Dr. Stefan Frank 2679 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2679 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Drei Tage nach der Entbindung ihres Babys bekommt Juliana stechende Schmerzen im Rücken. Sie schiebt es auf die Anstrengungen und das fremde Krankenhausbett, aber als die Beschwerden nicht vergehen, sucht sie ihren Hausarzt auf. Dr. Frank schließt einen Bandscheibenvorfall aus und vermutet Nachwehen von der Schwangerschaft. Spritzen und Physiotherapie sollen ihre Beschwerden lindern. Sie setzt alle Hoffnungen darauf, dass die Beschwerden in wenigen Wochen verschwunden sind. Doch weder die Medikamente noch die Massagen schlagen bei ihr an! Stattdessen werden ihre Rückenschmerzen schlimmer. Juliana weiß bald kaum noch, wie sie ihr Baby versorgen soll. Die Schmerzen werden unerträglich. Bald kann sie ihren rechten Arm nicht mehr heben und sich nicht mehr allein ihre Socken anziehen. Sie muss zum MRT, aber ein Termin ist erst in drei Wochen frei. Eine Ewigkeit für die schmerzgeplagte junge Mutter ...


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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Wenn's im Rücken knackt

Vorschau

Impressum

Wenn's im Rücken knackt

Juliana hat nach der Geburt ihres Kindes starke Schmerzen

Drei Tage nach der Entbindung ihres Babys bekommt Juliana stechende Schmerzen im Rücken. Sie schiebt es auf die Anstrengungen und das fremde Krankenhausbett, aber als die Beschwerden nicht vergehen, sucht sie ihren Hausarzt auf. Dr. Frank schließt einen Bandscheibenvorfall aus und vermutet Nachwehen von der Schwangerschaft. Spritzen und Physiotherapie sollen ihre Beschwerden lindern. Sie setzt alle Hoffnungen darauf, dass die Beschwerden in wenigen Wochen verschwunden sind. Doch weder die Medikamente noch die Massagen schlagen bei ihr an! Stattdessen werden ihre Rückenschmerzen schlimmer. Juliana weiß bald kaum noch, wie sie ihr Baby versorgen soll. Die Schmerzen werden unerträglich. Bald kann sie ihren rechten Arm nicht mehr heben und sich nicht mehr allein ihre Socken anziehen. Sie muss zum MRT, aber ein Termin ist erst in drei Wochen frei. Eine Ewigkeit für die schmerzgeplagte junge Mutter ...

»Wann soll ich denn das alles essen?«

Juliana betrachtete die beiden prall gefüllten Körbe mit Vorräten, die ihre Mutter soeben in ihren Kleinwagen lud.

Maria Ambacher schob den ersten Korb zurecht, ehe sie den zweiten hob und hineinwuchtete. Darin waren mehrere Gläser mit selbst gekochten Eintöpfen enthalten, dazu Kompott, sorgsam verpackte Eier von den hofeigenen Hühnern und ein Apfelstrudel, der in ein Tuch gehüllt war.

»Damit könnte man eine Schulklasse durch einen ganzen Monat bringen. Das kann ich nie im Leben alles aufessen.«

»Es muss reichen, bis das Baby da ist. Ich habe deinen Lieblingseintopf gemacht. Die Gläser brauchst du nur warmzumachen, dann hast du ein fertiges Menü.« Ihre Mutter verschwand noch einmal im Haus und kehrte mit einem Beutel zurück, in dem es leise klirrte. »Apfelkompott.« Sie nickte ihr zu. »Das magst du doch so gern.«

Sie verstaute die Tasche zwischen Rückbank und Vordersitz.

Juliana beäugte die Schätze, hin und her gerissen zwischen Dankbarkeit und Zweifeln. Sie würde von Glück sagen können, wenn sie daneben selbst noch Platz in dem kleinen Zweitürer fand.

