Julia und Marcus - Simone Lilly - E-Book

Julia und Marcus E-Book

Simone Lilly

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Beschreibung

In einer Welt, in der Pflicht über Liebe steht und Ehen Bündnisse sind, nicht Versprechen, begegnet die junge Senatorentochter Julia Valeria dem Mann, der ihr Schicksal unwiderruflich verändern wird. Als gefeierter Feldherr kehrt Marcus Aelius Varro aus dem Krieg zurück – verehrt vom Volk, gefürchtet von seinen Feinden. Für Julia ist er mehr als ein Held: Er ist der erste Mann, der sie wirklich sieht. Doch Julia ist bereits einem anderen versprochen, dem ehrgeizigen und arroganten Publius Cornelius Scaevola. Zwischen verbotenen Blicken, heimlichen Berührungen und einer Nacht, die alles verändert, wächst eine Liebe, die keinen Platz in der Ordnung ihrer Welt hat. Als Julias Vater unerwartet stirbt, wird aus Sehnsucht ein Kampf um Freiheit – und aus Liebe ein politisches Wagnis, das selbst den Senat herausfordert. Kann eine Frau gegen Stand, Gesetz und Erwartungen bestehen? Und kann eine Liebe überleben, wenn der Krieg immer wieder ihren Preis fordert?

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Simone Lilly

Julia und Marcus

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Impressum neobooks

Kapitel 1

Das Abendlicht fiel golden durch die hohen Fenster des Hauses Valerius und ließ die dünnen Vorhänge wie glühende Seide schimmern. Im Inneren, auf einer geschwungenen Liege, saß Julia Valeria und ließ geduldig zu, wie ihre Dienerin ihr Haar zu einer kunstvollen Frisur aufsteckte. Strähnen dunklen Glanzes wurden gezwirbelt, mit goldenen Nadeln gehalten, einzelne Perlen schimmerten darin wie gefangene Tropfen Licht.Julia blickte in den polierten Bronzespiegel, doch ihr Blick verlor sich bald hinter der Spiegelung. Nicht die Schönheit, die ihr dort entgegenblickte, beschäftigte sie – sie kannte die Blicke der Menschen auf der Straße, wenn sie mit ihrem Vater in einer Sänfte gefahren wurde. Sie wusste, dass man sie bewunderte. Doch all das war nicht das, wonach sie sich sehnte.„Euer Vater wird stolz sein“, sagte die Dienerin leise, als sie die letzte Nadel feststeckte.Julia verzog kaum merklich die Lippen, fast so, als wolle sie lächeln, und doch blieb der Ausdruck unerfüllt. „Er erwartet nichts anderes“, erwiderte sie. Ihre Stimme war sanft, doch trug sie ein Gewicht, das nicht zu ihrem Alter passen wollte.Lucius Valerius, ihr Vater, war einer der angesehensten Männer Roms. Ein Senator, dessen Wort Gewicht trug, dessen Haus voller Besucher war, die Rat suchten oder Bündnisse schmiedeten. Für ihn war Julia nicht nur Tochter – sie war Erbin seines Namens, seiner Stellung. Die einzige, die die Zukunft seiner Linie sichern konnte.Von Kindesbeinen an hatte er ihr beigebracht, dass Ehre und Pflicht Vorrang hätten vor jedem persönlichen Wunsch. Er liebte sie, ja, auf seine Art – doch seine Liebe zeigte sich in Strenge und in dem unerschütterlichen Willen, sie mit einem Mann zu verbinden, der das Haus Valerius noch weiter erhöhen würde.Julia schloss die Augen. Noch vor wenigen Tagen hatte ihr Vater beiläufig erwähnt, dass Publius Cornelius Scaevola ein würdiger Kandidat wäre – Sohn einer einflussreichen Familie, reich, ehrgeizig, und mit allen Verbindungen, die eine Ehe wertvoll machten. Julia spürte einen Schatten über ihr Herz ziehen, sooft dieser Name fiel. Etwas an diesem Mann ließ sie erschaudern – nicht aus Angst, sondern aus einer unerklärlichen Abneigung.„Meine Herrin“, unterbrach die Dienerin erneut, „welches Gewand sollt Ihr tragen?“Julia erhob sich langsam, und das weiße Leinen ihres Untergewands glitt über ihre Gestalt. Sie schritt zu einer hölzernen Truhe, in der kostbare Stolas in feiner Wolle und Seide ruhten. Ihre Hand glitt über das helle Blau, das Elfenbein, schließlich über einen zarten Stoff, der am Saum in Purpur gefasst war – das Gewand, das ihr Vater wohl erwartet hätte.Doch ihre Finger verharrten an einem anderen Stoff: eine Stola in schlichtem Elfenbein, mit feiner Stickerei, fast unscheinbar im Vergleich zu den prunkvollen Farben. „Diese“, entschied sie leise.Die Dienerin runzelte die Stirn, wagte aber keinen Widerspruch.Julia wusste, dass das Fest heute Abend von Glanz, Musik und Stolz geprägt sein würde. Legionen waren siegreich heimgekehrt, und ihr Vater selbst hatte den Befehl über die Feierlichkeiten. Es war ein Abend, der Roms Größe spiegeln sollte. Für ihn war es die perfekte Bühne, um seine Tochter erstrahlen zu lassen – und damit die Männer, die um ihre Hand warben.Sie aber verspürte ein seltsames Ziehen in der Brust. Es war keine Vorfreude, eher ein leiser Widerstand, eine Sehnsucht, die noch keinen Namen hatte. Während die Dienerin ihr den feinen Stoff über die Schultern legte und den Gürtel schlang, blickte Julia erneut in den Spiegel.Dort stand eine Frau, die schön war nach allen Maßstäben – doch unter den kunstvollen Locken und dem edlen Gewand sah sie ein Herz, das nicht zu glänzen begehrte, sondern zu fühlen.Und tief in ihr keimte eine Frage, die sie noch nicht auszusprechen wagte: Würde das Schicksal ihr jemals erlauben, selbst zu wählen, wem sie ihr Herz schenken durfte?

