Dr. Stefan Frank 2645 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2645 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Vor zwei Jahren hat Philipp Wahlberg seine Frau Marion und die Tochter Emilia in München zurückgelassen, um in den USA Karriere zu machen. Nun kommt er nach München zurück, um Marion um die Scheidung zu bitten.
Marion, die nichts von der Rückkehr ihres Mannes ahnt, ist nervlich am Ende. Es besteht der Verdacht, dass Emilia einen Nieren-Tumor hat. Dr. Frank will sie so schnell wie möglich zur Weiterbehandlung in die Waldner-Klinik einweisen, eine Operation ist unumgänglich.
Die Alleinerziehende ist gerade dabei, die Sachen zu packen, als plötzlich Philipp vor der Tür steht. Marion bricht in Tränen aus und erzählt ihm von Stefan Franks Verdacht.
Doch statt sie zu unterstützen, stellt sich Philipp quer. Er wird seine siebenjährige Tochter keiner Chemotherapie aussetzen! Stattdessen will er sie zu der erfolgreichen Wellness-Heilerin Aurora bringen, die gerade in München Seminare anbietet. Marion wendet sich völlig verzweifelt an ihren Hausarzt. Dr. Frank ist ebenfalls entsetzt. Wie kann es ihm gelingen, den Vater von seinem wahnwitzigen Plan abzubringen?


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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Gefährlicher Seelentrip

Vorschau

Impressum

Gefährlicher Seelentrip

Der Anziehungskraft von Wellness-Heilerin Aurora kann sich niemand entziehen

Vor zwei Jahren hat Philipp Wahlberg seine Frau Marion und die Tochter Emilia in München zurückgelassen, um in den USA Karriere zu machen. Nun kommt er nach München zurück, um Marion um die Scheidung zu bitten.

Marion, die nichts von der Rückkehr ihres Mannes ahnt, ist nervlich am Ende. Es besteht der Verdacht, dass Emilia einen Nieren-Tumor hat. Dr. Frank will sie so schnell wie möglich zur Weiterbehandlung in die Waldner-Klinik einweisen, eine Operation ist unumgänglich.

Die Alleinerziehende ist gerade dabei, die Sachen zu packen, als plötzlich Philipp vor der Tür steht. Marion bricht in Tränen aus und erzählt ihm von Stefan Franks Verdacht.

Doch statt sie zu unterstützen, stellt sich Philipp quer. Er wird seine siebenjährige Tochter keiner Chemotherapie aussetzen! Stattdessen will er sie zu der erfolgreichen Wellness-Heilerin Aurora bringen, die gerade in München Seminare anbietet. Marion wendet sich völlig verzweifelt an ihren Hausarzt. Dr. Frank ist ebenfalls entsetzt. Wie kann es ihm gelingen, den Vater von seinem wahnwitzigen Plan abzubringen?

»Nie werde ich den Tag vergessen, an dem mein Unglück über mir hereinbrach«, schniefte Valerie Dreyer und griff nach dem Taschentuch, das Dr. Stefan Frank ihr reichte. Geräuschvoll putzte sie sich die Nase. Ohne Erfolg. »Und jetzt ist mein Schnupfen auch noch chronisch geworden.«

»Es tut mir leid, das sagen zu müssen. Aber der Schnupfen ist beileibe ihr kleinstes Problem«, erwiderte Stefan Frank sehr ernst.

Er war weit davon entfernt, seiner Patientin Angst machen zu wollen. Doch die Erfahrung hatte gezeigt, dass die Enddreißigerin nur klare Worte verstand.

Seit ihre Pechsträhne vor fast einem Jahr mit einem Herzinfarkt begonnen hatte, war sie Dauergast in der Praxis Dr. Frank. Obwohl die Vorsorgeuntersuchungen in der Waldner-Klinik stattfanden, hatte der Allgemeinarzt alle Hände voll mit seiner Patientin zu tun. Immer wiederkehrende Panikattacken hatten Valeries Leben förmlich auf den Kopf gestellt. Hinter jedem Wehwehchen vermutete sie gleich eine tödliche Krankheit und wappnete sich mit allen möglichen frei verkäuflichen Medizinpräparaten dagegen. Den chronischen Schnupfen hatte sie dem maßlosen Gebrauch von Nasenspray zu verdanken.

