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Sieben Jahre. So lange ist Sofia bereits mit David Behrens verheiratet, und so lange hütet sie schon ihr Geheimnis. David ist in einer Lebensphase, in der er mit eigener Familie sesshaft werden möchte. Er glaubt, dass Sofia das genauso sieht und weiß nicht, dass seine Frau die Familienplanung durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille heimlich blockiert. Auf keinen Fall darf sie ein Kind bekommen!
Dann kommt der Tag, an dem David sie bittet, zum Arzt zu gehen, um feststellen zu lassen, warum es mit der Schwangerschaft einfach nicht klappt. Sofia muss sich entscheiden: Noch mehr Lügen und Geheimnisse oder endlich die Wahrheit sagen und wahrscheinlich ihre Ehe riskieren ...
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Die Wahrheit erfordert Mut
Vorschau
Impressum
Die Wahrheit erfordert Mut
Wann beichtet sie ihrem Mann endlich ihr Geheimnis?
Sieben Jahre. So lange ist Sofia bereits mit David Behrens verheiratet, und so lange hütet sie schon ihr Geheimnis. David ist in einer Lebensphase, in der er mit eigener Familie sesshaft werden möchte. Er glaubt, dass Sofia das genauso sieht und weiß nicht, dass seine Frau die Familienplanung durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille heimlich blockiert. Auf keinen Fall darf sie ein Kind bekommen!
Dann kommt der Tag, an dem David sie bittet, zum Arzt zu gehen, um feststellen zu lassen, warum es mit der Schwangerschaft einfach nicht klappt. Sofia muss sich entscheiden: Noch mehr Lügen und Geheimnisse oder endlich die Wahrheit sagen und wahrscheinlich ihre Ehe riskieren ...
»Ist Frau Behrens noch im Haus?«, fragte Hanne Siemers die junge Dame hinter der Rezeption des Hotels Grünwalder Hof.
Freundlich lächelte die Rezeptionisten Hanne an, in der sie eine Freundin ihrer Chefin Sofia Behrens erkannte.
»Vor zehn Minuten habe ich sie noch im Büro gesehen. Sie wollte aber bald Feierabend machen. Sind Sie mit ihr verabredet?«
»Nein. Ich bin spontan vorbeigekommen. Würden Sie Frau Behrens bitte anrufen? Vielleicht habe ich Glück, und sie ist noch da.«
Die junge Frau wählte eine Nummer und sprach leise in den Hörer, dann wandte sie sich wieder Hanne zu.
»Frau Behrens ist in drei Minuten hier. Sie möchten bitte in der Lobby warten.«
Hanne bedankte sich und nahm auf einem der bequemen Ledersessel Platz. Sie legte sich eine Hand auf den Bauch, und ein Strahlen glitt über ihr Gesicht. Sie spürte zwar noch nichts, aber seit einer Stunde wusste sie, dass ein neues Leben in ihr heranwuchs.
Kurz darauf kam Sofia in die Lobby und umarmte ihre Freundin herzlich zur Begrüßung.
»Wie schön, dich zu sehen. Was ist los? Du strahlst ja richtig. Hast du im Lotto gewonnen?«, scherzte Sofia.
»So ähnlich. Ich erzähle dir alles, wenn du Zeit für einen Kaffee hast.«
»Wie kann ich Nein sagen, wenn du mich so neugierig machst?«, lachte Sofia. »Eine halbe Stunde habe ich, dann muss ich einkaufen. Ich habe David versprochen, heute Abend etwas zu kochen. Vielleicht willst du später mit uns essen?«
Hanne blickte plötzlich etwas verlegen. Auf einmal kam ihr der Gedanke, dass es vielleicht unpassend war, Sofia freudestrahlend von ihrer Schwangerschaft zu erzählen.
»Ich glaube, das wäre nicht so ... Heute passt es nicht. Joachim und ich sind schon zum Essen und Reden verabredet.«
»Aber mit dir und Joachim ist alles in Ordnung?«, fragte Sofia alarmiert.