Kaum war die letzte Falte des Gürtels glatt gestrichen, erklang ein fester Schritt im Korridor. Die Dienerin neigte hastig den Kopf, als Lucius Valerius eintrat – in seiner makellos weißen Toga mit purpurnem Saum, das Haupt erhoben, die Züge streng wie gemeißelt.„Julia“, sprach er mit einem leichten Nicken, „du bist bereit.“Sie senkte den Blick, wie es sich geziemte. „Ja, Vater.“Er musterte sie schweigend, sein prüfender Blick glitt vom Haar über die Schultern bis hinab zu dem schlichten Gewand. Einen Augenblick lang schien sein Gesicht reglos, doch dann zog sich seine Stirn in Falten.„Das Kleid“, sagte er langsam. „Warum dieses?“Julia hob vorsichtig den Kopf. „Ich… empfand es als angemessen, Vater. Nicht zu prunkvoll, nicht zu bescheiden.“Ein leises Schnauben war die Antwort. „Angemessen vielleicht für den Spaziergang durch den Garten. Doch heute, Kind, empfängst du Roms Augen – Senatoren, Feldherren, Söhne edler Häuser. Dein Anblick soll nicht nur gefallen, er soll beeindrucken. Jeder Faden, jede Stickerei spricht für das Haus Valerius.“Seine Stimme war nicht laut, doch in ihrer Schärfe lag ein Gewicht, das Julia schon seit Kindertagen kannte.„Verzeih“, hauchte sie, „ich wollte nicht widersprechen.“Lucius trat näher, legte seine Hand auf ihre Schulter. Der Druck war fest, beinahe besitzergreifend. „Ich weiß, dass du gehorchst. Aber du musst verstehen: Deine Schönheit ist nicht nur dein Eigen. Sie ist das Werkzeug, mit dem unser Name fortbesteht. Ich bin nicht ewig, Julia. Wenn du eines Tages in einem mächtigen Haus Einzug hältst, dann trägt dein Kind den Ruhm der Valerii weiter. Dafür bist du geboren. Dafür bist du mein einziges Kind.“Ihre Kehle schnürte sich zu. Worte stiegen in ihr auf, doch sie wagte nicht, sie zu sprechen.Er bemerkte ihr Schweigen und nickte zufrieden, als hätte er Zustimmung erhalten. „Gut. Zeige dich von deiner besten Seite. Ich habe heute Abend Gäste, die nicht nur unsere Siege, sondern auch die Zukunft unserer Familie betrachten werden.“Er wandte sich ab, den Saum seiner Toga ordnend, und fügte im Hinausgehen hinzu: „Trage Stolz, Julia. Keine Zweifel. Siehst du? Schon jetzt wirkt dieses Kleid zu schlicht. Doch vielleicht gleicht dein Gesicht aus, was die Stoffe verschweigen.“Dann war er verschwunden, zurück in die Hallen, wo Diener geschäftig Tafeln deckten und Fackeln entzündeten.Julia verharrte. Seine Worte hallten nach, kalt und schwer. Und doch – tief in ihr regte sich eine stille, trotzige Glut. Ein leises Flüstern in ihrem Herzen, das sagte: Es muss mehr geben als Pflicht. Es muss mehr geben als Väter Wille.Mit gesenktem Kopf folgte sie schließlich dem Ruf der Trommeln, die das Fest des Abends ankündigten.

