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Wie jedes Jahr findet auch in diesem Sommer wieder das Sommer-Tollwood auf dem Münchner Olympiagelände statt. Es ist ein Fest für die Sinne, mit Gauklern, Zauberern, Stelzenläufern. In orientalisch anmutenden Zelten werden köstliche Speisen angeboten, bunte Lampions schmücken die Biergärten. Es gibt einen Sandstrand mit Liegestühlen und Verkaufsstände, an denen fantasievolles Kunsthandwerk feilgeboten wird. In Zelten finden Konzerte und auch eine Zirkusshow statt, Höhepunkt ist die Show eines Messerwerfers.
Stefan Frank, seine Freundin Alexandra sowie Ulrich Waldner und seine Frau Ruth wollen sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Sie schlendern durch das kunterbunte Treiben, kaufen sich handgemachte Chips und Waffeln und genießen die Atmosphäre. Sie schwelgen in Erinnerungen an die Jahrmärkte ihrer Kindheit. Zum krönenden Abschluss besuchen sie die Zirkusshow, als das Unglück geschieht. Der Messerwerfer will gerade den letzten Wurf ausführen und macht einen Scherz, das Publikum lacht belustigt, als sich ein Scheinwerfer aus der Verankerung löst und in die Zuschauermenge stürzt. Mit einem Schlag wird es still. Die Welt scheint stillzustehen. Erst Sekunden später bricht Panik unter den Besuchern aus. Kopflos stürmt das Publikum nach draußen, Menschen werden überrannt, weggestoßen, verletzt. Das Chaos ist unbeschreiblich ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Wenn das Lachen verklingt
Vorschau
Impressum
Wenn das Lachen verklingt
Ein bunter Tag auf dem Jahrmarkt endet tragisch
Wie jedes Jahr findet auch in diesem Sommer wieder das Sommer-Tollwood auf dem Münchner Olympiagelände statt. Es ist ein Fest für die Sinne, mit Gauklern, Zauberern, Stelzenläufern. In orientalisch anmutenden Zelten werden köstliche Speisen angeboten, bunte Lampions schmücken die Biergärten. Es gibt einen Sandstrand mit Liegestühlen und Verkaufsstände, an denen fantasievolles Kunsthandwerk feilgeboten wird. In Zelten finden Konzerte und auch eine Zirkusshow statt, Höhepunkt ist die Show eines Messerwerfers.
Stefan Frank, seine Freundin Alexandra sowie Ulrich Waldner und seine Frau Ruth wollen sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Sie schlendern durch das kunterbunte Treiben, kaufen sich handgemachte Chips und Waffeln und genießen die Atmosphäre. Sie schwelgen in Erinnerungen an die Jahrmärkte ihrer Kindheit. Zum krönenden Abschluss besuchen sie die Zirkusshow, als das Unglück geschieht. Der Messerwerfer will gerade den letzten Wurf ausführen und macht einen Scherz, das Publikum lacht belustigt, als sich ein Scheinwerfer aus der Verankerung löst und in die Zuschauermenge stürzt. Mit einem Schlag wird es still. Die Welt scheint stillzustehen. Erst Sekunden später bricht Panik unter den Besuchern aus. Kopflos stürmt das Publikum nach draußen, Menschen werden überrannt, weggestoßen, verletzt. Das Chaos ist unbeschreiblich ...
»Jetzt mach schon, du Schlafmütze!« Eine ärgerliche Stimme schallte über den Festplatz. »Die Lampions hängen sich nicht von alleine auf!« Ein Klappern und Rumpeln folgte.
Maggy Kleinschmied lag ihm Bett ihres Wohnwagens. Sie war schon eine Weile wach und hatte dem geschäftigen Treiben draußen zugehört. Das Schimpfen war das Zeichen, dass es Zeit wurde, aufzustehen.
Seufzend schälte sie sich aus den Decken und kletterte über die Leiter aus dem Bett. Das Kind in der Schlafkoje darunter bewegte sich noch nicht. Nur ein brauner Haarschopf lugte unter der Bettdecke hervor. Es war Maggy ein Rätsel, wie ihr vierjähriger Sohn Matteo bei diesem Lärm schlafen konnte. Wahrscheinlich lag es an seinen langen, aufregenden Tagen, an den Abenteuern, die ein Schaustellerleben jeden Tag aufs Neue mit sich brachte. Ein Leben, das sein Vater Nils ihnen am liebsten verboten hätte. Dabei gab es keinen besseren Kindergarten, keine bessere Schule als das Leben selbst. Zumindest war es das, was Maggy vor Aufbruch in ihr neues Leben gedacht hatte.
