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Er kommt aus Gran Canaria und ist der Sohn von Dr. Daniel Nordens Cousin Michael und dessen spanischer Frau Sofia. Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern. Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern! »Ich habe mich in den Finger geschnitten. Ich blute. Gibt es denn in der ganzen Behnisch-Klinik keinen Arzt, der sich um mich kümmern kann?« Der untersetzte Mann mit der Hornbrille und dem schütteren grauen Haar richtete seinen Blick auf Alex, der soeben das völlig überfüllte Wartezimmer der Notaufnahme betrat, um den nächsten Patienten in einen der Schockräume zu holen. »Hallo, Sie da! Hören Sie etwa schlecht? Ich bin ein Notfall. Ich muss sofort verarztet werden«, insistierte der untersetzte Mann, trat auf Alex zu und hielt ihm seinen mit einem Taschentuch umwickelten linken Zeigefinger entgegen. »Tut mir leid, aber Sie sind noch nicht an der Reihe«, wehrte Alex ab. »Noch nicht an der Reihe?«, echauffierte sich der untersetzte Mann. »Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wollen Sie mich verbluten lassen?« Alex musterte mit einem raschen Blick den provisorischen Verband und stellte fest, dass das Taschentuch keinen Flecken aufwies, der auf eine heftige Blutung schließen ließ. »Niemand will Sie verbluten lassen«, beschwichtigte er. »Sie müssen sich lediglich noch etwas gedulden. Zuerst ist der kleine Junge mit den Bauchschmerzen an der Reihe.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Ich habe mich in den Finger geschnitten. Ich blute. Gibt es denn in der ganzen Behnisch-Klinik keinen Arzt, der sich um mich kümmern kann?« Der untersetzte Mann mit der Hornbrille und dem schütteren grauen Haar richtete seinen Blick auf Alex, der soeben das völlig überfüllte Wartezimmer der Notaufnahme betrat, um den nächsten Patienten in einen der Schockräume zu holen. »Hallo, Sie da! Hören Sie etwa schlecht? Ich bin ein Notfall. Ich muss sofort verarztet werden«, insistierte der untersetzte Mann, trat auf Alex zu und hielt ihm seinen mit einem Taschentuch umwickelten linken Zeigefinger entgegen.
»Tut mir leid, aber Sie sind noch nicht an der Reihe«, wehrte Alex ab.
»Noch nicht an der Reihe?«, echauffierte sich der untersetzte Mann. »Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wollen Sie mich verbluten lassen?«
Alex musterte mit einem raschen Blick den provisorischen Verband und stellte fest, dass das Taschentuch keinen Flecken aufwies, der auf eine heftige Blutung schließen ließ.
»Niemand will Sie verbluten lassen«, beschwichtigte er. »Sie müssen sich lediglich noch etwas gedulden. Zuerst ist der kleine Junge mit den Bauchschmerzen an der Reihe. Es besteht Verdacht auf eine akute Blinddarmentzündung, deshalb …«
»Und meine Wunde kann sich Ihrer Meinung nach nicht entzünden? Sie muss so schnell wie möglich desinfiziert werden«, fuhr der untersetzte Mann Alex in die Parade.
Alex wich unwillkürlich einen Schritt zurück, weil ein regelrechter Sprühregen von Speicheltropfen auf ihn niedergegangen war. Trotzdem gab er sich Mühe, freundlich zu bleiben. »Wenn Sie möchten, kann fürs Erste ich mich um Ihren Finger kümmern«, schlug er vor. »Ich bringe nur rasch den Jungen und seine Mutter in den Schockraum. Dann komme ich zurück und sehe mir Ihre Schnittverletzung an.«
Der untersetzte Mann machte ein finsteres Gesicht. »Meinetwegen«, knurrte er schließlich. »Besser Sie als gar niemand. Obwohl Sie ziemlich jung und mit Sicherheit dementsprechend unerfahren sind.«
»Ich habe Ihnen lediglich eine Erstversorgung vorgeschlagen, damit Sie sich, bis Sie an der Reihe sind, keine Sorgen mehr zu machen brauchen«, rechtfertigte sich Alex und wandte sich dann dem kleinen Jungen und seiner Mutter zu, um die beiden in den frei gewordenen Schockraum zu führen.
Wenig später kehrte er mit Desinfektionsmittel und Verbandszeug zurück.
