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An einem Dienstagmorgen taucht Sonja Casper zum ersten Mal in der Praxis Dr. Frank auf. Sie kommt mit ihrer kleinen Tochter Carolina, sechs Jahre alt. Caro leidet unter unerklärlichen Bauchschmerzen. Dr. Frank untersucht das Mädchen, kann den Grund für die Beschwerden aber nicht feststellen. Er nimmt Blut ab, um es im Labor der Waldner-Klinik analysieren zu lassen. Außerdem fällt ihm der Husten des Mädchens auf. Er fragt Sonja danach und findet heraus, dass die beiden ständig bei irgendwelchen Ärzten sind. Dr. Frank bittet die Mutter um eine Aufstellung, damit er die Unterlagen von den Kollegen anfordern kann.
Wenige Tage darauf steht Sonja spät am Abend mit der kleinen Carolina vor Stefan Franks Haustür. Die Bauschmerzen sind so schlimm geworden, dass der Arzt das Mädchen sofort in die Waldner-Klinik bringen lässt. Dort kann zunächst nichts festgestellt werden. Die Mediziner warten auf weitere Untersuchungsergebnisse. In Stefan Frank, der die Befunde der Kollegen bereits gelesen hat, reift ein leiser Verdacht heran. Doch er ist so ungeheuerlich, dass der Grünwalder Arzt sich noch scheut, ihn laut auszusprechen ...
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Die dunkle Seite einer Mutter
Vorschau
Impressum
Die dunkle Seite einer Mutter
Sonja leidet am Münchhausen- Stellvertreter-Syndrom
An einem Dienstagmorgen taucht Sonja Casper zum ersten Mal in der Praxis Dr. Frank auf. Sie kommt mit ihrer kleinen Tochter Carolina, sechs Jahre alt. Caro leidet unter unerklärlichen Bauchschmerzen. Dr. Frank untersucht das Mädchen, kann den Grund für die Beschwerden aber nicht feststellen. Er nimmt Blut ab, um es im Labor der Waldner-Klinik analysieren zu lassen. Außerdem fällt ihm der Husten des Mädchens auf. Er fragt Sonja danach und findet heraus, dass die beiden ständig bei irgendwelchen Ärzten sind. Dr. Frank bittet die Mutter um eine Aufstellung, damit er die Unterlagen von den Kollegen anfordern kann.
Wenige Tage darauf steht Sonja spät am Abend mit der kleinen Carolina vor Stefan Franks Haustür. Die Bauschmerzen sind so schlimm geworden, dass der Arzt das Mädchen sofort in die Waldner-Klinik bringen lässt. Dort kann zunächst nichts festgestellt werden. Die Mediziner warten auf weitere Untersuchungsergebnisse. In Stefan Frank, der die Befunde der Kollegen bereits gelesen hat, reift ein leiser Verdacht heran. Doch er ist so ungeheuerlich, dass der Grünwalder Arzt sich noch scheut, ihn laut auszusprechen ...
Zufrieden sah sich die Arzthelferin Martha Giesecke in der Praxis Dr. Frank um. Alles war picobello aufgeräumt. Die Blumen waren gegossen, kühle Dezemberluft wehte durch die gekippten Fenster. Die Zeitschriften im Wartezimmer waren geordnet, das Spielzeug in der Kinderecke bereit für die tägliche Invasion der kleinsten Patienten. Auf einem Tisch in der Ecke stand eine Karaffe mit Wasser und Gläsern bereit, auf einem Stapel auf dem Tresen lagen die Patientenkarten der Vormittagstermine neben dem Adventsgesteck. Aus der kleinen Kaffeeküche hinter dem Tresen strömte ein verführerischer Duft.
Schwester Martha sah auf die Uhr und seufzte zufrieden. Wie erhofft blieb ihr noch eine Viertelstunde Zeit, bis Leben in die Bude kam. Wie fast jeden Morgen nutzte sie diese Gelegenheit, um in den Klatschblättern des Lesezirkels zu schmökern. Natürlich tat sie das nicht aus Neugier, sondern alleine deshalb, um sich mit Gesprächsstoff zu versorgen.