Nils! Der Gedanke an ihre große Liebe machte sie noch immer traurig. Dass Matteo seinem Vater so ähnlich sah, machte die Sache nicht leichter.
Maggy widerstand der Versuchung, durch das Kinderhaar zu wuscheln, und ging ins kleine Bad, das sich neben der Eingangstür befand. Das Leben im Wohnwagen war vielleicht das Beste an ihrer Entscheidung, dem sesshaften Leben für ein Jahr den Rücken zu kehren und sich der Truppe Schausteller anzuschließen, die im Internet nach Verstärkung gesucht hatten. Immer wieder konnte sich Maggy aufs Neue für dieses minimalistische Leben begeistern. Zu wissen, dass alles, was sie und Matteo brauchten, auf acht Quadratmetern Platz fand, fühlte sich immer noch großartig an.
Nach dem Zähneputzen wusch Maggy das Gesicht und schlang das dunkelblonde, lange Haar zu einem unordentlichen Dutt. Auch auf Schminke konnte sie bei den täglich anfallenden Arbeiten und Proben verzichten. Tagsüber war ihr Schaustellerleben viel weniger glamourös, als sie es sich vorgestellt hatte. Auch Schausteller hatten einen Alltag, wie Maggy inzwischen wusste. Erreichten sie einen neuen Festplatz, mussten zuerst die Sachen wieder ausgepackt werden. Je nachdem, ob ein Festzelt vorhanden war, bedeutete das mehr oder weniger Arbeit. Die Kostüme mussten ausgebessert und die Hilfsmittel der Akrobatik-Gruppe, die auf der Bühne zum Einsatz kamen, kontrolliert und – wenn nötig – repariert werden. Danach wartete die Büroarbeit, die laut ihren Kollegen von Saison zu Saison umfangreicher wurde. Diese Aufgabe war Maggy zugefallen. Sie musste nicht nur die nächsten Routen planen, sondern auch, wann und wo sie sich für einen neuen Stellplatz bewerben mussten. Wenn danach noch Zeit war, unterstützte sie ihre Kollegen beim Training oder ersann mit ihnen neue Programmnummern. Und wie an einem festen Wohnsitz auch musste natürlich Wäsche gewaschen und geputzt werden.
Erst abends würde Maggy in ihr Glitzerkostüm schlüpfen und sich von Fortunato mit Messern bewerfen lassen. Erst dann, im strahlenden Scheinwerferlicht, wurde ihr Traum vom glamourösen Schaustellerleben Wirklichkeit. Der Nervenkitzel während des Auftritts war ihr Lebenselixier, genau wie der Applaus des Publikums. Aber war das genug?
»Warum ist es draußen so laut?« Die Kinderstimme riss Maggy aus den Gedanken.
Inzwischen saß sie mit einer Tasse Instantkaffee am kleinen Tisch neben dem Bett ihres Sohnes und kaute an einem Honigbrot, das sie jetzt weglegte.
»Und ich habe mich schon gewundert, dass du den Lärm draußen nicht hörst.«
»Ich habe mir die Ohren ganz fest zugehalten. Aber es hat nichts genützt.« Matteo krabbelte aus dem Bett auf den Schoß seiner Mama und kuschelte sich an sie.
»So ist es doch meistens, wenn wir an einem neuen Platz angekommen sind«, erinnerte Maggy ihren kleinen Sohn. Nach einer ausgiebigen Kuschelrunde servierte sie ihm Kakao und Haferflocken mit frischem Obst. »Morgen ist es wieder besser.«
Diese Viertelstunde vor der Arbeit war Maggys Lieblingsritual. Zusammen mit Matteo saß sie am Tisch und unterhielt sich mit ihm über seine Erlebnisse des vergangenen Tages. Doch an diesem Morgen war etwas anders. Still und in sich gekehrt stocherte der Junge in seinen Frühstücksflocken.
