Du sollst leben, Britta! - Carolin Grahl - E-Book

Du sollst leben, Britta! E-Book

Carolin Grahl

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Beschreibung

Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Tut mir leid, aber Sie können Ihren Wagen auf keinen Fall hier stehen lassen. Sie befinden sich unmittelbar vor der Notaufnahme, und zwar direkt in der Einfahrt für die Rettungsfahrzeuge. Der Besucherparkplatz der Behnisch-Klinik ist …« »Der Besucherparkplatz der Behnisch-Klinik interessiert mich nicht, junger Mann.« Der Fahrer des hochglanzpolierten roten Porsche-Cabrios sprang aus seinem Wagen und baute sich in seiner vollen imposanten Größe von fast zwei Metern drohend vor Alex auf. Alex stutzte einen Augenblick und trat dann demonstrativ einen Schritt nach vorn, um zu zeigen, dass er nicht vorhatte, sich einschüchtern zu lassen. »Ihr Desinteresse in allen Ehren, aber darf ich Sie trotzdem darauf hinweisen …« »Nein, Sie dürfen nicht«, wurde Alex sofort unterbrochen. »Ich bin hier nämlich kein Besucher. Ich bringe meine Frau in die Notaufnahme, und somit hat mein Wagen bis auf Weiteres den Status eines Rettungsfahrzeugs. Sollte die Klinikleitung oder die Polizei das anders sehen – bitte: Dann zahle ich eben das entsprechende Bußgeld. Das Einzige, was im Moment für mich von Bedeutung ist, ist die Gesundheit meiner Frau.« Mit diesen Worten wandte der Mann sich von Alex ab, umrundete sein Cabrio und öffnete die Beifahrertür. Fürsorglich half er einer aparten dunkelhaarigen Frau aus dem Wagen. Während er sie in die Notaufnahme geleitete, legte er liebevoll seinen rechten Arm um ihre schmalen Schultern und stützte sie gleichzeitig, indem er mit der linken Hand ihren Unterarm umfasste. Alex sah den beiden einen Moment lang fast staunend mit zusammengekniffenen Augenlidern nach, dann betrachtete er kopfschüttelnd die mit allem erdenklichen technischen Schnickschnack ausgestattete Nobelkarosse, deren Sitze mit feinstem cremefarbenen Leder überzogen waren. Während er noch nachdachte, was nun mit dem Wagen geschehen sollte, tippte ihm Chris, der Krankenpfleger, von hinten auf die Schulter. »Hallo, Alex, heute Einsatz in der Notaufnahme? Oder bewunderst du nur den Luxusschlitten?«

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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Der junge Norden – 39 –Du sollst leben, Britta!

Unveröffentlichter Roman

Carolin Grahl

»Tut mir leid, aber Sie können Ihren Wagen auf keinen Fall hier stehen lassen. Sie befinden sich unmittelbar vor der Notaufnahme, und zwar direkt in der Einfahrt für die Rettungsfahrzeuge. Der Besucherparkplatz der Behnisch-Klinik ist …«

»Der Besucherparkplatz der Behnisch-Klinik interessiert mich nicht, junger Mann.« Der Fahrer des hochglanzpolierten roten Porsche-Cabrios sprang aus seinem Wagen und baute sich in seiner vollen imposanten Größe von fast zwei Metern drohend vor Alex auf.

Alex stutzte einen Augenblick und trat dann demonstrativ einen Schritt nach vorn, um zu zeigen, dass er nicht vorhatte, sich einschüchtern zu lassen. »Ihr Desinteresse in allen Ehren, aber darf ich Sie trotzdem darauf hinweisen …«

»Nein, Sie dürfen nicht«, wurde Alex sofort unterbrochen. »Ich bin hier nämlich kein Besucher. Ich bringe meine Frau in die Notaufnahme, und somit hat mein Wagen bis auf Weiteres den Status eines Rettungsfahrzeugs. Sollte die Klinikleitung oder die Polizei das anders sehen – bitte: Dann zahle ich eben das entsprechende Bußgeld. Das Einzige, was im Moment für mich von Bedeutung ist, ist die Gesundheit meiner Frau.«

Mit diesen Worten wandte der Mann sich von Alex ab, umrundete sein Cabrio und öffnete die Beifahrertür. Fürsorglich half er einer aparten dunkelhaarigen Frau aus dem Wagen. Während er sie in die Notaufnahme geleitete, legte er liebevoll seinen rechten Arm um ihre schmalen Schultern und stützte sie gleichzeitig, indem er mit der linken Hand ihren Unterarm umfasste.