»Wenn ich doch nur nicht meinen Job verloren hätte«, jammerte Valerie weiter. »Und dann noch Patrick! Wenigstens er hätte zu mir halten können. In guten wie in schlechten Zeiten.« Sie lachte hämisch. »Da hat er wohl irgendetwas falsch verstanden.« Das Lachen verschwand so schnell wie es gekommen war. »Zu allem Überfluss habe ich seit Tagen jetzt auch noch Rückenschmerzen. Ich frage mich, was ich verbrochen habe.« Erneut putzte sie sich die Nase.

Stefan Frank erhob sich vom Schreibtisch und bat Valerie Dreyer hinüber zur Behandlungsliege.

»Ich bin mir sicher, dass Ihre Rückenschmerzen psychischer Natur sind.« Er bat sie, den Oberkörper freizumachen und sich auf den Bauch zu legen.

»Wie kann das sein?«

»Stress versetzt unseren Körper seit jeher in erhöhte Alarmbereitschaft und war früher überlebensnotwendig, um bei einer Bedrohung sämtliche Kraftreserven zu mobilisieren«, erklärte der Arzt, während er den Rücken abtastete. Hier und da stöhne Valerie auf. »Bei unseren Urahnen wurde der Stress durch Aktion aufgelöst. Heutzutage haben wir jedoch kaum mehr Gelegenheit, uns abzureagieren. So kommt es zur Verhärtung der angespannten Muskulatur, die umliegenden Nerven sind einer ständigen Reizung ausgesetzt. Das bedeutet, dass keine echte körperliche Schädigung vorliegt, sondern vielmehr ein Ungleichgewicht der Muskulatur.«

»Wollen Sie damit sagen, dass ich simuliere?«, ließ eine Beschwerde nicht lange auf sich warten.

Dr. Frank hatte es befürchtet. Er unterdrückte ein Seufzen.

»Natürlich nicht. Verspannungen sind sehr schmerzhaft. Aber ich kann nur wiederholen, was ich Ihnen schon seit Monaten vorbete: Bewegen Sie sich! Regelmäßiger Sport lockert und trainiert nicht nur den Körper, sondern beeinflusst auch die Psyche positiv. Das haben Studien inzwischen hinlänglich bewiesen. Somit können Sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.«

Ein weiteres Mal erzielte Stefan Franks eindringlicher Tonfall nicht den erwünschten Erfolg.

»Ich hasse es zu schwitzen.« Mit spitzen Fingern zupfte Valerie an einer blondierten Strähne.

Schon immer hatte sie ihrem Äußeren viel Zeit gewidmet. Seit sie aber nicht mehr zur Arbeit ging und auch sonst keine Hobbys hatte, schien sich die Beschäftigung mit ihrem Äußeren zu einer Manie ausgewachsen zu haben. Jedes Härchen saß am rechten Platz, das geschminkte Gesicht wirkte wie eine Maske.

Dr. Frank verstand sie nicht. Ohne Make-up war Valerie Dreyer eine bemerkenswerte Erscheinung.

Er öffnete den Mund, doch seine Patientin kam ihm zuvor.

»Und jetzt erzählen Sie mir bitte nicht, dass Schwitzen gesund ist. Das weiß ich. Ich mag es aber trotzdem nicht.«

»Sie haben mich ertappt«, lächelte Dr. Frank. Insgeheim wunderte er sich nicht mehr darüber, dass Pascal Dreyer seine Frau verlassen hatte. Langsam, aber sicher war auch er mit seinem Latein am Ende. »Einen Vorschlag kann ich Ihnen noch machen: Was halten Sie von einer Kur in einer Rehaklinik?«

Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, rümpfte Valerie die Nase.

