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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Puh! Nur ein bisschen Treppensteigen – und ich bin völlig außer Atem! Das darf doch wohl nicht wahr sein!« Sonia lehnte sich erschöpft gegen das Geländer der steilen Holztreppe, die zur Dachwohnung in der Glockenbachstraße hinaufführte, und verschnaufte. Die bleierne Müdigkeit, die seit einiger Zeit ihre ständige Begleiterin war, machte ihr zu schaffen. Irgendwie war in den letzten Wochen einfach alles zu viel für sie gewesen: Der Brand in ihrer Boutique, der obendrein auch noch ihre Wohnung arg in Mitleidenschaft gezogen hatte, der Kleinkrieg mit den Versicherungen, der inzwischen so gut wie verloren war, ihr verzweifelter, bisher aber leider nur mäßig erfolgreicher Versuch, als Modedesignerin Fuß zu fassen … Und als ob das alles nicht schon mehr als genug wäre, um einen Menschen an den Rand der Verzweiflung zu bringen, war da auch noch diese andere Sache, die sie von Tag zu Tag stärker umtrieb und immer unsicherer und ratloser machte. Aber wenigstens dieses eine Problem würde sich noch heute lösen – so oder so. Mit langsamen, schweren Schritten stapfte Sonia weiter die ausgetretenen Stufen empor, kramte schließlich ihren Schlüssel aus ihrer Handtasche und öffnete die Wohnungstür. Alles war dunkel, was nur bedeuten konnte, dass noch niemand von ihren Mitbewohnern zu Hause war. »Alex? Sina? Alissa?«, rief Sonia sicherheitshalber in den Flur, als sie das Licht anknipste, aber niemand antwortete. Nur Elvis, Alissas Kater, kam ihr entgegen und rieb sich schnurrend an ihren Beinen. Sonia streichelte ihn und atmete erleichtert auf. Dass sie fürs Erste alleine oder zumindest ohne menschliche Gesellschaft war, konnte ihr nur recht sein. Als Elvis genug Zärtlichkeiten genossen hatte und mit hoch erhobenem Schwanz in die Küche verschwand, legte Sonia rasch ihre Jacke ab, schlüpfte aus ihren Schuhen und begab sich, ihre Handtasche fest an sich gedrückt, ins Badezimmer. Sicherheitshalber versperrte sie die Tür, setzte sich dann erst einmal auf den Rand der Badewanne, öffnete umständlich ihre Handtasche und zog die drei Packungen Schwangerschaftstests heraus, die sie am Nachmittag in der Apotheke erstanden hatte. Sie hatte sämtliche Testsorten gekauft, die verfügbar gewesen waren. Schließlich war es durchaus möglich, dass so ein Test einmal nicht korrekt funktionierte.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Puh! Nur ein bisschen Treppensteigen – und ich bin völlig außer Atem! Das darf doch wohl nicht wahr sein!« Sonia lehnte sich erschöpft gegen das Geländer der steilen Holztreppe, die zur Dachwohnung in der Glockenbachstraße hinaufführte, und verschnaufte.
Die bleierne Müdigkeit, die seit einiger Zeit ihre ständige Begleiterin war, machte ihr zu schaffen.
Irgendwie war in den letzten Wochen einfach alles zu viel für sie gewesen: Der Brand in ihrer Boutique, der obendrein auch noch ihre Wohnung arg in Mitleidenschaft gezogen hatte, der Kleinkrieg mit den Versicherungen, der inzwischen so gut wie verloren war, ihr verzweifelter, bisher aber leider nur mäßig erfolgreicher Versuch, als Modedesignerin Fuß zu fassen … Und als ob das alles nicht schon mehr als genug wäre, um einen Menschen an den Rand der Verzweiflung zu bringen, war da auch noch diese andere Sache, die sie von Tag zu Tag stärker umtrieb und immer unsicherer und ratloser machte.
Aber wenigstens dieses eine Problem würde sich noch heute lösen – so oder so.
