Dr. Stefan Frank 2681 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2681 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Aus Kummer über die Trennung ihrer Eltern und darüber, nur eine Nebenrolle in deren stressigen Leben zu spielen, tröstet sich Olivia mit Süßigkeiten über ihre Einsamkeit hinweg. In der Schule wird sie gemobbt, Spitznamen wie Moppelchen und Speckschwarte muss sie sich jeden Tag anhören. Ihre Mutter, Schauspielerin Patrizia, hat keinen Blick für die Bedürfnisse und Sorgen ihrer Tochter. Sie fliegt von einem Dreh zum nächsten, und Olivia bleibt bei der Nanny zurück. Längst haben die familiären Probleme eine Essstörung ausgelöst. Denn immer wieder stopft Olivia in regelrechten Fressattacken hemmungslos Süßigkeiten, Pizza und allerlei Ungesundes in sich hinein.
Der trostlose Alltag ändert sich, als bei Olivias Vater Benedikt Rheuma diagnostiziert wird und er als Pilot nicht länger fliegen darf. Er nimmt einen Teilzeitjob am Münchner Flughafen an und zieht kurzerhand zu seiner Tochter in das Haus nach Grünwald. Benedikt ist besorgt über Olivias gesundheitlichen Zustand. Mit viel Überredungskunst gelingt es ihm, seine Tochter für einen Termin bei Dr. Frank zu gewinnen. Nach einigen kleinen Test ist klar, Olivia hat durch ihre massiv ungesunde Ernährung Diabetes 2 entwickelt. Nun stehen strenge Diät und Bewegung auf dem Plan. Doch die Zwölfjährige nimmt das alles nicht so ernst ...


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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Ich hab' doch nur ein bisschen Zucker

Vorschau

Impressum

Ich hab' doch nur ein bisschen Zucker

Olivia nimmt es mit ihrer Erkrankung nicht so genau – mit verheerenden Folgen

Aus Kummer über die Trennung ihrer Eltern und darüber, nur eine Nebenrolle in deren stressigen Leben zu spielen, tröstet sich Olivia mit Süßigkeiten über ihre Einsamkeit hinweg. In der Schule wird sie gemobbt, Spitznamen wie Moppelchen und Speckschwarte muss sie sich jeden Tag anhören. Ihre Mutter, Schauspielerin Patrizia, hat keinen Blick für die Bedürfnisse und Sorgen ihrer Tochter. Sie fliegt von einem Dreh zum nächsten, und Olivia bleibt bei der Nanny zurück. Längst haben die familiären Probleme eine Essstörung ausgelöst. Denn immer wieder stopft Olivia in regelrechten Fressattacken hemmungslos Süßigkeiten, Pizza und allerlei Ungesundes in sich hinein.

Der trostlose Alltag ändert sich, als bei Olivias Vater Benedikt Rheuma diagnostiziert wird und er als Pilot nicht länger fliegen darf. Er nimmt einen Teilzeitjob am Münchner Flughafen an und zieht kurzerhand zu seiner Tochter in das Haus nach Grünwald. Benedikt ist besorgt über Olivias gesundheitlichen Zustand. Mit viel Überredungskunst gelingt es ihm, seine Tochter für einen Termin bei Dr. Frank zu gewinnen. Nach einigen kleinen Tests ist klar, Olivia hat durch ihre massiv ungesunde Ernährung Diabetes 2 entwickelt. Nun stehen strenge Diät und Bewegung auf dem Plan. Doch die Zwölfjährige nimmt das alles nicht so ernst ...

»Was bist du nur für ein merkwürdiges Mädchen.« Patrizia Marquardt stand vor ihrer elfjährigen Tochter und musterte sie kopfschüttelnd. »Als ich in deinem Alter war, bin ich die ganze Zeit vor dem Spiegel gestanden und habe hübsche Kleider anprobiert. Etwas anderes hatte in meinem Kopf überhaupt nicht Platz.«

»Tut mir leid, dass ich nicht so bin wie du«, flüsterte Olivia. »Ich habe einfach keine Lust, mich hübsch anzuziehen.«

Patrizia runzelte die makellose Stirn.