Alex sah den beiden einen Moment lang fast staunend mit zusammengekniffenen Augenlidern nach, dann betrachtete er kopfschüttelnd die mit allem erdenklichen technischen Schnickschnack ausgestattete Nobelkarosse, deren Sitze mit feinstem cremefarbenen Leder überzogen waren.

Während er noch nachdachte, was nun mit dem Wagen geschehen sollte, tippte ihm Chris, der Krankenpfleger, von hinten auf die Schulter.

»Hallo, Alex, heute Einsatz in der Notaufnahme? Oder bewunderst du nur den Luxusschlitten?«, grinste er.

Alex drehte sich zu ihm um. »Hi, Chris. Den Luxusschlitten finde ich in der Tat nicht übel, im Augenblick frage ich mich allerdings eher, was hier los ist, wenn ein Rettungsfahrzeug kommt. Das Cabrio kann beim besten Willen nicht in der Einfahrt für die Rettungsfahrzeuge stehen bleiben, auch wenn der Typ, dem das noble Fahrzeug gehört, soeben seine Frau in die Notaufnahme gebracht hat. Der Mann hat mir im Übrigen keineswegs den Eindruck gemacht, als würde er rasch wieder zurückkommen. Ich schätze eher, dass er ohne Unterbrechung an der Seite seiner Frau bleibt, bis sie an der Reihe ist. Selbst wenn es Stunden dauern sollte. Und ja, ich habe in der Tat heute Dienst in der Notaufnahme und müsste deshalb eigentlich längst los.«

Chris hob die Augenbrauen. »Ich stelle mir den Schnösel gerade vor, wie er seelenruhig Händchen hält«, mokierte er sich. »Und wie er dabei denkt, dass für ihn alles erlaubt ist, nur weil er sich ein Luxusauto leisten kann. Aber keine Sorge: Solche Zeitgenossen sind mein Spezialgebiet. Geh ruhig an die Arbeit, Alex. Um das edle Automobil kümmere ich mich höchstpersönlich. Und zwar mit dem größten Vergnügen.«

»Echt jetzt?« Alex bedachte Chris mit einem skeptischen Blick, zuckte aber schließlich die Schultern und machte sich auf den Weg zu seiner Praktikumsschicht.

Als er am Wartezimmer der Notaufnahme vorbeilief, entdeckte er schon auf den ersten flüchtigen Blick den Fahrer des Porsche-Cabrios, der beschützend die dunkelhaarige Frau mit seinen Armen umschloss und gleichzeitig aufgeregt auf eine Krankenschwester einredete. Offenbar wollte er sie von der Dringlichkeit einer Vorzugsbehandlung für seine Frau überzeugen. Er zückte schließlich sogar sein Portemonnaie, wohl um die Möglichkeit anzudeuten, sich gegebenenfalls mit einem Geldgeschenk erkenntlich zu zeigen.

Alex war sich sicher, dass der Bestechungsversuch fehlschlagen würde, und hielt es deshalb für pure Zeitverschwendung, das Prozedere weiter zu verfolgen.

Mit eiligen Schritten betrat er stattdessen Schockraum zwei, wo er im Rahmen seiner Praktikumsschicht Notarzt Dr. Berger zugeteilt war.

Aufgrund des Ansturms an Patienten wurde er bereits voller Sehnsucht erwartet.

Ein Notfall folgte auf den anderen, und die Arbeit schien kein Ende nehmen zu wollen: eine schwere Verbrennung durch unsachgemäßes Hantieren mit einer Propangasflasche, ein Kind, das ein Püppchen verschluckt hatte, ein gebrochenes Handgelenk, ein Verdacht auf Herzinfarkt … Alex hatte alle Hände voll damit zu tun, Verbandszeug zu besorgen, aufgeregte Angehörige zu beruhigen, nach jedem Patienten die Untersuchungsliege gründlich zu desinfizieren und gebrauchte Einwegspritzen zu entsorgen.

