Dr. Stefan Frank 2717 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2717 E-Book

Stefan Frank

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Miriam Heller hat alles, was man sich nur wünschen kann: Freunde, eine Familie und einen attraktiven Freund, um den viele Frauen sie glühend beneiden. Sie liebt ihren Job als Zahnarzthelferin und ihre Hündin Mali. Seit einiger Zeit fühlt sich Miriam jedoch müde und erschöpft. Es begann schleichend, sie weiß gar nicht mehr genau, wann sie sich zuletzt richtig wohl in ihrer Haut gefühlt hat. Nach jeder größeren Anstrengung hat sie Kopf- und Gliederschmerzen und fühlt sich, als würde sie eine Grippe bekommen. Außerdem kann sie schlecht schlafen. Ihr Gynäkologen glaubt an einen Blutmangel und empfiehlt ihr Eisentabletten. Ihre Freundin Jule rät ihr zu mehr Schlaf, meditiert mit ihr und schleppt kistenweise gesunde Lebensmittel an. Doch Miriam fühlt sich immer elender. Ihre Beine kribbeln und werden taub, wenn sie lange am Zahnarztstuhl steht, sie hat massive Kopfschmerzen, kann sich kaum noch konzentrieren. Sie beginnt, Hobbys zu vermeiden und Verabredungen abzusagen, die ihr früher Freude gemacht hätten, jetzt jedoch zu viel sind. Ihren Alltag kann sie kaum noch bewältigen. Der Gynäkologe lässt die Schilddrüse und die Blutwerte checken - ohne Ergebnis. Auch eine Neurologe kann keine Diagnose stellen. Da gerät Miriam an Dr. Frank. Er tippt auf das chronische Fatigue-Syndrom. Und er soll recht behalten. Ein schwerer Schlag für Miriam, denn die Chance auf eine spontane Heilung ist sehr gering ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Rätselhafte Müdigkeit

Vorschau

Impressum

Rätselhafte Müdigkeit

Miriams Leben mit dem chronischen Fatigue-Syndrom

Miriam Heller hat alles, was man sich nur wünschen kann: Freunde, eine Familie und einen attraktiven Freund, um den viele Frauen sie glühend beneiden. Sie liebt ihren Job als Zahnarzthelferin und ihre Hündin Mali. Seit einiger Zeit fühlt sich Miriam jedoch müde und erschöpft. Es begann schleichend, sie weiß gar nicht mehr genau, wann sie sich zuletzt richtig wohl in ihrer Haut gefühlt hat. Nach jeder größeren Anstrengung hat sie Kopf- und Gliederschmerzen und fühlt sich, als würde sie eine Grippe bekommen. Außerdem kann sie schlecht schlafen. Ihr Gynäkologe glaubt an einen Blutmangel und empfiehlt ihr Eisentabletten. Ihre Freundin Jule rät ihr zu mehr Schlaf, meditiert mit ihr und schleppt kistenweise gesunde Lebensmittel an. Doch Miriam fühlt sich immer elender. Ihre Beine kribbeln und werden taub, wenn sie lange am Zahnarztstuhl steht, sie hat massive Kopfschmerzen, kann sich kaum noch konzentrieren. Sie beginnt, Hobbys zu vermeiden und Verabredungen abzusagen, die ihr früher Freude gemacht hätten, jetzt jedoch zu viel sind. Ihren Alltag kann sie kaum noch bewältigen. Der Gynäkologe lässt die Schilddrüse und die Blutwerte checken – ohne Ergebnis. Auch eine Neurologe kann keine Diagnose stellen. Da gerät Miriam an Dr. Frank. Er tippt auf das chronische Fatigue-Syndrom. Und er soll recht behalten. Ein schwerer Schlag für Miriam, denn die Chance auf eine spontane Heilung ist sehr gering ...

»Vorsicht, Stefan!« Alexandra richtete sich so abrupt auf, dass das Ruderboot bedrohlich ins Schaukeln geriet. Wasser schwappte gegen die Bordwand und ein empörtes Schnattern wehte über den See heran.

Stefan Frank hielt beim Rudern inne, ließ die beiden Ruder über das Wasser streichen und blickte über seine Schulter. Dabei fiel sein Blick auf die Quelle des Schnatterns: eine Entenfamilie!

Hinter einer Entenmutter schwammen sechs flaumige junge Entlein in einer Reihe. Und das Ruderboot bewegte sich geradewegs auf sie zu!

