1,99 €
Hektisch durchforstet Amelia Steindl ihren Schrank nach einem Kleid. Ihr Freund hat einen Tisch in einem der teuersten Restaurants der Stadt reserviert. Wird er ihr an diesem Valentinstag die Frage aller Fragen stellen? Amelias Herz klopft zum Zerspringen.
In höchster Eile sprintet sie los und nimmt eine Abkürzung durch den Park. Hier stolpert sie unglücklich, stürzt hin und spürt einen grauenvollen Schmerz im linken Bein. Sie verliert sofort die Besinnung.
Als sie wieder zu sich kommt, beugt sich ihr Hausarzt über sie und spricht ihr Mut zu, während er nach einem Rettungswagen telefoniert. Dr. Frank ahnt nichts Gutes: In Amelias linkem Fuß kann er keinen Puls ertasten. Das verdrehte Knie schnürt ihre Blutzufuhr ab!
In der Waldner-Klinik kämpft Amelia um ihr Leben. Als sich die Wolken aus Schmerz und Medikamenten lichten und sie wieder zu sich kommt, warten schlimme Neuigkeiten auf sie: Es ist den Gefäßchirurgen nicht gelungen, den Blutfluss wiederherzustellen. Der Unterschenkel musste amputiert werden ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Katastrophe am Valentinstag
Vorschau
Impressum
Katastrophe am Valentinstag
Ein Schicksalsschlag, der alles verändert
Hektisch durchforstet Amelia Steindl ihren Schrank nach einem Kleid. Ihr Freund hat einen Tisch in einem der teuersten Restaurants der Stadt reserviert. Wird er ihr an diesem Valentinstag die Frage aller Fragen stellen? Amelias Herz klopft zum Zerspringen.
In höchster Eile sprintet sie los und nimmt eine Abkürzung durch den Park. Hier stolpert sie unglücklich, stürzt hin und spürt einen grauenvollen Schmerz im linken Bein. Sie verliert sofort die Besinnung.
Als sie wieder zu sich kommt, beugt sich ihr Hausarzt über sie und spricht ihr Mut zu, während er nach einem Rettungswagen telefoniert. Dr. Frank ahnt nichts Gutes: In Amelias linkem Fuß kann er keinen Puls ertasten. Das verdrehte Knie schnürt ihre Blutzufuhr ab!
In der Waldner-Klinik kämpft Amelia um ihr Leben. Als sich die Wolken aus Schmerz und Medikamenten lichten und sie wieder zu sich kommt, warten schlimme Neuigkeiten auf sie: Es ist den Gefäßchirurgen nicht gelungen, den Blutfluss wiederherzustellen. Der Unterschenkel musste amputiert werden ...
»Nun atme erst einmal tief durch, Melli.«
Nina tauchte hinter einem Stapel Kisten mit der Aufschrift Vorsicht! Zerbrechlich! auf. Ihre langen veilchenfarbenen Ohrringe klimperten, als sie besorgt den Kopf neigte.
»Ich habe keine Zeit zum Durchatmen.«
Amelia bückte sich nach einem Karton und hob ihn hoch. Dabei wurde sie von einem jähen Schwindelgefühl erfasst, taumelte und stellte ihre Last hastig auf einem Hocker ab. Dann klammerte sie sich an den Ladentisch.
»Himmel, du bist ja kreidebleich!« Ihre Freundin fasste sie bei den Schultern und drückte sie sanft, aber bestimmt auf einen der beiden Sessel nieder, der für ihre Kunden zum Stöbern gedacht war. Dann kramte sie in ihrem knallbunten Rucksack, brachte eine Wasserflasche hervor und drückte sie Amelia in die Hand. »Dein Blutdruck ist bestimmt im Keller. Du solltest erst mal etwas trinken.«
»Später!« Amelia wollte schon wieder aufspringen, aber ihre Freundin blieb unerbittlich.
