Sehnsucht nach ein bisschen Liebe - Carolin Grahl - E-Book

Sehnsucht nach ein bisschen Liebe E-Book

Carolin Grahl

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Beschreibung

Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Nimm wenigstens einen Schluck Kaffee und einen Bissen von deinem Croissant, Alex! Du kannst doch nicht ganz ohne Frühstück in die Behnisch-Klinik fahren!« Sina hielt Alex mit der einen Hand den randvoll gefüllten Kaffeebecher mit der Aufschrift »Sina« hin und mit der anderen ein Croissant. »Ich habe dir doch gesagt, dass ich zum Frühstücken keine Zeit mehr habe, Sina. In spätestens einer halben Stunde muss ich in der Behnisch-Klinik sein. Meine Schicht in der Notaufnahme beginnt pünktlich um acht Uhr.« Obwohl Alex der Duft des Kaffees verführerisch in die Nase stieg, wandte er sich entschlossen ab, zog seine Jeansjacke an und griff nach seinem Motorradhelm. »Ich weiß, wann deine Schicht beginnt.« Sina seufzte und lief mit Kaffeebecher und Croissant Alex hinterher, der mit Riesenschritten auf die Wohnungstür zueilte. »Und mir ist auch klar, dass du Dr. Ganschow nicht enttäuschen und verärgern willst. Aber jeder Mensch kann einmal verschlafen – sogar du. Ruf einfach in der Behnisch-Klinik an und sag, dass du eine halbe Stunde später kommst, weil … weil … Wenn du nicht zugeben willst, dass du verschlafen hast, kannst du ja zum Beispiel sagen, dass dein Motorrad nicht angesprungen ist.« »Motorrad nicht angesprungen? Mal den Teufel bloß nicht an die Wand«, erwiderte Alex erschrocken. »Ich wüsste im Moment wirklich nicht, wovon ich die Reparatur bezahlen sollte.« »Reg dich wieder ab! Es geht doch gar nicht um dein Motorrad, sondern um dein Frühstück.

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Der junge Norden – 44 –Sehnsucht nach ein bisschen Liebe

Unveröffentlichter Roman

Carolin Grahl

»Nimm wenigstens einen Schluck Kaffee und einen Bissen von deinem Croissant, Alex! Du kannst doch nicht ganz ohne Frühstück in die Behnisch-Klinik fahren!« Sina hielt Alex mit der einen Hand den randvoll gefüllten Kaffeebecher mit der Aufschrift »Sina« hin und mit der anderen ein Croissant.

»Ich habe dir doch gesagt, dass ich zum Frühstücken keine Zeit mehr habe, Sina. In spätestens einer halben Stunde muss ich in der Behnisch-Klinik sein. Meine Schicht in der Notaufnahme beginnt pünktlich um acht Uhr.« Obwohl Alex der Duft des Kaffees verführerisch in die Nase stieg, wandte er sich entschlossen ab, zog seine Jeansjacke an und griff nach seinem Motorradhelm.

»Ich weiß, wann deine Schicht beginnt.« Sina seufzte und lief mit Kaffeebecher und Croissant Alex hinterher, der mit Riesenschritten auf die Wohnungstür zueilte. »Und mir ist auch klar, dass du Dr. Ganschow nicht enttäuschen und verärgern willst. Aber jeder Mensch kann einmal verschlafen – sogar du. Ruf einfach in der Behnisch-Klinik an und sag, dass du eine halbe Stunde später kommst, weil … weil … Wenn du nicht zugeben willst, dass du verschlafen hast, kannst du ja zum Beispiel sagen, dass dein Motorrad nicht angesprungen ist.«

»Motorrad nicht angesprungen? Mal den Teufel bloß nicht an die Wand«, erwiderte Alex erschrocken. »Ich wüsste im Moment wirklich nicht, wovon ich die Reparatur bezahlen sollte.«

»Reg dich wieder ab! Es geht doch gar nicht um dein Motorrad, sondern um dein Frühstück. Und jetzt trink endlich einen Schluck Kaffee. Das ist wirklich nicht zu viel verlangt«, beharrte Sina und vertrat Alex den Weg.

