Dr. Stefan Frank 2653 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2653 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Als der bildhübschen Ärztin Juliane Schott eine Assistentenstelle an der Münchner Waldner-Klinik angeboten wird, sagt sie sofort zu. Vielleicht kann ihr der Umzug in die fremde Stadt helfen, den inneren Dämonen zu entfliehen, die sie seit Monaten verfolgen - seit dem Tag, an dem ihre beste Freundin Sarah gestorben ist. Juliane ist überzeugt davon, dass sie allein die Schuld am Tod ihrer Freundin trägt, und die quälenden Schuldgefühle nagen Tag und Nacht an ihr.
In München angekommen, muss Juliane allerdings feststellen, dass sich nichts geändert hat: Auch hier versinkt sie in ihrem Kummer und ihrer Verzweiflung.
Als Dr. Stefan Frank in der Waldner-Klinik aushilft, ertappt er die junge Kollegin dabei, wie sie etwas Furchtbares tut, etwas, womit sie ihren seelischen Schmerz auslöschen will. Der erfahrene Mediziner ist fest entschlossen, Julianes Geheimnis zu wahren und gleichzeitig alles zu tun, um ihr zu helfen ...


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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Wunsch nach Vergebung

Vorschau

Impressum

Wunsch nach Vergebung

Dr. Frank und eine junge Kollegin mit tiefen Schuldgefühlen

Als der bildhübschen Ärztin Juliane Schott eine Assistentenstelle an der Münchner Waldner-Klinik angeboten wird, sagt sie sofort zu. Vielleicht kann ihr der Umzug in die fremde Stadt helfen, den inneren Dämonen zu entfliehen, die sie seit Monaten verfolgen – seit dem Tag, an dem ihre beste Freundin Sarah gestorben ist. Juliane ist überzeugt davon, dass sie allein die Schuld am Tod ihrer Freundin trägt, und die quälenden Schuldgefühle nagen Tag und Nacht an ihr.

In München angekommen, muss Juliane allerdings feststellen, dass sich nichts geändert hat: Auch hier versinkt sie in ihrem Kummer und ihrer Verzweiflung.

Als Dr. Stefan Frank in der Waldner-Klinik aushilft, ertappt er die junge Kollegin dabei, wie sie etwas Furchtbares tut, etwas, womit sie ihren seelischen Schmerz auslöschen will. Der erfahrene Mediziner ist fest entschlossen, Julianes Geheimnis zu wahren und gleichzeitig alles zu tun, um ihr zu helfen ...

Zehn Minuten nach sieben. Eigentlich hätte Juliane Schott längst im Bad sein müssen, um sich für die Arbeit fertig zu machen. Stattdessen lag sie immer noch im Bett und lauschte auf die Geräusche und die Stimmen ihrer drei Mitbewohner, die aus Flur und Küche in ihr Zimmer wehten.

Es waren fröhliche Stimmen, Scherze flogen hin und her wie Pingpongbälle. Gelächter ertönte.

Am liebsten hätte Juliane vor Trauer und Einsamkeit aufgeschluchzt. Vor nicht allzu langer Zeit war sie eine von ihnen gewesen und hatte mit ihrer besten Freundin Sarah und all den anderen um die Wette gelacht. Doch das war Vergangenheit.

Von einem Wimpernschlag zum nächsten hatte sich ihr Leben komplett geändert. Sarahs Tod hatte Juliane zum Außenseiter gemacht. Zuerst hatte sie gehofft, das würde vorübergehen. Inzwischen wusste sie es besser. Ihr Leben würde nie mehr so werden wie früher. Da konnten ihre Mitbewohner noch so oft versichern, dass alles in Ordnung sei.

Deshalb war eine Entscheidung in Juliane gereift, die sie schon vor ein paar Tagen in die Tat umgesetzt hatte. Seither wartete sie zwar nicht auf ihre Erlösung, aber zumindest würde sie ihren Eltern und ihrer ganzen Familie nicht mehr zur Last fallen. Ihnen das Leben nicht mehr schwer machen.

