Dr. Stefan Frank 2676 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2676 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Jana Köberling kehrt mit ihrem Mann Simon nach einigen Jahren in Norddeutschland nach München zurück. Simon will eine neue Stelle antreten, Jana ist im sechsten Monat schwanger und will nach der Elternzeit als Grundschullehrerin in Grünwald arbeiten. Hinter dem Paar liegt eine schwere Zeit. Simon war an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und hat ihn überwunden. Doch er ist nicht mehr derselbe. Die Krankheit hat ihn verändert, er will fortan sein Leben in vollen Zügen genießen.
Was niemand weiß: Die beiden leben in einer offenen Ehe. Doch Jana macht dieses Arrangement zunehmend zu schaffen. Sie ist treu, aber sie weiß, dass Simon seine sexuelle Freiheit sehr genießt. Die Schwangere hofft, dass der Umzug einen Neustart bringt, und dass das gemeinsame Kind seine Haltung verändern wird. Doch Jana hofft vergebens, und sie ahnt nicht, dass die getroffene Vereinbarung schon bald ihr ungeborenes Kind in Gefahr bringt ...


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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Offene Ehe

Vorschau

Impressum

Offene Ehe

Eine getroffene Vereinbarung wird plötzlich zum Gesundheitsrisiko

Jana Köberling kehrt mit ihrem Mann Simon nach einigen Jahren in Norddeutschland nach München zurück. Simon will eine neue Stelle antreten, Jana ist im sechsten Monat schwanger und will nach der Elternzeit als Grundschullehrerin in Grünwald arbeiten. Hinter dem Paar liegt eine schwere Zeit. Simon war an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und hat ihn überwunden. Doch er ist nicht mehr derselbe. Die Krankheit hat ihn verändert, er will fortan sein Leben in vollen Zügen genießen.

Was niemand weiß: Die beiden leben in einer offenen Ehe. Doch Jana macht dieses Arrangement zunehmend zu schaffen. Sie ist treu, aber sie weiß, dass Simon seine sexuelle Freiheit sehr genießt. Die Schwangere hofft, dass der Umzug einen Neustart bringt, und dass das gemeinsame Kind seine Haltung verändern wird. Doch Jana hofft vergebens, und sie ahnt nicht, dass die getroffene Vereinbarung schon bald ihr ungeborenes Kind in Gefahr bringt ...

»Willst du das wirklich alles jetzt schon mitnehmen?«, fragte Simon und deutete auf drei große Umzugskartons.

»Mir ist lieber, ich packe die Kartons in mein Auto. Es wäre doch schade, wenn die Gläser und Urgroßmutters Geschirr den Transport nicht überleben. Man weiß doch, dass die Umzugsunternehmen nicht gerade mit Samtpfötchen arbeiten«, antwortete Jana Köberling.

»Mag sein, aber wir sind doch versichert.«

Jana rollte genervt mit den Augen.

»Es geht doch nicht ums Geld! Das sind Familienerinnerungen, wenn die zu Bruch gehen, dann ist das mit Geld nicht zu ersetzen.«

»Das musst du wissen. Dann schleppst du die Kisten eben schon hoch in die neue Wohnung«, erwiderte Simon mit einem Schulterzucken.

»Ich werde Alexa und Stefan fragen, ob sie mir helfen. Ich soll ja nicht schwer tragen.«

Jana strich lächelnd über ihren Bauch, bei dem sich eine kleine Wölbung zeigte.

»Ach ja, das Kind«, sagte Simon, so als hätte er vergessen, dass er in gut vier Monaten Vater werden würde.

Es gab Jana einen Stich ins Herz, als sie die ablehnende Haltung ihres Mannes zu dem Kind spürte. Sie seufzte leise und blinzelte die Tränen fort. Seit sie schwanger war, brauchte es nicht viel, um ihr die Tränen in die Augen zu treiben. Natürlich wusste sie, dass ihr Ehemann nur widerwillig akzeptiert hatte, dass Jana das gemeinsame Kind bekommen wollte, aber trotzdem tat seine Distanziertheit sehr weh.

»Ich mach mir einen Tee«, sagte sie, um sich von den trüben Gedanken abzulenken. »Möchtest du auch einen?«

»Nein danke.« Simon winkte ab.

