Dr. Stefan Frank 2666 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2666 E-Book

Stefan Frank

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Der Urlaub mit seinem besten Freund soll für Richard Makardt eine willkommene Erholung sein. Auf Bali wollen sie surfen und das Leben von seiner schönsten Seite genießen. Aber schon kurz nach seiner Rückkehr bemerkt der attraktive Galerist, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Seine Augen jucken fürchterlich, sind zugeschwollen und tränen. Vielleicht eine Allergie? Doch die Tropfen aus der Apotheke verschaffen ihm keine Linderung, im Gegenteil: Die Symptome verschlimmern sich von Stunde zu Stunde!
Besorgt sucht Richard die Praxis seines Hausarztes Dr. Stefan Frank auf. Der Grünwalder Arzt erkennt sofort, dass es sich hier keineswegs um eine allergische Reaktion oder etwas Ähnliches handelt. Sein Patient leidet offenbar unter einer sehr viel dramatischeren Erkrankung - einer Erkrankung, die den dauerhaften Verlust seiner Sehkraft bedeuten könnte ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Die perfekte Welle

Vorschau

Impressum

Die perfekte Welle

Wird Richard nie mehr surfen können?

Der Urlaub mit seinem besten Freund soll für Richard Makardt eine willkommene Erholung sein. Auf Bali wollen sie surfen und das Leben von seiner schönsten Seite genießen. Aber schon kurz nach seiner Rückkehr bemerkt der attraktive Galerist, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Seine Augen jucken fürchterlich, sind zugeschwollen und tränen. Vielleicht eine Allergie? Doch die Tropfen aus der Apotheke verschaffen ihm keine Linderung, im Gegenteil: Die Symptome verschlimmern sich von Stunde zu Stunde!

Besorgt sucht Richard die Praxis seines Hausarztes Dr. Stefan Frank auf. Der Grünwalder Arzt erkennt sofort, dass es sich hier keineswegs um eine allergische Reaktion oder etwas Ähnliches handelt. Sein Patient leidet offenbar unter einer sehr viel dramatischeren Erkrankung – einer Erkrankung, die den dauerhaften Verlust seiner Sehkraft bedeuten könnte ...

»Was meinen Sie dazu, Herr Makardt?«, fragte die junge Assistentin ihren Chef.

Gedankenverloren betrachtete Richard Makardt die Wände seiner Galerie. Unverputzt gaben sie den rohen Beton frei. Seine Angestellten hatten diese Optik lange Zeit mit Argwohn betrachtet. Nur die junge Rachel, seine persönliche Assistentin, hatte sofort verstanden, welchen Look er damit erzielen wollte.

Richard Makardts Galerie lag in einem der teuersten Viertel von München. Im Gegensatz zu vielen anderen Galerien, die meist im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses lagen, nahm seine Kunstsammlung drei Stockwerke ein. Außerdem verfügte das moderne Fabrikloft über einen atemberaubenden Blick auf die Isar.

»Ich bin mir nicht sicher.« Richard Makardt wiegte hadernd den Kopf. »Ich glaube, wir lassen es erst mal so und schauen dann, wie es sich in den nächsten Tagen in den Raum integriert. Wann erwarten wir die Lieferung aus Kolumbien?«

»Morgen Nachmittag, Herr Makardt. Ich habe heute Morgen mit der Spedition telefoniert und mir den Termin bestätigen lassen«, antworte Rachel.

Die junge Amerikanerin hatte sich vor nicht ganz einem Jahr bei dem Galeristen als Teilzeitkraft beworben und war schnell zu seiner persönlichen Assistentin aufgestiegen. Richard Makardt hielt viel von seiner neuen Kraft. Mit ihrer gescheiten und unkomplizierten Art nahm sie all seine unmöglichen Forderungen stets besonnen auf und setzte alles daran, sie umzusetzen.