Mit langsamen, schweren Schritten stapfte Sonia weiter die ausgetretenen Stufen empor, kramte schließlich ihren Schlüssel aus ihrer Handtasche und öffnete die Wohnungstür.
Alles war dunkel, was nur bedeuten konnte, dass noch niemand von ihren Mitbewohnern zu Hause war.
»Alex? Sina? Alissa?«, rief Sonia sicherheitshalber in den Flur, als sie das Licht anknipste, aber niemand antwortete. Nur Elvis, Alissas Kater, kam ihr entgegen und rieb sich schnurrend an ihren Beinen.
Sonia streichelte ihn und atmete erleichtert auf. Dass sie fürs Erste alleine oder zumindest ohne menschliche Gesellschaft war, konnte ihr nur recht sein.
Als Elvis genug Zärtlichkeiten genossen hatte und mit hoch erhobenem Schwanz in die Küche verschwand, legte Sonia rasch ihre Jacke ab, schlüpfte aus ihren Schuhen und begab sich, ihre Handtasche fest an sich gedrückt, ins Badezimmer. Sicherheitshalber versperrte sie die Tür, setzte sich dann erst einmal auf den Rand der Badewanne, öffnete umständlich ihre Handtasche und zog die drei Packungen Schwangerschaftstests heraus, die sie am Nachmittag in der Apotheke erstanden hatte.
Sie hatte sämtliche Testsorten gekauft, die verfügbar gewesen waren. Schließlich war es durchaus möglich, dass so ein Test einmal nicht korrekt funktionierte. Wenn allerdings drei verschiedene Tests das Gleiche aussagten, konnte sie sich des Ergebnisses wohl oder übel sicher sein.
»Clearblue«, las Sonia, während sie die erste Packung in ihren Händen drehte, halblaut vor sich hin. »Ultrafrühtest. Bereits nach sechs Tagen ein klares Ergebnis.«
Sonia seufzte. Von sechs Tagen konnte natürlich keine Rede sein. Die Nacht mit Anthony, die einzig als Ursache für ihre mögliche Schwangerschaft infrage kam, lag mittlerweile schon etwas mehr als sechs Wochen zurück.
Unruhig rutschte Sonia auf dem Badewannenrand hin und her.
Sie hatte sich zunächst nichts dabei gedacht, als ihre Periode ausgeblieben war. Das kam bei ihr öfter einmal vor. Ihre Menstruation war noch nie besonders regelmäßig gewesen. Besonders dann nicht, wenn Aufregungen und Sorgen übermächtig und drückend geworden waren. Nach dem Tod ihrer Mutter war ihre Periode sogar zweimal hintereinander ausgeblieben, und auch als sie zu Alberto nach München gereist war, um ihn und seine Familie kennenzulernen, war es aufgrund ihrer schrecklichen Angst, abgelehnt zu werden, zu Verzögerungen ihrer Menstruation gekommen.
Warum also hätte sie sich diesmal schon nach zwei Wochen Gedanken machen sollen?
Nur wegen der einen Nacht mit Anthony …
Sagte man nicht immer, dass beim ersten Mal ohnehin nichts passierte?
Sonia nahm die nächste Packung zur Hand. Sie war rosarot mit einem Frauengesicht auf der linken und ein paar neckischen weißen Blümchen auf der rechten Seite. »Besure. Zur zuverlässigen Bestimmung der Schwangerschaft ab dem ersten Tag«, las Sonia.
Das klang doch ebenfalls nach viel Genauigkeit und Verlässlichkeit!