Jana ging in die Küche, in der auch schon gepackte Umzugskartons standen. Nur in einem Oberschrank waren noch ein paar Küchenutensilien, die Simon in der nächsten Woche brauchen würde. Sie füllte Wasser in den Kocher und legte einen Beutel Ingwer-Zitronen-Tee in eine Tasse.

Während sie darauf wartete, dass das Wasser kochte, ließ sie den Blick durch die Küche schweifen. Während der Jahre, die sie hier gewohnt hatte, war die Küche immer der Mittelpunkt der Wohnung gewesen.

Jana setzte sich an den Tisch auf ihren Lieblingsplatz, von dem aus sie freien Blick auf die große Linde vor dem Fenster hatte, in der in jedem Frühjahr ein Elsterpaar brütete. Wehmütig sah sie auf das nun schon seit Monaten leere Nest.

Viele schöne Erinnerungen verband Jana mit ihrer Küche. Wie oft hatten hier Freunde gestanden oder gesessen, gegessen, diskutiert und gelacht.

In dieser Küche hatte sie auch vor drei Jahren Simon kennengelernt, den eine Freundin mit zur Party gebracht hatte. Als alle anderen Gäste schon gegangen waren, hatte sie mit dem attraktiven Architekturstudenten noch bis weit in den Morgen hinein in der Küche gesessen und über Gott und die Welt diskutiert. Kein halbes Jahr später war Simon bei ihr eingezogen.

Jana lächelte. Dann huschte ein dunkler Schatten über ihr hübsches Gesicht, denn in der Küche hatten sich nicht nur angenehme Dinge ereignet.

Hier, auf ihrem Lieblingsplatz hatte sie gesessen, als Simon an diesem schrecklichen Tag nach Hause gekommen war. Obwohl das nun schon eineinhalb Jahre her war, konnte Jana noch wie gestern spüren, wie Simon nach ihrer Hand griff und sie so ernst und traurig ansah, dass ihr das Herz in die Hose rutschte. Es hatte gedauert, bis Simon die Kraft gefunden hatte zu sprechen. Bei einer Routineuntersuchung war festgestellt worden, dass er an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war. Krebs mit gerade mal dreißig Jahren!

Dann hatte für das Paar eine harte Zeit begonnen. Die Chemotherapie hatte Simon heftig zugesetzt, hatte aber zum Glück angeschlagen. Nach einem Dreivierteljahr hatte er als krebsfrei gegolten. Nur die engmaschigen Kontrolluntersuchungen erinnerten die beiden daran, dass jederzeit wieder eine neue Schockdiagnose kommen konnte.

»Wo ist dein Autoschlüssel?«, fragte Simon und steckte seinen Kopf in die Küche.

»Wieso? Ist er nicht da, wo er immer ist? Auf der Kommode im Flur?«

Simon schüttelte mit dem Kopf. »Da liegt er nicht.«

Jana griff in ihre Hosentasche und zog den Schlüssel heraus.

»Hier ist er. Ich hatte ganz vergessen, dass ich ihn schon eingesteckt hatte. Was willst du denn damit?«

»Ich wollte die Kisten und deine Koffer schon mal in den Wagen stellen. Du willst doch bestimmt bald los.«

»Ja, das sollte ich wohl«, sagte Jana mit einem Blick auf die große Küchenuhr, die noch an der Wand hing. »Bis nach Grünwald bin ich bestimmt zehn Stunden unterwegs, wenn die Straßen einigermaßen frei sind.«

»Die zehn Stunden wirst du sicher brauchen, mit Pausen bestimmt noch mehr.«

»Ich trinke den Tee und dann geht es los«, entschied Jana und goss das heiße Wasser in ihre Tasse. »Was hast du denn heute noch vor?«

Obwohl Janas Frage so harmlos geklungen hatte, versteinerte sich Simons Gesicht.

»Ich weiß noch nicht«, antwortete er vage und drehte sich von ihr weg.

»Triffst du dich mit ihr? Noch mal ausgiebig Abschied feiern?«, fragte Jana spitz.

»Jana, bitte. Was soll das? Fang jetzt nicht schon wieder damit an. Wir haben eine Vereinbarung!«

»Man wird doch wohl mal fragen dürfen«, murmelte Jana mit gesenktem Blick.