Gerade war er damit beschäftigt, frisches Desinfektionsspray zu holen, als er hörte, dass wieder ein neuer Patient in den Schockraum gebracht wurde.

»Meiner Frau geht es wirklich sehr schlecht«, vernahm er die sich vor Aufregung fast überschlagende Stimme des Porsche-Fahrers. »Und aufgrund der unverhältnismäßig langen Wartezeit hat sich ihr Zustand drastisch verschlimmert. Meine Frau ist, wie Sie aus meinen Angaben auf dem Patientenbogen ersehen können, privat versichert, und ich finde es deshalb, gelinde ausgedrückt, eine Unverfrorenheit, sie als Privatpatientin über eine Stunde auf die dringend notwendige Untersuchung und Behandlung warten zu lassen. Ich habe meine Frau eigens hierher in die Behnisch-Klinik gefahren, weil ich bisher nur Gutes über diese Klinik gehört habe. Allerdings haben mich meine heutigen Erfahrungen leider eines Schlechteren belehrt.«

Dr. Berger ließ sich auf keine Diskussion mit dem aufgebrachten Mann ein.

Stattdessen überflog er mit einem raschen Blick den Patientenbogen und wandte sich dann der dunkelhaarigen Frau zu, die inzwischen auf der Untersuchungsliege Platz genommen hatte. Mit freundlicher Miene erkundigte er sich nach ihren Beschwerden.

Die Frau, die laut Unterlagen Britta Salger hieß, klagte über Übelkeit und heftige Bauchschmerzen.

Dabei war ihr deutlich anzumerken, dass ihr die nicht enden wollenden Zwischenbemerkungen ihres Mannes peinlich waren. »Mein Mann ist … ist sehr besorgt«, fügte sie, als sie ihre Krankheitssymptome geschildert hatte, entschuldigend hinzu. »Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass meine Beschwerden sich während der Wartezeit nicht verschlimmert haben.«

»Das beruhigt mich zu hören«, antwortete Dr. Berger. »Seit wann fühlen Sie sich eigentlich nicht gut? Seit heute Morgen? Oder dauern die Beschwerden schon länger an? Wann haben die Übelkeit und die Bauchschmerzen begonnen?«

»Das Ganze fing schon gestern Abend kurz vor dem Zubettgehen an«, berichtete Britta Salger. »Mein Mann und ich haben nach dem Abendessen noch ein bisschen ferngesehen und dabei ein paar Kesselchips und ein paar Käsecracker gegessen und eine Flasche Rotwein getrunken, als mir plötzlich ziemlich flau im Magen wurde und ich mich übergeben musste. Manuel hat mir sofort eine Tasse Kamillentee aufgebrüht, worauf es mir kurzfristig wieder besser ging. Ich habe mich ins Bett gelegt und ein paar Stunden gut und ruhig geschlafen. Nach Mitternacht bin ich dann allerdings durch starke, schneidende Bauchschmerzen wach geworden. Und auch die Übelkeit war wieder da. Sogar noch stärker als zuvor.«

Dr. Berger kontrollierte gewissenhaft Puls und Blutdruck, tastete vorsichtig Britta Salgers aufgeblähten Bauch ab und stellte schließlich beim Fiebermessen eine leicht erhöhte Temperatur fest. »Fürs Erste gehe ich davon aus, dass Ihre Beschwerden von einem leichten Magen-Darm-Infekt herrühren, Frau Salger«, sagte er schließlich. »Es besteht also momentan kein Grund zur Besorgnis.«

Britta Salger lächelte erleichtert. »Siehst du, Manuel«, wandte sie sich an ihren Mann, »ich habe dir doch gesagt, dass es nichts weiter als eine Darmgrippe ist. Also lass uns wieder nach Hause fahren. Ein paar Tage Ruhe mit Kamillentee und Zwieback, und ich bin wieder gesund.«