Der dritte Test, den Sonia gekauft hatte, war wieder von der Marke Clearblue. Die Apothekerin hatte ihr diese Marke besonders ans Herz gelegt, weil es sich bei Clearblue um einen Mittelstrahltest handelte, der im Gegensatz zu Streifen- und Cassettentests angeblich nicht fehlzuinterpretieren war. Sonia hatte zwar die Bezeichnungen Mittelstrahltest, Streifentest und Cassettentest noch nie in ihrem Leben gehört und deshalb auch die Erklärungen der Apothekerin nicht verstanden, aber »nicht fehlzuinterpretieren« hatte ihr auf Anhieb gefallen. Außerdem konnte dieser dritte Test sogar eine Aussage über die Schwangerschaftswoche machen. Sicher war schließlich sicher. Auch wenn die Schwangerschaftswoche im Falle eines positiven Ergebnisses ohnehin sonnenklar war.
Mit einem weiteren Seufzer führte Sonia sich die Gebrauchsanweisungen zu Gemüte und machte sich dann ans Werk.
Zehn Minuten später hatte sie die so sehr ersehnte absolute Gewissheit: Die drei Tests versicherten ihr in schöner Eintracht, dass sie schwanger war. Definitiv und ohne Wenn und Aber.
Ein paar Augenblicke lang saß Sonia nur entgeistert da und starrte auf die Ergebnisse.
Sollte sie sich nun freuen?
Oder sollte sie sich eher bang und ängstlich fühlen?
Eigentlich wusste sie es selbst nicht.
Sonia beschloss, sich zu freuen.
Sie liebte Anthony, und ein gemeinsames Kind würde die Krönung ihres Glücks bedeuten. Anthony würde sie heiraten, und sie würde zu ihm nach England ziehen auf den alten Herrensitz, den er dort bewohnte.
Er hatte ihr damals, bei ihrem gemeinsamen Abendessen im Hotel »Vier Jahreszeiten« ein paar Fotos von Hayward House gezeigt: Die alte Villa sah mit ihren Türmchen und Zinnen aus wie ein Märchenschloss. Sie lag in einem wunderschönen, parkartigen Garten, der von einer mit Kletterrosen überrankten Steinmauer umfriedet war. Wenn man über die Mauer hinwegblickte, konnte man das Meer sehen.
Es musste sich in dem feudalen Anwesen leben wie in einer Traumwelt.
Ihr und Anthonys gemeinsames Kind, egal ob es nun ein Junge oder ein Mädchen war, würde in einem wahren Paradies aufwachsen. Es würde ein Pony haben, um zu reiten, und einen oder mehrere Hunde, mit denen es toben konnte.
Natürlich würde es in das riesige Grundstück auch viele andere Kinder einladen dürfen, um mit ihnen auf den gepflegten Rasenflächen Fangen zu spielen und hinter den Büschen und Bäumen Verstecken.
Es würden Kinderpartys stattfinden.
Und für Anthonys Nachbarn, Kollegen und Freunde Sommerfeste unterm Sternenhimmel mit einem Feuerwerk als krönendem Abschluss …
Sonia geriet ins Träumen, doch als sie sich aufmachte, um in die Küche zu gehen und sich etwas Essbares aus dem Kühlschrank zu holen, kamen ihr plötzlich Zweifel.
Was, wenn Anthony sich gar nicht über den Nachwuchs freute?
Sie hatten nie über das Thema Kinder gesprochen, weil es fürs Erste noch so weit entfernt gewesen war. Sie hatten ja noch nicht einmal über Verlobung und Heirat geredet.
Mit einem Mal wurde Sonia klar, wie wenig sie im Grunde über Anthony wusste. Außer dass er ein berühmter Herzchirurg war und in Cornwall in Hayward House wohnte, außer dass er attraktiv und ein wunderbar zärtlicher Liebhaber war …
Lebte er in Hayward House, von den mit Sicherheit zahlreichen Bediensteten einmal abgesehen, ganz allein?
Oder … waren da möglicherweise auch noch seine Eltern?
So viel wusste sie eigentlich gar nicht über Anthony ...
Würde sie, Sonia, wenn Anthony unter der Woche beruflich in London in der Klinik war, allein mit dem Kind und seinen Großeltern in Hayward House zurückbleiben?
