. Wenn du versprichst, ihn mir zu erfüllen, kann ich in Frieden gehen.“

„Nein, Mira!“, beschwor er sie. „Du gehst nicht, du darfst noch nicht aufgeben. Jeden Augenblick kann ein Spender für dich gefunden werden. Mit dem neuen Knochenmark wirst du wieder ganz gesund, und wir tun all diese Dinge gemeinsam.“

„Psst, Martin.“ Mit letzter Kraft nickte sie ihm zu. „Wir wissen beide, dass das nicht geschehen wird. Dr. Frank hat alles getan, um einen Spender für mich zu finden, aber es gab eben niemanden, der passte.“

Martin entzog ihr seine Hand und ballte die Fäuste. Zorn war ein Gefühl, dass er praktisch nie gekannt hatte, aber jetzt packte ihn Zorn auf das Leben, auf das Schicksal, das einer so wundervollen, vor Leben sprühenden Frau wie Mira keine Chance gab.

Mira war eine hochbegabte Geigerin gewesen, im Besitz des Familientalents, das Martins kleine Tochter Sina geerbt hatte. Sie hatte auf dem Sprung zu einer internationalen Karriere gestanden, als die Krankheit sie von einem Tag auf den anderen niedergemäht hatte. Akute lymphatische Leukämie. Der tückische Feind, der in Miras eigenem Körper saß und es darauf angelegt hatte, sie zu vernichten.

Aber Mira war stark gewesen und hatte nicht aufgegeben. Mit all ihren Kräften und all ihrem Lebenswillen hatte sie sich in die Behandlung gestürzt und die Qualen der Chemotherapie ohne Klagen hinter sich gebracht.

Am Ende der Tortur hätte der so sehr ersehnte Erfolg stehen müssen: die Heilung. Die Chance auf Leben. Durch den Giftcocktail, der in ihren Körper hatte gepumpt werden müssen, war Mira bereits die Möglichkeit geraubt worden, je Kinder zu bekommen. Aber leben musste sie doch wenigstens dürfen! Lieben, reisen, den geliebten elterlichen Garten pflegen und die Welt mit ihrem Geigenspiel bezaubern.

Stattdessen hatte Dr. Stefan Frank, der großartige Arzt, der die furchtbare Diagnose gestellt und Mira seit ihrer Einlieferung in die Waldner-Klinik weiter begleitet hatte, der jungen Frau eine weitere niederschmetternde Nachricht überbringen müssen.

Die Kraft der Chemotherapie hatte nicht ausgereicht, um die Tücke der Krankheit zu besiegen. Für Mira, die erst zweiunddreißig Jahre alt war, gab es nur noch eine Chance aufs Überleben: Eine Knochenmarktransplantation.

„Nach einem Spender für Sie wird im ganzen Land gesucht“, hatte Dr. Frank ihr versichert. „Ich will Ihnen kein Versprechen geben, von dem ich nicht weiß, ob ich es halten kann, aber ich möchte, dass Sie versuchen, die Hoffnung zu bewahren.“

Und Mira hatte die Hoffnung bewahrt. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Augenärztin Alexandra Schubert, hatte Dr. Frank unter seinen Patienten eine groß angelegte Typisierungs-Aktion gestartet, und natürlich hatte vor allem Martin selbst gehofft, als Spender infrage zu kommen.

Alles Kämpfen, alles Leiden, alles Hoffen war jedoch vergeblich gewesen.

„Ich werde mir nie verzeihen, dass mein Knochenmark nicht geeignet war“, sagte Martin und war nicht imstande, die verkrampften Fäuste zu lösen.

„Das ist Unsinn.“ Miras Stimme war nur noch ein Flüstern. „Es war eben Pech. Niemand kann etwas dafür.“

„Aber wir sind Zwillinge“, begehrte Martin auf. „Es hätte doch einfach passen müssen.“

„Dr. Frank hat es dir erklärt“, erwiderte Mira schwach. „Eine Verwandtenspende ist oft die beste Wahl, doch nicht immer stimmen die Werte überein. Du warst trotzdem der beste Bruder, den ich mir hätte wünschen können, und ich würde dich gegen keinen anderen tauschen.“

„Mira …“ Endlich lösten sich seine Fäuste, er griff wieder nach der Hand seiner Schwester, und seine Gefühle übermannten ihn. „Bitte, gib noch nicht auf. Vielleicht geht gleich die Tür auf, und du musst in aller Eile vorbereitet werden, weil ein Spender gefunden worden ist.“

„Nein, lieber Martin.“

Mira schloss die Augen, weil ihre Kraft nicht mehr ausreichte, um sie offen zu halten.