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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Da! Da ist es! Da vorne rechts! Ich fasse es nicht! Wie kann so etwas denn überhaupt passieren! Der Typ muss mit Vollgas gegen die Mauer geknallt sein!« Notarzt Dr. Lars Rudolf schüttelte wieder und wieder den Kopf, während Alex den Rettungswagen an die rechte Straßenseite lenkte und Martinshorn und Blaulicht abschaltete. Er sprang gleichzeitig mit Dr. Rudolf aus dem Sanitätsauto, auf den Fuß gefolgt von Melanie, der jungen Sanitätspraktikantin. Zu dritt liefen sie eilends auf die Unfallstelle zu. »Das sieht ja wirklich noch schlimmer aus, als ich es mir vorgestellt habe«, sagte Melanie und schlug mit weit aufgerissenen Augen erschrocken die Hand vor den Mund. Auch Dr. Rudolf war schockiert, als er den demolierten schwarzen SUV aus der Nähe sah. Zerknautscht, als handle es sich um ein Spielzeugauto, klebte er wie mit dem Stein verwachsen an der Mauer. »Ich glaube, der Typ hatte Selbstmordabsichten«, stellte Dr. Rudolf entgeistert fest. Alex warf einen Blick durch das zerbrochene Fenster auf der Fahrerseite.
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Da! Da ist es! Da vorne rechts! Ich fasse es nicht! Wie kann so etwas denn überhaupt passieren! Der Typ muss mit Vollgas gegen die Mauer geknallt sein!« Notarzt Dr. Lars Rudolf schüttelte wieder und wieder den Kopf, während Alex den Rettungswagen an die rechte Straßenseite lenkte und Martinshorn und Blaulicht abschaltete.
Er sprang gleichzeitig mit Dr. Rudolf aus dem Sanitätsauto, auf den Fuß gefolgt von Melanie, der jungen Sanitätspraktikantin. Zu dritt liefen sie eilends auf die Unfallstelle zu.
»Das sieht ja wirklich noch schlimmer aus, als ich es mir vorgestellt habe«, sagte Melanie und schlug mit weit aufgerissenen Augen erschrocken die Hand vor den Mund.
Auch Dr. Rudolf war schockiert, als er den demolierten schwarzen SUV aus der Nähe sah. Zerknautscht, als handle es sich um ein Spielzeugauto, klebte er wie mit dem Stein verwachsen an der Mauer. »Ich glaube, der Typ hatte Selbstmordabsichten«, stellte Dr. Rudolf entgeistert fest.
Alex warf einen Blick durch das zerbrochene Fenster auf der Fahrerseite.
Über dem Lenkrad hing ein Mann, schätzungsweise Ende zwanzig oder Anfang dreißig, dessen Kopf und Gesicht blutüberströmt waren. Er schien schwerste Verletzungen erlitten zu haben und war nicht bei Bewusstsein.
Mit vereinten Kräften versuchten Alex und Dr. Rudolf die Fahrertür zu öffnen, um den Mann zu befreien, doch sie war so stark deformiert, dass sie beharrlich klemmte und selbst mit größter Kraftanstrengung nicht zu bewegen war.
»Ich ruf die Feuerwehr«, sagte Alex und zückte sein Handy. »Die müssen hier mit dem Schneidbrenner anrücken. Anders geht es nicht.«
Noch während Alex telefonierte, kam mit Blaulicht und Martinshorn die Polizei angebraust.
Dr. Rudolf wechselte ein paar Worte mit den Polizisten, die sich sofort daran machten, die Unfallstelle zu sichern und die beiden Passanten, von denen sie gerufen worden waren, nach dem Unfallhergang zu befragen.
»Lars, komm doch mal her!«, rief in diesem Moment Alex.
Dr. Rudolf wandte sich sofort wieder dem Unfallwagen zu, während Alex eine der Fondtüren des schwarzen SUV öffnete und mit Kopf und Armen darin verschwand.
Mit ein paar raschen Schritten war der Notarzt an Alex’ Seite.
»O mein Gott«, entfuhr es ihm, als er das kleine Mädchen sah, das angeschnallt im Kindersitz saß und einen großen braunen Teddybären im Arm hielt.
