Wenn zwei Sterne fallen - Simone Lilly - E-Book

Wenn zwei Sterne fallen E-Book

Simone Lilly

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Beschreibung

Sie trägt einen Stern in sich. Er sollte sie ausliefern. Aristea ist auf der Flucht. Seit Jahren wird sie gejagt – nicht wegen dessen, wer sie ist, sondern wegen der Macht, die in ihr schläft. Ein gefallener Stern lebt in ihr weiter, eine Kraft, die Königreiche besitzen, kontrollieren oder vernichten wollen. Vertrauen ist für sie lebensgefährlich geworden. Als sie einem Angriff nur knapp entkommt, rettet ausgerechnet ein Fremder ihr das Leben: Aric. Ein Krieger mit ruhiger Stimme, tödlicher Präzision – und eigenen Geheimnissen. Er begleitet sie, schützt sie, bleibt, obwohl sie ihn immer wieder fortschickt. Und langsam beginnt etwas, das Aristea sich selbst längst verboten hat: Hoffnung. Doch Aric verbirgt die Wahrheit über den Grund ihrer Begegnung. Und als sie ans Licht kommt, zerbricht alles. Zwischen Verrat und Vergebung, Macht und Selbstbestimmung, Flucht und Bindung müssen Aristea und Aric Entscheidungen treffen, die nicht nur ihr Leben verändern – sondern das Gleichgewicht einer ganzen Welt. Denn manche Schicksale lassen sich nicht entkommen. Und manche Herzen sind stärker als jeder Stern.

