Dr. Stefan Frank 2670 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2670 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Die Münchner Modedesignerin Mara fühlt sich in der Blüte ihres Lebens. Tagsüber entwirft sie in ihrem Atelier atemberaubende Kleidung, abends trifft sie sich mit der High Society Münchens zum Aperol Spritz in den angesagtesten Restaurants. Kurz vor der Fashion Week bemerkt Mara, dass sie körperlich abbaut. Die abendlichen Partys werden zur Anstrengung, sie fühlt sich grundverspannt und schläft immer schlechter. Ihre Freundinnen schleppen sie mit zu einer angesagten Yogalehrerin, andere raten ihr, sich doch einfach mal mehr zu entspannen. Anfangs will Mara daran glauben, dass sie einfach nur unter dem arbeitsbedingten Stress leidet.
Als die Schmerzen im Nacken und Schulterbereich nicht weggehen, sucht Mara Dr. Frank in seiner Praxis auf. Ihm fällt auf, dass ihre Schmerzen verstärkt auf einer Körperseite auftreten. Ihn beschleicht die Vermutung, dass Mara vielleicht an einer idiomatischen Form von Parkinson leidet. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit seinem Freund Dr. Waldner bespricht er die früh-adulte Form des Parkinson-Syndroms und überweist seine Patientin im Anschluss in die Waldner-Klinik. Und tatsächlich sind die Untersuchungsergebnisse eindeutig: Die Modedesignerin leidet an einer früh-adulten Form von Parkinson ...


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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Ist da kein Ausweg aus der Scham?

Vorschau

Impressum

Ist da kein Ausweg aus der Scham?

Modedesignerin Mara will ihre Krankheit so lange wie möglich verheimlichen

Die Münchner Modedesignerin Mara fühlt sich in der Blüte ihres Lebens. Tagsüber entwirft sie in ihrem Atelier atemberaubende Kleidung, abends trifft sie sich mit der High Society Münchens zum Aperol Spritz in den angesagtesten Restaurants. Kurz vor der Fashion Week bemerkt Mara, dass sie körperlich abbaut. Die abendlichen Partys werden zur Anstrengung, sie fühlt sich grundverspannt und schläft immer schlechter. Ihre Freundinnen schleppen sie mit zu einer angesagten Yogalehrerin, andere raten ihr, sich doch einfach mal mehr zu entspannen. Anfangs will Mara daran glauben, dass sie einfach nur unter dem arbeitsbedingten Stress leidet.

Als die Schmerzen im Nacken und Schulterbereich nicht weggehen, sucht Mara Dr. Frank in seiner Praxis auf. Ihm fällt auf, dass ihre Schmerzen verstärkt auf einer Körperseite auftreten. Ihn beschleicht die Vermutung, dass Mara vielleicht an einer idiomatischen Form von Parkinson leidet. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit seinem Freund Dr. Waldner bespricht er die früh-adulte Form des Parkinson-Syndroms und überweist seine Patientin im Anschluss in die Waldner-Klinik. Und tatsächlich sind die Untersuchungsergebnisse eindeutig: Die Modedesignerin leidet an einer früh-adulten Form von Parkinson ...

Zufrieden schaute Mara in den Spiegel. Ihre Haut hatte einen gesunden Schimmer, und die grünen Augen funkelten unter den perfekt geschwungenen Wimpern. Obwohl sie äußerst kritisch war, was Äußerlichkeiten anging, musste selbst sie zugeben, dass sie für ihre vierundvierzig Jahre sehr frisch aussah. Ganz so, wie es sich für eine bekannte Modedesignerin gehörte!

Ihre schwarzen, langen Haare hatte sie, wie jeden Morgen, geglättet und in einen tief sitzenden Pferdeschwanz im Nacken gebunden. Mit einem kleinen Kamm, der fast aussah wie eine Zahnbürste, strich sie ihren Scheitel glatt und sorgte mit einer zusätzlichen Portion Haarspray dafür, dass sich keine feinen Härchen aus der Frisur lösen konnten.

