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Saskia Theiss liebt es, in der Natur zu sein und Zeit mit ihrem Bruder Dennis zu verbringen. Dafür nimmt sie sogar die Anwesenheit seines verschlossenen Kumpels Marius in Kauf, der seine Freundin Nadine auf tragische Weise verloren hat. Als es der sonst immer gesunden Saskia nach einer gemeinsamen Wandertour nicht gut geht, ist Marius der Einzige, der ihre gefährlichen Symptome ernst nimmt. Er rät ihr, zum Arzt zu gehen. Saskia fühlt sich überfordert. Warum mischt sich Marius seit Neuestem ständig in ihr Leben ein? Ständig wirft er ihr merkwürdige Blicke zu und lauert ihr an den unterschiedlichsten Orten auf. Ist das nur übertriebene Sorge oder steckt mehr dahinter? Denn bis heute weiß niemand genau, ob es wirklich ein Unfall war, der Nadine damals aus des Leben riss. Saskia nimmt ihre Symptome in all dem emotionalen Stress nicht ernst - bis es beinahe zu spät ist ...
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Fruchtige Versuchung
Vorschau
Impressum
Fruchtige Versuchung
Wie ein Ausflug in die Natur lebensgefährliche Folgen hat
Saskia Theiss liebt es, in der Natur zu sein und Zeit mit ihrem Bruder Dennis zu verbringen. Dafür nimmt sie sogar die Anwesenheit seines verschlossenen Kumpels Marius in Kauf, der seine Freundin Nadine auf tragische Weise verloren hat. Als es der sonst immer gesunden Saskia nach einer gemeinsamen Wandertour nicht gut geht, ist Marius der Einzige, der ihre gefährlichen Symptome ernst nimmt. Er rät ihr, zum Arzt zu gehen. Saskia fühlt sich überfordert. Warum mischt sich Marius seit Neuestem in ihr Leben ein? Ständig wirft er ihr merkwürdige Blicke zu und lauert ihr an den unterschiedlichsten Orten auf. Ist das nur übertriebene Sorge oder steckt mehr dahinter? Denn bis heute weiß niemand genau, ob es wirklich ein Unfall war, der Nadine damals aus dem Leben riss. Saskia nimmt ihre Symptome in all dem emotionalen Stress nicht ernst – bis es beinahe zu spät ist ...
»Ist das nicht ein herrlicher Ausblick?«
Saskia Theiss reckte sich in die Höhe, streckte ihre Arme gen Himmel und jauchzte vor Freude.
Sie zog den Gummi aus ihren Haaren, sodass die langen dunkelblonden Strähnen im Wind wehten.
»Du hast uns wirklich nicht zu viel versprochen«, stimmte ihr Marius Dassner, der Nachbar und Studienkollege ihres großen Bruders Dennis, zu.
Der Dunkelhaarige keuchte im Gegensatz zu den Geschwistern leise, da er das viele Wandern in den Bergen nicht gewöhnt war. Marius nahm sich die dünne Brille von der Nase, um sie zu säubern. Danach hatte er wieder den besten Durchblick. Ihre Aussicht auf den riesigen türkisfarbenen Königssee im Tal würde sich schließlich niemand oberhalb der Baumgrenze entgehen lassen wollen. Von hier aus konnte man bis nach Ramsau blicken. Dennis zeigte und erläuterte seinem Freund, der sie heute zum ersten Mal auf den Berchtesgadener Wanderwegen begleitete, das Panorama ringsherum. Marius wirkte sichtlich beeindruckt. Glücklich erkannte auch er die auffällige Kirche St. Bartholomä mit ihrem roten Dach direkt am Ufer des Sees.
Sie steuerten in gemächlichem Tempo auf eine Alm zu, die inmitten einer weiträumigen Wiese stand und von der herrlichen Augustsonne angestrahlt wurde. Die Hitze umfing sie wie ein wärmender Mantel, nachdem die drei mehrere Stunden zwischen den Schatten der Bäume aufwärts gestiegen waren. Ab und zu begegneten ihnen andere Wanderer. Man grüßte sich und schritt weiter seiner Pfade. Endlich trocknete ihre Kleidung wieder, die unter der Last der schweren Rucksäcke zuvor vom eigenen Schweiß durchnässt worden war.