»In allerbester Ordnung«, versicherte Hanne lächelnd. »Ich rede nicht nur mit meinem Mann, wenn wir Probleme haben. Wir teilen auch schöne Dinge miteinander«, fügte sie augenzwinkernd hinzu.
»Also doch ein Lottogewinn«, grinste Sofia. »Während ich meinen Mantel hole, kannst du dir ja schon mal überlegen, was ich davon abbekomme.«
Als Sofia zurückkam, stand Hanne bereits an der Rezeption und wartete.
»Wollen wir gleich hier gegenüber in die Wunderbar gehen?«, fragte sie.
»Gern. Ich finde es da sehr gemütlich.«
In der Wunderbar war nicht viel los. Die beiden Frauen fanden einen Platz am Fenster und bestellten Milchkaffee.
»Jetzt spann mich nicht länger auf die Folter. Was ist los?«, bohrte Sofia und beugte sich neugierig zu ihrer Freundin.
»Ich ... ich bin schwanger. Seit einer Stunde weiß ich es«, platze es glücksstrahlend aus Hanne heraus.
Sofia ließ sich auf ihren Stuhl zurücksinken. Die Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. Sie schluckte schwer, ehe sie sprechen konnte.
»Puh, das ist wirklich eine Neuigkeit. Du hast doch immer gesagt, ihr wollt euch noch Zeit lassen ...«
»Es war auch nicht geplant. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mit dir in der letzten Zeit so viel über Kinderwünsche von euch und uns gesprochen habe.«
»Du weißt aber schon, dass man vom Sprechen nicht schwanger wird?«, grinste Sofia, die ihre Fassung wiedergefunden hatte.
»Sag bloß? Ich dachte, man spricht darüber und dann kommt der Klapperstorch«, kicherte Hanne. »Es stimmt schon, dass wir noch ein bis zwei Jahre warten wollten. Aber egal, auch wenn jetzt nicht der ideale Zeitpunkt für ein Kind ist, freue ich mich riesig.«
»Dass du dich freust, ist nicht zu übersehen. Was sagt Joachim dazu?«
»Ich habe bisher nur ganz kurz mit ihm gesprochen, er ist in einem Meeting. Nach dem ersten Schrecken hat er gejubelt und mich für heute Abend zum Feiern in ein Sternerestaurant nach München eingeladen.«
»Sternerestaurant. Wow. Es ist schön, dass ihr beide glücklich mit der Schwangerschaft seid«, sagte Sofia und lächelte ein wenig traurig.
»Sofinchen«, begann Hanne sanft und griff nach der Hand ihrer Freundin. »Ich hoffe, du ... du kannst damit umgehen. Wo du doch auch ... Wo David auch so gern ein Kind hätte ... Unserer Freundschaft wird meine Schwangerschaft nicht schaden, oder?«
»Natürlich nicht«, beeilte sich Sofia zu sagen. »Nur weil ich kein Kind ... heißt das doch nicht, dass ich dir und Joachim die Freude nicht gönne.«
Hanne lächelte erleichtert.
»Vielleicht musst du gar nicht auf eigene Kinder verzichten. Willst du dich nicht doch untersuchen lassen? Es kann doch sein, dass du nicht an der Genmutation leidest.«
»Kann sein, ist aber unwahrscheinlich. Ich will es lieber nicht wissen. Denn wenn ich daran leide, dann weiß ich auch, dass ich mit Sicherheit bald krank werde und langsam verfalle, ohne dass man daran etwas machen kann. Ohne den Gentest bleibt mir immer noch die Hoffnung, dass dieser Kelch an mir vorübergegangen ist.«
»Ich verstehe das nicht, Sofia, ich würde es wissen wollen«, entgegnete Hanne kopfschüttelnd. »Ich könnte mit dem Druck nicht leben. Außerdem weiß ich doch, wie sehnlich du dir ein Kind wünscht. Schon deshalb solltest du den Test machen. «
»Wir haben doch schon hundert Mal darüber geredet«, erregte sich Sofia. »Ich bin da eben anders. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass ich kein Kind bekomme. Ich will mein Leben genießen, ohne sicher zu wissen, dass ich bald unheilbar krank sein werde.«
»Du kannst mir doch nicht erzählen, dass du nicht trotzdem ständig daran denkst! Über deinem Kopf schwebt ein Damoklesschwert. Das kannst du nicht verdrängen. Wir kennen uns jetzt seit fünf Jahren. Und seit ich von deiner Disposition weiß, merke ich, dass du immer wieder von den Gedanken an deine mögliche Krankheit eingeholt wirst. Ist es da nicht besser zu wissen, ob sie überhaupt in dir schlummert?«
»Für mich nicht. Ich kann gut damit leben, es nicht zu wissen«, erklärte Sofia trotzig.