Alex verdrehte genervt die Augen, nahm aber ohne weitere Widerrede einen großen Schluck aus dem Kaffeebecher. »Okay. Und jetzt lass mich bitte durch.«

»Erst wenn du mindestens einmal von deinem Croissant abgebissen hast. Manchmal kannst du wirklich unvernünftig sein wie ein Kind, Alex. Was hast du denn davon, wenn dir bei deiner Arbeit in der Notaufnahme übel wird, weil du einen leeren Magen hast?«

»Mir wird nicht übel. Ich hatte schon oft einen leeren Magen. Sina, bitte geh jetzt endlich zur Seite und …« Alex verstummte resigniert und nahm einen Bissen von dem Croissant, das Sina ihm so dicht vor den Mund hielt, dass er gar nicht anders konnte als hinein zu beißen.

»Und jetzt noch einen zweiten Schluck Kaffee. Sonst bleibt dir das Croissant im Hals stecken«, verlangte Sina.

»Meinetwegen«, stöhnte Alex, während er noch kaute, und trank einen weiteren Schluck. Dann wies er den Kaffeebecher jedoch energisch zurück. »Ich muss jetzt wirklich los, Sina.«

Sina nickte und trat seufzend zur Seite.

Alex hastete, ein rasches »Ciao« murmelnd, an ihr vorbei ins Treppenhaus, wo er eiligen Schrittes die ausgetretenen Holzstufen hinunterpolterte. Mit einem Ruck stieß er die Haustür auf und rannte ins Freie zu dem Schuppen, wo sein Motorrad auf ihn wartete.

»Guten Tag Herr Norden, wohin so eilig?«, vernahm Alex, als er den Schuppen fast erreicht hatte, die wohlbekannte Stimme seines Vermieters. Sie fuhr ihm wie ein Stromschlag in die Glieder.

»In die Behnisch-Klinik. Ich habe ab acht Uhr Praktikumsschicht in der Notaufnahme«, gab Alex über die Schulter zurück. »Äh … Ihnen auch einen guten Morgen.« Ohne sich weiter um den Vermieter zu kümmern, machte Alex sich daran, das Vorhängeschloss an der Schuppentür zu öffnen.

»Nicht so hektisch, junger Mann.« Der Vermieter trat dicht neben Alex. »Wie viel zahlen Sie gleich wieder monatlich für Ihren Garagenstellplatz?«

»Garagenstellplatz?«, wiederholte Alex irritiert. »Sie meinen für das Unterstellen meines Motorrads in diesem Schuppen hier?«

Der wütende Blick und das kampfeslustig nach vorn geschobene Kinn seines Vermieters machten Alex bewusst, dass seine Gegenfrage den vierschrötigen Mann offenbar verärgert hatte.

»50 Euro«, antwortete er deshalb leicht verunsichert.

»50 Euro«, wiederholte der Vermieter. »Ein absolut lächerlicher Preis. Wissen Sie, was mir neulich für diesen geräumigen Garagenstellplatz geboten wurde?«

Alex prallte zurück. »Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen?«, tat er dennoch arglos.

»120 Euro wäre Herr Brenner bereit zu zahlen«, antwortete der Vermieter ungerührt. »Herr Brenner wohnt ebenfalls im Stadtviertel Glockenbach. Lediglich eine Querstraße weiter. Bei dem Mietshaus, in dem sich seine Wohnung befindet, gibt es leider keinen Garagenstellplatz. Deshalb möchte er sein funknagelneues elektrisches Fahrrad gerne hier bei mir unterstellen und hat mich gefragt, ob der Stellplatz in absehbarer Zeit frei wird.«

»Und … 120 Euro hat dieser Herr Brenner geboten?« Alex schnappte nach Luft. »Obwohl … obwohl das Dach Ihres Schuppens nicht hundertprozentig dicht ist und Herrn Brenners funkelnagelneues elektrisches Fahrrad bei heftigen Regengüssen deshalb mit Sicherheit genauso nass werden würde wie es bei meinem Motorrad schon des Öfteren der Fall war?«

»Unsinn. Oder, besser gesagt, was Sie da behauten, ist eine glatte Frechheit. Das Dach der Garage ist absolut dicht«, widersprach der Vermieter ebenso rasch wie nachdrücklich. »Aber ich zwinge Sie selbstverständlich nicht, Ihr Motorrad weiterhin dem Regen auszusetzen. Wenn Sie für den lächerlichen Preis von 50 Euro etwas Besseres finden, Herr Norden, entlasse ich Sie gerne vorzeitig aus dem Mietvertrag für den Garagenstellplatz. Herr Brenner wartet schon sehnsüchtig darauf, sein elektrisches Fahrrad herbringen zu können.«

Hinter Alex‘ Stirn arbeitete es fieberhaft.