»Sehr gut, Rachel, danke Ihnen. Wir sind dann hier fertig.«

»Aber wir wollten doch noch die Gemäldelieferung von gestern unter die Lupe nehmen. Van Bakker, der Expressionist aus Holland. Sie erinnern sich?«

»Ja, ja, ich erinnere mich.« Richard hob abwehrend beide Hände. »Aber das muss bis morgen warten.« Er schaute auf seine teure Armbanduhr und wandte sich zum Gehen. »Wir sehen uns dann morgen, Rachel. Sie können gerne schon mal die Bilder auspacken und einen Blick darauf werfen. Ich weiß ja, wie neugierig Sie sind!«

Rachel kicherte. »In Ordnung. Wenn Sie sonst nichts mehr von mir brauchen, verabschiede ich mich jetzt ins Lager.«

»Machen Sie das, und vergessen Sie nicht die Handschuhe!«, ermahnte er sie.

Richard hatte beinahe einen Herzinfarkt bekommen, als er zum ersten Mal gesehen hatte, wie seine Bilder ohne die weichen weißen Staubhandschuhe ausgepackt worden waren.

Wie auf Befehl salutierte Rachel im Scherz und schlenderte mit ihrem typisch eleganten Wippen auf ihren hohen High Heels in den hinteren Teil der Galerie.

Bevor Richard ihr einen bewundernden Blick nachschicken konnte, klingelte sein Handy.

»Ja, Mark? ... Ja, ich bin schon auf dem Weg. Das heißt, so gut wie. Gib mir zwanzig Minuten!« Richard hielt das Gespräch kurz und ließ sein Handy anschließend zurück in seine edle Chinohose aus anthrazitfarbener Wolle verschwinden.

Zurück in seinem Büro schloss er die Tür hinter sich und zog sich die fein gestrickte Hose aus. Sorgfältig legte er sie über den Kleiderbügel und hing sie in den Schrank, der sich im Bad befand.

Dass er sich hinter der zweiten Tür seines Büros ein eigenes Bad hatte einbauen lassen, hatte zuerst für Verwunderung gesorgt. Doch er hatte an seinem Plan festgehalten und war inzwischen heilfroh, sich hier im Sommer oder zwischen zwei wichtigen Events frisch machen zu können. Seine Erscheinung war ihm nicht nur in privater Hinsicht und aus Eitelkeit wichtig. Auch beruflich war es von großer Bedeutung, dass er einen gepflegten Eindruck machte.

Er handelte mit hochwertiger Kunst, zum Großteil Malerei, hier und da auch ein paar Skulpturen. Zur Hälfte bestand sein Job aus Netzwerken. Keine Ausstellungseröffnung fand in München ohne ihn statt, er war auf Du und Du mit den bekanntesten Künstlern der Gegenwart und konnte es sich nicht leisten, aus dem Rahmen zu fallen.

Beim Blick in den Spiegel musste er lachen. Nur mit Unterwäsche und einem beigen Hemd bekleidet, machte er alles andere als eine professionelle Figur.

Schmunzelnd entschied er sich für die hellgelben Shorts mit den blauen und grünen Blättern und tauschte das Leinenhemd gegen ein einfaches, weißes T-Shirt. Zufrieden nickte er seinem veränderten Ich zu und fuhr sich ein letztes Mal durch die schwarzen Haare, die er nach hinten gekämmt trug. Ein Fall in den Eisbach und seine geordnete Frisur würde sich in eine wilde Lockenpracht verwandeln.

Richard griff nach der Sporttasche, die er am unteren Ende des Kleiderschranks aufbewahrte, und verließ seine Galerie durch den Hintereingang, der direkt zur Tiefgarage führte.

Seine Spiegelung in der Tür seines Sportwagens überraschte ihn jedes Mal aufs Neue, wenn ein Treffen mit Mark anstand. Der geschniegelte, erfolgreiche Richard Makardt verwandelte sich dann in einen ganz normalen Typen. Wenn er mit seinem besten Freund zusammen war, war er nicht der Erbe eines großen Familienvermögens und Inhaber einer der erfolgreichsten Galerien Westeuropas.

Richard genoss das Gefühl, von Mark nicht umschmeichelt zu werden, weil er so viel Geld hatte. In Marks Augen war es sogar eher andersherum: Richard war der Streber, und er, der Lebemann, hatte den Schlüssel zum wahren Erfolg entdeckt. Richard musste grinsen.

