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Für Lisa und Jakob Wechselberger beginnt das Bangen in der 19. Schwangerschaftswoche: Der Ultraschall enthüllt Auffälligkeiten am Unterschenkel ihres Kindes. Der Verdacht Osteogenesis imperfecta, auch Glasknochenkrankheit genannt, kommt auf, wird vorerst allerdings wegen mangelnder Befunde verworfen.
Die folgenden Wochen erhärten den Verdacht jedoch. Lisa und Jakob lesen alles, was ihnen über die Krankheit in die Finger gerät. Die Lektüre beruhigt sie kaum. Vor allem Jakob hadert mit der Diagnose. Als Chirurg hilft er jährlich vielen Menschen, nur seinem Kind kann er nicht helfen. Das treibt ihn um und zu einem Fehler, den er bald bitter bereuen soll.
Als die kleine Stina per Notkaiserschnitt zur Welt kommt, zeigt das Röntgenbild, dass sie schon einige Knochenbrüche im Mutterleib erlitten hat. Ein Bluttest bestätigt die Diagnose endgültig: Stina hat Glasknochen.
Lisa und Jakob behüten und umsorgen ihr Kind. Bald hören die Eltern auf, die Brüche ihres Kindes zu zählen. Die Herausforderung wird zur Normalität. Stina entwickelt sich zu einem fröhlichen, lebensbejahenden Kind. Vier Jahre später aber holt Jakob sein folgenschwerer Fehler ein, und sein Familienglück zerbricht in tausend Scherben ...
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Zerbrechlich
Vorschau
Impressum
Zerbrechlich
Stina lebt mit Glasknochen
Für Lisa und Jakob Wechselberger beginnt das Bangen in der 19. Schwangerschaftswoche: Der Ultraschall enthüllt Auffälligkeiten am Unterschenkel ihres Kindes. Der Verdacht Osteogenesis imperfecta, auch Glasknochenkrankheit genannt, kommt auf, wird vorerst allerdings wegen mangelnder Befunde verworfen.
Die folgenden Wochen erhärten den Verdacht jedoch. Lisa und Jakob lesen alles, was ihnen über die Krankheit in die Finger gerät. Die Lektüre beruhigt sie kaum. Vor allem Jakob hadert mit der Diagnose. Als Chirurg hilft er jährlich vielen Menschen, nur seinem Kind kann er nicht helfen. Das treibt ihn um und zu einem Fehler, den er bald bitter bereuen soll.
Als die kleine Stina per Notkaiserschnitt zur Welt kommt, zeigt das Röntgenbild, dass sie schon einige Knochenbrüche im Mutterleib erlitten hat. Ein Bluttest bestätigt die Diagnose endgültig: Stina hat Glasknochen.
Lisa und Jakob behüten und umsorgen ihr Kind. Bald hören die Eltern auf, die Brüche ihres Kindes zu zählen. Die Herausforderung wird zur Normalität. Stina entwickelt sich zu einem fröhlichen, lebensbejahenden Kind. Vier Jahre später aber holt Jakob sein folgenschwerer Fehler ein, und sein Familienglück zerbricht in tausend Scherben ...
»Es ist nur ein Ultraschall, mein Schatz.« Liebevoll drückte Jakob Wechselberger die Hand seiner Frau. Ihre Finger waren eiskalt und bebten kaum merklich. Da blieb er stehen und hüllte sie in eine warme Umarmung. »Du musst dich nicht fürchten. So ein Ultraschall ist heute gar nichts Besonderes mehr. Den macht bei uns in der Klinik der Pförtner zwischen zwei Rundgängen. Mit einer Schinkensemmel in der Hand.«
Lisa lachte leise. »Und das soll mich beruhigen?«
»Das war der Plan, aber vermutlich sind meine Witze noch schlechter als meine Kochkünste.« Ein schiefes Lächeln huschte über das Gesicht ihres Mannes.
