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Zwischen Susanna und ihrem Partner Fabian läuft es schon länger nicht mehr richtig rund. Als die warmherzige Frau dann ungeplant schwanger wird, hofft sie, dass das Kind sie einander wieder näher bringt. Doch Susannas Traum von einer unbeschwerten Zukunft zerplatzt jäh, als Luca zur Welt kommt: Ihr Sohn leidet an Trisomie 21. Die junge Mutter macht sich Vorwürfe, keine pränatale Diagnostik in Anspruch genommen zu haben. Wird sie den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht werden können?
Wie sie Fabian die Nachricht überbringen soll, weiß Susanna nicht. Sie ahnt aber, dass er das in seinen Augen behinderte Kind nie akzeptieren wird, ekelt er sich doch vor jedweder Krankheit. Und Susanna soll recht behalten: Fabian ist völlig überfordert mit der Situation, kann seinen Sohn nicht mal berühren, geht auf Abstand - bis er eines Tages gar nicht mehr nach Hause kommt ...
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Ein Chromosom zu viel
Vorschau
Impressum
Ein Chromosom zu viel
Luca kommt mit Trisomie 21 zur Welt
Zwischen Susanna und ihrem Partner Fabian läuft es schon länger nicht mehr richtig rund. Als die warmherzige Frau dann ungeplant schwanger wird, hofft sie, dass das Kind sie einander wieder näher bringt. Doch Susannas Traum von einer unbeschwerten Zukunft zerplatzt jäh, als Luca zur Welt kommt: Ihr Sohn leidet an Trisomie 21. Die Mutter macht sich Vorwürfe, keine pränatale Diagnostik in Anspruch genommen zu haben. Wird sie den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht werden können?
Wie sie Fabian die Nachricht überbringen soll, weiß sie nicht. Sie ahnt aber, dass er das in seinen Augen behinderte Kind nie akzeptieren wird, ekelt er sich doch vor jedweder Krankheit. Und Susanna soll recht behalten: Fabian ist völlig überfordert mit der Situation, kann seinen Sohn nicht mal berühren, geht auf Abstand – bis er eines Tages gar nicht mehr nach Hause kommt ...
Susanna ließ sich auf den Rand der Badewannen sinken, um unter leisem Stöhnen ihre Füße abzutrocknen. Als sie fertig war, stand sie auf, wischte die Schwaden vom Spiegel und strich sanft über ihren beeindruckenden Schwangerschaftsbauch. Die werdende Mutter lächelte. Noch ungefähr sechs Wochen bis zur Geburt. Hoffentlich würde der Bauch nicht noch viel dicker werden. Schon jetzt fühlte sie sich wie ein Walross.
Mit kreisenden Bewegungen massierte die junge Frau Öl auf die pralle Kugel. Obwohl sie seit Beginn der Schwangerschaft geölt und gecremt hatte, hatte sie nicht verhindern können, dass sich Schwangerschaftsstreifen gebildet hatten. Veranlagung, hatte ihre Frauenärztin gesagt.
Als Fabian zum ersten Mal die Bindegewebsrisse sah, hatte er betreten gefragt, ob die »unschönen Dinger« denn wieder weggehen würden. Als Susanna ihm sagte, dass die Streifen nach der Schwangerschaft zwar nicht mehr so auffällig sein würden, aber niemals ganz verschwinden würden, hatte er sie mitleidig angesehen. So, als hätte er sagen wollen: »Siehst du! Das hast du jetzt davon, du wolltest ja unbedingt ein Kind.«
Fabian hatte ein Faible für makellose Schönheit. Körperliche Schwächen und Krankheiten waren ihm ein Gräuel, deshalb wunderte es Susanna nicht, dass er sich von ihren harmlosen Schwangerschaftsstreifen abgestoßen fühlte. Aber sie war sicher, dass er sich daran gewöhnen würde. Schließlich hatte er sich ja auch mit dem Gedanken angefreundet, Vater zu werden.
Susanna zog ihren Bademantel über und ging in die Küche, aus der ein verführerischer Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee strömte. Fabian hatte also schon Kaffee gekocht. Susanna freute sich. Sie konnten noch gemütlich frühstücken, denn ihr Partner musste erst in einer halben Stunde zur Arbeit.
