Dr. Stefan Frank 2525 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book
Beschreibung

Ein kurzes Glück, bevor ich gehe Arztroman um eine schwer kranke Braut und ihre letzte Hoffnung Eigentlich steckt Natalie mitten in den Hochzeitsvorbereitungen. In wenigen Tagen wird sie ihrem geliebten Florian das Jawort geben. Doch ausgerechnet jetzt quält sie sich schon seit Wochen mit einem hartnäckigen Husten herum, der ihr sogar das Atmen zunehmend erschwert. Um rechtzeitig zur Heirat wieder fit zu sein, beschließt Natalie, endlich ihren Hausarzt aufzusuchen. Dr. Stefan Frank kann ihr sicher eine wirksame Medizin verordnen. Doch der Besuch in Dr. Franks Praxis endet für die junge Frau mit einem Schock: Der Grünwalder Mediziner eröffnet ihr mit behutsamen Worten, dass sie sehr schwer krank ist. So krank, dass sie sofort ins Krankenhaus muss. Für Natalie bricht eine Welt zusammen. Ihre Hochzeit muss verschoben werden - und um ihre Gesundheit steht es so schlecht, dass es mehr als zweifelhaft ist, ob es in der Zukunft überhaupt noch zu einer Hochzeit kommen wird! Tief verzweifelt hofft Natalie auf die Unterstützung ihres Verlobten, aber etwas Unfassbares geschieht: In ihrer größten Not wendet sich Florian plötzlich von ihr ab ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:127


Inhalt

Cover

Impressum

Ein kurzes Glück, bevor ich gehe!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: helenaak / istockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-8830-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein kurzes Glück, bevor ich gehe!

Arztroman um eine schwer kranke Braut und ihre letzte Hoffnung

Eigentlich steckt Natalie in Hochzeitsvorbereitungen. In wenigen Tagen wird sie ihrem geliebten Florian das Jawort geben. Doch ausgerechnet jetzt quält sie sich schon seit Wochen mit einem hartnäckigen Husten herum, der ihr sogar das Atmen zunehmend erschwert. Um rechtzeitig zur Heirat wieder fit zu sein, beschließt Natalie, endlich ihren Hausarzt aufzusuchen. Dr. Stefan Frank kann ihr sicher eine wirksame Medizin verordnen.

Doch der Besuch in Dr. Franks Praxis endet für die junge Frau mit einem Schock: Der Grünwalder Mediziner eröffnet ihr mit behutsamen Worten, dass sie sehr schwer krank ist. So krank, dass sie sofort ins Krankenhaus muss.

Für Natalie bricht eine Welt zusammen. Ihre Hochzeit muss verschoben werden – und um ihre Gesundheit steht es so schlecht, dass es mehr als zweifelhaft ist, ob es in der Zukunft überhaupt noch zu einer Hochzeit kommen wird!

Tief verzweifelt hofft Natalie auf die Unterstützung ihres Verlobten, aber etwas Unfassbares geschieht: In ihrer größten Not wendet sich Florian plötzlich von ihr ab …

„Nicht zu fassen. So früh am Tag schon betrunken. Schämen sollten Sie sich!“ Ein abfälliges Schnauben begleitete die Bemerkung.

War sie damit gemeint?

Natalie blinzelte. Vor ihren Augen verschwamm alles. Sie konnte nur einen grauen Schleier erkennen und wischte sich über das Gesicht. Jäh hielt sie inne. Woher kam denn die Nässe auf ihren Wangen? Und warum lag sie auf diesem kühlen und unangenehm feuchten Untergrund?

Als sie sich hochstemmte, schmatzte etwas unter ihren Fingern. Schlamm?! Was, um alles in der Welt, war mit ihr passiert?

Unsicher rieb sie sich über die Augen. Endlich lichtete sich der Nebel. Sie saß auf einer Wiese am Ufer der Isar. Der Fluss rauschte an ihr vorbei. Nach den Regenfällen der vergangenen Tage führte er reichlich Wasser. Blätter und abgerissene Zweige kreiselten auf der Oberfläche. Außerdem regnete es wieder.

Ein grauhaariger Mann mit einem weißen Terrier an der Leine war vor ihr stehen geblieben und starrte sie unter seinem Regenschirm vorwurfsvoll an.