Und … würden Anthonys Eltern sie überhaupt akzeptieren, geschweige denn ihr die erhoffte Zuneigung entgegenbringen?
In ihre Gedanken versunken griff Sonia nach dem Glas mit Essiggurken, das im seitlichen Regal der Kühlschranktür stand, und angelte sich eines der Gürkchen, spuckte es aber, kaum hatte sie es in ihren Mund gesteckt, sogleich angeekelt wieder aus. Als sie den Schinken und die Salami entdeckte, die Sina offenbar gekauft hatte, um eine Pizza damit zu belegen, drehte sich Sonia fast der Magen um. Auch der Anblick des geriebenen Mozzarellas und des Schafskäses verursachte ihr eher Übelkeit als Appetit.
Mit einem energischen Ruck schloss Sonia die Kühlschranktür wieder und lehnte sich erst einmal dagegen, während sie geräuschvoll die Luft ausstieß.
Ihr Magen knurrte, aber …
Plötzlich fielen ihr die Gummibärchen wieder ein, die sie für Valentina, die kleine Tochter der Nachbarin, gekauft hatte. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, holte Sonia sich die Packung und riss sie gierig auf. Sie stopfte sich so viele Gummibärchen in den Mund, wie sie greifen konnte, und kaute mit verzücktem Gesichtsausdruck. Die zuckersüßen Bärchen schmeckten köstlich nach Kindheit, nach Geborgenheit und Unbeschwertheit. Immer wieder langte Sonia zu, bis sie verblüfft feststellte, dass die Tüte leer war.
Hatte sie nicht noch eine zweite Tüte als Reserve besorgt?
Sonia kramte in der Schublade, in der die Süßigkeiten aufbewahrt wurden, und wurde tatsächlich fündig.
Schon leckte sie sich voller Vorfreude die Lippen, als mit einem Mal die Wohnungstür aufgesperrt wurde. Lachend und schäkernd polterten Alex und Sina herein.
»Hallo, Sonia«, grüßten die beiden durch die offenstehende Küchentür.
Sina gab Sonia einen leichten Klaps auf die Schulter, während sie an ihr vorbei auf die Kaffeemaschine zulief, um sie anzuwerfen. »Magst du auch Kaffee, Sonia?«, erkundigte sie sich. »Alex und ich sind auf dem Heimweg an einer Würstchenbude vorbeigekommen und haben uns einen Hotdog mit Ketchup und eine Riesenportion viel zu fetter Pommes reingezogen. Wir brauchen jetzt unbedingt etwas zur Verdauung.«
Sonia verdrängte die Vorstellung von Hotdog und Pommes frites, die ihr sofort wieder Übelkeit verursachte. Auch die Kaffeemaschine bedachte sie mit eher verächtlichen Blicken. »Nein, danke. Für mich keinen Kaffee«, schüttelte sie schließlich den Kopf und öffnete die zweite Packung Gummibärchen.
Der süß-fruchtige Geschmack verwies den Gedanken an Wurst und Fett zu ihrer Erleichterung endgültig in den Hintergrund. Stattdessen fiel ihr, während sie kaute, auf, dass Alex‘ Augen prüfend auf sie gerichtet waren.
Sie runzelte die Stirn, hielt mit Kauen inne und erwiderte Alex‘ Blick. Dabei legte sie selbstbewusst ihren Kopf in den Nacken. »Falls der Herr Doktor in spe mich jetzt über den bedenklich hohen Zuckergehalt von Gummibärchen aufklären will, muss ich den angehenden Herrn Mediziner darauf hinweisen, dass Hotdog und Pommes vom gesundheitlichen Standpunkt aus ebenso wenig zu empfehlen sind. Erst recht, wenn man krebserregendes verarbeitetes rotes Fleisch und zu viel Fett anschließend auch noch mit einer Menge Koffein runterspült …«
Sonia verstummte, als sie merkte, dass Alex verlegen wurde.