»Ganz so einfach ist es leider nicht, Frau Salger«, widersprach Dr. Berger, noch ehe Manuel, der bei den Worten seiner Frau skeptisch die Stirn gerunzelt hatte, einen Einwand hätte vorbringen können. »Um auf Nummer sicher zu gehen, halte ich es für das Beste, Sie zur Beobachtung für einige Tage stationär in der Behnisch-Klinik aufzunehmen. Sollte sich Ihre Erkrankung als so harmlos erweisen, wie es im Moment den Anschein hat, können wir Sie noch zum Wochenende geheilt wieder aus der Behnisch-Klinik entlassen. Und natürlich bekommen Sie hier bei uns auch Medikamente, mit deren Hilfe Sie sich auf alle Fälle rascher wieder besser fühlen werden als mit einer reinen Zwieback- und Kamillentee-Diät.«

Britta Salger seufzte. »Und … und ich kann die Medikamente, die Sie mir verordnen, nicht auch zu Hause einnehmen? Muss der Krankenhausaufenthalt wirklich sein?«

»Selbstverständlich, Britta«, nahm Manuel Salger Dr. Berger die Antwort ab. »Wozu bist du Privatpatientin? Sollte es dir plötzlich schlechter gehen, kannst du hier in der Klinik sofort versorgt und therapiert werden. Das ist auch für mich eine große Beruhigung.«

»Na gut, wenn du meinst, Manuel.« Ein weiterer Seufzer folgte.

»Eine vernünftige Entscheidung, Frau Salger«, lobte Dr. Berger. »Wenn Sie eine Krankschreibung für Ihren Arbeitgeber benötigen …«

»Meine Frau ist selbstständig, wie ich bereits im Patientenbogen vermerkt habe«, fiel Manuel Dr. Berger ins Wort. »Britta ist freie Journalistin. Sie schreibt vor allem Reisereportagen und wurde für ihre Texte bereits mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet.«

»Respekt«, bemerkte Dr. Berger anerkennend. »Dann sind Sie ja regelrecht berühmt, Frau Salger.«

Britta Salger machte eine abwehrende Handbewegung und bedachte ihren Mann mit einem leicht vorwurfsvollen Blick. »Als berühmt würde ich mich nun wirklich nicht bezeichnen«, schränkte sie ein, während eine feine Röte ihre blassen Wangen überzog. »Aber meine Arbeit macht mir sehr viel Freude.«

»Ja, in der Tat«, erklärte Manuel mit einem bedeutungsvollen Kopfnicken. »Liebend gerne würde ich meiner Frau ein angenehmes Leben ohne Arbeit und ohne Stress ermöglichen. Finanziell wäre das überhaupt kein Problem. Aber nein … Britta zieht es vor, weiter an ihrer Karriere zu basteln. Egal, wie viel sie schon erreicht hat.«

»Manuel, bitte nicht schon wieder dieses Thema«, wehrte sich Britta Salger. »Ich …« Sie brach abrupt ab, schnappte nach Luft und presste ihre Hände gegen ihren Bauch.

»Ist ja gut, Britta«, lenkte Manuel Salger sofort ein. »Bitte reg dich nicht unnötig auf. Ich wollte doch nur sagen, dass du, obwohl du die Möglichkeit hättest, dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen, mein großzügiges Angebot hartnäckig ausschlägst. Ich habe eine erfolgreiche Frau und bin stolz darauf. Trotzdem möchte ich dir das beste Leben bieten, das du irgend haben kannst, Britta, und deshalb …«

»Die Schwester bringt Sie jetzt auf Ihr Zimmer, Frau Salger«, unterbrach Dr. Berger Manuels Redefluss.

»Britta bekommt ein Einzelzimmer auf der Privatstation«, bestimmte Manuel Salger sofort. »Damit ich sie jederzeit besuchen kann.«

»Gut. Dann also ein Einzelzimmer auf der Privatstation«, stimmte Dr. Berger zu.

»Danke, Herr Doktor«, erwiderte Manuel und wandte sich wieder Britta zu. »Ich fahre jetzt nach Hause und hole deinen Koffer, Schatz. Er ist ja jederzeit gepackt. Und wenn du sonst noch irgendetwas möchtest, brauchst du es mir nur zu sagen.«

»Nein, nein.« Britta schluckte, als müsste sie gegen ein neuerliches Aufwallen von Übelkeit ankämpfen. »Alles, was ich im Moment möchte, ist, so bald wie möglich wieder gesund zu werden.«

»Ein verständlicher Wunsch«, meinte Dr. Berger.