»Dann sprich wenigstens endlich mit David. Findest du nicht, dass er wissen muss, was mit dir los ist?«
»Nein, muss er nicht. Es würde doch nichts ändern, er kann mir auch nicht helfen.«
»Natürlich kann David dir helfen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Du müsstest dich nicht mehr verstellen. Und du kannst ihm endlich die Wahrheit sagen, warum du nicht schwanger wirst, und musst nicht hinter seinem Rücken weiter die Pille nehmen.«
»Ich will David nicht mit meiner Krankheit belasten. Irgendwann wird er schon aufhören, sich ein Kind zu wünschen. Dann bleibt uns vielleicht noch Zeit, unbelastet von einer Familie ein paar schöne Reisen zu machen, ehe ich nicht mehr kann. Da stört doch ein Kind nur. Wir brauchen kein Kind. Das wird David auch bald merken«, sagte Sofia und senkte den Kopf, damit ihre Freundin nicht sah, dass ihr Tränen in den Augen standen.
»Ach, Sofinchen«, meinte Hanne sanft. »Ich glaube dir nicht, dass du dich mit deiner Kinderlosigkeit abgefunden hast.«
»Das spielt doch keine Rolle. Ich darf keines bekommen. Das Leben ist kein Wunschkonzert! Die Genmutation ist vererblich, wie du weißt«, erwiderte Sofia heftig und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten.
»Ich wollte dich nicht traurig machen«, gestand Hanne bedauernd und griff wieder nach Sofias Hand, um sie tröstend zu streicheln. »Ich mache mir doch nur Sorgen um dich. Wenn du Angst hast, deinem Kind die heimtückische Krankheit zu vererben, wäre dann nicht Adoption eine Alternative?«
»Meine Mutter ist gestorben, als ich elf Jahre alt war. Aber sie ist nicht einfach so gestorben, sie ist elendiglich zugrunde gegangen. Das war eine schreckliche Zeit und hat letztendlich unsere Familie zerstört. Glaubst du im Ernst, so etwas würde ich einem Kind, egal ob leiblich oder adoptiert, zumuten wollen?«
»Es tut mir so leid«, sagte Hanne hilflos. »Ich begreife trotzdem nicht, warum du die Last allein tragen willst. Sprich doch endlich mit David und lass den Test machen.«
»Nein!«, brauste Sofia auf. »Das kommt gar nicht infrage. Wie oft soll ich dir das noch sagen?«
»Hast du Angst, dass David dich verlässt, wenn du ihm die Wahrheit sagst?«, fragte Hanne vorsichtig.
»Ich glaube nicht. Aber ich würde es verstehen. Ich will ... Wir sind seit vielen Jahren sehr glücklich miteinander. Ich würde ... Die Wahrheit würde unser Glück zerstören. Die Krankheit hat schon einmal meine Familie zerstört. Ich will David behalten, genauso wie er jetzt ist. Solange es geht. Ich will nicht wie ein rohes Ei behandelt und bedauert werden. Wenn die Krankheit ausbricht, ist immer noch Zeit zu handeln.«
Hanne schwieg. Diese Diskussion hatte sie schon das eine oder andere Mal mit ihrer Freundin geführt, deshalb wusste sie, wann sie an einem Punkt angelangt waren, an dem sie nicht weiter kamen.