Der untersetzte Mann erwartete ihn bereits ungeduldig. »Ich bin Gourmet und, seitdem ich pensioniert bin, leidenschaftlicher Hobbykoch, müssen Sie wissen«, erklärte er, während Alex vorsichtig den verletzten Zeigefinger von dem Taschentuch befreite. »Heute sollte es Kalbsrahmfilet mit Käsespatzen geben, mein absolutes Leibgericht. Allerdings war das Kalbsfilet, das mir am frühen Vormittag von meinem Metzger geliefert wurde, wieder einmal denkbar schlecht gehäutet. Wahrscheinlich ist irgendein schlampiger Lehrjunge am Werk gewesen. Diese jungen Leute von heute …« Der Mann schüttelte missbilligend den Kopf. »Sie haben einfach keine Arbeitsmoral mehr. Sie interessieren sich nur für Partys, ohrenbetäubend laute Musik, Alkohol, Drogen und Sex. Ich musste das Filet gründlich nachhäuten und Fettreste entfernen. Dabei ist mir das Messer ausgeglitten und …«
Der Mann verstummte, während Alex die Wunde begutachtete.
Der Schnitt war nicht tief, und die Blutung war bereits zum Stillstand gekommen, sodass Alex sich fragte, warum der Mann überhaupt die Notaufnahme der Behnisch-Klinik aufgesucht hatte, anstatt eigenständig zu Desinfektionsspray und Pflaster oder Mullbinde zu greifen. Er unterdrückte jedoch eine diesbezügliche Äußerung, während er die Wunde sorgfältig desinfizierte und den Finger neu verband.
»Und was ist mit der Tetanusspritze? Bekomme ich hier nicht einmal eine Tetanusspritze?«, erkundigte sich der Hobbykoch, der jede von Alex‘ Bewegungen mit kritischem Blick verfolgt hatte, zu guter Letzt ziemlich ungnädig. »Und … und eine Röntgenaufnahme wird wohl auch nicht gemacht? Immerhin könnte der Knochen verletzt sein.«
Alex musste sich beherrschen, um nicht genervt die Augen zu verdrehen. »Der Knochen ist nicht verletzt. Das lässt sich in Ihrem Fall auch ohne Röntgenbild feststellen«, antwortete er. »Und was die Tetanusspritze betrifft …«
»Hier ist mein Impfausweis«, unterbrach ihn der Hobbykoch, zog mit der unverletzten Hand seine Brieftasche aus seiner Jacke und hielt Alex das Dokument hin.
Alex überflog es und reichte es zurück. »Ihre letzte Tetanusimpfung liegt noch nicht einmal ein halbes Jahr zurück, Herr Ückert«, sagte er. »Eine Auffrischung ist somit nicht erforderlich.«
»Sind Sie sicher?«, erkundigte sich der Mann. »Ich … ich fühle mich von Ihnen, offen gestanden, alles andere gewissenhaft behandelt. Deshalb bin ich froh, dass Sie mich nur erstversorgen und ich mir später von einem Ihrer Ärztekollegen sozusagen eine Zweitmeinung einholen kann.«
Alex‘ Gesicht färbte sich vor Verlegenheit hochrot. »Die Ärzte hier in der Notaufnahme sind nicht meine Kollegen. Ich bin leider noch kein Arzt«, stellte er richtig. »Ich bin nur Medizinstudent und arbeite hier in der Behnisch-Klinik …«
Benjamin Ückerts Gesicht nahm von einer Sekunde auf die andere ebenfalls eine hochrote Farbe an, allerdings aus Zorn. »Sie sind gar kein richtiger Arzt?«, brüllte er, noch ehe Alex seinen Satz hätte vollenden können. »Und trotzdem haben Sie es gewagt, mich zu behandeln? Das darf doch wohl nicht wahr sein! Was maßen Sie sich eigentlich an, Sie … Sie Hochstapler! Ich möchte sofort einen richtigen Arzt sprechen! Und den Klinikchef! Ich werde mich über Sie beschweren! Sie sind ein Kurpfuscher, ein Quacksalber, ein …« Benjamin Ückert rang nach Luft.
Unwillkürlich griff Alex beschwichtigend nach seinem Arm, weil er befürchtete, Benjamin Ückert könnte vor Zorn einen Herzinfarkt bekommen und wirklich ein Fall für die Notaufnahme werden. »Bitte beruhigen Sie sich, Herr Ückert«, sagte er. »Ich bin zwar, wie gesagt, noch kein Arzt, aber ich bin voll ausgebildeter Notfallsanitäter, und Verletzungen wie die Ihre fallen somit durchaus in meinen Zuständigkeitsbereich. Dennoch wird sich selbstverständlich zu gegebener Zeit noch ein ›richtiger‹ Arzt Ihren Finger anschauen.«
»Das will ich doch sehr hoffen«, erwiderte Benjamin Ückert mit hochmütig zurückgeworfenem Kopf. »Und was Sie betrifft … Sollte sich herausstellen, dass Sie mich falsch behandelt haben, dürfen Sie sich auf entsprechende Konsequenzen gefasst machen, Herr … Herr …« Der Mann warf einen Blick auf das Namensschild an Alex‘ Pflegerkittel. »Herr Norden«, ergänzte er düster. »Notfalls werde ich Sie gerichtlich belangen. Immerhin war ich Staatsanwalt und kenne mich in den Gesetzen aus.«
Alex konnte nur mit Mühe einen Stoßseufzer unterdrücken.