Sie räusperte sich und schluckte die nächste Frage, die ihr auf der Zunge brannte, herunter. Es stimmte ja, sie hatten eine Vereinbarung. Eine Vereinbarung, die Jana große Probleme bereitete.

»Okay, ich bring dann mal die Sachen runter«, erklärte Simon und entzog sich der Situation.

»Vorsichtig mit den Kartons«, rief sie ihrem Mann nach.

Jana schluckte die aufkommenden Tränen herunter und pustete in den heißen Tee. Sie starrte die Dampfwölkchen an, als wenn darin die Zukunft stünde. Wie würde es werden in ihrem neuen Zuhause? Würden sie wieder glücklich werden in Grünwald? Sie hoffte so sehr, dass der Umzug für ihre Ehe ein Neuanfang würde. Und die Chancen standen doch gut, oder? Schließlich war es Simon gewesen, der unbedingt nach Bayern hatte ziehen wollen. Er, als begeisterter Naturliebhaber, Kletterer, Ski- und Snowboardfahrer, wollte möglichst nah an seinen geliebten Bergen wohnen. Obwohl Simon als Pferdenarr noch lieber auf einen Hof am Fuße der Berge gezogen wäre, um Pferde zu züchten, hatte er nachgegeben, als Jana gegen die verrückte Idee intervenierte. So sehr auch sie die Natur liebte, reizte sie sich ein Leben auf einem Bauernhof im Niemandsland nicht, und große Pferde waren ihr unheimlich. So hatten sie sich auf den Kompromiss geeinigt, es mit dem beschaulichen Grünwald zu versuchen.

Der Umzug war nur ein Punkt auf Simons langer Liste von neuen Plänen. Die Krankheit hatte ihn verändert. Simon war bewusst geworden, wie fragil das Leben war und wie schnell es zu Ende sein konnte. Seitdem wollte er das Leben bewusst genießen und sich von möglichst vielen Zwängen befreien. Dazu gehörte auch, dass er seinen anspruchsvollen und zeitraubenden Job als angestellter Architekt gekündigt hatte, um sich bei der Stadt München auf eine Teilzeitstelle im Bauamt zu bewerben.

Jana fasste sich an den Bauch, in dem das Kind sich regte. Sie lächelte traurig. Sie konnte schon verstehen, dass ihre Schwangerschaft für Simon zu einer sehr ungünstigen Zeit gekommen war. Aber sie hatte es nicht darauf angelegt, schwanger zu werden. Es war einfach passiert. Und für Jana hatte sich nie die Frage gestellt, ob sie das Kind bekommen würde.

Jana seufzte noch einmal tief und trank einen Schluck Tee. Es würde bestimmt alles gut werden. Wenn Simon nicht mehr so gestresst von der Arbeit war, dann würde er auch wieder mehr Zeit und Muße für seine Familie haben. Und wenn das Kind erst einmal auf der Welt war, dann würde es seinen Papa bestimmt schnell um den Finger wickeln.

Jana stand auf, spülte ihren Becher ab und schaute sich in der Wohnung um, ob sie noch etwas mitnehmen sollte.

Simon kam zur Tür herein.

»So«, sagte er. »Es ist alles verstaut.«

»Ich habe gerade überlegt, ob ich noch die beiden Bilder aus dem Wohnzimmer mitnehme. Passen die noch ins Auto?«

»Ich habe die Rückbank umgeklappt. Auf den Kisten ist noch Platz.«

»Sehr gut. Die Luftpolsterfolie ist im Schlafzimmer, oder?«

Jana holte das Verpackungsmaterial, und die beiden packten die Bilder dick und stoßgeschützt ein.

Sie gingen zusammen zum Auto und legten die Bildpakete auf die Kartons.

»Passt«, meinte Simon. »Na dann, gute Fahrt.«

»Mach keinen Unsinn, wenn du noch eine Woche hier allein bist.«

Jana zwinkerte Simon zu und legte die Arme um ihn. Er ließ das geschehen, strich ihr flüchtig über den Rücken und drückte ihr einen Kuss aufs Haar und schob sie von sich.

»Nun aber los! Melde dich, wenn du angekommen bist.«

***

»Servus, Frau Giesecke. Danke, dass wir so schnell kommen konnten. Hier ist der kleine Pechvogel.«

Florian Lange hatte den Arm um einen etwa achtjährigen Jungen gelegt, der mit zittriger Hand ein blutverschmiertes Tuch auf seine Stirn drückte.