»Stimmt was nicht, Krümelchen?«
»Warum müssen wir eigentlich immer weiterfahren?« Der Junge heftete seine dunkelblauen Augen – ein Erbe seines Vaters – auf seine Mama. »Dabei hätte ich heute noch mal so gerne mit Lisa gespielt.«
»Das ist eben so, wenn man Abenteuer erleben will. Aber hier findest du bestimmt ganz schnell neue Freunde.«
»Und wenn wir weiterfahren, bin ich wieder traurig.«
Maggy streichelte über die weiche Kinderwange.
»Keine Sorge. Hier in München bleiben wir länger«, versuchte sie, Matteo zu trösten. »Und wer weiß, vielleicht bist du ja froh, wenn wir in ein paar Wochen weiterreisen.«
Matteos Augen leuchteten auf.
»Fahren wir dann heim zu Papa?«
Zum Glück blieb Maggy eine Antwort erspart. Es klopfte an die Wohnwagentür.
»Hey, ihr zwei Langschläfer, raus aus den Federn!«, rief Fortunato. »Ihr werdet nicht fürs Faulenzen bezahlt. Ich will noch einmal die neue Nummer proben.«
»Wir sind gleich da, du Sklaventreiber!«, rief Maggy zurück und zwinkerte ihrem Sohn zu. »Hast du Lust, heute die Messer zu halten?«
Schlagartig war die Trauer vergessen. Matteo konnte sein Glück nicht fassen. Bislang hatte er die glänzenden Klingen mit den kunstvoll verzierten Griffen nur aus der Ferne bewundert.
»Darf ich wirklich?«
»Hast du denn genügend Kraft?«, stellte Maggy eine Gegenfrage und deutete auf die Müslischale, während sie ihre Kaffeetasse leerte.
***
»Livemusik in leuchtenden Zirkuszelten, Tanz, Kunstaktionen, poetische Lesungen, fantasievolle Kinderspiele, Jongleure und Gaukler verzaubern das Gelände im Olympiapark auch in diesem Sommer wieder in einen bunten Jahrmarkt der Sinne.« Die Zeitung raschelte in Marie-Luise Flanitzers Händen, als sie umblätterte. »Und das ist noch längst nicht alles«, las sie weiter vor. »Auf dem »Markt der Ideen« herrscht ein ganz besonderes Flair. An liebevoll gestalteten Ständen können die Besucher faszinierendes Kunsthandwerk aus aller Welt entdecken und bio-zertifizierte Speisen aus aller Herren Länder kosten. Es ist ein multikulturelles Fest der Lebensfreude, ein leidenschaftliches Festival für alle Sinne«, schloss sie den Artikel. Vor Begeisterung hatten sich ihre Wangen zartrosa gefärbt. »In diesem Jahr muss ich meinen Mann unbedingt zu einem Besuch überreden. Warum kommen Sie nicht mit?«, sagte Dr. Franks Sprechstundenhilfe zu ihrer Kollegin, als ihr Chef das Sprechzimmer verließ und den letzten Patienten des Vormittags zur Tür begleitete. Ein großes Pflaster zierte die Stirn des Mannes.
Mit einem Blick auf ihre Körpermitte schüttelte Schwester Martha den Kopf.
»Lieber nicht. Es ist einfacher, sich gar nicht erst in Versuchung zu bringen als all diesen Köstlichkeiten zu widerstehen«, seufzte sie.
Marie-Luise wurde hellhörig. »Sie waren schon einmal da?«
»Letztes Jahr habe ick mich von einer Freundin breitschlagen lassen. All die hübschen Dinge, die es dort zu kaufen gibt! Bunte Glas-Lampen vom Balkan, handgemachter Silberschmuck, bezaubernder Schnickschnack. Und dann erst das Essen! Dat indische Linsen-Dal war köstlich. Und erst die spanischen Churros, diese in Fett gebackenen Teigstangen mit Puderzucker! Ein Gedicht, sage ick dir. Aber leider genauso kalorienhaltig wie lecker.«
»Ach, ab und zu ist eine Sünde schon erlaubt«, winkte Marie-Luise ab, als sich ihr Chef zu ihnen gesellte. »Sonst macht das Leben ja keinen Spaß.«
Stefan Frank lächelte schief.