Der Wecker klingelte zum dritten Mal. Jetzt gab es keine Entschuldigung mehr für Juliane. Sie stand auf und verließ ihr Zimmer. Auf dem Weg ins Bad hörte sie, wie das Lachen verstummte. Ihr Mitbewohner Lars grüßte sie aus der Küche und flüsterte Ines etwas zu, kaum dass Juliane aus seinem Blickfeld verschwunden war.

Redeten sie etwa über sie? Das Geflüster erinnerte sie an das Rascheln von vertrocknetem Laub. Juliane hatte dieses Geräusch noch nie leiden können, und jetzt mochte sie es noch viel weniger.

Sie stürzte auf die Badezimmertür zu. Im selben Moment kam Moritz heraus, um den Nacken ein Handtuch geschlungen. Wassertropfen fielen aus seinem feuchten Haar auf die nackte Brust. Beide erschraken. Die folgende Stille war beklemmend. Juliane spürte das Blut, das in ihren Wangen brannte wie Feuer.

»Oh Mann, Juli, hast du mich erschreckt!« Moritz fand seine Stimme zuerst wieder. »Warum schleichst du denn im Dunkeln über den Flur? Mach doch Licht an!«

Überrascht sah sich Juliane um. »Das ... das ist mir gar nicht aufgefallen.«

Moritz legte den Kopf schief. »Ist alles in Ordnung mit dir?«

»Klar. Alles bestens. Ich bin nur spät dran und muss mich beeilen.« Sie dachte nur daran, so schnell wie möglich zu verschwinden, und drängte sich an Moritz vorbei ins Badezimmer.

Juliane schlug die Tür hinter sich zu und drehte den Schlüssel im Schloss. Aufatmend lehnte sie sich mit dem Rücken dagegen. Erst jetzt bemerkte sie, dass ihr Puls raste. Die Schweißperlen auf ihrer Stirn fühlten sich kühl an. Das Zischeln ihrer Mitbewohner hallte in ihrem Kopf wider. Es war so laut, dass es jeden vernünftigen Gedanken unmöglich machte.

Juliane wusste, dass es nur einen einzigen Weg gab, um für innere Ruhe zu sorgen. Einen einzigen Weg, um die Schuldgefühle zurückzudrängen, die sie noch mehr quälten als die Blicke ihrer Mitbewohner und die von Sarahs Eltern, wenn sie ihnen zufällig auf der Straße begegnete. Nur einen einzigen Weg, um das Geflüster aus ihrem Kopf zu verbannen und die Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Juliane schob den Ärmel ihres Schlafanzugs hoch. Der Schmerz schaltete die Geräusche aus und wischte die Erinnerung an die starrenden Gesichter weg. Juliane starrte auf die roten Perlen, die zu dunkelroten Rosen erblühten. Wie die Rosen, die Sarah vor vier Monaten von ihrem Freund bekommen hatte.

Juliane stöhnte auf und schloss die Augen. Jetzt herrschte Stille in ihr. Wie konnte sich etwas, was so schmerzte, so richtig anfühlen? Sie wusste es nicht, ging aber vollkommen auf in diesem Gefühl der Ruhe und Stille.

Leider hielt die Wirkung nie lange an, aber zumindest entwich der Druck, bevor sie Gefahr lief, zu implodieren. Bis zum nächsten Mal.

***

»Meine Güte, ich glaube es nicht!« Dr. Ulrich Waldner hatte sich kerzengerade am Schreibtisch in seinem Büro aufgesetzt und hielt den Hörer ans Ohr. »Arne Kalweit! Wie lange haben wir nichts mehr voneinander gehört?«

»Hundert Jahre?«, scherzte der Professor am anderen Ende der Leitung.

Ulrich Waldner lachte. »Solange du nach dem Studium die Welt bereist hast, habe ich wenigstens hin und wieder noch eine Postkarte bekommen«, erinnerte er sich. »Aber seit du die Klinik in Frankfurt übernommen hast, machst du dich noch rarer als früher.«

»Du weißt doch, wie das so ist, wenn man in seinem Alltag gefangen ist«, seufzte der Professor. »Wenn ich vorher gewusst hätte, was eine Klinikleitung so alles mit sich bringt, hätte ich wahrscheinlich darauf verzichtet. All die Besprechungen, Konferenzen, Tagungen, Kongresse ... Dabei würde ich viel lieber am Operationstisch stehen und mich meinem Fachgebiet, der Kardiologie, widmen.«

Uli Waldner wusste aus eigener Erfahrung, wovon sein Studienfreund sprach.