»Man könnte meinen, ich würde zu einer Expedition an den Südpol aufbrechen und nicht nur nach Hause fahren.«

»Die Sachen halten sich eine Weile. Was du jetzt nicht schaffst, isst du, wenn das Baby da ist. Dann wirst du ohnehin nicht groß zum Kochen kommen. Ich würde gern aushelfen, aber mit der Arbeit in der Buchhandlung und den Besuchen bei deinem Opa komme ich hier kaum weg.«

Ein Schatten flog über das Gesicht ihrer Mutter und verriet, welche Sorgen sie sich um ihren Vater machte, der immer vergesslicher wurde. Maria Ambachers Haare waren von einem warmen Honigblond und reichte ihr gerade bis auf Kinnlänge. Sie hatte sich ihre mädchenhaft zierliche Figur bewahrt und nur die Fältchen, die sich um ihre Augen eingruben, als sie Juliana anlächelte, verrieten, dass sie die fünfzig bereits überschritten hatte.

»Danke, Mama. Für alles.« Juliana umarmte ihre Mutter, was mit ihrem kugelrunden Babybauch nicht ganz einfach war.

»Fahr vorsichtig, Liebes.«

»Versprochen.« Juliana zog den Atem ein, als für einen kurzen Augenblick ein scharfes Ziehen ihre Wirbelsäule nach unten wanderte. Das Unwohlsein begleitete sie schon durch den ganzen Nachmittag. Ihrer Mutter entging es nicht.

»Du siehst blass aus. Vielleicht solltest du heute besser hier übernachten und erst morgen zurück nach München fahren.«

Kurz war Juliana versucht, zuzustimmen, aber dann entsann sie sich der vielen Kisten im zukünftigen Kinderzimmer, die noch ausgepackt werden mussten. Die Wickelkommode und das Kinderbett mussten auch aufgebaut werden ...

Ja, sie war spät dran. Während andere Frauen in ihrem Geburtsvorbereitungskurs schon vor Monaten einen gewissen »Nestbautrieb« verspürt und mit dem Einrichten des Kinderzimmers begonnen hatten, hatte ihr neu eröffneter Blumenladen sie bis kurz vor dem Mutterschutz auf Trab gehalten. Auch wenn ihre beste Freundin und Teilhaberin Carina ihr vieles abgenommen hatte, war das Kinderzimmer zu kurz gekommen. Nun musste sie sich ranhalten, immerhin waren es nur noch dreieinhalb Wochen bis zum errechneten Geburtstermin.

»Ich fahre wirklich besser heim.«

»Bist du dir sicher, dass du das schaffst?«

»Das bin ich.«

»Na gut. Ruf an, wenn du angekommen bist, ja?«

»Das mache ich.« Juliana drehte sich noch einmal um.

Der Bauernhof ihrer Familie stand in einem Dorf im Chiemgau – malerisch eingebettet zwischen grünen Hügeln und Wäldern. Während sich ihr Vater und sein jüngerer Bruder um die Landwirtschaft kümmerten, und im Sommer von Saisonkräften unterstützt wurden, arbeitete ihre Mutter halbtags in der kleinen Buchhandlung am Marktplatz.

Juliana schaute sich nach ihrem Vater um. Er schraubte gerade an dem Traktor herum, der vor der Scheune stand und dessen wuchtige Räder mit Schlamm bedeckt waren.

»Mach's gut!« Sie ging zu ihm hinüber, um ihn zu umarmen.

Er winkte ab. »Lass mal. Ich bin voller Öl. Du machst dir nur deinen Pullover dreckig.« Flüchtig blickte er hoch und nickte ihr zu, ehe er sich wieder seiner Maschine zuwandte.

Ein Stich fuhr Juliana ins Herz. Flüchtige Blicke. Die kannte sie. Mehr hatte er noch nie für sie übrig gehabt. Stattdessen hatte er sie spüren lassen, dass sie nicht gewollt war. Nicht von ihm jedenfalls. In seinen Augen hatte sie ihm die Jugend ruiniert. Er hatte noch keine Familie gründen wollen, als sie sich angemeldet hatte, war von seinen Eltern jedoch gedrängt worden, ihre Mutter zu heiraten.

Eine Ehe, die längst mehr Zweck und Wunsch war.

Juliana strich sacht über ihren Bauch.

Von ihrem Vater hatte sie wenig Liebe erfahren. Ihr Kind sollte nicht dasselbe erleben müssen. Das hatte sie sich geschworen.Sie blinzelte hastig und stieg in ihr Auto. Ach, verflixt, seit sie den sechsten Monat hinter sich gelassen hatte, gab es keine bequeme Sitzhaltung mehr. Nur noch eine mehr oder weniger erträgliche.