Stefan Frank tauchte das rechte Ruder ins Wasser und brachte das Boot von seinem verhängnisvollen Kurs ab. Wenig später schaukelten sie gemächlich und in sicherem Abstand an der kleinen Familie vorüber.

Eines der Jungtiere hatte sich von den anderen entfernt und schnappte hungrig nach einem Blatt, das auf dem Wasser trieb. Stefan Frank zog rasch seinen Fotoapparat aus der Tasche, hob ihn vor die Augen und schoss mehrere Bilder. Der Anblick des Kükens war einfach zu herzig!

Anschließend richtete er den Sucher auf seine Freundin, die sich inzwischen wieder entspannt im Heck des Bootes zurückgelehnt hatte und einen Arm über die Bordwand ins Wasser hängen ließ. Ein weißer Sonnenhut saß auf ihren braunen Locken. Sie trug einen türkisfarbenen Badeanzug, der ihre sommerlich gebräunte Haut betonte, und hatte sich ein Tuch um die Hüften geschlungen. Sie sah so bezaubernd aus, dass er mehrere Aufnahmen von ihr machte.

Als sie es bemerkte, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Dann warf sie ihm eine Kusshand zu. Er machte einige Aufnahmen, ehe er die Kamera sinken ließ.

»Am liebsten würde ich den ganzen Tag festhalten«, meinte er versonnen. »Nicht nur diesen einen Augenblick.«

»Es ist wirklich wunderbar hier«, schwärmte Alexandra. »Ich bin froh, dass wir doch noch einen gemeinsamen freien Tag für unseren Ausflug gefunden haben.«

»Leicht war es nicht.«

»Ganz zu schweigen von den Tagen, die für den Papierkram und die Abrechnungen mit den Krankenkassen draufgehen. Manchmal habe ich das Gefühl, es wird von Monat zu Monat mehr.«

»Wird es tatsächlich«, bestätigte er.

Er führte seine Praxis für Allgemeinmedizin seit vielen Jahren – und so viele Schreibarbeiten wie in diesem Sommer waren noch nie notwendig gewesen. Glücklicherweise konnte er auf die Unterstützung seiner Arzthelferinnen zählen, sodass ihm trotz des wachsenden Papierberges ausreichend Zeit für seine Patienten blieb.

Schon seit Wochen hatten sich seine Freundin und er einen Ausflug an den Chiemsee vorgenommen. Immer war ihnen etwas dazwischengekommen, meist die Arbeit oder regnerisches Wetter. An diesem Tag jedoch war alles perfekt. Sie hatten beide frei, und der Himmel über dem Voralpenland präsentierte sich wolkenlos und klar. Und so waren sie nun in einem Ruderboot unterwegs.

Die Spitzen der nahen Kampenwand lagen hinter leichtem Dunst verborgen; ein Zeichen, dass das schöne Wetter anhalten würde.

Am See herrschte reger Betrieb. Ausflügler und Urlauber tummelten sich an den Badestränden oder kreuzten auf Booten und Fahrgastschiffen auf dem Wasser. Soeben zog die Irmingard an ihnen vorüber. Ihre Bugwellen brachten ihr Ruderboot spürbar ins Schaukeln. Alexandra stieß ein leises Juchzen aus.

Stefan ruderte sie in ruhigeres Wasser.

»Was meinst du? Sollen wir zurückfahren?«

»Noch nicht«, bat sie. »Es ist so wunderbar hier auf dem Wasser.«

»Dann sollten wir uns noch etwas eincremen. Die Sonne brennt ganz schön.«

Er holte kurzerhand die Ruder ein. Dann suchte er die Sonnenmilch aus der Badetasche und stand vorsichtig auf. Während das Boot unter ihm wankte, ging er nach hinten zu seiner Freundin. Sie kehrte ihm den Rücken zu und zog die Träger ihres Badeanzugs ein wenig zur Seite, damit er ihr die Schultern eincremen konnte.

Als er die Sonnenmilch auf ihrer Haut verstrich, schnappte sie nach Luft.

»Uh, kalt!« Sie schüttelte sich leicht, aber wenig später seufzte sie zufrieden. »Ah, das ist angenehm. Nicht aufhören, Stefan.«

Er ließ seine Hände sacht über ihre Haut streichen.

Alexandra legte den Kopf zur Seite und seufzte wohlig. Sein Herz wurde weit vor Liebe. So viele Jahre war er allein gewesen, nachdem seine Verlobte ums Leben gekommen war. Er hatte nicht gedacht, dass er sich noch einmal verlieben könnte. Doch dann war er der bezaubernden Augenärztin begegnet. Sie hatte etwas in ihm gelöst, von dem er nicht einmal geahnt hatte, dass es verschlossen gewesen war.