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Simone Lilly

Wenn zwei Sterne fallen

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Impressum neobooks

Kapitel 1

Der Wind trug den Duft von Regen und nassem Stein durch die Gassen, als Aristea die Kapuze tiefer ins Gesicht zog und ihren Schritt beschleunigte. Die Dämmerung hatte die Straßen in ein flackerndes Zwielicht getaucht, und irgendwo hinter ihr glaubte sie bereits, Schritte zu hören – schwer, zielgerichtet, zu nah.Sie haben mich gefunden.Der Gedanke ließ ihr Herz schneller schlagen. Seit Wochen war sie unterwegs, allein, von Stadt zu Stadt, über schmale Bergpfade und durch weite Täler. Immer in Bewegung, nie lange an einem Ort. Denn sie wusste, was sie wollte – und was man von ihr wollte.Nicht sie, nicht die Frau aus Lys, die sie einmal gewesen war. Sondern das Licht in ihrem Innern. Den Stern, der in ihr schlief.Ein Stern, der gefallen war – und nun in ihrem Körper weiterlebte.Aristea wusste, was es bedeutete. Sie war keine Legende. Keine Göttin. Sie war eine Waffe. Eine, die jeder Herrscher besitzen wollte. Und eine, die niemand frei herumlaufen lassen durfte.Wieder dieses Geräusch hinter ihr – ein Schuh, der durch eine Pfütze trat. Sie drehte sich nicht um.Nur noch ein Stück. Nur bis zur Stadtmauer. Dann bin ich draußen.Die Gasse verengte sich, mündete in einen schmalen Durchgang. Der Himmel über ihr verdunkelte sich weiter, ein Vorbote des Sturms, der bald losbrechen würde. Sie zog den Mantel enger um sich, als sie aus dem Schatten trat – und blieb abrupt stehen.Drei Männer versperrten ihr den Weg.Sie trugen dunkle Rüstungen, ihre Gesichter unter Kapuzen verborgen. Die silbernen Klingen an ihren Hüften glänzten im schwachen Licht. Und in ihren Augen lag dieser Ausdruck, den sie mittlerweile zu gut kannte: Habgier. Entschlossenheit. Und der feste Glaube, dass sie hier und heute ihre Beute sein würde.„Lauf nicht, Sternenträgerin,“ sagte der Größte von ihnen mit einem hämischen Grinsen. „Es gibt keinen Ort, an dem du dich verstecken kannst.“Aristeas Atem ging flach. Sie spürte das Flackern tief in ihrer Brust, ein Pochen, das sich wie ein zweiter Herzschlag anfühlte. Nicht hier. Nicht jetzt, sagte sie sich. Wenn sie die Macht freiließ, würde sie Aufmerksamkeit erregen – und genau das durfte nicht passieren.„Ich will keinen Ärger,“ sagte sie ruhig. „Lasst mich gehen.“„Das kannst du haben, sobald du mit uns kommst.“ Der Mann trat einen Schritt näher. „Lebendig gibt’s eine hohe Belohnung. Aber tot bist du auch was wert.“Etwas in ihr zog sich zusammen. Angst. Wut. Erinnerung. Wie oft noch? Wie oft sollte sie noch fliehen, sich verstecken, ihre Kräfte unterdrücken, nur um wieder gejagt zu werden?„Dann müsst ihr es versuchen,“ flüsterte sie und machte sich bereit.Doch sie kam nicht dazu.Denn plötzlich war da jemand anderes.Er tauchte aus dem Schatten der gegenüberliegenden Gasse auf – lautlos, wie ein Tier auf der Jagd. Ein kurzer Blitz von Metall, ein dumpfer Aufschrei, und einer der Männer ging zu Boden. Bevor die anderen reagieren konnten, stand der Fremde zwischen ihnen und Aristea. Kurze, dunkle Haare, eine einfache, abgewetzte Lederrüstung, ein Schwert in der rechten Hand, als gehöre es zu ihm.„Drei gegen eine,“ sagte er mit kühler Stimme. „Das ist kein fairer Kampf.“„Halt dich da raus!“ fauchte der Anführer und zog sein Schwert.„Zu spät.“Der Fremde bewegte sich mit der Effizienz eines Mannes, der zu oft gekämpft hatte. Jeder Schlag war präzise, jeder Schritt berechnet. Innerhalb weniger Atemzüge lagen zwei der drei Männer reglos am Boden, und der dritte stolperte zurück, blutend und fluchend, ehe er in die Dunkelheit floh.Stille kehrte ein. Nur der Regen begann leise zu fallen.Aristea wich instinktiv einen Schritt zurück, die Finger noch immer verkrampft an der Stelle, wo sie ihre Macht gespürt hatte. Sie wusste nicht, ob sie sich bedanken oder fliehen sollte.„Alles in Ordnung?“ fragte der Fremde und steckte sein Schwert zurück in die Scheide.„Warum hast du mir geholfen?“ Ihre Stimme klang misstrauischer, als sie wollte.Er zuckte mit den Schultern. „Weil sie Feiglinge waren.“„Du kennst mich nicht.“„Vielleicht nicht. Aber ich weiß, was es heißt, gejagt zu werden.“Sie musterte ihn genauer. Seine Augen – grau wie Sturmwolken – wirkten ruhig, aber sie trugen Spuren von Dingen, die man nicht erzählte. Schmerz. Verlust. Schuld. Und irgendetwas in diesem Blick ließ sie zögern.„Wie ist dein Name?“ fragte sie schließlich.„Aric.“„Aric…“ Sie sprach den Namen aus, als wollte sie ihn sich merken. „Ich brauche keine Hilfe.“„Offensichtlich schon.“ Er sah zu den reglosen Körpern am Boden. „Das waren keine zufälligen Straßenräuber.“„Das weiß ich.“„Dann weißt du auch, dass noch mehr kommen werden.“Etwas in seiner Stimme klang wie eine Warnung – oder ein Versprechen. Und Aristea spürte, wie sich ein Knoten in ihrer Brust enger zog. Sie wollte weitergehen, wollte allein sein. Aber ein Teil von ihr wusste: Er hatte recht.„Ich schulde dir nichts,“ sagte sie kühl.„Habe ich auch nicht verlangt.“Sie wandte sich zum Gehen, doch bevor sie die nächste Gasse erreichte, sah sie noch einmal über die Schulter. Er stand noch immer dort, im Regen, und blickte ihr nach – nicht fordernd, nicht bittend, nur ruhig, als wüsste er mehr, als er sagte.Und tief in ihrem Innern, dort, wo der Stern schlief, flackerte etwas auf. Nicht Macht. Nicht Angst. Etwas anderes. Etwas, das sie nicht benennen konnte – und nicht wollte.Also ging sie weiter.Und er folgte ihr mit den Augen, bis sie in der Dunkelheit verschwand.

