Dr. Stefan Frank 2678 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2678 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Die Französin Emma lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland. Die 38-Jährige kann auf zahlreiche Erfolge zurückblicken, hat ihre Karriere jedoch mittlerweile beendet. Emma steht nun am Anfang eines neuen Lebens, das sie in München-Grünwald verbringen möchte. Eingangs fällt es ihr schwer, sich einzufinden und sich ein Leben ohne den anspruchsvollen Sport und die erfüllende Kunst des Balletts vorzustellen. Felix Bayer, ihr Makler, ist es schließlich, der sie auf eine fantastische Idee bringt: Er zeigt ihr ein paar Räumlichkeiten, die sich für ein Ballettstudio eignen würden. Motiviert von dem Gedanken als Ballettlehrerin in Grünwald zu arbeiten, legt Emma mit der Planung los. Tatsächlich wird ihr Traum wahr und sie eröffnet wenige Monate später ihr eigenes Tanzstudio. Emma ist überglücklich. Und nicht nur, weil sie in ihrem Beruf weiterarbeiten kann, sondern weil sie sich in Felix verliebt hat. Doch schon kurz nach der Eröffnung fühlt sie sich müde und erschöpft, gönnt sich aber auch wenig Ruhephasen. Während des Unterrichts passiert es dann: Emmas Beine geben nach, und sie bricht während des Vortanzens zusammen ...


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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Mein letzter Tanz

Vorschau

Impressum

Mein letzter Tanz

Ballerina Emma leidet am Lambert-Eaton-Syndrom

Die Französin Emma lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland. Die 38-Jährige kann auf zahlreiche Erfolge zurückblicken, hat ihre Karriere jedoch mittlerweile beendet. Emma steht nun am Anfang eines neuen Lebens, das sie in München-Grünwald verbringen möchte. Eingangs fällt es ihr schwer, sich einzufinden und sich ein Leben ohne den anspruchsvollen Sport und die erfüllende Kunst des Balletts vorzustellen. Felix Bayer, ihr Makler, ist es schließlich, der sie auf eine fantastische Idee bringt: Er zeigt ihr ein paar Räumlichkeiten, die sich für ein Ballettstudio eignen würden. Motiviert von dem Gedanken, als Ballettlehrerin in Grünwald zu arbeiten, legt Emma mit der Planung los. Tatsächlich wird ihr Traum wahr und sie eröffnet wenige Monate später ihr eigenes Tanzstudio. Emma ist überglücklich. Und nicht nur, weil sie in ihrem Beruf weiterarbeiten kann, sondern weil sie sich in Felix verliebt hat. Doch schon kurz nach der Eröffnung fühlt sie sich müde und erschöpft, gönnt sich aber auch wenig Ruhephasen. Während des Unterrichts passiert es dann: Emmas Beine geben nach, und sie bricht während des Vortanzens zusammen ...

Entzückt stellte Emma fest, dass auf dem Wochenmarkt im Münchner Stadtteil Grünwald ein Käsestand aus ihrer französischen Heimat zu finden war. Sorgfältig las sie sich die schwarzen Schildchen durch, die schwungvoll mit weißer Kreide beschrieben waren.

»Excusez moi, entschuldigen Sie, darf ich Sie etwas fragen? Ist Ihre Ware wirklich aus Frankreich?«, wollte Emma von dem bärtigen Verkäufer wissen.

»Aber selbstverständlich«, antwortete der Mann und verschränkte dabei die Hände über seinem fülligen Bauch. »Wissen Sie, meine Frau ist Französin.«

»Oh, wie schön«, freute sich Emma und hatte seit langer Zeit mal wieder das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. »Würden Sie mir bitte das Stück Reblochon hier vorne einpacken? Und ein Stück von dem Comté, gerne gleich groß«, gab sie ihre Bestellung auf und konnte es kaum erwarten, die beiden Sorten mit ihrem frischgebackenen Brot zu genießen.

Brot, endlich konnte sie so viel davon essen, wie sie wollte! Als Balletttänzerin hatte sie sich diese einfache und doch so wertvolle Köstlichkeit immer versagen müssen. In der Welt des Balletts war kein Platz für Kohlenhydrate, und obwohl sie das Tanzen liebte, war ihr der Verzicht auf Pasta und Brot immer sehr schwer gefallen.

