Macbeth - Kein Drama nach William Shakespeare - Anno Stock - E-Book
SONDERANGEBOT

Macbeth - Kein Drama nach William Shakespeare E-Book

Anno Stock

0,0
6,49 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 6,49 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Schottland, 11. Jahrhundert. Nach einem blutigen Sieg begegnet der tapfere Krieger Macbeth drei Hexen auf einer nebelverhangenen Heide. Ihre Prophezeiung ist verlockend: Er wird König sein. Doch der Preis für die Krone ist höher, als Macbeth sich je vorstellen könnte.Getrieben von seiner ehrgeizigen Gemahlin Lady Macbeth und seiner eigenen Gier nach Macht ermordet er König Duncan – seinen Verwandten, seinen Wohltäter, seinen Gast. Was als ein einziger Mord beginnt, wird zur Spirale des Wahnsinns: Freunde werden zu Feinden, Loyalität verwandelt sich in Verrat, und die Schuld wird zu einem unerbittlichen Geist, der keine Ruhe gewährt.Während Macbeth immer tiefer in Blut und Paranoia versinkt, leidet ein ganzes Land unter seiner Tyrannei. Lady Macbeth zerbricht am Gewicht ihrer Taten, Familien werden ausgelöscht, und selbst die Prophezeiungen, die Macbeth Sicherheit versprachen, entpuppen sich als tödliche Täuschungen.Doch Hoffnung keimt in Gestalt von Malcolm, dem rechtmäßigen Erben, und Macduff, einem Mann, der alles verloren hat. Gemeinsam führen sie eine Armee gegen den Tyrannen, entschlossen, Schottland zu befreien – koste es, was es wolle.Eine epische Neuerzählung von Shakespeares zeitloser Tragödie über Macht, Schuld und die zerstörerische Natur ungezügelten Ehrgeizes.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Anno Stock

Macbeth - Kein Drama nach William Shakespeare

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Table of Contents

Kapitel 1: Blut und Nebel

Kapitel 2: Prophezeiungen im Wind

Kapitel 3: Der Brief

Kapitel 4: Unter Duncans Dach

Kapitel 5: Die blutige Tat

Kapitel 6: Flucht und Krönung

Kapitel 7: Der neue König

Kapitel 8: Der zweite Mord

Kapitel 9: Der Geist beim Fest

Kapitel 10: Rückkehr zur Heide

Kapitel 11: Lady Macbeths Schatten

Kapitel 12: Macduffs Flucht

Kapitel 13: Das Massaker

Kapitel 14: In England

Kapitel 15: Tyrann und Geist

Kapitel 16: Flecken, die nicht verschwinden

Kapitel 17: Die Armee marschiert

Kapitel 18: Der wandelnde Wald

Kapitel 19: Belagerung von Dunsinane

Kapitel 20: Fleance, Sohn des Banquo

Kapitel 21: Das Ende des Tyrannen

Kapitel 22: Epilog – Stille über Schottland

Nachwort

Impressum neobooks

Table of Contents

Macbeth - Eine schottische Tragödie

Ein Roman nach William Shakespeare

Anno Stock

Kapitel 1: Blut und Nebel

Der Himmel über Schottland hing schwer und grau, als wollte er die Erde unter seinem Gewicht begraben. Regen peitschte über die Heide, vermischte sich mit dem Blut der Gefallenen und verwandelte den Boden in einen Morast aus Schlamm und Tod. Hier, auf diesem gottverlassenen Stück Land unweit von Forres, tobte eine Schlacht, die das Schicksal eines Königreichs entscheiden sollte.

Macbeth, Thane von Glamis, stand inmitten des Chaos wie ein Fels in der Brandung. Sein Schwert, rot bis zum Griff, sauste durch die Luft und fand sein Ziel im Körper eines weiteren Rebellen. Der Mann fiel ohne einen Laut, sein Gesicht noch erstarrt in ungläubigem Staunen darüber, wie schnell der Tod gekommen war. Um Macbeth herum türmten sich die Leichen, ein grausiges Zeugnis seiner Kampfkunst und seiner Entschlossenheit.

