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Alexandra liegt noch immer im Koma. Mittlerweile konnten Dr. Waldner und sein Team herausfinden, warum ihr Körper so reagiert hat. Durch die Einnahme des Antibiotikums wurde eine starke allergische Reaktion hervorgerufen, die zu dem Stevens-Johnson-Syndrom führte. Im Verlauf droht eine Lungenentzündung, im schlimmsten Fall sogar ein Multi-Organ-Versagen. Stefan Frank sitzt weiterhin am Krankenbett seiner geliebten Freundin. Er spricht mit ihr, liest ihr vor, streichelt zärtlich über ihr blasses Gesicht. Doch keine Regung.
Das ganze Personal der Waldner-Klinik leidet mit dem so beliebten Kollegen. Vor allem Ruth und Ulrich Waldner geht die Situation sehr nahe. Jeder ist beseelt von der Hoffnung, Alexa doch irgendwie zu erreichen, sie festzuhalten und zurück ins Leben zu locken. Dabei ist allen klar, dass mit jedem Tag die Chancen sinken, dass sie wieder aufwacht ...
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Zukunft ungewiss
Vorschau
Impressum
Zukunft ungewiss
Gibt es ein Happy End für Alexandra und Stefan?
Alexandra liegt noch immer im Koma. Mittlerweile konnten Dr. Waldner und sein Team herausfinden, warum ihr Körper so reagiert hat. Durch die Einnahme des Antibiotikums wurde eine starke allergische Reaktion hervorgerufen, die zu dem Stevens-Johnson-Syndrom führte. Im Verlauf droht eine Lungenentzündung, im schlimmsten Fall sogar ein Multi-Organ-Versagen. Stefan Frank sitzt weiterhin am Krankenbett seiner geliebten Freundin. Er spricht mit ihr, liest ihr vor, streichelt zärtlich über ihr blasses Gesicht. Doch keine Regung.
Das ganze Personal der Waldner-Klinik leidet mit dem so beliebten Kollegen. Vor allem Ruth und Ulrich Waldner geht die Situation sehr nahe. Jeder ist beseelt von der Hoffnung, Alexa doch irgendwie zu erreichen, sie festzuhalten und zurück ins Leben zu locken. Dabei ist allen klar, dass mit jedem Tag die Chancen sinken, dass sie wieder aufwacht ...
Piep! Piep! Piep! Ein schriller Pfeifton riss Dr. Stefan Frank aus seinen Träumen. Mit geschlossenen Augen tastete er nach seinem Handy und stellte den Wecker auf den Schlummermodus. Fünf Minuten, um den schönen Traum weiterzuträumen, aus dem er so unsanft geweckt worden war.
Mit einem Lächeln auf den Lippen überließ er sich wieder den Bildern, die wahllos durch seinen Kopf taumelten. Hauptmotiv war immer seine wunderschöne Freundin. Alexandra, wie sie an der Isar Kiesel übers Wasser springen ließ. Alexandra im Kreis ihrer Freunde, mit blitzenden Augen und einem Lachen auf den schön geschwungenen Lippen. Alexandra mit Ringelmütze auf dem Kopf und einer Schneeflocke auf der Nasenspitze. Nur den Bruchteil einer Sekunde später hatte sich der Schneekristall in einen Wassertropfen verwandelt und noch immer war Stefan stolz darauf, genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser gedrückt zu haben.
»Erinnerst du dich an diesen herrlichen Wintertag im Englischen Garten?« Mit geschlossenen Augen schob er seine Hand hinüber auf die andere Bettseite. »Trotz Eis und Schnee waren die Eisbachsurfer im Wasser. Auf dem Rückweg zu den Waldners hast du dir von einem Kind einen Poporutscher ausgeliehen und bist den Berg am Monopteros hinunter gesaust.« Er lachte leise. »Ich kenne keinen Erwachsenen, der sich diese kindliche Leichtigkeit bewahrt hat«, geriet er unvermittelt ins Schwärmen. »Dabei kannst du durchaus ernsthaft sein und bist alles andere als leichtfertig. Diese Mischung ist einzigartig. Und jetzt ziehst du auch noch zu mir. Was bin ich doch für ein Glückspilz!« Blinzelnd öffnete er die Augen.