Saskia liebte die Zeit in der Natur. Insbesondere die Berge hatten es ihr angetan, weil sie sich auf den Gipfeln dieser Welt frei und schwerelos fühlte. Wie ein winziges Körnchen Staub im Universum, pflegte die junge Frau zu sagen. Hier oben erschienen all ihre Probleme unwichtig.
»Wir sollten vor der nächsten Etappe bis zum Wasserfall noch einmal eine Pause hier an der Hütte einlegen«, raunte ihr vier Jahre älterer Bruder Dennis Saskia zu. »Marius zwingt sich bloß noch. Ich sehe ihm an, dass er zu kämpfen hat. Du vergisst, dass er meistens hinter einem Computerbildschirm oder in der Uni hockt.«
»Geht dein Freund denn nie an die frische Luft? Seine blasse Haut spricht zumindest dafür«, flüsterte Saskia und hob eine ihrer schlanken Augenbrauen skeptisch. »Hat er sonst kein Faible für die Natur?«
Solchen Leuten misstraute Saskia für gewöhnlich, doch dieses Mal lag der Fall anders. Dennis atmete tief durch. Er wurde absichtlich langsamer, um seinem Freund einen Vorsprung zu lassen. Marius sollte sie nicht hören können.
»Ich habe dir doch erzählt, dass er sich seit Nadines Tod zurückgezogen hat. Marius hat sich von einem Partylöwen zu einem in sich gekehrten Mann entwickelt.«
»Sie ist bei einem tragischen Unfall gestorben, nicht wahr?«
Saskia fühlte Mitleid für den schweigsamen Mann aufwallen, der sie begleitete. Marius musste mit knapp dreißig Jahren bereits so immens viel Leid erfahren, welches sie nur schwer nachempfinden konnte. In Saskias Leben war bislang immer alles glattgegangen. Sie wüsste nicht, was sie täte, wenn ihrem geliebten Bruder eines Tages etwas zustieße. Dennis nickte bestätigend. Seine Miene zeugte von Trübsinn.
»Ja, es war alles sehr dramatisch. Ich glaube sogar, er gibt sich selbst die Schuld daran. Das hat er bereits mehrmals angedeutet. Marius' Gedanken driften in solchen Momenten ab. Dann lässt er selbst mich nicht mehr an sich heran. Niemand dringt seither zu ihm durch.«
»Das klingt, als bräuchte er ein paar Freunde, die ihn wieder aufbauen und ablenken. Du tust genau das Richtige, Dennis.«
»Ich möchte Marius so gerne helfen, ihm einfach etwas Schönes zeigen. Und was wäre wundervoller als unsere heißgeliebten Berge im Wonnemonat August? Durch die Wanderungen kann er zumindest einen klaren Kopf bekommen und sich etwas auspowern. Das braucht er jetzt unbedingt.«
Saskia hielt inne. Sie blickte lange in die braungrünen Augen des Dreißigjährigen. Es wirkte, als sehe die schlanke, sportliche Frau in einen Spiegel, sobald sie Dennis betrachtete. Sein wuscheliges Haar hatte dieselbe Farbe wie das ihre, und Saskias Bruder trug das gleiche ehrliche Lächeln auf den geschwungenen Lippen. Seine wurden zurzeit von einem Dreitagebart umrahmt, der seinen Naturburschenlook komplettierte. Die gebräunte, gesunde Haut der beiden zeugte von ausgiebigen Waldspaziergängen, Klettertouren und Picknicken unter freiem Himmel. In ihrer Kindheit hatte man sie trotz ihres Altersunterschieds häufig für Zwillinge gehalten.
Dennis war immer schon Saskias Beschützer gewesen. Auf ihn war seit ihrer Geburt Verlass. Wenn sie auch nur einmal schief angeschaut wurde, warf sich Dennis dazwischen und verteidigte seine kleine Schwester bis aufs Blut, woran sich bis heute und trotz Saskias sechsundzwanzig Lebensjahre nichts geändert hatte.