"Für Duncan! Für den König!" brüllte er, und seine Stimme hallte über das Schlachtfeld, durchdrang den Lärm von Stahl auf Stahl, das Stöhnen der Verwundeten und die Schreie der Sterbenden. Seine Männer, die Soldaten des rechtmäßigen Königs von Schottland, nahmen den Ruf auf, und neuer Mut durchströmte ihre erschöpften Glieder.

Der Verräter Macdonwald, der es gewagt hatte, gegen König Duncan zu rebellieren, hatte sich mit norwegischen Söldnern und irischen Kriegern verbündet. Eine unheilige Allianz, geboren aus Gier und Machthunger. Doch heute würde diese Rebellion enden – Macbeth würde dafür sorgen.

Er bahnte sich einen Weg durch die feindlichen Reihen, unaufhaltsam wie ein Sturm. Neben ihm kämpfte Banquo, sein Freund und Waffenbruder, ein ebenso furchtloser Krieger. Wo die beiden auftauchten, wichen die Feinde zurück oder fielen. Sie waren eine Einheit, hatten Seite an Seite schon so viele Schlachten geschlagen, dass sie die Bewegungen des anderen erahnen konnten, bevor sie ausgeführt wurden.

"Macdonwald!" Macbeths Stimme schnitt durch den Kampflärm. "Zeig dich, du Verräter!"

Und da war er, der Rebellenführer, auf einem Hügel inmitten seiner verbliebenen Getreuen. Sein Blick traf Macbeths, und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Dann rannte Macbeth los, seine Beine trugen ihn den Hang hinauf, vorbei an kämpfenden Männern, über Tote und Verwundete hinweg. Nichts konnte ihn jetzt noch aufhalten.

Die Rebellen versuchten, ihm den Weg zu versperren, doch sie waren nur Hindernisse, die er mit brutaler Effizienz aus dem Weg räumte. Sein Schwert tanzte, schnitt, stieß. Blut spritzte. Männer fielen. Und dann stand er vor Macdonwald.

Der Verräter war ein großer Mann, breitschultrig und kampfgestählt. Doch in seinen Augen sah Macbeth etwas, das ihn kalt lächeln ließ: Furcht.

"Du hast gegen deinen König die Waffen erhoben", sagte Macbeth, seine Stimme ruhig trotz der Anstrengung des Kampfes. "Dafür gibt es nur eine Strafe."

Macdonwald griff an, verzweifelt und wild. Ihre Schwerter trafen aufeinander mit einem Klang, der Macbeths Arme erzittern ließ. Sie umkreisten einander, schlugen zu, parierten. Macdonwald kämpfte gut, verzweifelt gut, wie ein Mann, der um sein Leben fürchtet. Aber Macbeth war besser.

Er sah die Öffnung, als Macdonwald einen Augenblick zu lange nach links ausholte. Macbeths Klinge fuhr vor, durchstieß die Rüstung und drang tief in den Körper des Verräters ein. Macdonwald keuchte, Blut quoll aus seinem Mund. Doch Macbeth war noch nicht fertig. Mit einem Ruck zog er das Schwert zurück und holte aus. Ein einziger, gewaltiger Hieb – und Macdonwalds Kopf rollte den Hügel hinunter.

Ein Aufschrei erhob sich, erst von den Rebellen, dann von Duncans Männern. Die einen in Entsetzen, die anderen in Triumph. Die Schlacht war vorbei. Die Rebellen, ihrer Führung beraubt, warfen die Waffen nieder oder flohen. Der Sieg gehörte dem König.

Macbeth stand auf dem Hügel, sein Schwert noch in der Hand, den Blick auf das Schlachtfeld gerichtet. Der Regen wusch das Blut von seiner Rüstung, doch er fühlte es noch, klebrig und warm auf seiner Haut. Er hatte für seinen König gekämpft, hatte die Pflicht erfüllt. Und doch spürte er eine seltsame Leere in seiner Brust, eine Frage, die er nicht in Worte fassen konnte: War das alles? War dies sein Schicksal – ein Leben voller Schlachten, ein Krieger bis zum Ende?

"Macbeth!" Banquos Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Freund kam den Hügel herauf, ebenfalls blutverschmiert, aber unverletzt. "Ein großer Sieg! Die Norweger fliehen, die Rebellion ist niedergeschlagen. Duncan wird hocherfreut sein."