»Du brauchst keine Angst zu haben«, redete es mit leiser, sanfter Stimme auf den Teddy ein. »Wirklich nicht. Ich bin bei dir und ich beschütze dich. Es ist alles in Ordnung, auch wenn es so schrecklich geknallt und so einen schlimmen Rums gegeben hat. Alles ist gut. Und dass Papa nicht mit uns redet, bedeutet auf gar keinen Fall, dass er böse mit uns ist. Er ist nur ganz fest eingeschlafen, weißt du.«
Als die Kleine Alex bemerkte, richtete sie ihre Augen unverwandt auf ihn. »Wer bist du?«, fragte sie und drückte dabei den braunen Teddybären ganz fest an sich.
»Ich bin Alex. Ich bin Sanitäter. Ich will deinem Papa und dir helfen.« Alex streckte seine Hände aus, um die Kleine aus ihrem Kindersitz zu heben, doch sie wich ängstlich vor ihm zurück.
»Mein Papa schläft. Du brauchst uns nicht zu helfen. Er wacht ganz von alleine wieder auf«, sagte sie. »Und dann fahren wir weiter. Geh bitte weg. Mein Papa hat mir nämlich verboten, mit fremden Menschen zu sprechen.«
Alex zog sich ein wenig zurück. »Das ist schon richtig von deinem Papa. Er hat dich bestimmt furchtbar lieb und möchte deshalb vermeiden, dass dir etwas Böses geschieht. Kinder sollten wirklich nicht mit Fremden sprechen. Aber für Ärzte und Sanitäter gilt das nicht. Die zählen nicht als Fremde. Vor Ärzten und Sanitätern muss man sich nicht fürchten.«
Das Mädchen schaute Alex treuherzig an, gab aber keine Antwort.
»Ich helfe dir jetzt aus dem Auto, okay?«, startete Alex einen neuen Versuch, wurde aber vom lautstarken »Tatü, tata« des Feuerwehrautos unterbrochen.
Die Feuerwehrmänner machten sich sofort daran, mit dem Schneidbrenner die Fahrertür zu öffnen.
Kein Wunder, dass der Gesichtsausdruck des kleinen Mädchens von Sekunde zu Sekunde ängstlicher wurde. Schließlich klemmte sich die Kleine ihren Teddy unter den Arm und streckte Alex hilfesuchend beide Händchen entgegen.
Alex löste den Sicherheitsgurt, hob das Kind vorsichtig aus dem Unfallwagen und reichte es, da es fürs Erste unverletzt schien, an die Sanitätspraktikantin weiter. »Das ist Melanie, eine Kollegin von mir. Sie wird sich jetzt um dich kümmern«, sagte er, doch die Kleine wandte sich von der jungen Praktikantin ab, kehrte ihr den Rücken zu und widmete sich wieder ihrem Teddybären.
Alex half indessen Dr. Rudolf, den schwerverletzten Unfallfahrer zu bergen. Er stabilisierte Nacken und Halswirbelsäule des Mannes mit einer Stütze und bettete ihn mit Dr. Rudolfs Unterstützung vorsichtig auf eine Trage, die sie gemeinsam in den Sanitätswagen hoben.
Dort machte Dr. Rudolf sich sofort daran, den Schwerverletzten an die entsprechenden Kontrollgeräte anzuschließen und legte ihm eine Infusion, um seinen Kreislauf zu stabilisieren.
Alex nahm wieder hinter dem Steuer des Rettungswagens Platz und brauste mit Blaulicht und Martinshorn Richtung Behnisch-Klinik.
Neben ihm saß die Sanitätspraktikantin Melanie, auf ihrem Schoß das kleine Mädchen aus dem Unfallauto, das nach wie vor fest seinen Teddybären umklammert hielt.
»Willst du mir nicht endlich sagen, wie du heißt«, seufzte Melanie. »Du musst doch einen Namen haben. Du bist schließlich groß genug, um deinen Namen zu wissen.«
Das Mädchen senkte den Kopf und schwieg.
Melanie verdrehte die Augen. Langsam, aber sicher riss ihr der Geduldsfaden.
»Und wie heißt dein Papa?«, nahm sie einen neuen Anlauf. »Sagst du mir wenigstens den Namen deines Papas?«
Die Antwort war auch diesmal Schweigen.
»Himmel, wie kann man nur derart stur und bockig sein«, entfuhr es Melanie. »Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich würde ja sagen, dir hat es vor Schreck die Sprache verschlagen. Aber mit dem dämlichen Bären hast du vorhin ja auch dauernd geredet.«
»Lass sie. Wenn du Druck machst, verstörst du die Kleine nur noch mehr«, funkte Alex dazwischen.
Er wagte einen raschen Seitenblick in Richtung Beifahrersitz und stellte überrascht fest, dass das kleine Mädchen ihn anlächelte.