Kapitel 2Der Regen hatte längst aufgehört, doch Aristea spürte ihn noch immer auf ihrer Haut – kalt, klebrig, wie eine Erinnerung, die sich nicht abschütteln ließ. Die Stadt lag nun hinter ihr, nur noch ein dunkles Band am Horizont. Vor ihr erstreckte sich die Ebene, durchzogen von verlassenen Pfaden, die in Richtung der Wälder führten.Sie war wieder allein. So, wie sie es wollte.So, wie es sicher war.Und doch – sie dachte an ihn.„Aric.“ Sie sprach den Namen kaum hörbar in den Wind, als würde sie damit testen, ob er sich echt anfühlte.Es war töricht gewesen, dass er ihr geholfen hatte. Töricht – und verdächtig. Niemand tat so etwas ohne Grund. Nicht in einer Welt, in der jeder eine Belohnung oder einen Verrat im Sinn hatte. Und doch hatte er es getan. Ohne zu zögern. Ohne Fragen zu stellen.Warum?Der Gedanke ließ sie nicht los. Und je mehr sie ihn verdrängen wollte, desto hartnäckiger kehrte er zurück. Sie mochte es nicht, sich zu fragen, wer er war. Noch weniger mochte sie, dass sie sich fragte, warum sie es wissen wollte.„Es spielt keine Rolle,“ murmelte sie und zog die Kapuze fester um ihr Gesicht.Sie hatte gelernt, niemandem zu trauen. Nicht dem gütigen Priester, der sie als Kind verraten hatte. Nicht der alten Frau, die sie einst versteckte und dann für ein Kopfgeld auslieferte. Und erst recht nicht einem Fremden, der plötzlich aus dem Schatten trat und sie rettete.Die Nacht brach herein.Aristea schlug ihr Lager in einer verlassenen Schäferhütte am Waldrand auf – ein karger Unterschlupf mit bröckelnden Mauern und einer Feuerstelle, die längst kalt war. Sie entzündete ein kleines Feuer, nur so groß, dass es Wärme spendete, ohne von Weitem sichtbar zu sein.Der Wind trug Geräusche mit sich – das Rascheln von Blättern, das Knacken trockener Äste, das ferne Heulen eines Wolfes. Und darunter… Schritte.Sie fuhr hoch und griff nach dem Dolch an ihrem Gürtel. Sekunden später trat eine vertraute Silhouette in den schwachen Schein des Feuers.Aric.„Ich wusste, dass ich dich finde,“ sagte er ruhig.„Du bist mir gefolgt.“ Es klang nicht wie eine Frage.„Ja.“„Warum?“ Ihre Stimme war schärfer, als sie beabsichtigt hatte.Er zuckte mit den Schultern. „Weil sie wiederkommen werden. Und weil du allein bist.“„Ich will allein sein.“„Ich glaube nicht, dass das stimmt.“Etwas in seiner Stimme brachte sie aus dem Gleichgewicht. Sie funkelte ihn an. „Du weißt gar nichts über mich.“„Ich weiß genug.“ Er kam ein Stück näher, setzte sich auf einen der umgefallenen Balken und sah sie an, als wolle er ihr einen Spiegel vorhalten. „Ich weiß, dass du wegläufst. Und dass du denkst, es sei der einzige Weg.“„Vielleicht ist es das auch.“„Oder du bist einfach nur müde.“Sie wollte etwas erwidern, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken. Müde. Ja, das war sie. Müde vom Rennen. Müde vom Verstecken. Müde davon, nachts aufzuwachen und zu überlegen, ob sie morgen noch frei sein würde.Aber das durfte er nicht wissen. Niemand durfte das wissen.„Du solltest gehen,“ sagte sie schließlich. „Ich brauche dich nicht.“„Ich weiß.“„Dann geh.“Er stand auf, trat näher an sie heran. Nicht bedrohlich, aber auch nicht demütig. „Vielleicht brauchst du mich nicht,“ sagte er leise. „Aber du verdienst jemanden, der auf deiner Seite steht.“Etwas in ihrem Innern zog sich zusammen. Sie hasste es. Hasste, dass seine Worte etwas in ihr berührten, was sie längst vergraben glaubte. Vertrauen. Hoffnung. Nähe. All das, was sie sich verboten hatte.„Du kennst mich nicht,“ wiederholte sie und wich zurück. „Und du wirst es auch nie tun.“Dann packte sie ihre Sachen. Keine Erklärung. Keine Verabschiedung. Nur ein letzter, kurzer Blick in seine grauen Augen – und dann war sie verschwunden, hinaus in die Nacht.Sie lief. Stundenlang. Ohne Ziel. Ohne Pause. Der Wald verschluckte ihre Schritte, der Mond führte sie tiefer hinein, bis kein Laut der Stadt mehr zu hören war. Jeder Schritt schien sie weiter von ihm zu entfernen – und doch wurde der Knoten in ihrer Brust nicht kleiner.Warum bist du geblieben?Warum hast du nicht zugelassen, dass er bleibt?Weil Vertrauen gefährlich war.Weil Nähe tödlich war.Weil sie sich nicht noch einmal verlieren durfte – nicht an jemanden, der sie am Ende vielleicht doch ausliefert wie alle anderen.Und doch… war da ein Teil von ihr, der sich fragte, ob er vielleicht anders war.„Hör auf,“ flüsterte sie in die Nacht. „Hör auf, daran zu denken.“Aber sie dachte weiter. Und mit jedem Schritt fragte sie sich mehr, ob sie diesmal vielleicht nicht nur vor ihren Verfolgern davonlief – sondern vor sich selbst.Weit hinter ihr, auf der Lichtung, auf der das Feuer langsam erlosch, saß Aric noch immer im Dunkeln. Er hatte sie nicht aufgehalten, nicht gerufen. Er hatte nur zugesehen, wie sie verschwand.„Lauf nur,“ murmelte er. „Ich finde dich wieder.“Denn das war sein Auftrag.Und doch – er spürte, wie sich etwas in ihm dagegen sträubte.Nicht, weil es falsch war.Sondern weil er zum ersten Mal seit Jahren nicht mehr wusste, warum er ihn eigentlich erfüllen sollte.