Geschäftig griff sie beim Verlassen ihrer schicken Wohnung im teuren Münchner Vorort Grünwald ihre edle Ledertasche und kramte darin nach ihrem Schlüsselbund. Gerade als sie bei ihrem Sportwagen angekommen war, kam der glitzernde Bund zum Vorschein. Sie freute sich jedes Mal, ihn in der Hand zu halten. Ihre Freundinnen hatten zu Maras vierzigstem Geburtstag nicht irgendeinen durchschnittlichen Schlüsselanhänger besorgt, sondern einen sündhaft teuren Anhänger in Herzform beim Juwelier anfertigen lassen. Die dunkelgrünen Edelsteine passten perfekt zu Maras Augen. Ihre Freundinnen hatten, genau wie sie, einen guten Geschmack und eine Vorliebe für Luxusaccessoires.

Als Mara auf dem Gelände ihres Ateliers angekommen war, stieg sie dynamisch aus ihrem Wagen, den sie direkt vor dem Fabrik-Loft geparkt hatte.

»Guten Morgen, Markus«, begrüßte sie den Mann, der als Pförtner und Sicherheitsbeauftragter im Empfangsraum saß.

»Guten Morgen, Frau Markoff.« Der junge, gut aussehende Mann mit dem trainierten Oberkörper trat hinter der Rezeption hervor und reichte ihr die Post.

Mara mochte den Anblick von Markus, den sie vor allem wegen seines schnittigen Aussehens eingestellt hatte. Wirkliche Sicherheitsbedenken hatte sie nicht, aber sie mochte den Eindruck, den einer wie Markus ihren Besuchern vermittelte. Mara Markoff legte Wert auf ein gepflegtes Äußeres und ging ihren Mitarbeiten oft damit auf die Nerven, wenn sie ihnen gut gemeinte Stil-Ratschläge gab.

»Oh und Markus«, fiel Mara noch ein, »ich habe mir erlaubt, Sie dieses Jahr auch zu unserer Fashion Show einzuladen. Vielleicht haben Sie ja Lust, mit uns im Team nach Berlin zu reisen. Ich glaube, das wird Ihnen gefallen.«

Markus' Augen leuchteten. »Das ist aber nett, sehr nett«, ereiferte er sich.

Mara dachte sich, dass es seine erste Einladung zu einem Mode-Event sein musste und klopfte sich in Gedanken stolz auf die Schulter. Viele Menschen interessierten sich für Mode und die neusten Styles, doch nur wenigen war ein Blick hinter die Kulissen gegönnt. Mara freute sich jedes Mal, wenn sie in ihrer Position andere an ihrer Welt teilhaben lassen konnte. Für sie war Mode das Allerwichtigste im Leben. Nicht nur, weil es ihr Job war, sie liebte jede Sekunde ihres Lebens. Als Modedesignerin reiste sie um die Welt, um neue Inspiration zu finden, besuchte die exklusivsten Veranstaltungen mit den interessantesten Menschen, die andere nur aus dem Fernsehen kannten und hatte eigentlich nie einen langweiligen Tag.

Beschwingt zwinkerte sie Markus zu, bevor sie im gläsernen Aufzug verschwand. Kurz vor dem Aussteigen betrachtete sie ihr Spiegelbild in den Aufzugscheiben und atmete tief ein. Jetzt war Show-Time!

***

»Wir haben bisher vierundzwanzig bestätigte VIP-Gäste, sechzehn Einladungen sind noch unbeantwortet, zwölf Einkäufer und sechzehn bestätigte Journalisten«, zählte Claudia, ihre Assistentin auf, als beide Frauen zusammen in Richtung Büro gingen.

»Was ist mit den sechzehn offenen Einladungen?«, wollte Mara wissen. »Haben Sie überprüft, ob die Herrschaften zu der Zeit überhaupt in Deutschland sind?«

Einen anderen Grund, nicht zu ihrer großen Fashion Show in Berlin zu erscheinen, konnte sich hier niemand vorstellen. Die neue Kollektion von Mara Markoff wurde nicht nur in Fachkreisen, sondern auch von der Klatschpresse gespannt erwartet.

»Ich dachte, ich erstelle eine Notfallliste, falls sich die sechzehn Promis nicht rechtzeitig melden«, fuhr Claudia fort, »gerade hier in München gibt es genug glamouröse, vermögende Damen, die ihren linken Arm hergeben würden für so eine Einladung.«

»Aber, aber«, lachte Mara, »jetzt mal nicht so dramatisch. Es ist doch nur Mode.«

Sie wusste, dass sie kokettierte und wurde, wie erwartet, sofort empört von Claudia angeschaut.