»Ehrlich gesagt könnte ich sehr gut auf die Sünden unserer Patienten verzichten.« Dankbar nahm er den Kaffee, den ihm seine Sprechstundenhilfe reichte. »Sobald irgendwo in München und Umgebung ein Jahrmarkt oder Volksfest stattfindet, schnellen die Zahlen der alkoholbedingten Beschwerden sprunghaft in die Höhe«, klagte er sein Leid. »Dabei meine ich beileibe nicht nur Kopfschmerzen und Verdauungsbeschwerden, sondern auch Platzwunden und geprellte Rippen durch Stürze oder Schlägereien.«
»Dann vielleicht doch lieber Waffeln mit Sauerkirschen und Schlagsahen«, stellte Marie-Luise vergnügt fest. »Davon bekommt man wenigstens nur Bauchweh.«
Stefan Frank lachte mit seinen Kolleginnen. Was für eine Freude, in diesem Team arbeiten zu dürfen! Höchste Zeit, sich wieder einmal zu bedanken.
»Wenn Ihnen der Sinn nach Süßigkeiten steht, lade ich Sie auf einen Bummel über das Tollwood-Festival ein. Zufällig weiß ich, dass dort die besten Kirschwaffeln von ganz München verkauft werden.« Sein Blick fiel über Schwester Marthas Schulter hinaus in den Vorgarten. Was für ein Sommertag! Die Sonne lachte von einem wolkenlosen Himmel. Ein laues Lüftchen strich durch die Blütenpracht vor dem Fenster und sorgte für angenehme Temperaturen. »Warum nicht gleich heute Abend? Unter der Woche herrscht nicht so viel Betrieb auf dem Festgelände. Außerdem fällt Alexandras Yoga-Stunde heute aus«, erinnerte er sich an die Ankündigung seiner Freundin.
Schwester Martha zögerte, doch Marie-Luise nahm ihr die Entscheidung aus der Hand.
»Was für eine schöne Idee!«, stimmte sie freudig zu. »Und wie heißt es so schön? Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.«
»Dann ist es also abgemacht!« Mit seiner Tasse Kaffee kehrte Dr. Frank ins Sprechzimmer zurück.
Vor ein paar Wochen hatte er die Mittagspausen meist dazu genutzt, sich mit seiner Freundin, der Augenärztin Alexandra Schubert, in einem der vielen Restaurants in der Nähe ihrer Praxis zu treffen. Doch seit sie zu ihm gezogen war, konzentrierte er sich tagsüber voll und ganz auf seine Praxis, um nach Feierabend die Zweisamkeit zu genießen oder mit ihren Freunden etwas zu unternehmen. Apropos Freunde! Warum nicht auch Ruth und Uli Waldner zu einem Ausflug in den Olympiapark überreden? Stefan Frank hatte diesen Gedanken kaum zu Ende gedacht, als er auch schon nach dem Hörer griff und mit einem Lächeln auf den Lippen die Nummer wählte, die er schon so lange auswendig kannte.
***
In den vergangenen Tagen hatten die Schausteller noch einmal Hand an ihren Buden und Zelten angelegt. Beleuchtungen waren repariert, Dekorationen angebracht worden. Nun war alles perfekt, und von nah und fern strömten die Besucher auf das Festgelände.
Dr. Stefan Frank sollte recht behalten. Trotz des schönen Wetters hielt sich der Andrang an diesem Abend in Grenzen. Zwischen den Essensständen und Buden, in denen Kunsthandwerk feilgeboten wurde, war noch genügend Platz, um dem Stelzenläufer auszuweichen, der in seinem flatternden Gewand über den Kiesplatz stakste. Vor den staunenden Augen vieler Kinder trieb ein Gaukler mit bunten Seidentüchern seine Späße. Ein Stück weiter zauberte ein Magier Münzen hinter den Ohren seiner Zuschauer hervor. Ein riesiges, hölzernes Kamel bahnte sich seinen Weg durch die Besucher. Was für ein herrliches, buntes Spektakel!
Stefan nahm seine Freundin an der Hand und zog sie vorsichtshalber zur Seite.
»Du bist so fürsorglich, mein Schatz!«, bedankte sich Alexa mit einem Kuss bei ihrem Beschützer.
»Das täuscht«, scherzte Stefan. »Ich wüsste nur nicht, wie ich erklären sollte, dass du mitten in München von einem Kamel niedergetrampelt wurdest.«
Alexandra lachte und knuffte ihn in die Seite.
