Dr. Stefan Frank 2662 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2662 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Die Münchnerin Maria Rossi führt als Gastwirtin erfolgreich das italienische Restaurant, das Rossi, das ihr verstorbener Mann Luigi ihr hinterlassen hat. Hier sind auch Dr. Frank und Dr. Waldner gern gesehene Gäste. Die Leute kommen nicht nur wegen des guten Essens, sondern auch weil Maria Rossi eine warme Gastfreundschaft ausstrahlt, die von allen geschätzt wird.
Doch als die beliebte Frau ohne scheinbaren Grund an Gewicht verliert, wundert sich Dr. Frank: Er kann keine Ursache finden. Auch Dr. Waldner schätzt, dass es vielleicht der zunehmende Stress des täglichen Gastronomiebetriebs ist. Als sich zur Gewichtsabnahme auch noch eine matte Müdigkeit in Marias Alltag einschleicht, fängt ihre Tochter Lilly an, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Sie drängt zu einer weiteren Untersuchung.
Dort fallen Dr. Frank die leicht angeschwollen Lymphknoten seiner Patientin auf. Er konsultiert sofort Dr. Waldner. Bei einem ambulanten Eingriff wird Maria Lymphknotengewebe entnommen. Stefan Frank überbringt dann die Schocknachricht: Die Neunundfünfzigjährige leidet an einem Mantelzell-Lymphom, einer seltenen Krebsart ...


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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Bleib bei uns, Mama!

Vorschau

Impressum

Bleib bei uns, Mama!

Maria leidet an einer seltenen Krebsart

Die Münchnerin Maria Rossi führt als Gastwirtin erfolgreich das italienische Restaurant, das Rossi, das ihr verstorbener Mann Luigi ihr hinterlassen hat. Hier sind auch Dr. Frank und Dr. Waldner gern gesehene Gäste. Die Leute kommen nicht nur wegen des guten Essens, sondern auch weil Maria Rossi eine warme Gastfreundschaft ausstrahlt, die von allen geschätzt wird.

Doch als die beliebte Frau ohne scheinbaren Grund an Gewicht verliert, wundert sich Dr. Frank: Er kann keine Ursache finden. Auch Dr. Waldner schätzt, dass es vielleicht der zunehmende Stress des täglichen Gastronomiebetriebs ist. Als sich zur Gewichtsabnahme auch noch eine matte Müdigkeit in Marias Alltag einschleicht, fängt ihre Tochter Lilly an, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Sie drängt zu einer weiteren Untersuchung.

Dort fallen Dr. Frank die leicht angeschwollen Lymphknoten seiner Patientin auf. Er konsultiert sofort Dr. Waldner. Bei einem ambulanten Eingriff wird Maria Lymphknotengewebe entnommen. Stefan Frank überbringt dann die Schocknachricht: Die Neunundfünfzigjährige leidet an einem Mantelzell-Lymphom, einer seltenen Krebsart ...

Maria Rossi warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel. Sie war zufrieden. Ihre dunklen Locken bändigte sie mit immer wechselnden bunten Tüchern. Heute hatte sie sich für das rote mit den gelben Aquarellkreisen entschieden. Es war ein Geschenk ihrer Tochter Lilly gewesen und stand ihr ausgezeichnet. Außerdem war es selbst gemacht, stolz war Lilly mit dem Tuch in der Hand direkt nach ihrem Seidenmalkurs ins Restaurant gekommen und hatte es ihrer Mutter feierlich überreicht.

Ihre Tochter Lilly lebte, im Gegensatz zu Marias Sohn Luca, wie ihre Mutter in München und half neben ihrem Studium oft im Familienrestaurant aus. Das Rossi war für Maria wie ein drittes Kind. Hier hatte sie ihren inzwischen verstorbenen Ehemann kennengelernt, als sie noch Kellnerin war und ihr Mann, Luigi, sich frisch aus Italien als Koch verdingte.

Maria seufzte. Was für wunderschöne Zeiten sie miteinander erlebt hatten. Auch nach all den Jahren, die seit seinem Tod vergangen waren, umspielte jedes Mal ein Lächeln ihre Lippen, wenn sie an ihn dachte. Er war ein lebensfroher Mann gewesen, einer mit Schalk im Nacken. Nie um einen Spruch verlegen, hatte er mit seiner charmanten Art dafür gesorgt, dass Maria auch an den anstrengendsten Tagen Lebensfreude spürte.