Auch ihr hatte Sofia viele Jahre verschwiegen, welche Zeitbombe sie vielleicht in sich trug. An einem Abend, als Sofia, ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit, mehrere Gläser Sekt getrunken hatte, war es aus ihr herausgebrochen. Seitdem versuchte Hanne, ihre Freundin zu überzeugen, David die Wahrheit zu sagen. Denn sie spürte, dass Sofia angespannt war und es ihr mit der Zeit immer schwerer fiel zu verdrängen. Was kein Wunder war, denn die heimtückische Krankheit Chorea Huntington brach normalerweise erst in fortgeschrittenerem Alter aus.
»Du hast mir geschworen, keinem von meiner möglichen Krankheit zu erzählen«, sagte Sofia eindringlich und sah ihre Freundin mit tränengefüllten Augen an. »Zu niemandem ein Wort, auch nicht zu Joachim. Versprich es mir noch einmal.«
»Ist ja gut, Sofinchen«, erwiderte Hanne beschwichtigend. »Auch wenn es mir schwerfällt, ich sage zu niemandem etwas, wenn du es nicht willst.«
***
Auf dem Weg nach Hause machte Sofia Halt im Supermarkt. Lustlos warf sie ein paar Lebensmittel in den Einkaufswagen.
Sie hatte David versprochen, heute Abend etwas zu kochen, aber jetzt verspürte sie keine Lust mehr, ganz zu schweigen davon, dass sie keinen Hunger hatte. Das Gespräch mit Hanne hatte ihr den Appetit verdorben.
Hanne hatte ja in allem recht. Sie wusste, dass ihre Freundin ihr nicht wehtun wollte, aber unabsichtlich hatte Hanne Salz in all ihre Wunden gestreut. Natürlich wäre es gut, David die Wahrheit zu sagen. Aber wie sollte das gehen? Sie waren nun schon sieben Jahre verheiratet und neun Jahre zusammen. Wie sollte sie David erklären, dass sie all die Jahre ihr Geheimnis für sich behalten hatte? Ein Geheimnis, das auch ihn betraf, beziehungsweise bald betreffen würde.
Und natürlich hatte Hanne auch recht, wenn sie sagte, dass Sofia gern Mutter geworden wäre. Sofia schossen schon wieder Tränen in die Augen, als ihr bewusst wurde, dass sie nie ein eigenes Kind in den Armen halten würde. Zum Leben gehörten doch Kinder dazu.
Sofia stützte sich auf den Einkaufswagen und lachte leise und bitter auf. Zum Leben! Ja, wenn man noch ein Leben vor sich hatte. Ihres würde bald vorbei sein. Sie war jetzt einunddreißig. Ihre Mutter war nur zwei Jahre älter gewesen, als die Symptome der Krankheit sich auch nicht mehr vor ihrer sechsjährigen Tochter verheimlichen ließen. Fünf Jahre später war sie gestorben.
Sofia wischte die Tränen ab, die ihr die Wangen heruntergelaufen waren. Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich. Du hast mit Chance noch ein paar gute Jahre. Noch hatte sie keine Symptome. Oder vielleicht doch? Die ersten Anzeichen waren eher diffus, wie Sofia wusste. Gleichgewichtsstörungen, Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit Stimmungsschwankungen oder motorische Auffälligkeiten wie Zittern oder unwillkürliche Zuckungen konnten ein Zeichen sein, konnten aber auch völlig andere Ursachen haben.
Je älter sie wurde, desto aufmerksamer beobachtete Sofia sich und ihren Körper. Wenn sie Kopfschmerzen hatte oder eine Nacht schlecht geschlafen hatte, läuteten gleich sämtliche Alarmglocken. Und die Angst zu erkranken, führte natürlich manchmal auch zu schlechter Stimmung.
Doch bisher waren alle körperlichen Auffälligkeiten wieder verschwunden und kein Vorbote der Krankheit gewesen.