»Ich wollte kein Sterbenswörtchen über die negativen gesundheitlichen Folgen von zu viel Zucker sagen«, verteidigte er sich. »Wirklich nicht. Mir ist nur aufgefallen, dass du in letzter Zeit ein ausgesprochenes Faible für Gummibärchen hast.«
»Das hast du wirklich, Sonia«, pflichtete Sina Alex bei. »Mir ist deine neue kulinarische Vorliebe auch nicht entgangen.« Sie grinste. »Alex und ich haben sogar schon über mögliche Gründe für deine neue Leibspeise nachgedacht, unsere Vermutung dann aber wieder verworfen.«
Sonia schluckte, während ihr Gesicht sich puterrot verfärbte.
Einen Augenblick lang hätte sie sich am liebsten in eine dunkle Ecke verkrochen, sagte sich dann aber, dass sie ihr Geheimnis früher oder später ohnehin würde preisgeben müssen. Im Grunde konnte sie froh sein, dass wenigstens Alissa nicht anwesend war, die wahrscheinlich mit totalem Unverständnis oder sogar mit Spott reagiert hätte.
»Ich habe auch schon seit einiger Zeit eine Vermutung, was meine seltsamen Befindlichkeiten angeht, habe diese Vermutung aber ebenfalls immer wieder verworfen«, gab Sonia sich einen Ruck. »Inzwischen ist aus der Vermutung allerdings Gewissheit geworden.«
Sina fiel die Dose mit dem gemahlenen Kaffee aus der Hand, sodass ihr Inhalt sich über den Küchenboden verteilte, doch sie war viel zu verblüfft, um darauf zu achten. »Du … du bist schwanger, Sonia?«, entfuhr es ihr.
Sonia nickte. »Ich habe, kurz bevor ihr gekommen seid, drei Schwangerschaftstests gemacht. Alle haben das gleiche Ergebnis geliefert. Somit ist wohl jeder Irrtum ausgeschlossen.«
»Wow!«, rief Sina begeistert aus, stürzte auf ihre Halbschwester zu und nahm sie in den Arm. »Ich gratuliere dir von ganzem Herzen, Sonia. Ich freue mich so sehr für dich.« Sie herzte und küsste Sonia, dann löste sie sich plötzlich von ihr und drehte sich zu Alex um. »Hast du gehört, Alex? Ich werde schon bald zum zweiten Mal Tante. Und Papa und Mama werden dann zum zweiten Mal Großeltern. Das … das ist die Wucht in Dosen! Ich kann unser Glück noch gar nicht fassen.« Sie drehte sich mit ausgebreiteten Armen im Kreis, ehe sie Alex um den Hals fiel.
Alex gab ihr lachend einen Kuss, schob sie aber gleich darauf sanft von sich. »Und … wer ist der stolze Papa?«, wandte er sich an Sonia.
Sonia, die mit Sina um die Wette strahlte, bedachte Alex mit einem irritierten Blick. »Was für eine Frage! Anthony natürlich«, erwiderte sie. »Wer denn sonst?«
»Na ja, ich … ich dachte, es könnte … könnte vielleicht auch … Silvio sein«, stotterte Alex.
Sonia schüttelte den Kopf. »Silvio und ich waren nie zusammen«, erklärte sie. »Wir waren Geschäftspartner und werden es mit ein bisschen Glück vielleicht auch wieder werden. Aber mehr ist nicht drin. Silvio ist ein feiner Kerl, doch …« Sonia zögerte einen Moment, ehe sie weiterredete. »Natürlich habe ich Papa ein paar Mal zusammen mit Silvio besucht. Ich habe es aber nur getan, um Papa eine Freude zu machen«, fuhr sie schließlich fort. »Er findet Silvio megasympathisch. Und … und sympathisch ist Silvio wirklich. Das lässt sich nicht leugnen. Aber jemanden sympathisch finden und jemanden lieben, ist schließlich nicht dasselbe.«
Alex holte Kehrschaufel und Besen, als er sah, dass Sina sich mit Putzkübel und Wischlappen bewaffnete, um dem verschütteten Kaffee zu Leibe zu rücken. »Findest du mich sympathisch oder liebst du mich?«, fragte er Sina unverblümt.