Gemeinsam erlebten sie alle Abenteuer des Lebens: Spiel und Spaß, Trauer und Hoffnung, Liebeskummer und Verliebtsein. Vor Dennis brauchte sich Saskia niemals zu schämen. Sie war für ihn wie ein offenes Buch. Saskia machte einen weiten Bogen um Menschen, die ihren liebevollen, lustigen Bruder nicht mochten. Zu ihm pflegte sie das engste Verhältnis in ihrer Familie, erst recht, seitdem ihre Eltern einen Zweitwohnsitz in den USA bewohnten, und sie sie kaum noch zu Gesicht bekam außer auf einem leuchtenden Monitor daheim. Damals hatten sie zu viert zahlreiche Ausflüge in die Natur unternommen, die Dennis und sie nun fortführten. Sie konnte sich kein schöneres Leben vorstellen.
Saskia freute sich, einem seltsamen Kauz wie Marius ein Stück ihrer Naturversessenheit nahezubringen. Vielleicht leckte er ja selbst bald Blut und begleitete sie daraufhin häufiger auf ihren Rucksacktouren. Die wilde Natur öffnete bisweilen jedes Herz, wusste sie. Bislang wurde sie allerdings nicht recht schlau aus ihm. Jedes Mal, wenn Saskia statt Dennis zum Gespräch ansetzte, gab er knappe Antworten zum Besten, die kaum weiteren Smalltalk zuließen. Oder er verursachte eine unangenehme Grundstimmung, indem er Andeutungen bezüglich seiner toten Freundin machte. Doch Saskia war guter Hoffnung. Sie würde aus diesem in sich gekehrten Nerd noch einen offenherzigen jungen Mann mit Freude am Leben machen, schwor sie sich. Außerdem fand sie ihn viel zu attraktiv, um sich vor der Frauenwelt zu verstecken und im Selbstmitleid zu baden.
»Wer sich zuerst einen Platz sucht, dem gebe ich heute den Kaiserschmarrn aus!«, rief Saskia fröhlich.
Ein kleiner Wettstreit zwischen den Männern würde für Spaß und Spannung sorgen. Dennis ließ sich diese Aussicht auf eine süße Köstlichkeit nicht zweimal anpreisen. Er sprintete in hohem Tempo die letzten Meter bis zur Alm hinauf. Marius zögerte zunächst. Er schien das Ganze für einen Witz zu halten. Als Dennis jedoch Anstalten machte, an ihm vorbeizueilen, riss er sich vom Anblick der schönen Saskia los, um ihm hinterher zu hetzen. Man sah Marius' schwerem Gang an, dass er keine Chance gegen den muskulösen Dennis hatte. Nicht nach einem Vormittag voller anstrengender, kräftezehrender Höhenmeter. Nichtsdestotrotz musste die später hinzustoßende Saskia anerkennen, dass sie Marius in Teilen unterschätzt hatte. Sie hatte geglaubt, er würde noch auf dem Parkplatz am See mit Blick auf die Höhe der Bergspitzen aufgeben und die Tour abbrechen. Außerdem mochte sie seinen Mut, sich ihnen überhaupt anzuschließen. Dennis hatte es zwar einiges an Überzeugungskraft gekostet, aber inzwischen überwog der Spaß an der Sache. Das sah Saskia in Marius' traurigen, dunkelbraunen Augen, die während ihres Ausflugs freudig aufleuchteten, sobald er sie ansah. Dann verschwand für einen kurzen Augenblick der trübsinnige Ausdruck in den schönen warmen Iriden.
Mit stolzgeschwellter Brust erwartete Dennis seine Schwester vor dem urigen Holzhaus. Er hatte sich auf einer halbschattigen Bank niedergelassen, seine Beine ausgestreckt und die Finger hinter dem Kopf verschränkt. Ein breites Siegerlächeln zierte seine amüsierte Miene. Marius setzte sich erschöpft neben ihn und ließ die Schultern hängen.