Das Motorrad bei Wind und Wetter im Freien stehen zu lassen, war im Grunde keine Option. Von der Gefahr eines Diebstahls einmal ganz abgesehen.

»Sie wollen mir also, wenn ich Sie richtig verstanden habe, die Miete für den Stellplatz in Ihrem Schuppen erhöhen?«

»So ist es. Sie sind ein intelligenter Mensch und erstaunlich schnell von Begriff, Herr Norden.«

Alex seufzte. »120 Euro monatlich kann ich leider nicht stemmen. Wie wäre es, wenn ich Ihnen ab nächsten Monat 80 Euro zahle? Wären Sie damit zufrieden?«

»Mit 80 Euro? Nein, mein Lieber. Wieso sollte ich mit 80 Euro zufrieden sein, wenn ich auch 120 Euro haben kann?«

Alex spürte, wie ihm trotz der morgendlichen Kühle Schweißtropfen auf die Stirn traten.

»120 Euro im Monat übersteigen, wie ich schon sagte, mein Budget. Dann muss ich den Garagenstellplatz, wie Sie ihn nennen, eben diesem Herrn Berger überlassen.« Mit einem resignierten Schulterzucken betrat Alex den Schuppen, um sein Motorrad herauszuschieben.

»Jetzt werden Sie doch nicht gleich pampig, junger Mann.« Zu Alex‘ Verblüffung wandte sich der Vermieter nicht ab, sondern folgte ihm stattdessen in den Schuppen. »Wollen wir uns auf 100 Euro einigen?«

Alex überlegte kurz, dann schüttelte er den Kopf. »Auch 100 Euro sind zu viel für mich. Tut mir leid.«

Er griff nach dem Lenker seines Motorrads, als er plötzlich die Hand des Vermieters auf seinem Arm fühlte.

Verwirrt hob er den Blick.

»90 Euro?«, schlug der Vermieter vor. »Das ist allerdings mein letztes Wort. Und ein großes Entgegenkommen meinerseits, das Sie hoffentlich zu schätzen wissen.«

»90 Euro«, wiederholte Alex nach einem weiteren kurzen Moment des Überlegens. »Aber wenn Sie von Herrn Berger 120 Euro haben können, möchte ich nicht …«

»Habe ich nicht gerade gesagt, dass ich bereit bin, Ihnen entgegenzukommen?«, fragte der Vermieter ungeduldig.

»Ja, aber ich verstehe, ehrlich gesagt, nicht, warum Sie das wollen. Bisher jedenfalls …«

Der Vermieter bedachte Alex mit einem vielsagenden Blick.

»Ich habe ein mitfühlendes Herz und bin durchaus bereit, einen finanziell nicht allzu gut aufgestellten Studenten zu unterstützen«, antwortete er. »Noch dazu, wenn es sich um einen Medizinstudenten handelt. Ärzte werden schließlich dringender denn je gebraucht. Vielleicht retten Sie mir ja irgendwann das Leben.«

Alex schwieg, aber seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt.

Er musste zu seiner Schicht in der Behnisch-Klinik, doch dieser schreckliche Vermieter hielt ihn schon seit einer gefühlten Ewigkeit hier fest. Und wenn er es sich mit dem Vermieter nicht gänzlich verscherzen wollte, musste er wohl oder übel gute Miene zum bösen Spiel machen.

Unsicher manövrierte Alex schon einmal sein Motorrad an dem Vermieter vorbei aus dem Schuppen.

»Sie haben mir noch keine eindeutige Antwort gegeben, Herr Norden. Weder ein klares Ja noch ein klares Nein. Wissen Sie es nun zu schätzen, dass ich Ihnen unter die Arme greife, oder soll ich den Garagenstellplatz doch lieber an Herrn Berger vermieten?«, brachte sich der Vermieter in Erinnerung, als Alex gerade seinen Motorradhelm aufsetzen wollte.