Doch das Bett neben ihm war leer.
Mit einem Schlag war Stefan Frank hellwach. Nach den Träumereien traf ihn die Wirklichkeit wie ein Faustschlag ins Gesicht. Denn im Augenblick konnte Alexandra weder Isarkiesel springen lassen, noch über den Rasen im Garten tanzen. In diesem Moment konnte sie noch nicht einmal mit ihm sprechen.
Seit einer Infektion mit dem ebenso gefährlichen wie seltenen Stevens-Johnson-Syndrom war seine geliebte Freundin in der Waldner-Klinik ins Koma gefallen. Ein multiples Organversagen drohte und noch nicht einmal sein Freund, der Klinikleiter Dr. Ulrich Waldner konnte sagen, ob und wann Alexa wieder aufwachen würde.
»Alexandras Schicksal liegt nun nicht mehr in unseren Händen.«
Dieser Satz seines Freundes hallte Stefan Frank noch in den Ohren, als er aus dem Bad kam, um sich für den kommenden Tag fertig zu machen. Kaum aufgewacht, fühlte er sich schon wieder so erschöpft und ausgelaugt, als hätte er eine achtundvierzig-Stunden-Schicht hinter sich. Dabei konnte er sich keine Schwäche erlauben. Seine Patienten zählten auf ihn, und selbst Alexa in ihrem desolaten Zustand brauchte ihn mehr denn je.
»Wenn einer sie zurück ins Leben holen kann, dann bist du das«, wiederholte Uli Waldner auch an diesem frühen Morgen die Worte, die er seinem Freund in den vergangenen Tagen wieder und wieder gesagt hatte. »Sie braucht deinen Zuspruch. Das Gefühl, dass du bei ihr bist. Dass es etwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt.«
»Weißt du, wie schwer es ist, angesichts dieser ungewissen Zukunft optimistisch zu bleiben?« Stefan nippte am heißen Kaffee, den ihm Ulis Assistentin Ute Morell zusammen mit ein paar Keksen gebracht hatte.
Das war kein Zufall. Inzwischen standen ihm die Strapazen nicht nur ins Gesicht geschrieben. Das täglich mehrfache Pendeln zwischen seiner Villa in Grünwald – dort lebte und arbeitete er – und der Klinik ließ kaum Verschnaufpausen, an geregelte Mahlzeiten war momentan nicht zu denken. Und dann war da noch Alexandras Wohnung, um die er sich kümmern musste. Ein Glück, dass sie die Kisten für den geplanten Umzug fast vollständig gepackt hatte, bevor sie krank geworden war. Trotzdem war noch kein Ende in Sicht. Stefan Frank seufzte.
Uli Waldner schien die Gedanken seines Freundes lesen zu können.
»Ist in Alexas Wohnung noch viel zu tun?«
»Dank Ruth ist alles ausgeräumt. Die Maler sind bestellt und wenn alles gut geht, kann der Vermieter die Wohnung Ende dieser Woche abnehmen.« Stefan steckte einen Keks in den Mund. Hunger hatte er zwar keinen. Aber er wusste, dass er bei Kräften bleiben musste. »Hoffentlich mache ich alles so, wie Alexa sich das vorgestellt hat.« Er aß noch einen Keks und trank einen Schluck Kaffee hinterher. »Dass sie ausgerechnet jetzt krank werden musste ... ach, was rede ich! Dass das alles überhaupt passieren musste!«
»Leider ist kein Mensch vor bösen Überraschungen gefeit«, gab Uli Waldner zu bedenken.