Lisa legte ihm eine Hand an die Wange. Sein Bart kratzte. Liebevoll strich sie darüber. Die Wärme ihres Mannes legte sich schützend um sie wie ein Umhang, und das bange Gefühl in ihrem Inneren zog sich in den finsteren Winkel zurück, aus dem es gerade seinen Kopf gesteckt hatte.
Warum nur wurde sie diese ungewisse Furcht nicht los?
Ihre Schwangerschaft war sehnlichst herbeigesehnt. Jakob und sie hatten zwei Jahre lang vergeblich versucht, ein Kind zu bekommen. Nun sollte sich ihr größter Wunsch endlich erfüllen. Sie war in der neunzehnten Woche schwanger und auf dem Weg zu ihrer Gynäkologin. Dr. Franziska Hofer arbeitete in demselben Krankenhaus wie Jakob. Er hatte sie Lisa auch wärmstens empfohlen.
Bisher verlief die Schwangerschaft ohne größere Beschwerden. In den ersten Wochen war Lisa von Übelkeit geplagt worden, aber die war inzwischen verschwunden. Tatsächlich fühlte sich Lisa so wohl wie lange nicht mehr. Ihr Bauch rundete sich allmählich und machte das Wunder in ihrem Inneren greifbarer.
Es bestand wirklich kein Grund für das bange Herzklopfen, das sie verspürte, seitdem sie das Haus verlassen hatte!
Lisa versuchte ein Lächeln, aber sie spürte, dass es verrutschte.
»Alles ist gut, du wirst es sehen.« Ihr Mann tupfte einen Kuss auf ihren Mund. »Unserem kleinen Schatz geht es blendend.«
Sie widerstand nur schwer dem Impuls, sich nach einem Stück Holz umzuschauen und dreimal darauf zu klopfen. Gütiger Himmel. Seit wann war sie so abergläubisch?
Jakob küsste sie erneut. Lang und innig. Und sie schmolz in seinem Arm. Sich an ihn schmiegend, erwiderte sie seinen Kuss und vergaß sekundenlang alles um sich herum. Als er sich von ihr löste und äußerst zufrieden mit sich aussah, kniff sie ihn spielerisch in den Arm. Allerdings hatte er sein Ziel erreicht und sie abgelenkt.
»Machst du das auch bei deinen Patienten so?«, fragte sie ihn, während sie ihren Weg fortsetzten. »Lenkst du sie mit Küssen von ihren Sorgen ab?«
»Nur bei Kassenpatienten. Privatversicherte übernimmt der Klinikchef selbst, das lässt er sich nicht nehmen«, versicherte er todernst, was sie wiederum zum Lachen brachte.
Jakob arbeitete als Chirurg in der Waldner-Klinik, einer Privatklinik, die in unmittelbarer Nähe des Englischen Gartens stand. Seine Patienten kamen nicht nur aus München, sondern auch von weiter her, um sich hier behandeln zu lassen. Die Klinik bot einen imposanten Anblick mit der gläsernen Fassade und den Anbauten. Lisa und Jakob wohnten nur einen Spaziergang entfernt und hatten sich entschieden, das milde Herbstwetter zu nutzen und zu Fuß zu ihrem Termin zu gehen.
Der Wind zupfte buntes Laub von den Bäumen und trieb die Blätter spielerisch über den Fußweg. Hier und da gaukelte noch eine Hummel zwischen den letzten Blüten umher, die sich vom Sommer in die kühlere Jahreszeit gerettet hatten. Ein Eichhörnchen huschte am Stamm einer uralten Eiche hinab, über den Weg und verschwand in einer Haselnusshecke.
»Der Kleine hat es aber eilig«, stellte Lisa fest.