Beschwingt packte Emma die Käse in ihren mitgebrachten Korb und bezahlte. Gerade als sie sich umdrehen wollte, stieß sie heftig mit jemandem zusammen.

»Oh! Oh nein, entschuldigen Sie bitte, wie unvorsichtig von mir«, rief sie aus und nahm sofort alle Schuld auf sich.

Die achtunddreißigjährige Emma war ein umsichtiger und vorsichtiger Mensch. Das Ballett hatte ihr nicht nur das Tanzen auf der Bühne beigebracht, sondern auch einen eleganten und geschmeidigen Umgang im Alltag ermöglicht. Überall, wo sie hinging, spürten die Menschen sofort, dass sie etwas mit Körperbeherrschung und Tanz ausübte.

»Kein Problem«, entgegnete die schöne Frau, die mit Emma zusammengestoßen war, sympathisch. »Ich habe auch nicht richtig aufgepasst.«

Die beiden Frauen musterten sich eine Sekunde, und Emma hatte sofort den Wunsch, eine Frau wie diese kennenzulernen, jetzt, wo sie doch überlegte, in die Nachbarschaft zu ziehen. Die Frau hatte dunkle, glänzende Locken und ein herzliches Lächeln auf den Lippen.

»Sind Sie nicht ...? Vielleicht irre ich mich auch. Aber sind Sie nicht ...?«, fragte die fremde Frau ehrlich interessiert.

Die Tänzerin musste lachen. »Emma Morel, ja, die bin ich«, bestätigte sie.

Früher wurde sie ständig erkannt, zumindest von Menschen, die sich für die Kulturseiten anspruchsvoller Tages- und Wochenendzeitungen interessierten. Emma fragte die Menschen jedoch nie, ob sie sie aufgrund ihres Berufes als Ballerina oder eher wegen ihrer explosiven Ehe mit einem hochkarätigen deutschen Komponisten erkannten. Vielleicht auch, weil sie Angst vor der Antwort hatte.

»Oh, wie schön, Ihnen einmal aus der Nähe zu begegnen!«, gestand die Fremde aufrichtig. »Mein Freund und ich haben Sie bei Ihrem letzten Auftritt gesehen«, begeistert führte sie ihre Hand zum Herz, »es war wunderschön.«

»Vielen Dank.« Emma wusste, wovon die Frau sprach.

Ihr letzter Auftritt war einer ihrer besten gewesen. Obwohl sie für eine Ballerina schon recht alt war, hatte sie noch einmal die Hauptfigur in Schwanensee getanzt und dafür minutenlang Standing Ovations bekommen. Der ganze Saal hatte getobt, treue Fans des Balletts hatten begeistert gepfiffen, ihren Namen gerufen und Blumen auf die Bühne geworfen. Es war ein Abschied, der Emma Morel würdig war.

»Und, wenn ich Sie fragen darf, was machen Sie hier in München?«, fragte die Frau vorsichtig.

»Das ist eine gute Frage«, entgegnete Emma lachend und merkte, dass sie beide ganz automatisch nebeneinander herliefen. »Ich bin noch etwas unsicher, aber ich liebäugle gerade damit, mich hier niederzulassen.«

Die fremde Gesprächspartnerin machte große Augen.

»Wirklich?«, konnte sie es nicht glauben. »Sie überlegen, nach Grünwald zu ziehen? Das wäre ja wunderbar. Also zumindest für unsereins. Aber sagen Sie, meinen Sie nicht, Sie werden Frankreich vermissen?«

»Es wird Sie vielleicht verwundern, aber ich habe die letzten zwei Jahrzehnte mehr in Deutschland verbracht als in meiner Heimat«, erklärte Emma.

»Ach ja, natürlich. Entschuldigen Sie«, entgegnete die fremde Frau und winkte ab.

Nicht nur hatten ihre Eltern, die inzwischen gestorben waren, sie als junges Mädchen auf ein Ballettinternat in der Nähe vom Bodensee geschickt, auch ihre Ehe, die sich fast über ihre ganze Karriere zog, hatte dafür gesorgt, dass Emma jede freie Minute in Deutschland verbrachte. Und der Reaktion der Frau nach zu urteilen, wusste diese längst, dass Emmas Ehe mittlerweile in Trümmern lag.

»Kein Problem«, versicherte Emma der sympathischen Frau, von der sie nicht wollte, dass sie sich schlecht fühlte. »Ehen werden geschieden, überall. Ich denke, das ist inzwischen normal, oder?«

Vorsichtig legte die Fremde ihre Hand auf Emmas Unterarm.