»Du hast recht. Ich bin undankbar. Dass ich Alexa überhaupt finden durfte, noch einmal so eine Liebe erleben darf, ist eigentlich mehr, als ein Mensch sich wünschen kann.«
Stefan Frank brach ab. Nicht zum ersten und auch sicher nicht zum letzten Mal an diesem Tag glänzten Tränen in seinen Augen. Der Gedanke daran, Alexandra vielleicht für immer zu verlieren, trieb ihn fast in den Wahnsinn. Rasch schob er diesen Gedanken beiseite und stand mit einem Blick auf die Armbanduhr auf.
»Ich sehe noch einmal kurz nach ihr, bevor ich mich auf den Weg in die Praxis mache«, sagte er auf dem Weg durch das Zimmer.
»Und auch, wenn du nicht selbst bei ihr sein kannst, musst du dir keine Sorgen machen«, versprach der Klinikchef, der seinen Freund zur Tür brachte. »Ruth und ich sind so oft wie möglich bei Alexandra. Bei uns ist sie in den besten Händen.«
»Ich wüsste nicht, was ich ohne euch tun sollte«, seufzte Stefan. Besser fühlte er sich trotzdem nicht.
***
Nach ein paar späten Schneefällen im März hatte der Frühling endlich Oberhand gewonnen. Die Temperaturen wurden deutlich milder, Osterglocken und Narzissen öffneten ihre gelben Blüten, die Knospen an den Bäumen platzten auf, hellgrüne Blättchen entfalteten sich. Am Abend blieb es jetzt länger hell. Nicht nur die Vögel feierten das Wiedererwachen der Natur. Auch die Menschen zog es wieder hinaus an die frische Luft. In Scharen wanderten sie durch die Straßen der Stadt, bevölkerten die Fußgängerzone und die Gärten und Parks der Weltstadt mit Herz, wie die Münchner ihre Stadt liebevoll nannten. Erst gegen Abend – die Nächte waren noch kühl – wurde es ruhiger. Dann wanderten immer weniger Passanten an den halbrunden Sprossenfenstern der Werkstatt vorbei, in der Adele Gold arbeitete.
»Schluss für heute!« Stöhnend richtete sich die Restauratorin auf und legte Farbpalette und Pinsel auf den mit Farbe beklecksten Beistelltisch. Vom krummen Stehen schmerzte der Rücken. Während sie sich dehnte und streckte, betrachtete sie ihr Werk. »Noch ein paar Tage, dann sieht das gute Stück aus wie neu.«
Frederik Wild – Freund aus Studientagen und seit vergangenem Sommer Adeles Geschäftspartner – blickte vom Schreibtisch hoch.
»Ich kann dir gar nicht sagen, wie dankbar ich dir bin, dass du ins Geschäft eingestiegen bist.« Er strahlte vor Zufriedenheit. »Alleine wäre mir die Arbeit längst über den Kopf gewachsen.«
»Und ich freue mich, endlich mein eigener Herr zu sein und nicht mehr nach der Pfeife eines Chefs tanzen zu müssen.« Mit Pflanzenöl entfernte Adele die Ölfarbenreste von den Händen und wusch sie anschließend unter dem Wasserhahn. »Aber für heute ist es genug. Jetzt gehe ich heim. Meine Vogelfamilie vermisst mich bestimmt schon.«
»Ich mache die Buchhaltung noch fertig. Dann gehe ich auch«, erwiderte Frederick und hob die Hand zum Gruß. »Bis morgen.«
Adele schlüpfte in den Mantel und hängte die bunt bestickte Ledertasche über die Schulter. Sie wusste selbst nicht mehr, wann sie sich angewöhnt hatte, ihr gesamtes Leben mit sich herumzutragen, wie Frederick gerne spottete. Ganz unrecht hatte er nicht mit dieser Behauptung. Neben Lippenpomade, Haarbürste, einem Fläschchen Lieblingsparfum und einem Schlampermäppchen fanden auch noch ein Buch, Portemonnaie, Handy und ein Notizbuch Platz, in das Adele wahllos alles notierte, was ihr erinnerungswürdig erschien und sie manchmal mit einer Skizze garnierte. Dass es sich dabei um ein Geschenk ihres Ex-Freundes handelte, störte sie wenig. Schließlich konnte das hübsche, in Leder gebundene Buch nichts für ihre Unfähigkeit, immer an die falschen Männer zu geraten.
