Dr. Stefan Frank 2629 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2629 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Dr. Frank findet an diesem Morgen einen frierenden Teenager mit stark blutender Platzwunde vor der Praxis. Ohne lange zu fackeln, behandelt er die Wunde. Doch als er anschließend wissen will, wie es zu der Verletzung gekommen ist, schweigt der Patient. Auch seinen Namen verrät er dem Arzt nicht. Der junge Mann spricht kein Wort. Stattdessen knetet er unaufhörlich einen seltsamen Stofffetzen in den Händen.
Stefan Frank beschließt, den stummen Teenager für weitere Untersuchungen in die Waldner-Klinik einzuliefern. Aber auch dort stehen die Ärzte zunächst vor einem Rätsel.
Erst als die neue Krankenschwester Jamila an das Krankenbett tritt und den Patienten auf den Stofffetzen anspricht, reagiert dieser völlig überraschend.
Fest sieht er Jamila an und sagt langsam und sehr deutlich: "Null eins fünf eins sieben drei acht sieben sechs null fünf ..."

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Wenn die Welt zu laut ist

Vorschau

Impressum

Wenn die Welt zu laut ist

Dr. Frank und ein hypersensibler Patient

Dr. Frank findet an diesem Morgen einen frierenden Teenager mit stark blutender Platzwunde vor der Praxis. Ohne lange zu fackeln, behandelt er die Wunde. Doch als er anschließend wissen will, wie es zu der Verletzung gekommen ist, schweigt der Patient. Auch seinen Namen verrät er dem Arzt nicht. Der junge Mann spricht kein Wort. Stattdessen knetet er unaufhörlich einen seltsamen Stofffetzen in den Händen.

Stefan Frank beschließt, den stummen Teenager für weitere Untersuchungen in die Waldner-Klinik einzuliefern. Aber auch dort stehen die Ärzte zunächst vor einem Rätsel.

Erst als die neue Krankenschwester Jamila an das Krankenbett tritt und den Patienten auf den Stofffetzen anspricht, reagiert dieser völlig überraschend.

Fest sieht er Jamila an und sagt langsam und sehr deutlich: »Null eins fünf eins sieben drei acht sieben sechs null fünf ...«

»Da hast du das Herz der tollsten Frau der Welt erobert und machst trotzdem ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter«, stellte Dr. Stefan Frank fest und schob kleingeschnittene Zwiebeln vom Brettchen in die Salatschüssel. »Warum?«

»Moment mal!«, meldete sich seine Freundin, die Augenärztin Dr. Alexandra Schubert, zu Wort. Ihre Augen blitzten vor Übermut. »Nichts gegen meine Freundin Ruth. Aber ehrlich gesagt dachte ich, dass ich die tollste Frau der Welt bin.«

»Für mich natürlich schon«, beeilte sich Stefan zu versichern. »Aber doch hoffentlich nicht auch für Ulrich.«

Alexandra zwinkerte Ruth zu. Ihre Freundin verstand den Blick und hob ihr Glas. Kichernd stießen die beiden Frauen an.

Stefan sah hinüber zu Ulrich Waldner und seufzte.

»Warum nur habe ich das Gefühl, dass sich unsere Herzensdamen über uns lustig machen?«

Trotz seiner trüben Gedanken musste Ulrich lachen.

»Weil du völlig richtig liegst mit deiner Annahme«, kam er nicht umhin, den Verdacht seines Freundes zu bestätigen.

Sichtlich zufrieden griff Stefan nach dem Salatkopf und trennte ein Blatt nach dem anderen ab.

»Aber zumindest schaust du nicht mehr so düster drein«, erwiderte er gut gelaunt. »Dafür nehme ich sämtliche Schmerzen in Kauf. Autsch!« Klappernd fiel das Messer auf die Arbeitsplatte. »Jetzt habe ich mich geschnitten.« Stefan steckte den Zeigefinger in den Mund.

Sofort war Alexandra zur Stelle.