»Du hast doch geschummelt«, krächzte er außer Atem. »Meine Kehle ist komplett ausgetrocknet. Auf deinen Sieg gibst du mir mindestens ein Radler aus.«
»Was denn nun? Habe ich geschummelt oder ehrlich gewonnen?«, lachte Dennis und schlug dem schlanken Mann brüderlich, jedoch etwas zu grob auf den Rücken.
Beinahe rutschte Marius wieder von der Bank. Saskia traf erst eine Weile nach ihnen ein. Sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, sich zu beeilen. Sollten die zwei doch ihre kleinen Ränkespiele abhalten, den ersten Kaiserschmarrn würde sie sich sowieso selbst gönnen und die zwei in Neid erblassen lassen. Saskia lächelte allein beim Gedanken daran. Sie liebte es, ihren Bruder zu necken, und wollte sehen, wie weit sie es mit Marius' Laune treiben konnte. Der Student musste unbedingt aus seiner Deckung geholt werden.
Saskia genoss gerade die hitzigen Strahlen der Sonne auf ihrem feuchten Rücken. Ihre Arme wurden von einer zarten Gänsehaut überzogen. Gierig sog sie den Duft der Weiden und Kühe, der Wälder und Berge ein. Die wohlgenährten Tiere grasten friedlich in der Umgebung und kümmerten sich nicht weiter um die Bergsteiger, die den schmalen Pfad entlangschritten, welcher ihre Weide durchschnitt.
Die Zufriedenheit stand Saskia ins Gesicht geschrieben. Ihre Bestellungen wurden daraufhin von einer gut gelaunten Dame im Dirndl aufgenommen. Sie trug ihr blondes Haar kunstvoll geflochten in einer Hochsteckfrisur, die ihr rundes Gesicht betonte. Ihre Wangen leuchteten rosig, als Dennis ein angeregtes Gespräch mit ihr begann. Saskia nutzte den Moment, um sich Marius zuzuwenden. Zu ihrem Glück war er niemand, der bei jeder Gelegenheit das Handy zückte, um ein paar Fotos zu schießen oder in den Social-Media-Kanälen zu hängen, während es um ihn herum so viele Wunder zu entdecken galt.
»Wie gefällt dir unser kleiner Ausflug bisher?«
»Ich bin zufrieden«, erwiderte Marius prompt.
Er fügte noch ein höfliches ›Danke‹ hinten an, wich ihrem forschenden Blick daraufhin aber aus und beobachtete stattdessen die Kühe. Seine Hände ruhten an seinem fast geleerten Bierglas. Ab und zu erschollen die Glocken, die den Tieren um den Hals hingen.
Saskias Lächeln verharrte auf ihren Lippen. Noch gab sie sich nicht geschlagen.
»Bis zum Röthbachwasserfall ist es nicht mehr weit. Du wirst diesen abgelegenen Ort lieben!«, schwärmte sie. Saskia bemerkte, dass sie nun erneut seine volle Aufmerksamkeit besaß. Marius schien sich an ihrer Schwärmerei gar nicht mehr sattsehen zu können. Seine dunklen Augen ruhten nun vollkommen auf Saskia. Unbewusst griff sie sogar nach seiner Hand auf dem Tisch.
»Dort werden Dennis und ich ab dem nächsten Wochenende noch einmal sein und zelten. Komm doch mit uns. Es ist traumhaft schön dort oben. Fast wie im Märchen. Man wird unter freiem Sternenhimmel vom Rauschen des Wasserfalls in den Schlaf gewiegt.«
Marius entzog ihr seine Hand sanft, aber bestimmt. Enttäuscht suchte Saskia seinen Blick. Sie erkannte Unsicherheit hinter einem Vorhang aus Höflichkeit. War sie zu weit gegangen? Doch Dennis' Freunde waren auch ihre Freunde. So lautete Saskias Regel. Also wollte sie sich unbedingt näher mit Marius bekannt machen. Nur er selbst schien sich das nicht zu wünschen, wie sie nun glaubte.