Der Frühlingsabend hielt kühle Luft und Dunkelheit für Adele Gold bereit. Sie schlug den Mantelkragen hoch und machte sich auf den Heimweg, der am Englischen Garten entlang durch schmale Straßen und Gassen zu dem Altbau führte, in dem im dritten Stock ihre Wohnung lag. Die Straßen und Fassaden wurden vom Schein der Straßenlaternen erhellt. Trotzdem war Adele, wie immer nach Einbruch der Dunkelheit, auf der Hut. Obwohl München als sichere Stadt galt, ging sie lieber auf Nummer sicher. Immer wieder drehte sie sich um. Doch da war niemand.
Um diese Uhrzeit verirrten sich nur noch Anwohner in dieses ruhige Wohnviertel. Sie blieb vor der Haustür stehen. Seit Längerem war das Licht kaputt, der Eingang lag im Dunkeln. Adele öffnete den Reißverschluss ihrer Tasche, um den Schlüssel herauszuholen und das Handy, das ihr als Taschenlampe dienen sollte. Und dann ging alles ganz schnell.
Aus dem Nichts tauchte eine Hand auf, die zu einem blonden Mann in Jeansjacke gehörte. Er packte den Riemen von Adeles Tasche und wollte sie ihr von der Schulter reißen. Die Angst brauchte nur eine Sekunde, um durch ihre Adern ins Herz zu schießen und dort zu explodieren. Instinktiv klammerte sich Adele an der Tasche fest und kämpfte keuchend einen Kampf, den sie nicht gewinnen konnte.
Als sie nicht loslassen wollte, machte der Mann kurzen Prozess mit seinem Opfer. Er packte Adele am blonden Pferdeschwanz und schleuderte ihren Kopf gegen die Hauswand. Ein Feuerwerk aus grellen Sternen zerplatzte vor ihren Augen, ihre Brust weitete sich, sie ließ die Tasche los. Sie sah dem Mann nach, wie er mit ihrer Tasche – ihrem Leben – davonrannte und schließlich um die Ecke verschwand. Dann wurde alles dunkel.
***
Wie jeden Tag kurz vor Dienstschluss trommelte die Leiterin der Notaufnahme Dr. Eva Körner ihre Mannschaft zusammen, um die Übergabe an die nächste Schicht zu besprechen.
»Irgendwelche Besonderheiten?«, erkundigte sie sich bei ihren Kollegen und Schwester Veronika, die an diesem Tag ihren Dienst in der Ambulanz verrichtet hatte.
Die OP-Schwester nahm ein Tablet zur Hand.
»Der Straßenbahnunfall ist nach der Notoperation außer Lebensgefahr und konnte bereits auf Station verlegt werden. Doktor Morena kümmert sich um den Mann. Dasselbe gilt für den perforierten Appendix, er verbringt die Nacht allerdings vorsichtshalber auf der ITS.«
»In diesem Alter ist nicht mit einer fortgeschrittenen Blinddarmentzündung zu spaßen.« Dr. Körner nickte zustimmend. »Ich bin froh, dass der Mann auf der Intensivstation betreut wird.« Sie warf einen Blick auf ihre Liste. »Sonst noch etwas?«
»Vorhin kam ein Anruf von der Rettungsleitstelle. In wenigen Minuten erwarten wir eine Frau, etwa fünfundzwanzig Jahre alt, mit Kopfwunde, ohne Bewusstsein. Ein Passant hat sie vor einem Wohnhaus in Schwabing gefunden«, wusste Dr. Jürgen Blatt zu berichten, der die Schicht seiner Vorgesetzten übernehmen sollte. Er hatte kaum ausgesprochen, als blaues Licht über die Wände des Zimmers zuckte. »Ich übernehme!« Sofort war Dr. Blatt bereite. »Pfleger Julian!« Er winkte den Krankenpfleger mit sich.