»Du Armer, lass mal sehen!« Sie zog die Hand ihres Freundes zu sich und musterte den Finger. »Aber da ist ja gar nichts.« Mit einem Mal ging ihr ein Licht auf. »Ah, jetzt habe ich dich durchschaut, du Schuft! Das war deine Rache.«

Lachend schloss Stefan seine Liebste in die Arme.

»Du weißt doch: Rache ist süß. Nur deine Küsse sind süßer«, raunte er an ihren Lippen.

Dieser Versuchung konnte Alexandra nicht widerstehen. Kein Wunder! Sie kannte den Allgemeinmediziner Dr. Stefan Frank noch nicht lange. Erst seit ein paar Monaten waren sie ein Paar. Doch schon jetzt war beiden klar, dass sie nach großem Leid und herben Enttäuschungen endlich das ganz große Glück gefunden hatten. Diese Liebe fühlte sich anders an als alles, was sie bisher erlebt hatten. Sogar die Küsse schmeckten anders.

Ruth tat es ihrer Freundin nach und küsste ihren Mann. Ihre Liebe war längst nicht mehr so frisch wie die ihrer Freunde. Doch erfolgreich umschiffte Klippen und zahllose Glücksmomente hatten ein starkes Band zwischen ihnen geknüpft.

»Und?« Ihre Augen streichelten Ulis Gesicht. »Hast du schon eine Idee wegen der freigewordenen Stelle?«

Stefan horchte auf. »Wer hat gekündigt?«

Ein letzter Kuss, dann wandte sich Ulrich seinem Freund zu.

»Eine Schwesternschülerin ist sechs Wochen nach Ausbildungsbeginn schon wieder abgesprungen. Sie will jetzt doch lieber Friseurin werden.«

»Schade«, seufzte Ruth. »Ausgerechnet jetzt, wo so schwer Pflegepersonal zu finden ist.«

Ulrich nickte bekümmert.

»Ich kenne wirklich viele Kollegen und habe schon überall herumgefragt«, seufzte er. »Aber niemand kennt junge Menschen, die Lust auf eine Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Pfleger haben. Trotz der guten Bezahlung, die wir an unserer Klinik anbieten.«

Er brachte Teller und Besteck an den großen Tisch, der das Wohnzimmer der Familie Waldner dominierte. Zwar lebte das Ehepaar alleine in der Penthouse-Wohnung im siebten Stock über der Klinik, liebte es aber, Freunde zu empfangen und zu bewirten. Ab und zu kamen auch Ulrichs Kinder aus erster Ehe vorbei. Dann füllte sich die Wohnung mit fröhlichen Stimmen und Lachen und der Blick über den Englischen Garten wurde noch atemberaubender als ohnehin schon. Das lag nicht zuletzt daran, dass auch Ruth ein gutes Verhältnis zu ihren Stiefkindern pflegte.

Der Gedanke an Barbara und Kai brachte sie auf eine Idee.

»Barbara ist doch Ärztin in Hamburg. Vielleicht hat sie eine Idee.«

Ulrich war nicht überzeugt. Doch Stefan hielt dagegen.

»Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert«, sprach er seinem Freund Mut zu.

»Ein Anruf kostet ja nichts«, pflichtete Alexandra ihm bei. »Mehr als Nein sagen kann sie ja nicht.«

Überrascht blickte Ulrich Waldner von einem zum anderen.

»So fühlt es sich also an, zu seinem Glück gezwungen zu werden«, lächelte er.

»Tut es weh?«, scherzte Stefan und brachte die Schüssel mit Kartoffelgratin an den Tisch, die Ruth ihm in die Hand gedrückt hatte.

»Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil«, gab Uli unumwunden zu und hob sein Glas. »Auf die Freundschaft!«

Hell klangen die Gläser aneinander. Genug Trübsal geblasen! Alles hatte seine Zeit. Und jetzt war Zeit, das gemeinsame Essen und die kostbaren freien Stunden dieses Oktoberabends zu genießen.