»Vermutlich legt er Vorräte für den Winter an.«
»Für das Kinderzimmer würde mir eine Dekoration mit Eichhörnchen gefallen. Als Druck auf den Vorhängen zum Beispiel.«
Jakob lächelte. »Das finde ich schön. Und das erinnert mich daran, dass wir noch die Farbe für das Kinderzimmer aussuchen müssen. Mir persönlich hat das Lichtgrün am besten gefallen. Mit einem hübschen Muster in dunklerem Tannengrün, vielleicht auf Augenhöhe, wird das Kinderzimmer zum Märchenwald.«
Lisa dachte darüber nach und stellte sich vor, wie sie den Raum dekorieren könnten. Mit einem Mobile aus Märchenfiguren, einer Schneewittchenlampe und plüschigen Waldtieren ...
»Das würde mir auch gefallen.«
Eine kühle Böe fauchte heran, und unwillkürlich kuschelte sich Lisa tiefer in ihren Strickmantel.
Ihr Mann legte ihr einen Arm um die Schultern.
Wenig später erreichten sie die Waldner-Klinik. Als sie die hohe Glastür passierten, traten sie in die angenehm warme Eingangshalle. Der kühle Wind blieb ebenso zurück wie das Rascheln des Herbstlaubs.
Dr. Hofer empfing sie in einem Untersuchungsraum in der ersten Etage.
Das Erste, was Lisa an ihr auffiel, waren ihre kalten Hände.
Das Zweite war ihr Lächeln. Es wirkte ... künstlich.
Unsinn, redete sie sich selbst zu. Jakob sagt, dass sie eine exzellente Ärztin ist. Empathisch und kompetent. So hat er sie beschrieben, und auf sein Urteil ist Verlass. Ich sollte ihr eine Chance geben und nicht vorschnell urteilen. Sie kann nichts dafür, dass ich nicht gerade jetzt den Frauenarzt wechseln wollte, aber keine andere Chance hatte.
Franziska Hofer war nur wenige Jahre älter als Lisa. Ihre rötlichen Haare ringelten sich zu üppigen Locken, die sie aufgesteckt trug. Lediglich einige wenige vorwitzige Strähnen ringelten sich um ihr Gesicht. Unter ihrem Kittel trug sie einen schmalen Rock, dazu hatte sie Absatzschuhe an, in denen Lisa keine zehn Meter weit hätte laufen können, ohne sich den Knöchel zu verstauchen.
»Ihr Frauenarzt ist also in den Ruhestand gegangen?«, erkundigte sich Dr. Hofer.
»Ja, das stimmt. Ausgerechnet jetzt, wo ich ihn gern an meiner Seite hätte.«
»Nun, dann wollen wir ihm seine wohlverdiente Pension gönnen. Ich freue mich, dass Sie sich von nun an mir anvertrauen wollen.«
»Mein Mann hat Sie wärmstens empfohlen.«
»Hat er das?« Das Lächeln der Ärztin wurde wärmer. Sie erkundigte sich nach dem bisherigen Verlauf von Lisas Schwangerschaft, nach ihren Beschwerden und ihren Wünschen für die Vorsorge und schien für alles ein offenes Ohr zu haben.
Schließlich wurde es Zeit für den Ultraschall. Das zweite große Screening stand an – und zum ersten Mal wurde es nicht von ihrem vertrauten Frauenarzt durchgeführt, sondern von der neuen Ärztin. Lisa unterdrückte ein Seufzen.
Sie streckte sich auch der Behandlungsliege aus, schob ihr Shirt nach oben und fuhr leicht zusammen, als die Ärztin das Gel auf ihrem Bauch verteilte.
»Tut mir leid. Die kalten Finger sind mein Fluch.« Die Ärztin rieb ihre Hände aneinander. »Zeit für das Babyfernsehen.« Sie führte den Schallkopf über Lisas sanft gerundeten Bauch. »Ihr Baby wiegt jetzt beinahe 200 Gramm. Wussten Sie, dass seine Kopfhaare nun zu wachsen beginnen? Auch die Zahnleisten für die Milchzähne werden zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft gebildet. Und man kann erkennen, welches Geschlecht Ihr Baby hat. Möchten Sie es wissen?«
Lisa wechselte einen lächelnden Blick mit ihrem Mann. »Ja, das möchten wir.«
»Sie haben Glück. Die Kleine liegt gerade richtig. Es ist kein Zweifel möglich.«
Die Kleine? Ein Mädchen also? Oh, lieber Gott. Sie würden ein Mädchen bekommen! Eine heiße Flut von Liebe überschwemmte Lisa das Herz. Und das feuchte Funkeln in den Augen ihres Mannes verriet, dass er dasselbe empfand.