Unwillkürlich warf er einen Blick auf die Wanduhr im Wartezimmer und stellte erfreut fest, dass es Zeit war für die Mittagspause. »Ich habe für Sie getan, was ich konnte. Sie müssen nun Ihrerseits tun, was Sie für richtig halten«, erklärte er Benjamin Ückert, zuckte mit den Schultern und verließ das Wartezimmer.
Draußen lehnte er sich erst einmal gegen die Wand, stieß prustend die Luft aus und tröstete sich damit, dass derart anstrengende Patienten zum Glück nicht allzu häufig waren. Trotzdem fand er, dass er sich aufgrund seiner Geduld mit Herrn Ückert einen großen Becher Kaffee redlich verdient hatte.
Mit großen Schritten strebte er dem Ausgang der Notaufnahme zu und steuerte die Cafeteria der Behnisch-Klinik an.
»Entschuldigung, können Sie uns bitte helfen?«, vernahm er plötzlich hinter sich eine dunkle, sehr besorgt klingende Männerstimme.
Obwohl Alex im Moment nicht die geringste Lust auf den nächsten möglicherweise schwierigen Patienten hatte, drehte er sich pflichtschuldig sofort um. Und sah sich einem jungen Paar gegenüber, das sich fest an den Händen hielt. Die beiden schienen nur wenig älter zu sein als er selbst.
»Ich helfe Ihnen gerne, wenn es in meiner Macht steht«, erwiderte Alex und nickte den beiden freundlich zu. »Was kann ich für Sie tun?«
»Für mich – gar nichts«, gab der junge Mann, der braune Haare, braune Augen und einen Dreitagebart hatte, zurück. »Es … es geht um meine Freundin. Sie wurde bei unserem Autounfall vorhin …« Er brach ab und wischte sich mit der freien Hand fahrig über die Stirn. »Wahrscheinlich sollte ich mich zuerst einmal vorstellen. Ich bin Henning Breitsch«, sagte er schließlich und zeigte dann auf seine Begleiterin, eine hübsche junge Frau mit rotblonden, lockigen Haaren. »Und das ist Aenne Wagner, meine Freundin.«
Die junge Frau versuchte, Alex zuzulächeln, doch es wurde eher eine schmerzverzerrte Grimasse daraus.
»Der Unfall war nicht meine Schuld«, redete Henning Breitsch indessen hastig weiter. »Ich hatte ganz klar Vorfahrt, nur hat der Fahrer des roten Autos das eindeutig zu spät erkannt. Er konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und ist volle Kanne in die Beifahrerseite meines Autos geknallt. Aenne wurde an der Schulter verletzt …«
»Dann suchen Sie wohl die Notaufnahme?«, erkundigte sich Alex.
»Ja, die Notaufnahme«, bestätigte Henning.
Aenne nickte. »Wir wollen natürlich keine Umstände machen. Wenn jeder ständig irgendwelcher Kleinigkeiten wegen die Notaufnahme aufsuchen würde … Aber da ich meinen rechten Arm nur sehr eingeschränkt bewegen kann, hat Henning darauf bestanden, mich vorsichtshalber hierher in die Behnisch-Klinik zu fahren. Vielleicht … habe ich aber auch nur eine Prellung und einen Bluterguss, und das Ganze würde sich von alleine wieder geben.«
»Das ist möglich«, erwiderte Alex. »Aber es ist trotzdem besser, wenn eine Röntgenaufnahme des Schultergelenks gemacht wird. Sicher ist schließlich sicher.«
»Siehst du, Liebes, dasselbe habe ich dir auch gesagt«, pflichtete Henning Breitsch Alex bei. Er musterte Aenne mit mitleidigen Blicken. »Es tut mir im Übrigen unendlich leid, Aenne. Nun musste unser gemeinsamer Ausflug, auf den wir uns schon wochenlang gefreut hatten, auf diese Weise enden, aber …«
»Das braucht dir doch nicht leidzutun, Henning«, unterbrach Aenne ihren Freund. »Du weißt, dass der Zusammenstoß nicht deine Schuld war. Sofort zu reagieren und eine Vollbremsung hinzulegen, war schließlich alles, was du tun konntest. Und das hast du ja auch getan.«
Henning nickte, aber es war ihm anzumerken, dass er sich trotz allem Vorwürfe machte.