»Ich weiß nicht, ob das das Richtige für mich ist. Ihr seid so nett zu mir. Auch du, Saskia. Aber ich bin wohl noch nicht bereit für mehrere Nächte fernab meiner Wohnung.«
»Du brauchst den Schutz des Bekannten. Ich verstehe das, auch wenn du das nicht glaubst.«
Zum ersten Mal vertiefte sich ihr Gespräch tatsächlich. Saskia war sogar froh, dass Dennis seinen befreundeten Nachbarn nicht weiter ablenkte, sondern sich um ihre Bestellung kümmerte. Mit halbem Gehör vernahm sie, wie er die gesamte Rechnung auf Saskias Brieftasche abschob.
Na warte, dachte sie vergnügt. Das bekommst du heimgezahlt, Bruderherz.
Marius lächelte verhalten, aber er klang nicht beleidigt, als er sagte: »Du hast recht, das glaube ich nicht. Ihr zwei seid immer auf dem Sprung gewesen. Dennis hat es mir erzählt. Ein Abenteuer jagt das nächste, eine Weltreise habt ihr bereits hinter euch. Ich bin inzwischen anders geartet. Alles in meiner Umgebung bereitet mir Angst, seit ... seit ...«
»Also bist du erst seit dem Unglück so vorsichtig geworden? Was hast du davor gemacht, ob mit oder ohne Nadine? Wenn dir das Thema wehtut, können wir uns über ein anderes unterhalten.«
»Nicht doch. Ich jage mir bloß ständig selbst Angst ein, wenn es darum geht. Sie fehlt mir sehr. Nadine und ich waren früher oft zelten. Seltsam, dass ich ausgerechnet dir davon erzähle«, erwiderte Marius traurig lächelnd.
Saskia runzelte die Stirn.
»Was meinst du damit, dass du ausgerechnet mir davon erzählst?«
»Schon gut«, winkte er ab, aber Saskia sah, dass er seine Lässigkeit vorspielte, um den wahren Grund zu verschleiern.
Die Frau beließ es dabei, um Marius nicht weiter unter Druck zu setzen. Für heute hatte er genug von seinem Wesen preisgegeben. Jegliche Härte würde ihn nur wieder von ihr wegbringen. Saskia freute sich, dass Marius wenigstens mehr als zwei Sätze an sie gerichtet hatte, ohne dass ihr Bruder wie eine seelische Stütze daneben saß. Ein erster kleiner Fortschritt war also geschafft.
»So!«, rief Dennis feierlich, als er mitsamt drei großen Portionen Kaiserschmarrn wieder zu ihnen trat. »Jetzt erwarte ich aber Trinkgeld. Und einen Kuss obendrauf.«
»Den verdiene dann wohl ich, weil ich, wie ich hörte, das Essen auch noch bezahlen soll.« Dennis begann, unschuldig zu pfeifen. »Seid mir heute ja nicht zu übermütig, Jungs. So dick ist mein Portemonnaie nun auch wieder nicht.«
»Ich lasse Marius den Vortritt.«
»Bei was?«, wandte sich der Angesprochene verwundert um.
»Du hast es doch gehört. Wenn du deinen Kaiserschmarrn verdienen möchtest, musst du Saskia jetzt ein Küsschen geben. Ein Busserl, wie man hier sagt.«
Zögernd blickte Marius von einem zum anderen. Er machte Anstalten, sich zu erheben, setzte sich dann aber doch wieder. Seine Augen zeigten zwar, wie gerne er Saskia einen zarten Kuss auf die Wange gehaucht hätte, aber diese Aussicht ging derzeit noch zu weit und raubte ihm den letzten Nerv, erkannte sie sofort.
»Nein, lasst nur. Ihr seht hungrig genug aus. Außerdem habe ich vorhin heimlich deutlich mehr Proviant in Dennis' Gepäck geschmuggelt.«
»Du hast was? Eine Frechheit, junge Dame!«, rief ihr Bruder aus und lachte schallend. »Das ist meine Schwester, gerissen und schön wie ich selbst!«
»So ein übertriebenes Selbstbewusstsein hätte ich gerne. Sind Sie wirklich mein Bruder?«