»Mir ergeht es ähnlich, wobei ich noch Glück habe. Meine Klinik ist vergleichsweise klein. Ich halte regelmäßig Sprechstunden ab und operiere auch immer wieder selbst.« Er dachte an seinen Werdegang, mit dem sein bester Freund Dr. Stefan Frank untrennbar verbunden war. »Erinnerst du dich an unseren Studienkollegen Stefan Frank?«

»Wie könnte ich ihn vergessen?«, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. »Waren wir drei nicht eine Zeit lang ein eingeschworenes Team? Kein Flipperautomat, kein Kicker und kein Billardtisch waren sicher vor uns.«

Natürlich erinnerte sich Uli Waldner an diese unbeschwerten Tage, als die Zukunft noch wie ein unbeschriebenes Blatt Papier vor ihnen gelegen hatte.

»Stefan hat uns stets besiegt. Ich weiß bis heute nicht, wie er das angestellt hat. Und auch im Beruf hat er es sehr geschickt angestellt und sich die Rosinen herausgepickt.«

»Soweit ich weiß, arbeitet er als Allgemeinmediziner und betreibt eine eigene Praxis, oder?«

»Zusätzlich unterhält er Belegbetten an meiner Klinik und führt kleinere operative Eingriffe seiner Patienten selbst durch«, wusste Dr. Waldner zu berichten.

»Da hat er wirklich eine gute Wahl getroffen. Das Glücksgefühl nach einer gelungenen Operation ist mit nichts anderem zu vergleichen«, geriet Prof. Kalweit unvermittelt ins Schwärmen. »Und anders als auf jedem anderen Gebiet der Medizin sind in der Chirurgie die Effekte der Behandlung oft sofort sichtbar. Auch das verschafft mir immer Glücksgefühle.«

»Und ich freue mich darüber, dass ich in Stefan einen zuverlässigen und äußerst fähigen Kollegen habe, der immer einspringt, wenn Not am Mann ist.« Uli Waldner berichtete von dem Frühlingsgrippe-Ausbruch im vergangenen Monat. »Immer wieder sind Kollegen krankheitsbedingt ausgefallen. Wäre Stefan nicht gewesen, hätte die eine oder andere Operation nicht stattfinden können.«

Prof. Kalweit am anderen Ende der Leitung wurde hellhörig. Das war die perfekte Überleitung, auf die er insgeheim gehofft hatte.

»Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mein Anruf einen Grund hat«, lenkte er das Gespräch auf sein Anliegen. »Vor ein paar Tagen sprach mich eine meiner Assistenzärztinnen an. Frau Dr. Schott macht ihre Facharztausbildung in Orthopädie und ist mit einer ungewöhnlichen Bitte an mich herangetreten.«

»Ich bin gespannt.«

»Aus persönlichen Gründen braucht sie dringend einen Ortswechsel und hat mich um Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Assistentenstelle gebeten. Da fiel mir spontan die Waldner-Klinik ein. Euer guter Ruf eilt euch voraus.«

»Vielen Dank für die Blumen«, entgegnete Dr. Waldner lachend. »Es ehrt mich, dass du dabei zuerst an mich gedacht hast, zumal ich tatsächlich immer Bedarf an gutem Personal habe.«

»Genau das hatte ich gehofft.« Die Erleichterung war dem Professor anzuhören. »Ich kann dir Juliane Schott wirklich guten Gewissens ans Herz legen. Sie ist eine sehr begabte junge Ärztin, die ich nicht gerne gehen lasse.«

»Ich vertraue auf dein Urteil. Allerdings muss ich zuerst mit dem Kollegen Morena von der Orthopädie sprechen. Schließlich ist er derjenige, der sich mit der neuen Kollegin beschäftigen müsste.«

Prof. Kalweit lachte. »Wenn er ein Frauenliebhaber ist, wird ihm das nicht weiter schwerfallen«, versprach er.