Im Laufe der Jahre hatte Martha Giesecke ihre Patientinnen und Patienten kennengelernt wie sich selbst. Sie wusste, dass Marianne Krug neben ihrem Bluthochdruck eine Katze hatte und ihre Nachmittage mit fernsehen verbrachte. Carlo Moretti dagegen liebte seinen Schrebergarten. Im Sommer baute er dort Gemüse an und nutzte die kalte Jahreszeit, um aus den eingelegten Leckereien Gerichte aus seiner Heimat zu zaubern, was seiner Figur deutlich anzusehen war. Nichtsdestotrotz freute er sich jedes Mal, wenn er mit Dr. Franks Sprechstundenhilfe über Neuigkeiten aus seinem italienischen Zuhause schwatzen und Kochrezepte tauschen konnte.
Die Blätter der Zeitschrift raschelten zwischen Marthas Fingern. Bevor sie allerdings den Rezeptteil erreichte, stolperte sie über einen anderen Artikel.
»Die Flucht einer Mutter – Darum ließ Sandra B. ihre Kinder in einem spanischen Hotel zurück«, lautete die Überschrift.
Martha schüttelte den Kopf.
»Wie kann man nur so verantwortungslos sein?«, schnaubte sie nach der Lektüre des Artikels. »Man sollte junge Menschen zu seinem Kurs verdonnern, bevor man sie auf Kinder loslässt.«
»Wie bitte?«, fragte eine Frauenstimme.
Schwester Martha zuckte zusammen. Blitzschnell ließ sie das Heft unter den Unterlagen auf ihrem Schreibtisch verschwinden.
»Ick habe gar nicht bemerkt, dass jemand gekommen ist.«
Die Frau stand am Eingang und lächelte schüchtern.
»Mein Name ist Sonja Caspar. Und das hier ist meine Tochter.« Sie deutete auf das etwa sechsjährige Mädchen an ihrer Hand. »Ich habe gestern angerufen. Ihre Kollegin sagte mir, ich solle ein paar Minuten vor der Sprechstunde vorbeikommen, dann könnte Doktor Frank uns gleich drannehmen.«
Martha Giesecke beugte sich über den Terminkalender. Da stand es ja!
»Was fehlt Ihrer Tochter denn?«
»Seit ein paar Tagen leidet Carolina an unerklärlichen Bauchschmerzen, und ich möchte nichts übersehen.«
»Lieber einmal zu oft zum Arzt gegangen als einmal zu wenig.« Martha winkte ihre frühen Besucher heran. »Carolina ist zum ersten Mal bei uns?«
Sonja Casper lächelte verlegen.
»Auf der Suche nach einem Arzt bin ich im Internet auf die Praxis Doktor Frank gestoßen. Die Rezensionen haben mich überzeugt«, erzählte sie und nahm das Klemmbrett entgegen, das Martha über den Tresen schob. »Wir hatten Glück und haben nach der Scheidung eine hübsche Wohnung ganz hier in der Nähe gefunden.«
Hatte sie das gerade richtig verstanden? Diese Frau hatte ihren Wohnort nach der Lage der Arztpraxis ausgewählt? Kurz dachte Martha an den Artikel in der Zeitschrift. Das, was manchen Müttern an Verantwortungsgefühl fehlte, hatten andere offenbar zu viel.
Schnell schob sie diesen Gedanken wieder weg.
»Sie haben sich den besten Arzt weit und breit ausgesucht«, versprach sie und zwinkerte Carolina zu, die stumm wie ein Fisch und leichenblass neben ihrer Mama stand. »Und das sage ick nicht, weil ich hier arbeite.«
Lächelnd wandte sich Sonja Caspar an ihre Tochter.
»Habe ich es dir nicht versprochen, Mäuslein? Jetzt hat dein Leidensweg endlich ein Ende und alles wird gut.«
Doch Carolina schwieg.