»Bei dir grinst sie«, bemerkte Melanie, während sie die Kleine kurz losließ, um den Gummi ihres Pferdeschwanzes straffer zu ziehen. »Die steht anscheinend nicht nur auf den Teddybären, sondern auch auf dich.«
»Willst du damit etwa sagen, dass zwischen mir und dem Bären irgendeine Ähnlichkeit…«
Weiter kam Alex nicht, denn als er sich anschickte, nach links in Richtung Behnisch-Klinik abzubiegen, kam ihm ein Autofahrer entgegen, der sowohl Martinshorn als auch Blaulicht ignorierte und stattdessen ungerührt auf seiner Vorfahrt bestand. Es hätte nicht viel gefehlt, und es wäre zu einem Zusammenstoß gekommen.
»Das war verdammt knapp.« Melanie schnappte nach Luft und drückte in ihrer Aufregung das kleine Mädchen so fest an sich, dass es sich ziemlich heftig zur Wehr setzte. Es schrie wie am Spieß, und Melanie bekam ein paar Ellbogenstöße in die Rippen ab. Sie war heilfroh, als die Behnisch-Klinik in Sicht kam, und Alex den Sanitätswagen vor der Notaufnahme zum Stehen brachte. »Ich überlasse dir das kleine Biest«, sagte sie, als sie erleichtert ausstieg, und führte das Mädchen zu Alex. »Nach dem Schrecken brauch ich erst einmal irgendetwas Süßes in der Cafeteria. Ich dachte schon, jetzt passiert uns das Gleiche wie dem SUV-Fahrer.«
»Jetzt mach mal halblang und krieg dich wieder ein, Melanie. Von einem Unfall waren wir noch meilenweit entfernt«, rief Alex ihr hinterher, als sie mit Riesenschritten davoneilte. »Und bleib bitte nicht zu lange weg.«
Das kleine Mädchen im Auge behaltend, lief Alex zur Hintertür des Sanitätswagens, öffnete sie und half Dr. Rudolf, die Trage mit dem verletzten Mann herauszuheben.
Während Dr. Rudolf zusammen mit der diensthabenden Assistenzärztin den Verletzten in einen der Schockräume der Notaufnahme brachte, kehrte Alex zu der Kleinen zurück und kauerte sich neben sie.
»Was ist mit meinem Papa?«, fragte das Mädchen und blickte dabei unverwandt auf die Tür, hinter der Dr. Rudolf und die Assistenzärztin mit dem Patienten verschwunden waren.
»Dein Papa ist verletzt und wird jetzt von den Ärzten untersucht und behandelt, damit er ganz schnell wieder gesund wird«, erklärte Alex.
Die Kleine nickte.
Trotzdem starrte sie, ihren Teddy fest im Arm, weiter auf die Tür.
»Ist dein Teddy auch verletzt? Genau wie dein Papa?«, fragte Alex fürsorglich.
Von einer Sekunde auf die andere wandte sich das Kind Alex zu.
»Keine Ahnung. Vielleicht«, gab sie zurück. »Musst du ihn untersuchen und behandeln?«
»Das wäre auf alle Fälle nicht schlecht«, meinte Alex. Er begutachtete den Teddybären, bewegte seine Arme und Beine und drückte ein wenig an ihm herum. »Er hat eine kleine Wunde am Kopf und einen verstauchten Arm«, stellte er schließlich fest. »Ich werde ihm ein Pflaster auf die Stirn kleben. Und seinen Arm in eine Schlinge legen, damit er ihn ruhig hält.«
»Ja, dann wird er ganz schnell wieder gesund. Genau wie mein Papa«, stimmte die Kleine eifrig zu.
»Richtig.« Alex holte den Kasten mit dem Verbandszeug aus dem Sanitätswagen und legte den Teddybären auf ein Kissen. »Jetzt geht es dir bald wieder besser, lieber Bär. Wie heißt du eigentlich?«, fragte er das Plüschspielzeug, während er ein großes rot und gelb getupftes Kinderpflaster am Fell seines Kopfes festklebte und seinen »verletzten« Arm mit einer Mullbinde umwickelte.
»Er heißt Bruno«, erklärte das Mädchen.
»Bruno«, wiederholte Alex. »Das ist ein schöner Name für einen Bären.«
»Findest du?« Die Kleine strich sachte über das Pflaster an Brunos Kopf. »Ich habe auch einen schönen Namen«, meinte sie nach einer Weile. »Kannst du erraten, wie ich heiße, Alex?«
Alex zuckte die Schultern. »Ich kann es versuchen. Aber du darfst nicht enttäuscht sein, wenn ich es nicht schaffe. Ich bin nämlich nicht besonders gut im Raten, weißt du.«
»Probier es trotzdem. Bitte, bitte!«
»Also gut. Heißt du vielleicht Angelika?«
Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf.