Es hatte Maria eine ganze Weile gekostet, über den Verlust ihres Mannes hinwegzukommen. Doch über die Jahre hatte sie gelernt, sich darüber zu freuen, was er ihr hinterlassen hatte. Er selbst war weg, doch ihre Kinder und das Rossi waren ihr geblieben.

Mit ihren neunundfünfzig Jahren führte Maria das kleine Restaurant mit einer starken, aber liebevollen Hand und wurde von der Nachbarschaft, wie auch von ihren Angestellten, für ihre warme Art geschätzt. Dass sie sich selbst versorgen konnte und sich durch die körperliche Betätigung über die Jahre noch relativ fit und jung fühlte, hatte sie ihrem Mann zu verdanken. Oder besser gesagt, seinem verrückten Plan, ein Lokal zu übernehmen, obwohl keiner von ihnen auch nur die geringste Ahnung von Dingen wie Buchhaltung oder Steuerrecht hatte. Und doch, nickte Maria vor dem Gehen stolz ihrem Spiegelbild zu, hatten sie es geschafft, das Rossi zu einer der besten Adressen für authentische italienische Küche zu machen.

***

»Ristorante Rossi, was kann ich für Sie tun?«

»Mariella?«, hörte die junge Köchin am anderen Ende die Stimme ihrer Chefin.

»Si, Signora?«

»Kannst du mal auf die Reservierungen schauen? Wann kommt der erste Tisch?«

»Einen Moment, bitte«, antwortete Mariella und blätterte durch das große, rot eingebundene Reservierungsbuch, das auf der Durchreiche lag.

»Um halb sieben, Frank und Waldner«, las die Italienerin vor.

»Ach, wie schön, ich wollte Doktor Frank sowieso noch etwas fragen. Gut, dann komme ich eine halbe Stunde später, ich spring noch schnell auf den Markt!«

»Aber ich habe alle Einkäufe heute Morgen erledigt«, versicherte Mariella. Sie war erst wenige Wochen im Rossi und hochmotiviert, einen guten Eindruck und so wenig Fehler wie möglich zu machen.

Maria lachte. »Ja, ich weiß. Aber Doktor Waldner liebt Austern, und auf dem Markt gibt es diesen Franzosen, Besson, der hat immer ganz frische aus Arcachon«, erklärte sie.

Bevor Mariella noch etwas erwidern konnte, hatte ihre Chefin aufgelegt. Mariella musste schmunzeln. Die deutsche Maria Rossi war anders als die Chefs, die die junge Italienerin in Verona erlebt hatte. Sie war unkompliziert und löste Probleme oft, bevor sie überhaupt entstehen konnten. In ihren Pausen beobachtete Mariella sie dabei, wie sie mit ihren fast sechzig Jahren von Tisch zu Tisch eilte und das Ganze auch noch mühelos aussehen ließ. Nie merkten die Gäste, dass Maria im Stress war, weil mal wieder zu viele Leute auf einmal bestellen wollten.

In den Restaurants, in denen Mariella das Kochen gelernt hatte, ging es öfter rau zu, es wurde geschrien, geschimpft und nicht selten mit Kochutensilien geworfen. Mariella war froh, dass sie im Rossi eine Stelle gefunden hatte, die es ihr erlaubte, ruhig und besonnen zu arbeiten. Hier erhob keiner seine Stimme, und unangenehme Machos hatten hier ebenfalls keinen Platz.

Mariella schauderte es. Die lautesten Männer waren oft die mit dem fragilsten Ego, und in der Welt der gehobenen Gastronomie gab es leider viel zu viele von ihnen. Das erklärte vielleicht auch die Tatsache, warum die junge Frau trotz ihres Talents und ihrem tollen Aussehen immer noch Single war. So fortschrittlich sie in beruflichen Dingen dachte, so traditionell war sie in Sachen Liebe aufgestellt. Sie hatte vor, sich nur einmal zu binden und hatte schon früh beschlossen, auf den richtigen Mann zu warten. Einen, der ihr guttat und nicht überheblich war, nur weil er zum stärkeren Geschlecht zählte. In ihrer Heimat hatte sie diesen Mann bisher nicht getroffen, vielleicht, hoffte sie insgeheim, würde es in München besser klappen.

***

»Maria«, begrüßte Dr. Waldner die Gastwirtin mit ausgebreiteten Armen.