***
»Aufwachen, du Faulpelz! Oder möchtest du deinen Kaffee heute früh lieber kalt genießen?«, scherzte Dr. Stefan Frank fröhlich und stellte eine Tasse auf den Nachttisch. Daneben fand auch noch ein Teller Platz. »Das kannst du dir eigentlich sparen. Noch schöner kannst du gar nicht werden.«
Um seiner Freundin das Aufwachen leichter zu machen, ging er zum Fenster und zog die Vorhänge zurück.
Es war ein blasser Morgen Anfang Dezember. Über Nacht war Schnee gefallen. Die Welt sah aus wie mit Puderzucker bestäubt. Doch das Glück würde nicht von langer Dauer sein, wie der wolkenlose Himmel verriet. Laut Wetterbericht würden die Temperaturen weit über null Grad steigen.
Stefan Frank konnte der Versuchung nicht widerstehen und öffnete das Fenster. Erfrischend kühle Luft strömte ins Zimmer.
»Was fällt dir ein! Nein!«, wehrte sich Alexandra im Halbschlaf und zog die Bettdecke bis ans Kinn. »Mach sofort das Fenster zu! Was hast du von meiner Schönheit, wenn ich zu Eis gefroren bin?«
Lachend kehrte Stefan zu seiner Freundin zurück.
»Hast du mir nicht gestern Abend ins Ohr geflüstert, dass du vor Liebe zu mir brennst?«
»Da war ich satt, müde und verzaubert von deinen Küssen.«
»Oh, ich glaube, dieser Zustand lässt sich – zumindest in zwei Punkten – wieder herstellen.« Stefan strich ihr eine hellbraune Locke aus dem Gesicht und küsste ihre schlafwarmen Lippen.
Ein gefährliches Grummeln ertönte.
»In diesem einen Punkt konntest du mich überzeugen«, lachte Alexa leise. »Aber was mit meinem Magen?«
»Keine Angst, du musst nicht nur von Luft und Liebe leben.« Stefan griff nach dem Teller und hielt Alexandra die Butterbreze unter die Nase.
Sie schnupperte mit geschlossenen Augen. Ein zufriedenes Lächeln breitete sich über ihre Lippen aus.
»Ich sehe, du lernst schnell.« Sie schenkte ihrem Liebsten noch einen Kuss, ehe sie sich über ihr Frühstück hermachte.
Danach wäre sie liebend gerne mit Stefan wieder unter die Bettdecke geschlüpft. Leider war der Alltag unerbittlich. Nicht nur auf Stefan Frank warteten Patienten. Als Augenärztin mit eigener Praxis hatte auch Dr. Alexandra Schubert alle Hände voll zu tun.
»Ich muss los!«, verkündete sie schließlich mit einem Blick auf die Uhr und leerte ihre Kaffeetasse.
»Das habe ich jetzt davon«, reklamierte Stefan. »Kaum sind all deine Wünsche erfüllt, läufst du mir auch schon davon.«
Alexa drehte sich zu ihrem Liebsten um. Sie legte die Arme um seinen Hals und klimperte verführerisch mit den Wimpern.
»Weil du dich so fürsorglich um mich gekümmert hast, kannst du sicher sein, dass ich heute Abend wieder zu dir zurückkomme«, zwitscherte sie. »Und das wirst du auf keinen Fall bereuen.«
Dieses Versprechen klang Stefan Frank noch im Ohr, als er zehn Minuten später die Stufen aus dem ersten Stock der Villa hinab ins Erdgeschoss stieg. Mit einem Lächeln auf den Lippen begrüßte er Schwester Martha. Auch Marie-Luise Flanitzer war inzwischen an ihrem Arbeitsplatz angekommen. Aber was war das? Aus dem Wartezimmer wehte schon eine Stimme herüber.
»Nein, nein, Christoph, du störst nicht.« Sonja Caspar hielt ihr Mobiltelefon ans Ohr. Ihr Blick ruhte auf ihrer Tochter. »Ich ... Carolina und ich sind gerade auf dem Sprung in die Schule.«
Dr. Frank und seine beiden Assistentinnen sahen sich fragend an.
»Ist das nicht ein bisschen spät?«, erkundigte sich Carolinas Vater am anderen Ende der Leitung.
»Sie hat erst zur zweiten Stunde Unterricht«, versicherte Sonja schnell. »Aber warum hast du angerufen?«
Christoph sammelte sich kurz.