»Nur Mode? Sie untertreiben wie immer maßlos. Maßlos!«

Schmunzelnd betrat Mara ihr Büro und ließ sich auf den Stuhl fallen, den sie beim Tischler um die Ecke mit beigem Lammleder hatte überziehen lassen und der perfekt zu dem Glastisch passte, den Mara auf der Mailänder Möbelmesse gekauft hatte.

Claudia reichte ihr die Liste und wartete auf die Rückmeldung ihrer Chefin.

»Lammert, von Hausen, ... schreiben Sie doch bitte noch Frau Schubert, ja?«

»Wer ist das?«, runzelte Claudia die Stirn.

»Ja, das wüssten Sie gern«, erwiderte Mara grinsend, die wusste, dass Claudia es als ihre Superkraft ansah, alles und jeden, der einen Namen hatte, in München persönlich zu kennen. »Frau Schubert ist die Frau, also das heißt Lebenspartnerin, meines Hausarztes. Sie wohnen beide gleich bei mir um die Ecke. Sie hat ein paar meiner Kleider gekauft, und ich kann Ihnen versprechen, die Sachen sehen bei ihr hundertmal besser aus als an den meisten meiner Kundinnen«, erzählte Mara begeistert.

»Natürlich, kein Problem. Ich recherchiere gleich ihre Anschrift. Wie heißt denn ihr Hausarzt mit Nachnamen?«, wollte Claudia wissen.

»Frank. Schauen Sie einfach unter Doktor Stefan Frank nach, er lebt mit Alexandra, also Frau Schubert, in einer alten Villa in Grünwald.«

Gehorsam nickte Claudia und entfernte sich, um ihrer Chefin einen laktosefreien Cappuccino zu besorgen.

Mara Markoff war ein Label, das sehr gut ankam. Nicht nur bei den reiferen Damen, die Mara für ihre Entwürfe von farbenfrohen Wickelkleidern und geschmackvollen Hosenanzügen liebten, auch bei der jüngeren Zielgruppe konnte das Label auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Mara war gewillt, dieses Niveau zu halten und hatte deswegen für die Zeit vor der Fashion Week einige Treffen mit bekannten Bloggerinnen geplant. Die jungen Damen durften schon vor der Öffentlichkeit ihre Entwürfe sehen und berichteten im Gegenzug in den höchsten Tönen von der Designerin.

»Ah, sehr gut, erst um vierzehn Uhr«, stellte Mara beim Blick in ihren Kalender fest und freute sich auf einen Morgen, den sie ganz für sich hatte. »Ramona, würden Sie mir bitte die Entwürfe und meine Zeichensachen bringen?«, bat sie ihre Sekretärin durch die Freisprechanlage ihres Telefons.

Zwei Minuten später lagen die von ihr geforderten Unterlagen auf dem Tisch. Normalerweise zeichnete Mara nur, wenn sie sich dafür bewusst Zeit einplante, aber irgendwie war sie gerade in einer leichten, beschwingten Stimmung, die sie nutzen wollte.

»Ramona, bitte stellen Sie erst mal keine Anrufe mehr durch«, bat sie.

»Kein Problem«, meldete sich Ramona, »und viel Spaß!«

Ramona war seit Anbeginn ihres Labels bei Mara und die erste Angestellte gewesen, die Mara sich hatte leisten können. Zusammen hatten die Frauen viel erlebt, und so fand Mara es nur gerecht, dass Ramona für eine Sekretärin ein überdurchschnittlich gutes Gehalt und von Mara regelmäßig die schönsten Kleider der letzten Saison bekam.