Obwohl es ihm seit der Trennung von Isabel schrecklich ging, freute er sich auf den Nachmittag mit seinem besten Freund. Eine Runde surfen auf dem Eisbach war genau das, was er jetzt brauchte.

***

»Hey, Alter, da bist du ja!«, rief Mark ihm schon aus der Entfernung zu.

Alter ... Richard schüttelte seinen Kopf, als er sich sein Surfbrett auf die rechte Schulter legte und sich zu seinem Freund in die Schlange stellte.

»Du bist unverbesserlich, oder?«, fragte er.

»Was meinst du?«, gab Mark sich ahnungslos.

»Alter ... Sind wir nicht langsam zu alt dafür?«, zog Richard ihn auf, doch Mark zuckte unbeeindruckt mit den Schultern.

»Nur weil du schon auf Opa machst, muss ich mich ja nicht anpassen«, befand er. »Jetzt mal ehrlich: Es kann doch nicht sein, dass sich dein ganzes Leben mit dem Älterwerden so verändert hat, oder? Also, ich würd' das nicht freiwillig machen ...«

Richard schaute ihn fragend an.

»Na, das ganze Brimborium mit deinen schicken Klamotten. Alles Ton in Ton, total langweilig, aber sicher mega teuer. Und dann deine gewählte Sprache, deine eleganten Bewegungen, als würde dir den ganzen Tag eine Benimmdame folgen.«

Ungewollt zuckte Richard zusammen.

»Ach, scheiße«, fuhr Mark sich selbst über den Mund. »Oh Mann, das war echt doof, tut mir leid. Ich weiß ja, dass sie dir fehlt.« Mark spielte auf den Spitznamen an, den er Richards Freundin Isabel gegeben hatte: Benimmdame. »Wie geht's dir denn?«

Richard seufzte. »Geht schon.«

»Ich kenn doch meinen besten Freund, ich weiß genau, was das heißt«, vermutete Mark richtig.

Seit Richard von Isabel verlassen worden war, hatte es keinen Tag gegeben, an dem er nicht an sie gedacht hatte. Er vermisste es, eine Freundin zu haben, zu der er jeden Abend nach Hause kommen konnte. Zugegeben, es war nicht immer einfach mit ihr gewesen.

Im Gegensatz zu Richard hatte die kühle Frau wenig Lust auf die Art Dinge gehabt, die Richard glücklich machten: Zusammen kochen, am Wochenende über den Viktualienmarkt schlendern und frische Blumen kaufen, stundenlang auf Flohmärkten nach versteckten Schätzen suchen – mit all dem konnte die frühere Balletttänzerin wenig anfangen.

»Ich weiß, das ist hart, aber ich bin froh, dass du sie los bist.« Mark klopfte Richard freundschaftlich auf die Schulter. »Mit der hattest du doch überhaupt keinen Spaß. Die war immer so zugeknöpft und auch viel zu streng für dich.«

Richards Gesicht verfinsterte sich.

»Ach ja? Und du mit deiner ausgezeichneten Frauenkenntnis bist genau der Richtige, um das zu bewerten?«, spielte er auf das Casanova-Leben seines Freundes an.

Bevor Mark irgendetwas Freches zurückgeben konnte, war er auch schon an der Reihe. Unter den Augen der anderen Surfer und einer Reihe Touristen schwang er sich wie schwerelos auf sein Brett und nahm die nie enden wollende Welle. Ein paar Leute machten Videos, andere klatschten beeindruckt in die Hände.

Mark war ein Profi, das konnte man sofort sehen. Wendig ritt er die Welle und bewegte sich auf dem Surfbrett, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Wenn Mark surfte, war Richard jedes Mal hin und weg. So unreif sein bester Freund aus Kindertagen manchmal auch sein konnte – auf dem Surfbrett hatte er alles im Griff.

Geschickt drehte er das Brett in die andere Richtung, um zurück auf die Seite des Eisbaches zu kommen, von der er gekommen war. Das Ganze dauerte nur wenige Sekunden, und doch konnte man sofort erkennen, dass Mark besser war als die meisten anderen, die an diesem schönen Sommertag mit ihren Surfbrettern an den Eisbach gekommen waren.