»Jetzt ist der beste Zeitpunkt. Trink etwas, und hol erst einmal Luft, okay? Wenn du gleich umkippst, ist niemandem geholfen.«
»Also schön.« Widerstrebend schraubte Amelia die Flasche auf und nahm einen Schluck. Als sie das Gefäß absetzte, fiel ihr Blick auf eine blitzende Stelle am Boden. »O nein! Da drüben ist immer noch eine Pfütze!«
»Darum kümmere ich mich. Versprochen.«
»Aber ...« Unglücklich rutschte Amelia auf ihrem Platz herum.
»Melli? So kenne ich dich gar nicht.« Ihre Freundin neigte den Kopf. »Normalerweise bist du die Ruhe selbst.«
»Normalerweise habe ich auch keine geplatzte Wasserleitung in meinem Laden und gleich die vielleicht wichtigste Verabredung meines Lebens.« Amelia seufzte. »Und das alles auch noch ausgerechnet am Valentinstag!«
»Ich gebe ja zu, das ist ein bisschen viel auf einmal, aber den Wasserschaden haben wir inzwischen im Griff. Zum Glück hast du ihn so schnell bemerkt und konntest das Wasser abstellen, ehe es den ganzen Laden überflutet hat. Und was deine Verabredung angeht ...« Nina zupfte an dem leuchtend grünen Tuch, mit dem sie ihre roten Locken bändigte. »Patrick wartet ganz bestimmt auf dich.«
»Aber nicht gern. Er hasst es, wenn ihn Geschäftspartner warten lassen. Der Abend sollte so romantisch werden. Patrick hat alles organisiert. Ich glaube, heute will er mir die Fragen aller Fragen stellen, aber wenn ich zu spät auftauche, wird er frustriert sein und der ganze Abend ist ruiniert.«
»Warum sollte er frustriert sein? Nicht er ist zwei Stunden auf Knien durch den Laden gerutscht, um Wasser aufzuwischen und Waren zu retten, sondern wir.« Nina krauste die Nase, dass ihre Sommersprossen tanzten. »Er hätte dir ruhig zu Hilfe kommen könnte, wenn du mich fragst.«
»Er hatte noch einen Termin vor unserer Verabredung.« Amelia fing einen zweifelnden Blick ihrer Freundin auf. »Wirklich. Das war kein Vorwand von ihm. Du weißt doch, wie beschäftigt er immer ist.«
»Sicher, er lässt kaum eine Gelegenheit aus, um das zu erwähnen.« Nina rollte mit den Augen. »Man könnte glauben, er hätte all die medizinischen Apparate selbst erfunden, die er an Kliniken und Praxen verkauft.«
Amelia nahm ihrer Freundin die Skepsis nicht übel. Nina trug ihr Herz auf der Zunge und sagte immer, was sie dachte. Sie mochte Patrick nicht sonderlich, aber sie kannte ihn auch nicht so gut wie Amelia. Patrick war ein Traummann. Groß, kultiviert und mit zärtlichen Händen und blitzenden blauen Augen gesegnet, in denen Amelia sich verlieren konnte. Patrick liebte Musik und ein gutes Essen, und er schätzte ein schönes Zuhause. Mit ihm konnte sie über alles reden ... nun ja, über fast alles. Ihr Engagement für das Tierheim fand er übertrieben.
Du kannst ja Geld spenden, hatte er einmal gemeint, aber musst du wirklich zwei Nachmittage in der Woche helfen und stinkende Käfige putzen? Diese Zeit könntest du wirklich nutzbringender investieren.
Nun, das fand Amelia ganz und gar nicht. Sie ließ sich auch nicht davon abbringen, in dem Tierheim am Rand ihrer Heimatstadt auszuhelfen. Schon als Schülerin war sie nach dem Unterricht hingegangen, um mit den Hunden spazieren zu gehen, die noch nicht das Glück hatten, ein Zuhause gefunden zu haben. Sie hatte Katzen gestreichelt und mutterlose Kitten mit Milch aufgezogen. Und sie hatte unzählige Tier-Unterkünfte geschrubbt. Nach dem viel zu frühen Unfalltod ihrer Eltern war die Arbeit im Tierheim ihr Halt gewesen, der verhindert hatte, dass sie sich in ihrer Trauer verlor. Nein, das würde sie nicht aufgeben. Und das war auch nicht nötig. Patrick verbot es ihr ja nicht, er verstand ihre Hingabe nur nicht.