»Ich glaube eher, dir passen die Kleider nicht mehr, die ich dir von meiner letzten Reise mitgebracht habe.« Sie nahm ihre Tochter an den Schultern und drehte sie einmal um die eigene Achse. »Ist es möglich, dass du schon wieder zugenommen hast?«

Wie so oft wünschte sich Olivia auch diesmal ein Loch, in das sie verschwinden konnte, um nie mehr wieder herauszukommen. Dabei liebte sie ihre Mama und hätte sich nicht eine Minute eine andere Mutter gewünscht als diese Patrizia Marquardt, auch wenn das Zusammenleben mit der kapriziösen Schauspielerin nicht gerade einfach war.

Kapriziös! Olivia kannte dieses Wort aus den Zeitungen und Zeitschriften, die über ihre Mutter schrieben und hatte ihre Lehrerin nach der Bedeutung gefragt. Kapriziös zu sein war nichts Schlechtes. Abgesehen davon passte dieser Begriff ziemlich gut zu ihrer Mama. Patrizia konnte unglaublich liebevoll und zärtlich sein, aber eben genauso chaotisch, schwierig und ja, manchmal auch gemein.

»Ich weiß es nicht. Ich habe mich nicht gewogen.«

»Dann husch, husch ins Badezimmer auf die Waage.«

»Aber Mama ...«

»Keine Widerrede!« Patrizia schaltete die Waage ein und beugte sich über die Schulter ihrer Tochter. »Wusste ich es doch! Zweiundfünfzig Kilo bei einer Größe von einsfünfzig. Das ist schon wieder ein Kilo mehr als vor meiner Abreise.« Sie zückte das Mobiltelefon und öffnete das Internet, um Olivias Daten in einen Body-Mass-Index-Rechner einzugeben. »Du hast eindeutig Übergewicht, mein Moppelchen.«

Olivia zuckte zusammen, als hätte Patrizia sie geschlagen. Dabei gehörte »Moppelchen« noch zu den netteren Bezeichnungen, die ihr ihre Klassenkameraden an den Kopf warfen. Fetti, Schweinchen Dick oder Speckschwarte waren da schon schlimmer. Aber aus dem Mund ihrer eigenen Mutter konnte die Demütigung kaum größer sein. Verzweifelt suchte Olivia nach einem Ausweg.

»Wie war es in Hamburg?«

Patrizia war am vergangenen Tag mit dem Zug in den hohen Norden gefahren. Auch wenn sie eine berühmte Schauspielerin war, blieben ihr Castings nicht erspart. Auf diese Termine bereitete sie sich gründlich vor und wenn sie eine Rolle nicht bekam, hatte sie große Selbstzweifel, die sie umgehend mit ihrer Therapeutin bearbeiten musste.

Diesmal leuchteten Patrizias Augen zum Glück auf, das Gewichtsproblem ihrer Tochter war sofort vergessen.

»Oh, sie haben mich genommen«, verkündete sie und machte sich auf den Weg in ihr Schlafzimmer. Olivia trippelte hinterher. »Trotzdem bin ich nicht sicher.« Patrizia zog die goldfarbene Strickjacke aus und warf sie ihrer Tochter zu, die es sich auf dem Bett bequem gemacht hatte.

»Warum?«, fragte Olivia und vergrub die Nase in dem kratzigen Stoff. Was für ein herrlicher Duft! Schade, dass er verflogen sein würde, wenn ihre Mama das nächste Mal auf Reisen war. Er hätte sie bestimmt getröstet.

Patrizia stand vor dem hohen Spiegel und begutachtete sich eingehend.

»Arno war nicht so überzeugt wie sonst. Wir haben uns seit ein paar Jahren nicht gesehen.« Sie beugte sich vor, um ihr Gesicht unter die Lupe zu nehmen. »Wahrscheinlich dachte er, ich sei der einzige Mensch unter Gottes Sonne, an dem die Jahre spurlos vorübergehen. Dabei ist mein Leben seit der Trennung von deinem Vater wahrlich kein Zuckerschlecken.« Sie seufzte theatralisch. »Kein Wunder, dass ich Falten um die Augen bekomme.« Sie drehte sich zu Olivia um und zeigte ihr die vermeintlichen Krähenfüße. »Siehst du?«

Olivia zwinkerte ihr zu.