»Rehaklinik? Das klingt nach Stützstrümpfen, Schonkost und Langeweile.«

»Das mag früher einmal so gewesen sein«, korrigierte der Arzt die Meinung seiner Patientin. »Heutzutage gibt es viele schicke Kurkliniken in schöner Umgebung, die ein attraktives Sport- und Freizeitangebot bieten. Da Sie nicht auf Hilfe angewiesen sind, können Sie in Ihrer Freizeit an Ausflügen zu Sehenswürdigkeiten teilnehmen oder sich anderweitig verwöhnen lassen.« Er kehrte an den Schreibtisch zurück und kramte in der Schublade nach den Flyern, die er dort aufbewahrte. »Werfen Sie wenigstens einmal einen Blick darauf.«

Seufzend nahm Valerie Dreyer die Prospekte entgegen.

»Also schön, lieber Herr Doktor.« Sie klimperte mit den falschen Wimpern. »Aber nur, weil Sie sich so viel Mühe geben.«

***

Der Wagen mit dem Aufkleber einer Autovermietung fuhr so schnell über die Autobahn, dass die Landschaft als Streifen in verschiedenen Grün- und Brauntönen vorbeizog. Erst als ein blaues Schild die Abfahrt Richtung Münchner Innenstadt ankündigte und Philipp Wahlberg das Tempo drosselte, erhaschte seine Freundin Christin einen Blick auf die Blüten der Zierkirschbäume, die am Wegesrand standen. Die Grünstreifen waren übersät mit lilafarbenen, weißen und gelben Krokussen.

»Oh, look at that, schau dir das an, Phil! Wie schön!«, zwitscherte sie.

»Hmmm.« Mehr hatte ihr Freund zum Frühlingserwachen nicht zu sagen.

Christin musterte ihn mit gerunzelter Stirn.

»Du siehst nicht so aus, als ob du gerne hier wärst.«

»Leicht ist es wirklich nicht«, seufzte Philipp. »Der Grund für meinen Besuch ist ja auch alles andere als erfreulich.«

»Bereust du deinen Entschluss?«

»Nein.« Phil streckte die Hand aus und legte sie auf Christins Oberschenkel. »Ich habe mich entschieden und dabei bleibt es. Trotzdem freue ich mich natürlich darauf, meine Tochter wiederzusehen. Als ich gegangen bin, war sie noch im Kindergarten. Und jetzt besucht sie schon die erste Klasse. Dabei kommt es mir vor, als wären nur ein paar Monate und nicht schon drei Jahre ins Land gegangen, seit ich Deutschland verlassen habe, um die Firma in Seattle aufzubauen.« Er setzte den Blinker und verließ die Autobahn.

Christin lehnte sich zurück und bestaunte die fremde Umgebung. Noch nie hatte sie Amerika verlassen. Diese Reise nach Deutschland war ein echtes Abenteuer für sie.

»Ich bin wirklich gespannt darauf zu sehen, wie du hier gelebt hast. Es ist, als ob ich ein Stück mehr von dir kennenlerne«, murmelte sie versonnen. »Und natürlich deine Familie. Deine Frau.«

»Marion.« Philipps Gesicht nahm einen wehmütigen Ausdruck an. »Eigentlich hat sie das alles nicht verdient.«

»Wie meinst du das?«

Phils Mienenspiel war bewegt.

»Na ja, sie hat mich damals in dem guten Glauben gehen lassen, dass ich an unserer gemeinsamen Zukunft arbeite. Und nun komme ich zurück, um mich von ihr zu trennen, obwohl sie sich jahrelang rührend um unsere Tochter und das Haus gekümmert hat.«

»Aber sie weiß doch, wie es um eure Ehe steht?«

»Davon gehe ich aus, zumal ich die Besuche in den vergangenen Jahren an einer Hand abzählen kann. Marion und Emilia waren kein einziges Mal bei mir. Sie haben keine Ahnung von meinem neuen Leben.«

»Wirst du jetzt etwa so kurz vor dem Ziel sentimental?«, hakte Christin nach. Es war ihr anzusehen, dass sämtliche Alarmglocken läuteten.

Philipp zog seine Hand zurück. Er brauchte beide Hände, um den Wagen vor das Hotel zu steuern. Für die Zeit ihres Aufenthaltes hatte er ein Zimmer im »Bayerischen Hof« gebucht. Angesichts der widrigen Umstände sollte wenigstes die Unterkunft so angenehm wie möglich sein.