Du hast einen eigenen Laden und ein Leben, hielt er ihr hin und wieder vor. Du bist nicht verantwortlich für das Leid wildfremder Tiere. Warum reibst du dich dafür auf?
Irgendwann, da war Amelia sich sicher, würde er es verstehen.
»Die Fragen aller Fragen?«, nahm ihre Freundin den Faden wieder auf. »Bist du wirklich bereit dafür?«
»Ich glaube schon.«
»Ihr kennt euch erst ein halbes Jahr. Findest du nicht, ihr solltet es ein bisschen langsamer angehen lassen?«
»Warum warten, wenn alles stimmt?«
»Hat er dich inzwischen seinen Freunden vorgestellt?«
»Dazu sind wir noch nicht gekommen. Wir haben ohnehin schon so wenig Zeit und die verbringen wir am liebsten zu zweit. Patrick sagt immer, dass er mich ganz für sich will. Das ist doch romantisch.«
»Oder verdächtig«, gab Nina trocken zurück. »Mich macht es stutzig, dass er dir seine Freunde vorenthält. Wer weiß, was er zu verbergen hat.«
»Gar nichts. Du und deine blühende Fantasie. Patrick ist einfach nur sehr beschäftigt.«
Amelia ließ sich ihre Vorfreude auf den Abend mit ihrem Schatz nicht trüben. Obwohl das Schicksal ein geplatztes Wasserrohr aufgefahren hatte, um sie davon abzuhalten. Das Wasser hatte einigen Schaden in ihrem Laden angerichtet.
Wenigstens hatte sie ihn schnell bemerkt, aber die Kiste mit dem Frühlingstee war ruiniert. Davon würde sie Nachschub bestellen müssen. Immerhin: Die Porzellanbecher im unteren Regal nahmen das »Fußbad« nicht übel.
Amelia betrieb einen gemütlichen Geschenke-Laden in Grünwald. Bei ihr konnte man liebevoll ausgewählte Kleinigkeiten erstehen, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten: Notizbücher aus handgeschöpftem Papier, handgemachte Pralinen, Kerzen, Schnitzwaren und Textilien mit liebevollen Drucken.
Viele ihrer Artikel waren mit Katzen verziert – wie die schwarzen T-Shirts mit dem Glitzerdruck Cat-Mom und die bunten Tücher mit den Katzenmotiven. Auch gerahmte Katzendrucke und sogar Schokoladen-Kätzchen waren bei ihr im Angebot. Amelia liebte Katzen, aber ihr fehlte die Zeit für einen vierbeinigen Mitbewohner. So investierte sie all ihre Liebe in ihren Laden. Katzen – und französische Küche, das waren Amelias große Leidenschaften. Letzteres rührte von ihren Großeltern her, die in einem Dorf nahe Paris lebten. So oft es ging nahm sich Amelia ein paar Tage frei, um sie zu besuchen. Allerdings war das letzte Mal, wie sie sich traurig eingestand, schon eine ganze Weile her.
Amelia arbeitete mit regionalen Werkstätten und Handwerkern zusammen. Sie bot hübsche Keramikbecher aus einer Töpferei am Stadtrand an, Schnitzwaren aus einer Blinden-Werkstatt und Aquarelle eines Fußmalers. Wer bei ihr stöberte, stieß auf nicht alltägliche Geschenke, und genau das war auch ihr Ziel.