Britta Salger lächelte matt und richtete sich auf der Untersuchungsliege auf, hatte aber plötzlich das Gefühl, dass sich der ganze Raum vor ihren Augen drehte. Trotzdem rutschte sie von der Liege und versuchte zu stehen, konnte sich aber nur mit Mühe aufrecht halten. Manuel war mit einem Satz bei ihr, fing sie auf und hob sie auf seine Arme, offenbar bereit, sie auf ihr Krankenzimmer zu tragen.

»Ich hole einen Rollstuhl«, erbot sich Alex, was ihm ein dankbares Lächeln von Britta einbrachte.

Erst in diesem Moment wurde Manuel auf Alex aufmerksam und erkannte in ihm den jungen Mann wieder, der ihn wegen seines falsch geparkten Autos angesprochen hatte. Unwillkürlich begannen Manuels Kiefer zu mahlen. Er wollte etwas sagen, doch Alex verschwand bereits, um den Rollstuhl zu organisieren. Manuel musste sich damit begnügen, ihm einen verächtlichen Blick nachzuschicken.

Wenig später wurde Britta auf ihr Krankenzimmer gebracht, während Manuel sich auf den Weg zu seinem Wagen machte.

Mit großen, entsetzten Augen stellte er fest, dass sein Cabrio verschwunden war und an seiner Stelle ein Rettungswagen des Roten Kreuzes stand.

»Das … das darf doch wohl nicht wahr sein«, knurrte er, während er irritiert zusah, wie ein Patient von mehreren Sanitätern hektisch aus dem Rettungswagen gehoben und auf einer fahrbaren Trage in die Notaufnahme geschoben wurde. Nach einem kurzen Moment des Zögerns eilte Manuel im Laufschritt den Sanitätern hinterher und fasste einen von ihnen am Ärmel. »Wo ist mein Auto?«, herrschte er den Sanitäter an, erntete aber nur einen verständnislosen Blick, der ihm das Gefühl gab, als Kandidat für die Psychiatrie eingestuft zu werden.

Wütend und ratlos zugleich kehrte Manuel um und schaute verwirrt in die Runde.

»Kann ich Ihnen helfen?«, wurde er im selben Moment von einer jungen Frau in Krankenschwesterntracht angesprochen. »Ich bin Lernschwester Ellie. Was kann ich für Sie tun?«

»Mein Wagen. Ein rotes Porsche-Cabrio. Mein Wagen ist weg. Er … er stand … dort.« Manuel wies mit ausgestreckter Hand auf den Rettungswagen.

»Oh«, überlegte die Schwester, wobei Manuel den Eindruck nicht loswurde, dass das Lächeln auf ihren Lippen trotz ihrer offensichtlichen Hilfsbereitschaft eher spöttisch als freundlich war. »Hallo, Chris!«, rief sie schließlich nach einem jungen Mann, der, seiner Berufskleidung nach zu urteilen, ein Kollege war. Einen üppig belegten Hamburger kauend, lehnte er lässig an der Wand neben dem Eingang der Behnisch-Klinik.

»Was ist los?«, kam es mit vollem Mund zurück.

»Da ist ein Herr, der sein Auto sucht. Ein rotes Porsche-Cabrio, das angeblich in der Einfahrt für die Rettungswägen gestanden hat«, erklärte die Lernschwester. »Hast du es gesehen, Chris? Hast du eine Ahnung, wo es sein könnte?«

»Nicht direkt«, erwiderte Chris, während er, immer noch kauend, langsam näherkam. Er kratzte sich am Kopf. »Ich habe lediglich mitbekommen, dass die Klinikverwaltung ein rotes Porsche-Cabrio, gegen dessen Besitzer Strafanzeige gestellt wurde, hat abschleppen lassen. Weißt du, wo abgeschleppte Autos landen, Ellie?«

»Nö. Woher soll ich das wissen? Ich besitze schließlich nur ein Fahrrad«, kam seelenruhig die Antwort.