»Es geht mich auch gar nichts an. Ich wollte Sie überhaupt nicht ausquetschen oder aufhalten«, gestand sie liebevoll. »Ich habe mich einfach nur gefreut, Sie einmal wirklich so nah zu sehen. Und wenn Sie irgendetwas brauchen, ich gebe Ihnen meine Karte, warten Sie, hier, dann melden Sie sich bitte gerne. Ich lebe drei Straßen weiter von hier und bin gut vernetzt, falls Sie eine Frage haben, ich bin gerne für Sie da.«

»Oh«, perplex von so viel Liebenswürdigkeit nahm Emma die Karte entgegen. »Ich könnte tatsächlich ein bisschen Hilfe gebrauchen«, gab sie zu. »Ich fange gerade an mit der Wohnungssuche und bin etwas überfordert. Wenn Ihnen etwas zu Ohren kommt, wäre ich für einen Tipp dankbar.«

»Das trifft sich ja ausgezeichnet«, antwortete die Frau sofort, »ein guter Freund von mir, Felix Bayer, ist Makler und hat mir damals meine Praxisräume vermittelt. Ein sehr fähiger Mann, wenn Sie wollen, stelle ich da gerne einen Kontakt her«, bot die Frau hilfsbereit an.

»Das wäre fantastisch«, freute sich Emma.

»Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail, dann kümmere ich mich heute Abend darum.«

»So machen wir es«, antwortete Emma strahlend, »vielen, vielen Dank.«

»Ich habe zu danken. Ich freue mich schon auf das Gesicht meines Freundes, wenn ich ihm erzähle, dass ich Sie getroffen habe. Und dass Sie vielleicht sogar in unsere Nachbarschaft ziehen.« Die Frau reichte ihr zum Abschied die Hand. »Und melden Sie sich auf jeden Fall, ich bin sicher, Felix kann Ihnen bei der Wohnungssuche behilflich sein.«

Als die dynamische Frau verschwunden war, schaute Emma sich die Karte genauer an.

»Alexandra Schubert«, las sie, »Augenheilkunde.«

Sie war also Ärztin. Emma liebte es, sich mit Frauen zu umgeben, die etwas in ihrem Leben erreicht hatten. Sie wusste aus eigener Erfahrung, wie schwer es war, auf ein Ziel hinzuarbeiten und sich dabei nicht von Männern aus der Bahn werfen zu lassen. Überall, wo sie hinkam, hatte sie feststellen müssen, dass die meisten Regeln von Männern gemacht wurden. Und sie hatte die Nase gestrichen voll davon. Ab jetzt würde sie nur noch tun, was sie wollte! Sobald die Scheidung durch war, würde für sie ein neues Leben beginnen. Und nach der heutigen Begegnung und dem Morgen auf dem Wochenmarkt hatte sie das Gefühl, dass Grünwald genau der richtige Ort für einen Neuanfang war.

***

»Und du bist sicher, dass sie es war?«, fragte Stefan Frank und lachte herzlich.

Er liebte es, seine Freundin aufzuziehen.

»Natürlich bin ich sicher«, äußerte Alexandra empört und kräuselte dabei ihre Nase, was sie noch entzückender aussehen ließ.

»Schade, dass ich das verpasst habe! Ich hätte auch gern gewusst, wie sie so in Wirklichkeit ist.« Dr. Frank bereute, dass er seinen Samstagvormittag vor seinem Schreibtisch, statt auf dem Wochenmarkt verbracht hatte.

»Du wolltest ja lieber arbeiten«, neckte Alexa ihn und ließ die eigentliche Katze aus dem Sack: »Rate mal, wo Frau Morel für ihren neuen Lebensabschnitt hinziehen will?«

»Puh, ich weiß nicht«, Dr. Frank überlegte, »vielleicht an die Côte d'Azur? Also das würde ich zumindest machen, wenn ich sie wäre. Das Meer, kleine, versteckte Buchten, das mediterrane Essen ...« Der Arzt schwelgte in Erinnerungen.