»Oder Julia?«
Ein neues Kopfschütteln folgte.
»Hmm.« Alex machte ein ratloses Gesicht. »Ulrike?«
»Nein. Du bist aber wirklich ziemlich schlecht im Raten. Ich heiße Leni.«
»Darauf wäre ich nie und nimmer gekommen«, meinte Alex kopfschüttelnd. »Und hast du noch einen Namen?«
Leni nickte. »Friedmann. Genau wie mein Papa.«
»Leni Friedmann«, wiederholte Alex.
»Nein«, widersprach Leni und schüttelte den Kopf. »Mein Papa heißt doch nicht Leni Friedmann. Er ist doch kein Mädchen. Mein Papa heißt Albert Friedmann.«
»Ach so«, meinte Alex.
»Ja, und unsere Katze heißt Momo Friedmann. Sie ist zuhause geblieben in unserer Wohnung in der Kaulbachstraße. Sie ist nämlich noch ein Baby. Sie ist erst zwei Jahre alt. Ich bin schon sechs Jahre.«
»Sechs Jahre? Dann bist du ja schon richtig groß«, stellte Alex anerkennend fest. »Und wie heißt deine Mama?«
»Weiß… weiß ich nicht«, kam nach kurzem Zögern die Antwort. »Meine Mama ist im Himmel.«
Alex schluckte betreten.
Er überlegte fieberhaft, was er dazu sagen sollte, doch noch ehe ihm etwas Geeignetes einfiel, tauchte Dr. Rudolf wieder auf.
Der Notarzt sah ziemlich erschöpft aus.
»Und weiter geht’s«, sagte er dessen ungeachtet betont munter. »Wo ist denn Melanie?«
»Hier ist sie«, antwortete die junge Praktikantin, die soeben aus der Cafeteria kam. Sie hielt zwei Becher Kaffee in der Hand und streckte einen davon Alex und den anderen Dr. Rudolf hin. »Ich dachte mir, auch starke Männer brauchen manchmal noch eine zusätzliche Stärkung.«
»Gut gedacht«, grinste Dr. Rudolf und griff nach seinem Becher.
Melanie reichte Alex den anderen. »Und?«, fragte sie mit einem Blick auf Leni.
Alex zeigte mit dem Daumen nach oben. »Leni Friedmann, sechs Jahre alt, Tochter von Albert Friedmann, wohnhaft in der Kaulbachstraße«, antwortete er mit einem Augenzwinkern. »Der Teddy heißt Bruno.«
»Na dann«, stellte Melanie anerkennend fest und schluckte den Rest ihrer Schoko-Eiswaffel hinunter. »Vielleicht solltest du dir überlegen, Kinderarzt zu werden, Alex. Oder Vater. Das wäre auch nicht übel. Und was machen wir jetzt mit Leni Friedmann?«
Alex warf Dr. Rudolf einen fragenden Blick zu, doch der Notarzt war nicht gewillt, Alex die Entscheidung abzunehmen. »Alex, was schlägst du vor?«, wollte er wissen.
»Ich würde sagen, ich bringe Leni erst einmal auf die Kinderstation«, überlegte Alex. »Immerhin ist es nicht auszuschließen, dass sie doch irgendwelche Verletzungen erlitten hat. Nach der Untersuchung kann man dann weitersehen.«
»Gute Idee«, lobte Dr. Rudolf.
Alex wandte sich wieder an Leni. »Dr. Rudolf bringt dich und Bruno jetzt zu einer Ärztin, die sich um euch beide kümmert. Sie kann Bruno noch ein bisschen genauer untersuchen. Und sie kann herausfinden, ob du vielleicht auch ein Pflaster brauchst«, meinte er.
Leni blickte zuerst ein wenig skeptisch drein, nickte dann aber.
Trotzdem machte sie, als Dr. Rudolf nach ihrer Hand greifen wollte, ein weinerliches Gesicht, wandte sich wieder Alex zu und klammerte sich an ihm fest.