Sofia hatte sich fest vorgenommen, David zu verlassen, wenn die Krankheitssymptome nicht mehr zu verheimlichen waren. Sie hoffte sehr, dass sie dann die Kraft dazu hatte. Denn der Gedanke, ihrem über alles geliebten Mann Kummer und Sorge zu bereiten, war ihr unerträglich.
Sofia zahlte und packte die Einkäufe in ihre Tasche. Eigentlich hatte sie aufwendig kochen wollen, denn sie erwartete David erst in zwei Stunden. Aber die Lust zu kochen war ihr vergangen. Also würde es schlichte Spaghetti mit einer Pilz-Sahne-Sauce geben.
Zuhause angekommen, packte Sofia die Tasche aus, kochte sich einen Tee und setzte sich aufs Sofa. Sie wollte lesen, aber in ihrem Kopf wirbelten die Gedanken, die immer noch an dem Gespräch mit Hanne hingen, so durcheinander, dass sie sich nicht konzentrieren konnte. Sie schaltete den Fernseher ein und ließ sich von einer Liebesschnulze berieseln.
Sie hörte Geräusche aus dem Flur. War David schon da?
Die Wohnzimmertür öffnete sich, und Sofia schaute in das lachende Gesicht ihres Mannes.
»Hallo, mein Herz«, sagte er und kam auf sie zu, um ihr einen Kuss zu geben.
»Du bist aber früh«, entgegnete Sofia. »Du hast doch gesagt, du kommst nicht vor sieben. Ich habe noch nicht einmal mit dem Kochen angefangen.«
»Kein Problem, dann kochen wir zusammen. Ich war schneller fertig, als ich gedacht habe«, fügte er mit einem geheimnisvollen Lächeln hinzu und setzte sich neben sie aufs Sofa.
»Womit warst du schneller fertig?«
»Ich war vor drei Tagen bei meinem Urologen und habe mich untersuchen lassen, und heute war das Auswertungsgespräch.«
»Urologe? Bist du krank?«, unterbrach ihn Sofia. »Warum hast du mir nichts davon gesagt?«
»Pssst! Keine Sorge, ich bin nicht krank. Bei mir funktioniert alles prächtig. Ich wollte erst mit dir darüber sprechen, wenn ich das Ergebnis habe. Ich kann dir heute mitteilen, dass meine Spermien gesund, zahlreich und flink sind«, sagte er feierlich lächelnd.
»Du hast ... du warst ... du hast ...«, stotterte Sofia, die nicht wusste, wie sie auf die Nachricht reagieren sollte.
»Ja, ich habe«, lachte David. »Schließlich warst du bei deiner Frauenärztin, um dich untersuchen zu lassen, da ist es doch selbstverständlich, dass ich auch einen Test mache. Jetzt wissen wir wenigstens, dass weder bei dir noch bei mir etwas dagegen spricht, dass du schwanger wirst.«
Sofia stieg die Schamesröte ins Gesicht. Sie hatte David belogen. Sie hatte nicht mit ihrer Frauenärztin über ihre Fruchtbarkeit gesprochen, nein, ganz im Gegenteil, sie hatte sich ein neues Rezept für die Anti-Baby-Pille geben lassen.
»Dir ist es sehr ernst mit einem Kind, oder?«, fragte sie leise.
»Das weißt du doch«, antwortete David überrascht. »Glaubst du etwa, mir ist es nicht ernst?«
»Nein, nein. Ich ... ich habe mir nur überlegt, vielleicht sollten wir noch etwas warten. Wir könnten noch ein paar große Reisen machen. Und vielleicht noch mal für ein oder zwei Jahre im Ausland arbeiten.«
David sah seine Frau verwundert an.
»Was sind das denn plötzlich für Ideen? Als wir vor zwei Jahren nach Grünwald gezogen sind, hast du doch auch gesagt, dass es an der Zeit ist, ein Nest zu bauen und endlich sesshaft zu werden. Willst du das denn nicht mehr?«
»Doch schon. Ich will ein Nest, und ich will Kinder«, murmelte Sofia und drehte sich zur Seite, denn sie konnte David nicht in die Augen sehen. »Ich denke nur manchmal, es ist noch zu früh.«