Kapitel 2

Der Hof des Hauses Valerius war von Fackeln erleuchtet, deren Flammen im milden Abendwind flackerten. Bronzegefäße mit brennendem Öl warfen warmes Licht auf die Marmorsäulen, und der Duft von Lorbeer und Myrrhe hing in der Luft. Diener eilten geschäftig hin und her, trugen Amphoren mit Wein, Schalen mit Feigen, Datteln und gerösteten Mandeln. Musik erklang – Flöten, Saiteninstrumente, das rhythmische Schlagen kleiner Trommeln, die dem Fest eine festliche, beinahe feierliche Dringlichkeit verliehen.Die Gäste strömten durch das Tor, das heute Abend weit geöffnet stand. Senatoren mit ihren Ehefrauen, Patrizier, junge Männer aus den vornehmsten Häusern Roms. Alle waren sie gekommen, um den Triumph zu feiern – den Sieg der Legionen, den Sieg, den Rom erneut größer und mächtiger gemacht hatte.Julia trat an der Seite ihres Vaters in den großen Saal, wo hohe Säulen den Blick zum offenen Himmel freigaben. Goldene Lampen hingen an langen Ketten, der Boden war mit bunten Teppichen ausgelegt, auf denen Gäste Platz nahmen, lachend, diskutierend, prahlend.Lucius Valerius empfing Glückwünsche, nahm Hände entgegen, sprach Worte voller Stolz. Julia stand einen Schritt hinter ihm, lächelte, wie man es von ihr erwartete. Und doch schweiften ihre Augen unruhig umher.Sie sah junge Männer, die sie unverhohlen musterten – Söhne von Senatoren, Erben reicher Familien. Unter ihnen auch Publius Cornelius Scaevola, der mit selbstgefälligem Lächeln und funkelndem Schmuck auf sie zutrat. Er verneigte sich, küsste die Fingerspitzen ihrer Hand, als gehöre sie ihm bereits. Julia erwiderte die Geste höflich, doch in ihrem Inneren regte sich Widerwille.Da ertönte ein neues Geräusch: das dumpfe Schlagen schwerer Sandalen auf dem Steinboden. Gespräche verstummten, als sich alle Blicke zum Eingang richteten.Die Musik schwieg.Durch die große Tür trat er ein: hochgewachsen, von breiten Schultern, sein Schritt fest und doch gemessen. Die Fackeln warfen Licht auf die Rüstung, die er trug – nicht in prunkvollem Glanz, sondern schlicht, von Feldzügen gezeichnet, und doch mit dem purpurnen Umhang, der seinen Rang verriet. Goldene Verzierungen an Brustpanzer und Schwertscheide waren nicht überladen, sondern Zeichen echter Würde.Julia sog leise den Atem ein.Sie wusste sofort, wer er war, noch bevor sein Name fiel. Kein anderer konnte mit solcher Selbstverständlichkeit den Raum füllen, als gehörte er ihm. Kein anderer konnte zugleich so gefürchtet und so bewundert sein. Marcus Aelius Varro – der Mann, dessen Siege in allen Foren erzählt wurden, dessen Name auf den Lippen der Bürger lag.Bis heute war er für sie nur eine Geschichte gewesen, ein ferner Klang von Ruhm und Stahl. Nun stand er vor ihr, aus Fleisch und Blut.Er schritt durch die Reihen der Gäste, die sich ehrfürchtig neigten, und kam schließlich zu Lucius Valerius. Mit einem kräftigen, aber respektvollen Gruß legte er die Hand auf die Schulter ihres Vaters.„Lucius“, sprach er mit fester Stimme, „Rom schuldet dir Dank für deine Gastfreundschaft.“Ihr Vater lächelte stolz. „Und Rom schuldet dir seine Siege, Marcus. Mein Haus ist geehrt, dich heute zu empfangen.“Julia trat einen halben Schritt zurück, wagte nicht, sich zu sehr zu zeigen. Doch ihr Blick hing an ihm. Sie sah die silbrig schimmernden Strähnen an seinen Schläfen, die Strenge seines Gesichtes, die Klarheit seiner Augen. Stahlblau, wie ein Himmel vor dem Sturm.Etwas regte sich in ihrem Inneren, etwas, das sie nicht benennen konnte. Ein leises, unruhiges Pochen, das stärker wurde, je länger sie ihn betrachtete.Er hatte sie noch nicht bemerkt. Sein Blick lag auf ihrem Vater, auf den Männern, die sich um sie scharten. Doch in Julias Herz war bereits ein Funke entzündet worden – ein erster Blick, der ihr ganzes Leben verändern sollte.