»Danke, dass du den Laden ein paar Stunden hütest und nachher die Lieferung vom Imker annimmst«, wandte sie sich nun an ihre Freundin. »Bezahlt sind die Gläser schon.«
»Prima. Wo sollen sie hin?«
»In den Lagerraum. Er weiß schon Bescheid.« Amelia sprang aus dem Sessel auf. »Ich bin so nervös, dass ich nicht still sitzen kann.«
»Das wäre mir gar nicht aufgefallen.« Ihre Freundin schmunzelte. »Mach dich nicht verrückt. Männer sind auch nur Menschen. Hab ich gelesen.«
Amelia stöhnte. »Dieser Abend könnte der wichtigste meines Leben sein. Patrick hat einen Tisch im teuersten Restaurant der Stadt reserviert. Das muss etwas zu bedeuten haben, meinst du nicht auch?«
»Wer weiß.« Nina zog die Schultern hoch und ließ sie wieder fallen. »Lass es auf dich zukommen. Und vergiss nicht: Du hast ein schönes Leben, einen Laden, ein Zuhause und Freunde. Du muss nicht verheiratet sein, um glücklich zu sein.«
»Ich weiß, aber ich möchte es gern«, gestand Amelia. »Ich wünsche mir eine Familie. Mehr als alles andere.«
»Na schön.« Ninas Lächeln wurde wärmer. »Dann geh, und schnapp dir deinen Traumprinzen. Ich passe derweil auf den Laden auf und schließe nachher ab.«
»Danke dir. Auch dafür, dass du bei meinem SOS gleich hergekommen bist. Oh, du wirst mir fehlen, wenn du für acht Wochen zur Weiterbildung nach Hamburg gehst.«
»Ich bin ja nicht aus der Welt.«
»Und das ist ein Glück.«
Amelia schaute an sich hinunter und seufzte gleich noch einmal. Das rote Seidenkleid hatte sie sich extra für diesen Abend gekauft. Es war teurer gewesen, als ihre gesamte übrige Garderobe, aber es passte wie angegossen und betonte ihre hellblonden Haare. Die waren leider nicht gelockt wie die ihrer Freundin, sondern hingen schlapp nach unten, wenn sie sie nicht mit einer Rundbürste bearbeitete. Nach der Putz- und Wischaktion der vergangenen Stunden war das Kleid voller Flecken und ihre Haare ....
»So kann ich unmöglich gehen, aber wenn ich jetzt noch mal heimfahre und mich umziehe, komme ich noch später zu meiner Verabredung.«
»Hast du hinten im Laden nicht noch ein paar Sachen zum Wechseln?«
»Ja, aber die sind nichts Besonderes.«
»Das macht nichts. Vermutlich kann dein Schatz ohnehin nur daran denken, sie dir später vom Leib zu reißen.« Ihre Freundin zwinkerte ihr zu.
»Nina!« Ihre Wangen schienen Feuer zu fangen.
Tatsächlich fand sie noch eine schwarze Hose und eine weiße Schluppen-Bluse. Die Sachen lagen schon eine Weile hier, waren sauber und kaum zerknittert. Amelia schlüpfte hinein und zuckte nach einem Blick zur Uhr zusammen.
Ich komme zu spät! Hektisch bürstete sie ihre Haare und steckte sie mit einer silbernen Spange zusammen. Dann zog sie ihre wattierte Jacke an und band sich einen Schal um den Hals. Ein letzter Blick in den Spiegel, dann schnappte sie sich ihre Umhängetasche, umarmte ihre Freundin und wirbelte aus dem Laden.
Sie war kaum aus der Tür, als ihr die kalte Luft draußen bereits den Atem verschlug. Der Februar zeigte sich grimmig kalt. Ein eisblauer Himmel wölbte sich über Grünwald. Glitzernde Eiszapfen hingen von den Dachrinnen. Schnee häufte sich auf den Bürgersteigen, Dächern und an den Straßenrändern. Die Sonne war bereits untergegangen, und so sanken die Temperaturen noch weiter.
Fröstelnd zog Amelia ihren Schal höher und vergrub die Hände in den Taschen.
Ihr Freund hatte rätselhafte Andeutungen gemacht, als er sie für diesen Abend in den Isarblick, eines der teuersten Restaurants der Stadt, eingeladen hatte. Was hatte er sich wohl ausgedacht? Würde sie einen Ring in ihrem Dessert finden? Oh, bei diesem Gedanken klopfte ihr Herz zum Zerspringen.