***

Die Wochen zogen ins Land. Der herrliche Altweibersommer mit angenehmen Temperaturen und klarer Luft gaukelte den Menschen vor, dass der Winter noch in weiter Ferne lag. Doch das Glück sollte nicht von Dauer sein. Pünktlich zum Beginn des neuen Monats änderte sich das Wetter. Ein Tiefdruckgebiet schaufelte dunkle Wolken in den Süden von Bayern und sorgte für anhaltend unfreundliches Wetter.

Beim Einschlafen und Aufwachen hörte Dr. Franks Sprechstundenhilfe Martha Giesecke das Wispern des Regens, der in feinen Schnüren vom Himmel fiel. Nach dem Frühstück zog sie die Kapuze der Regenjacke tief ins Gesicht und machte sich auf den Weg in die Arbeit. Der Asphalt glänzte wie frisch lackiert, bunte Blätter schwammen wie Schiffchen in den Pfützen.

Doch an diesem Morgen war es zu kalt, als dass Schwester Martha die kleinen Schönheiten bemerkt hätte, die ihren Weg säumten. Da stellte sie sich lieber die Praxis vor, die behagliche Wärme, die schon auf sie wartete. Im Geiste ging sie mit der Gießkanne durch die Räume, um ihre grünen Schützlinge mit Wasser zu versorgen, während die Kaffeemaschine in der kleinen Küche zischte und brodelte. Während sie am Straßenrand auf eine Lücke im Verkehr wartete, sah Martha auf ihre Armbanduhr und lächelte. Sie würde Zeit genug haben, um sich mit einer Tasse Kaffee an den Schreibtisch zu setzen und in den neuen Zeitschriften des Lesezirkels zu blättern, ehe sie diese im Wartezimmer verteilte.

Über diesen wohlig-warmen Gedanken erreichte Martha Giesecke die Praxis in der Gartenstraße. Während sie in ihrer großen Handtasche kramte, ging sie zügig auf die altehrwürdige Villa zu. Sie wollte gerade den Schlüssel ins Schloss stecken, als ihr Blick auf eine vermummte Gestalt fiel, die zusammengekauert neben der Tür saß.

Martha schrie auf. Klirrend landete der Schlüssel auf dem Boden. Sie presste die Hände auf ihr wild schlagendes Herz. Das Bündel rührte sich nicht. Es dauerte ein wenig, bis sie sich wieder im Griff hatte.

»Wollen Sie nicht aufstehen? Det ist doch viel zu kalt da auf dem Boden.« Auch nach so vielen Jahren in München war ihr Berliner Einschlag noch deutlich zu hören.

Während Schwester Martha auf eine Antwort wartete, betrachtete sie die Gestalt genauer. Genau wie sie selbst hatte der Fremde die Kapuze so tief ins Gesicht gezogen, dass sie sein Gesicht nicht erkennen konnte. Unter dem olivgrünen Anorak mit Kunstpelzbesatz lugten zwei ellenlange Beine hervor. Die Stoffhose war schmutzig, im rechten Knie klaffte ein Loch. Ein blutroter Fleck breitete sich auf dem hellen Stoff aus. Lange, schmale Jungenfinger umklammerten ein undefinierbares Stück Stoff. Unwillkürlich zog sich Martha Gieseckes Herz zusammen.

»Jetzt kommen Sie erst mal mit rein in die gute Stube und trinken eine schöne Tasse heißen Kaffee. Det ist genau det Richtige an so einem ungemütlichen Tag.«

Wieder bekam sie keine Antwort. Die Gestalt machte keinen Mucks.

»Soll ich den Doktor für Sie holen? Deshalb sind Sie doch gekommen, oder?«

Statt einer Antwort tropfte Blut auf den Stofffetzen in den Jungenhänden. Das versetzte den Fremden offenbar so sehr in Aufruhr, dass er begann, das Tuch in den Fingern zu kneten. Schwester Martha wusste, dass sie eine Entscheidung treffen musste.