Macbeth nickte langsam. "Ja", sagte er. "Duncan wird erfreut sein."

Die beiden Männer verließen das Schlachtfeld, als die Sonne – oder das, was von ihr durch die Wolkendecke zu erkennen war – sich dem Horizont zuneigte. Ihre Männer würden sich um die Verwundeten kümmern, die Toten sammeln und das Lager aufschlagen. Macbeth und Banquo aber ritten voraus, getrieben von einem unausgesprochenen Bedürfnis, dem Gestank von Tod und Verderben zu entkommen.

Die Heide erstreckte sich endlos vor ihnen, eine karge Landschaft aus moosbedeckten Steinen und niedrigem Gestrüpp. Der Wind heulte über das offene Land, trug den Geruch von Regen und Torf mit sich. Es war eine einsame, unwirtliche Gegend, ein Ort, an dem sich Mensch und Natur gleichermaßen feindlich gegenüberstanden.

Sie ritten schweigend, jeder in seine eigenen Gedanken versunken. Die Euphorie der Schlacht war verflogen, hatte einer müden Erschöpfung Platz gemacht. Macbeths Muskeln schmerzten, seine Knochen fühlten sich bleischwer an. Und doch konnte er nicht aufhören zu denken, zu grübeln über das, was gewesen war, und über das, was noch kommen würde.

Plötzlich blieb Banquo stehen. Sein Pferd wieherte nervös, tänzelte zur Seite. "Siehst du das?" fragte er, und seine Stimme klang angespannt.

Macbeth folgte seinem Blick. Dort, vielleicht hundert Schritte entfernt, erhob sich Nebel aus der Erde. Nein, nicht Nebel – etwas anderes. Etwas Unnatürliches. Der weiße Schleier bewegte sich gegen den Wind, wirbelte und drehte sich wie von unsichtbaren Händen geformt.

Und dann sahen sie sie.

Drei Gestalten, kaum mehr als Schemen im Nebel. Sie standen reglos, schienen auf sie zu warten. Etwas an ihnen ließ Macbeths Nackenhaare sich aufstellen, ein uralter Instinkt, der vor Gefahr warnte. Und doch fühlte er sich hingezogen, als zöge eine unsichtbare Kraft ihn vorwärts.

"Wir sollten umkehren", murmelte Banquo. Doch auch er bewegte sich vorwärts, als wären ihre Pferde nicht länger ihrem Willen unterworfen.

Je näher sie kamen, desto klarer wurden die Gestalten. Drei Frauen – oder etwas, das Frauen ähnelte. Ihre Gesichter waren verwittert und faltig, die Haut grau wie altes Pergament. Ihre Augen aber, die Augen waren jung und alt zugleich, voller eines Wissens, das nicht von dieser Welt sein konnte. Sie trugen zerlumpte Gewänder, die im Wind flatterten, und um sie herum hing der Geruch von Verfall und dunkler Magie.

Die Hexen. Macbeth wusste es mit Gewissheit, noch bevor eine von ihnen den Mund öffnete. Geschichten über solche Wesen kursierten in den Highlands seit Menschengedenken. Frauen, die mit den dunklen Mächten paktierten, die die Zukunft sehen und das Schicksal weben konnten. Aberglaube, hatte er stets gedacht. Märchen für Kinder und einfache Gemüter.

Doch jetzt, da er ihnen gegenüberstand, war jeder Zweifel verflogen.

Die erste Hexe trat einen Schritt vor. Als sie sprach, war ihre Stimme rau und kratzig, wie altes Leder, das über Stein gezogen wurde:

"Sei gegrüßt, Macbeth, Thane von Glamis!"

Macbeth zuckte zusammen. Woher kannte sie seinen Namen, seinen Titel? Er hatte diese Kreaturen nie zuvor gesehen.

Die zweite Hexe lachte, ein schauerliches Geräusch, das wie das Krächzen von Raben klang:

"Sei gegrüßt, Macbeth, Thane von Cawdor!"

Thane von Cawdor? Unsinn. Cawdor lebte, war ein treuer Diener des Königs. Oder etwa nicht? Macbeths Gedanken überschlugen sich. Was sollte das bedeuten?

