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Kamerafrau Paula ist vor Kurzem nach München gezogen, um ihre Stelle in den Bavaria Filmstudios anzutreten. Eigentlich hat Paula nach ihrer Trennung erst mal keine Lust mehr auf Männer, doch als sie Adrian kennenlernt, spürt sie sofort eine innige Verbindung. Die beiden unternehmen viel zusammen. Bei einem romantischen Picknick im Wald kommen sie sich näher.
Zwei Tage später informiert Adrian Paula, dass er Zecken entdeckt hat, die ihn vermutlich bei der Rast im Wald "erwischt" haben. Paula soll sich ebenfalls auf Zeckenbisse untersuchen. Tatsächlich findet Paula in der Kniekehle und in der Achselhöhle ungebetene Gäste, die sie entfernt. Sie macht sich dann keine weiteren Gedanken mehr darüber.
Die folgenden Wochen werden turbulent und anstrengend. Paula muss sich in ihrem neuen Job zurechtfinden und richtet nach Feierabend ihre neue Wohnung ein. Ihr Immunsystem scheint durch den Stress geschwächt, denn die Kamerafrau fühlt sich abgespannt, matt, hat Kopfschmerzen und in zwei Nächten sogar Fieber. Sie ignoriert ihre Beschwerden so gut es geht, denn sie will sich nicht krankschreiben lassen. Ein großer Fehler, wie sich bald herausstellen soll ...
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Picknick mit ungebetenen Gästen
Vorschau
Impressum
Picknick mit ungebetenen Gästen
Warum eine junge Frau bald darauf um ihr Leben kämpft
Kamerafrau Paula ist vor Kurzem nach München gezogen, um ihre Stelle in den Bavaria Filmstudios anzutreten. Eigentlich hat sie nach ihrer Trennung erst mal keine Lust mehr auf Männer, doch als sie Adrian kennenlernt, spürt sie sofort eine innige Verbindung. Die beiden unternehmen viel zusammen. Bei einem romantischen Picknick im Wald kommen sie sich näher.
Zwei Tage später informiert Adrian Paula, dass er Zecken entdeckt hat, die ihn vermutlich bei der Rast im Wald »erwischt« haben. Sie soll sich ebenfalls auf Zeckenbisse untersuchen. Tatsächlich findet Paula in der Kniekehle und in der Achselhöhle ungebetene Gäste, die sie entfernt. Sie macht sich dann keine weiteren Gedanken mehr darüber.
Die folgenden Wochen werden turbulent und anstrengend. Paula muss sich in ihrem neuen Job zurechtfinden und richtet nach Feierabend ihre neue Wohnung ein. Ihr Immunsystem scheint durch den Stress geschwächt, denn die Kamerafrau fühlt sich abgespannt, matt, hat Kopfschmerzen und in zwei Nächten sogar Fieber. Sie ignoriert ihre Beschwerden so gut es geht, denn sie will sich nicht krankschreiben lassen. Ein großer Fehler, wie sich bald herausstellen soll ...
»Was bin ich froh, dass wir das Wochenende vor uns haben und heute nicht mehr kochen müssen. Ich hatte eine schrecklich anstrengende Woche in der Praxis«, seufzte Alexandra Schubert und fuhr mit ihren Fingern zärtlich durch Stefans dunkelblondes Haar.
»Mir geht es genauso«, sagte Dr. Frank, der seinen Kopf in Alexandras Schoß gelegt hatte und ihr Kraulen mit wohligem Stöhnen genoss. »Obwohl ich Ruths Kochkünste sehr zu schätzen weiß, würde ich heute am liebsten auf dem Sofa liegen bleiben und mich den ganzen Abend von dir verwöhnen lassen.«
»Du wirst immer mehr zu einem Pascha«, lachte Alexandra und knuffte ihren Lebensgefährten spielerisch in die Seite. »Wie soll das erst werden, wenn wir zusammen wohnen?«
»Was für eine Frage! Ich erwarte natürlich völlige Hingabe und Rundumversorgung von dir«, scherzte Dr. Stefan Frank.
»Soso. Unter den Bedingungen sollte ich besser noch einmal darüber nachdenken.«
Dr. Frank lächelte, zog Alexandras Kopf zu sich heran und küsste sie leidenschaftlich.