Natalie wollte ihm erklären, dass sie nicht betrunken war, ja, dass sie so gut wie nie Alkohol trank, aber sie brachte nur einen bellenden Husten hervor.

Daraufhin trat er hastig zurück, zog die Leine näher an sich und stapfte weiter. Seine Schritte platschten auf dem regennassen Untergrund und wurden bald leiser.

Natalie kämpfte sich auf ihre Füße und wankte zu einer Bank. Hustend ließ sie sich darauf sinken. Ihre Beine fühlten sich so wacklig an, als wäre sie einen Marathon gelaufen, dabei war sie keine Viertelstunde Gehweg von ihrer Wohnung entfernt. Hinter den Bäumen auf der anderen Seite des Flusses ragte das Dach des Cafés auf, in dem sie gern einen Kaffee trank.

Offenbar war es keine gute Idee gewesen, an ihrer Gewohnheit festzuhalten und joggen zu gehen. Sie hatte es sattgehabt, immerzu krank zu sein. Der verflixte Husten hielt sich nun schon seit Wochen und mochte gar nicht mehr vergehen. Natalie wünschte sich ihren Alltag zurück, deshalb hatte sie ihre morgendliche Runde wiederaufgenommen. Ein Fehler, denn sie war unterwegs offenbar ohnmächtig geworden!

Natalie warf einen Blick auf ihre Uhr. Kurz nach sieben. Viel Zeit hatte sie nicht verloren. Trotzdem beunruhigte sie der Gedanke, dass sich ihr Bewusstsein für eine Weile verabschiedet hatte.

Wieder musste sie husten, und sie rieb sich unbehaglich den Brustkorb. Konnte man vom Husten einen Muskelkater bekommen? So fühlte es sich jedenfalls an!

Als sie wieder Luft bekam, stemmte sie sich hoch und kehrte langsamen Schrittes nach Hause zurück.

Unterwegs fiel ihr Blick auf das Schaufenster einer Bäckerei – und sie zuckte unwillkürlich zusammen. Wie sah sie nur aus! Ihre Haut war grau und fahl, die braunen Haare hingen ihr nass und strähnig ins Gesicht, und ihre blutunterlaufenen Augen verrieten, dass sie schlecht geschlafen hatte. Der Husten ließ ihr keine Ruhe.

Zu allem Überfluss waren ihre Sportsachen so schmutzig, als hätte sie sich im Schlamm gewälzt. Sie hatte sogar im Gesicht graue Spritzer!

Als sie daheim losgejoggt war, war der Morgenhimmel von Wolken bedeckt gewesen. Jetzt regnete es heftiger. Natalie sehnte sich nach Hause. Ob sie sich ein Taxi rufen sollte? Nein, sie hatte kein Geld dabei. Aber Florian … Ja! Ihren Schatz konnte sie anrufen und bitten, dass er sie nach Hause fuhr.

Zittrig tastete sie nach ihrem Handy, aber dann fiel ihr ein, dass sie es nicht eingesteckt hatte. So blieb ihr nichts anderes übrig, als den Heimweg allein zu bewältigen, was ihr von Schritt zu Schritt schwerer fiel.

Plötzlich röhrte hinter ihr ein Motorrad. Der Fahrer stoppte seine Maschine neben ihr am Straßenrand, stellte einen Fuß auf die Straße und nahm seinen Helm ab. Darunter kamen dunkle, leicht gewellte Haare hervor, die ein wenig länger waren, als die Mode es vorschrieb. Sie rahmten ein markantes Gesicht ein.

Sein verwegener Drei-Tage-Bart schien Natalie einzuladen, näher zu kommen und herauszufinden, wie er sich wohl beim Küssen anfühlte. Seine braunen Augen hefteten sich freundlich, aber auch eine Spur prüfend auf Natalie.

„Entschuldige, dass ich dich einfach so anspreche“, begann er. Seine Stimme war warm und tief wie eine dunkle heiße Schokolade. Natalie überlegte kurz, ob sie ihn kannte, weil er sie so einfach duzte, aber daran hätte sie sich bestimmt erinnert. Einen Hünen mit sonnengebräunter Haut und Motorrad vergaß man nicht so leicht. „Geht es dir nicht gut?“, fragte er.