»Natürlich nicht.«

»Du hättest die Sache einem Anwalt übergeben sollen«, fuhr Christin sichtlich erleichtert fort und lächelte dem livrierten Herrn zu, der vor den Türen des Hotels auf sie wartete.

»Nein!« Phil stellte den Motor aus, ließ den Schlüssel aber stecken. Der Hotelangestellte würde sich nicht nur um das Gepäck, sondern auch um den Wagen kümmern. Er griff nach der Aktentasche auf dem Rücksitz. »Darum kümmere ich mich selbst. Wenigstens das bin ich Marion und Emilia schuldig. Auch wenn ich meine Frau nicht mehr liebe, sollen beide wissen, dass sie sich immer auf mich verlassen können. Es soll ihnen an nichts mangeln.«

Hand in Hand betrat das Paar das Hotel. Während sie an der Rezeption anstanden, ließ Philipp den Blick durch die Lobby schweifen. Schon lange war er nicht mehr in seiner bayerischen Heimat gewesen. Wenn er ehrlich war, fühlte er sich fremd hier.

»Herzlich Willkommen in unserem Haus.« Die freundliche Stimme der Concierge riss ihn aus seinen Betrachtungen. »Tut mir leid, dass Sie so lange warten mussten. Aber zurzeit sind wir wirklich gut besucht.«

»Ist März eine besondere Reisezeit?«, erkundigte sich Christin.

»Eigentlich nicht.« Die Concierge machte ein geheimnisvolles Gesicht und lehnte sich vor. »Aber momentan haben einen prominenten Gast. Die berühmte amerikanische Wellness-Heilerin Aurora hat sich bei uns eingemietet und veranstaltet einige Seminare in unserem Haus, bevor sie in zwei Wochen weiterreist.«

»Aurora?« Plötzlich wurde auch Philipp hellhörig. »Ich kenne diesen Namen.«

Auch Christin erinnerte sich.

»Hat nicht Nicholas neulich auf der Cocktail-Party von ihr erzählt?« Sie wandte sich an die Concierge. »Kein Schulmediziner der Welt konnte unseren Freund von seiner schrecklichen Migräne befreien. In seiner Not bat er Madame Aurora um Hilfe. Sie hat ihn in einem nur dreitägigen Seminar geheilt«

»Das ist ja wirklich erstaunlich.«

»In der Tat!«, bestätigte Phil und nahm die Türkarten in Empfang. Auf dem Weg zum Aufzug konnte er endlich wieder lächeln. »Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder.« Madame Aurora erinnerte ihn daran, dass auch er noch hoffen durfte, dass sich alles zum Guten wendete.

***

»Wenn ich wirklich bei dir einziehen soll, muss der Service deutlich besser werden«, keuchte Alexandra Schubert und drückte ihrem Liebsten zwei Einkaufstaschen in die Hände.

»Du liebe Zeit, hast du den Supermarkt leer gekauft oder Ziegelsteine unten in die Taschen gepackt, damit ich ein schlechtes Gewissen habe?«, erkundigte sich Stefan Frank auf dem Weg in den ersten Stock der altehrwürdigen Villa, in der er seit so vielen Jahren lebte und arbeitete.

»Gute Idee!« Leichtfüßig wie ein junges Reh war Alexa die Stufen voraus nach oben gesprungen und wartete auf dem Treppenabsatz auf Stefan. »Das merke ich mir für nächstes Mal.«

»Meinst du nicht, wir sollten gewisse Dinge weiter Frau Quandt überlassen? Nicht, dass sie sich am Ende überflüssig fühlt.« Mit einem Ruck wuchtete Stefan die beiden Taschen auf den Küchentisch.

Alexandras Kopf verschwand in der grünen Tasche.

»Keine Angst, Frau Quandt wird keinen Grund zum Klagen haben.« Als sie wieder auftauchte, leuchteten ihre Augen mit ihren Wangen um die Wette. In der rechten Hand präsentierte sie einen Kürbis, in der linken in Zeitungspapier gewickelte Rhabarberstangen. »Liebhaber von Kürbis und Rosenkohl sollten in diesem Monat noch einmal zuschlagen. Das hat mir der Gemüsehändler meines Vertrauens verraten«, verriet sie. »Im März endet nämlich die Saison. Dafür beginnt die Rhabarbersaison. Ich habe also von beiden Jahreszeiten das Beste herausgefischt.«

Stefan verzog das Gesicht.