Nun konnte er sich sein Leben ohne sie nicht einmal mehr vorstellen.

Er verstrich auch den letzten Rest Sonnenmilch auf ihrer Haut. Dabei schweifte sein Blick hinüber zur Herreninsel. Durch die Bäume konnte er einen Blick auf das Schloss erhaschen, das König Ludwig II. vor beinahe einhundertfünfzig Jahren nach dem Vorbild von Versailles hatte erbauen lassen. Heute zog es täglich zahlreiche Besucher aus nah und fern an.

Als er den Kopf nach links drehte, sah er die Fraueninsel mit dem Kloster, einigen Wohnhäusern und einer Anlegestelle für die Fahrgastschiffe der Chiemsee-Schifffahrt. Beim »Inselwirt« wollten sie nachher zu Abend essen. Sie freuten sich auf einen Besuch des Klostergartens und einen Bummel zu der Inseltöpferei.

Stefan Frank wollte gerade etwas Sonnenmilch auf seinen Unterarmen verteilen, als ein aufgeregtes Bellen über den See wehte. Alarmiert blickte er sich um.

Ein anderes Ruderboot trieb in der Nähe auf dem Wasser.

Scheinbar verlassen.

Lediglich der kleine weiße Terrier, der im Heck saß und aufgeregt bellte, verriet, dass etwas nicht in Ordnung war. Er wirkte so aufgeregt, als könnte er keinen Moment stillsitzen.

»Du, da drüben stimmt irgendetwas nicht«, meinte Alexandra nachdenklich.

»Diesen Eindruck habe ich auch. Lass uns nachsehen, was los ist.« Er ließ die Ruder wieder ins Wasser und steuerte an das andere Boot heran.

Als sie näher kamen, entdeckten sie eine junge Frau, die auf dem Boden des Bootes lag. Sie trug Badebekleidung, die nur wenig von ihrer hochroten Haut verhüllte. Ihre schulterlangen braunen Haare verdeckten ihr Gesicht, aber höchstwahrscheinlich war es ebenso gerötet wie der Rest ihres Körpers. Eine bunte Badetasche lag im Heck des Bootes. Und neben der Fremden war ein Buch zu entdecken. Es schien zur Seite gerutscht zu sein. Die Biografie eines Musicalstars.

Stefan Frank brachte sein Boot längsseits. »Hallo, können Sie mich hören?«

Die Frau zeigte keine Reaktion.

Er fluchte verhalten in sich hinein.

Ein Blick zu Alexandra zeigte ihm, dass sie ebenso besorgt war wie er.

»Sie ist in der Sonne eingeschlafen, oder?«

»Sieht ganz danach aus. Ich muss zu ihr rüber und nach ihr sehen. Kannst du das Boot ruhighalten?«

»Natürlich.« Alexandra kletterte in die Mitte des Bootes, nahm auf der Ruderbank Platz und lehnte sich zu dem anderen Boot, um es festzuhalten, während der Arzt vorsichtig hinüberkletterte. Die Boote schwankten. »Sei vorsichtig, Stefan«, mahnte Alexa.

Er hielt sich am Rand des Bootes fest, schwang ein Bein über die Bordwand und suchte einen festen Stand, ehe er ganz hinüberkletterte. Die Planken unter ihm wankten, aber er gelangte ohne ein unerwartetes Bad hinüber. Seine Freundin atmete hörbar auf.

»Hallo?« Er kniete sich neben die Frau.

Sie stöhnte leise. »W-was ...«

»Ich bin Doktor Frank. Können Sie mir Ihren Namen sagen?«

»Miriam ... Heller«, murmelte sie, ohne die Augen zu öffnen. Sie erzitterte sichtlich. Trotz der Kälte schüttelten Frostschauer ihren Körper.

»Ich bin Arzt, Miriam. Gestatten Sie mir, Sie zu untersuchen?«

»Hm-m«, bejahte sie leise.

Er fühlte nach ihrem Puls. Ihr Herz raste. Ihre Haut war mit kaltem Schweiß bedeckt. Sie atmete schnell und flach. Dazu war ihr Kopf hochrot.

»Ist Ihnen übel?«, fragte Dr. Frank.

»Fürchterlich. Und mein Kopf ... tut weh.«

Er nickte kaum merklich.