Den Gurt sorgsam um ihren Bauch gelegt, ließ sie den Motor an und winkte ihrer Mutter zu, die vor dem Haus stand und zurückwinkte.

Juliana lenkte ihr Auto vom Hof, reihte sich in den abendlichen Berufsverkehr ein und war wenig später auf der A8 unterwegs zurück nach München.

Es war ein grauer, wolkenverhangener Abend. Der Oktober neigte sich dem November entgegen. Während es in den Bergen bereits das erste Mal geschneit hatte, zeigte sich der Herbst im Münchner Raum noch grau und regnerisch.

Juliana fuhr ruhig und konzentriert. Das Licht der Scheinwerfer wurde geschluckt vom allgegenwärtigen Nieselregen. Je weiter sie kam, umso stärker wurde der Wind, der an ihrem Kleinwagen rüttelte. Aus dem Nieseln wurde ein kräftiger Regenguss, der auf das Dach trommelte. Die Scheibenwischer verdrängten wirbelndes Laub und Nässe von der Frontscheibe.

Die Fahrzeuge vor ihr wirbelten Sprüh auf, der die Sicht vernebelte.

Juliana drosselte das Tempo. Dann drehte sie am Radio, bis sie einen Sender fand, der Musik aus den Achtzigern spielte. Die mochte sie. Gerade liefen die BeeGees. Zu den Klängen von ›You win again‹ summte sie mit ... bis ihr Baby unvermittelt trat.

»Hoppla.« Juliana nahm eine Hand vom Lenkrad und strich über ihren Bauch. »Ich kann es kaum erwarten, dich kennenzulernen, kleiner Schatz«, flüsterte sie. »Du ... oh!« Wieder raste der Schmerz durch ihren Leib, scharf diesmal, als würde er einen Riss in ihrem Inneren schaffen. »Du liebe Zeit!« Sie schnappte nach Luft.

Vor ihr bremsten die Fahrzeuge ab. Rote Rückleuchten flammten auf ... gefolgt von orangefarbenen Blinklichtern.

Oh! Oh nein! Ein Stau! Und sie stand mitten auf der Autobahn! Sie spähte auf ihr Navigationssystem. Noch gut vierzig Kilometer von München entfernt.

Ein Seufzen entfuhr ihr.

Vor den Scheiben war nicht viel mehr als das abendliche Grau des Regens zu erkennen. Zu ihrer Rechten ein Feld, kahl und abgeerntet, links ein Wäldchen, dessen Wipfel sich im kräftigen Wind neigten.

Plötzlich summte ihr Mobiltelefon.

Juliana nahm den Anruf über die Freisprecheinrichtung an. »Ja?«

»Hey, bist du schon auf der Heimfahrt?« Die fröhliche Stimme gehörte Carina, ihrer Geschäftspartnerin und Freundin aus Kindertagen. Sie hatten nicht nur gemeinsam das Blumengeschäft Stielecht eröffnet, sondern wohnten auch Tür an Tür.

»Ja, allerdings könnte es später werden. Ich stehe auf der Autobahn im Stau.«

»Du Ärmste. Hoffentlich dauert es nicht zu lange. Was ist denn los? Gab es einen Unfall?«

Juliana spähte nach vorn. »Ich weiß es nicht. Zu sehen ist von hier aus nichts.«

»Halte durch. Ich hab ein neues Curry-Rezept ausprobiert. Magst du nachher mit mir zu Abend essen?«

»Sonst gern, aber heute war ich bei meinen Eltern, und meine Mutter hat mich nicht weggelassen, ohne ein Riesenstück von ihrem Kirschkuchen zu essen. Ich glaube nicht, dass ich heute noch ein Krümel hinunterbringe.«

»Und sie hat dich mit reichlich Vorräten ausgestattet, möchte ich wetten.«

»Diese Wette würdest du gewinnen.«

»Dachte ich's mir doch. Dann essen wir morgen zusammen. Es gibt nämlich etwas zu feiern ...« Ihre Freundin machte eine kurze, aber bedeutungsvolle Pause. »Halt dich fest: Ich hab den Auftrag für die Holzmann-Hochzeit ergattert.«