In Gedanken an die Anfänge ihres inzwischen so erfolgreichen Labels fing Mara an zu zeichnen. Sie musste an ihren ersten Urlaub an der Côte d'Azur denken, in der sie ihre erste Kollektion entworfen hatte. Sie hatte gerade ihr Studium hingeschmissen und ihre Eltern mit der Mitteilung geschockt, Modedesignerin werden zu wollen. Hals über Kopf war sie an die französische Küste gefahren, um den Kopf freizukriegen. Die satten Blautöne der Wellen und des Himmels, das helle Beige der Sandstrände und Steinküsten, die quietschgelbe Luftmatratze und ihr knallroter Badeanzug. In Erinnerung schwelgend find sie an, eine gehäkelte kurze Hose zu zeichnen, die mit einer Knopfreihe an der Seite bis zum hohen Bund aussah, als hätte sie Marilyn Monroe gehört. Das Bustier versah Mara mit kleinen, roten Schiffchen, darüber kombinierte sie einen hellblauen, ärmellosen Mantel, der sich für einen Standbesuch perfekt eignete. Zufrieden schaute sie auf die Figurine und malte ihr einen bunten Cocktail in die Hand.

»Claudia«, rief sie ihre Assistentin an, »ich weiß, Sie sind gerade mitten in den Vorbereitungen der Fashion Show, aber könnten Sie vielleicht nochmal umplanen. Ich hab da so eine Idee ...«

***

»Liebling, darf ich deine Post aufmachen?«, rief Dr. Frank seiner Freundin zu, die gerade aus der Dusche gekommen war und sich die Haare föhnen wollte.

»Na, klar«, rief sie zurück.

Seit die beiden zusammen lebten, teilten sie alles miteinander. Obwohl Dr. Frank von Anfang an ein gutes Gefühl mit der hübschen Augenärztin gehabt hatte, war er immer wieder überrascht, wie viel näher sie sich durch das Zusammenleben gekommen waren.

Er war neugierig, was sich in dem azurblauen Umschlag versteckte. Alexandras Anschrift war in goldenen Art Deco Lettern in das blaue Papier geprägt. Vielleicht eine Hochzeitseinladung?

»Was gibt es denn?«, wollte Alexandra wissen, als sie mit einem Handtuch-Turban auf dem Kopf aus dem Badezimmer lugte.

»Ich weiß nicht, ich vermute eine Einladung zu einer Hochzeit«, meinte Dr. Frank. »Sieht ganz edel aus, schau mal!«

Alexandras Gesicht strahlte.

»Oh, so lang kann ich mich nicht gedulden«, beschloss sie und verschob das Föhnen auf später. »Ich glaube, ich weiß, was es ist«, bekannte sie verheißungsvoll. »Ich habe schon ein paar Anzeigen in genau dem gleichen Stil gesehen!«

Stefan Frank verstand nur Bahnhof und schaute seiner Freundin gespannt dabei zu, wie sie den Umschlag vorsichtig mit dem Brieföffner auftrennte. Freudestrahlend hob sie die Karte nach oben, die sie aus dem Umschlag gezogen hatte.

»Schatz, wir fahren nach Berlin!«, jubelte sie und tanzte durch die Wohnung.

Verwirrt nahm Dr. Frank die Karte entgegen, um die Euphorie seiner Freundin zu verstehen.

»Herzlich eingeladen ..., zur Fashion Show ..., in Berlin, ... Strandbad ...«, überflog Dr. Frank die Zeilen. »Das ist aber originell«, sagte er.

Die Karte hatte die Form und die Prägung eines gelben Frottee-Strandtuchs, das beiliegende Programmheft sah aus wie ein Cocktail-Menü.

»Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich überhaupt eine bekomme«, freute sich Alexandra und strahlte ihren Freund an. »Bitte, bitte, du musst mitkommen!«

Dr. Frank lachte. »Natürlich komme ich mit. Obwohl ich immer noch nicht so ganz verstehe, worum es eigentlich geht ...«

»Mara, Mara Markoff, meine Nachbarin. Du erinnerst dich? Das rote Kleid ...«, erklärte sie und zwinkerte ihm verschmitzt zu.

»Ah«, machte Dr. Frank, als ihm ein Licht aufging. »An das Kleid erinnere ich mich in der Tat!« Das sexy, aber geschmackvoll geschnittene Kleid gehörte zu Dr. Franks Lieblingsstücken aus Alexandras Garderobe.

»Ich habe nur ein paar Stücke von Mara Markoff, aber ich bin keine Stammkundin oder so ...«, dachte Alexandra laut nach.

Sie war keine von den Frauen, die übermäßig viel Geld für Luxusartikel ausgaben. Die meisten Kleider von Mara Markoff hatte sie nach der Saison gekauft, wenn sie nicht mehr ganz so teuer waren.