»Sauber!« Richard klatschte begeistert mit seinem Freund ein, der aus Rücksicht auf die anderen Surfer nie so lange auf der Welle blieb, bis ihn das Wasser hinunterriss. Es war eine ungeschriebene Regel, dass keiner die Welle zu lange für sich beanspruchte. Zu lang war die Schlange der Wartenden.

Als Richard dran war, kam er nicht mal bis zur anderen Seite. Unbarmherzig riss ihn die Welle vom Brett und drückte ihn Richtung Bachverlauf nach unten. Nach ein paar Sekunden unter Wasser tauchte Richards dunkler Lockenkopf prustend wieder auf.

»Verdammt, ist das kalt!«, schrie Richard und sah, wie Mark sich vor Lachen bog. Obwohl die Kälte des Eisbachs sich auf seiner Haut anfühlte wie kleine Nadelstiche, konnte Richard sich einen lauten Freudenschrei nicht verkneifen. Er war frei! Bewusst ließ er sich noch einige Sekunden lang im kalten Nass treiben, das nicht nur seinen Körper, sondern auch seinen Geist erfrischte.

Mit einer geschickten Bewegung stemmte er sich schließlich aus dem Wasser und lief die Wiese am Fluss entlang nach oben, wo sein bester Freund sich schon wieder in die Schlange eingereiht hatte.

Von Weitem sah Mark wirklich aus wie ein Surfgott. Braungebrannt, einen trainierten Körper, schulterlange blonde Haare und ein breites Grinsen auf den Lippen. Richard dagegen war eher schmal und hatte nicht gerade die perfekte Figur zum Surfen. Lang und dünn kam er sich oft fehl am Platz vor, doch Mark ließ keine Ausreden gelten.

»Du musst mehr üben, mein Freund!«

»Ja, ich weiß«, pflichtete Richard ihm bei und nahm sich fest vor, die nächsten Nachmittage genau wie diesen zu verbringen. »Ich hab auch total Lust darauf, wirklich. Ich glaube, es tut mir echt gut!«

»Na, klar, Alter!«, feuerte Mark ihn an. »Das ist richtig befreiend für deinen Kopf! Ich sag's dir, zwei Wochen mit mir und du bist ein neuer Mensch!«

Zustimmend nickte Richard. Seit Mark ihn vor vier Jahren zum Surfen angestiftet hatte, fühlte er sich – zumindest während der kurzen Momente, in denen er auf dem Brett stand – frei und sorgenlos. Wenn er versuchte, dabei seine Balance zu finden, wurde alles andere still. Keine Gedanken an die bevorstehende Ausstellung, keine Sorgen um sein privates Glück und vor allem kein Liebeskummer.

»Weißt du, was du brauchen könntest?«, fragte Mark ihn, bevor er sich wieder aufs Brett stellte. »Du und ich, zwei Wochen Bali. Schön am morgen 'ne Runde surfen, danach gesund essen und am Strand liegen und zum Nachmittag noch mal raus auf die Wellen!«

Richard hielt es für einen dieser Vorschläge, die man machte, ohne sie wirklich ernst zu meinen, und entschied sich, nicht zu antworten.

Doch Mark ließ nicht locker.

»Na, was meinst du? Bist du dabei?«

Richard wusste nicht, was er antworten sollte.

»Hast du Zeit?«

»Na ja ...« Richard ging in Gedanken seinen Terminkalender und die bevorstehenden Veranstaltungen durch. »Eigentlich schon«, gestand er ehrlich.

»Alles klar, sauber!« Mark sprang fröhlich aufs Brett. »Bali, wir kommen!«, schrie er und erntete begeisterten Applaus der Touristen, die über ihm an der Brücke seine Kunststücke beobachteten.

Richard schaute ihm verdattert nach. Hatte er soeben einem Surfurlaub mit Mark zugestimmt? Würde er wirklich für zwei Wochen nach Bali fliegen und dabei nichts tun, als zu surfen und die Sonne zu genießen? Ungläubig machte er sich für seinen Einsatz bereit.