»Na warte, diese Frechheit wirst du mir büßen. Dafür esse ich meine handgemachten Chips mit Sour Cream ganz alleine.«
»Das kannst du mir nicht antun.«
»Du wirst schon sehen.«
Nicht nur Alexandra und Stefan lachten. Auch ihre Begleiter – das Ehepaar Waldner, Marie-Luise Flanitzer und Schwester Martha – amüsierten sich prächtig.
Alle waren sie verzaubert von der einzigartigen Atmosphäre. Mit fortschreitender Dämmerung flammten überall Laternen und Lampions in zarten Farben auf und tauchten die Buden mit fantasievollem Kunsthandwerk und den Sandstrand samt Liegestühlen in ein unwirkliches Licht. Aus orientalisch anmutenden Zelten wehte der Duft exotischer Speisen über den Platz. Musik vermischte sich mit den Stimmen der Besucher, ab und zu riss ein Lachen aus und tanzte in den Abendhimmel.
Unversehens geriet Marie-Luise ins Schwärmen.
»Ich erinnere mich noch genau an die Volksfeste meiner Kindheit. Damals ist meine Mama immer mit mir zum Kettenkarussellfahren gegangen und der Papa hat gebrannte Mandeln spendiert.«
»Manche Dinge ändern sich wohl nie«, bemerkte Ulrich Waldner lächelnd. »Um die gebrannten Mandeln bin ich auch nie herumgekommen. Aber statt dem Kettenkarussell habe ich als Bub die Achterbahn bevorzugt.«
»Für mich war der Tobbogan auf dem Oktoberfest immer das absolute Highlight«, gestand Ruth Waldner versonnen. Ihre Augen hatten sich mit Erinnerungen gefüllt.
»Ist das nicht diese Rutsche, die man nur über ein Förderband erreicht?«, fragte Stefan.
»Den Kindern wird natürlich geholfen.« Alexandra lächelte. »Aber fast mehr Spaß, als selbst herunterzurutschen hat es gemacht, den Betrunkenen dabei zuzusehen, wie sie versuchten, sich auf den Beinen zu halten.«
»Also, dat war mir immer zu wild.« Martha Giesecke schüttelte den Kopf. »Als Kind bin ick am liebsten ins Spiegelkabinett gegangen. Und danach gab's eine Zuckerwatte.«
»Dagegen sind Waffeln mit Sauerkirschen und Sahne ja geradezu gesund«, scherzte Stefan Frank und wollte seine Gäste zu dem Stand lotsen, als Alexa ihn am Arm packte.
»Schaut mal da drüben!« Sie deutete auf eine große Tafel, die neben dem Eingang zu einem Zelt stand.
Davor stolzierte ein Animateur in Frack und Zylinder auf und ab.
»Hereinspaziert, meine sehr verehrten Damen und Herren! Hereinspaziert!« Er machte eine einladende Geste. »Diese Show dürfen Sie sich nicht entgehen lassen. Staunen Sie über todesmutige Seiltänzer, schwerelose Artisten und Ivana, die Knochenlose. Lassen Sie sich von unserem Magier Monsieur Armand in seine Zauberwelt entführen. Lernen Sie den Messerwerfer Fortunato und seine Komplizin Maggy kennen. In fünf Minuten beginnt die Show. Hereinspaziert, meine Damen und Herren, hereinspaziert. Sie werden es nicht bereuen.«
Stefan Frank runzelte die Stirn.
»Ist das dein Ernst? Du willst diese Show sehen?«
»Oh bitte, bitte«, bettelte Alexa. »Als Kind wollte ich selbst immer Messerwerferin werden.«
Uli Waldner lachte. »Da hast du ja richtig Glück gehabt, dass du Alexa erst später kennengelernt hast«, scherzte er.
Stefan Frank sah sich in der Runde seiner Begleiter um.
»Wer ist für den Besuch der Show?«
»Warum nicht? Ein bisschen Nervenkitzel verbrennt Energie«, stellte Martha Giesecke nach kurzer Bedenkzeit lakonisch fest. »Danach können wir uns guten Gewissens eine Portion Waffeln gönnen.«
Ein erstklassiges Argument, die Entscheidung war gefallen! Stefan Frank ging zur Kasse und kaufte sechs Eintrittskarten.
***