»Zur Notaufnahme geht es ein Stück geradeaus am Eingangsbereich der Behnisch-Klinik entlang, und dann sehen Sie auch schon das Schild«, erklärte Alex indessen. Und obwohl er nicht die geringste Lust verspürte, Benjamin Ückert nach so kurzer Zeit schon wieder zu begegnen, gab er sich einen Ruck und fügte hinzu: »Ich habe gerade Mittagspause und kann Sie gerne hinbringen. Vielleicht gelingt es mir sogar, einen Arzt aufzutreiben, der sich so schnell wie möglich um Sie kümmert, Frau Wagner. Oder Ihnen wenigstens ein Schmerzmittel gibt.«
»Vielen Dank. Das wäre wunderbar«, antwortete Henning Breitsch sofort.
Aenne umklammerte seine Hand noch ein wenig fester. »Henning, ich …« Sie verstummte und lehnte stattdessen ihren Kopf an Hennings Schulter.
»Kommen Sie. Hier geht es lang«, sagte Alex endlich und ging Aenne und Henning voran zurück zur Notaufnahme. »Leider ist es ziemlich voll hier«, erklärte er, als er die Tür zum Wartezimmer öffnete. »Heute ist wieder einmal einer der Tage, an denen der Andrang besonders groß ist.«
»In der Tat. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, als wäre halb München krank oder verletzt«, sagte Aenne und wandte sich dann an ihren Begleiter. »Das sieht nach einer längeren Wartezeit aus. Wenn du gehen möchtest, Henning, nehme ich es dir nicht übel. Du kannst gerne …«
»Kommt überhaupt nicht infrage«, widersprach Henning Breitsch sofort. »Ich lasse dich doch jetzt nicht im Stich. Ich warte auf alle Fälle mit dir, Aenne. Und ich bleibe auch hier sitzen, während du untersucht wirst, damit ich als Erster erfahre, was mit dir los ist.«
»Das ist nicht notwendig, Henning«, wehrte Aenne ab. »Es muss wirklich nicht sein, dass du meinetwegen deinen freien Tag in einer Klinik verbringst. Und noch dazu im Wartezimmer einer Notaufnahme.«
»Es ist mein freier Tag, über den ich nach meinem eigenen Gutdünken entscheide. Ich wollte ihn von Anfang bis Ende mit dir verbringen«, erwiderte Henning mit Bestimmtheit. »Und das will ich immer noch, Aenne. Auch wenn es im Wartezimmer einer Notaufnahme ist. Außerdem wäre es ziemlich schäbig von mir, mich jetzt einfach aus dem Staub zu machen.« Er streichelte Aenne zärtlich übers Haar und wandte sich dann wieder Alex zu. »Sie haben gesagt, Sie könnten uns vielleicht einen Arzt rufen, der Aenne ein Schmerzmittel …«
Henning verstummte mitten im Satz, als Aenne den Kopf schüttelte. »So schlimm sind meine Schmerzen nun auch wieder nicht. Es sind so viele Patienten hier«, sagte sie. »Eine Sonderbehandlung wäre den anderen Kranken gegenüber nicht fair. Ich warte lieber, bis ich an der Reihe bin.«
»Wie du meinst, Liebes«, seufzte Henning. Er nickte Alex zu. »Aenne ist zwar privat versichert, aber sie will davon offenbar keinen Gebrauch machen. Sie können also beruhigt wieder in Ihre Mittagspause gehen. Und vielen Dank für Ihre Hilfe.«
»Gern geschehen«, meinte Alex und verließ nach einigem Zögern und einem raschen Seitenblick auf den immer noch äußerst griesgrämig dreinblickenden Benjamin Ückert, die Notaufnahme wieder in Richtung Cafeteria.
Er zog sich am Automaten einen großen Becher Kaffee und ließ sich damit an einem der Tische an der Fensterfront nieder, als er plötzlich Alissa entdeckte. Sie wurde offenbar im selben Augenblick auf Alex aufmerksam, denn sie hob sofort winkend die Hand, nahm ihr Essenstablett und steuerte auf Alex‘ Tisch zu.