Sie legte von hinten die Arme um ihren Lebensgefährten, küsste ihn auf sein dunkles Haar und sah über seine Schulter in die Tageszeitung, die er vor sich auf dem Tisch ausgebreitet hatte.
»Guten Morgen, mein Schatz.«
»Morgen«, erwiderte Fabian und blickte nur kurz nach hinten, um sich dann gleich wieder in seine Lektüre zu vertiefen.
»Was gibt es Interessantes?«, fragte Susanna leutselig.
»Ach, nur das Übliche.« Fabian legte die Zeitung zusammen und räusperte sich. »Ich muss etwas mit dir besprechen.«
Susanna setzte sich ihm gegenüber und sah ihn mit aufkeimender Besorgnis an. Sein Tonfall hatte sie hellhörig werden lassen.
»Was ist los?«, fragte sie mit einem Kloß im Hals.
»Ich wollte es dir gestern schon sagen«, begann Fabian. »Aber du warst so müde, da wollte ...«
»Nun erzähl schon! Was musst du mir sagen?«, unterbrach Susanna ihn ungeduldig.
»Es ist eine gute Nachricht«, versicherte Fabian schnell, denn erst jetzt merkte er, dass er Susanna verängstigt hatte. »Ich kann einen riesigen Karrieresprung machen. Ich soll wahrscheinlich unser neues Büro in Dubai leiten. Die Entscheidung fällt in den nächsten zwei bis drei Wochen.«
Er sah seine Freundin erwartungsvoll an.
Susanna war erstarrt. Sie musste die Nachricht erst einmal verdauen. In ihrem Kopf spielten sich verschiedene Szenarien ab, was das für sie beide – nein, für sie drei – bedeuten würde.
»Dubai«, brachte sie schließlich hervor. »Dann ... dann musst du auch immer vor Ort sein, nicht?«
»Na ja, vielleicht nicht immer«, entgegnete Fabian lachend. »Aber die nächsten Jahre schon. Ich werde uns eine schöne Wohnung suchen mit Pool und allem Schnickschnack. Das wird dir bestimmt gefallen.«
»Aber was soll ich in Dubai? Da kenne ich doch niemanden. Und mit einem Neugeborenen ... Ab wann soll das denn sein?«
»Wenn es klappt, dann schon sehr bald. Du kannst ja auch ein bisschen später nachkommen.«
Fabian strahlte sie an. Susanna wusste, dass er schon lange darauf wartete, endlich mehr Verantwortung in dem Architekturbüro zu übernehmen, aber von einem Umzug ins Ausland war bisher nie die Rede gewesen.
»Ich ... ich muss ... Das kommt alles so plötzlich ... Und das so kurz vor der Geburt ...«, stammelte Susanna.
»Ich dachte, du freust dich«, erwiderte Fabian enttäuscht.
»Ich freue mich ja auch für dich. Ich ... brauche nur ein bisschen Zeit.«
»Noch ist die Entscheidung ja auch nicht gefallen. Aber ich habe gute Chancen, wie man in der Firma so munkelt. Sanna, denk doch mal nach. Dubai, das hört sich doch schon an wie ein Märchen aus Tausend-und-einer-Nacht«, schwärmte Fabian mit strahlenden Augen. »Immer gutes Wetter. Ein großes Haus mit Dienstpersonal. Für dich und den Kleinen Luxusleben pur.«
Ein Leben im goldenen Käfig, dachte Susanna. Ich werde in Dubai bestimmt nicht als Lehrerin arbeiten können und sitze den ganzen Tag zu Hause, während Fabian auf der Arbeit ist. Aber sie schluckte die Bemerkung herunter. Sie wollte seine Freude über den möglichen Aufstieg nicht noch mehr trüben.
»Wir werden sehen«, sagte sie stattdessen ausweichend.
Insgeheim hoffte die werdende Mutter, dass aus dem Umzug nach Dubai nichts werden würde.
»Was hast du denn heute vor?«, fragte Fabian, dem eingefallen war, dass heute Susannas erster Tag des Mutterschutzes anbrach.