„Nicht so richtig“, brachte sie matt hervor.

„Soll ich dir einen Arzt rufen?“

„Danke, aber ich möchte einfach nur nach Hause.“

„Wo wohnst du denn?“

„In der Gartenstraße.“

„Das ist nur ein paar Straßen weiter. Steig auf, ich fahre dich rasch heim.“

Unter anderen Umständen hätten weder ein Wirbelsturm noch die berühmten zehn Pferde Natalie dazu gebracht, auf das Motorrad eines Fremden zu steigen. Jetzt war sein Angebot jedoch durchaus verlockend. Nur ein Rest Vernunft hielt sie zurück.

„Ich habe keinen Helm.“

Der Unbekannte reichte ihr seinen.

„Jetzt schon.“

„Das geht doch nicht.“

„Sicher geht das. Keine Angst: Ich werde langsam fahren. Ich bringe dich zu einem Arzt oder nach Hause. Ganz wie du willst. Auf keinen Fall lasse ich dich zu Fuß weitergehen, wenn du so aussiehst, als würdest du jeden Augenblick umkippen.“ Eine leise Empörung schwang in seiner Stimme mit, als wollte er fragen, ob sie ihn für einen Menschen hielt, der einen anderen im Stich ließ.

Nun sah Natalie ihn erst richtig an. Er war nur wenige Jahre älter als sie selbst und saß so selbstverständlich auf dem schweren Motorrad, als wäre es ein Teil von ihm. Natalie verstand nichts von diesen Maschinen, aber das blitzende Chrom und die sanft geschwungene Form ließen sie ahnen, dass dieses Motorrad das Herz von Kennern höherschlagen ließ.

Breite Schultern spannten die schwarze Bikerjacke des Unbekannten. Er war attraktiv, wurde aber auch von einem Hauch Gefahr umgeben. Eine Mischung, die ihre Haut kribbeln und sie sekundenlang vergessen ließ, wie elend sie sich fühlte.

„Komm“, setzte er nach. „Du musst aus diesem Regen heraus. Ich verspreche dir, dich unversehrt daheim abzusetzen.“

Natalie zögerte noch einen Moment, dann gaben ihre schlotternden Beine den Ausschlag: Sie stülpte den Helm auf ihren Kopf, stieg hinter dem Fremden auf das Motorrad und spürte die Vibrationen seiner Maschine unter sich.

„Gut festhalten!“, rief er und gab Gas.

Er hielt sein Wort. In gemächlichem Tempo rollten sie die Straße hinunter und bogen in die Gartenstraße ab. Schließlich hielt er vor dem Haus an, das Natalie ihm zeigte. Dort stieg sie ab und gab ihm seinen Helm zurück.

Prüfend sah er sie an.

„Bist du sicher, dass ich dich nicht doch zum Arzt fahren soll?“

„Ja. Ich lasse es heute etwas ruhiger angehen. Dann komme ich schon zurecht.“ Natalie bedankte sich und wandte sich um. Sie spürte seinen prüfenden Blick noch, als sie die Haustür aufschloss und eintrat.

Ihre Wohnung befand sich im Erdgeschoss eines hübschen dreistöckigen Hauses aus den Dreißigerjahren. Natalie atmete auf, als sie in ihren vertrauten vier Wänden stand, und musste sogleich wieder husten. Insgeheim schwor sie sich, niemals wieder joggen zu gehen, wenn sie krank war.

Sie streifte die nassen Sachen ab und steckte sie in die Waschmaschine. Danach stieg sie unter die Dusche, drehte das Wasser auf und genoss die warmen Strahlen auf ihrer Haut. Sie seifte sich ein und spülte den Schaum ab. Er duftete nach Grapefruit.

Diese wunderbare moderne Regenwald-Dusche würde sie vermissen, wenn sie auszog. Ebenso wie den Zugang zum Garten, in dem sie abends gern saß und noch las.

Florian hatte vorgeschlagen, dass sie nach der Hochzeit zu ihm zog, und das war nur vernünftig, immerhin besaß er eine idyllisch gelegene Villa, die er von seinen Großeltern geerbt hatte. Sie war das perfekte Zuhause für eine Familie. Trotzdem: Natalie liebte ihre Wohnung, die ganz in ihrer Lieblingsfarbe Weiß eingerichtet war.