»Hallo, Alex«, sagte sie, platzierte ihr Tablett Alex gegenüber und zog sich einen der Stühle heran. »Mittagspause?«
Alex nickte. »Und du?«, fragte er zurück. »Hast du Bastians Oma besucht?«
»Yep«, erwiderte Alissa. »Und ich kann dir gar nicht sagen, wie dankbar ich dir bin, dass du dich für Oma Hildes Aufnahme in die Behnisch-Klinik eingesetzt hast. Es geht Oma Hilde wirklich von Tag zu Tag besser. Ihre Genesung macht Riesenfortschritte. Ob sie ihren linken Arm je wieder voll gebrauchen kann, ist zwar nach wie vor fraglich, aber ihre Beine funktionieren schon wieder fast normal, und sie ist vollkommen klar im Kopf. Wer weiß, was aus ihr geworden wäre, wenn sie nach ihrem Schlaganfall in diesem Krankenhaus in Herrsching weiterbehandelt worden wäre. Möglicherweise wäre sie jetzt tot oder gelähmt oder …«
»Wahrscheinlich hätte sie sich ebenfalls erholt«, meinte Alex. »Nur weil du die Ärzte dort nicht allzu sympathisch gefunden hast, heißt das schließlich nicht, dass sie nicht fähig gewesen wären, Oma Hilde wieder gesund zu machen.«
»Ich bin mir keineswegs sicher, ob sie das wirklich geschafft hätten«, beharrte Alissa. Sie sah Alex eine Weile an, dann grinste sie. »Ich habe übrigens, von Oma Hildes Genesungsfortschritten einmal abgesehen, noch eine weitere freudige Nachricht für dich, mit der du aber sicher überhaupt nicht rechnest.«
Alex zog die Augenbrauen hoch. »Jetzt bin ich aber gespannt«, grinste er zurück. »Lass mich raten. Du willst mich und Sina zu deiner und Bastians Hochzeit einladen? Stimmt es oder hab ich recht?«
Alissa nahm eine Fritte von ihrem Teller, tauchte sie in die Tomatensoße und kaute darauf herum. »Na ja, ganz so weit sind Bastian und ich noch nicht«, sagte sie schließlich.
»Okay. Dann seid ihr also erst halb so weit«, schlussfolgerte Alex. »Das ist zwar ein bisschen schade, aber nichtsdestotrotz schon einmal ein schöner Fortschritt. Zumal man so eine Hochzeit schließlich auch gründlich planen muss.«
»Ein schöner Fortschritt«, wiederholte Alissa mit einem leicht spöttischen Blick auf Alex. »Mal sehen, wer schneller ist mit der Hochzeit. Ich und Bastian oder du und Sina. Ich habe Oma Hilde im Übrigen gerade eben davon in Kenntnis gesetzt, dass Bastian und ich … wieder ein Paar sind.«
»Sie hat sich riesig darüber gefreut, nehme ich an«, meinte Alex.
Alissa nickte. »Erraten. Oma Hilde war in der Tat ganz aus dem Häuschen. Ich hatte schon Angst, dass sie vor freudiger Erregung einen weiteren Schlaganfall bekommt, aber … aber das war gottlob nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Sie hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd und wirkte dadurch mit einem Mal sogar viel gesünder. So … so zufrieden und glücklich wie in diesem Moment habe ich Oma Hilde eigentlich noch gar nie gesehen.«
Alex trank einen großen Schluck Kaffee. »Wie schön für Bastians Oma«, meinte er. »Und natürlich auch für dich und Bastian.«
»Ich bin gerührt, dass mein und Bastians wiedergefundenes Glück dir so sehr am Herzen liegt«, schmunzelte Alissa. Dabei bildeten sich an ihrem Kinn Grübchen, die Alex noch gar nie aufgefallen waren und die Alissas Züge zu seiner Überraschung viel weicher und weiblicher wirken ließen. »Und jetzt kommt die freudige Nachricht für dich, Alex. Und natürlich ist es auch eine freudige Nachricht für Sina. Erinnerst du dich, dass ich euch beide vor noch nicht allzu langer Zeit gebeten habe, mir einen Teil meiner Mietkosten zu erlassen?«
Alex nickte, zumal ihm noch ziemlich gut im Gedächtnis war, wie wenig erfreut Sina auf seinen ein wenig eigenmächtigen Vorstoß in dieser Angelegenheit reagiert hatte. »Natürlich«, erwiderte er. »Und … hat sich daran etwas geändert? Ich meine, wenn du von einer guten Nachricht redest …«
»Und ob sich etwas geändert hat«, gab Alissa zurück. »Ich kann jetzt wieder meine volle Miete bezahlen.«
Alex hob überrascht die Augenbrauen. »Echt jetzt? Im Ernst?«