»Wenn es bei den 90 Euro bleibt, behalte ich den Stellplatz im Schuppen«, antwortete Alex. »Ich habe es im Moment nur leider sehr eilig. Wenn Sie den neuen Vertrag aufgesetzt haben, schicken Sie ihn mir am besten einfach zu. Dann kann ich ihn in aller Ruhe durchlesen und unterschreiben.«

Der Vermieter legte seine linke Hand auf den Lenker von Alex Motorrad, als wollte er Alex auf diese Weise am Wegfahren hindern. »Warum umständlich, wenn es auch einfach geht?«, fragte er. »Der Vertrag ist bereits abgefasst, ausgedruckt und von mir unterzeichnet. Ihre Unterschrift ist alles, was noch fehlt.« Lächelnd griff der Vermieter mit seiner rechten Hand in die Innentasche seiner Jacke und zog ein Schriftstück in doppelter Ausfertigung hervor. »Sogar einen Kugelschreiber habe ich für Sie parat, Herr Norden.«

Alex konnte seine Ungeduld kaum noch bemeistern. Vor seinem geistigen Auge sah er Dr. Ganschow, wie dieser, wenn ihm seine Arbeit einen Moment Zeit ließ, zunehmend ärgerlich auf seine Armbanduhr schaute.

Wenn der verdammte Vermieter ihn jetzt nicht endlich durchstarten ließ …

Mit fahrigen Bewegungen setzte Alex seine Unterschrift unter die beiden Vertragsexemplare.

»Ihr Exemplar, Herr Norden«, sagte der Vermieter und reichte Alex die Zweitschrift. »Eine kluge Entscheidung von Ihnen, sich den Garagenstellplatz um einen winzigen Aufpreis für ein weiteres Jahr zu sichern.«

Alex stieß zischend die Luft aus. Wenn bereits in einem Jahr ein weiterer Aufschlag erfolgte …

Wortlos griff er nach dem Vertragsexemplar, das der Vermieter ihm hinhielt, faltete es zusammen und stopfte es in den Seitenkoffer seines Motorrads. Dann drehte er den Zündschlüssel auf »on«, zog die Kupplung und drückte den Elektrostarter, um den Motor seiner Maschine in Gang zu bringen.

Der Vermieter ließ mit zufriedener Miene den Lenker los. »Nun will ich Sie nicht länger aufhalten. Ich wünsche Ihnen eine gute Fahrt, Herr Norden. Auf Wiedersehen.«

»Danke, auf Wiedersehen«, murmelte Alex, während er den Blinker setzte und in viel zu hohem Tempo auf die Straße einbog.

Dass sich das unfreiwillige Treffen mit diesem abscheulichen Halsabschneider von Vermieter dermaßen in die Länge zog, hatte ihm gerade noch gefehlt! Dass er die Behnisch-Klinik mit Verspätung erreichte, war nun nicht mehr zu ändern.

Und außerdem musste er für den Platz im Schuppen ab dem nächsten Monat fast das Doppelte bezahlen!

Immer stärker wurde Alex bewusst, dass der halsabschneiderische Vermieter seine Unruhe und Ungeduld ausgenutzt und ihn gnadenlos über den Tisch gezogen hatte!

Wahrscheinlich gab es diesen Herrn Berger gar nicht.

Wahrscheinlich hatte der Vermieter ihn nur erfunden, um an die anvisierte Mieterhöhung zu kommen.

Alex schob den Gedanken beiseite.

Er war hereingelegt worden, so viel stand fest. Aber es war nun leider nicht mehr zu ändern.

Im Moment war nur wichtig, dass er nicht allzu spät in die Behnisch-Klinik kam! Wo immer es ging, würde er die Geschwindigkeitsbeschränkung außer Acht lassen. Vielleicht hatte er Glück, und es war nicht allzu viel Verkehr.

Erleichtert stellte Alex in den nächsten Minuten fest, dass die Fahrt in der Tat zügig voranging. Wenn er bis zur Behnisch-Klinik in diesem Tempo weiterfahren konnte, würde er mit zehn Minuten oder maximal einer Viertelstunde Verspätung ankommen, was ihm immerhin noch einigermaßen vertretbar erschien.

Seine aufgewühlten Nerven hatten sich gerade ein wenig beruhigt, als er sich kurz vor dem Stachus durch einen langen Stau ausgebremst sah.

Das durfte doch nicht wahr sein!

Alex hatte kaum angehalten, als aus dem schwarzen SUV vor ihm ein kräftiger Mann ausstieg und sich zwischen den haltenden Autos zielstrebig seinen Weg nach vorne bahnte. Seine Gesichtszüge waren dabei von Wut verzerrt.