Es gab nur wenige Farbtupfer – und das waren die Pflanzen, die sie auf jedem Fensterbrett zog und pflegte.

Ein Haustier hatte sie nicht. Sie hätte gern eine Katze gehabt, aber ihre Zeit reichte nicht einmal für einen Goldfisch.

Natalie verließ die Dusche, trocknete sich ab und steckte ihre braunen Haare zu einem lockeren Dutt hoch. Anschließend zog sie sich an. Bei dem regnerischen Wetter entschied sie sich für eine dunkelblaue Hose und eine weiße Tunika. Ein Hauch Make-up, und ihr Spiegelbild war ihr schon etwas freundlicher gesinnt. Die fahle Blässe war verschwunden.

Sie ging in die Küche und stellte die Kaffeemaschine an. Ihr war immer noch flau, aber nachdem sie einige Tabletten gegen grippale Beschwerden geschluckt und mit Kaffee nachgespült hatte, fühlte sie sich besser.

Ihr Blick streifte die Fotografie auf dem Sideboard. Darauf lachten Florian und sie Arm in Arm in die Kamera. Sie standen im Schnee. Hinter ihnen ragten die Berge auf. Damals, beim Skifahren, hatten sie sich kennengelernt und ineinander verliebt …

Natalies Herz klopfte unwillkürlich schneller. Sie strich über das Bild, leerte ihre Kaffeetasse und verließ ihre Wohnung. Liebend gern hätte sie den Tag im Bett verbracht und sich erholt, aber daran war nicht einmal zu denken.

Mit ihrem Auto, einem ebenso sparsamen wie wendigen Kleinwagen, fuhr Natalie in die Münchner Innenstadt. Sie parkte auf ihrem gewohnten Stellplatz in einem Parkhaus in der Nähe ihrer Redaktion, nahm ihre Umhängetasche – und musste wieder husten. Sie krümmte sich hinter dem Lenkrad. Oh, verflixt noch mal!

Sie brauchte eine Weile, ehe sie sich dazu aufraffen konnte, auszusteigen und sich auf den Weg in die Redaktion zu machen.

Das Frauenmagazin Leonie war in einem ehemaligen Industriegebäude untergebracht. Früher waren hier Strümpfe produziert worden. Nach der Schließung hatte das Gelände lange Zeit brachgelegen, bis sich Investoren gefunden hatten, welche die Anlage von Grund auf renoviert hatten. Nun verfügte das Gebäude über mehrere loftartige Büros und zählte zu den Top-Adressen in diesem Viertel.

Natalie taumelte durch die Glastür.

Mona Stöckl, die gute Seele der Redaktion, blickte hinter ihrem Computer hoch. Ihr „Guten Morgen, Frau Hall“ kam stockend und wurde von einem besorgten Augenbrauenkräuseln begleitet.

„Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“

„Es geht schon“, erwiderte Natalie matt. Nicht nur, dass sich auf ihrem Schreibtisch die Arbeit türmte, nein, vor ihrer Hochzeit warteten auch noch tausend Erledigungen. Immerhin waren es nur noch neun Tage bis dahin!

Sie schleppte sich zu ihrem Büro, sank auf den Schreibtischstuhl und hustete bellend. Wurde sie diese Erkältung denn gar nicht mehr los?

Natalie suchte gerade ihre Halstabletten, als jemand energisch an ihrer Tür anklopfte. Ohne auf einen Ruf zu warten, wirbelte Anne Roemer herein. Die Vierundzwanzigjährige kam frisch von der Uni und war voller Tatendrang. Sie schwenkte einen Computerausdruck.

„Hier sind meine Themen-Vorschläge für die nächste Ausgabe. Diesmal würde ich gern das Titelthema stellen, wenn das in Ordnung ist: einen Vergleich neuer Strategien zum Abnehmen!“

„Ein Artikel über Diäten?“ Natalie schüttelte den Kopf. „Darüber haben wir doch schon gesprochen. Dieses Thema wird bei uns nicht ausgespart, soll aber auch nicht zu viel Raum einnehmen. Wir wollen unseren Leserinnen nicht suggerieren, dass sie unbedingt dünn sein müssen, um glücklich zu sein.“

„Aber Diäten sind ein Top-Thema, das jede Leserin angeht. Denken Sie nicht? Zeigen Sie mir eine Frau, die nicht mit ihrer Figur hadert.“

Natalie dachte an ihr Brautkleid, das seit Kurzem an ihr herumschlackerte wie ein Sack, und unterdrückte ein Seufzen.