Das waren alles Anzeichen für einen Sonnenstich.

»Wir haben Sie hier auf dem Wasser treibend gefunden. Können Sie mir sagen, was passiert ist?«

»W-weiß nicht. Ich war so müde ... bin wohl in der Sonne eingeschlafen.«

»Wann sind Sie auf den See gerudert?«

»Gegen elf?«

Stefan Frank schluckte. Das war etliche Stunden her.

Er fand ein Handtuch im Heck, tauchte es in den See und legte es ihr über den Brustkorb. Dann zog er ein Taschentuch hervor, hielt es ebenfalls ins kühle Wasser und legte es ihr anschließend auf die Stirn.

»Wir müssen Sie in den Schatten bringen.« Er blickte zu seiner Freundin. »Ruf den Rettungsdienst, ja? Sie sollen uns am Bootsanleger erwarten. Ich rudere sie zurück ans Ufer.«

»Geht klar, Stefan.« Alexa durchforstete ihre Umhängetasche nach dem Handy.

Dr. Frank nahm auf der Ruderbank Platz und griff nach den Rudern.

»Bleiben Sie wach, Miriam. Wir werden Ihnen helfen. Sie müssen nur wach bleiben.«

»... ich versuch's«, nuschelte sie.

Stefan Frank zog die Ruder mit aller Kraft durch das Wasser. Rauschend glitt das Boot durch das Wasser. Trotzdem dauerte es gut eine halbe Stunde, bis er den Anlegesteg erreichte.

Hier warteten bereits zwei Sanitäter und ein Notarzt, um die Patientin zu übernehmen.

»Wir haben den Wagen schon heruntergekühlt«, informierte ihn der Fahrer, während die Sanitäter die halb bewusstlose Frau aus dem Boot auf eine Trage hoben. Der Notarzt kontrollierte ihre Vitalwerte, nickte seinen Begleitern dann zu.

»Bringen wir sie rein.«

»W-warten Sie! Mein Hund!« Die Frau regte sich. »Mali!«

»Sie ist hier. Es geht ihr gut«, versicherte Stefan Frank. »Haben Sie jemanden, der sie für eine Weile versorgen könnte?«

»Ja, meine Freundin ... Sie sonnt sich drüben am Badestrand. Ihr Name ist Jule ... Wegener. Sie kann nicht schwimmen, deshalb ist sie nicht mitgekommen. Sie wird schon auf mich warten. Sie kann Mali versorgen.«

»Dann werden wir sie suchen und ihr Mali bringen. Machen Sie sich keine Sorgen. Wir kümmern uns gut um Ihre Hündin.«

»D-dankeschön.« Sie erschlaffte wieder. Der kurze Wortwechsel schien sie bereits all ihre Kraft gekostet zu haben.

»Alles Gute für Sie, Miriam.« Stefan Frank wechselte noch ein paar Worte mit seinem Kollegen, während die Sanitäter die Frau zum Rettungswagen brachten.

Dabei ahnte er noch nicht, dass sie sich schon bald wiedersehen würden – und dass ihm der Kampf gegen eine Erkrankung bevorstand, der all sein Können verlangen würde.

***

Drei Tage später

»Nun sieh dir das an.« Jule blieb stehen und deutete auf einen Stand, an dem allerlei an antik aussehende Foto-Ausrüstung angeboten wurde. »Ist das eine Kamera, die noch mit Fotoplatten funktioniert? Mein Bruder würde sein letztes Hemd dafür geben.«

Miriam warf einen Blick auf die Kamera, die in ihren Augen kaum mehr als ein Holzkasten war. Das Preisschild, das daran festgemacht war, ließ sie nach Luft schnappen.

»Die kostet ja ein Vermögen«, rief sie aus.

»Sie ist auch über einhundert Jahre alt«, erklärte der Händler und bedachte sie mit einem strengen Blick. »Das ist ein Schnäppchen. Ich trenne mich nur ungern davon, aber ich gebe mein Geschäft auf und muss Platz schaffen.«

»Meine Freundin hat recht«, warf Jule ein. »Das ist zu teuer, aber ich gebe Ihnen dafür ... « Sie nannte dem Verkäufer einen Preis, der diesen die Lippen vorstülpen ließ wie ein Fisch auf dem Trockenen.

»Dann verbrenne ich sie lieber«, raunzte er sie an.

Jule zuckte die Schultern und schickte sich an, weiter zu bummeln, da rief er sie zurück.