***

Die Vormittagssprechstunde war in vollem Gang. Nach der Grippewelle in den ersten Märzwochen war es in der Praxis von Dr. Frank zum Glück wieder ruhiger geworden. Im Wartezimmer warteten drei Patienten auf ihre Behandlung. Ab und zu kam ein Besucher vorbei, um ein Rezept oder ein bestelltes Medikament abzuholen.

Dr. Frank hatte die körperliche Untersuchung des Patienten, der gerade in seinem Behandlungszimmer war, abgeschlossen.

»Die anderen Ergebnisse sind übrigens auch da«, erklärte er auf dem Weg von der Behandlungsliege hinüber zum Schreibtisch.

Er setzte sich an den Computer und rief Nathan Ritters Akte auf. Die Tastatur klapperte unter seinen Fingern. Sein konzentrierter Blick ruhte auf dem Monitor.

»Wir haben hier keine Verletzungen, keine Arthrosen, und Ihr Sportunfall kann ebenfalls nicht für Ihre Schmerzen verantwortlich sein. Rheumafaktoren haben Sie auch nicht im Blut.«

Nathan Ritter saß auf der Kante der Liege und krempelte die Hemdsärmel herunter.

»Ich verstehe das nicht«, murmelte er vor sich hin. »Irgendeinen Grund müssen meine Schmerzen doch haben.«

Zum Glück war Dr. Frank noch nicht fertig.

»Allerdings haben wir beim Titer-Test Antikörper gefunden, die auf eine Zeckeninfektion hinweisen.« Stefan Frank blickte vom Schreibtisch hoch. »Als Läufer sind Sie ja viel auf Wiesen und Feldern unterwegs. Können Sie sich an einen Zeckenbiss erinnern?«

Nathan rutschte von der Liege und ging auf den Schreibtisch zu. Eine steile Falte stand auf seiner Stirn. Im ersten Moment wollte er widersprechen, bis ihm etwas einfiel.

»Tatsächlich habe ich letztes Jahr im Sommer eine Zecke am Bauch gefunden. Keine Ahnung, wie sie dorthin gekommen ist. Ich habe sie vorsichtig mit der Pinzette herausgezogen und in den nächsten Tagen auf diese typische kreisrunde Rötung gewartet. Aber da war nichts«, beteuerte er.

»Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel«, seufzte Dr. Frank. »Leider ist diese Infektion besonders tückisch und sehr schwer nachzuweisen. Die Vielzahl der Symptome erschwert es obendrein, eine Borreliose sicher zu diagnostizieren. Erschwerend kommt hinzu, dass vom Biss bis zum Ausbruch der Infektion durchaus mehrere Jahre vergehen können.«

Wieder klapperte die Tastatur.

»Auf jeden Fall verschreibe ich Ihnen ein Antibiotikum, das Sie bitte in den nächsten vierzehn Tagen einnehmen.«

Nathan zuckte mit den Schultern.

»Wenn die Schmerzen davon verschwinden, soll es mir recht sein.«

Dr. Frank lehnte sich zurück und musterte seinen Patienten, den er aus dem Labor der Waldner-Klinik kannte, wo Nathan Ritter seit fast zwei Jahren als medizinisch-technischer Laborant arbeitete.

»Da ich nicht sicher bin, ob die Borreliose wirklich der Grund für Ihre Schmerzen ist, kann ich das leider nicht versprechen. So viele Fortschritte die Medizin in den vergangenen Jahren auch gemacht hat, hin und wieder bleibt uns Ärzten nichts anderes übrig, als nach dem Ausschlussverfahren zu arbeiten. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.«

Der Drucker ratterte. Dr. Frank unterzeichnete das Rezept und reichte es seinem Patienten. Er erhob sich vom Stuhl und begleitete Nathan Ritter aus dem Sprechzimmer vor zum Tresen.

Dort saß seine Assistentin Marie-Luise Flanitzer hinter dem Tresen. Ihre Kollegin Martha Giesecke, von allen nur »Schwester Martha« genannt, beugte sich über ihre Schulter und blickte mit zusammengekniffenen Augen auf den Computerbildschirm.