»Ich muss nächste Woche beruflich ein Sägewerk in Österreich besuchen. Da dachte ich, ich könnte bei dieser Gelegenheit bei euch vorbeischauen. Viel Zeit habe ich leider nicht. Aber zwei, drei Stunden wären schon drin.«
Sonja haderte sichtlich mit sich.
»Ich weiß nicht«, seufzte sie dann. »Diese Kurzbesuche bringen Carolina nur durcheinander. Das wissen wir inzwischen doch.«
»Deshalb wollte ich dich ja auch alleine treffen. Carolina ist doch noch in der Mittagsbetreuung, oder?«
»Ja. Ja, schon«, stammelte Sonja.
»Schön. Dann sehen wir uns am nächsten Montag um ein Uhr in unserem Café am Englischen Garten? In Ordnung?«
In diesem Moment beschloss Dr. Frank, lange genug gewartet zu haben. In einer Viertelstunde begann die reguläre Sprechstunde, die nachfolgenden Patienten sollten nicht warten. Er trat an die Tür des Wartezimmers und lächelte Sonja Caspar und ihre Tochter an.
Die Mutter verstand die stumme Aufforderung.
»Du, Christoph, wir müssen jetzt wirklich los zur Schule«, behauptete sie und beendete das Telefonat.
»Dann wollen wir mal sehen, ob wir hier gemeinsam etwas lernen können«, scherzte Dr. Frank und zwinkerte Carolina zu.
Das Blut schoss in Sonjas Wangen. Sie zwang sich ein Lächeln auf die Lippen und nahm die dargebotene Hand.
»Sie dürfen nicht schlecht von mir denken«, bat sie. »Ich ... ich möchte nur nicht, dass sich Carolinas Vater unnötig Sorgen macht.«
»Verstehe. Dann geht es also um die kleine Dame hier.« Dr. Frank bat seine beiden Besucherinnen ins Sprechzimmer. »Was kann ich für dich tun?«, erkundigte er sich freundlich bei Carolina.
Statt einer Antwort hüstelte das Mädchen hinter vorgehaltener Hand.
»Du hast Husten? Kein Wunder bei diesem Wetter. Dieses ständige Auf und Ab der Temperaturen macht uns allen zu schaffen.«
»Das ist nicht der Grund, warum wir hier sind«, warf Sonja Caspar ein und stupste ihre Tochter an.
»Ich habe so schlimmes Bauchweh.« Wie zum Beweis krümmte sich Carolina auf ihrem Stuhl.
»Dann wollen wir uns die Sache mal genauer ansehen.« Stefan Frank bat seine kleine Patientin auf die Behandlungsliege. Während er sie abhörte, den Bauchbereich abtastete und abklopfte, stellte er Carolina und ihrer Mutter allerhand Fragen. Er erkundigte sich nach dem möglichen Auslöser der Schmerzen, nach ihrer Art und Dauer. Er fragte nach Begleiterscheinungen wie Fieber, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.
So gut es ging, beantwortete Carolina die Fragen des Arztes selbst. Geriet die Sechsjährige ins Stocken, half ihre Mutter weiter. Schließlich war die Untersuchung beendet.
»Ehrlich gesagt kann ich keine klare Diagnose stellen«, räumte Stefan Frank ein. Sein nachdenklicher Blick ruhte auf dem blassen Gesicht des Mädchens. »Nachdem die Schmerzen aber schon seit fast drei Wochen immer wieder auftreten, würde ich dir gerne etwas Blut abnehmen.«
Carolina riss die Augen auf.
»Mit einer Nadel?«
»Keine Sorge. Der kleine Pieks tut gar nicht weh. Und hinterher darfst du dir aus unserer Überraschungskiste etwas aussuchen. Einverstanden?«
Carolina hüstelte und nickte. Sie sah Dr. Frank dabei zu, wie er das Blut mit einer Manschette staute. Beim Einstich in die Vene wandte sie den Kopf ab und hustete erneut.