»Warten Sie. Vielleicht kann ich Ihnen mit dem Preis entgegenkommen.« Er nannte ihr eine Summe, die etwas niedriger war als die Zahl auf dem Preisschild. Jule hielt dagegen, und wenig später waren sie in die schönste Feilscherei vertieft.

Am Ende bezahlte Jule nur die Hälfte des verlangten Preises und bekam zehn Fotoplatten noch obendrauf.

Hochzufrieden verstaute sie den Kauf in ihrem Rucksack und wünschte dem Verkäufer noch einen schönen Tag. Der grummelte etwas, das nicht zu verstehen war, und verstaute ihr Geld in der Kasse.

Vergnügt schlenderte Jule weiter. Der Wind spielte mit dem Rock ihres bunt geringelten Sommerkleides. Alles an Jule war bunt – von den blauen Strähnen in ihren blonden Haaren über ihre langen Ohrringe bis zu den Flip-Flops an ihren Füßen, die bei jedem Schritt munter klapperten. Jule trug ihr Herz auf der Zunge. Sie war mit Leib und Seele Tierpflegerin im Tierpark Hellabrunn und beklagte sich nie, wenn es bei ihrer Arbeit manchmal nicht ohne Kratzer und Bisse abging.

Der Flohmarkt war am Isar-Ufer aufgebaut worden. Bei allerbestem Sommerwetter duckten sich viele Händler in den Schatten ausladender Sonnenschirme. An den Ständen wurde eine bunte Vielfalt an Waren angeboten – von alten Büchern über Spielsachen bis hin zu Porzellan und Haushaltwaren.

Miriam hatte sich auf den Bummel gefreut, aber jetzt schienen Bleigewichte an ihren Beinen zu hängen, und sie sehnte sich nach ihrer kühlen Wohnung und dem bequemen Sessel, in dem sie gern saß und die Beine auf einem Hocker hochlegte.

Die Hitze trieb ihr den Schweiß über Stirn und Rücken.

Sie fing den Blick eines der Händler auf.

»Er starrt mich an.« Sie zog hastig die breite Krempe ihres Hutes tiefer in ihr Gesicht. »Ich wusste, ich hätte nicht mitgehen sollen. Mit dem Sonnenbrand sehe ich aus wie ein frisch gekochter Hummer.«

»Es ist nicht der Sonnenbrand.« Jule blickte sie von der Seite aus an. »Es liegt an der dunklen Sonnenbrille und dem Hut. Du siehst aus wie James Bond auf einer geheimen Mission.«

Miriam schnaubte. »Ich glaube nicht, dass eine Sonnenbrille und ein Hut etwas an meinem Geschlecht ändern.«

»Dann eben wie Jane Bond.«

»Anders geht es nicht. Meine Haut ist nach meinem Nickerchen auf dem Chiemsee total verbrannt ...«

»So arg ist es nun wirklich nicht.«

»Ach nein?« Miriam stieß ihren Hut in den Nacken.

Ihre Freundin blies die Wangen auf und ließ die Luft entweichen.

»Puh. Es ist doch schlimm, aber was soll's? Wenn Heidi Klum als Wurm herumlaufen kann, dann kannst du auch als Hummer gehen.«

»Ich bezweifle, dass sie an anderen Tagen als Halloween so herumläuft«, murmelte Miriam.

Der Zwischenfall im Ruderboot war inzwischen drei Tage her. Die Übelkeit und das Kopfweh waren verschwunden, aber ihre Haut spannte und brannte, als hätte sie ein Säurebad genommen. Nachts fand sie keinen Schlaf und tagsüber fühlte sie sich wie gerädert.

Und das leider nicht erst seit dem Ausflug an den Chiemsee.

Nein, das ging schon länger so.

Sie fühlte sich ständig schlapp und ausgelaugt. So, als würde sich eine Grippe zusammenbrauen. Manchmal hatte sie auch Hals- und Gliederschmerzen, aber die verzogen sich nach ein paar Tagen wieder. Die Erschöpfung jedoch blieb.

Um sich abzulenken, hatte sie eingewilligt, ihre beste Freundin zum Flohmarkt zu begleiten. Jule wollte Ausschau nach einem Geburtstagsgeschenk für ihren Bruder halten – und hatte nun wohl das perfekte Objekt erstanden. Miriam bummelte lediglich ohne festes Ziel neben ihr her. Ihre Hündin flitzte voraus, schnupperte überall und war im siebten Hundehimmel.

»Sieh mal, da! Wäre das nichts für Mali?« Jule zupfte an ihrem Ärmel.