»Wenn ich ehrlich bin, mag ich weder das eine noch das andere besonders gerne.«

»Papperlapapp!«, widersprach Alexandra. »Wenn du erst von den köstlichen Kürbisravioli gekostet hat, die Frau Quandt für uns zaubern wird, wirst du deine Meinung ändern.«

»Weiß meine liebe Haushaltshilfe schon von ihrem Glück?«, hakte Stefan sichtlich skeptisch nach.

»Noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und wenn sie keine Lust dazu hat, probiere ich das Rezept meiner Oma und übe mich eben im Kürbiseinlegen.«

Stefan stand da und beobachtete seine Freundin dabei, wie sie einen orangefarbenen Hokkaidokürbis nach dem anderen aus den Taschen hervorzauberte.

»Ich weiß ja, dass du von einem anderen Stern kommst«, konstatierte er schließlich, »aber dass du eine Küchenfee bist, das ist mir neu.«

»Du wirst staunen, welche Seiten du noch an mir kennenlernen wirst, wenn wir erst zusammenwohnen«, versprach Alexa. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um Stefan einen Kuss auf den Mund zu drücken. »Zum Beispiel, dass ich für Rhabarberkuchen mit Sahneguss und Baiserhaube töten würde.« Sie fuchtelte so energisch mit den Rhabarberstangen vor Stefans Gesicht herum, dass er ihr die Waffen kurzerhand abnahm.

»In diesem Fall sollte ich mir das mit deinem Einzug noch einmal überlegen«, lachte er und wickelte die Stangen aus dem Zeitungspapier, um sie in den Kühlschrank zu befördern.

Stefan Frank und die Augenärztin Alexandra Schubert waren erst seit mehreren Monaten ein Paar. Nach herben Enttäuschungen erlebten beide diese Liebe als ein großes Glück. Der Vorsatz, es langsam angehen zu lassen, hatte schon nach wenigen Wochen zu bröckeln begonnen. Zu kostbar war die knapp bemessene Freizeit, als dass Stefan und Alexa auch nur eine Sekunde davon verschwenden wollten. So war nach und nach der Wunsch gereift, die beiden halben Leben zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.

Stefans Blick war auf die Zeitung in seiner Hand gefallen. Die Schlagzeile weckte seine Neugier. Er überflog den Artikel.

»Hier, schau mal, eine Wellness-Heilerin ist zurzeit in München.« Grinsend reichte er Alexandra die Zeitung.

Es war ihr anzusehen, dass auch ihr Interesse mit jeder Zeile wuchs.

»Hmmm, das klingt wirklich verlockend«, murmelte sie vor sich hin. »Eine Gesundheits- und Wellnesskur, um nicht nur den Körper, sondern auch die verwundete Seele zu heilen. Madame Aurora verspricht, durch Fasten, Meditation, Yoga und kreativen Übungen in einem schicken Münchner Hotel innerhalb von nur drei Tagen eine vollständige Transformation herbeizuführen.« Sie wiegte den Kopf, die hellbraunen Locken fielen nach links und rechts. »Ich bin zwar kein Fan von Diäten ...«

»Außer von Rhabarberkuchen- und Kürbisraviolidiäten«, korrigierte Stefan seine Freundin.

Alexa lachte, ehe sie fortfuhr: »Aber eine metamorphische Chakren-Massage klingt durchaus verlockend.«

Stefan umfing seine Freundin von hinten.

»Habe ich dir schon verraten, dass ich Massagespezialist bin?«, raunte er in ihr Ohr.

»Bis jetzt noch nicht. Solltest du etwa Geheimnisse vor mir haben?«, kicherte sie in seinen Armen.

»Auch du wirst staunen über die Seiten, die du noch an mir entdecken wirst.«

»Ich kann es kaum erwarten.«

Die Zeitung raschelte leise, als sie zu Boden fiel, und Madame Auroras Lächeln fand keine Beachtung mehr.

***