»Ulrich!«, erwiderte Maria lachend und umarmte ihren Stammgast herzlich.

Die beiden hatten ein besonderes Verhältnis. Der Arzt war es gewohnt, sich als gern gesehener Gast zu fühlen. Egal, wo er hinkam, er wurde immer überschwänglich begrüßt, und jedes Restaurant freute sich, wenn er einen Tisch reservierte. Es war kein Wunder, er konnte sich benehmen, kannte sich gut mit Weinen aus und wusste guten Service zu schätzen. Außerdem ließ er sich dabei nie lumpen. Wenn es um ausgezeichnete Qualität ging, war er gerne bereit, viel Geld auszugeben.

Doch mit Maria war es etwas anderes. Er kannte die Frau seit über zwanzig Jahren und wusste, dass er hier nicht als gut zahlender Gast behandelt wurde, sondern als Teil ihrer Familie. Ulrich Waldner war, wenn er ins Rossi ging, eben genau das: Ulrich Waldner. Kein angesehener Arzt, der auf Grund seines Geldbeutels geschätzt oder auf Grund seiner Position respektiert wurde. Er war für Maria ein ganz normaler Mann und er liebte dieses Gefühl.

»Rate, was ich heute von Besson bekommen habe...«, machte sie ihn neugierig.

»Maria«, schaltete sich nun auch Dr. Frank ein, der mit Maria ebenfalls ein inniges Verhältnis pflegte, sie aber noch nicht duzte. »Sie verwöhnen uns zu sehr!«

Die beiden Männer schauten sich voller Vorfreude an. Sie wussten genau, was der Name Besson zu bedeuten hatte und zwinkerten sich zu.

»Sag mal, Maria«, begann Dr. Waldner, als die Gastgeberin sie zu ihrem Stammplatz am Fenster brachte, »wie kann es eigentlich sein, dass du französische Austern kaufst? Haben die Italiener nicht auch ein Meer?«

Maria gab ihm einen leichten Klaps auf den Oberarm mit einer der Speisekarten, die sie unter ihrem Arm trug.

»Für dich nur das Beste«, antwortete sie. »Auch wenn ich dafür bei der Konkurrenz einkaufen muss!«

Als die beiden Ärzte sich gesetzt hatten, platzierte Maria die Speisekarten vor ihnen und ging in Richtung Küche. Als sie zurückkam, stellte sie die Tafel im Gastraum so auf, dass sie von dem Fensterplatz aus gut sichtbar war. Wie jeden Abend waren die Empfehlungen des Tages mit weißer Kreide in sauberer Schreibschrift aufgelistet.

»Was ich euch heute ganz besonders ans Herz legen will, ist das hier«, sagte sie und tippte mit ihrem Finger auf die mittlere Zeile.

»Salsiccia«, las Stefan Frank vor. »Das ist doch eine Salami, oder?«»Beinahe richtig«, lobte Maria und rieb sich die Hände. »Ich habe euch doch das letzte Mal von meiner neuen Köchin erzählt. Sie ist nun endlich hier und hat uns ein paar typische Rezepte mitgebracht. Herrlich«, schwärmte sie beim Gedanken an die Pasta con Salsiccia, von der sie vor der Abendschicht noch schnell einen Teller gegessen hatte. »Es ist eine frische Fenchelwurst. Sie ist so weich, dass man sie nicht schneiden kann, sondern aus ihrer Pelle drücken muss. Mariella hat daraus ein ausgezeichnetes Sugo gezaubert!«

»Ok, ok«, hob Dr. Waldner die Hände in die Luft, »schon überredet.«

Dr. Waldner und Dr. Frank liebten die einfachen, klassischen Gerichte Italiens. Natürlich waren sie auf ihren Fortbildungen und Kongressen oft in sehr gehobenen Lokalitäten zu Gast, doch ein guter Teller Pasta sagte den beiden mehr zu als die beste internationale Sterneküche.

»Ich schließe mich natürlich an«, sagte Dr. Frank und freute sich schon auf einen Abend voller leckerem Essen und guten Gesprächen.

»Darf ich dir, Ulrich, dazu einen Wein empfehlen?«, wollte Maria wissen.

»Natürlich, alles wie immer. Ich vertraue dir«, entgegnete er lächelnd.

»Ich weiß ganz genau, was das wieder wird. Nach dem Dessert wird erst mal gefachsimpelt über den Wein – und ich verstehe nur Bahnhof«, lachte Dr. Frank, für den die Gespräche über die Komplexität eines Weines über das hinausgingen, was er über das zugegeben leckere Getränk wusste.