»Und?«, fragte er, nachdem sich nach dem langen zärtlichen Kuss ihre Lippen voneinander gelöst hatten. »Willst du immer noch darüber nachdenken?«
»Du hast mich überzeugt«, lachte Alexandra. »Sag mal, ganz etwas anderes, Ruth hat mir heute erzählt, dass die Tochter von Freunden für einige Zeit bei ihnen im Gästezimmer wohnt. Sie heißt Paula. Kennst du sie?«
»Uli hat mir letzte Woche so nebenbei gesagt, dass vielleicht Paula, die Tochter von Gerti und Thomas für ein paar Tage bei ihnen unterkommt. Ich kenne nur die Eltern, und das auch eher flüchtig. Ich wusste gar nicht, dass Paula schon in München ist.«
»Seit gestern. Sicher wird sie heute Abend auch da sein. Ruth sagt, sie sei eine sehr interessante junge Frau.«
»Das meinte Uli auch. Sie hat einen Job bei den Bavaria Filmstudios.«
»Eine Schauspielerin?«
»Das weiß ich nicht. Uli und ich sind vom Thema abgekommen. Das werden wir alles heute Abend erfahren.«
»Dann, oh du, mein Pascha, erheben dich bitte, damit wir nicht zu spät kommen. Ich nehme an, wir fahren mit der Bahn?«
»Auf jeden Fall auf dem Hinweg. Zurück gönnen wir uns ein Taxi.«
Eine halbe Stunde später saßen die beiden in der S-Bahn auf dem Weg zu ihren Freunden nach München.
Das Ehepaar Ruth und Ulrich Waldner, langjährige Freunde von Dr. Stefan Frank, lebten in einem wunderschönen Penthouse über der Waldner-Klinik direkt am Englischen Garten in München-Schwabing.
Ruth, Ulrich und Stefan hatten zusammen Medizin studiert. Nach dem Studium heirateten Ruth und Ulrich. Die beiden entschieden sich für eine Karriere im Krankenhaus, während Dr. Stefan Frank nur so lange in der Klinik blieb, bis er seinen Facharzt für Allgemeinmedizin machen konnte. Die unterschiedlichen beruflichen Wege trennten die Freunde auch für einige Jahre räumlich. Aber trotz ihrer Tätigkeit als vielbeschäftigte Ärzte, bemühten sie sich, nie den Kontakt zu verlieren.
Seit Ulrich Waldner vor einigen Jahren die Leitung der gleichnamigen Klinik in München übernommen hatte, hatte sich die Freundschaft wieder intensiviert. Auch Alexandra, die nach dem tragischen Tod von Dr. Franks langjähriger Lebensgefährtin in sein Leben getreten war, wurde von dem Ehepaar Waldner herzlich aufgenommen.
Ruth, die die Anästhesie-Abteilung in der Klinik ihres Mannes leitete, und Alexandra waren inzwischen beste Freundinnen.
Die beiden Paare trafen sich häufig, um etwas zu unternehmen. Die Unternehmungen waren oft mit einem guten Essen verbunden, denn Ruth Waldner war eine leidenschaftliche und sehr gute Hobbyköchin und liebte es, Gäste zu bewirten.
»Hallo ihr beiden«, begrüßte Ulrich seine Freunde. »Schön, dass ihr da seid. Ruth ist noch in der Küche, aber ich sitze mit unserem Gast schon bei einem Weinchen.«
»Servus, Uli. Das riecht wieder so gut. Hmmm«, sagte Alexandra und fächelte sich mit der Hand den aromatischen Duft, der aus Richtung Küche kam, zur Nase. »Was gibt es denn?«
»Ruth probiert ein neues Rezept aus. Etwas Orientalisches.«
»Ja, ich rieche Kreuzkümmel, Ingwer und so etwas wie Rosenwasser«, sagte Alexandra und nickte.
»Wenn es wieder mal Wetten, dass geben sollte, dann melde ich dich mit deinem Supernäschen an«, lachte Dr. Stefan Frank und nahm seine Lebensgefährtin in den Arm. »Ich finde zwar auch, dass es gut riecht, aber ich könnte niemals sagen, wonach genau.«
»Mir geht es genauso«, stimmte Ulrich zu. »Aber jetzt kommt ins Wohnzimmer, ich stelle euch Paula vor.«
Als sie den Raum betraten, erhob sich eine junge, attraktive Frau vom Sofa und kam mit einem offenen Lächeln auf sie zu.