»Wäsche waschen, Staubsaugen und dann mal sehen. Ach so, heute Nachmittag habe ich einen Termin bei Doktor Frank.«
»Doktor Frank? Gehst du nicht mehr zu deiner Frauenärztin?«
»Doch, doch. In zwei Wochen habe ich bei ihr den nächsten Kontrolltermin. Ich möchte jetzt nur ein Medikament gegen das ewige Sodbrennen. Das kann ich auch von Doktor Frank bekommen, dazu muss ich nicht extra in die Innenstadt rein. Schließlich ist er nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch Geburtshelfer. Er kann mir bestimmt etwas verschreiben, was ich auch in der Schwangerschaft einnehmen kann.«
»Das ist vernünftig. Du solltest dich ein bisschen schonen und nicht zu viel machen«, sagte Fabian und strich Susanna flüchtig über die Wange. »Ich muss jetzt los. Bis heute Abend.«
»Ich kann uns etwas zu essen kochen. Kommst du pünktlich?«
»Ich denke schon. Ich rufe dich später noch einmal an.«
Als Susanna die Haustür ins Schloss fallen hörte, seufzte sie tief. Sie wollte nicht nach Dubai. Aber hatte sie eine Wahl? Allein mit einem Neugeborenen in Grünwald zu bleiben, war auch nicht die Lösung. Wenn doch wenigstens ihre geliebte Großmutter noch leben würde, die hätte ihr jetzt raten können.
Bei dem Gedanken an ihre Oma, die vor einem Jahr gestorben war, stiegen Susanna Tränen in die Augen.
Als Susanna gerade zwölf geworden war, kamen ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben. Ihre Großmutter hatte nicht gezögert und sich des Mädchens angenommen. So war Susanna zwar ohne Eltern, aber doch von ganzem Herzen geliebt und behütet aufgewachsen.
Trotzdem hatte der frühe Tod der Eltern Spuren hinterlassen. Susannas großer Traum war eine eigene Familie. Als sie Fabian kennengelernt hatte, war sie sicher, den richtigen Mann gefunden zu haben. Er war charmant, fürsorglich, liebevoll und sah dazu auch noch umwerfend aus. Erst nach einiger Zeit hatte sich herausgestellt, dass für Fabian die Karriere an erster Stelle stand, dann kam lange nichts und dann kam erst eine eigene Familie. Immer, wenn Susanna das Thema Kinderwunsch angesprochen hatte, hatte er es viel zu früh gefunden, um darüber nachzudenken.
Die ewigen Diskussionen mit Susanna hatten an Fabians Nerven gezerrt. So sehr – das war jedenfalls seine Entschuldigung – , dass er sich auf eine Affäre mit einer Arbeitskollegin eingelassen hatte und darüber nachdachte, die Beziehung zu Susanna zu beenden.
Noch bevor er Susanna seine Affäre gestanden hatte, wurde diese ungeplant schwanger. Fabian war alles andere als begeistert gewesen. Er hatte ihr Vorwürfe gemacht, weil er geglaubt hatte, sie habe ihn hintergangen und heimlich die Pille abgesetzt. Er hatte sie sogar versucht zu überzeugen, das Kind abzutreiben.
Doch Susanna hatte nicht nachgegeben. Sie hatte das Kind um jeden Preis gewollt. Wenn nicht mit Fabian, dann schweren Herzens auch ohne ihn. Als Fabian ihre Entschlossenheit gespürt hatte, hatte er eingelenkt. Dazu beigetragen hatte auch die Tatsache, dass Lina, seine Geliebte, sich zurückgezogen hatte, weil sie einer werdenden Familie nicht im Weg stehen wollte.
Fabian hatte Susanna das Versprechen abgenommen, dass sie ihm den Rücken für seine Karriere freihalten würde. Das Kind sollte für ihn nicht zum Hemmschuh für seinen beruflichen Aufstieg werden.
Trotzdem hatte Susanna gespürt, dass Fabian distanziert geblieben war. Zu keinem Termin bei ihrer Frauenärztin hatte er sie begleitet, und natürlich hatte er sie auch allein zum Geburtsvorbereitungskurs gehen lassen. Mit den Ultraschallbildern seines ungeborenen Kindes hatte er nichts anfangen können und hatte auch keines davon haben wollen. Die Herrichtung des Zimmers und das Besorgen der notwendigen Utensilien für ein Neugeborenes hatte er auch Susanna allein überlassen.