In ihrer Tasche steckte Amelias Geschenk für ihn: Manschettenknöpfe, die sie selbst gemacht hatte. Sie hatte die Kinokarten von ihrer allerersten Verabredung aufbewahrt. Die hatte sie zu kunstvollen kleinen Rosen gefaltet, mit Kunstharz übergossen, poliert und in silberne Fassungen gesetzt. So würde er sie immer bei sich tragen ... Ein verträumtes Lächeln umspielte ihre Lippen.
Amelia konnte es kaum erwarten, ihren Schatz zu sehen.
Wäre es bloß nicht schon so spät!
Mit langen Schritten eilte sie weiter und entschied sich, eine Abkürzung zu nehmen. Sie bog in eine kleine Seitengasse ab, dachte an ihren Schatz und achtete nicht auf das verräterische Glitzern auf dem Fußweg. Der war mit blankem Eis überzogen und nicht gestreut!
Plötzlich zog es ihr die Beine unter dem Körper weg!
Das Nächste, was geschah, währte nur ein, zwei Sekunden, aber die kamen Amelia viel länger vor. Für ganz kurze Zeit fühlte sie sich beinahe schwerelos – und dann kam der Aufprall. Ein grauenvoller Schmerz raste durch ihr linkes Bein, schoss wie flüssiges Feuer durch ihren ganzen Körper bis unter ihre Haarwurzeln. Ihr wurde speiübel. Sie schlug auf dem Boden auf, und bittere Galle stieg in ihrer Kehle hoch.
Ihr Herz pumpte schmerzhaft wild.
Sie stemmte sich gegen den Boden, wollte aufstehen. Im selben Moment schien ihr Bein in tausend winzige Splitter zerfetzt zu werden. Amelia hörte einen gellenden Schrei und realisierte nicht, dass er aus ihrer eigenen Kehle kam ...
***
»Ist das ein Biss?« Stefan Frank beugte sich über den Unterarm seines Patienten. Die halbrunden Wunden sahen verräterisch nach Zahnabdrücken aus.
»Ist es«, bestätigte Johann Wegener seufzend. »Und er tut elend weh.«
»Das glaube ich. Stammt er von einer stürmischen Verabredung am Valentinstag?«
»Wenn ich nur so viel Glück hätte.« Der junge Krankenpfleger lächelte schief. »Ich bin wieder Single. Daheim wartet niemand auf mich. Nur ein paar tote Pflanzen.«
»Tote Pflanzen?«
»Meine Schwester glaubt, dass es meiner Wohnung an Atmosphäre fehlt, deshalb schenkt sie mir bei jedem Treffen einen Topf mit einer Grünpflanze. Ich habe nur leider absolut keinen grünen Daumen. Es ist ein Massaker.«
»Und die Wunde?«
»Die stammt von einem Patienten. Ich wollte ihn umbetten, da hat er plötzlich nach mir geschnappt. War total benebelt von den Schmerzmitteln. Ich hab ein Pflaster draufgeklebt, aber es hämmert wie verrückt, also dachte ich, ich komme lieber her.«
»Das war auch richtig.« Dr. Frank untersuchte die Verletzung. Sie reichte tief, und die Haut ringsherum war gerötet und überwärmt. Er spülte die Wunde mit Kochsalzlösung und versorgte sie mit einer antibiotischen Salbe, ehe er sie verband. »Ist Ihr Tetanusschutz noch aktiv?«
»Ist er.«
»Gut. Bei Bisswunden muss man aufpassen, dass sie nicht anfangen zu eitern. Ich werde Ihnen eine Salbe aufschreiben, die Sie bitte einmal täglich auftragen. Sollten die Schmerzen schlimmer werden oder sich womöglich Fieber einstellen, dann kommen Sie bitte wieder her.«
»Das mache ich.« Johann streifte den Ärmel seines Pullovers nach unten. »Haben Sie vielen Dank, dass Sie mich gleich noch mit drangekommen haben, Herr Doktor.«