Im Laufschritt verließen die beiden Männer den Aufenthaltsraum, um die Verletzte in Empfang zu nehmen.
Wie groß war das Erstaunen, als Jürgen Blatt seinen Kollegen Dr. Frank neben der Krankenliege entdeckte.
»Kollege Frank, haben Sie die Frau etwa gefunden?«, fragte er und griff nach dem Klemmbrett, das der Rettungsarzt ihm reichte.
»Nein, nein!« Abwehrend hob Stefan Frank die Hände. »Ich habe den Wagen im Hof geparkt, als der Rettungswagen kam.«
Dr. Blatt überflog die Informationen des Rettungsteams.
»Platzwunde am Hinterkopf, Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma. Die Patientin ist nicht bei Bewusstsein.« Am Nachmittag hatte Dr. Blatt eine Verabredung mit einer netten, jungen Frau gehabt und hatte gehofft, noch ein wenig länger an die süße Marie denken zu können. Doch das Schicksal hatte offenbar anderes mit ihm vor. »Wir bringen sie in Schockraum drei«, informierte er Pfleger Julian.
Dr. Blatt setzte seine Unterschrift unter das Übergabeprotokoll und verabschiedete sich von den Kollegen.
Stefan Frank sah dem Krankentransport nach, wie er der Liege im Laufschritt folgte. Wenn möglich, war sein Herz beim Anblick der bewusstlosen Frau noch schwerer geworden. Ein Schädel-Hirn-Trauma also! Dr. Frank wusste, was das bedeutete. Durch die Wucht der Bewegung entstand der sogenannte Contre-Coup-Effekt. Dabei prallte die Gehirnmasse an die gegenüberliegende Schädelseite und verursachte nicht selten schwere Verletzungen. Durch den Schlag wirkten Scherkräfte auf das Hirngewebe, Nervenbahnen wurden gereizt, gezerrt oder sogar ganz unterbrochen. Im schlimmsten Fall konnten Blutgefäße reißen. Die entstandene Blutung verursachte einen Anstieg des Schädeldrucks und somit einen Sauerstoffmangel im Gehirn. Nicht selten hatten die Patienten noch jahrelang mit den Folgen einer solchen Verletzung zu kämpfen. Wenn sie überhaupt wieder aufwachten.
Die Bewusstlosigkeit der Patientin war auf jeden Fall ein schlechtes Zeichen. Genauso schlecht wie die Tatsache, dass Alexandra nicht aufwachen wollte.
Mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern wanderte Dr. Frank über die Klinikflure Richtung Intensivstation, wo Alexandra seit einer Woche im Koma lag. Schon jetzt hatte Stefan Frank das Gefühl, nach Hause zu kommen, so freundlich begrüßten ihn die Schwestern, so vertraut war ihm die Geräuschkulisse der Intensivstation, der Anblick seiner schlafenden Freundin. Das gedimmte Licht dämpfte die sterile Atmosphäre. Alexandras Gesicht lag im Schatten. Vorsichtig streichelte Stefan ihr durch die hellbraunen Locken, die Schwester Irina an diesem Abend sorgfältig gekämmt hatte. Er drückte Alexa einen Kuss auf die duftenden Wangen. Ihr Gesicht war blass, die Wunden auf Haut und Schleimhäuten heilten ab und waren an manchen Stellen schon ganz verschwunden. Inzwischen musste sie nicht mehr beatmet werden. Aber auch der Schlauch in der Nase, durch den Alexa künstlich ernährt wurde, die Infusionen und Kabel der Überwachungsgeräte änderten nichts daran, dass dies immer noch das schönste Gesicht war, das Stefan je erblickt hatte. Er konnte kaum glauben, dass in ihrem Körper ein stiller Kampf stattfand. Ein Kampf, der seine geliebte Alexandra jederzeit fortreißen konnte, weg von ihm.
Stefan Frank versuchte, jeden dunklen Gedanken zu verdrängen. Schließlich war er hier, um Zuversicht zu verbreiten. Er war gekommen, um mit ihr zu sprechen.