Manuel Salger schoss die Zornesröte ins Gesicht. »Das darf doch wohl nicht wahr sein«, zischte er. »Wehe, wenn mein Auto Schaden gelitten hat. Dann kann die Behnisch-Klinik ihr himmelblaues Wunder erleben. Das dürfen Sie mir glauben.«

*

»Du bist schon da, Alex?« Sina erhob sich und lief in den Flur, als sie gehört hatte, wie der Schlüssel im Türschloss umgedreht worden war.

»Ja, ich bin da. Komme ich etwa zu früh?«

»Nie und nimmer«, antwortete Sina, stellte sich auf die Zehenspitzen und gab Alex einen zärtlichen Kuss.

»Und was gibt’s zu essen, Schatz? Ich habe einen Bärenhunger.«

»Das Essen muss jeden Augenblick kommen. Sonia und ich haben zur Feier des Tages Pizza vom Manolo-Lieferservice bestellt. Mit extra viel Salami und Peperoni.«

»Nicht übel«, lachte Alex, wirbelte Sina herum und begrüßte dann Sonia, die soeben aus dem Gemeinschaftswohnzimmer kam. Durch die offene Tür sah Alex auf dem Tisch ein Halmaspiel und die entsprechenden Figuren. »Veranstaltet ihr einen Spielabend?«, erkundigte er sich halb befremdet und halb belustigt.

Sina grinste. »Wir versuchen es zumindest«, erwiderte sie. »Sonia hat an einem Kreuzworträtsel-Preisausschreiben teilgenommen, weil sie einen hochmodernen Marken-Kaffeeautomaten für ihre neue gemeinsame Wohnung mit Silvio gewinnen wollte. Oder wenigstens den zweiten Preis: einen Saugroboter. Aber leider hat sie nur den Trostpreis bekommen, und das war ein Spielkoffer.«

»Aha, aber immerhin ein Preis. Und was für Spiele enthält dieser Spielkoffer?«, wollte Alex wissen.

Sonia zuckte die Schultern. »Ganz verschiedene«, gab sie zurück. »Außer Halma, das wir gerade ausprobieren, gibt es noch ein ›Mensch ärgere dich nicht‹, Skatkarten, ein Monopoly, ein Domino und ein Schachspiel. Die Figuren des Schachspiels sind sehr schön, aber leider können Sina und ich kein Schach. Und von Skat haben wir ebenfalls keine Ahnung.«

»Skat kann ich auch nicht«, meinte Alex. »Schach dagegen könnte ich euch beibringen. Ich bin zwar nicht gerade ein Profi, aber für den Hausgebrauch …«

Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment klingelte es an der Wohnungstür. »Der Pizzaservice«, rief Sina sofort und öffnete.

Sie nahm vier Pizzaschachteln in Empfang, dazu Tiramisu, Eis in einem Tiefkühlbehälter und eine Flasche Champagner.

Alex‘ Augen wurden beinahe von Minute zu Minute größer. »Also, das ist ja ein regelrechtes Festessen. Was hast du gewonnen?«, fragte er Sonia, die ohne auch nur mit der Wimper zu zucken das feudale Essen bezahlte und dem Lieferanten obendrein ein großzügiges Trinkgeld gab. »Eine größere Geldsumme vielleicht? Oder …«

Sonia schüttelte lachend den Kopf. »Nein«, erwiderte sie. »Nicht, dass ich wüsste. Aber es gibt etwas zu feiern.«

»Oha, jetzt bin ich richtig neugierig«, bemerkte Alex. »Und für wen ist überhaupt die vierte Pizzaschachtel?«

»Die wäre eigentlich für Silvio bestimmt gewesen«, antwortete Sonia. »Er ist seit zwei Tagen in Wien und wollte heute Abend wieder zurück sein.«

»Wollte?«

»Ja, wollte. Er hatte aber leider, als er die Heimfahrt kaum angetreten hatte, eine Autopanne und musste in eine Werkstatt«, antwortete Sina an Sonias Stelle.

»So ist es«, seufzte Sonia. »Ich habe dann am späten Nachmittag noch einmal mit Silvio telefoniert. Sein Auto war leider noch nicht fertig, und da die Werkstatt schon im Begriff war zu schließen …«

»Verstehe.« Alex nickte und schielte nach der überzähligen Pizza.