»Für Sie, Doktor Frank, habe ich als Ausgleich einen Barrique Grappa von Mariellas Onkel. Sie hat uns eine Flasche mitgebracht, als sie hier angefangen hat. Die habe ich natürlich gleich unter der Bar versteckt. Ist nur für ganz besondere Gäste...«, zwinkerte sie dem Allgemeinmediziner zu.

»Na, dann habe ich ja noch mal Glück gehabt«, erwiderte Dr. Frank den Spaß. Gerade, als er einen Schluck von seinem eingeschenkten Wasser nehmen wollte, sah er aus dem Augenwinkel, wie Maria langsam die Augen verdrehte.

Blitzartig reagierte er und sprang auf, um sie zu stützen.

»Ist alles in Ordnung?«, fragte er besorgt und legte ihre Hände auf die Stuhllehne, damit sie sich festhalten konnte.

»Willst du dich setzen?«, begriff auch Dr. Waldner die Situation.

»Nein. Nein, es geht schon«, sagte Maria matt.

»Ist Ihnen schwindelig?«, fragte Dr. Frank.

»Ja, ein bisschen«, wunderte sich Maria.

»Hier«, sagte Dr. Waldner und reichte Maria sein Wasserglas. »Nimm erst mal einen kräftigen Schluck!«

»Nein, nein, was sollen denn die anderen Gäste denken«, wies Maria das Angebot ab.

Dr. Frank sah seinen Freund eindringlich an.

»Also, nun hör mir aber auf! Die anderen Gäste. Hier denkt keiner irgendwas. Hauptsache, es geht dir gut!«, schalt Dr. Waldner Maria Rossi.

»Es geht schon wieder, danke«, beschwichtigte Maria den besorgten Arzt. »Wirklich, alles in Ordnung!« Sie atmete tief ein und strich sich die weiße Bluse glatt. »Ach, herrje, das ist mir schon ewig nicht mehr passiert«, wunderte sie sich. »Mir war so, als würde ich umkippen. Aber ehrlich, es ist alles in Ordnung, ich fühl mich wieder besser«, versuchte sie es mit einem leichten Lächeln.

»Na gut«, brummte Dr. Waldner, als er sich zurück auf seinen Platz setzte. »Aber nur, damit das klar ist. Du hast hier zwei hervorragende Ärzte am Tisch, also bitte, wenn es dir heute Abend noch mal so ergeht, keine falsche Scham«, befahl er.

Gerührt lächelte Maria.

»Ihr müsst euch wirklich keine Sorgen machen, ich habe wahrscheinlich einfach zu wenig getrunken heute und mit dem ganzen Stress der Vorbereitungen..., da kann das doch schon mal passieren, oder?«

Dr. Frank nickte. »Natürlich. Passen Sie einfach ein bisschen auf sich auf und behalten sie das im Auge. Wenn es nur an der Dehydration lag, dann sitzen Sie ja hier zum Glück an der Quelle«, sagte er aufmunternd.

»Ganz genau«, stimmte jetzt auch sein Freund zu. »Trink einfach eine Menge Wasser und schon dich heute Abend. Vielleicht kann ja deine neue Köchin ein bisschen im Service helfen oder«, schlug er vor, »wir können uns die Teller auch selbst holen.«

Marias Blick verdunkelte sich. »Nur über meine Leiche!«

Alle drei fielen in ein Lachen ein.

Dr. Waldner lachte am lautesten, auch, weil er erleichtert war, dass Maria schon wieder zu Scherzen aufgelegt war und der kleine Schwächeanfall nichts zu bedeuten hatte.

***

Nachdenklich starrte Dr. Frank auf das Telefon, das vor ihm auf dem Schreibtisch stand. Er musste an den gestrigen Abend im Rossi denken. Alles war wie immer hervorragend gewesen. Der Grappa hatte weich wie warmer Honig geschmeckt, und er, wenn er sich darauf konzentrierte, konnte er den intensiven Geschmack der Salsiccia Pasta noch auf seiner Zunge schmecken. Trotz des schönen Abends mit seinem Freund war er mit einem unruhigen Gefühl zu Bett gegangen.

»Was ist denn los?«, fragte Martha Gieseke, seine Praxisschwester.

Aus seinen Gedanken gerissen, schaute er die Berlinerin an.