»Ist nicht wahr?!«

»O doch.«

»Carina! Das ist ja großartig!«

»Ich kann es selbst noch nicht fassen. Die Konkurrenz war groß, aber meine Vorschläge haben das Brautpaar anscheinend überzeugt. Wir sollen die Blumen für die gesamte Hochzeit liefern. Deko, Brautstrauß ... einfach alles.«

»Wow! Aaron Holzmann ist derzeit der angesagteste Schauspieler der Filmstudios. Zu seiner Hochzeit werden etliche berühmte Stars und Sternchen kommen.«

»Und wenn die irgendwann heiraten, denken sie vielleicht an die großartige Blumenausstattung seiner Hochzeit zurück und buchen uns auch. Genau das ist der Plan.« Carina klang überaus zufrieden. »Ich bin gespannt, welche Promis bei dem großen Tag dabei sein werden. Vielleicht kann ich ein paar Autogramme ergattern.«

»Ausgerechnet jetzt muss ich im Mutterschutz sein und alles verpassen.«

»Ich werde dir hinterher ausführlich berichten.« Ihre Freundin machte eine kurze Pause. »Und?«, fragte sie dann. »Hast du dir die Sache überlegt?«

»Welche ... oh.« Juliana ahnte, worauf ihre Freundin hinauswollte. »Du meinst, ob ich David darüber informiert habe, dass er Vater wird?« Sie schaute hinaus in die grauen Regenschleier. »Nein, da gibt es nichts mehr zu überlegen.«

»Juliana ...«

»Er will kein Baby. Das hat er mehr als deutlich gemacht.«

»Irgendeines nicht, aber seines? Da wird die Sache für ihn anders aussehen.«

»Das glaube ich nicht.«

Juliana dachte an den gut aussehenden, dunkelhaarigen Mann zurück, in den sie sich im Winterurlaub verliebt hatte. Im Zillertal hatten sie miteinander wegen einer technischen Panne in einer Gondel festgesessen und waren ins Gespräch gekommen. David Hofer war Anwalt und hatte sie mit Geschichten seiner Zeit bei Gericht von der Kälte und Ungewissheit abgelenkt. Sie hatten kaum bemerkt, wie sich die Bergbahn wieder in Bewegung gesetzt und sie auf den Berg gebracht hatte. Als David sie zum Essen einlud, war sie gern mitgegangen. Sie hatten sich gut verstanden ... und so hatte eins zum anderen geführt.

Erst daheim hatte sie bemerkt, dass ihre gemeinsame Zeit nicht ohne Folgen geblieben war und dass die Verhütung versagt hatte.

Sie war zu ihm gefahren, um ihm von dem Baby zu erzählen.

In seiner Kanzlei war er jedoch ein anderer gewesen als in den Bergen.

Richtig erschrocken war er, hatte offenbar geglaubt, sie würde klammern und mehr aus einer Urlaubsromanze machen, als ihm lieb war.

»Du hast es ihm nicht gesagt«, sagte ihre Freundin mit sanftem Vorwurf.

»Das konnte ich nicht. Mein Baby soll nicht vom eigenen Vater abgelehnt werden.«

»Womöglich würde das nicht geschehen.«

»Womöglich aber doch. Ich kann das Risiko nicht eingehen.«

»Es ist auch sein Baby. Meinst du nicht, du solltest ihm wenigstens die Chance geben, das Richtige zu tun?«

»Nein.« Juliana schüttelte den Kopf. »Unser Kind wäre für ihn nicht mehr als eine Fessel an seinem Bein. Das will ich nicht. Mein Baby soll geliebt und nicht nur geduldet sein.«

Im Hörer blieb es sekundenlang still.

»Also gut. Ich werde dir nicht reinreden. Es ist nur, ich mache mir Sorgen, du könntest das irgendwann bereuen.«

»Ich weiß.« Juliana spähte nach vorn, aber die Fahrzeuge vor ihr rührten sich keinen Zentimeter vom Fleck. »Du, das kann hier noch dauern, aber wenn es nicht allzu spät wird, könnten wir später noch einen Film ansehen.« Seitdem sie schwanger war, war sie dankbar für die Möglichkeiten des Streamings. Kinobesuche verboten sich von selbst, weil sie alle zehn Minuten auf die Toilette musste. So, wie jetzt auch ... Seufzend trommelte sie mit den Fingern aufs Lenkrad.