Und dann sprach die dritte Hexe, und ihre Worte durchfuhren Macbeth wie ein Blitz:

"Sei gegrüßt, Macbeth, der du künftig König sein wirst!"

Stille. Eine absolute, durchdringende Stille, in der selbst der Wind seinen Atem anzuhalten schien. Macbeth starrte die Hexen an, sein Mund leicht geöffnet, unfähig, ein Wort herauszubringen. König? Er, König von Schottland? Das war unmöglich, war Wahnsinn. Duncan hatte Söhne, hatte eine etablierte Thronfolge. Und Macbeth selbst hatte nie auch nur daran gedacht, mehr zu sein als ein treuer Lehnsmann.

Und doch... und doch.

In diesem Moment, in dieser einen Sekunde der Offenbarung, spürte Macbeth, wie etwas in ihm erwachte. Eine Begierde, dunkel und mächtig, die er nicht gekannt hatte. Oder die er nicht hatte kennen wollen. König. Die Krone auf seinem Haupt. Macht, absolute Macht über ein ganzes Königreich.

"Was ist mit mir?" Banquos Stimme durchbrach die Stille. "Sprecht, wenn ihr die Zukunft sehen könnt. Was haltet ihr für mich bereit?"

Die Hexen wandten sich ihm zu, ihre Augen glühten im schwachen Licht wie Kohlen im verlöschenden Feuer. Sie sprachen gemeinsam, ihre Stimmen verschmolzen zu einem unheimlichen Chor:

"Geringer als Macbeth und größer. Nicht so glücklich, doch viel glücklicher. Du wirst keine Könige zeugen, doch Könige werden von dir abstammen!"

Banquo lachte unsicher. "Rätselt ihr immer so? Sprecht klarer!"

Doch die Hexen wandten sich bereits ab. Der Nebel um sie herum verdichtete sich, wirbelte schneller und schneller. Macbeth streckte unwillkürlich die Hand aus, wollte sie aufhalten, wollte mehr wissen, wollte verstehen.

"Wartet!" rief er. "Sagt mir mehr! Woher wisst ihr das? Wie...?"

Aber es war zu spät. Die drei Gestalten verschwanden im Nebel, lösten sich auf wie Rauch im Wind. Und mit ihnen verschwand der unnatürliche Schleier selbst, zerstreute sich über die Heide, bis nichts mehr übrig war als gewöhnlicher schottischer Dunst.

Macbeth und Banquo saßen still auf ihren Pferden, starrten auf die leere Stelle, wo die Hexen gestanden hatten. Das Einzige, was bewies, dass die Begegnung real gewesen war, war das hämmernde Herz in Macbeths Brust und der kalte Schweiß, der ihm über den Rücken lief.

"Hexen", flüsterte Banquo schließlich. "Verdammte Hexen. Wir hätten umkehren sollen, hätten nicht anhören dürfen, was sie zu sagen hatten."

"Thane von Cawdor", murmelte Macbeth, mehr zu sich selbst. "König."

"Unsinn", sagte Banquo scharf und riss sein Pferd herum. "Hexengeschwätz, Lügen und Täuschungen. Sie nähren sich von den Hoffnungen und Ängsten der Menschen, weben ihre dunklen Zauber aus unseren eigenen Gedanken. Vergiss es, Macbeth. Es bedeutet nichts."

Doch Macbeth konnte nicht vergessen. Die Worte hatten sich in sein Bewusstsein eingebrannt, hatten eine Tür geöffnet, die besser verschlossen geblieben wäre. König. Der Gedanke hatte sich in ihm festgesetzt wie ein Dorn im Fleisch, schmerzhaft und doch seltsam verlockend.

Sie ritten weiter, schneller jetzt, als wollten sie der Begegnung davonreiten. Doch die Stille zwischen ihnen war angespannt, aufgeladen mit unausgesprochenen Gedanken und Befürchtungen. Die Freundschaft, die sie auf dem Schlachtfeld geeint hatte, schien plötzlich brüchig, überschattet von den Prophezeiungen der Hexen.

Als sie über einen Hügel ritten, sahen sie in der Ferne Reiter näher kommen. Zwei Männer in den Farben des Königs, Boten offensichtlich. Macbeth spürte, wie sein Herz schneller schlug. Eine Vorahnung kroch ihm die Wirbelsäule hinauf.