»Das ist Paula, die Tochter von Gerti und Thomas. Sie wird für ein paar Tage bei uns wohnen, bis ihre Wohnung bezugsfertig ist. Und das sind Alexandra Schubert und Stefan Frank, unserer besten Freunde«, stellte Ulrich vor.
»Es freut mich, Sie kennenzulernen«, sagten Dr. Frank und Alexandra und reichten der jungen Frau die Hand.
»Gleichfalls«, erwiderte Paula und lächelte charmant. »Uli sagt, Sie kennen meine Eltern, Doktor Frank?«
»Ich habe sie ein paar Mal getroffen. Aber gut kennen würde ich das nicht nennen. Wir beide sind uns noch nicht begegnet, oder?«, fragte Dr. Frank.
»Ich denke nicht. Wann haben Sie denn Mama und Papa das letzte Mal gesehen?«
»Oh je, das muss schon Jahre her sein! Das war an einem Geburtstag von Uli. Wann hast du das letzte Mal groß gefeiert, alter Freund?«
»Vor ... vor sieben Jahren«, sagte Ulrich Waldner nach kurzen Nachdenken.
»Vor sieben Jahren war ich zu einem Austauschjahr in den Vereinigten Staaten. Sonst wäre ich bestimmt bei der Feier dabei gewesen.«
Ruth Waldner betrat den Raum und brachte einen exotischen Duft aus der Küche mit.
»Da seid ihr ja«, begrüßte sie die Freunde mit einer Umarmung. »Hat Uli euch schon etwas zu trinken angeboten?«
»Das wollte ich gerade tun, mein Schatz«, sagte Ulrich. »Was darf es denn sein? Auch einen Weißwein?«
»Der ist wirklich sehr lecker«, sagte Paula und hielt ihr schon fast leeres Glas hoch. »Ich bin normalerweise kein großer Fan von Riesling, aber dieser schmeckt hervorragend.«
»Ihr kennt den Wein, den habt ihr schon bei uns getrunken«, erklärte Ulrich. »Er ist von dem Winzer, von dem wir schon seit Jahren unseren Weißwein beziehen.«
»Dann nehme ich gern ein Gläschen. Wir sind extra mit der Bahn gekommen«, sagte Alexandra.
»Ich schließe mich an«, ergänzte Dr. Frank.
Ulrich Waldner schenkte ein und gab auch seiner Frau ein Glas. Die fünf stießen auf einen schönen Abend an.
»Ich muss noch einmal für ein paar Minuten in die Küche, aber ihr könnt gern schon am Tisch Platz nehmen«, sagte Ruth.
»Brauchst du Hilfe?«, fragte Alexandra.
»Du kannst in fünf Minuten bei Auftragen helfen.«
Kurz darauf bewunderten die Gäste Ruths Kreation, die nicht nur verführerisch duftete, sondern auch optisch ein echter Hingucker war.
»Was genau hast du denn gezaubert?«, fragte Paula bewundernd.
»Geröstete orientalische Auberginen mit Gewürzöl, Couscous mit Aprikosen und Pistazien und Wildkräutersalat mit Cashewnuss-Aioli. Rein vegetarisch.«
»Oh! Vegetarisch?«, entfuhr es Ulrich, der sehr gern Fleisch aß.
»Na ja, da ich dich kenne, mein Herz«, lachte Ruth, »habe ich noch gebackene Hühnerstreifen in Kokospanade dazu gemacht. Hier in der Extra-Schüssel.«
Bald schwelgten alle und hielten sich mit Lob für die Köchin nicht zurück.
»Paula, Sie haben gesagt, dass Sie in zwei Wochen Ihre neue Wohnung beziehen können. In welchem Stadtteil haben Sie denn das Glück gehabt, etwas zu finden?«, fragte Alexandra. »In München ist es ja nicht leicht, eine bezahlbare Wohnung zu bekommen.«
»Das stimmt. Ich wollte gar nicht direkt in München wohnen. Ich ziehe nach Grünwald. Auf der einen Seite liebe ich das eher ländliche Leben und auf der andern Seite kann ich von dort mit dem Rad zur Arbeit fahren.«
»Alexa und ich wohnen auch in Grünwald. In welche Straße ziehen Sie denn?«, fragte Dr. Frank interessiert.