»Dann bis nachher. Pass auf dich auf.« Ihre Freundin verabschiedete sich und wenig später war die Verbindung unterbrochen.

Juliana rutschte unbehaglich auf ihrem Sitz herum. Der Druck in ihrer Blase wurde immer stärker. Sie reckte den Hals und spähte nach vorn. Wann ging es denn endlich weit... Oh! Au! Ein kräftiger Schmerz raste ihr durch den Leib – und ihr schwante plötzlich nichts Gutes. Die Rückenschmerzen, die sie schon den ganzen Nachmittag hindurch begleitet hatten ... Mit einem Mal wummerte ihr Herz wild und sorgenvoll gegen ihre Rippen ... Das waren keine gewöhnlichen Schmerzen gewesen, sondern die ersten Wehen ...

»Das darf nicht wahr sein«, flüsterte sie.

Ihr Baby kam – und sie stand auf der Autobahn in einem Stau!

***

»Vorsicht, Stefan!« Alexandra bemerkte den Stau im selben Moment wie Stefan Frank und deutete nach vorn, während er bereits auf die Bremse trat.

Der Wagen vor ihnen bremste abrupt. Wolken aus Sprühregen vernebelten die Sicht, deshalb hatte Stefan Frank den Abstand zu seinem Vordermann größer als gewohnt gehalten, das war auch gut, als dieser nun unerwartet mitten auf der Autobahn zum Stehen kam.

»Ein Stau.« Ein leises Seufzen entfuhr ihm. »Der hat uns noch gefehlt. Ich hoffe, wir kommen nicht zu spät nach Hause. Ich wollte uns doch etwas Leckeres zum Abendessen kochen.«

»Notfalls greifen wir auf etwas aus der Tiefkühltruhe zurück.« Seine Freundin lehnte sich auf ihrem Sitz zurück und wirkte so ruhig und entspannt, als säße sie am Strand in der Sonne und nicht in einem vom Sturm durchgerüttelten Auto auf der A8. »Davon lassen wir uns diesen wunderbaren Kurzurlaub nicht vermiesen.«

»Es war wirklich herrlich«, stimmte er zu. »Das sollten wir wiederholen.«

»Unbedingt. Gern wieder in diesem süßen, ein wenig versteckt liegenden Hotel am Chiemsee. Abends noch auf einen Abstecher zum Wasser gehen zu können, ohne weite Wege zu haben, war herrlich.«

»Und bitterkalt.«

»Ja, das auch.« Sie lachte leise. »Zum Glück konnten wir uns danach im Hotel aufwärmen. Diese riesige Badewanne würde mir für daheim auch gefallen.«

»Mir auch.«

Er schaltete den Motor ab, weil es nicht so aussah, als würde die Fahrt bald weitergehen. Der Regen trommelte auf das Autodach und hüllte sie ein, als wären sie ganz allein auf der Welt. Stefan Frank beugte sich zu seiner Freundin und gab ihr einen Kuss, den sie innig erwiderte.

Sie hatten sich vier Tage freigenommen und waren zu einem Kurzurlaub ins Chiemgau gefahren. Er kam selten dazu, Urlaub zu machen. In seiner Praxis für Allgemeinmedizin gab es alle Hände voll zu tun. Sie befand sich in München, genauer gesagt, südlich davon, in Grünwald – ganz in der Nähe der Bavaria Filmstudios. Als Hausarzt hatte er immer ein offenes Ohr für die Sorgen seiner Patienten und half auch bei privaten Sorgen. Seine Freundin war Augenärztin und brachte viel Verständnis auf, wenn seine Arbeit ihn abends wieder einmal länger in der Praxis hält und sie auf ihn warten musste.

»Was hältst du von einem Becher mit Kaffee? In der Thermoskanne müsste noch welcher sein.« Er beugte sich nach hinten und angelte den Rucksack mit Proviant vom Rücksitz. Prüfend schwenkte er die Kanne und nickte. »Der reicht noch.«