Kapitel 3

Das Fest war in vollem Gange. Gelächter hallte durch die hohen Säulenhallen, Musik erklang wieder, Kelche klirrten. Diener gingen zwischen den Lagern umher, schenkten Wein nach, reichten Schalen mit gebratenem Geflügel, Oliven und süßem Honiggebäck.Julia hatte sich an den Rand des Geschehens zurückgezogen, wie es ihr manchmal gelang, ohne Aufsehen zu erregen. Auf einer halbhohen Liege sitzend, den goldenen Becher in den Händen, wirkte sie beinahe wie ein Teil der Dekoration: die schlanke Gestalt im hellen Stoff, von den Fackeln in warmes Licht getaucht, umgeben von duftenden Lorbeerzweigen und bunten Teppichen.Doch ihr Inneres war alles andere als still.Ihr Blick suchte unablässig die Menge, und immer wieder blieb er an einer Gestalt hängen: Marcus Aelius Varro.Er bewegte sich durch den Saal mit einer Ruhe, die zugleich Stärke verriet. Keine Hast, kein übertriebener Gestus – und doch wandte sich jede Gruppe ihm zu, sobald er näherkam. Männer verneigten sich, reichten ihm ehrerbietig die Hand, Frauen lächelten verstohlen und flüsterten hinter Fächern.Julia beobachtete, wie er einem alten Senator aufmerksam zuhörte, dann kurz das Haupt neigte, ehe er weiterging. Ein junger Mann sprach eifrig auf ihn ein, und Marcus erwiderte mit einem kurzen, tiefen Lachen. Dieses Lachen traf Julia unvermittelt – warm, klangvoll, so ganz anders als die leeren Worte derer, die sonst um sie warben.Die Stimme, wenn er sprach, war tief und tragend. Selbst aus der Ferne konnte sie die Schwere in ihr hören, wie ein Echo, das in ihr nachhallte.Julia hob den Kelch an die Lippen, doch ihr Mund war trocken, und der Wein schmeckte nicht. Sie zwang sich, nicht zu sehr zu starren, und doch folgte ihr Blick ihm immer wieder, als hätte er eine unsichtbare Macht über sie gewonnen.Dann, in einem unachtsamen Moment, stellte sie das Gefäß beiseite. Der goldene Rand schlug leise gegen die Platte, ein Klang, der sie ablenkte.Als sie wieder aufsah, war er verschwunden.Verwirrt glitt ihr Blick durch die Menge. Stimmen, Gesichter, Tücher, Weinbecher, Gold und Purpur. Sie suchte nach der dunklen Rüstung, nach dem Purpurumhang, nach der Haltung, die sich so unweigerlich abhob. Doch Marcus war nicht mehr dort, wo er eben noch gestanden hatte.Ein leises Ziehen erfasste ihr Herz, als hätte man ihr etwas entrissen. Sie lehnte sich zurück, zwang sich zur Ruhe, doch die Unruhe blieb.Wo war er?Ein Gedanke, so unvernünftig er war, brannte sich in ihr Herz: Sie wollte ihn wiedersehen, diesen Mann, der bis eben nur ein Name gewesen war und nun so lebendig in ihrer Brust nachklang.Und während das Fest um sie in voller Pracht tobte, spürte Julia zum ersten Mal, wie das Schicksal seine unsichtbaren Fäden spann.