»Und geht es ... ihr gut?« Ihre Stimme klang nicht ganz fest.
Die Ärztin strich mit dem Schallkopf über ihren Bauch, hielt unvermittelt inne und krauste die Stirn. Anstelle einer Antwort schaute sie aufmerksam auf den Monitor.
»Frau Doktor? Ist alles in Ordnung?« Lisa hielt den Atem an.
Mit einem Mal lastete das Schweigen wie ein Bleigewicht auf ihr.
Sie ist nur konzentriert. Alles andere bilde ich mir nur ein, redete sich Lisa selbst zu. Ich sollte sie in Ruhe ihre Arbeit machen lassen, aber ... du lieber Himmel ... warum sagt sie denn nichts?!
Unsicher schaute Lisa zu ihrem Mann hoch. Jakob stand neben ihr, sah sie jedoch nicht an. Stattdessen hielt er den Blick fest auf den Monitor gerichtet. Dabei drückte er ihre Finger so fest, dass es beinahe wehtat.
»Frau Doktor?« Lisa hob den Kopf. »Was sehen Sie da?«
Da, endlich, schaute die Frauenärztin sie wieder an.
»Etwas ist nicht ganz so, wie es sein sollte«, sagte sie.
Diese Worte trafen Lisa wie ein Hieb mit einem Vorschlaghammer.
Da war er. Der Albtraum für jedes werdende Elternpaar.
Etwas stimmte mit ihrem Baby nicht?
»Ich sehe hier auf dem Ultraschall Auffälligkeiten am Unterschenkel Ihres Kindes.«
»Auffälligkeiten?« Ratlos spähte Lisa auf den Monitor, konnte in dem grauen Muster jedoch nicht allzu viel erkennen. »Was meinen Sie damit?«
»Sie ist noch zu klein, um es genauer sagen zu können. Womöglich ist es auch gar nichts weiter, aber wir sollten einen Test auf Osteogenesis imperfecta vornehmen.«
Jakob nickte kaum merklich, als hätte er soeben dasselbe gedacht.
»Oster... was? Was bedeutet das?« Lisa konnte kaum atmen. »Könnt ihr das bitte für einen Laien übersetzen?«
Dr. Hofer und Jakob tauschten einen Blick.
»Osteogenesis imperfecta.« Jakob zögerte kurz. »Es ist nichts, worum du dir im Augenblick Sorgen machen solltest.«
»Aber du machst dir welche. Das kann ich dir ansehen.« Sie hob eine Hand und strich über die verräterische Furche auf seiner Stirn. »Erzähl es mir. Bitte.«
Er murmelte einen leisen Fluch.
»Jakob, was hat es damit auf sich?«
»OI ist eine Erbkrankheit, die von einer hohen Knochenbrüchigkeit gekennzeichnet ist. Du kennst sie vielleicht unter der Bezeichnung Glasknochenkrankheit.«
»O nein.« Lisa wurde es sekundenlang schwarz vor Augen. Glasknochen. Extrem brüchig. Ein Leben voller Einschränkungen und Risiken. Geprägt von Schmerzen. Nein. Oh, bitte, das nicht. Nur das nicht.
»Was machen wir nun, Franziska?«, fragte ihr Mann mit einer Stimme, die fremd und belegt klang.
»Wir machen einen 3D-Ultraschall, allerdings ist es wirklich noch zu früh, um etwas Genaueres zu sagen. Ich bezweifle, dass wir auf den Aufnahmen viel sehen werden. Wir müssen abwarten und den weiteren Verlauf beobachten.«
»Franziska, du kennst mich. Als die Geduld verteilt wurde, war ich schon weitergelaufen. Können wir das nicht beschleunigen?«
»Leider nicht.« Die Ärztin schüttelte den Kopf.