»Gut, Herr Ritter, dann machen wir es so wie besprochen. Bitte melden Sie sich zwischendurch, wie es Ihnen geht.« Dr. Frank reichte dem jungen Mann die Hand. »Auf Wiedersehen und alles Gute.«

Zeit für die nächste Patientin. Doch die beiden Sprechstundenhilfen waren so in ihr Tun vertieft, dass sie den Blick ihres Chefs nicht bemerkten.

Marie-Luise deutete auf den Bildschirm.

»Sehen Sie, hier können Sie direkt auf die Abrechnungssysteme zurückgreifen, ohne dass Sie sich jedes Mal neu anmelden müssen.«

»Und det funktioniert?«, fragte Schwester Martha. Selbst nach so vielen Jahren in Bayern war ihr ihre Berliner Heimat noch anzuhören.

»Und ob.« Die wesentlich jüngere Marie-Luise demonstrierte es. Anders als die über sechzigjährige Martha war sie mit Computern aufgewachsen und hatte keine Scheu vor Technik. Mit ein paar Tastenklicks versuchte sie, ihre Kollegin zu überzeugen.

Schwester Marthas Augen wurden groß und rund.

»Det geht ja wirklich viel schneller als früher.«

Marie-Luise freute sich sichtlich über ihren Erfolg.

»Wenn Sie wollen, erkläre ich Ihnen gerne noch mehr.«

»Nee, nee, wir wollen es mal nicht übertreiben.«

Dr. Frank war an den Tresen getreten. Er räusperte sich.

Marie-Luise Flanitzer zuckte zusammen. Ihr Blick flog hinüber zum Terminkalender.

»Die nächste Patientin ist Frau Hübner.« Mit der rechten Hand griff sie nach der Patientenkarte, die schon auf dem Tresen bereitlag. »Ach, und Frau Schubert hat angerufen. Sie bittet um einen Rückruf.«

»Hat sie gesagt, worum es geht?«, erkundigte sich Stefan Frank mit einem Blick in die Patientenkarte.

Seit seine Freundin Alexandra nach einer allergischen Reaktion ins Koma gefallen war, war er ständig in Hab-Acht-Stellung. Das wussten auch seine beiden Sprechstundenhilfen, ohne dass er es laut aussprechen musste.

»Keine Sorge!«, erwiderte Marie-Luise schnell. »Es geht um die Verabredung mit den Waldners heute Abend.«

»Oh, gut.« Stefan Frank atmete insgeheim auf und sah auf die Uhr. »Ich rufe sie in der Mittagspause zurück.«

***

»Herzlich Willkommen zur Lagebesprechung.« An diesem späten Vormittag gesellte sich Prof. Kalweit ausnahmsweise einmal zu seinen Assistenzärzten, die mit ihrem Anleiter Dr. Kuhn im Aufenthaltsraum der Ärztinnen und Ärzte zusammenstanden. »Bitte stören Sie sich nicht an meiner Anwesenheit. Im Grunde genommen bin ich gar nicht hier.«

Nur Juliane Schott wusste, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Sie ahnte, warum der Chef hier war, und wurde augenblicklich nervös.

Dr. Kuhn nickte dem Professor zu und blickte erwartungsvoll in die Runde.

»Bereit, ein paar Leben zu retten?«

»Endlich ist mal was los hier«, erwiderte einer der Assistenzärzte launig.

»Sehr schön. Dann begeben Sie sich bitte auf direktem Weg in die Ambulanz. Dort warten ein paar Spezialitäten auf Sie.« Dr. Kuhn blickte auf die Unterlagen in seinen Händen. »Dr. Werner, Sie assistieren wieder dem Kollegen Habenschaden. Und Frau Schott hat heute mit mir das Vergnügen. Kommen Sie!« Er winkte die Assistenzärztin mit sich.

Prof. Kalweit heftete sich an die Fersen der beiden.

Der Patient wartete in einem Behandlungszimmer auf seine Behandlung. Die Ärzte traten ein und begrüßten den jungen Mann.

»Bitte, Kollegin Schott, walten Sie Ihres Amtes.« Dr. Kuhn machte eine einladende Geste.