Die Boten zügelten ihre Pferde vor ihnen. Einer von ihnen, ein junger Mann mit ernstem Gesicht, verneigte sich leicht.

"Lord Macbeth, Lord Banquo. König Duncan sendet seine Grüße und seinen Dank für euren glorreichen Sieg. Er erwartet euch in seinem Schloss in Forres."

"Wir sind ihm zu Diensten", antwortete Macbeth automatisch.

Der Bote zögerte einen Moment, dann fuhr er fort: "Es gibt noch weitere Neuigkeiten. Der Thane von Cawdor hat sich als Verräter erwiesen. Er hat heimlich mit den Norwegern paktiert, hat den Feind mit Informationen versorgt. Der König hat ihn seines Titels enthoben und zum Tode verurteilt."

Die Welt schien für einen Moment stillzustehen. Macbeth hörte das Blut in seinen Ohren rauschen, spürte, wie der Boden unter ihm zu schwanken schien. Cawdor. Ein Verräter. Zum Tode verurteilt.

"Und", fuhr der Bote fort, völlig ahnungslos von der Erschütterung, die seine Worte auslösten, "König Duncan hat beschlossen, den Titel des Thane von Cawdor Euch zu verleihen, Lord Macbeth, als Dank für Eure Treue und Euren Mut."

Thane von Cawdor.

Die zweite Prophezeiung. Erfüllt, noch bevor der Tag zu Ende gegangen war.

Macbeth spürte Banquos Blick auf sich, schwer und voller unausgesprochener Fragen. Langsam drehte er sich zu seinem Freund um. In Banquos Augen sah er dieselbe Erkenntnis, dieselbe Furcht, die ihn selbst erfasst hatte.

Die Hexen hatten die Wahrheit gesagt.

Kapitel 2: Prophezeiungen im Wind

Die Boten waren weitergeritten, hatten ihre Botschaft überbracht und waren verschwunden wie Schatten bei Tagesanbruch. Zurück blieben Macbeth und Banquo, allein auf der windgepeitschten Heide, das Gewicht der Worte schwer zwischen ihnen.

Macbeth starrte in die Ferne, wo die Reiter längst zu kleinen Punkten am Horizont geworden waren. Thane von Cawdor. Der Titel gehörte ihm jetzt, war sein durch königliches Dekret. Nicht durch Verrat, nicht durch Intrige – durch Verdienst. Durch sein Schwert, sein Blut, seine Treue zum König.

Und doch.

Und doch konnte er nicht aufhören zu denken an die dritte Prophezeiung, die noch unerfüllt im Raum stand wie eine unsichtbare Krone, die nur darauf wartete, ergriffen zu werden.

"Macbeth." Banquos Stimme war leise, beinahe vorsichtig. "Du denkst an ihre Worte."

Es war keine Frage. Macbeth wandte sich seinem Freund zu, sah die Besorgnis in dessen Augen, die Warnung. "Wie könnte ich nicht?" Seine eigene Stimme klang fremd in seinen Ohren, rau und angespannt. "Zwei Prophezeiungen haben sie ausgesprochen. Die erste war wahr – Thane von Glamis bin ich seit meinem Vater Tod. Die zweite hat sich soeben erfüllt. Und die dritte..."

"Die dritte ist Wahnsinn", unterbrach ihn Banquo scharf. "Duncan ist unser rechtmäßiger König, ein guter und gerechter Herrscher. Er hat Söhne, Malcolm und Donalbain. Die Thronfolge ist klar, ist festgelegt. Du kannst nicht ernsthaft..."

"Ich denke nur", sagte Macbeth, doch selbst ihm fiel auf, wie hohl die Worte klangen. "Ist es nicht merkwürdig? Dass sie die Wahrheit über Cawdor sprachen, obwohl wir selbst nichts von seinem Verrat wussten? Woher kannten sie mein Schicksal, bevor es eintrat?"

Banquo lenkte sein Pferd näher heran. Sein Gesicht war ernst, fast streng. "Hör mir zu, mein Freund. Die Mächte der Finsternis sagen oft Wahrheiten, um uns zu täuschen. Sie geben uns kleine Brocken der Wirklichkeit, um unser Vertrauen zu gewinnen – nur um uns dann ins Verderben zu führen. Ja, du bist nun Thane von Cawdor. Aber das macht dich nicht zum König, wird dich niemals zum König machen. Es sei denn..."