»Ja, du siehst schrecklich aus. Wie eine alte Oma.«

Ihre Mutter lachte. »Danke, Schätzchen. Damit hast du meinen Abend gerettet.«

Sie schlang die dunkle Mähne zu einem Dutt und tauschte das topmodische Kostüm gegen einen Hausanzug aus weichem Jersey.

Olivias Herz zog sich zusammen. Wahrscheinlich sah ihre Mama auch in einem Kartoffelsack aus wie eine Königin. Patrizia war groß, schlank und dunkelhaarig. Wegen ihrer edlen Züge spielte sie häufig adlige Frauen in historischen Rollen. Einmal hatte sie Marie Antoinette verkörpert mit gepuderter Perücke und raschelndem Seidenkleid. Sie hatte so schön ausgesehen, dass Olivia fast in Ohnmacht gefallen wäre. Kein Wunder, dass sich ihre Mama für sie schämte.

Als könnte Patrizia Gedanken lesen, drehte sie sich zu ihrer Tochter um.

»Warum machst du so ein Gesicht?« Sie küsste Olivia flüchtig auf die Stirn und zog sie mit sich durch die schicke Altbauwohnung in die Wohnküche. Das Fischgrätenparkett knarrte unter ihren Füßen. »Ich habe einen Mordshunger. Was hältst du davon, wenn wir zwei Hübschen uns etwas Schönes zu essen bestellen? Wie wäre es mit Pizza?«, fragte sie, als ihr Blick wieder an Olivia hinunter wanderte. »Oder doch lieber Sushi.«

»Nein, nein, ich habe eh nicht so viel Hunger«, beeilte sich Olivia zu versichern. »Ich nehme nur einen Salat.«

»Kluges Mädchen«, lobte Patrizia und wählte die Nummer des Lieferdienstes.

***

»Was für eine Suppe!« Angestrengt starrte Benedikt Marquardt durch das Fenster des Airbus' nach draußen in das undurchdringliche Grau. »Wenn ich nicht genau wüsste, dass München vor uns liegt, würde ich glatt weiterfliegen.«

»Untersteh dich!«, scherzte sein Co-Pilot Fred Scheil. »Meine Frau hat sich heute extra freigenommen. Wir wollen mit den Kindern in die Therme nach Erding. Das Rutschen-Paradies dort ist gigantisch.«

»Eine gute Idee«, murmelte Benedikt. Der Autopilot war eingeschaltet und würde die Landung übernehmen. Trotzdem ruhte sein aufmerksamer Blick auf den Instrumenten. »Das könnte ich Olivia auch mal vorschlagen.«

Das Flugzeug fiel in ein Luftloch und rumpelte. Benedikt stöhnte auf, Fred zog eine Augenbraue hoch.

»In deinem Alter würde ich statt einer wilden Rutschpartie ein paar ruhige Saunagänge empfehlen.«

»Haha!« Benedikt schnitt eine Grimasse. Er drückte ein paar Knöpfe und legte Schalter um. Aus seinem Kopfhörer klangen die Funksprüche des Towers. »Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen«, fuhr er fort. »Aber warte nur ab, irgendwann schlägt das Alter auch bei dir zu. Dann stecke ich gerade in meinem zweiten Frühling und werde derjenige sein, der lacht.«

Die Maschine sank tiefer. Endlich tauchten unten die Begrenzungslichter der Landebahn auf. Der Asphalt glänzte vor Nässe. Beide Piloten konzentrierten sich auf ihre Arbeit, um über hundert Passagiere sicher auf den Boden zu bringen. Sanft setzte der Airbus auf. Sofort setzte der Gegenschub ein und bremste die Maschine innerhalb kürzester Zeit ab. Wieder einmal hatte die Reise ein glückliches Ende gefunden! Nun galt es nur noch, den Flieger in die endgültige Parkposition zu bringen.

»Geschafft.« Verstohlen wischte sich Benedikt den Schweiß von der Stirn. Ein Glück, dass er in weiser Voraussicht einen Termin bei Dr. Frank ausgemacht hatte. Er kannte und schätzte den Allgemeinarzt aus der Zeit, als er noch in München gelebt hatte. Bis auf den heutigen Tag vertraute er auf Dr. Franks Expertise und versuchte, die Besuche bei seiner Tochter mit einem Termin bei dem Arzt seines Vertrauens zu kombinieren.