Kapitel 3Die Nacht war längst hereingebrochen, und mit ihr war die Kälte gekommen – nicht nur die des Windes, sondern auch jene, die sich tief in Aristeas Brust festgesetzt hatte. Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie schon unterwegs war. Stunden? Tage? Der Himmel zwischen den kahlen Baumkronen bot keine Orientierung, und der Mond schien sich hinter einer dichten Wolkendecke versteckt zu haben.Doch das war ihr egal. Wichtig war nur, dass sie weit genug weg war.Weit weg von der Stadt.Weit weg von Aric.Weit weg von dem, was seine Worte in ihr ausgelöst hatten.„Du verdienst jemanden, der auf deiner Seite steht…“Die Erinnerung an seinen Satz schnitt tiefer, als sie zugeben wollte.Sie hatte sich geschworen, niemanden mehr zu brauchen. Niemanden mehr an sich heranzulassen.Denn wer zu nahe kam, konnte sie verletzen – oder schlimmer: sie benutzen.Und doch hatte ein Teil von ihr auf diesen Satz reagiert.Nicht mit Wut. Nicht mit Angst.Sondern mit Sehnsucht.„Dumm,“ flüsterte sie in die Dunkelheit. „Du bist dumm.“Sie zog den Mantel enger um die Schultern und schritt weiter. Der Wald um sie herum wirkte wie ein stummes Labyrinth aus Schatten und Bewegung. Irgendwo raschelte ein Tier im Unterholz. Eine Eule stieß einen kurzen Ruf aus. Und dann – Stille. Eine Stille, die nicht natürlich war.Aristea blieb stehen.Da ist jemand.Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Sie hatte gelernt, auf diese Momente zu achten – auf das leise Ziehen im Nacken, das Gefühl, beobachtet zu werden. Langsam drehte sie sich um.Nichts.Doch als sie weiterging, hörte sie es wieder: das Knacken eines Astes, diesmal näher. Schritte. Mehr als einer.Sie griff nach dem Dolch unter ihrem Mantel.„Zeigt euch.“ Ihre Stimme war ruhig, aber wachsam.