»Verstehe.« Jakob drückte Lisas Finger, und in seinen braunen Augen stand dieselbe bange Frage, die auch Lisa umtrieb.
Wie krank ist unser Baby wirklich?
***
An Schlaf war nicht zu denken.
Lisa war getrieben von einer inneren Unruhe, die schon an Panik grenzte.
Vor den Fenstern ihres Zuhauses hatte sich die Dunkelheit über die Stadt gesenkt. Ein kräftiger Sturm fegte durch die Straßen, zerrte das bunte Laub von den Bäumen, warf Mülltonnen um und riss ganze Äste ab. Hin und wieder ließ das Krachen Lisa zusammenzucken. Sie saß in ihrem Arbeitszimmer am Computer und ließ die Finger über die Tasten fliegen. Sie brauchte unbedingt mehr Informationen!
Der Sturm peitschte die Zweige der hohen Kiefer draußen im Garten gegen ihr Fenster – wie ein Echo der wirbelnden Gefühle in ihrem Inneren. Hinter den Wipfeln flackerte das Licht einer Straßenlaterne. Regentopfen klatschten gegen die Scheiben. Die Kälte schlich um das Haus wie ein hungriges Raubtier.
Lisa fror bis ins Mark.
Dabei war es in ihrem Zuhause warm und behaglich. Die Schreibtischleuchte brannte und tauchte das Arbeitszimmer in sanftes Licht. An der Korkwand über dem Schreibtisch waren zahlreiche Fotografien festgemacht, dazu Notizzettel mit Ideen für neue Entwürfe. Drei Monitore verrieten, dass Lisa beruflich viel am Computer arbeitete. Sie war Grafikdesignerin und gestaltete Buchcover und Illustrationen.
Eines der Regale zu ihrer Linken war mit Büchern gefüllt, deren Titelbilder sie gestaltet hatte. Es waren viele historische Romane darunter, aber auch Liebesromane und ein paar Kochbücher und Reiseführer. Lisa hatte schon als Kind gern gelesen, sich selbst Geschichten ausgedacht und diese illustriert. Irgendwann hatte sie gemerkt, dass ihr das Gestalten lag, und sie hatte ihre Liebe zum Beruf gemacht. Am liebsten arbeitete sie am frühen Morgen, wenn die Stadt noch schlief und ihre Gedanken frisch und ausgeruht waren. Meistens saß sie schon um vier Uhr in der Früh an ihren Entwürfen. Wenn sie den Duft von Kaffee roch, wusste sie, es war halb sechs und ihr Mann war aufgestanden.
Sie waren vor einem Jahr in ein hübsches Reihenhaus gezogen. Es verfügte neben den Wohn- und Schlafräumen über ein Arbeits- und ein Kinderzimmer. Der Garten bestand noch aus wenig mehr als Rasen und Bäumen, die im Sommer reichlich Schatten warfen und ... Zack! Einmal mehr peitschte einer der Äste gegen das Fenster. Lisa fuhr zusammen. Gütiger Himmel! Draußen hagelte es nun sogar!
Unwillkürlich streckte sie den Arm nach dem Becher mit Kakao aus. Sie schloss die Finger darum, nahm einen Schluck und spürte der Wärme nach, die sich in ihrem Inneren ausbreitete. Zu ihrem cremefarbenen Pyjama hatte sie sich eine Strickjacke übergestreift. Dazu trug sie flauschig weiche Socken, die ihre Füße warmhielten.
In dem Körbchen neben ihrem Schreibtisch schliefen Franz und Sissi und ließen sich von dem Tosen des Unwetters kein bisschen stören. Die beiden Hunde hatten sich zusammengerollt und schnarchten leise. Sissi hatte eine Pfote um ihren Gefährten gelegt. Schon als Kind hatte sich Lisa einen Dackel gewünscht. Sie liebte die fröhlichen kleinen Hunde.