Aber zuerst einmal war Olivia an der Reihe. Benedikt hatte seine Tochter seit ein paar Wochen nicht mehr gesehen. Höchste Zeit, wieder einmal ein paar Stunden zusammen zu verbringen.

Seit Patrizia wieder ganz normal arbeitete, machte sich Benedikt Sorgen um seine einzige Tochter. Innerhalb eines Jahres hatte sie ordentlich zugenommen. Natürlich wusste Benedikt, dass Patrizias berufsbedingte Abwesenheit Olivia zu schaffen machten. Gerade in ihrem Alter brauchte sie eine zuverlässige Bezugsperson. Aber konnte er seiner Ex-Frau einen Vorwurf machen, sich nicht an die Vereinbarung gehalten zu haben? Patrizia hatte versprochen, beruflich zurückzustecken, um mehr Zeit für Olivia zu haben. Anfangs hatte das auch geklappt und sie waren gut zurechtgekommen. Doch Patrizia war es nicht gut gegangen mit ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter. Sie hatte sich sogar entsetzlich schlecht gefühlt, denn in Wahrheit konnte sie nicht ohne ihr Publikum leben.

Als wieder einmal das Angebot eines Theaters ins Haus schneite, hatte sie kurzerhand ein Kindermädchen engagiert und zugesagt. Die nächsten Rollen und auch das Fernsehen ließen nicht lange auf sich warten und allmählich wurde Patrizia wieder zu der Frau, die ihre Familie immer gekannt hatte. Inzwischen war sie erfolgreicher denn je.

Doch der Erfolg hatte auch seine Schattenseiten. Benedikt wusste, dass sich ihre Tochter nicht recht daran gewöhnen konnte, ihre Eltern tage- oder manchmal wochenlang nicht zu sehen. Sicher, das Kindermädchen Sophia war nett und Benedikt kam vorbei, wann immer er einen Zwischenstopp in München einplanen konnte. Trotzdem entstand ein Vakuum in Olivia, das sich lautlos in ihrem Inneren ausbreitete. Daran änderten weder die Süßigkeiten noch das Knabberzeug etwas, das sie in den einsamen Stunden vor dem Computer oder dem Fernseher in sich hineinstopfte. Aber konnte Benedikt seiner Ex-Frau die ganze Schuld zuschieben? Schließlich war er als Pilot auch ständig unterwegs und hatte viel zu wenig Zeit für sein einziges Kind.

Auf dem Weg aus dem Sicherheitsbereich schob Benedikt die Pilotenmütze in den Nacken und wechselte die Tasche in die andere Hand. Langsam aber sicher wurde er alt. Und das, obwohl er erst Anfang vierzig war. So schnell hatte er wahrlich nicht mit Verschleißerscheinungen gerechnet. Er wackelte mit den Fingern der rechten Hand und atmete auf. Die Gelenke schmerzten nicht mehr so sehr wie morgens kurz nach dem Aufstehen, und auch die Rückenschmerzen wurden mit jedem Schritt besser. Ein paar fröhlichen Tagen mit seiner einzigen Tochter stand nichts im Weg.

***

In diesem Jahr machte der November seinem Ruf alle Ehre. Schon seit Tagen herrschte dichter Nebel, auch tagsüber wurde es nicht richtig hell. Ab und zu fiel Regen aus den tiefhängenden Wolken, Tropfen fielen von kahlen Ästen auf das Laub im Gras.

Stefan Frank stand am Schlafzimmerfenster der altehrwürdigen Villa. Durch das gekippte Fenster wehte kühle Luft und ließ ihn frösteln. Während er hinaus in den herbstlichen Garten blickte, knöpfte er das Hemd zu.

»Es hat ja alles seine Vor- und Nachteile«, sagte er zu seiner Freundin Alexandra, die noch im Bett lag, einen Arm über den Augen, um sich vor der tristen Wirklichkeit zu schützen. »Aber an Tagen wie diesen bin ich froh, für die Arbeit nicht aus dem Haus zu müssen.«

»Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du mich unter deinem Regenschirm zu meiner Praxis begleiten.« Alexa nahm den Arm weg. Ihre Augen funkelten verdächtig.

»Das ist Erpressung.«

»Eine meiner Lieblingsmethoden, um meine Ziele zu erreichen«, gluckste Alexandra. Mit einem Satz sprang sie aus dem Bett und schlang die Arme um Stefans Hals. »Und extrem effektiv.« Sie küsste ihn, dass er um ein Haar seine Pflichten vergessen hätte.