»Liebling, ich sehe schon, da braucht mal wieder einer Urlaub«, lachte sie. Sie schaute ihren Freund wissend an: »Frau Morel überlegt, nach Grünwald zu ziehen.«

»Was? Das ist ja ein Ding!«, entfuhr es Stefan. »Das Leben ist wirklich verrückt manchmal, oder? Vor Kurzem haben wir ihr noch auf der Bühne zugejubelt, und nun wird sie vielleicht unsere Nachbarin?«

»Ja, Wahnsinn, oder? Und das Beste ist, sie ist richtig, richtig nett. Überhaupt nicht arrogant oder überheblich. Wir hatten ein richtig tolles Gespräch«, erzählte Alexandra über die schöne Begegnung mit der interessanten Französin.

»Na, dann hättest du ihr ja gleich sagen können, dass sie sich in Grünwald einen Hausarzt suchen soll«, meinte Dr. Frank vergnügt und zwinkerte seiner Freundin zu.

»Ich habe ihr meine Karte gegeben, für den Fall, dass ich ihr bei irgendwas helfen kann. Sie ist scheinbar gerade auf Wohnungssuche. Da musste ich an Felix denken.«

»Oh ja, das ist eine gute Idee. Aber tu mir einen Gefallen«, Stefan Frank grinste Alexandra schelmisch an, »sag ihm nicht, wer Frau Morel ist. Falls die beiden sich treffen, wäre es doch lustig, wenn er keine Ahnung hat, wen er da vor sich hat.«

Alexandra musste schmunzeln.

»Einverstanden«, sagte sie. »Ich schätze Frau Morel auch nicht so ein, dass ihr ihre Bekanntheit besonders wichtig ist. Ganz im Gegenteil, ich glaube, sie ist froh, mal jemandem zu begegnen, der nicht weiß, wer sie ist und dementsprechend auch noch nicht jedes Detail über ihre gescheiterte Ehe kennt ...«

»Wir tun also auch noch etwas Gutes«, sagte Stefan Frank zufrieden. »Und sag Felix, er soll uns auf dem Laufenden halten. Wenn Frau Morel wirklich in unsere Nachbarschaft zieht, wäre es doch schön, wenn wir ihr alle die Eingewöhnung so leicht wie möglich machen würden und uns ein bisschen um sie kümmern könnten.«

»Ja, du hast recht.« Alexandra küsste ihren Freund auf die Stirn und klappte ihren Laptop auf, um zu sehen, ob Frau Morel ihr schon geschrieben hatte.

***

Ihre Unterlagen fein säuberlich in einer hellblauen Mappe geordnet, stand Emma auf dem kleinen Platz, den der Makler als Treffpunkt vorgeschlagen hatte. Die Kirschbäume trugen reife Früchte, und mit den hübschen Häusern im Hintergrund stellte sich Emma die Straße als perfekte Kulisse für einen Film vor.

»Frau Morel«, begrüßte sie eine tiefe Männerstimme von hinten. »Entschuldigen Sie meine Verspätung, es war doch alles etwas spontan heute.«

»Vielen Dank, dass Sie sich so schnell mit mir treffen konnten«, versicherte Emma und ignorierte die Entschuldigung. Sie versuchte darüber hinwegzusehen, dass sie Unpünktlichkeit auf den Tod nicht ausstehen konnte.

»Alexandra hat mir nur ganz wenig Informationen gegeben, das heißt, dieses erste Objekt ist erst mal ein Schuss ins Blaue«, erklärte er, »kommen Sie, wir gehen gleich rauf!«

Emma folgte dem energetischen Mann, der in seinem schnittigen Anzug und seiner offenen, frischen Art herrlich unkompliziert wirkte. Das Haus, um das es sich handelte, stand etwas vom Gartenzaun entfernt mitten im Grünen.

»Sehr schöner Garten«, lobte Emma, die die Natur liebte.

»Der Garten steht den Mietparteien zur Nutzung zur Verfügung, hier muss ich Ihnen allerdings sagen, dass eben eine junge Familie eingezogen ist.«

»Ich liebe Kinder«, versicherte Emma, »ich habe kein Problem damit, wenn es etwas lebhaft ist.«

»Dann ist's ja gut«, lachte der Makler, »wissen Sie, ich habe zwar selbst eine Tochter, kann mich aber noch gut daran erinnern, wie anstrengend es war, als sie klein war. Auf jeden Fall wird der Garten durch einen Gärtner betreut, er kommt einmal die Woche vorbei, zwischen den Tagen sorgt die automatische Sprinkleranlage dafür, dass der Rasen versorgt wird.«

»Sprinkleranlage ...« Emma überlegte.