Doch nun, so kurz vor der Geburt, spürte Susanna, dass er sich endlich auch ein bisschen auf seinen Sohn freute. Wenn der Kleine, der Luca heißen sollte, endlich da war, würden die Karten noch einmal neu gemischt. Fabian würde dem Charme seines eigenen Kindes bestimmt nicht widerstehen können.
Susanna fasste sich an den Bauch, dem der kleine Luca von innen ein paar Tritte versetzte. Sie sehnte die Geburt wirklich herbei. Kaum eine Nacht konnte sie mehr durchschlafen, ständig musste sie zur Toilette, nach jeder Treppe japste sie nach Luft und nach dem Essen bekam sie heftiges Sodbrennen.
Susanna schälte eine Banane und schnitt sie über ihr Müsli. Doch sie konnte nur ein paar Löffel essen, ehe ihr Magen schmerzhaft drückte.
»Leg dich mal ein bisschen anders hin und drück deiner Mama nicht den Magen ab«, sagte Susanna lächelnd zu ihrem Bauch.
Sie stand auf und räumte den Frühstücktisch ab. Ihr Blick fiel aus dem Fenster. In der Nacht hatte es geschneit; Garten und Gehwege waren weiß überpudert. Jetzt schien die Sonne und ließ die Schneekristalle funkeln. Susanna genoss den Anblick.
Nächstes Jahr baue ich mit Luca einen Schneemann, dachte sie. Doch als ihr einfiel, dass sie dann vielleicht in Dubai sein würden, verdüsterte sich ihre Stimmung.
***
Gegen Mittag legte sich Susanna erschöpft aufs Sofa. Sie hatte nur Staub gesaugt, Wäsche in die Maschine gelegt und das Bett neu bezogen, war aber so müde, als ob sie einen Acker umgepflügt hätte. Kaum lag sie, war sie auch schon weggeschlummert.
Als Susanna erwachte, fühlte sie sich ausgeruht und frisch. Bis zu ihrem Termin bei Dr. Frank hatte sie noch fast zwei Stunden Zeit. Zeit, die sie für einen Spaziergang nutzen wollte, denn die Sonne lockte sie trotz der Kälte ins Freie.
Susanna zog die dicke gefütterte Jacke von Fabian an, denn ihre eigene Winterjacke konnte sie über dem Bauch nicht mehr schließen. Warm eingepackt verließ sie das Haus.
Dreimal holte sie tief Luft und ließ die klare, kühle Winterluft durch ihre Lungen strömen. Susanna mochte den Winter und den Schnee. Wenn sie mit Fabian nach Dubai zog, musste sie auf jeden Fall einige Wochen im Winter in Bayern verbringen. Luca wird bestimmt großen Spaß am Rodeln und später am Skifahren haben, dachte sie.
Susanna achtete darauf, in der Sonne zu bleiben, denn im Schatten war es doch empfindlich kalt. Sie beschloss, zur Isar herunter zu gehen, denn um diese Uhrzeit lag der Weg am Isarufer in der Sonne.
Obwohl sie langsam ging, blieb Susanna schon bald die Luft weg. Wie lange es wohl dauern würde, bis sie nach der Geburt wieder so fit war, um ihre gewohnte Strecke zu joggen?
Susanna blieb stehen und japste. Sie hielt nach einer Bank Ausschau, um ein wenig auszuruhen. Hinter einer Hecke sah sie die Spitze eines Klettergerüstes. Dort war bestimmt ein Spielplatz mit Bänken.
Als sie sich dem Spielplatz näherte, hörte sie fröhliches Kinderjauchzen. Drei kleine Jungen spielten im Sandkasten, der heute eher ein Schneekasten war. Die Buben bauten Mini-Schneemänner, die auf dem Holzrand der Sandkiste wie eine kleine Armee aufgereiht waren. Drei Frauen, vermutlich die Mütter, saßen auf einer sonnigen Bank unterhielten sich und beobachteten ihre Kinder.
Auch Susanna fand eine Bank, die von der Sonne beschienen wurde. Es war so warm, dass sie die Winterjacke öffnete und die Sonnenstrahlen auf ihren Bauch fallen ließ.