»Wenn Sie nicht reinkommen wollen, kommt der Doktor eben zu Ihnen raus. Warten Sie kurz hier. Ick bin sofort wieder da.«

Ihre Hände zitterten, als sie den Schlüssel ins Schloss steckte und umdrehte. Die Tür sprang auf. Obwohl die privaten Räume ihres Chefs im oberen Stockwerk lagen, stieg sie nicht etwa die Stufen hinauf. Wie an jedem anderen Morgen auch wählte sie den Weg in die Praxis. Dort angekommen griff sie über den Tresen nach dem Telefonhörer und wählte Dr. Franks Nummer.

***

»Ich habe schon immer davon geträumt, dass mir ein Mann Kaffee ans Bett bringt.«

Zufrieden mit sich, der Welt und allen voran ihrem Liebsten, lehnte Alexandra im Bett und nippte an ihrer Tasse.

»Das also ist der wahre Grund, warum du mich liebst«, scherzte Stefan gut gelaunt.

Wie erhofft stellte Alexa die Tasse auf den Nachttisch und beugte sich über ihn.

»Wenn ich es mir ganz genau überlege, fallen mir durchaus noch ein paar andere Gründe ein«, gurrte sie an seinem Ohr und wollte ihn küssen, als sein Handy klingelte.

Stefan seufzte. »Guten Morgen in der Wirklichkeit.«

Er nahm das Mobiltelefon zur Hand, das immer eingeschaltet auf dem Nachttisch lag, falls mitten in der Nacht ein Notruf einging. Diesmal lächelte ihm aber Schwester Marthas Konterfei vom Display entgegen.

»Nanu, das ist Martha.«

Eine kleine, heiße Sekunde lang war Alexandra enttäuscht. Sie wohnte in einer eigenen, kleinen Wohnung und nutzte jede Minute ihrer knapp bemessenen Zeit, um mit Stefan zusammen zu sein. Doch schnell gewann ihre Vernunft wieder die Oberhand. Selbst Ärztin stand auch bei ihr das Wohl der Patienten an erster Stelle. Niemand bat sie vergeblich um Hilfe, und sie war froh, dass Stefan fühlte und dachte wie sie.

»Oh je, hoffentlich ist ihr auf dem Weg in die Arbeit nichts zugestoßen.«

»Das hoffe ich auch.«

Stefan Frank drückte auf den kleinen, grünen Hörer und hielt den Apparat ans Ohr. Das Gespräch dauerte nicht lange.

»Ich bin sofort unten«, versprach er, ehe er grußlos auflegte und die Beine aus dem Bett schwang.

Alexandra sah ihm mit großen Augen nach.

»Was ist passiert?«

»Vor der Praxistür sitzt ein Fremder, offenbar verletzt, der sich weigert, mit Martha zu sprechen.« Seine Stimme hallte von den Badfliesen wider. Wasser rauschte. Nach einer Katzenwäsche stieg Stefan in Hose und Hemd. Er wollte schon aus dem Schlafzimmer stürzen, als ihm etwas einfiel. »Ich hoffe, du nimmst nicht gleich Reißaus. Ich wollte dir nämlich noch erzählen, dass Ulrichs Tochter Barbara tatsächlich eine Schwesternschülerin an der Hand hat, die ihre Ausbildung in München beenden möchte. Das habe ich gestern Abend ganz vergessen, dir zu sagen.«

»Das sind ja tolle Neuigkeiten!«

»Nicht wahr? Jamila Khan ist die Tochter von Barbaras Kollegin. Sie ist gestern in München angekommen. Ruth hat sie kurzerhand eingeladen, für die Dauer ihres Praktikums ein Zimmer in der Wohnung zu beziehen. Platz genug haben sie ja.«

»Die liebe Ruth«, seufzte Alexa. »Sie hat so ein großes Herz.«

»Deines ist mindestens genauso groß. Deshalb hoffe ich auf dein Mitleid mit einem armen, geplagten Arzt, der zu nachtschlafender Zeit schon Patienten behandeln muss. Du wartest doch auf mich? Ich beeile mich auch.«

»Keine Sorge«, versprach Alexa nach einem Blick auf die Uhr. Ihre Sprechstunde begann erst in zwei Stunden. »So schnell wirst du mich nicht mehr los«, versprach sie und ihre Augen funkelten wie zwei Sterne.