Er ließ den Satz unvollendet, doch Macbeth verstand. Es sei denn, er würde das Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Es sei denn, er würde das Undenkbare denken, das Unsagbare tun.

"Ich bin Duncan treu ergeben", sagte Macbeth, und er meinte es – in diesem Moment meinte er es wirklich. "Ich würde niemals..."

"Gut", sagte Banquo, und etwas in seiner Haltung entspannte sich. "Dann lass uns diese Begegnung vergessen, lass uns die Worte der Hexen wie Spreu im Wind verwehen. Wir haben eine Schlacht gewonnen, du hast einen neuen Titel erhalten. Das sollte genug sein."

Sollte. Das Wort hallte in Macbeths Kopf wider. Sollte genug sein. Aber war es das? Er war ein Krieger, ein Thane, hatte für seinen König gekämpft und geblutet. Und doch – welchen Lohn hatte er wirklich? Einen Titel, etwas Land, die Anerkennung des Hofes. Aber die wahre Macht, die absolute Autorität, die Krone – die blieb für immer außerhalb seiner Reichweite.

Oder etwa nicht?

Sie ritten weiter nach Forres, doch die Leichtigkeit, die zwischen ihnen bestanden hatte, war verschwunden. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, gefangen in den Netzen, die die Hexen mit ihren Worten gesponnen hatten. Die Prophezeiungen waren wie Gift, langsam wirkend, aber tödlich gewiss.

Der Ritt dauerte Stunden. Die Heide gab allmählich Platz für sanftere Hügel, dann für Wälder und schließlich für bebautes Land. Sie passierten Bauernhöfe, deren Bewohner ihnen nachstarrten – zwei blutverschmierte Krieger auf erschöpften Pferden. Nachrichten vom Sieg waren offensichtlich noch nicht bis hierher vorgedrungen.

Macbeth bemerkte kaum die Landschaft um sich herum. Seine Gedanken kreisten, drangen immer tiefer in Bereiche vor, die er nie zu erforschen gewagt hatte. König. Was würde es bedeuten, König zu sein? Die Macht über Leben und Tod, über Krieg und Frieden. Die Fähigkeit, Gesetze zu erlassen, Gerechtigkeit zu üben – oder Ungerechtigkeit, ganz wie es ihm beliebte. Keine höhere Autorität, keine Rechenschaft schuldig außer Gott.

Und Duncan... Duncan war alt, wurde älter mit jedem Jahr. Ein guter König, gewiss, geliebt vom Volk. Aber auch ein schwacher König, manche sagten. Zu sanft, zu vertrauensselig. Wie lange würde er noch herrschen? Zehn Jahre? Zwanzig? Und dann würde Malcolm folgen, Duncans ältester Sohn. Ein Junge noch, unerfahren, ungetestet im Kampf.

Macbeth schüttelte den Kopf, versuchte, diese Gedanken zu vertreiben. Was dachte er da? War er wirklich dabei, Verrat zu erwägen? Er, der gerade erst Verräter niedergemetzelt hatte? Der Kopf des Rebellen Macdonwald rollte noch immer durch seine Träume, ein blutiges Mahnmal gegen Untreue.

Und doch.

Die Gedanken kamen immer wieder, ungebeten aber beharrlich. Wie Ratten, die durch Ritzen krochen, fanden sie ihren Weg in sein Bewusstsein, nagten an seinen Überzeugungen, an seiner Loyalität.

"Wir nähern uns Forres", sagte Banquo und unterbrach damit Macbeths düstere Grübeleien. "Ich sehe die Türme des Schlosses."

Tatsächlich. In der Ferne erhoben sich die grauen Mauern von Duncans Residenz gegen den bewölkten Himmel. Bald würden sie vor dem König stehen, würden seinen Dank entgegennehmen, würden feiern. Macbeth sollte sich freuen, sollte stolz sein auf das, was er erreicht hatte.

Stattdessen fühlte er nur eine wachsende Unruhe, eine Rastlosigkeit, die ihn von innen heraus zu zerfressen drohte. Die Prophezeiung hatte etwas in ihm geweckt, etwas Dunkles und Hungriges, das er nicht mehr kontrollieren konnte.