»Sie haben nicht auf meine Rufe reagiert, da dachte ick, Nachschauen schadet nicht«, erklärte die rüstige Frau ihrem Chef.

»Ja, das ist schon ganz Recht so. Ich war mit Gedanken woanders«, erklärte er.

»Darf man fragen, wo?«, hakte sie vorsichtig nach.

»Ich war gestern im Rossi«, fing Dr. Frank an zu erzählen.

»Ja, genau. Mit Doktor Waldner. Haben wir ja im Terminbuch vermerkt«, wunderte sich Frau Gieseke, wo die Geschichte hinführen würde.

»Maria, also Frau Rossi, die Besitzerin des Restaurants, hatte einen Schwächeanfall«, brachte er den Grund seiner Sorge auf den Punkt. »Also zumindest denken wir, dass es ein Schwächeanfall war. Wirklich sicher können wir als Ärzte natürlich nur sein, wenn wir den Puls messen oder den Blutdruck. Aber das war natürlich schlecht möglich, im laufenden Gastronomiebetrieb«, sagte Dr. Frank mit Reue. »Ich hätte, als alle Gäste weg waren, meine Arzttasche aus dem Auto holen sollen. Ob sie gewollt hätte oder nicht«, ärgerte er sich über sich selbst, »dann hätte ich auch ein besseres Gefühl.«

Martha Gieseke seufzte. »Chef, ihren Selbstanspruch in allen Ehren, aber wenn die Frau sagte, mit ihr sei alles in Ordnung, dann können Sie die Dame ja schlecht zwingen, oder?«, versuchte Frau Gieseke, den Arzt zu beruhigen.

»Ja, da haben sie natürlich recht. Trotzdem ...«, dachte er laut nach. »Ich würde mich wohler fühlen, wenn wir alle Sicherheit hätten.«

»Das verstehe ick. Und es ehrt Sie auch. Aber die Frau hat ihre Nummer, oder? Wenn es schlimmer wird oder noch mal passiert, wird sie sich bestimmt melden.«

Besorgt zog Dr. Frank die Augenbrauen nach oben. Er hielt viel von der tüchtigen Frau Gieseke, aber mit dieser Vermutung war sie leider auf dem Holzweg. Er hatte es mehr als einmal erlebt, dass Patienten erst dann einen Arzt aufsuchten, wenn die Symptome einer Krankheit sich so häuften, dass sie es gar nicht mehr aushielten. Vorsorglich oder auf Verdacht zum Arzt gehen, traf leider nicht auf all seine Patienten zu. Einige hielten ihre Beschwerden so lange zurück, bis es zu spät sein konnte. Natürlich hatte er keinen Grund, anzunehmen, dass dies der Fall bei Maria Rossi war. Sie war eine fitte, geschäftige Frau, die mitten im Leben stand. Und doch wäre es ihm lieber gewesen, sich nicht auf Vermutungen, sondern Sicherheiten berufen zu können.

»Ich glaube, wir machen heute einmal eine Ausnahme«, beschloss Dr. Frank und schaute seine Praxishilfe auf einmal voller Tatendrang an. »Sie, Frau Flanitzer und Ich machen heute zusammen Mittagspause, und zwar im Rossi!«, teilte er Frau Gieseke mit.

»Oh, Sie sind gut. Ein richtiger Schelm!«, mit erhobenen Zeigefinger zeigte sie auf ihn, wohlwissend, was er im Schilde führte. »Aber uns soll's recht sein. Ein Mittagessen mit dem Chef und dann auch noch in so einem netten Lokal... Da will ick mich nicht beschweren!«, freute sie sich und schloss die Tür hinter sich.

***

»Ist denn Frau Rossi heute gar nicht da?«, wollte Stefan Frank wissen, als er und seine zwei Begleiterinnen ihre Teller leer gegessen hatten.

Anders als sonst war er am Eingang nicht von Maria Rossi empfangen worden, sondern von einer jungen Frau, die er vorher noch nie hier gesehen hatte. Der Mittagstisch im Restaurant Rossi war wie immer gut besucht. Trotz besetzter Plätze war von Maria keine Spur gewesen.

»Nein, sie fühlt sich nicht so gut heute«, antwortete die Unbekannte etwas schüchtern und mit starkem italienischen Akzent. »Aber ...«, stockte sie, »aber es ist nichts Schlimmes. Nichts Ansteckendes. Nur ein bisschen müde.«