Es war Martha Giesecke zu verdanken, dass er der Versuchung widerstand.

»So ein Schietwetter«, schimpfte sie so laut, dass ihre Stimme noch im oberen Stockwerk zu hören war.

Ein letzter Kuss, dann fügte sich Stefan Frank seufzend in sein Schicksal.

»Ich könnte das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, dich mit dem Wagen in die Praxis bringen und gleich in die Klinik weiterfahren«, dachte er laut nach, während er Kaffeepulver in die Maschine löffelte. Er setzte den Siebträger in die Halterung und drückte auf den Knopf. Gleich darauf duftete es nach frisch gebrühtem Espresso, schwarz und stark genug, um die Lebensgeister zu wecken. Die erste Tasse bekam Alexandra. »Leider habe ich heute Vormittag Sprechstunde. Du müsstest dich also bis mittags gedulden.«

»Erzähl das mal meinen Patienten. Nein, tut mir leid. Um die Regenschirmbegleitung kommst du nicht herum.« Alexandra blieb hart und lockte ihren Freund nach draußen.

Nach ein paar Schritten an der frischen Luft atmete Stefan Frank tief durch.

»Das war eine ausgezeichnete Idee«, lobte er seine Freundin. »Mit ein bisschen Bewegung fängt selbst ein Regentag gleich ganz anders an.« Vor dem modernen Block, in dem Alexandra mit einer Kollegin als Augenärztin praktizierte, verabschiedete er sich.

Seine Wangen leuchteten mit seinen Augen um die Wette, als er bald darauf in die Villa zurückkehrte.

»Herrlich!« Er schüttelte den Regenschirm und stellte ihn zum Abtropfen in den Ständer. »Ich verstehe gar nicht, warum Sie heute Morgen so geschimpft haben.«

»Weil ich keinen Mann habe, der mir den Regenschirm trägt«, murrte Schwester Martha.

»Dafür haben Sie einen Chef, der Ihnen Frühstück bringt.« Zufrieden mit seiner Idee legte Stefan Frank eine Papiertüte mit dem Aufdruck des Eck-Cafés auf den Tresen. »Es gibt Butterbrezen und für die Süßen unter uns Quark-Streusel-Taschen und Kirschschnitten.«

»Sie sind ein echter Schatz!« Einen Moment lang sah Martha Giesecke aus, als wollte sie ihrem Chef um den Hals fallen. In letzter Sekunde besann sie sich eines Besseren.

Das lag unter anderem an dem Mann, der gerade die Praxis betrat.

»So ein Mistwetter!«, schimpfte auch Benedikt Marquard und schüttelte sich wie ein Hund. »Wie soll ich meine Tochter da überreden, mit mir wenigstens einen Spaziergang zu machen?«

»Indem Sie einen großen Schirm kaufen und ihr den Besuch eines hübschen Cafés in Aussicht stellen«, schlug Schwester Martha mit einem Augenzwinkern für ihren Chef vor und drückte Stefan Frank die Patientenkarte in die Hand, die schon auf dem Tresen gewartet hatte.

***

Öffentliche Verkehrsmittel waren schrecklich. Am schlimmsten aber war der Schulbus. Jeder Tag, an dem Olivia zum Schulbus musste, war der schlimmste ihres Lebens. An diesem Morgen war es besonders grausam. Alleine der Weg zur Haltestelle kam einer Strafe gleich. Olivia schnaufte und keuchte schon wie eine alte Dampflokomotive, bevor sie überhaupt den halben Weg dorthin zurückgelegt hatte. Wenn sie es dann endlich geschafft hatte, pulsierten ihre Knie und Knöchel. Noch schlimmer aber waren die Blicke der anderen Schüler, ihr Tuscheln hinter vorgehaltener Hand.

Schon allein deshalb ließ Olivia die anderen beim Einsteigen vor. An diesem Morgen stolperte sie zu allem Überfluss aber auf der Treppe und brachte den Schüler vor sich zu Fall.

»Kannst du nicht aufpassen, Fettkloß?«, fauchte er, den Blick auf Olivia geheftet, die gegen die Schwerkraft kämpfte. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn, als sie endlich wieder auf ihren Beinen stand.