Sie hatte einen ausgezeichneten Wortschatz, war sich gerade aber nicht sicher, was genau er meinte.

»Für die Wasserversorgung«, erklärte Felix Bayer. »Sie sind nicht aus Deutschland, richtig?«

»Ja, mein Akzent verrät mich leider immer noch, auch nach zwanzig Jahren«, bedauerte Emma.

»Ach, das ist doch toll. Ihr Deutsch klingt prima!«

Hatte ihr der Mann gerade ein Kompliment gemacht? Verwirrt schaute Emma geradeaus und schob den Gedanken beiseite. Sie war so lange verheiratet gewesen, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen konnte, zu flirten. Außerdem war dieser Mann sowieso nicht der Richtige. Erstens war er ihr Makler, würde also alles sagen, um das Geschäft mit ihr abzuschließen, und zweitens war er verheiratet und hatte Kinder. Ohne sich für das Kompliment zu bedanken, folgte sie dem Mann in die oberen zwei Stockwerke des schönen Hauses, in dem die Maisonette-Wohnung lag.

»Die Mieterschaft setzt sich wie folgt zusammen: Wir haben die junge Familie im Erdgeschoss, ganz liebe Leute, er ist Ingenieur und sie ist glaube ich Künstlerin. Darüber ein altes Ehepaar, Herr und Frau Knosten, total herzig. Die beiden treten grundsätzlich nur im Doppelpack auf und kümmern sich gerne darum, wenn jemand aus der Hausgemeinschaft etwas braucht. Links darüber wohnt ein Brite, der aber selten da ist. Irgendein Wissenschaftler, glaube ich, und ihm gegenüber Frau Bernard, eine Klavierlehrerin, die aber, da kann ich Sie beruhigen, nur in ihrer Musikschule musiziert. Und darüber, ja, da könnten Sie dann einziehen. Moment, ich sperre Ihnen auf. Voilà, herzlich willkommen!« Er öffnete ihr die Tür zur angepriesenen Wohnung und machte eine ausladende Handbewegung.

***

»Also, eins ist klar«, war Marie-Luise Flanitzer sich sicher, »wenn die Morel wirklich hier herzieht, dann gibt es nur eine richtige Antwort für die Wahl ihres Hausarztes!«

»Wenn Sie das so bestimmen«, entgegnete Dr. Frank und musste schmunzeln.

Gemeinsam mit seinen beiden Praxisschwestern, Marie-Luise Flanitzer und Martha Giesecke, hatte er die Mittagspause nach draußen verlegt. Seine Praxis befand sich im Erdgeschoss seiner Villa, in der er mit Alexandra lebte. Umgeben von einem Rosengarten war die Praxis gerade bei warmen Temperaturen geradezu perfekt für Mittagspausen im Grünen.

»Also, ick kenn die überhaupt nicht«, stellte Frau Giesecke, die rüstige Berlinerin, die in ihren Sechzigern war, unbeeindruckt fest. »Ist die so berühmt, oder was?«

»Frau Morel war, ach, was sage ich, ist eine der besten Ballerinen der Welt. Aber ich glaube, dass dieser Ruhm sich nur auf die Menschen erstreckt, die eben auch gerne ins Ballett gehen«, erklärte Dr. Frank.

»Ick wusste gar nicht, dass Sie sich fürs Ballett interessieren.« Überrascht schaute Frau Giesecke ihre jüngere Kollegin an.

»Tue ich ja auch gar nicht«, gab Frau Flanitzer zu, »aber für Klatsch und Tratsch interessiere ich mich schon.«

Frau Giesecke pfiff durch die Zähne. »Verstehe!«

»Die Morel war nämlich mit dem Rödelsheimer verheiratet, Sie wissen schon, diesem Komponisten, der gern mal zu tief ins Glas, oder in seinem Fall in die Flasche, schaut ...«, packte Frau Flanitzer aus, was sie aus diversen Wochenmagazinen erfahren hatte.

»Bitte, bitte«, unterbrach Dr. Frank die Erzählungen seiner Angestellten, »ich hoffe doch, dass Sie das Frau Morel nicht sagen werden, sollte Sie tatsächlich in unsere Praxis kommen!«

»Natürlich nicht!«, rief Frau Flanitzer aus. »Wie können Sie das überhaupt denken? Ich werde mir nichts anmerken lassen, das ist ja wohl klar.«