»Wie lange hat Carolina diesen Husten schon?«
Die Röhrchen waren gefüllt. Dr. Frank zog die Nadel heraus und drückte einen Tupfer auf die Einstichstelle.
»Schon seit Monaten«, erwiderte Sonja Caspar. »Zuletzt wurde er etwas besser. Aber seit zwei, drei Wochen wird er wieder schlimmer.«
»Hat sich das schon einmal ein Arzt angesehen?«
»Einer?« Die Mutter lachte schrill. »Von Pontius zu Pilatus sind wir damit gelaufen. Einer Ihrer Kollegen tippte auf Pseudo Krupp, ein anderer vermutete Keuchhusten, aber dagegen ist Caro geimpft. Arzt Nummer drei meinte, es sei ein harmloser Infekt und der Kollege Nummer vier wollte mein Mäuschen mit Verdacht auf Lungenentzündung in die Klinik schicken.«
Stefan Frank staunte nicht schlecht.
»Alle Achtung. Bei wie vielen Ärzten waren Sie denn mit Carolina?«
»Wegen dem Husten oder insgesamt?«
»Insgesamt.«
Eine Weile herrschte Schweigen. Carolina hatte sich fertig angezogen und setzte sich wieder neben ihre Mama auf den Stuhl. Schließlich zuckte Sonja mit den Schultern.
»So ganz genau kann ich das wirklich nicht sagen. Das müsste ich zu Hause in den Ordnern nachsehen.«
Stefan Frank runzelte die Stirn und dachte kurz nach.
»Können Sie mir eine Liste der Kollegen zusammenstellen? Wenn mir die Befunde vorliegen, kann ich Carolina mit Sicherheit die eine oder andere Untersuchung ersparen.«
»Natürlich«, erwiderte Sonja Caspar ohne Zögern. »Aber versprechen Sie sich bitte nicht allzu viel davon.«
***
Nicht nur in München verflog die Woche wie im Nu. Auch in Frankfurt standen die Uhren nicht still und im Handumdrehen war das Wochenende gekommen. Am Sonntagabend wurde es Zeit, die Koffer zu packen.
»Zwei Anzüge, eine Jeans, Hemden, Shirts, Unterwäsche und Socken.« Christoph stand im Schlafzimmer und betrachtete den Wäschestapel auf dem Bett. »Habe ich etwas vergessen?«, fragte er seine Freundin, die das Zimmer betreten hatte und ihn von hinten umschlang.
»Mich.«
Lächelnd drehte er sich um und schloss Jana in die Arme.
»Du glaubst gar nicht, wie gerne ich dich mitnehmen würde. Aber du würdest dich nur tödlich langweilen bei den endlosen Besprechungen mit den Maschinenbauingenieuren.«
»Erstens stimmt das nicht, weil ich selbst Technikerin bin. Und zweitens ist das nicht der wahre Grund, warum ich dich nicht begleiten soll, selbst wenn ich Zeit hätte«, sagte Jana ihm auf den Kopf zu. »Du triffst dich mit Sonja. Stimmt's, oder habe ich recht?«
Christoph drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. »Eifersüchtig?«
»Nach allem, was du mit ihr durchgemacht hast? Nein.« Jana schüttelte die dunkle Krause. »Aber ich würde gerne Carolina wiedersehen. Schließlich ist sie deine Tochter, und ich wünsche mir ein gutes Verhältnis zu ihr.« Sie klemmte eine Strähne hinters Ohr und sah ihren Freund fragend an. »Hast du in letzter Zeit etwas von ihr gehört?«
»Du weißt, dass wir fast jeden zweiten Tag telefonieren. Sie lässt jedes Mal Grüße an dich ausrichten.«
»Die süße Maus! Dabei kennt sie mich kaum.« Jana löste sich aus der Umarmung. Sie ließ sich auf das Bett fallen und zog Christoph neben sich. Versonnen betrachtete sie seine Hand in ihrer. »Du vermisst sie sicher sehr.«
»Das stimmt.« Christoph seufzte tief. »Aber ein Kind gehört zu seiner Mutter, und die Trennung war schon schlimm genug für die Kleine. Da will ich nicht auch noch an ihr zerren.«