Sie erreichten das Schloss, als die Dämmerung hereinbrach. Fackeln wurden entzündet, warfen tanzende Schatten auf die alten Steinmauern. Diener eilten herbei, nahmen ihnen die Pferde ab, führten sie in die große Halle, wo ein Feuer prasselte und Wärme versprach.

Doch Macbeth bat um einen Moment der Ruhe. Er zog sich in eine Kammer zurück, wusch sich das Blut und den Schmutz von Händen und Gesicht. Das Wasser in der Schüssel färbte sich rot, ein Echo der Schlacht, ein Vorgeschmack auf das, was kommen könnte.

Er blickte in den Spiegel, ein seltener Luxus, und sah sich selbst an. Ein Mann in den besten Jahren, stark und kampferprobt. Aber in seinen Augen sah er etwas Neues, etwas, das vorher nicht da gewesen war. Eine Härte, eine Entschlossenheit. Oder war es Wahnsinn?

König. Das Wort flüsterte durch seinen Kopf wie Wind durch hohle Bäume.

Er musste mit jemandem sprechen, musste seine Gedanken ordnen. Und da gab es nur eine Person, die ihn wirklich verstand, die seine Ambitionen teilte, vielleicht sogar übertraf. Seine Frau. Lady Macbeth.

Sie war in ihrem Schloss in Inverness geblieben, während er in den Krieg gezogen war. Schön, intelligent, ehrgeizig – manchmal dachte Macbeth, sie wäre die Seele geboren, die in seinen Körper hätte gehören sollen. Sie hatte nie ein Geheimnis aus ihrem Hunger nach Macht gemacht, aus ihrer Überzeugung, dass ihr Ehemann zu mehr bestimmt war als ein Leben als bloßer Lehnsmann.

Er rief nach Schreibzeug. Ein Diener brachte Pergament, Tinte und Feder. Macbeth setzte sich, zögerte einen Moment. Was sollte er schreiben? Wie konnte er in Worte fassen, was auf der Heide geschehen war, was die Hexen prophezeit hatten?

Schließlich setzte er die Feder aufs Pergament und begann zu schreiben:

Meine liebste Gefährtin der Größe,

Während ich dies schreibe, trägt mein Herz eine Last, die zu schwer ist, um sie allein zu tragen, und eine Hoffnung, die zu strahlend ist, um sie zu verbergen. Heute haben wir einen glorreichen Sieg errungen. Der Verräter Macdonwald ist gefallen durch mein Schwert, die norwegischen Eindringlinge sind geschlagen.

Doch etwas Sonderbares geschah auf unserem Rückweg. Drei Frauen begegneten uns auf der Heide – Hexen, wie ich sie nennen muss, denn sie besaßen Wissen, das über menschliches Verstehen hinausgeht. Sie nannten mich Thane von Glamis, was ich bin. Sie nannten mich Thane von Cawdor, was ich noch nicht war – doch noch während die Worte in der Luft hingen, kamen Boten des Königs und überbrachten mir genau diesen Titel. Cawdor war als Verräter entlarvt worden, und Duncan hat mir seine Würde verliehen.

Aber das Dritte, was sie sprachen... Sie nannten mich König. "Sei gegrüßt, Macbeth, der du künftig König sein wirst!"

Er hielt inne, starrte auf die Worte. Geschrieben sahen sie noch gefährlicher aus, noch verräterischer. Doch er konnte jetzt nicht zurück.

Zwei ihrer Prophezeiungen haben sich erfüllt. Kann die dritte eine Lüge sein? Sollte ich nicht darauf hoffen, dass auch sie Wahrheit wird? Und wenn die Schwestern des Schicksals recht haben, wenn wirklich die Krone für mich bestimmt ist – was bedeutet das für uns? Für unsere Zukunft?

Ich weiß, Du wirst verstehen, was ich kaum selbst zu denken wage. Komm bald zum Hof, meine Liebste. Ich brauche Deinen Rat, Deine Stärke. Die Last der Größe, die mir verheißen wurde, ist zu schwer für meine Schultern allein.

Dein treuer Gemahl, Macbeth, Thane von Glamis und Cawdor