»Ich sehe, die junge Dame kann nicht so gut mit mir. Sie legt stattdessen Wert auf deine Begleitung, Alex«, grinste Dr. Rudolf. »Also wirst wohl oder übel du sie auf die Kinderstation bringen müssen. Ich nehme dir als Gegenleistung deinen Kaffeebecher ab. Er wäre dir auf dem Weg zur Kinderstation ohnehin nur hinderlich. Und mir kommt eine zweite Dosis Koffein im Moment sehr gelegen.«
Alex schnitt eine Grimasse in Dr. Rudolfs Richtung, aber als sich Lenis kleine Hand vertrauensvoll in seine schob, hellte sich seine Miene sofort auf.
Sie wurde sogar noch einen Tick freundlicher, als er beim Zurückkommen feststellte, dass Dr. Rudolf ihn mit einem frischen Becher Kaffee erwartete.
Wenig später saß Alex bereits wieder mit Dr. Rudolf und Melanie im Sanitätswagen, um zurück zur Einsatzzentrale zu fahren. »Während wir auf der Kinderstation warten mussten, hat die Kleine mir erzählt, wie es zu dem Unfall gekommen ist«, berichtete er. »Sie hat gesagt, eine böse Wespe sei im Auto herumgeflogen und habe sie und Bruno stechen wollen. Ihr Papa habe die Wespe verjagt, aber da sei die Wespe zornig geworden und habe das Auto verzaubert. Es habe sich einmal ganz herumgedreht, und dann habe es einen fürchterlichen Rums gemacht.«
»Eine schwarzmagische Zauberwespe«, grinste Melanie. »Die Kleine hat entschieden zu viel Fantasie.«
Dr. Rudolf zog die Augenbrauen hoch. »Und der Vater leider zu wenig Vernunft. Wie kann man wegen einer Wespe einen Unfall mit derart katastrophalen Folgen heraufbeschwören!«
»Ist Lenis Vater sehr schwer verletzt?«, hakte Alex nach. »Was haben die Untersuchungen ergeben? Weiß man schon Genaueres?«
»Ja, aber leider nichts Gutes«, gab Dr. Rudolf zurück. »Lenis Vater hat ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Gehirnblutung erlitten. Er ist bereits im Operationssaal. Hoffen wir das Beste.«
Alex schluckte. »Und was wird aus Leni?«, fragte er. »Falls sie, wie ich vermute, nur ein paar blaue Flecken davongetragen hat, kann sie allerhöchstens bis morgen früh auf der Kinderstation bleiben. Die Kleine hat mir gesagt, ihre Mutter sei im Himmel. Albert Friedmann ist offenbar alleinerziehender Witwer. Wenn er sich eine Zeitlang nicht um Leni kümmern kann…«
»Man hat in seiner Brieftasche eine Notfalladresse gefunden«, erwiderte Dr. Rudolf. Es ist die Adresse einer Frau namens Diana Seifert.«
»Oh la la, da gibt es also bereits eine Stiefmutter in spe«, grinste Melanie.
»Es kann sich bei dieser Diana Seifert genauso gut um eine verheiratete Schwester von Herrn Friedmann handeln. Oder um eine Nachbarin«, hielt Alex dagegen.
»Mann, kannst du langweilig sein«, kicherte Melanie. »Denkst du immer so nüchtern und unerotisch?«
»Nein. Nur wenn es angebracht ist«, konterte Alex, spürte aber trotzdem, wie seine Wangen heiß wurden, als Dr. Rudolf mit seinem dunklen, ein wenig dröhnenden Lachen in Melanies Gekicher einstimmte.
»Es könnte sich auch um Albert Friedmanns geschiedene Frau handeln, die nach der Scheidung ihren Mädchennamen wieder angenommen hat und nichts mehr von ihrer Familie wissen wollte«, schlug Dr. Rudolf vor. »Weil Leni noch zu klein war, um das Verschwinden der Mutter zu begreifen, hat Herr Friedmann dann die Geschichte mit dem Himmel erfunden.«
»Wäre allerdings echt krass, wenn die angeblich verstorbene Mama jetzt plötzlich wieder auftauchen und sich mehr oder weniger unfreiwillig um Leni kümmern müsste«, spann Melanie den Gedanken weiter.
»Was für abenteuerliche Geschichten«, stellte Alex mit einem spöttischen Grinsen klar. »Ich schätze, bei dieser Diana Seifert handelt es sich um Albert Friedmanns siebzigjährige Mutter, die in zweiter Ehe Seifert heißt.«
»Albert Friedmanns siebzigjährige Mutter! Das ist schon wieder dermaßen unerotisch, Alex«, lachte Dr. Rudolf. »Ich sehe Melanie an der Nasenspitze an, dass ihr die Idee mit der siebzigjährigen Mutter komplett gegen den Strich geht.«