„Dieses Thema wird schon von anderen Zeitschriften beackert. Ich möchte andere, frische Ideen in unserem Heft.“

„Aber ich habe mit der Recherche schon angefangen.“ Anne starrte sie halb enttäuscht, halb aufgebracht an. „Was soll denn sonst das Titelthema der nächsten Ausgabe werden?“

„Sören hat einen Artikel über romantische Orte zum Heiraten vorgeschlagen.“

„Sören.“ Anne knirschte mit den Zähnen. Es war kein Geheimnis, dass sie ihren Kollegen als unliebsame Konkurrenz ansah. „Und was stellt er sich für Orte vor?“

„Zum Beispiel eine Heirat im Heißluftballon.“

„So etwas gibt es wirklich?“

„Und ob. Ihr solltet bei der Recherche nachhaken, was später auf der Heiratsurkunde als Ort der Trauung eingetragen wird. Wolke Sieben vielleicht?“

„Schon möglich … Moment mal! Was meinen Sie mit ‚Ihr‘?“

„Ich möchte, dass Sie mit Sören zusammenarbeiten. Der Artikel soll aus zwei Perspektiven geschrieben werden. Jeweils aus der eines Mannes und der einer Frau. Teilen Sie sich die Arbeit, ja?“

„Okay.“ Anne zog ein Gesicht, als sollte sie in ein Haifischbecken steigen. Schweigend verließ sie das Büro.

Natalie rieb sich den Nasenflügel. War sie zu abweisend gewesen? Hätte sie Annes Themenvorschlag wenigstens überdenken sollen? Nein, sie hatte das Thema schon mehrmals abgeschmettert. Annes Hartnäckigkeit war zu bewundern, aber ihre Entscheidung stand fest. Natalie war seit einem halben Jahr als Chefredakteurin für die Zeitschrift und ihr Team verantwortlich.

Während sie noch überlegte, klingelte das Telefon auf ihrem Schreibtisch. Auf dem Display wurde die Nummer ihrer Schwester angezeigt.

„Hallo, Sarah …“ Ihr Husten riss ihr die Worte von den Lippen.

„Himmel, Nat! Das hört sich ja furchtbar an!“

„Ich weiß. Ich werde den Husten einfach nicht los.“

„Warst du inzwischen mal beim Arzt?“

„Nein, der Husten ist doch nur eine Bagatelle“, japste sie.

„Das hört sich für mich aber nicht nach einer Bagatelle an, sondern richtig schlimm. Nat, geh zum Arzt. Am besten heute noch. Du willst doch bei deiner Hochzeit fit sein, oder?“

Natürlich. Natalie nickte, auch wenn ihre Schwester das durchs Telefon natürlich nicht sehen konnte.

„Übrigens habe ich etwas vor mit dir“, fuhr Sarah mit geheimnisvoll gesenkter Stimme fort. „Nimm dir für kommenden Freitag nichts vor, ja? Sag deinem Schatz, dass er dich an diesem Abend einmal entbehren muss.“

„Warum denn? Du … Oh! Nein, Sarah! Du weißt, ich mag keine Junggesellinnenabschiede.“

„Das wird toll, du wirst sehen. Meine große Schwester heiratet. Wir müssen dich doch ordentlich ins Eheleben verabschieden.“

„Ich möchte aber weder verhaftet werden noch morgens mit einem Tattoo oder einem Piercing aufwachen.“

„Ich kann dir nichts versprechen.“ Ihre Schwester lachte hell auf. Das Geräusch schien aus weiter Ferne zu kommen. Natalie wurde es wieder schwindlig. Sie machte eine unbewusste Handbewegung, stieß dabei an das Foto auf ihrem Schreibtisch und warf es herunter. Klirrend zerbrach das Glas.

„Nanu? Was ist denn los bei dir, Nat? Übst du schon für den Polterabend?“