»Ruth hat mir gesagt, dass Sie alteingesessene Grünwalder sind«, sagte Paula und nickte. »Meine neue Wohnung liegt im Fasanenweg. Ist das bei Ihnen in der Nähe?«
»Meine Wohnung und meine Praxis sind in der Gartenstraße, keine zehn Minuten Fußweg zum Fasanenweg.«
»Das ist sehr gut. Wenn ich mal einen guten Arzt benötige, habe ich es nicht weit«, lachte Paula.
»Wann können Sie denn einziehen?«
»Der Vermieter baut ein neues Bad ein. Das soll in zwei Wochen fertig sein. Dann muss ich noch streichen, den Fußboden abschleifen und ein paar Kleinigkeiten machen. Wenn also alles planmäßig läuft, dann sind Ruth und Uli mich in drei bis vier Wochen wieder los.«
»Du bist uns keine Last«, beeilte sich Ruth zu sagen. »Du kannst bleiben, solange du willst.«
»Danke«, sagte Paula. »In einer Woche fange ich meine neue Stelle an. Da ist es doch sehr beruhigend zu wissen, dass ich nicht alleine in einem trüben Hotelzimmer sitzen muss, sondern jemanden habe, dem ich davon erzählen kann.«
»Sie fangen bei den Bavaria Filmstudios an, richtig?«, fragte Alexandra.
»Ja, ich habe einen Traumjob bekommen. Ich bin Kamerafrau. Bisher habe ich frei gearbeitet, aber der Markt ist eng. Wenn man noch keinen Namen hat, dann ist es hart, sich durchzusetzen und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich bei den Filmstudios eine feste Stelle bekommen habe.«
»Wie interessant«, sagte Alexandra. »Kamerafrau. Wollten Sie das schon immer werden?«
»Daran ist mein Opa schuld. Er war Fotograf und ein begeisterter Kinogänger. Als kleines Mädchen habe ich viel Zeit in seinem Fotostudio verbracht. Am Wochenende waren wir oft im Kino. Er hat mich mit seinen beiden Leidenschaften angesteckt.«
»Gibt es inzwischen viele Frauen, die diesen Beruf wählen?«, fragte Alexandra.
»Es werden immer mehr. Aber man darf sich nichts vormachen, die Filmbranche ist sehr männerdominiert, besonders in den Bereichen, die mit Technik zu tun haben. Wir Frauen müssen uns leider oft noch gegen Vorurteile wehren, obwohl sie selten offen ausgesprochen werden.«
»Das glaube ich gern«, bestätigte Alexandra. »Als niedergelassene Augenärztin habe ich zum Glück selten Probleme akzeptiert zu werden, aber ich kenne den Kampf um Anerkennung noch gut aus meiner Zeit im Krankenhaus. Da gab es immer wieder Patienten, die nur von männlichen Kollegen behandelt werden wollten.«
»Es hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar einiges getan in Sachen Emanzipation«, sagte Ruth Waldner, »aber so richtig gleichberechtigt sind Frauen an vielen Stellen in der Gesellschaft leider immer noch nicht.«
»Deshalb ist es wichtig, dass wir Frauen es uns nicht gefallen lassen, für die gleiche Arbeit weniger zu verdienen oder übersehen zu werden, wenn es um Beförderung geht«, erklärte Paula kämpferisch. Ihre Augen funkelten und auf den Wangen zeigte sich eine erregte Röte, die ihr hübsches Gesicht leuchten ließ.
»Gut, dass es immer mehr Frauen wie dich gibt, die für unsere Rechte einstehen«, sagte Ruth. »Nur so kann sich etwas ändern.«
»Das sehe ich auch so«, bestätigte Dr. Stefan Frank. »Aber ich muss doch eine Bresche für uns Männer schlagen. Es sind nur noch wenige, die Frauen nichts zutrauen und sie klein halten wollen.«
»Zum Glück bist du nicht so ein Macho«, sagte Alexandra und legte ihren Arm um Stefan. »Ich könnte niemals mit einem Mann zusammen sein, der mich nicht ernst nimmt und glaubt, ich wäre weniger klug, nur weil ich eine Frau bin.«
***
Es wurde ein entspannter und anregender Abend. Paula war nicht nur eine sehr attraktive Frau, sondern auch eine gute Gesprächspartnerin, die trotz ernster Themen niemals verbissen und humorlos diskutierte. Zwischen den fünfen stimmte die Chemie.