»Ich liebe dich«, erwiderte Sina und setzte mit einem Augenzwinkern hinzu: »Vor allem, wenn du mir bei der Hausarbeit hilfst und wenn du mit mir für meine Klausuren lernst.«
Alex zog die Augenbrauen hoch. »Du findest mich also nicht sympathisch«, stellte er mit gut gespielter Gekränktheit fest.
Sina starrte ihn verblüfft an, während sie, ohne es zu merken, die halbe Flasche Putzmittel in den Eimer schüttete. »Natürlich finde ich dich sympathisch«, verbesserte sie sich, mit ihren Händen die herumfliegenden Seifenblasen abwehrend. »Liebe und Sympathie sind doch nicht voneinander zu trennen. Wenn man einen Menschen liebt, findet man ihn selbstredend auch sympathisch. Und wenn man einen Menschen sympathisch findet, kann … kann das durchaus eine Vorstufe von Liebe sein.«
»Da spricht die erfahrene Frau«, kicherte Alex.
Sina hob lachend den Putzlappen gegen ihn, wandte sich dann aber abrupt wieder ihrer Halbschwester zu. »Weiß Anthony es schon?«, erkundigte sie sich. »Hast du schon mit ihm telefoniert?«
»Nein, habe ich nicht«, gab Sonia zurück. »Dazu … war schließlich noch gar keine Zeit. Und … und außerdem«, fügte sie nach einem Moment der Überlegung hinzu, »frage ich mich natürlich, ob ein Telefongespräch überhaupt der richtige Weg ist, um Anthony die freudige Mitteilung zu machen.«
»Du … du willst also nach England reisen? Nach Cornwall? Auf diesen Landsitz? Ha … Harvard House, oder wie er heißt?«, entfuhr es Sina.
»Hayward House«, verbesserte Sonia. »Und ja, ich möchte Anthony gerne persönlich sagen, dass er Vater wird. Ich möchte mit meinen eigenen Augen sehen, wie er sich freut. Ich möchte, dass er mich in seine Arme schließt und mich küsst. Ich möchte spüren, wie glücklich er ist.«
»Aber du … du wirst ihm deinen Besuch doch irgendwie ankündigen«, meinte Alex pragmatisch. »Oder hast du an einen Überraschungsbesuch gedacht?«
Sonia biss sich auf die Lippe. »Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht«, räumte sie ein. »Wenn ich unangemeldet in Hayward House auftauche, gehe ich natürlich das Risiko ein, dass Anthony in London ist und ich auf ihn warten muss. Aber andererseits …«
»Über diese Entscheidung kannst du dir morgen oder übermorgen auch noch den Kopf zerbrechen«, wiegelte Sina ab. »Jetzt stoßen wir erst einmal auf dein Babyglück an. Am besten mit Apfelsaft.«
*
»Herr Doktor, könnten Sie mir bitte sagen, wo …«
Alex, der sich nicht angesprochen fühlte, achtete nicht weiter auf die Frauenstimme, sondern ging zielstrebig seines Wegs, um nach beendeter Mittagspause den zweiten Teil seiner Praktikumsschicht anzutreten.
»Herr Doktor …« Erst als Alex vorsichtig am Ärmel seines Pflegerkittels gezupft wurde, drehte er sich um und schaute in das hübsche, aber verhärmte Gesicht einer jungen Frau. »Herr Doktor, könnten Sie mir bitte sagen, wo hier die Neurologische Abteilung ist?«, vollendete die junge Frau ihre Frage. Dabei strich sie sich eine Strähne ihrer kurz geschnittenen, dunkelblonden Haare aus der Stirn und schaute Alex hilfesuchend an.