Stefans Herz wurde leicht vor Glück und Liebe. Von Kollegen wusste er, wie schwierig Überstunden, Nacht- und Notdienste die Beziehung zu einem Arzt machten. Wie so oft konnte er auch diesmal dem Schicksal nicht dankbar genug sein, dass es ihm eine so verständnisvolle Frau an die Seite gestellt hatte.

»Wo hast du dich nur so lange vor mir versteckt, Traumfrau?«, fragte er heiser, wartete aber nicht auf die Antwort, wohlwissend, dass sie dafür noch ein ganzes Leben lang Zeit hatten.

***

»Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal über einen Parkplatzrempler so glücklich sein würde.« Mit dem Apparat am Ohr wanderte Britta Fiebig zum Küchenfenster und sah hinaus auf die Straße. Von hier aus konnte sie dem Straßenverlauf bis zu der Ecke folgen, hinter der ihr Sohn vor einer halben Stunde verschwunden war.

Noch vor ein paar Wochen war ihr der Abschied von David jedes Mal schwergefallen, selbst wenn er schon achtzehn Jahre alt war. Doch seit Ralph Jacoby in ihr Leben getreten war, hatten sich die Dinge geändert. Nun konnte Britta es kaum erwarten, David seinen Abschiedskuss zu geben und ihm nachzusehen, wie er die Straße entlang marschierte, bis er nicht mehr zu sehen war.

Am anderen Ende der Leitung lachte Ralph leise.

»Was für ein unverschämtes Glück, dass du meinen Wagen übersehen hast. Dabei habe ich mir genau deshalb diese Farbe ausgesucht. Ich dachte, mit Knallrot falle ich überall auf.«

»So kann man sich täuschen.« Britta lachte mit ihrem neuen Freund.

Die nahe Kirchturmuhr schlug drei Mal.

»Schon viertel vor acht«, seufzte sie. »Ich muss mich fertig machen fürs Büro.«

»Wenn du bei mir übernachten würdest, hättest du mehr Zeit.« Es war nicht das erste Mal, dass Ralph diese Einladung aussprach.

Britta spürte, wie ihre Wangen heiß wurden.

»Ich habe dir doch schon ein paar Mal gesagt, dass ich nicht schlafen kann, wenn jemand bei mir ist«, erwiderte sie schroffer als beabsichtigt. Etwas sanfter fügte sie hinzu: »Und für die Arbeit muss ich meine Sinne beisammenhaben.«

Ralph wollte seine neue Freundin an die Wochenenden erinnern, verzichtete in weiser Voraussicht aber darauf, auch deshalb, weil sie sich ansonsten blind verstanden. Wahrscheinlich brauchte Britta einfach Zeit. Kein Wunder nach den vielen Jahren als Single. Da gewöhnte man sich Marotten an, die man später umso schwerer wieder loswurde. Wenn das das einzige Problem zwischen ihnen blieb, würde er geduldig warten.

»Ich will natürlich nicht schuld daran sein, dass du einem Kunden statt einem Förderband ein paar Brechbacken lieferst«, lachte er.

»Das hast du dir gemerkt?« Brittas Herz wurde weich vor Rührung und Liebe.

Natürlich hatte sie in den Jahren nach ihrer Scheidung Männerbekanntschaften geschlossen. Die meisten Herren der Schöpfung konnten aber nicht mit einer erfolgreichen Geschäftsfrau umgehen, die sich obendrein in einer reinen Männerdomäne profiliert hatte. Verschleißteile für Kieswerke waren für die meisten ein Buch mit sieben Siegeln und fast alle hörten weg, wenn sie von Sandsieben, Prallmühlen und der richtigen Stahlzusammensetzung für Brechbacken erzählte. Auch in dieser Hinsicht war Ralph anders und dafür verliebte sie sich gleich noch ein bisschen mehr in ihn.