»Diese verdammten Klimaidioten!«, äußerte der Mann sich lautstark. »Kleben sich am Asphalt fest und verhindern, dass anständige Leute, die eine Menge Steuern zahlen, rechtzeitig in ihr Geschäft kommen. Ich werde dieses Lumpenpack von der Straße reißen. Und wenn ich ihnen dabei die Haut von den Händen ziehe.«

Alex starrte den zornigen Mann einen Moment lang entsetzt an. Er überlegte, ob er ihm folgen und ihn aufhalten sollte, aber sicherlich war die Polizei schon vor Ort und würde ihn in seine Schranken weisen.

Doch dann kam ihm plötzlich eine Idee.

Wie gut, dass er Motorrad fuhr und nicht Auto! Mit Sicherheit würde es kein Problem sein, ein Motorrad an den Klimaklebern vorbei oder zwischen sie hindurch zu manövrieren, ohne einen von ihnen zu verletzen!

Guten Mutes schob Alex sein Motorrad an den wartenden Autos vorbei, bis er die Klimakleber erreicht hatte.

Es handelte sich um vier junge Männer und drei junge Frauen, die gerade erst im Begriff waren, sich festzukleben, aber bereits auf der Straße saßen und den Verkehr blockierten.

»Hallo«, sagte Alex und schob sein Motorrad zwischen zweien der jungen Frauen hindurch.

»Lass das, du arroganter Ganove. Bildest dir wohl ein, dass du etwas ganz Besonderes bist? «, blaffte ihn eine von ihnen an und hielt sich an seinem Motorrad fest.

Unwillkürlich musterte Alex sie genauer.

Ihre feinen, zarten Züge straften ihre derbe Wortwahl Lügen.

Ihr Gesicht war von karottenroten Haaren umrahmt, die ihr, wohl nach dem Vorbild Greta Thunbergs, in Zöpfen über die Schultern hingen. Ihre Haut war hell und mit Sommersprossen versetzt, und sie war, soweit die unförmige orangefarbene Schutzweste, die sie trug, ihre Gestalt erkennen ließ, ausgesprochen schlank, fast zierlich.

Aus ihren hellgrauen Augen blickte sie Alex herausfordernd an.

»Ich muss zur Arbeit in die Notaufnahme der Behnisch-Klinik«, sagte Alex. »Also lass mich bitte durch. Du willst doch nicht, dass ich zu spät kommen und dass deshalb vielleicht kranke oder verunfallte Menschen mit Verzögerung behandelt werden.«

Die junge Frau, die nach Alex‘ Schätzung nicht älter als siebzehn oder achtzehn Jahre war, zeigte sich unbeeindruckt. »Wenn es auf der Erde erst einmal so heiß ist, dass wir alle verdursten und verhungern, ist es egal, wie früh oder spät irgendein Kranker behandelt wird. Weil wir dann sowieso sterben – und zwar alle. Auch du.«

Alex blieb angesichts dieser Logik einen Moment lang der Mund offenstehen. »Die Patienten in der Notaufnahme verdursten und verhungern nicht«, wies er die junge Frau schließlich zurecht. »Aber sie nehmen vielleicht Schaden, wenn sie nicht rechtzeitig versorgt werden können. Solange sie dringend ärztliche Hilfe brauchen, ist ihnen die drohende Klimakatastrophe fürs Erste wahrscheinlich ziemlich egal.«

Alex versuchte, die Hände der rothaarigen jungen Frau von seinem Motorrad zu lösen, doch sie klammerte sich mit einer solchen Beharrlichkeit fest, dass er fürchten musste, ihr wehzutun oder sie zu verletzen.

Unwillkürlich sah er sich hilfesuchend um und entdeckte dabei aus dem Augenwinkel den unfreundlichen Fahrer, wie er versuchte, einen der bereits festgeklebten jungen Männer von der Straße zu zerren. Weil es ihm nicht gelang, wurde er noch wütender als zuvor. Kurz entschlossen verpasste er dem jungen Mann ein paar Fußtritte, die diesem einen Schmerzenslaut entlockten, der wie ein Jaulen klang.

Alex zuckte erschrocken zusammen. Der Klimakleber tat ihm leid, aber angesichts der Tatsache, dass die junge Frau weiterhin eisern den Vorderreifen seines Motorrads umklammert hielt, konnte er trotz allem auch ein wenig Verständnis für die Wut des Fahrers aufbringen, wenn natürlich auch nicht für die Art, wie er sie abreagierte.

»Wieso in aller Welt sollte die Erderwärmung dadurch gestoppt werden, dass du dich an mein Motorrad klammerst? Kannst du mir das bitte mal erklären?«, wandte er sich wieder an die rothaarige junge Frau.