Kapitel 4

Julia hatte den Becher wieder zur Hand genommen, mehr um sich zu beschäftigen als aus wirklichem Durst. Da trat Publius Cornelius Scaevola vor sie hin, so selbstsicher, als sei der Platz an ihrer Seite schon für ihn bestimmt.„Julia Valeria“, begann er mit geschmeidiger Stimme, während er sich tief verneigte, „wieder einmal überstrahlen Sie selbst das Licht der Fackeln. Rom sollte sich glücklich schätzen, eine solche Zierde in seinen Mauern zu wissen.“Er nahm ihre Hand, ehe sie es verhindern konnte, und berührte sie flüchtig mit den Lippen. Seine Augen glänzten, als wartete er auf die Wirkung seiner Geste.„Ihr seid zu gütig, Publius“, erwiderte Julia mit wohlgesetzter Höflichkeit. Ihr Lächeln war geübt, nicht mehr und nicht weniger.„Nein, nicht gütig genug“, fuhr er fort. „Eure Schönheit verdient Verse von Dichtern, Statuen von Künstlern. Ich schwöre, die Götter selbst müssen Euch beneiden, dass sie Euch solches Antlitz verliehen haben.“Julia nickte, trank einen Schluck, ließ ihn reden. Worte perlten an ihr ab wie Regen auf Marmor. Sie wusste, ihr Vater sah in ihm einen würdigen Anwärter, doch in ihrem Inneren empfand sie nur Leere, wo er Glut entfachen wollte.Da näherte sich ein anderer Senator, älter, ehrwürdiger, und legte Publius die Hand auf den Arm. „Komm, mein Junge, ich muss mit dir über die jüngste Abstimmung im Senat sprechen.“Publius zögerte, verneigte sich jedoch noch einmal tief vor Julia, ehe er sich widerwillig entfernen ließ.Allein zurückgeblieben, atmete Julia sacht auf. Sie wandte den Kopf leicht zur Seite, ließ die Augen unauffällig verdrehen, und ein unterdrücktes Gähnen stahl sich aus ihrer Kehle. Rasch hob sie die Hand, um es zu verbergen – doch genau in diesem Moment hörte sie eine Stimme neben sich.„So also sieht wahre Ehrlichkeit aus.“Julia erstarrte.Langsam wandte sie den Kopf, und da stand er – Marcus Aelius Varro. Näher, als sie ihn je geglaubt hätte. Die Schultern mächtig, der Umhang locker übergeworfen, die Augen von funkelndem Blau.Ihr Herz setzte einen Schlag aus.Er sah sie an, ein leichtes, belustigtes Lächeln um die Lippen, während er den Kopf neigte. „Verzeiht, dass ich Euch belauschte. Aber selten wirkt ein Gähnen erfrischender als all die gestelzten Komplimente, die durch diesen Saal hallen.“Julia brachte kaum Worte hervor, ihre Finger krampften sich um den Becher. „Ich… ich fürchte, Ihr habt mich in einem unachtsamen Moment gesehen.“