Als er dran war, konzentrierte er sich besonders, um diesmal länger auf dem Brett zu bleiben. Zu seiner Überraschung schaffte er drei volle Wendungen, bevor ihn das Wasser erwischte und vom Brett fegte.

»Hier.« Mark streckte seinem besten Freund die Hand entgegen, um ihn aus dem Bach zu ziehen. »Abgemacht«, schickte er hinterher und schaute ihn triumphieren an.

Richard schaute ihn mit gerunzelter Stirn an.

»Na, wir haben eingeschlagen. Auf den Urlaub, hier«, sagte Mark und verstärkte seinen Griff, mit dem er ihn aus dem Wasser gezogen hatte.

»Ach was.« Richard machte sich los. »Wir können doch nicht einfach so spontan nach Bali fliegen!«

»Warum nicht?« Herausfordernd blickte Mark ihn an. »Nenn mir einen Grund, warum das nicht gehen sollte. Nur einen.«

Richard überlegte, aber ihm fiel keiner ein.

»Also steht es fest: Wir fliegen!« Mark tanzte ausgelassen über die Wiese.

Richard konnte nicht länger widerstehen und ließ das Lachen zu, das schon die ganze Zeit an die Oberfläche dringen wollte.

»Ja!« Er lachte befreit. »Ja, wir fliegen nach Bali, du Verrückter!«

***

»Ich wollte mich nur noch mal routinemäßig durchchecken lassen«, erklärte Richard der Sprechstundenhilfe Martha Giesecke, die ihn in der Praxis von Dr. Frank in Empfang genommen hatte.

»Wohin geht es denn?«, wollte die gebürtige Berlinerin interessiert wissen.

Richard räusperte sich.

»Nach Bali. Zum Surfen«, erklärte er und kam sich komisch dabei vor. Er wusste, dass er nicht aussah wie einer, der surfte oder sonst irgendwie besonders sportlich war.

Anerkennend nickte Martha Giesecke ihm zu.

»Ja, det ist ja mal eine Überraschung. Ein Surfer. Diese Leute hab ick mir immer ganz anders vorgestellt.«

Dr. Frank schmunzelte, als er den Kommentar seiner Praxishilfe hörte.

»Sie können den Patienten zu mir reinschicken, Schwester Martha«, sagte er, als er seine Tür ganz geöffnet hatte. »Wie stellen Sie sich Surfer denn vor, wenn ich fragen darf?«, neckte er sie dann.

»Braungebrannt, blondes Wallehaar und mit Blumenkette«, konterte Martha Giesecke und brachte Richard damit zum Lachen.

»Dann sollte ich vielleicht das nächste Mal meinen besten Freund mitbringen, der schaut wirklich genau so aus!«, bot er im Scherz an.

»Ach, wissen Sie, Sie sind mir alle noch ein bisschen zu jung. Und überhaupt, dieses Surfen, det ist nichts für mich«, lehnte Martha dankend ab.

»Das dachte ich früher auch«, gestand Richard, »aber ich muss sagen, wenn man es erst mal schafft, sich auf dem Brett zu erheben, dann ist das ein unvergleichliches Gefühl!«

»Na, dann kommen Sie mal rein, damit wir schauen können, ob Sie überhaupt fit für die Reise sind«, schlug Dr. Frank vor und löste damit die lustige Unterhaltung auf.

»Frau Giesecke ist wirklich unterhaltsam«, befand Richard.

Dr. Frank lächelte zustimmend.

»Ja, sie ist ein absolutes Original. Wir sind froh, dass wir sie haben. Solange sie hier ist, herrscht in der Praxis nie schlechte Laune.«

»Das kann ich mir vorstellen. Sagen Sie, Herr Doktor, wie sieht es denn nun aus: Bin ich reisefertig?«

»Sie haben es aber eilig.« Dr. Frank lächelte seinen Patienten freundlich an. »Jetzt setzen Sie sich erst mal hin, und ich schaue mir das hier an.«

Er griff nach dem gelben Impfausweis, den Richard, gut vorbereitet wie immer, in der Hand hielt.