»Hallo, junger Mann, was ist denn mit dir passiert?«, fragte Martha Giesecke, die altgediente Sprechstundenhilfe von Dr. Stefan Frank.

»Lukas ist beim Fußballspielen unglücklich ...«, begann Florian, wurde aber mit einer eindeutigen Handbewegung von Schwester Martha zum Schweigen gebracht.

»Ick glaube, dass Lukas sprechen kann, wa?«, sagte sie und sah den verängstigen Jungen mit einem auffordernden Lächeln an. Sie wusste, dass Lukas den Schock über seinen Unfall besser verdauen würde, wenn er darüber sprach.

Lukas nickte. »Ich ... ich bin der Torwart. Und dann kam der Ball ... Ich wollte ihn halten, aber dann bin ich gegen den Pfosten geknallt.«

»Na, sieh mal einer an, das ist Einsatz«, sagte Martha anerkennend. »Dann gehen wir drei jetzt mal in den Raum dort drüben. Der Doktor kommt gleich und sieht sich deine Verletzung an. Tut es sehr weh? Hast du Kopfschmerzen?«

Lukas schüttelte den Kopf. »Es blutet nur.«

»Es ist ein tiefer Cut über der Augenbraue«, mischte sich jetzt Florian wieder ein. »Ich denke, das muss genäht werden.«

»Das lassen wir mal schön den Doktor entscheiden, wa.«

»Aber sicher doch, Schwester Martha«, sagte Florian lächelnd mit einer leichten Verbeugung.

Er mochte die resolute, kompetente Frau, die kein Blatt vor den Mund nahm, so herrlich berlinerte, obwohl sie schon seit Ewigkeiten in Bayern lebte, und die unter der rauen Schale ihr Herz aus Gold nicht verbergen konnte.

»Dein Lehrer darf doch dabei sein, oder?«, fragte Martha, als sie Lukas auf die Untersuchungsliege gesetzt hatte.

»Herr Lange soll hier bleiben.«

Ängstlich griff der Junge nach der Hand seines Lehrers.

»Es wird alles gut, Lukas. Ich bleibe bei dir«, beruhigte ihn Florian.

»Was meinst du, Lukas? Darf ich mir deinen Loch im Kopf mal ansehen?«

»Bist du auch ein Doktor?«

»Nein, aber ich helfe dem Doktor. Ich mache deine Wunde sauber, damit Doktor Frank deine Verletzung genau sehen kann.«

Der Junge leistete keinen Widerstand, als Martha Giesecke ihm die Hand mit dem blutigen Tuch sanft von der Wunde nahm.

»Zum Glück hat es aufgehört zu bluten«, gestand Florian erleichtert. »Ich habe einen furchtbaren Schrecken bekommen, als dem Jungen das Blut über Auge und Wange floss.«

»Platzwunden am Kopf bluten oft sehr heftig, das sieht meist schlimmer aus, als es ist. Ich mach dir jetzt dein Gesicht ein bisschen sauber«, erklärte Martha an Lukas gewandt. »Guck mal, ick nehme das Wattestäbchen und sprühe eine Reinigungsflüssigkeit drauf, damit wische ich dir das getrocknete Blut weg. Das wird auch bestimmt nicht wehtun.«

Angespannt ließ Lukas die Prozedur über sich ergehen, aber als er merkte, dass es tatsächlich nicht schmerzte, entspannte er sich.

»Du bist ein ganz tapferer Junge«, lobte ihn Schwester Martha. »Wenn Doktor Frank deine Wunde behandelt hat, dann darfst du dir aus unserem großen Bonbonglas etwas aussuchen.«

»Ist da auch was mit Schokolade drin?«

»Ick denke schon«, lachte Martha.

Die Tür wurde geöffnet und Dr. Frank betrat den Raum. Er begrüßte Florian und seinen kleinen Patienten, von dem er sich noch einmal erklären ließ, wie sich der Unfall ereignet hatte.

»Wer ist denn dein Vorbild als Torwart?«

»Manuel Neuer«, sagte Lukas, wie aus der Pistole geschossen.