Beim dritten Glas Wein boten ihr Alexandra und Stefan das Du an, was Paula gerne annahm.
»Jetzt, wo wir uns duzen, darf ich dich etwas Privates fragen?«, fragte Alexandra ein wenig unsicher. »Ich bin immer so schrecklich neugierig.«
»Nur zu!«, forderte sie Paula mit einem schelmischen Grinsen auf. »Fragen darfst du alles. Aber ob ich antworte ...«
»Du ziehst sehr weit weg von deiner bisherigen Heimatstadt. Zwischen Rostock und München liegen ja mehr als tausend Kilometer. Ist es nur die Stelle bei der Bavaria, die dich nach Bayern treibt?«
»Willst du wissen, ob ich aus Rostock fliehen musste, weil ich dort polizeilich gesucht werde?«, lachte Paula.
»Wirst du?«, scherzte Dr. Frank. »Ist eine Belohnung auf deine Ergreifung ausgesetzt?«
»Ich muss dich enttäuschen, Stefan. Kein Kopfgeld.« Paula schüttelte bedauernd den Kopf. »Ich gehe aus Rostock weg, weil ich Veränderung wollte. Auch ohne den Job wäre ich in eine andere Stadt gezogen. Den letzten Ausschlag hat gegeben, dass mein langjähriger Freund Ingo und ich uns getrennt haben.«
»Eine schmerzhafte Trennung?«
»Trennungen sind nie schön, aber besonders schmerzhaft war es nicht. Ingo und ich kennen uns schon seit der Schulzeit. Seit wir siebzehnzehn sind, waren wir ein Paar. Alle – und auch wir – haben geglaubt, dass wir füreinander geschaffen sind. Trotzdem haben wir immer gezögert, wenn es darum ging zusammen zu ziehen. Vor einem guten halben Jahr wurde meine Wohnung durch einen Wasserschaden unbewohnbar. So war es irgendwie logisch, dass ich zu Ingo zog. Ab da war dann alles ganz anders.«
»Was ist denn passiert? Wenn ihr euch schon so lange kanntet, kann man doch davon ausgehen, dass euch die Macken des anderen nicht unbekannt waren«, sagte Dr. Stefan Frank.
»Das dachten wir auch. Aber das Zusammenleben ohne eine eigene Wohnung als Rückzugsort hat einfach nicht geklappt. Vorher war es mir zum Beispiel egal, dass Ingo überall seine Sache hat rumliegen lassen. Ich konnte ja jederzeit zurück in meine ordentliche Wohnung. Und Ingo hat sich vorher nicht daran gestört, dass ich keine Vegetarierin bin und ab und zu Fleisch esse. Aber auf gar keinen Fall wollte er im Zusammenleben dulden, dass ich Wurst oder gar Fleisch in seinem ›vegetarischen‹ Kühlschrank aufbewahre.«
»Das hört sich eher nach Kleinigkeiten an«, warf Alexandra ein. »Diese Probleme konntet ihr nicht aus der Welt schaffen?«
»Irgendwie nicht. Wir haben uns nur noch gestritten. Jeden Tag kam etwas Neues hinzu. Aber du hast schon recht. Unsere Beziehung ist nicht an diesen Differenzen gescheitert. Plötzlich ist uns klar geworden, dass wir nur noch aus Gewohnheit zusammen waren und nicht gemerkt haben, oder wahr haben wollten, dass unsere Liebe längst vorbei war. Wir waren eher wie Bruder und Schwester.«
»Das hört sich traurig an«, sagte Alexandra.
»Ist es auch. Aber zum Glück sehen wir das beide gleich. Wir sind zwar kein Liebespaar mehr, aber sind sicher, dass es uns gelingt, Freunde zu bleiben.«
»Und trotzdem wolltest du unbedingt weg aus Rostock?«, fragte Dr. Frank.
»Ja. Es liegt nicht nur an der Trennung, aber trotzdem wird es für Ingo und mich gut sein, eine Zeitlang nicht so eng aufeinander zu leben. Immerhin waren wir zehn Jahre zusammen. Wir brauchen den Freiraum, um Luft zu haben, uns neu zu orientieren.«