»Das gefällt dir, mein kleinen Luca, nicht wahr?«, flüsterte sie und strich sich mit einem versonnenen Lächeln über den Bauch.
Sie beobachtete die spielenden Jungen und ihre Mütter. Bald würde sie auch dazu gehören. Ob in Dubai die Mütter auch auf den Spielplätzen sitzen würden, oder überließ man da den Kindermädchen die Sorge um den Nachwuchs? Was sprach man dort überhaupt für eine Sprache? Sicher Arabisch. Morgen würde sie sich einen Reiseführer besorgen. Es konnte nicht schaden, vorbereitet zu sein, auch wenn sie immer noch hoffte, dass der Kelch an ihr vorübergehen würde.
Susanna schloss die Augen und genoss die wärmenden Strahlen auf ihrem Gesicht. Plötzlich schreckte sie zusammen, denn sie hatte eine Berührung an ihrem Bauch gespürt. Sie riss die Augen auf und zuckte unwillkürlich zurück, um dann gleich mit einer heftigen Bewegung die Arme schützend vor den Bauch zu legen.
Vor ihr stand ein kleines Mädchen und starrte sie erschrocken aus schrägen Augen an. Den Mund hielt die Kleine geöffnet und die Zunge stand ein wenig hervor.
»Hallo, wer bist du denn?«, fragte Susanna, die sich schnell gefangen hatte. Es tat ihr leid, dass sie das Mädchen, das ganz offensichtlich mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen war, so erschreckt hatte.
Ehe das Kind antworten konnte, stand ein großer, attraktiver Mann neben der Bank und nahm das Mädchen auf den Arm, die damit gar nicht einverstanden war und zappelte.
»Entschuldigung«, sagte er mit weicher, tiefer Stimme zu Susanna. »Ich habe mir nur eben die Schuhe zugebunden, da ist mir Antonia entwischt. Sie liebt die Bäuche von schwangeren Frauen. Und was sie liebt, will sie anfassen. Ich hoffe, Sie fühlen sich nicht belästigt.«
»Aber nein doch«, versicherte Susanna schnell. »Ich kann das verstehen, so ein Schwangerschaftsbauch ist doch auch etwas Schönes. Lassen Sie Antonia ruhig los, sie kann gerne ihre Händchen auf meinen Bauch legen.«
»Das ist sehr nett von Ihnen«, sagte der Mann und setzte Antonia neben Susanna auf die Bank. »So, Toni, du darfst den Bauch der Frau streicheln, aber ganz vorsichtig. Hast du verstanden?«
Antonia nickte und strahlte übers ganze Gesicht. Ganz sanft legte sie erst ihre kleinen Hände auf Susannas Bauch, dann legte sie ihr Ohr auf die Bauchdecke und lauschte.
»Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?«, fragte der attraktive Mann.
»Sehr gern.«
»Ich bin Valentin, Valentin Leitmeyer. Antonia habe ich Ihnen ja schon vorgestellt.«
»Mein Name ist Susanna Hellweg. Ist Antonia Ihre Tochter?«
»Ja, sie ist mein ganzer Stolz. Und Sie? Werden Sie eine Tochter oder einen Sohn bekommen?«
»Es wird ein Luca. In sechs Wochen ist es so weit.«
Als ob Luca gehört hätte, dass seine Mutter von ihm sprach, begann er heftig zu strampeln. Antonia, die ihr Gesicht immer noch auf Susannas Bauch liegen hatte, gluckste vor Vergnügen und patschte mit den Händchen freudig auf die Bauchdecke.
Sofort griff Valentin ein und hielt ihre Hände fest.
»Toni! Ganz vorsichtig haben wir gesagt. Du willst doch Susanna und dem kleinen Luca nicht wehtun?«
Antonia schüttelte den Kopf. »Nein, nein, nein, nein«, rief sie und das Kopfschütteln wurde immer wilder.
Valentin nahm seine Tochter auf den Schoß und strich ihr besänftigend über den Rücken. Schnell beruhigte sich die Kleine wieder.
»Willst du nicht ein bisschen zu den anderen Kindern gehen? Vielleicht darfst du ihnen helfen, Schneemänner zu bauen«, sagte Valentin und deutete auf die drei Jungs, die etwa in Antonias Alter waren.