»Ein wirklich guter Torwart. Das finde ich auch. So, dann schaue ich mir jetzt deine Stirn an«, sagte Dr. Frank und betrachtete den Cut.

»Wie schlimm ist es denn?«, fragte Florian.

»Zum Glück ist die Wunde nicht so tief, dass ich nähen muss. Steristrips werden reichen.«

»Das sind diese Pflasterstreifen, die die Wundränder voreinander halten, oder?«

»Ganz genau.«

Dr. Frank zeigte Lukas die Pflasterstreifen und erklärte ihm, was er machen würde. Dann bat er Florian einen Spiegel so zu halten, dass der Junge zusehen konnte, wie die Pflaster aufgeklebt wurden.

»Schon fertig, junger Mann«, sagte Dr. Frank. »War doch gar nicht schlimm, oder?«

»War nicht schlimm«, bestätige Lukas.

»Und jetzt bringt dich Herr Lange nach Hause und du ruhst dich aus. In den nächsten Tagen tobst du bitte nicht wild rum«, ermahnte der Arzt.

Dann gab er Florian noch einige Informationen zur Wundpflege, die er an Lukas' Eltern weitergeben sollte.

« ... Sag ihnen auf jeden Fall, dass sie sofort mit ihrem Sohn zum Arzt gehen sollen, wenn er starke Kopfschmerzen bekommt oder sich übergeben muss. Eine Gehirnerschütterung ist zwar nicht wahrscheinlich, aber doch nicht auszuschließen.«

»Klar, mach ich. Wann soll Lukas zur Nachsorge kommen?«

»Wenn es nichts Auffälliges gibt, dann in drei bis vier Tagen. Er kann gerne noch einmal zu mir kommen, oder die Eltern suchen seinen Kinderarzt auf, wenn ihnen das lieber ist.«

»Gebe ich so weiter.«

»Gute Besserung, Lukas. Macht es gut, ihr beiden«, verabschiedete sich Dr. Stefan Frank.

»Auf Wiedersehen, Stefan. Mal sehen, wann ich mit dem nächsten Notfall vor deiner Tür stehe«, meinte Florian lächelnd. »Wie gut, dass deine Praxis nur eine Straße von meiner Schule entfernt ist.«

Florian legte den Arm um Lukas' Schulter und führte ihn aus dem Arztzimmer. Dr. Frank sah den beiden nach und lächelte. Er kannte den engagierten Lehrer Florian Lange schon seit vielen Jahren, denn er war der Sohn eines Ehepaares, die genau wie Dr. Frank in der Grünwalder-Rosengesellschaft Mitglied waren. Florian war schon als Teenager oft bei den Treffen dabei gewesen und hatte die Leidenschaft für die edlen Blumen von seinen Eltern übernommen.

»Wie viele Patienten haben wir heute noch?«, fragte Dr. Frank, als er am Empfangstresen vorbei in sein Arztzimmer ging.

»Heute ist es ruhig. Nur noch fünf. Es sieht nach pünktlichem Feierabend aus«, sagte Marie-Luise Flanitzer, die zweite Helferin der Arztpraxis. »Wo Sie gerade hier sind, Doktor Frank, können Sie bitte diese Rezepte unterschreiben?«

Marie-Luise hatte recht gehabt, der Rest des Freitags verlief sehr entspannt. Es war noch nicht einmal zwei Uhr, als die letzte Patientin ging.

»Was haben Sie denn Schönes vor an diesem Wochenende, meine Damen?«, wollte Stefan Frank wissen.

»Mein Mann und ich renovieren das Wohnzimmer. Das ist dringend nötig«, sagte Marie-Luise Flanitzer.

»Ick werde morgen lange frühstücken und mich dann mit meinem neuen Krimi aufs Sofa legen«, erzählte Martha Giesecke. »Und Sie und Frau Schubert? Sie wollen doch nicht etwa wandern gehen bei diesem miesen Wetter?«

»Schwester Martha, Sie wissen doch, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung«, erwiderte Dr. Frank und lachte. »Aber trotzdem werden wir zu Hause bleiben, denn wir bekommen heute Abend Besuch aus Rostock. Die Tochter einer guten Freundin von Alexa bleibt für eine Woche unser Gast, bis sie in ihre neue Wohnung ziehen kann.«

***