»Wahrscheinlich hat sie dich eingeladen, weil sie dich mag«, fand Dr. Frank eine andere Erklärung für die Einladung. »Du hast doch erzählt, dass ihr euch jedes Mal sehr angenehm unterhaltet, wenn ihr euch über den Weg lauft.«

»Ja, das stimmt«, bestätigte Alexandra. »Oh, Stefan, ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue! Wir waren ja noch nie zusammen in Berlin, lass uns ein aufregendes Wochenende daraus machen!«

»Das klingt wunderbar. Ein bisschen Kultur, dann abends deine Modenschau und ... hoffentlich du im roten Kleid. Was will man mehr?«, flüsterte Dr. Frank seiner Freundin ins Ohr und konnte es kaum erwarten.

***

Mara hatte eine erfolgreiche Woche mit Besuchen der wichtigsten Mode-Bloggerin hinter sich und freute sich nach Aussendung der Einladungen nun endlich auf einen Abend mit ihren Freundinnen. Hektisch kramte Mara in ihrer Handtasche und fischte ihr Kosmetiktäschchen hervor. Heute musste sie schnell sein, sie hatte nicht viel Zeit zwischen ihrem letzten Termin und dem Event, zu dem sie unbedingt pünktlich sein wollte.

»Ich habe Ihnen schon ein Taxi bestellt«, sagte Claudia, die wusste, dass Mara auf den Events die angebotenen Drinks nicht ausschlug und immer vorbildlich mit dem Taxi nach Hause fuhr. »Ich dachte, Sie lassen Ihr Auto besser gleich hier, dann müssen Sie es am nächsten Tag nicht vor Ort abholen.«

»Sehr gute Idee«, lobte Mara das Vorausdenken ihrer Assistentin, »aber ich glaube, wir können Markus dazu bringen, das Auto zu mir nach Hause zu fahren. Ich frag ihn gleich, wenn ich gehe.«

»Wollen Sie wirklich ihren Wagen einem Fremden anvertrauen?«, fragte Claudia ungläubig.

»Markus ist doch kein Fremder! Und ich weiß, dass er den Wagen schon öfter bewundert hat. Mich stört es nicht, wenn er ein paar Extrarunden damit dreht. Hauptsache, der Wagen steht morgen wieder bei mir vor der Tür.«

»Na gut, Sie wissen schon, was Sie tun. Aber sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!«

Lachend wehrte Mara ab und verließ mit aufgefrischtem Make-up das Büro. Wie erwartet, freute sich Markus über das Angebot, das Auto seiner Chefin auszuleihen.

»Gar kein Problem, das mache ich gerne«, versicherte er und staunte nicht schlecht, als um die Ecke drei Frauen erschienen, die seiner Chefin in Stil und Sexappeal in nichts nachstanden.

»Mund zu«, flüsterte Mara ihm amüsiert zu und übergab ihm die Schlüssel.

»Hallo, Liebes«, zwitscherte Anne, die Mara am längsten kannte, und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Anne, Carmen und Evelyn gehörten seit Jahren zu Maras Leben, es gab kaum eine Veranstaltung, die sie ohne die Freundinnen besuchte. Die vier Frauen waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Alle hatten aufregende Berufe, Freude an gutem Essen und Trinken und eine innige Liebesbeziehung zu Mode.

»Das ist ja mal ein Wunder, dass du pünktlich Schluss machst!«, zog Carmen ihre Freundin Mara auf. »Für uns machst du das nie!«

»Jetzt komm aber, du bist auch nicht grad besser!«, verteidigte Evelyn Mara.

Carmen, die Anwältin, jonglierte seit der Geburt ihrer Tochter Familien- und Arbeitsleben und war in letzter Zeit oft unpünktlich, oder sagte die Verabredungen mit ihren Freundinnen ganz ab.

»Du hast ja recht«, lenkte Carmen ein, »ich war wirklich schrecklich in letzter Zeit. Aber das wird in Zukunft anders, versprochen! Wir haben uns schon ein paar Nannys angesehen, und sobald wir uns entschieden haben, habe ich auch wieder mehr Zeit für meine Lieblingsmenschen!«, erklärte sie und umarmte ihre Freundinnen herzlich.